: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Donnerstag, 30. September 2010

Magendoping

Ich kann jetzt nicht sagen, dass mich diese Nachricht überrascht. Ich glaube zwar auch, dass der Radsport sehr viel schärfer als alle anderen Sportarten kontrolliert wird, und dass Fussballer eher von laxen Vorgehensweisen denn von Ehrlichkeit profitieren, aber schön langsam kann man bei den Rundfahrten mit der Siegerehrungt warten, bis alle Dopingproben analysiert sind.

Als Sportesser - was ich durchaus bin - hat man es leichter, solange man nur bekommt, was man will. Bin ich in Mantua, will ich Tortelli con Zucca. Und zwar in grossen Mengen. Das Problem sind die teilweise mikroskopisch kleinen Portionen, die hie und da offeriert werden. So sollte man an der Piazza Ducale etwas anderes bestellen; gute Portionen bekommt man dagegen in Valeggio, im Ristorante Nuvolari und in der Cantina Canossa. Trotzdem fehlt auch dort das wohlige Gefühl, mehr genossen zu haben, als es dem Körper zuträglich im Sinne von "sättigend" ist. Die eine Lösung würde lauten, eine zweite Portion und die Verachtung des Personals zu bestellen. Die andere Lösung besteht aus einer Bäckerei - die hier alle frische Nudeln haben, jawohl, so geht das auch - und der grossen Küche in meiner Herberge, in der ich in der Nachsaison ohnehin allein nächtige.



Natürlich bin ich eigentlich so erzogen, dass man im Urlaub nicht kocht, und ein paar alte Ausrutscher im Alter unter 20 Jahren wie Raviolidosen auf dem Spirituskocher unterhalb des Hintertuxer Gletschers gehören auch nicht zu meinen Ruhmestaten. Aber gerade hier auf das Restaurant zu verzichten und genau das zu bereiten, was ich will, in der Menge, in der ich es möchte - das hat einfach seine eigenen Freuden. Dann spüle ich auch gern selber ab und reinige den Herd. In den kommenden Tagen wird ohnehin alles wieder heruntergestrampelt, und auch gerstern war ich 20 Kilometer auf dem Radl unterwegs.

Und drei Kilometer schiebend. Wegen zweier Ventilabrisse.

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Mittwoch, 29. September 2010

Liebe A., lieber H.,

ich kann nicht durch Mantua gehen, ohne an Euch zu denken. Ich kann auch nicht durch Mantua radeln, ohne dass Ihr mir in den Sinn kommt. Spätestens, wenn ich bei Pavesi vorbei komme.



Und weil Mittwoch ist, hat Pavesi natürlich offen. Ich habe schon so viel Scamorza und Tortelli con Zucca und Parmesan und - aber ich muss an Euch denken, und deshalb halte ich und mehme etwas mit.



Zu schade, dass es nicht bis Frankfurt hält! Das kam mir aber erst, als ich sie gekauft hatte. Tja. Wegwerfen wäre auch nicht fein. Aber ich denke beim essen an Euch! Ganz fest!

Alles Gute,

Euer Don (nach Diktat zum Schuhe kaufen)

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Mittwoch, 29. September 2010

Die Via Mala

hat ihren nicht wirklich netten Namen vom schlimmen Zustand des Saumpfades beim Anstieg von Chur auf den San Bernardino. Selbst auf der modernen Strasse mit ihren Tunnels und Brücken ahnt man immer wieder, was für ein Elend dieser Weg in früheren Zeiten gewesen sein muss - und diese Zeiten sind noch keine 100 Jahre her. Heute ist es eine bequeme Art, um nach Italien zu kommen, man muss nicht mehr wie ein Fuhrmann essen, ein letzter Rest vom Datschi reicht völlig aus.



