: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Donnerstag, 10. Januar 2019

Werte im Alter

Als ich 1998 mit dem Radiomachen begonnen habe, kam ich auch mit "richtigen" Studios in Kontakt. Also Kellern in München, schwarz und mit Schaumstoff verkleidet und natürlich ohne richtige Fluchtwege, in denen Männer viel rauchten und tranken und ab und zu auch Musik machten. Eines dieser Studios lag gleich beim BR und war der Gegenentwurf zur klinischen Welt der Regimesender: Kein helles Holz, unaufgeräumt, überall stapelten sich Gerätschaften, ständig stolperte man über Kabel, und es roch nach Lötzinn und verschmorten Kabeln. Es war damals noch so internetfern, dass man tatsächlich irgendwo Leute kennenlernte, die sagten, sie hätten da noch ein altes Sennheiser MD421, man sollte kommen und es sich anschauen. In diesem Studio war als Nebenmischpult - das Hauptmischpult war so gross wie die Kommandobrücke eines Flugzeugträgers - auch ein Allen & Heath GS3 mit 24 Kanälen. Das hätte ich damals auch kaufen können, man wollte es gegen ein damals modernes Digitalpult ersetzen, dessen Funktionen heute jedes 20-Euro-Billighandy mit seiner Rechenkraft bewältigen würde.



Mir war das damals zu teuer, die Herren des Studios wollten 4000 DM Freundschaftspreis und meinten, unter der Asche und den Whiskeyspritzern sei es wirklich gut erhalten und ein absolutes Schnäppchen, neu hätte das 10.000 DM gekostet. So war das damals, man nahm noch auf DAT oder Vielspurbandmaschinen auf und hoffte, die Bänder würden nicht gefressen werden. Späteres Editieren ging damsls eher schlecht, also brauchte man viele Kanäle, viele Kompressoren, Vorverstärker, Hallgeräte... man kann sich das heute gar nicht mehr vorstellen. Jedenfalls, momentan baue ich wieder Kapazitäten auf und stand vor der Frage, welches stationäre Mischpult ich will. Ein kleines von Yamaha, das heute auch nur noch 1/3 der 1000 Euro wert ist, die man 2010 ausgeben musste. Oder ein A&H GS3 mit 24 Kanälen wie damals, falls es irgendwie erschwingbar sein sollte, weil die 200 Euro Startpreis bei Ebay, das war sehr wenig. 100 weniger als das Yamaha. Und nach meinen Erfahrungen mit Interfaces und Treibern neige ich eher dazu, Hardware und Computerteile zu trennen: Lieber kein Mischpult, für das es in 5 Jahren keine Treiber mehr gibt, sondern einen externen Wandler, den man im Zweifelsfall halt entsorgt. Auch gute externe Soundkarten gibt es gebraucht schon ab 40 Euro. Dann kam der letzte Moment der Versteigerung, und ich bekam das Allen & Heath - für 201 Euro.



10.000 DM waren 1995 nicht ganz wenig Geld. Bis ich alles besammen habe, was ich brauche, lagere ich das Pult unter einem noch nicht endgültig aufgehängten Gemälde, das bei Sotheby Kensington mit Aufgeld 5000 Pfund gekostet hat, und heute nicht einmal mehr 1/10 gebracht hat - weil es für den normalen Käufer einfach viel zu gross ist.

Natürlich brauche ich keine 24 Kanäle, im äussersten Fall reichen 4 oder 5. Bei dem, was ich machen werde, spielt der Klang auch keine besondere Rolle - die Feinheiten, die man hier herausholen kann, hört man am Rechner ohnehin nicht mehr. Es ist halt ein riesiges Pult, mit dem man einiges tun kann, und als es gebaut wurde, war es noch eine richtige Investition. Heute hat es, obwohl es funktioniert, nur noch den Wert eines kleinen Chinamixers. Es ist ganz angenehm, etwas zu haben, das einen nicht an die Grenzen bringt. Aber dass alles, was gross, robust und dauerhaft ist, so wertlos werden kann, weil die Aufnahmetechnik so anders geworden ist, und die Lebensumstände so klein - das ist schon bemerkenswert. Das Gemälde kommt übrigens aus einer sehr weitläufigen Wohnung in Berlin, in der eine Dame wohnte, und die Räumlichkeiten werden jetzt geteilt und dann in zwei Stücken verkauft. Ich glaube nicht, dass alles besser wird, und wir alle reicher werden. Werte zerfallen nur schneller, und es gibt zu viel Geld und kein Gefühl, was es letztlich bedeutet, solange man es hat. Die Entwicklung schreitet voran und man rennt mit, ohne dass man nachdenken könnte. Ich hoffe, dass das, was ich da am Pult zu tun gedenke, etwas anders wird.

