Mittwoch, 8. Juni 2011
Der grosse Wald
Ich führe nicht gern Interviews. Ich denke, es gibt viel zu sagen, was keinen anderen braucht, und ausserdem hasse ich das Glätten und das Abnicken von aufgeblasenen Nichtsen, die sich toll vorkommen, weil sie es dem Journalisten jetzt mal richtig zeigen können. Feine Herren wie jener polnische Untergrundkämpfer, den ich vor über 10 Jahren einmal zwei Stunden erzählen lassen konnte, traf ich zu selten.
Aber dieser eine Mann war den ganzen Ärger mit den anderen wert. Es gab damals verschiedene Arten von Partisanen, die sich oft nicht grün waren; er selbst war ein Waldpartisan in der dünn bediedelten Gegend entlang der Grenze zu dem, was heute die Slowakei ist. Die Partisanen nutzten die unterschiedlichen deutschen Dienststellen aus, die sich wohl nie ausrecichend bei der Jagd auf den Untergrund absprachen.Mal wichen sie in die polnischen und mal in die slowakischen Wälder aus. Er selbst bedauerte, dass die Wälder in Polen so klein waren; in Russland hätte man eine Woche marschieren können, und hätte nie den Wald und die Sümpfe verlassen., In Polen seien die Wällder selten grösser als ein, zwei Tagesmärsche der gegnerischen Soldaten Trotzdem muss das gross sein, dachte ich. Und was soll ich sagen: Heute war ich dort. Es ist enorm gross.

Und unübersichtlich. Und auch undurchdringbar. Man verliert darin schnell jede Orientierung. Was immer hier verschwindet, taucht vermutlich nicht mehr so schnell auf. Ab und an findet man hier entlang der Strassen auch noch altes Krieggerät im Boden, Reste der Anschläge auf Versorgungskonvois. Im Herbst ist hier alles voller Steinpilze. Es riecht sehr gut. Es ist gross und menschenleer. Lange, gerade Strassen ins Nichts. Ab und zu ein kleiner Flecken, den zu halten in diesem grünen, die Feinde versteckenden Meer sicher kein Vergnügen war.
Der Mann hatte gute Erinnerungen an seine Zeit im Wald. Der Partisan, erklärte er mir, kommt von der einen Seite und geht auf der anderen, er geht niemals den gleichen Weg zweimal. Kein Wunder: Hier würde man den alten Weg nach 10 Schritten nicht mehr finden.
Er wirkte jung, als er vom Wald erzählte. Er war ein sehr feiner Herr. Und es ist wirklich ein enorm grosser, sehr beeindruckender Wald.
Aber dieser eine Mann war den ganzen Ärger mit den anderen wert. Es gab damals verschiedene Arten von Partisanen, die sich oft nicht grün waren; er selbst war ein Waldpartisan in der dünn bediedelten Gegend entlang der Grenze zu dem, was heute die Slowakei ist. Die Partisanen nutzten die unterschiedlichen deutschen Dienststellen aus, die sich wohl nie ausrecichend bei der Jagd auf den Untergrund absprachen.Mal wichen sie in die polnischen und mal in die slowakischen Wälder aus. Er selbst bedauerte, dass die Wälder in Polen so klein waren; in Russland hätte man eine Woche marschieren können, und hätte nie den Wald und die Sümpfe verlassen., In Polen seien die Wällder selten grösser als ein, zwei Tagesmärsche der gegnerischen Soldaten Trotzdem muss das gross sein, dachte ich. Und was soll ich sagen: Heute war ich dort. Es ist enorm gross.

