Montag, 3. November 2008
Feueradern
Das sieht nur ein paar Minuten so aus, während sich der Stau von Rottach bis zur Autobahn erstreckt.

Hielte man an, würde man ein paar Plätze im Stau verlieren, also fahren sie weiter, und so bin ich allein am See. Die Menschen sind seltsam: Als gäbe es nichts wichtigeres, als in die Dunkelheit und in die grosse Stadt mit der schlechten Luft zu kommen.

Hielte man an, würde man ein paar Plätze im Stau verlieren, also fahren sie weiter, und so bin ich allein am See. Die Menschen sind seltsam: Als gäbe es nichts wichtigeres, als in die Dunkelheit und in die grosse Stadt mit der schlechten Luft zu kommen.
donalphons, 00:44h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Montag, 27. Oktober 2008
Und nun ausgewählte Wetterwerte aus Deutschland
Hamburg, starker Regen, 9 Grad.

Emden, Regen 10 Grad.

Berlin, Regen, 11 Grad.

Köln, leicher Regen, 12 Grad.

Dresden, starker Regen bei 9 Grad.

Stuttgart, Regen, 15 Grad

München, stark bewölkt, 15 Grad.

Chiemsee, längere sonnige Abschnitte, 19 Grad.

Emden, Regen 10 Grad.

Berlin, Regen, 11 Grad.

Köln, leicher Regen, 12 Grad.

Dresden, starker Regen bei 9 Grad.

Stuttgart, Regen, 15 Grad

München, stark bewölkt, 15 Grad.

Chiemsee, längere sonnige Abschnitte, 19 Grad.
donalphons, 19:57h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 17. Oktober 2008
Ausser der Reihe.
Man hört, dass ein Startup keine kleinen, bunten Figürchen mehr macht, weil es zu teuer ist. Ich denke, bald wird auch zoomer.de keine bunten Beiträgchen mehr machen, weil niemand den Trash haben will.

Mir ist da übrigens noch was Lustiges aufgefallen. Erinnert sich jemand an Adnation? Dieses Blogwerbedingens von Johnny Häusler und Sascha Laobo, das früher Adical hiess. Sascha Lobo ist gerade mit einem Buch namens "Asozial und Spass dabei" (glaub ich, oder so ähnlich) am Start, in einer Zeit, die jetzt nicht so arg toll zu Schlendrian passt. Wie auch immer: Das Buch wird beim Tagesspiegel online dick beworben. Aber nicht bei Adnation. Schon komisch, wenn die eigene Kampagne eines Blogvermarkters nicht bei der Blogvermarktungsagentur läuft. Sagt einiges darüber aus, wie Blogvermarktung gesehen wird. Ich sass heute unten am See und dachte mir: Da hat man manche Blognachbarn aber sauber verarscht.

Ich gehe nachher gleich wieder runter, bevor die gesamte Münchner Region einfällt. Ich würde zwei Links hinterlassen, über die man sich Gedanken machen kann. Einerseits über die systemischen Bankenprobleme in Irland, andererseits der Giftmüll der CDOs, die mit der Staatspleite von Island auf uns zukommen. Man kann nichts tun, aber es ist vielleicht ganz gut zu wissen, was da noch alles kommt.

Ich habe in den letzten Tagen auch festgestellt, dass es buchstäblich nichts über das Transferieren von kleinen Barschaften in die Schweiz und das Eröffnen dortiger Konten gibt. Das machen sehr viele Leute, es ist beliebt, und die Schweiz verdankt diesem Strom von Geld und Menschen einiges - aber keiner schreibt, wie es ist. Wie sich das anfühlt. Ich kam mir erst vor wie ein Depp, dass ich sowas im 21. Jahrhundert noch machen muss, auf dem Stilfser Joch hatte ich es längst vergessen, und rückblickend waren es einfach zwei wunderschöne Tage. Inzwischen weiss ich, warum man das tut. Gerne und gerne wieder. Ich nehme das Notebook mit und schreibe da unten eine längere Geschichte darüber. Die Zeiten sind schlecht, aber das heisst nicht, dass wir kein Vergnügen haben sollte. Es kostet mich nur etwas Zeit, aber was gäbe es schöneres als Zeit am Wasser vor den Bergen.
(Ich mein: Bunte Figürchen. Gossentexte. Isländische CDOs. Irländische Banken. Lobo. Blogwerbung. Eine grosse, sonnige Tour durch Österreich, Schweiz und Italien. Was passt nicht in diese Reihe?)