Weniger angenehm sind die Temperaturen. Die Schweiz ist ein einziger Kühlschrank, überall Schnee auf den Bergen und dichte Wolken am Himmel, die Bäume tragen Herbst und die Strassen zu viele Baustellen. Ein grimmiges Land. Ich werde damit einfach nicht warm. Es sind nicht die Preise oder die Menschen, es ist einfach die Bedrückung. Die Schweiz, das ist mir zu viel Berg, und vor allem, zu naher Berg. Das geht für ein paar Tage, aber weniger wäre angenehm. Es sollte ein klein wenig lieblich sein. Ist es aber nicht.



Dann geht es hinauf in das Reich des Schneekönigs, es ist wirklich Winter auf der Passhöhe, und dann der Tunnel, durch den angeblich auch Zugvögel ziehen, Dunkelheit, ein Lichtschein nach ein paar Kilometer, und dann der Durchbruch auf die Südseite der Alpen, im Tessin. Es ist, als sei man in einem anderen Land, als könne der Winter mit seinen Dämonen nicht folgen, als sei der Kälte die Luft ausgegangen. Oben ist immer noch Schnee, aber unten ist es Spätsommer.



Und so bleibt es auch bis Monza und Mantua. Jedes Mal, wenn ich diese Strecke fahre, überlege ich, ob ich Mailand ansteuern soll. Jedes Mal auf der Tangentiale, inmitten von Industrie und Dreck, lasse ich es bleiben. Statt dessen der Domschatz, ein Delikatessenladen und ab nach Mantua, zur üblichen Basis für weitere Unternehmungen.

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Montag, 27. September 2010

Barrieren nach Süden

Das da vorne auf den Bergen ist Schnee. Und es sind keine hohen Berge, sondern nur die Höhenzüge südlich des Bodensees.



Nicht unbedingt das passende Wetter für eine Alpenüberquerung im offenen Wagen, aber in Italien soll es ohnehin regnen. Und wenn ich dann komme, scheint hoffentlich auch wieder die Sonne.

Zurück bleiben etliche unerledigte Aufgaben und vergessene Handschuhe, weshalb ein Zwischenstopp in Parma fest eingeplant ist. Allgemein witzelt man schon über meinen vollen Wagen und fragt, wo da noch die Antiquitäten und das neue Rad hin sollen, von denen man erwartet, dass ich sie kaufe. Dabei wird der ganze Spass im ersten Moment nicht wirklich billig, denn trotz Oktober ist die Region um Siena ausgebucht. Aber: Ich habe wenigstens ein Hotel mit Wifi in allen Zimmern, und Parkplatz, und die paar Meter ins Zentrum von Siena fahre ich dann eben mit dem Rad. Vermutlich habe ich mir sowieso zu viel vorgenommen. Man wird sehen.

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Donnerstag, 16. September 2010

Man kann sich schnell täuschen

Für den Schluss habe ich mir die Strecke nach Valepp aufgehoben. Valepp ist nahe am Tegernsee, nur ein paar Kilometer entfernt, und trotzdem ahnt man schon bei der Anfahrt über Enterrottach, dass es nicht ganz leicht sein wird.



Um es ehrlich zu sagen: Die Strecke ist brutal. Das meiste am See ist ähnlich wie die schwereren Strecken im Altmühltal, aber die Mautstrasse hat es in sich: Schmal, schlecht betoniert, zwischen die Berge und einen Wildbach eingeklemmt, dem sie über alle Wassefälle hinweg folgt.



Mit bis zu 18%, und das nicht nur auf ein paar Metern. Bis zur Wasserscheide hinauf sind es nur ein paar hundert Höhenmeter, aber die Strecke ist kurz, und die Rampen wollen trotzdem nicht enden.



Es ist gut, ein Blog zu haben, für das man zwischendrin kurz anhalten kann, um ein Bild zu machen. Es ist gut, wenn man das Hochmoor mit den alten Bustouristen erreicht und sich denken kann, dass es etwas Schlimmeres als die Schmerzen in den Beinen gibt. Schlimmer als diese Strecke kann auch Italien nicht sein.