Und unübersichtlich. Und auch undurchdringbar. Man verliert darin schnell jede Orientierung. Was immer hier verschwindet, taucht vermutlich nicht mehr so schnell auf. Ab und an findet man hier entlang der Strassen auch noch altes Krieggerät im Boden, Reste der Anschläge auf Versorgungskonvois. Im Herbst ist hier alles voller Steinpilze. Es riecht sehr gut. Es ist gross und menschenleer. Lange, gerade Strassen ins Nichts. Ab und zu ein kleiner Flecken, den zu halten in diesem grünen, die Feinde versteckenden Meer sicher kein Vergnügen war.
Der Mann hatte gute Erinnerungen an seine Zeit im Wald. Der Partisan, erklärte er mir, kommt von der einen Seite und geht auf der anderen, er geht niemals den gleichen Weg zweimal. Kein Wunder: Hier würde man den alten Weg nach 10 Schritten nicht mehr finden.
Er wirkte jung, als er vom Wald erzählte. Er war ein sehr feiner Herr. Und es ist wirklich ein enorm grosser, sehr beeindruckender Wald.
donalphons, 01:02h
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Die DDR ist nicht tot
Sie produziert heute nur etwas mehr an der Marktwirtschaft orientiert für Käufer, die den Faktor Coolness als wichtigen Fortschritt für den Sozialismus erkennen.

(Ich war hinter Bautzen dann doch etwas müde. Und nochwas, liebe Vogtländer Billigmercedesfahrer: Wir haben Eucb nicht die Autobahnen und all die Förderung bezahlt, damit ihr uns anlichthupt, wenn euch dann eh die Kraft beim Überholen ausgeht. Nochmal sowas, und wir schicken Euch gleich wieder zum Mauerbau.)

(Ich war hinter Bautzen dann doch etwas müde. Und nochwas, liebe Vogtländer Billigmercedesfahrer: Wir haben Eucb nicht die Autobahnen und all die Förderung bezahlt, damit ihr uns anlichthupt, wenn euch dann eh die Kraft beim Überholen ausgeht. Nochmal sowas, und wir schicken Euch gleich wieder zum Mauerbau.)
donalphons, 00:57h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Donnerstag, 2. Juni 2011
Die Poesie einfangen
In Hausnummer 50, da wohnt sie, die Poesie. Eine ganze Familie? Oder hat sich jemand einen amüsanten Scherz erlaubt, so fröhlich, wie da Poesia steht?

Ein paar Tage später bin ich kurz daheim, fahre auf den Autobahnring und denke mir, dass ich den grossen, schwarzen Laster erst mal vorfahren lasse, um dann dahinter herauszuziehen. Und während ich das auf dem Beschleunigungsstreifen so denke, kommt der LKW herüber. Rechts ist kein Haltestreifen, nur die Leitplanke, und weiter vorne verschwindet dann die Spur. Ich verstehe noch immer nicht, wie die Reifen so nah sein können, ohne das Auto berührt zu haben. Das wäre beinahe unpoetisch geworden.

Man wird geboren, man stirbt, geboren wird man manchmal am richtigen Fleck oder am falschen, aber nur selten ist so ein Todesumstand richtig erfreulich. Es wurde daheim in den zwei Monaten erheblich gestorben, man konnte über einen überlebten Herzinfarkt fast froh sein, und nochmal glücklicher, wenn man sich bei guter Gesundheit überlegen konnte, was das einem sagen will. Die Schrift auf dem Kunstkubus sagt: Du irgendwie auch, mein Bester. Zumindest wiedergeboren. Lass Dir Zeit, Andernorts gewinnst Du gar nichts.

Das mit dem Zeitlassen ist einfach, daheim habe ich meine Rolex vergessen, und eine andere Uhr hatte ich nicht dabei. Es hat nicht weiter gestört, ich habe in manches Schaufenster geschaut, durchaus überlegt, sicher, aber es war nicht zwingend. Ich hatte keine Verpflichtungen, keine Termine, ein grosses Kann und kein rechtes Muss. Mittag ist vorbei wenn es nicht mehr so heiss ist. Zeit zu schreiben ist, wenn mir etwas einfällt.

Italien macht es einem leicht. Ein wenig unangenehm ist der Gedanke, dass es nicht so leicht gewesen sein könnte; das wäre zusammen mit den Begleitumständen unschön gewesen. Ich denke, kaum jemand würde mir glauben, behauptete ich, dass ich die neuen Blogs bei der FAZ ganz grandios finde. Man sieht eigentlich sehr genau, was funktionieren kann, man muss nur mal die Zahlen nehmen und in Konzepten und Ziekgruppen denken. Die Zeit hat bei den Blogs kein allzu gutes Händchen, zieht dann aber doch auch mal den Stecker. Es klingt paradox, aber ich wäre sicher nicht nochmal eingestiegen und durch so viele Kurven gekommen, wenn ich nicht wissen würde: Ich kann das machen. Ich muss aber nicht.