Mir ist da übrigens noch was Lustiges aufgefallen. Erinnert sich jemand an Adnation? Dieses Blogwerbedingens von Johnny Häusler und Sascha Laobo, das früher Adical hiess. Sascha Lobo ist gerade mit einem Buch namens "Asozial und Spass dabei" (glaub ich, oder so ähnlich) am Start, in einer Zeit, die jetzt nicht so arg toll zu Schlendrian passt. Wie auch immer: Das Buch wird beim Tagesspiegel online dick beworben. Aber nicht bei Adnation. Schon komisch, wenn die eigene Kampagne eines Blogvermarkters nicht bei der Blogvermarktungsagentur läuft. Sagt einiges darüber aus, wie Blogvermarktung gesehen wird. Ich sass heute unten am See und dachte mir: Da hat man manche Blognachbarn aber sauber verarscht.

Ich gehe nachher gleich wieder runter, bevor die gesamte Münchner Region einfällt. Ich würde zwei Links hinterlassen, über die man sich Gedanken machen kann. Einerseits über die systemischen Bankenprobleme in Irland, andererseits der Giftmüll der CDOs, die mit der Staatspleite von Island auf uns zukommen. Man kann nichts tun, aber es ist vielleicht ganz gut zu wissen, was da noch alles kommt.

Ich habe in den letzten Tagen auch festgestellt, dass es buchstäblich nichts über das Transferieren von kleinen Barschaften in die Schweiz und das Eröffnen dortiger Konten gibt. Das machen sehr viele Leute, es ist beliebt, und die Schweiz verdankt diesem Strom von Geld und Menschen einiges - aber keiner schreibt, wie es ist. Wie sich das anfühlt. Ich kam mir erst vor wie ein Depp, dass ich sowas im 21. Jahrhundert noch machen muss, auf dem Stilfser Joch hatte ich es längst vergessen, und rückblickend waren es einfach zwei wunderschöne Tage. Inzwischen weiss ich, warum man das tut. Gerne und gerne wieder. Ich nehme das Notebook mit und schreibe da unten eine längere Geschichte darüber. Die Zeiten sind schlecht, aber das heisst nicht, dass wir kein Vergnügen haben sollte. Es kostet mich nur etwas Zeit, aber was gäbe es schöneres als Zeit am Wasser vor den Bergen.
(Ich mein: Bunte Figürchen. Gossentexte. Isländische CDOs. Irländische Banken. Lobo. Blogwerbung. Eine grosse, sonnige Tour durch Österreich, Schweiz und Italien. Was passt nicht in diese Reihe?)
donalphons, 13:47h
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Montag, 13. Oktober 2008
Abend/Morgen
Die Gäste kamen, als die Münchner im Stau nach Norden steckten.

Heute geht es mit Iris und Susi auf den Ahornboden. Wir haben phantastisches Wetter. Hätte ich am Freitag nicht Nebel gesehen, ich könnte mir nicht vorstellen, dass es dergleichen hier gibt.

Netterweise haben sich die Verpflichtungen auch in Luft aufgelöst, Berlin war dann doch zu riskant - bis zum nächsten Meinungsumschwung. Warum können die Leute nicht einfach ihr Geld in einem langen, soliden Rutsch ohne Umschichten und Panik verlieren?

Heute geht es mit Iris und Susi auf den Ahornboden. Wir haben phantastisches Wetter. Hätte ich am Freitag nicht Nebel gesehen, ich könnte mir nicht vorstellen, dass es dergleichen hier gibt.

Netterweise haben sich die Verpflichtungen auch in Luft aufgelöst, Berlin war dann doch zu riskant - bis zum nächsten Meinungsumschwung. Warum können die Leute nicht einfach ihr Geld in einem langen, soliden Rutsch ohne Umschichten und Panik verlieren?
donalphons, 14:03h
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Sonntag, 12. Oktober 2008
Der Nebel der anderen
Mit dem Herbst kommt nicht nur die Buchmesse nach Frankfurt, sondern auch der Nebel. Man wacht morgens auf und sieht nur noch drei Häuser weit. Und auch nach oben hin verschluckt er alles, und als erstes verschwinden die Vorstandsetagen der Banktürme. Ich kann die Stadt gut verstehen. Wenn ich Frankfurt wäre, ich vernebelte das Elend auch in einer weißen, undurchdringlichen Suppe.