Auf der anderen Seite geht es dann fast bis zur Grenze nach Österreich, wohin man über Feldwege aufklärerische Schriften und Anleitungen für das Herunterklettern von braunen Bäumen schmuggeln könnte. Aber wenn man erst mal wieder unten im nächsten Tal ist, braucht man eine Pause am Wildbach.



Dann geht es den gleichen Weg wieder nach oben. Hier ist es allerdings weniger steil, unter den Blicken von Kühen kommt das Selbstvertrauen zurück: 300 Höhenmeter sind locker, wenn es weniger als 10% nach oben geht.



Da ist einerseits das Gefühl, nun wirklich auf dem Weg der Besserung zu sein, wenn das Rad den Pass hochfliegt, oder wenigstens das Keuchen die Lungen nicht mehr an die lädierten Rippen presst. Gleichzeitig ist es aber auch traurig, denn anderes verschwindet: Die Beine gehen noch, der Sommer dagegen, der ist schon gegangen.



Dann ist die Wasserscheide erreicht, unten, hinter dem Wald ist die verlassene Liftstation, die an solchen Tagen kaum Touristen auf die Berge schaufelt, denn kaum jemand ist hier, und die Strasse ist frei. Ganz langsam anrollen. Nichts übereilen. Dann die Bremse loslassen. Es wird steiler, steiler und schneller, und der Wind brüllt in den Ohren.



Bäume, Asphalt, Gebüsch, Bäche, alles fliegt nach hinten weg, ein paar Mountainbiker scheinen festbetoniert zu sein, so knallen die Reifen daran vorbei, mit 18% geht es bergab, und die Kurven halten das auch aus, 18% sind die Hölle auf dem Weg nach oben und die Flügel Satans auf dem Weg nach unten, schwarz wie der Wald und verlockend wie ein Geldkoffer für den Schatzmeister, man sollte das nicht tun und man würde selbst seine Kinder enterben, aber es geht so leicht und so schnell, 18% könnte man immer brauchen, und dafür hat man ja auch vorher gelitten und die Zähne zusammengebissen, für den Höllensturz entlang des tosenden Wassers, Minuten für Sekunden, Tritt und Tritt für den tosenden Orkan, der um einen herum stillsteht.



Der Körper ist wieder gesund, und das Hirn war schon immer etwas krank, vielleicht einigen wir uns auf diese Formel. Mit immer noch knapp 50 Sachen - 46 misst das Radar - geht es Richtung Enterrottach, da hinten sind noch viele Berge und Strecken, aber keine ist so eng zwischen Fluch und Erlösung gebaut, wie diese kurze, brutale Schneise in den Bergwald Richtung Valepp.



In Rottach wieder alte Leute, Feinkost, Hausbetreuung, Busse, Frauen mit obszön goldenen Handtaschen, die vielleicht etwas von den überzogenen Konten, aber nichts von der Süsse der Hingabe wissen.

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Sonntag, 5. September 2010

Torten für andere, Probleme für mich.

Die Katze hat es gut: Gelenkig genug, um auf den Küchentisch zu springen, schlank genug, um sich über die Tortenreste her zu machen, geschickt genug, es so zu tun, dass man es erst merkt, wenn es schon zu spät ist. So geht das, könnte man meinen. So muss man es machen.