Bedenkt man, dass der Tod am Ende keine Kompromisse macht, ist es reichlich sinnlis, sich dafür selbst auf schwachsinnige Kompromisse gegen seine Überzeugzung einzulassen. Wenn wir diese Ansicht in den letzten Stunden vertreten, dann doch auch in den letzten Tagen, Wochen, Monaten, Jahren und Dekaden. Generell denke ich, dass die Leute nach all den Jahren des Heiapopeia die Schnauze voll haben von Scheinausgewogenheit und wortgenauen Absprachen, von Kabinettskriegen und ideologiefreier Wendehalsigkeit. Alle sind irgendwie grün und sozial und wirschaftsfreundlich, es gehen die Profile verloren und die Identitäten. All die fiesen Ratten des Atomausstiegskomplotts: Ich will nicht, dass die abschalten. Ich will, dass die das Abklingbecken in Ohu ausaufen, diw Ekelmerkel genaus wie der Feigling Seehofer, und wenn sie das mit ihren Kabinetten gepackt haben, gibt es zur Nachspeise Assesalz, dann dürfen sie auch die korrupten Wissenschaftler und die Pfeifen von der Presse mit invitieren, es ist genug für alle da, es gibt viel zu tun.

Es trifft leider zu oft die Falschen. Bei Fukushima, erzählte mir die Trüffelerbin, habe sie gemerkt, dass Italien dann relativ gesehen doch nicht so übel ist. Da hat sie wohl recht. Wobei auch hier gerüchteweise Giftmüllschiffe versekt wurden, und jeder Glaube an die Gestaltungsfähigkeit von Italienern geht verloren, wenn man nach Mailand hinenfährt. Man muss es aber nicht tun, man kann sich die erfreulichen Ecken heraussuchen, wo Milliardäre auf ihre Häuser schreiben, wie toll doch jene Arbeit jst, die sie hier gerade nicht verrichten.

Wie gesagt, die Poesie wohnt in Hausnummer 50 und also nicht hier und andernorts, vielleicht hätte ich anklopfen sollen und fragen, ob sie mich küssen möchte. Italien ist kein guter Ort zum Verfassen langer Texte, hier daheim jedoch habe ich Heuschnupfen und die Idee, dass ich das ein oder andere zurückstelle für das, was ich wirklich noch machen möchte, und das nicht ungeschrieben bleiben soll.

Wenn es fertig ist, schicke ich der Poesie ein Belegexemplar. Ihre Adresse habe ich ja.

Ein paar Tage später bin ich kurz daheim, fahre auf den Autobahnring und denke mir, dass ich den grossen, schwarzen Laster erst mal vorfahren lasse, um dann dahinter herauszuziehen. Und während ich das auf dem Beschleunigungsstreifen so denke, kommt der LKW herüber. Rechts ist kein Haltestreifen, nur die Leitplanke, und weiter vorne verschwindet dann die Spur. Ich verstehe noch immer nicht, wie die Reifen so nah sein können, ohne das Auto berührt zu haben. Das wäre beinahe unpoetisch geworden.

Man wird geboren, man stirbt, geboren wird man manchmal am richtigen Fleck oder am falschen, aber nur selten ist so ein Todesumstand richtig erfreulich. Es wurde daheim in den zwei Monaten erheblich gestorben, man konnte über einen überlebten Herzinfarkt fast froh sein, und nochmal glücklicher, wenn man sich bei guter Gesundheit überlegen konnte, was das einem sagen will. Die Schrift auf dem Kunstkubus sagt: Du irgendwie auch, mein Bester. Zumindest wiedergeboren. Lass Dir Zeit, Andernorts gewinnst Du gar nichts.