Ich kenne das auch. Fluss macht Nebel. Niederung läuft voll. Diese entsetzlichen Oktobertage, in denen es über der Suppe warm und sonnig sein muss. Wenn in der Wettervorhersage kommt: "Bis zum Mittag Bodennebel, teilweise beständig, im Voralpenland sonnig."

Wie ich hörte, war es in der Provinz bis zum frühen Nachmittag grau, dann hob sich der Nebel, wurde zum Hochnebel und bequemte sich gegen zwei Uhr, sich aufzulösen. Am See, über dem See dagegen war es sonnig, seit dem Moment, da mich die Kuhglocken aus dem Schlummer holten.

Es ist wirklich schön hier. Nicht nur warm, sondern heiss auf der Haut. 12. Oktober, und am See lagen welche im Badeanzug, manche gingen sogar schwimmen. Und es soll so bleiben. Morgen, übermorgen. Kein Nebel, nirgends, ausser im Norden.

Ich kenne das auch. Fluss macht Nebel. Niederung läuft voll. Diese entsetzlichen Oktobertage, in denen es über der Suppe warm und sonnig sein muss. Wenn in der Wettervorhersage kommt: "Bis zum Mittag Bodennebel, teilweise beständig, im Voralpenland sonnig."

Wie ich hörte, war es in der Provinz bis zum frühen Nachmittag grau, dann hob sich der Nebel, wurde zum Hochnebel und bequemte sich gegen zwei Uhr, sich aufzulösen. Am See, über dem See dagegen war es sonnig, seit dem Moment, da mich die Kuhglocken aus dem Schlummer holten.

Es ist wirklich schön hier. Nicht nur warm, sondern heiss auf der Haut. 12. Oktober, und am See lagen welche im Badeanzug, manche gingen sogar schwimmen. Und es soll so bleiben. Morgen, übermorgen. Kein Nebel, nirgends, ausser im Norden.
donalphons, 19:19h
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Freitag, 10. Oktober 2008
Winterlicht
Noch ist es warm am See, man kann draussen sitzen und an der Promenade laufen, über buntes Laub und lindgrünem Gras. Aber der See und der Himmel glänzen bereits in den eisigen Farben des Winters.

Morgen bin ich unterwegs, weit weg von jeder Anbindung, und in manchen Bereichen findet auch das Handy keinen Empfang mehr. Aber ich weiss ja, was passiert: Die Anzeichen für den grossen Ausstieg aus dem System werden sich mehren, wir werden noch eine Runde des Niedergangs erleben, und die Bereinigung der Credit Default Swaps der Lehman-Pleite wird Fragen aufwerfen, was wäre, wenn wir das auch bei Morgan Stanley tun müssten.
Hätte mir vor zwei Jahren jemand erzählt, ich würde im Herbst 2008 am vielleicht letzten Tag des freien Marktes noch schnell über die Alpen fegen und ein Konto in der Schweiz aufmachen, ich hätte ihn für verrückt erklärt.

Morgen bin ich unterwegs, weit weg von jeder Anbindung, und in manchen Bereichen findet auch das Handy keinen Empfang mehr. Aber ich weiss ja, was passiert: Die Anzeichen für den grossen Ausstieg aus dem System werden sich mehren, wir werden noch eine Runde des Niedergangs erleben, und die Bereinigung der Credit Default Swaps der Lehman-Pleite wird Fragen aufwerfen, was wäre, wenn wir das auch bei Morgan Stanley tun müssten.
Hätte mir vor zwei Jahren jemand erzählt, ich würde im Herbst 2008 am vielleicht letzten Tag des freien Marktes noch schnell über die Alpen fegen und ein Konto in der Schweiz aufmachen, ich hätte ihn für verrückt erklärt.
donalphons, 00:32h
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Montag, 22. September 2008
Ich mag keine eingebetteten Videos in Blogs
Mir liegt die Bröckerloptik nicht, die schlechten Farben, der Ton, sehr oft, meistens sogar bei vielen Blogs die Klauerei von fremden Inhalten. Ich will nicht sehen, was andere bei Youtube rauskramen, sondern das, was sie selbst erleben. Und da ist im Internet das Photo immer noch das Mass aller Dinge.