... link (21 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Dienstag, 28. August 2018

Neu, alt.

Seit 1984 in der originalen Pappschachtel, und nie verbaut: Bremsen von Campagnolo. Mit dem unübertroffenen Glanz. Seit gut 5 Jahren liegen sie jetzt bei mir, jetzt endlich, denke ich, habe ich den passenden Rahmen.



Sie sehen alt aus, aber ich habe genau diese Bremsen auch an einem Grandis, da kleben die Gummis geradezu an den Bremsen. Der technische Fortschritt besteht in leichtgängigen Zügen und dem Trick, dass man die eventuell die Federn ein wenig zurecht biegt, damit sie weniger Spannung haben: Die alten Federkräfte waren wegen der Züge ohne Tefloneinlagen nötig. Ansonsten baut Camapagnolo für das Hinterrad längst wieder Eingelenkbremsen, weil die Leistung locker reicht. An diesen Dingen hängt das Leben, aber was nach 34 Jahren noch so gut aussieht, ist vertrauenswürdig.

Das ist in den Medien anders, beachten Sie bitte diese Verhaltensweise zwischen Ex- und Geradeerstautoren des Spiegels gegen einen der beliebtesten Autoren dort. Das ist der aktuelle Zustand der deutschen Medien, und Sie können sich überlegen, wie spassig es da gerade ist, wenn man eine abweichende Meinung vertreten möchte. Früher konnte man es sich raussuchen, ob man gefährlich leben wollte, heute lauert überall die Unterschicht, die gerne Verdienstempfänger anstelle der Verdienstempfänger werden möchte, für rassenkundliche Beiträge übelster Sorte.

... link (5 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Montag, 27. August 2018

Das gute Zeug

1980 in der Schweiz glaubte man noch, es würde reichen, bohrte man ein paar Löcher in Bleche und Tretlager aus Stahl. Gemessen an dem, was die Zukunft brachte - erst Aluminium, dann Carbon, mit jeweils ganz anderen Herausforderungen, kann man über die Mühen bei Cilo nur melancholisch lächeln.



Eigentlich ist es ja gut und eigentlich fährt sich nach meinem Gefühl so ein 2500 Gramm leichter Rahmen aus Reynolds 531SL in den meisten Situationen deutlich besser als jedes Carbonrad - die einzige echte Ausnahme ist bergab mit Gepäck über 60km/h, besonders freihändig, da hat steiferes Carbon Vorteile. Ansonsten sind diese dünnen Rohre, aus denen man früher die Rahmen von Spitfires und Hurricanes lötete, viel angenehmer, es federt besser, und die paar Gramm beim Gesamtgewicht merkt man auch nicht. Man hätte auf ewig mit den bleistiftdünnen Sattelstreben weiter machen können, aber es ging eben in eine andere Richtung, und heute ist Carbonschlauchaufblasen in Taiwan billiger als die Arbeit, die man in das Feilen und Löten stecken muss.



Schade. Irgendwann, wenn ich Zeit habe, lerne ich, wie das geht. Obwohl es sich nicht lohnt, wenn solche Rahmen selbst in Deutschland für 100 Euro über die Theke gehen. Mit Dura Ace Steuersatz und Specialites TA Innenlager.

... link (11 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Donnerstag, 5. April 2018

Da wäre ich beinahe vom Rad gefallen

Das ist aber auch eine fiese Falle, wenn man durch Buonconvento hetzt und dann so etwas zu sehen bekommt - an Ostern war dort Antikmarkt, und Händler aus der Toskana haben leerstehende Lokale bezogen. Der hier hatte venezianische Lüster dabei, für die man ein etwas üppigeres Anwesen brauchen könnte.