Das mit dem Zeitlassen ist einfach, daheim habe ich meine Rolex vergessen, und eine andere Uhr hatte ich nicht dabei. Es hat nicht weiter gestört, ich habe in manches Schaufenster geschaut, durchaus überlegt, sicher, aber es war nicht zwingend. Ich hatte keine Verpflichtungen, keine Termine, ein grosses Kann und kein rechtes Muss. Mittag ist vorbei wenn es nicht mehr so heiss ist. Zeit zu schreiben ist, wenn mir etwas einfällt.

Italien macht es einem leicht. Ein wenig unangenehm ist der Gedanke, dass es nicht so leicht gewesen sein könnte; das wäre zusammen mit den Begleitumständen unschön gewesen. Ich denke, kaum jemand würde mir glauben, behauptete ich, dass ich die neuen Blogs bei der FAZ ganz grandios finde. Man sieht eigentlich sehr genau, was funktionieren kann, man muss nur mal die Zahlen nehmen und in Konzepten und Ziekgruppen denken. Die Zeit hat bei den Blogs kein allzu gutes Händchen, zieht dann aber doch auch mal den Stecker. Es klingt paradox, aber ich wäre sicher nicht nochmal eingestiegen und durch so viele Kurven gekommen, wenn ich nicht wissen würde: Ich kann das machen. Ich muss aber nicht.

Bedenkt man, dass der Tod am Ende keine Kompromisse macht, ist es reichlich sinnlis, sich dafür selbst auf schwachsinnige Kompromisse gegen seine Überzeugzung einzulassen. Wenn wir diese Ansicht in den letzten Stunden vertreten, dann doch auch in den letzten Tagen, Wochen, Monaten, Jahren und Dekaden. Generell denke ich, dass die Leute nach all den Jahren des Heiapopeia die Schnauze voll haben von Scheinausgewogenheit und wortgenauen Absprachen, von Kabinettskriegen und ideologiefreier Wendehalsigkeit. Alle sind irgendwie grün und sozial und wirschaftsfreundlich, es gehen die Profile verloren und die Identitäten. All die fiesen Ratten des Atomausstiegskomplotts: Ich will nicht, dass die abschalten. Ich will, dass die das Abklingbecken in Ohu ausaufen, diw Ekelmerkel genaus wie der Feigling Seehofer, und wenn sie das mit ihren Kabinetten gepackt haben, gibt es zur Nachspeise Assesalz, dann dürfen sie auch die korrupten Wissenschaftler und die Pfeifen von der Presse mit invitieren, es ist genug für alle da, es gibt viel zu tun.

Es trifft leider zu oft die Falschen. Bei Fukushima, erzählte mir die Trüffelerbin, habe sie gemerkt, dass Italien dann relativ gesehen doch nicht so übel ist. Da hat sie wohl recht. Wobei auch hier gerüchteweise Giftmüllschiffe versekt wurden, und jeder Glaube an die Gestaltungsfähigkeit von Italienern geht verloren, wenn man nach Mailand hinenfährt. Man muss es aber nicht tun, man kann sich die erfreulichen Ecken heraussuchen, wo Milliardäre auf ihre Häuser schreiben, wie toll doch jene Arbeit jst, die sie hier gerade nicht verrichten.

Wie gesagt, die Poesie wohnt in Hausnummer 50 und also nicht hier und andernorts, vielleicht hätte ich anklopfen sollen und fragen, ob sie mich küssen möchte. Italien ist kein guter Ort zum Verfassen langer Texte, hier daheim jedoch habe ich Heuschnupfen und die Idee, dass ich das ein oder andere zurückstelle für das, was ich wirklich noch machen möchte, und das nicht ungeschrieben bleiben soll.

Wenn es fertig ist, schicke ich der Poesie ein Belegexemplar. Ihre Adresse habe ich ja.
donalphons, 01:10h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 31. Mai 2011
Noch einmal thematisch zugreifen
Italien ist ein schlechter Platz für etwaige Schreibblockaden.

Alles fällt mir hier zu, ich muss nur die Hand ausstrecken und eine schöne Strecke fahren und ein paar Schals kaufen, und schon habe ich das Material für eine grosse Abschreifung über Tennislehrer, Familienplanung, Immoibilienerwerb und Sehnsüchte. Für die FAZ.