Und ich mag es auch nicht, wenn sowas dann die Startseite verschandelt. Trotzdem könnte es ja sein, dass der ein oder andere wissen möchte, wie es ist, vorne auf die Barchetta geschnallt von mir den Jaufenpass hochgescheucht zu werden, wenn ich nach der unteren Ampel gewartet und einem Pulk drei Minuten Vorsprung gegeben habe. Freie Bahn, und ich fahre auch aus Sorge um die Kamera für meine ehemaligen Arbeitsverhältnisse alles andere als schnell. Es sieht nur so aus.
[Edit: Eigentlich sollte es in einen Kommentar, aber ich vergass, dass es bei Blogger aus Sicherheitsgründen nicht geht. Dann also hier:]
Es endet oben am Jaufenhaus, weil nach 9 Minuten das Ende des vorausfahrenden Pulks um die letzten Kurven zur Passhöhe kroch, mit einem Blick hinunter nach Sterzing.
Und ich weiss auch, dass so etwas in 30 Jahren nicht mehr möglich sein wird. Deshalb nehme ich es auch jetzt noch mit. Für später, am Kamin, wenn Opa erzählt, wie das mit den lauten Stinkern war.

Und ich mag es auch nicht, wenn sowas dann die Startseite verschandelt. Trotzdem könnte es ja sein, dass der ein oder andere wissen möchte, wie es ist, vorne auf die Barchetta geschnallt von mir den Jaufenpass hochgescheucht zu werden, wenn ich nach der unteren Ampel gewartet und einem Pulk drei Minuten Vorsprung gegeben habe. Freie Bahn, und ich fahre auch aus Sorge um die Kamera für meine ehemaligen Arbeitsverhältnisse alles andere als schnell. Es sieht nur so aus.
[Edit: Eigentlich sollte es in einen Kommentar, aber ich vergass, dass es bei Blogger aus Sicherheitsgründen nicht geht. Dann also hier:]
Es endet oben am Jaufenhaus, weil nach 9 Minuten das Ende des vorausfahrenden Pulks um die letzten Kurven zur Passhöhe kroch, mit einem Blick hinunter nach Sterzing.
Und ich weiss auch, dass so etwas in 30 Jahren nicht mehr möglich sein wird. Deshalb nehme ich es auch jetzt noch mit. Für später, am Kamin, wenn Opa erzählt, wie das mit den lauten Stinkern war.
donalphons, 01:20h
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Samstag, 20. September 2008
Morgen ist ein guter Tag, Bayern zu verlassen
Am See bleibt es kalt, aber in Meran soll es 20 Grad haben.

Und das Timmelsjoch ist noch offen.

Und das Timmelsjoch ist noch offen.
donalphons, 01:09h
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Freitag, 19. September 2008
Es ist wie immer
Heute war ein grandioser Roadstertag. Kalt, aber unfassbar schon. Und genau das macht es so unvorstellbar, dass diese Welt gerade implodiert. Normalerweise löst das Fahren bei mir Schreibblockaden, festgefahrene Gedanken und Angstzustände auf; aber nicht heute.

Die Sache mit der bayerischen Landesbank und ihren 350 Millionen Verlusten bei Lehman sickerte so gegen 11 Uhr durch, jemand hat mich angerufen, aber ich habe es beim Fahren nicht gehört, und erst zwischendrin die SMS gelesen. Das wird die CSU bei der Landtagswahl auf d´Goschn fallen lassen, das ist der richtige Sargnagel für die Jauchegrube, der Huber kann sich gleich nach Brüssel verservussen, aber damit erwischt es auch die Sparkassen und damit alle. Und es wird noch mehr kommen. Mehr und näher. Auch wenn es an so einem Tag nur rational, aber nicht gefühlt begreifbar ist.