Ich dagegen bin auf Diät (keine Torte, vorerst), ungelenkig (habe mich vorgestern erst wieder verrissen), und das einzige, was ich gerade wirklich bemerke, sind allergröbste Computerprobleme. Inzwischen lösche ich keine SD-Karten mehr, das ist wenigstens einigermassen sicher. Unsicher bin ich dagegen auf einem alten Rad, das ich demnächst über Schotter fahren soll:



Längst habe ich mich nämlich an Bremsschalthebel und Klickpedale gewöhnt. Am Anfang der Klickpedalnutzung bin ich an Ampeln umgekippt, weil ich versuchte, den Fuss nach hinten zu ziehen. Heute kippe ich fast um, weil ich versuche, das Bein, wie bei Klickpedalen nötig, zu verdrehen. Dabei habe ich auch gemerkt, dass die eigentlich für Italien vorgesehenen Sportschuhe viel zu dick für die grazilen Pedale sind. Wie man früher eigentlich auf 20mm breiten und mit 9 Bar aufgepumpten Dackelschneidern fahren konnte, verstehe ich heute im Abstand von einer Dekade auf 23 mm breiten Reifen auch nicht mehr. Es mögen nur 4, 5 Millimeter mehr Federung sein, aber die machen schon einen enormen Unterschied, wenn sonst jede Ritze im Teer durch den Körper an die Stelle der verletzten Rippen läuft.



Fehlen also noch breitere Reifen und etwas Putzen und die Aufkleber und eine historisch korrekte Flasche und eine Lenkertasche aus Leder von der Art wie ich Depp sie in der Schweiz nicht gekauft habe und passende Schuhe, denn die alten, heute von der Form her wieder enorm beliebten von Detto Pietro sind offensichtlich einer heimischen Wegwerforgie zum Opfer gefallen. Mein Schuhmacher in Verona wäre vielleicht eine Lösung, aber da muss ich ohnehin auf dem Weg zum grossen Rennen von Gaiola vorbei.

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Das Schöne am Bloggen ist

dass man vielleicht mal etwas braucht, was auf die Schnelle nicht zu beschaffen ist, aber jemand weiss, wie man es schnell und unkompliziert doch hinbekommt.



Dafür, dass ich mit einem voll fahrtüchtigen Rad angefangen habe, steckt jetzt schon eine Menge Arbeit drin.

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Freitag, 3. September 2010

Siena im Herbst

Nun also offiziell: Im Oktober fahre ich nicht nur zur l'Eroica, sondern auch gleich noch mit, zumindest die zweitkleinste Runde mit 75 Kilometern. Und das nicht nur zwecks der Gaudi, sondern um das Leid und die Lust in der Toskana auch zu beschreiben. Unmittelbar danach in dann auch schon die Buchmesse, und da bin ich froh, wenn ich davor noch einmal frische und vom Betrieb nicht verpestete Luft einatmen muss. Nummer 2xxx werde ich sein, denn die Website sagt:

Thanks Porcamadonnahaving send us the enrollment form.

See you in Gaiole the next 3 October!




Ich bin ganz froh, dass man nicht gleich auch das alte Gefährt benennen musste, das einen dort über die Berge tragen soll. Es ist aufgrund der Bastelleidenschaft vieler Radler so gut wie unmöglich, ein gutes Rennrad in einem guten Zustand ohne Veränderungen zu finden, gerade wenn sie aus Zeiten stammen, da dieses Land noch nicht so reich war. In den 60ern und 70ern etwa hätte kaum jemand mal probeweise ein Rennrad gekauft und dann nach 500 Kilometer wieder eingemottet. Man hat das früher wieder verkauft, oder zum Stadtrad kastriert, aber immer irgendwie genutzt und zu Schanden gefahren. Weil man es sich einfach nicht leisten konnte. Die typischen, ungenutzten Oparennräder kommen frühestens aus den 90er Jahren, meist aber erst aus der letzten Dekade. Ausserdem war Rennradfahren damals absolut nicht trendig, und die wirklich guten Maschinen, die um 1990 herum 5000 Mark kosteten, für den Normalverbraucher so unbezahlbar wie heute ein Carbonrenner für 7000 Euro - soviel zur nicht nur gefühlten Inflation. Was davon in den letzten zwei Jahren auf den Markt kam, wurde oft genug von japanischen Sammlern weggekauft, die mitunter ein Vielfaches der Originalpreise zahlen, oder durch Fixiedeppen ruiniert. Ich habe gestern mal geschaut, was in einem vernünftigen Preisrahmen für gute Räder aus der Zeit vor 1985 geht: Fast nichts. Und die alten Radlgeschäfte, die so etwas noch im Lager haben könnten, sich auch längst ausgestorben, ausser vielleicht in Gmund, da ist noch einer.