Alles fällt mir hier zu, ich muss nur die Hand ausstrecken und eine schöne Strecke fahren und ein paar Schals kaufen, und schon habe ich das Material für eine grosse Abschreifung über Tennislehrer, Familienplanung, Immoibilienerwerb und Sehnsüchte. Für die FAZ.
donalphons, 16:48h
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Und was,
wenn der Wagen sich geweigert hätte, dieses Land, das ihm so gut bekommt, zu verlassen, wenn er nicht angesprungen wäre?

Oder wenn er unterwegs einfach den Dienst eingestellt hätte, weil er verstand, dass dies der beste Platz ist, um zu bleiben und auf den See zu schauen?

Was, wenn ich den Schlüssel nicht mehr gefunden hätte, den ich aus Versehen oben auf der Brüstung vergessen habe? Hätte ich ihn in das Wasser geworfen, ich hätte ihn nie mehr gefunden.

Dann hätte ich bleiben müssen, ich hätte bei Sara angerufen, ein Taxi genommen, auf den Ersatzschlüssel aus Deutschland gewartet, so etwas kann dauern, und nicht weiter nach Torbole gefahren.

Oberhalb des Ortes ist eine Steilkurve, und immer, wenn wir hier ankamen, sagten wir unserem Vater, er sollte bitte ganz weit hinausfahren, wo die schwarzen Gummistreifen über der weissen Warnfarbe Geschichten von Freiheit und Glück erzählen. Heute tasten sich die ankommenden Touristen durch das Geschlängel.

Ich trödle in die andere Richtung, ruhe mich ein paar Stunden auf einem Parkplatz aus, was nicht sehr stilsicher, aber wenigstens sicher ist, und bin beim ersten Licht der Sonne schon fast wieder daheim.

Schön ist es gewesen. So Blau, so Gold in den Nächten und so Rot und Silber am Tag, den Mietvetrag für 2012 habe ich schon unterschrieben, und so wird es nun immer sein. Es ist das erste Mal seit 37 Jahren, dass ich fast einen ganzen Frühling keinen Heuschnupfen hatte. Es war seitdem das erste Mal überhaupt, dass ich diese Jahreszeit umfassend draussen, in der Stadt und der Natur geniessen konnte, und zum ersten Mal war es kein Fluch. Mag ja sein, dass wir alle an Darmviren sterben, aber so richtig Leben waren April und Mai bei mir lange Zeit auch nicht. Als ich in München und Berlin lebte, war es nicht so schlimm, aber das waren Städte und der Zwang, sie in dieser Zeit nicht zu verlassen. Es gab die Wahl zwischen der engen Wohnung und der verstopften Atmung, und mit meiner Rückkehr in die Provinzen kam beides zusammen. Die Bäume, die Gräser, die Pollen, sie waren einfach zu nah. Jedes Jahr war ich deshalb ein wenig länger in Italien. Ab heute bin ich dann Teilzeititalienbewohner, nicht mehr nur Tourist, mit gemieteter Drittwohnung bei Bedarf.
Und das ist ein erhebendes Gefühl.

Oder wenn er unterwegs einfach den Dienst eingestellt hätte, weil er verstand, dass dies der beste Platz ist, um zu bleiben und auf den See zu schauen?

Was, wenn ich den Schlüssel nicht mehr gefunden hätte, den ich aus Versehen oben auf der Brüstung vergessen habe? Hätte ich ihn in das Wasser geworfen, ich hätte ihn nie mehr gefunden.

Dann hätte ich bleiben müssen, ich hätte bei Sara angerufen, ein Taxi genommen, auf den Ersatzschlüssel aus Deutschland gewartet, so etwas kann dauern, und nicht weiter nach Torbole gefahren.

Oberhalb des Ortes ist eine Steilkurve, und immer, wenn wir hier ankamen, sagten wir unserem Vater, er sollte bitte ganz weit hinausfahren, wo die schwarzen Gummistreifen über der weissen Warnfarbe Geschichten von Freiheit und Glück erzählen. Heute tasten sich die ankommenden Touristen durch das Geschlängel.