Die Sache mit der bayerischen Landesbank und ihren 350 Millionen Verlusten bei Lehman sickerte so gegen 11 Uhr durch, jemand hat mich angerufen, aber ich habe es beim Fahren nicht gehört, und erst zwischendrin die SMS gelesen. Das wird die CSU bei der Landtagswahl auf d´Goschn fallen lassen, das ist der richtige Sargnagel für die Jauchegrube, der Huber kann sich gleich nach Brüssel verservussen, aber damit erwischt es auch die Sparkassen und damit alle. Und es wird noch mehr kommen. Mehr und näher. Auch wenn es an so einem Tag nur rational, aber nicht gefühlt begreifbar ist.
donalphons, 01:01h
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Donnerstag, 18. September 2008
Wir sterben einsam.
Ich kenne eine ältere Dame, die ein Haus an einem See in Oberbayern hat. Und diese Dame hat einen einzigen Sohn, der wiederum hat eine Frau und mit dieser Frau zusammen ein Kind. Letzthin habe ich ihr geraten, die Schwiegertochter mt Rattengift aus dem Weg zu räumen. Die hatte sich nämlich bei einem nicht allzu verschwiegenen Makler erkundigt, wieviel Miete so ein Haus bringen würde, und angedeutet, dass es nächstes Jahr so weit sein sollte. Die Dame ist zwar älter, aber noch durchaus in der Lage, Bäume umzusägen, Holz zu schlichten und eine Strecke zu schwimmen, auf der ich mich in eine Bleiente verwandeln würde. Es gab, als die Geschichte herauskam, einen grossen Krach, in dessen Folge die Dame verstand, dass sie ziemlich alleine mit der Auffassung war, das Pflegeheim könnte noch warten.

Ich gebe offen zu, dass ich keine Ahnung habe, wie es andernorts, in anderen Schichten ausschaut. Aber meine Mutter sagte mir einen alten Spruch, der hier bei den Bauern beliebt war: "Weidergebn - Nimma lebm". Und ich habe einen Freund aus dem Dorf, bei dem wir früher gefeiert haben. Im leerstehenden Austraghäusl für die Alten. Das so kalt und primitiv war, dass sie sicher nicht sehr alt wurden. Möglicherweise ist es also nicht neu und überall üblich, den natürlichen Gang der Dinge zu beschleunigen. An das muss ich immer denken, wenn man mir bei den wenigen seltsamen Gelegenheiten Kinder eintgegenhält und mir erzählt, wie toll das mal sein wird, wenn man alt ist, und jemanden hat, der sich um einen kümmert.

Ich habe keine Kinder, ich will keine Kinder, und ich habe die brutal-schlächtigen Gene zweier ziemlich robusten Familien in mir, deren Angehörige sehr alt werden und, wenn sie dann endlich sterben wollen, das auch vergleichsweise schnell tun. Leben, sterben, etwas anderes gibt es bei uns nicht und zum Arzt geht man auch nicht. Dennoch habe ich zwei Jahre Erfahrung im fast täglichen Besuch in einem Altersheim, und dort kannte mich jeder. Als derjenige, der immer kam. Um es ganz brutal zu sagen: Die anderen kamen in aller Regel zu Weihnachten, Ostern, zum Geburtstag und nach dem Sterbetag. Keine Grattler. Beste Familien der Stadt. Oft gehörte Ausrede der Enkelinnen, die anzusprechen ich mich ab und an erdreistete, weil das Elend der auf dem Gang versauernden, von der Gesellschaft ausgeschlossenen Damen und ihrer Lügen - die B. käme schon öfters, ich würde sie nur verpassen - nicht zu ertragen war: Sie können nicht, sie müssen sich um ihre eigene Kinder kümmern.

Praktisch, so ein Kind. Und auch irgendwo verständlich. Man kann sich das Leben noch einigermassen schön machen, da mag man nicht wirklich zuschauen, wie ein anderer über Jahre zerfällt. Zumal das heute eine ziemlich lange und ungewohnt harte Erfahrung sein kann. Nachvollziehbar, irgendwo. Sicher auch mal für das eigene Kind, später mal. Manche haben das Glück, genug Geld für einen getarnten Pflegeplatz zu bekommen; ich kenne so eine Einrichtung in Rottach, mit Wappen, Chalets, Arzt und 2500 Euro Miete pro Person, ohne Extras. Rottach ist hübsch weit weg von München, also am Wochenende, da klappt das. Oder am Wochenende drauf. Andere haben im Alter das Geld nicht. Tja.