Als ich vor zwei Wochen in Berlin war - incognito, laut FAZ-Blog war ich damals am Tegernsee und habe über Trachtenmode und Söder geschrieben - bin ich über ein paar Umwege nach Hause gefahren. Es hat alles letztlich nicht sehr lang gedauert, ich hatte noch etwas Zeit, durfte mich aus Gründen nicht zu einem spontanen Barcamp verabreden, und konnte so alte Stätten meines Raffens besichtigen. Nicht die im Wedding, die gab es schon vor ein paar Jahren nicht mehr. aber Schöneberg.

Der Laden, an dem ich meine Pagodenlampe gekauft habe - weg. Das Geschäft in Kreuzberg, aus dessen hinterster Ecke mein Art-Deco-Venezianer stammt - verschwunden. Das Geschäft mit dem Lampenrestaurator in Schöneberg, das mich so beeindruckte, als ich 2001 hier war - ersetzt durch einen Imbiss, vegan natürlich. Und Söhne des Bergmannstrassenclans, die sich noch dunkel an mich erinnerten, hatten einen anderen Lampenladen aufgemacht, nach ihrer Aussage aktuell der grösste in Ganz Berlin: Nicht schlecht, aber teuer. Mehr was für die Politikberaterklasse, die auf Roaring 20ies einrichten will.



Ein Auktionator hatte die Hälfte der - gar nicht so teuren - Bilder noch übrig, eines habe ich aus dem Hochgefühl heraus auch gekauft, und Seidenteppiche hätten auch für 300€ nicht ins Auto gepasst. In Italien geht das Geschäft nicht mehr, weil die Wirtschaft darnieder liegt, in Berlin, nun, man hört, dass der Anteil der Deutschen sinkt und das Wachstum vor allem aus dem Ausland kommt. Da hat man vermutlich weniger Sinn für die zum PPlündern einladende Schatzkammer, die die Stadt einmal gewesen ist. In der Flughafenstrasse wurde aus dem Geschäft für chinesische Lackmöbel eine Beratungsstelle für Lebenskrisen - der Lack ist ab und getrunken. Hier in Buonconvento werden kriselnde Geschäfte zumindest für ein paar Tage wieder Wunderkammern, und irgendwann gehe ich da hinein und sage: Den da und den anderen für das Gesindehaus auch.

... link (2 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Montag, 12. Februar 2018

Natura Morte.

Wir haben ja im Moment so eine gewisse, naja, Restaurierungstätigkeit im Haus. 120m² vorn, 180m² hinten, und das bei voll bewohnten drei Stockwerken drüber - es ist halt ein nicht ganz winziges Objekt. Betroffen ist mittelfristig auch der Laden, und einer der Vorschläge, gemacht von einer jungen, geschätzten Dame, wäre demzufolge, da doch ein Cafe hinein zu machen, das sie selbst dann übernehmen würde. Nun, wer weiss, aufgrund der vielen, ihre Kinder im Q7 abholenden Mütter wäre das sicher eine gute Idee und eine Gelddruckmaschine. Ich wüsste aber schon, in welche Richtung das gehen würde, dem Haus entsprechend mit Anklängen an die Barockmalerei. Vielleicht eine ganze Wand als Stillleben. Ein Gemälde ablichten und dann auf Folie vergrössern und an die Wand, das war keine dumme Idee.

Gäbe es da nicht Ebay.

Ebay hat nämlich mal wieder die Kategorien reformiert und bietet nun sowohl Epochen als auch Jahrhunderte an. Für die Kenner und professionellen Händler ist das nicht schwer, die wissen, was sie haben, und belegen nach Möglichkeit zwei Kategorien. Anders sieht das beim herkömmlichen Erben aus, der sich für das Zeug, das die Eltern vom Grossvater geerbt hat, nicht interessiert und es auch nicht einordnen kann. Es ist halt Malerei. Was bedeutet, dass viele Bilder, ich würde sagen, die Hälfte, einfach so in einer Kloake mit Sado-Maso-Kleckserei und neuer Abstraktkunst ab 1 € Berliner Herkunft herumschwimmen (manche scheinen sich wirklich so zu finanzieren, ganz erstaunlich). Gleichzeitig schaut da auch kaum jemand nach, so mein Eindruck, und Sujets wie Stillleben sind ohnehin nicht mehr gefragt.