Ich habe aber so um 1997 herum in München bei einem Gebrauchtradlmarkt mal ein "erneuertes Rad" gekauft. Die Basis ist ein sauber gelöteter Stahlrahmen in Rot, der dunkelgrau überlackiert wurde. Vom Hersteller hat sich nichts erhalten, und er ist mir auch etwas zu gross, aber es kostete nur 50 Mark und damit weniger als die neu montierten Klickpedale, die daran hingen. Die Komponenten einer alten Shimano 600 EX Gruppe kann man genau auf 1984 datieren, und es ist über weite Strecken original: Sehr frühe MA40 Felgen von Mavic, originale Bremsgummis, originale BIB REeifen mit damals schon 23 mm Breite. Nicht mehr original waren der Lenker, der Vorbau, die Bremshebel, die Sattelstütze und der Sattel; hier hat der Vorbesitzer brutal modernisiert. Ich habe eigentlich alle Teile, die geändert werden müssen, in alt und gut und vor allem italienisch herumliegen - nur die Bremsgriffe, die fehlen.



Kann sein, dass es deshalb doch ein nicht ganz billiger Spass wird, das Rad wieder in seinen Ursprungszustand zurück zu versetzen. Rahmenaufkleber kosten um die 60 Dollar und brauchen 2 Wochen bis zu mir, und die Bremsgriffe gibt es bei Halsabschneidern für ähnliche Preise. Es ist nicht so, dass ich es mir nicht leisten könnte: Aber irgendwie sehe ich nicht ein, dass ich Sammlerpreise bezahlen soll, nur weil ich ein paar alte Bremsgriffe brauche. Ich denke, ich werde heute Nachmittag nochmal meine alten Teilekisten durchsu... Ha! Da fällt mir was ein! Die hier müssten bei meinen Eltern noch im Keller liegen, wenn sie nicht Wegwerferitis bekommen haben.



Bleibt noch die Frage nach dem Hersteller. Den verschliffenen Microfusionsmuffen und den doppelkonischen Sitzstreben zufolge war es ein Qualitätsproduzent. Bianchi hatte ich zuerst in Verdacht, aber die hatten damals andere Gabelköpfe. Inzwischen habe ich einige "Saronnis" mit ganz ähnlichen Muffen, Bremsstegen und Gabeln gesehen; das war eine "Billigmarke" von Colnago in den späten 70er und frühen 80er Jahren, mit der man die Popularität des Rennfahrers ausnutzen wollte. Man sollte Colnago da nicht zu sehr loben; Gerüchten zufolge wurden die billigeren Rahmen ausser Haus, böse Zungen sagen sogar, im Gefängnis geschweisst. Die Aufkleber gäbe es wieder, und nun stellt sich die Frage: Lassen oder nochmal investieren? Zumindest würde auch die neue Farbe zur damaligen Erscheinung der Räder passen. Oder klebe ich FAZ.net-Aufkleber dran?

Und was mache ich, wenn ich es fertig habe und mir aus einem Schrotthaufen das Gios Compact Super Record entgegenspringt, das ich eigentlich gerne hätte?

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Samstag, 21. August 2010

Und noch ein Reiseratschlag zum Schluss.

Die Schweiz ist toll. Und die letzte innereuropäische Gelegenheit für Schmuggeleien.



Früher, als man nur ein paar Flaschen Wein aus Italien mitbringen durfte, war es immer ein Nervenkitzel für manche Eltern, die natürlich nie erwischt wurden. Die kleine Illegalität am Rande, das Wohligkeitsgefühl, den teuren Importeuren und Steuern ein Schnippchen geschlagen zu haben.