Vermutlich werde ich einsam sterben. Offen gesagt, ich möchte damit auch keinem auf den Sack gehen, so ich nicht die Torheit begehe, zum Finale die Barchetta in den Dienstwagen eines besonders widerlichen Politikers zu setzen, den anderweitig zu überleben mir nicht vergönnt wäre. Ganz sicher aber werde ich ohne die Torheit sterben, ein paar Hunderttausend in Blagen versenkt zu haben, die schon mit dem Antiquar telefonieren, um meinen handsignierten Mann zu verscheuern und die Erstausgabe des Candide taxieren zu lassen. Sterben ist immer einsam, das muss man alleine tun, so langweilig und banal es auch ist, aber es ist sicher leichter, wenn man sich nicht über all die Versäumnisse ärgert, die nun jenen zum Vorteil gereichen, die sich nachher mindestens so von irdischen Bedrängnissen befreit fühlen, wie man es selbst tatsächlich ist.
(Alle Bilder aus Hall in Tirol, das zum leben schön ist)

Ich gebe offen zu, dass ich keine Ahnung habe, wie es andernorts, in anderen Schichten ausschaut. Aber meine Mutter sagte mir einen alten Spruch, der hier bei den Bauern beliebt war: "Weidergebn - Nimma lebm". Und ich habe einen Freund aus dem Dorf, bei dem wir früher gefeiert haben. Im leerstehenden Austraghäusl für die Alten. Das so kalt und primitiv war, dass sie sicher nicht sehr alt wurden. Möglicherweise ist es also nicht neu und überall üblich, den natürlichen Gang der Dinge zu beschleunigen. An das muss ich immer denken, wenn man mir bei den wenigen seltsamen Gelegenheiten Kinder eintgegenhält und mir erzählt, wie toll das mal sein wird, wenn man alt ist, und jemanden hat, der sich um einen kümmert.

Ich habe keine Kinder, ich will keine Kinder, und ich habe die brutal-schlächtigen Gene zweier ziemlich robusten Familien in mir, deren Angehörige sehr alt werden und, wenn sie dann endlich sterben wollen, das auch vergleichsweise schnell tun. Leben, sterben, etwas anderes gibt es bei uns nicht und zum Arzt geht man auch nicht. Dennoch habe ich zwei Jahre Erfahrung im fast täglichen Besuch in einem Altersheim, und dort kannte mich jeder. Als derjenige, der immer kam. Um es ganz brutal zu sagen: Die anderen kamen in aller Regel zu Weihnachten, Ostern, zum Geburtstag und nach dem Sterbetag. Keine Grattler. Beste Familien der Stadt. Oft gehörte Ausrede der Enkelinnen, die anzusprechen ich mich ab und an erdreistete, weil das Elend der auf dem Gang versauernden, von der Gesellschaft ausgeschlossenen Damen und ihrer Lügen - die B. käme schon öfters, ich würde sie nur verpassen - nicht zu ertragen war: Sie können nicht, sie müssen sich um ihre eigene Kinder kümmern.

Praktisch, so ein Kind. Und auch irgendwo verständlich. Man kann sich das Leben noch einigermassen schön machen, da mag man nicht wirklich zuschauen, wie ein anderer über Jahre zerfällt. Zumal das heute eine ziemlich lange und ungewohnt harte Erfahrung sein kann. Nachvollziehbar, irgendwo. Sicher auch mal für das eigene Kind, später mal. Manche haben das Glück, genug Geld für einen getarnten Pflegeplatz zu bekommen; ich kenne so eine Einrichtung in Rottach, mit Wappen, Chalets, Arzt und 2500 Euro Miete pro Person, ohne Extras. Rottach ist hübsch weit weg von München, also am Wochenende, da klappt das. Oder am Wochenende drauf. Andere haben im Alter das Geld nicht. Tja.

Vermutlich werde ich einsam sterben. Offen gesagt, ich möchte damit auch keinem auf den Sack gehen, so ich nicht die Torheit begehe, zum Finale die Barchetta in den Dienstwagen eines besonders widerlichen Politikers zu setzen, den anderweitig zu überleben mir nicht vergönnt wäre. Ganz sicher aber werde ich ohne die Torheit sterben, ein paar Hunderttausend in Blagen versenkt zu haben, die schon mit dem Antiquar telefonieren, um meinen handsignierten Mann zu verscheuern und die Erstausgabe des Candide taxieren zu lassen. Sterben ist immer einsam, das muss man alleine tun, so langweilig und banal es auch ist, aber es ist sicher leichter, wenn man sich nicht über all die Versäumnisse ärgert, die nun jenen zum Vorteil gereichen, die sich nachher mindestens so von irdischen Bedrängnissen befreit fühlen, wie man es selbst tatsächlich ist.
(Alle Bilder aus Hall in Tirol, das zum leben schön ist)
donalphons, 01:43h
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