Dann geht so etwas mit Rahmen, Signatur und Datierung halt für deutlich weniger weg, als der Rahmen allein kosten würde. Es ist jetzt nichts Besonderes, nur so eine nette, akademische Malerei des späten 19. Jahrhunderts. In Italien fände man das prima und würde es schätzen, aber so ist das halt wilhelminisches Zeitalter und es passt auch nicht in die moderne Küche. So kommt das. Man muss halt etwas wühlen, und wenn man wahllos kauft - also so, dass es für die Mütter dieser Stadt locker reicht - ist eine Wand mit Stillleben vielleicht sogar deutlich billiger als eine 20m² Folie. Man muss halt suchen, wühlen, viel Eigenartiges anschauen - wer kauft bitte eine Klitoris in Acryl und wer hängt sich eine gefesselte Japanerin an die Wand? - aber eigentlich ist da alle 2, 3 Tage etwas, das qualitativ hinnehmbar ist, und finanziell im Rahmen der sonstigen Kosten nicht aufträgt.

Zahlen alles die Erben, scherzen die Älteren am Tegernsee. Jetzt tun sie es auch noch beim Verkauf.

(Die anderen Restaurierungsunerfreulichkeiten wie Einregnen wollen Sie gar nicht wissen.)

... link (113 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Montag, 29. Januar 2018

Ich hatte einen Packen Geld dabei

Trotzdem hat mich in Berlin niemand beraubt. Vor dem Görlitzer Park dachte ich noch, ich sollte vielleicht das Geld wegtun, aber dann kam einer und sprach mich an, wir plauderten etwas, und so vergass ich das und trug so viele Scheine durch den Park, dass ich auch eine ganze Berliner Agentur für eine Woche hätte versorgen können. Aber wie man weiss, ich würde privat alles verbieten, was härter als Assamtee ist.

Die Scheine habe ich fast vollumfänglich wieder mitgebracht, weil, einfach gesagt, die Trödlerszene in Berlin tot ist. Das ist wirklich bitter, bei meinem Hotel war früher ein Auktionshaus mit ständigen Nachverkauf. Die Nachlassgeschäfte in der Flughafenstrasse sind entweder weg oder verrammelt, eines hat exakt die gleiche Auslage wie vor 9 Jahren, als ich das letzte Mal hier war, und die Scheiben wurden jahrelang nicht geputzt. Vielleicht ist im Hinterzimmer immer noch das impressionistische Gemälde von Grasse, das mir damals zu teuer war. Ich habe bei der Nummer angerufen, die an der Tür steht: Es gibt den Anschluss nicht mehr. Es gibt ansonsten Sozialberatung und islamische Hochzeitskleidung.



Die Altberliner Eckkneipe ist dagegen ein linker Szenetreff geworden, die alten Molli-Säufer mit der eher unpassenden Einstellung zu Revolution und Migration von damals sind vermutlich lange verdrängt.

Früher glich Berlin einem Kadaver, den man plündern und ausnehmen kann, und dessen Organe in zivilisierten Gegenden weiter funktionieren - ich habe meine Füsse gerade auf einem Berliner Perserteppich, der damals für 10 Euro verschleudert wurde, und der seit 10 Jahren am Tegernsee meine Füsse wärmt. Ich kenne ein paar Händler über ebay, die nur noch über das Netz verkaufen, weil sich Läden in Berlin nicht mehr lohnen. Die leicht steigenden Einkommen gehen vor allem, vermute ich, in die Mieten und die laufenden Kosten der neuen digitalen Lebensstile, Döner kostet jetzt hier auch 3 Euro, in meiner Zeit lag der Preis zwischen 99 Cent und 1,50. In dem Schnellrestaurant, in dem ich mal einem Jungen einen ausgab, sitzt ein junger Deutscher mit Mütze, beugt sich über den Tisch, stopft seinen Döner in den Mund und hat sein Smartphone hinter dem Teller an eine Packung Zigaretten gelehnt, und betrachtet es kauend. Das ist kein Ort für die prachtvollen Chinalackmöbel. die es hier früher einmal gab. Ich hin also fast erwerbslos nach Hause gekommen.