In Glurns, einem elend überlaufenen Städtchen vor der Schweizer Grenze, erinnert ein wenig daran der Kuchenkauf, im Vergleich zur Schweiz unfassbar billig, gleich ein ganzer Apfelstrudel muss es sein - und wirklich, den Namen der Konditorei Riedl in Glurns, den sollte man sich merken.



Die machen nämlich neben dem höchst soliden Apfelstrudel auch einen Marillenkuchen, der sich gewaschen hat. Eine Fruchtbombe. Warum, fragt man sich, wenn man ihn im Schweizer Nationalpark gegessen hat, warum hat man nur 2 Stücke und nicht das eine grosse, runde, ganze Stück genommen, das sie auch hatten?



Es gibt dafür keine sinnvolle Antwort, ausser: Weil man einen guten Vorwand mehr hat, den Flüelapass und den Ofenpass zu fahren, Italien zu besuchen und es sich gut gehen zu lassen. Das nächste Mal.



Bald. Hoffentlich.

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Freitag, 20. August 2010

Das essentielle Meran

Die Aktion “Verschollene Häuser” wird durchgeführt, wenn der Politik folgende Punkte nicht glaubhaft gelingen:

- Anerkennung der digitalen Realität und Anwendung bürgerrechtlicher Grundlagen bei der Umsetzung von Öffentlichkeit im Digitalen.

- umgehender und umfassender Beginn der Förderung von zivilgesellschaftlicher opensource basierter Informationssammlungen und -dienste. Inspirationen gibt es genug aus der Open Data Szene. Man könnte z.B. “Code for America” in einer eingedeutschen Version als Sofortmassnahme beschliessen.

- sofortige Einberufung einer wirkungsmächtig ausgestatteten Aktionsplattform, auf der in einem kurzen Zeitraum Massnahmen zur pro-aktiven Mediennutzungs-Befähigung der breiten Bevölkerung abgestimmt und umgesetzt werden. Alle gesellschaftlich bildungsrelevanten Bereiche sind einzubeziehen (Schulen, peer groups, Familien, Weiterbildungseinrichtungen, etc.).

Sollten diese Massnahmen nicht erfolgen, werden die aktuell auf verteilten Plattformen koordinierten Mitglieder der Aktion “Verschollene Häuser” zum Start von Streetview mit dem Fotografieren beginnen und so den öffentlichen Raum digital zurückerobern.
Vorgezogene Aktionen bleiben aufgrund möglicher aktueller Entwicklungen vorbehalten.

Unsere mittlerweile mehrere hundert Personen große Gruppe ist bereit zu handeln.

Jens Best
Sprecher der Digitalen Armee Fraktion

“Des einen Terrorist ist des anderen Freiheitskämpfer” ;)




So steht das unter einem Beitrag mit dem hirnrissigen Titel "Streetview: Es gibt kein analoges Leben im Digitalen" von Michael Seemann , dem glücklicherweise gefeuerten Ex-FAZ-Blogger, bei Carta.info, betrieben von anderen nicht gerade erfolgsverwöhnten Journalisten, geschrieben von einem gewissen "Jens Best", angeblich IT-Berater in Berlin und davor irgendwas mit Yachten, aber mit Referenzen sieht es mau aus.