Ich trödle in die andere Richtung, ruhe mich ein paar Stunden auf einem Parkplatz aus, was nicht sehr stilsicher, aber wenigstens sicher ist, und bin beim ersten Licht der Sonne schon fast wieder daheim.

Schön ist es gewesen. So Blau, so Gold in den Nächten und so Rot und Silber am Tag, den Mietvetrag für 2012 habe ich schon unterschrieben, und so wird es nun immer sein. Es ist das erste Mal seit 37 Jahren, dass ich fast einen ganzen Frühling keinen Heuschnupfen hatte. Es war seitdem das erste Mal überhaupt, dass ich diese Jahreszeit umfassend draussen, in der Stadt und der Natur geniessen konnte, und zum ersten Mal war es kein Fluch. Mag ja sein, dass wir alle an Darmviren sterben, aber so richtig Leben waren April und Mai bei mir lange Zeit auch nicht. Als ich in München und Berlin lebte, war es nicht so schlimm, aber das waren Städte und der Zwang, sie in dieser Zeit nicht zu verlassen. Es gab die Wahl zwischen der engen Wohnung und der verstopften Atmung, und mit meiner Rückkehr in die Provinzen kam beides zusammen. Die Bäume, die Gräser, die Pollen, sie waren einfach zu nah. Jedes Jahr war ich deshalb ein wenig länger in Italien. Ab heute bin ich dann Teilzeititalienbewohner, nicht mehr nur Tourist, mit gemieteter Drittwohnung bei Bedarf.
Und das ist ein erhebendes Gefühl.
donalphons, 15:38h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Montag, 30. Mai 2011
Die richtige Entscheidung
Man kann Italien nicht einfach so boykottieren, wie man China boykottiert. Wahlen in Italien können sehr weh tun, aber es ist eben nicht nur irgendein Land, sondern eines, das Linke wie Rechte sehr schätzen, und man nimmt zur Not eben auch mitunter haarsträubende Entscheidungen in Kauf. Und ja: Die Stärke von Berlusconi ist auch das innere Elend der Linken. Es ist sehr, sehr schwer. in diesem Land politische Sympathein zu entwickeln.
Wie auch immer, wir leben in der EU und haben Niederlassungsfreiheit, und diesmal war ich zum ersten Mal nicht als Tourist in Italien. Ich habe regulär eine Wohnung gemietet. Für fast sieben Wochen war ich also Bewohner dieser Stadt; immer noch ein Fremder und ein Reisender, zugleich auch ein Bleibender. Und natürlich ist es einem nicht egal, wer hier das Sagen hat. Jedenfalls ist das Ergebnis für Mantua da:

Auch hier eine krachende Niederlage für Berlusconis Parteiem. Fast alle, die im ersten Durchgang nicht für einen der beiden grossen Blöcke gestimmt haben, haben sich für Alessandro Pastacci entschieden, der jetzt der Präsident der Region wird. Und, naja, ein Video gemacht hat, für das ich ihn auch wählen würde.
Jetzt bin ich aber beruhigt. Mantua, das ist einfach die Stadt für mich. Verona ist sicher edler, Siena ist imposanter und Florenz ist einzigartig. Aber, wie es so schön heisst: Mantua me genuit. Zumindest in diesen zwei Monaten, da ich dem Heuschnupfen entgangen bin.
Ach so, und: Das ist der Verlierer.
Wie auch immer, wir leben in der EU und haben Niederlassungsfreiheit, und diesmal war ich zum ersten Mal nicht als Tourist in Italien. Ich habe regulär eine Wohnung gemietet. Für fast sieben Wochen war ich also Bewohner dieser Stadt; immer noch ein Fremder und ein Reisender, zugleich auch ein Bleibender. Und natürlich ist es einem nicht egal, wer hier das Sagen hat. Jedenfalls ist das Ergebnis für Mantua da:

Auch hier eine krachende Niederlage für Berlusconis Parteiem. Fast alle, die im ersten Durchgang nicht für einen der beiden grossen Blöcke gestimmt haben, haben sich für Alessandro Pastacci entschieden, der jetzt der Präsident der Region wird. Und, naja, ein Video gemacht hat, für das ich ihn auch wählen würde.
Jetzt bin ich aber beruhigt. Mantua, das ist einfach die Stadt für mich. Verona ist sicher edler, Siena ist imposanter und Florenz ist einzigartig. Aber, wie es so schön heisst: Mantua me genuit. Zumindest in diesen zwei Monaten, da ich dem Heuschnupfen entgangen bin.
Ach so, und: Das ist der Verlierer.
donalphons, 22:11h
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In San Matteo sagte der Kellner:
You had truffles, truffles and truffles, and , ah, truffles and pannacotta and sorbet, really a lot of sorbet.
Abschiedstrüffelorgie. Trüffel ist meine einzige Schwäche, die ich zusammen mit meinem Stand habe. Ich würde nie Kaviar oder Hummer essen, allein schon wegen der überzogenen Preise, würde es mir nicht ohnehin davor grausen. Aber Trüffel ist eine andere Sache.
Abschiedstrüffelorgie. Trüffel ist meine einzige Schwäche, die ich zusammen mit meinem Stand habe. Ich würde nie Kaviar oder Hummer essen, allein schon wegen der überzogenen Preise, würde es mir nicht ohnehin davor grausen. Aber Trüffel ist eine andere Sache.
donalphons, 14:24h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 29. Mai 2011
Andenken
Süss. In Montechiari (helle Hügel, ein Name, der die Sache aufgrund des anstehenden Kalksteins im Höhenzug durchaus trifft), gibt es in einer Bäckerei Pasta mit dem Namen "Stil Novo". "Dolce" hätte aufgrund der Speise nicht davor gepasst, aber die Anspielung auf Dante ist recht offensichtlich. Es ist richtig, mit humanistischem Anklang geschrieben, die neuere Schreibweise mit einem nuovo ist nicht ganz zutreffend. Da kannte sich ein Verpacker mit Literaturgeschichte aus. Ich mag das.

Kochzeit 12 Minuten. Solange brauche ich, um zwei Bilder zu bearbeiten, zusammen mit den Vorbereitungen schaffe ich es bis zum Sieb vielleicht sogar, die üblichen 4 Bilder zu machen, für den süssen, neuen Blogstil. Ohne Objektsuche natürlich. Andere schmieren in der gleichen Zeit vielleicht ihre ganzen Kolumnen runter, aber wohin das führt, sieht man, wenn man sich den S.P.O,N.-Kolumnistenkasten anschaut: Der ist nämlich weg.
12 Minuten ist gerde recht für Nudeln, aber nicht alles geht so schnell, wenn es gut werden soll. Bloggen braucht Zeit, viel Zeit, wer bei seinem achten Versuch schon Fertigfrass aus der Microwelle auf den Tisch knallt, aus dem wird wohl eher kein guter Koch mehr. Und auch kein neuer, süsser Stilist.Man muss mit Liebe und Hingabe schreiben und kochen, bei allen Gängen. Die Gäste merken es nämlich, wenn es anders ist. Und nur, weil da jemand ein paar süsse Nachspeisen macht, esse ich in einem Restaurant nicht die schnell reingeschobenen Tiefkühlpizzen, die man halt vor die Gäste schüttet, weil man denkt, die Kunden wären beeindruckt vom Ruf des Hauses, das angeblich allen Stürmen trotzt wie die Burg von Montechiari.

Das beeindruckt mich irgendwie gar nicht. Und dann wird es irgendwann eben geschlossen, oder jemand wurschtelt weiter, oder es kommen andere daher, die es auch nicht anders machen. Ich denke, den Spiegel sollte man sich genau anschauen und daraus lernen. Wie das mit dem Stil Novo nicht zusammenging. Und was statt dessen an Neuem bei den Lesern wirklich ankommt. Man muss ja nur die Kommentare lesen, wenn da welche sein sollten.
Stil Novo eben. Und nette Andenken aus Italien.