Nur ein Laden hatte offen, und der hatte einen Wäschekorb mit Porzellan vor der Tür, und darin war das kleine Blumenkind aus Volksstedt. Für 1 Euro, und so haben meine Kronacher Gärtner Nachwuchs bekommen.

Eine cisheterosexuelle, patriarchalische Kleinfamilie ist heute im Eingangsbereich ja schon fast eine revolutionäre Grosstat wider den Zeitgeist. Nicht dsss ich das für mich will. Aber jetzt sind sie halt da.

... link (16 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Montag, 9. Oktober 2017

Der Hunger, den es nicht gibt

No ha Fame! ruft der Steinhändler, weist auf sein Anwesen und den darin befindlichen Acker nahe am Meer. Er habe keinen Hunger, dass er gezwungen wäre, sich diese Unverschämtheiten bieten zu lassen. Die Unverschämtheiten kommen von seinen italienischen Landsleuten, die ihn während der letzten Wochen wegen seines Inserats besucht haben. Mit einem typisch schlechten Bild hat er nämlich ein Tommasini angeboten. Genauer: Ein Tommasini Ultra Fire, ein laut deutscher Preisliste um 2003 herum 6000€ teures Spitzenmodell des sagenumwobenen toskanischen Massschneiders. Wer sich das kauft, hat vermutlich wirklich keinen Hunger.



Dafür wollten ihm seine Landleute jedenfalls nur 250 € geben, was wirklich etwas wenig ist - immerhin hat es die schönste aller jemals gebauten Dura Ace Gruppen, die 7700er, und Ksyrium SL Laufräder, die in diesem Zustand in Deutschland kaum gebraucht so viel wie das angebot kosten. Kaum gebraucht ist es, nur leicht verstaubt ist es, weil der Besitzer einen sportlichen ausgleich gesucht, aber gleich mal mit einem anderen Rad einen schweren Sturz gefunden hat. Ausserdem ist er mit 70 noch voll im Steingeschäft und Giulia, die kleine, graue Katze, die er adoptiert hat, will auch noch Aufmerksamkeit.

Da ist es doch nett, wenn ein deutscher Kunde kommt, anschaut, nimmt und bezahlt. Und somit den ruf der Deutschen als verlässlich und direkt stärkt, auch wenn der Deutsche als solcher insgesamt eher ein Freund der gebogenen Wege ist.



Denn sonderlich vernünftig ist der Kauf eines dritten Rades in so kurzerr Zeit natürich nicht. Zumal daheim schon das ein oder andere Rad herumsteht. Aber ich sehe es so, dass ich auch keinen Hunger habe, und das Geld ist ja nicht weg: Es hat nur eventuell ein anderer, und zwar ziemlich viel davon, der es vielleicht einmal wird haben wollen. Es ist jedenfalls das günstigste Tommasini, das ich in meinem Leben gesehen habe, und so eines wollte ich immer schon mal haben - wenngleich nicht für den Originalpreis.

Abwer wie man sieht, man muss nur warten.

... link (20 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Samstag, 7. Oktober 2017

Die Vandalen kommen

"Das ist sicher schon weg, das wurde im August eingestellt."

"Man kann ja mal anrufen."

"Aber ernsthaft, wer würde so ein Rad für diesen Preis stehen lassen? Da sind ha schon Laufräder und Gruppe teurer."

"..."

"Das ist sicher schon weg. Schade, es ist sooo toll."