Ich zitiere das hier, damit sich jeder wirklich überlegen kann, ob er von sowas irgendwie repräsentiert werden möchte. Ein paar hundert Leute sind bislang dem nicht abgeneigt; das sind dann auch jene, die alle andersdenkenden schnell als Spiessbürger diffamieren, weil Twitter, da darf man das, da bekommt auch keiner Sachen mit, für die man im Blog eine Anzeige bekäme. Es zeigt meines Erachtens recht schön das Niveau der Verkommenheit, auf dem Carta, Seemann, Best, seine Knipshelfer und das erweiterte Umfeld wie Mario Sixtus und Sascha Lobo mittlerweile angerutscht kommen, nachdem alle anderen Projekte und Hoffnungen (was macht eigentlich Adnation?) nicht so arg toll gelaufen sind. Da wird von einer Bringschuld der Analogen gefaselt und von ihrer Angst, die man ihnen nicht nehmen sollte. Darunter wollen einige, die längst die Kontrolle über alles - ihre Daten, Ihren Bullshit im Web, ihre berufliche Zukunft und ihre miesen Lebensumstände - verloren haben, dass andere das jetzt auch verlieren. Es geht ihnen um ein Rennen hinab zu dem Dreck, in dem sie vegetieren, und es ist sehr schlimm, dass sie sich dafür nicht die Brückenpfeiler, sondern das Internet ausgesucht haben. Denn das Internet ist eine tolle Sache, wenn nicht gerade solche Leute ihre totalitären Ideen ausleben. PI hetzt gegen Islamanhänger, die sich dem Westen unterordnen müssen, die hetzen gegen Internetnichtsowichtigfinder, die zwangsweise Daten abgeben sollen, damit sich deren Gesellschaft ändert.



Deshalb brauche ich - unter anderem - Meran. In Meran gibt es ein Internetcafe im zweiten Stock versteckt, niemand läuft mit einem iPad rum, oder stellt seinen Rechner in einem Cafe auf. Niemand stellt sich auf die Kurpromenade und sagt, dass jetzt alles anders wird und man ihm und seinen verhauten Gestalten mit Mundgeruch nach Chickendöner gefälligst zu folgen habe. Meran ist einfach schön und perfekt, so wie es ist.Es gibt natürlich ein paar Verbrechen, die mir im Herz weh tun: Anstelle von Poetzelsberger, der Buchhandlung schlechthin, ist jetzt "Esprit", und das wunderbare, braun-rosa 70er-Jahre-Ambiente des Cafe Imperial hat man zugunsten einer Bar ermordet, die weiss und öde ist. Natürlich ist kaum jemand drin, weil es enorm ungemütlich ist. Dafür haben sie die Hotelpreise angehoben. Aber Meran ist immer noch Meran, Frasnelli ist so vollgestopft wie immer, und der Apfelstrudel ist immer noch sagenhaft. Es ist eine Welt für sich, dieses meran, und jedesmal weiss ich: So hätte ich das gerne. So ist es angenehm. Meran hat eine menschliche Geschwindigkeit und Intelligenz und Schönheit, und genau das, was ich auch gern ins Netz tragen würde. In mein Netz.

Was ich in Meran verstehen lerne, wieder verstehen lerne ist, dass es nicht "das Netz" gibt, wie es auch nicht mehr "die Blogger" gibt. Es gibt mich und das, was ich tue. Wenn andere etwas anders tun, gerne, wenn andere mich belästigen und in meine Sphäre eindringen wollen - dann muss man was tun. Ich kann nicht immer in Meran bleiben, ich muss auch wieder mal weg. Aber in Meran habe ich Zeit, wieder zu dem zu finden, der ich bin, und zu überlegen, was mir wichtig ist.



Ich nehme ein paar Ideen mit, und ich denke auch: Man wird sehen. Gewisse Teile der Blogosphäre sind wie die Palästinenser: Sie lassen nie eine Gelegenheit aus, eine Gelegenheit auszulassen. es fehlt ihnen an der Konsequenz, Dinge durchzuziehen, am Mut, sich aus dem Netz rauszutrauen, sie niggemeiern rum, aber noch nicht mal eine Plauderei bekommen sie hin, sondern nur Turibrei. Was für armseelige Gestalten. Das Internet braucht mehr Meran und weniger von denen, dann ist es auch ein netterer Ort für alle.

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