Kochzeit 12 Minuten. Solange brauche ich, um zwei Bilder zu bearbeiten, zusammen mit den Vorbereitungen schaffe ich es bis zum Sieb vielleicht sogar, die üblichen 4 Bilder zu machen, für den süssen, neuen Blogstil. Ohne Objektsuche natürlich. Andere schmieren in der gleichen Zeit vielleicht ihre ganzen Kolumnen runter, aber wohin das führt, sieht man, wenn man sich den S.P.O,N.-Kolumnistenkasten anschaut: Der ist nämlich weg.
12 Minuten ist gerde recht für Nudeln, aber nicht alles geht so schnell, wenn es gut werden soll. Bloggen braucht Zeit, viel Zeit, wer bei seinem achten Versuch schon Fertigfrass aus der Microwelle auf den Tisch knallt, aus dem wird wohl eher kein guter Koch mehr. Und auch kein neuer, süsser Stilist.Man muss mit Liebe und Hingabe schreiben und kochen, bei allen Gängen. Die Gäste merken es nämlich, wenn es anders ist. Und nur, weil da jemand ein paar süsse Nachspeisen macht, esse ich in einem Restaurant nicht die schnell reingeschobenen Tiefkühlpizzen, die man halt vor die Gäste schüttet, weil man denkt, die Kunden wären beeindruckt vom Ruf des Hauses, das angeblich allen Stürmen trotzt wie die Burg von Montechiari.

Das beeindruckt mich irgendwie gar nicht. Und dann wird es irgendwann eben geschlossen, oder jemand wurschtelt weiter, oder es kommen andere daher, die es auch nicht anders machen. Ich denke, den Spiegel sollte man sich genau anschauen und daraus lernen. Wie das mit dem Stil Novo nicht zusammenging. Und was statt dessen an Neuem bei den Lesern wirklich ankommt. Man muss ja nur die Kommentare lesen, wenn da welche sein sollten.
Stil Novo eben. Und nette Andenken aus Italien.
donalphons, 17:53h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 29. Mai 2011
Subversion, aber richtig
Macht - und ein Blog ist fraglos eine gewisse Macht - lädt zum Missbrauch ein. Da haben wir beispielsweise Schnuffis rund um einen gewissen Herrn Gassner, die sich auf einen Urlaub in Griechenland einladen lassen. Wir haben das Gschleaf aus dem Umfeld der üblichen düssseldorfberliner Kreise, das versucht, eine Lobby zu gründen. Und wir haben mich, der ich bei der FAZ schreiben kann, was ich will. Nun ist die FAZ ja sehr karriere- und stellenanzeigenlastig, und würde jeder nach meinen Idealen leben, gäbe es dort erhebliche Probleme, etwas anderes als Todesanzeigen zu verkaufen. Man muss die Subversion also nicht klassisch von links unten kommend anbringen, wo man sie von Meinesungleichen erwarten würde, sondern von rechts oben. Das ist dann einerseits systemkonform, und fällt andererseits nicht auf.
Jedenfalls sass ich rechts oberhalb des schönsten Ortes der Welt und war ganz allein. Alle andern waren woanders. Und egal, was man ihnen dafür bezahlt hat: Ich war der einzige mit dem wirklich guten Geschäft, selbst wenn ich dabei verbrannt bin.
Jedenfalls sass ich rechts oberhalb des schönsten Ortes der Welt und war ganz allein. Alle andern waren woanders. Und egal, was man ihnen dafür bezahlt hat: Ich war der einzige mit dem wirklich guten Geschäft, selbst wenn ich dabei verbrannt bin.
donalphons, 01:16h
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Haltung
Der nicht wirklich angebotene, aber dennoch genommene Arm (was wird dann sein, wenn sie etwas älter sein wird?)

Die nicht sitzende Hose mit Mahnung im Hintergrund, wenn er sich nicht ordentlich anzieht, dann, da vorne.

Es ist eben alles eine Frage der Haltung.

Die nicht sitzende Hose mit Mahnung im Hintergrund, wenn er sich nicht ordentlich anzieht, dann, da vorne.

Es ist eben alles eine Frage der Haltung.
donalphons, 01:16h
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