Gemeint war dieses miserabel abgelichtete De Rosa King, erste Generation von 2003. Es stand in Meeresnähe, so gut erhalten aus, und war laut Beschreibung ein Teamrad beim Giro d´Italia. De Rosa ist selten, das King - Rahmenpreis 4400€ - war das absolute Topmodell und noch seltener, und da war es also bei Subito in einer 5 Wochen alten Anzeige zu einem Preis, für den man gerade mal einen günstigen Plastikrahmen aus China bekommt. Hier war es mit einer kompletten Campagnolo Record. Und Neutron-Laufrädern.

Aber: Zu meiner grossen Überraschung war es noch da. Und der Verkäufer hatte auch noch meine Grösse, und gab einen Berg ungetragener Radsportkleidung dazu. Gekauft, keine Zeit, zu harter Sport, letztlich dann: Zu wenig Platz in der Wohnung und Kind. Eine nicht ganz seltene Geschichte, aber diesmal nicht mit einem Winora 10 Gang Rad, sondern mit dem hier:



Einen 219€ teuren Sattel - nie benutzt - gab es noch obendrauf.

Natürlich ist es dafür viel zu schade, aber es gibt welche, die würden das zerlegen und 1000€ Gewinn heraus holen. Vermutlich haben manche auch das geplant, und noch mehr: Denn angeschaut haben sich das Rad so einige, aber alle wollten den Besitzer noch nach unten verhandeln. Der hat dann doch lieber gewartet, bis der richtige Kunde kam - der es behalten und pflegen wird.

... link (2 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Donnerstag, 5. Oktober 2017

Viviano ohne roten Stern

Früher hat Vviano Neruzzi in Erinnerung an seine Partisanentätigkeit einen roten Stern auf die Räder gemacht, aber mit dem Niedergang der Kommunisten ist das verschwunden. Dieses Viner - VIviano NERuzzi - ist also schon in der schlichten Form der leichten 90er mit ihren High End Stahlrahmen ohne jede Zier.



Recht viel besser wurden gemuffte Rahmen eigentlich nicht mehr - aber statt das Topmodell zu werden, das es eigentlich ist, hat man es mit einer günstigen Campagnologruppe ausgestattet. Das war schon die Zeit, als Alu und Carbongabeln das Geschehen dominierten, und Italiener ihre Stahlrahmen nur unter grössten Mühen verkaufen konnten, und gleichzeitig die Produktion gleich zweimal umstellen mussten. Erst auf Schweissen mit Schutzgas, weil Muffen unschick wurden, dann auf Kleben und Wickeln, weil Alu keine Chance gegen Carbon hatte. Man räumte halt die Lager. Ich habe schon ein geschweisstes Pro Team (aus Stahl, ich habe auch noch zwei aus Alu), und es ist so angenehm, da konnte ich jetzt auch nicht widerstehen. Zumal es gemufft ist, und Muffen sind heute nicht mehr so leicht in hoher Qualität zu bekommen. zumindest nicht zu diesem Preis.

Ausserdem habe ich letztes Jahr ein Ciöcc nicht gekauft, weil es auch etwas zu klein war. Kurz danach wollte jemand so etwas haben. Diesmal bin ich gerüstet!

... link (48 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Dienstag, 26. September 2017

Flohmarkt mit Familie

macht wenig Spass. Dauernd quengelt jemand, man habe doch schon so viele Bücher, Gemälde und anderes Zeug, und so kommt man erst gar nicht zum Verhandeln. Mit dem Ergebnis, dass ich tatsächlich einen dicken, französischen Adligen stehen lassen musste.Gut, er war wirklich zu gross und ausserdem kam kurz vorher ja auch noch eine Empiredame an, aber es wurmt. Warum habe ich so etwas strudiert, wenn ich davon nicht profitieren kann?

Letztlich machte ich dann aber doch noch einen Glücksgriff.



Denn die Zeiten im Antiquitätenhandel sind schlecht, und Porzellanfiguren mögen zwar im Geschäft teuer sein - aber wnn nur die kleinste Kleinigkeit fehlt, sind sie schon mehr oder weniger wertlos. Auch aus gutem Hause wie hier, bei diesem Mansplainer mit entzückter Zuhörerin..

Das musste ich natürlich haben. Und es war wirklich nachgeworfen.

... link (1 Kommentar)   ... comment