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Donnerstag, 9. Februar 2012

Pardon

Ich arbeite gerade zeitgleich an zwei grösseren Geschichten; eine ist schon länger angefordert und die andere geht mir seit der Lektüre eines Buches nicht aus dem Kopf. Beide Geschichten hängen irgendwo zusammen; in der einen geht es um gewisse Wohlstandselenderscheinungen in München und in der anderen um die Frage, warum Berin mit schwarzrot und Spiesserpiraten so unsexy ist. Irgendwie hänge die beiden Themen zusammen.



Als ich Ende 2003 nach Berlin ging, hatte das Ende der New Economy eine Tabula Rasa hinterlassen, und alle fragten sich damals, was jetzt wohl kommen würde. Was man machen, entwickeln, aufbauen könnte. Visionen, Pläne, grosse Konzepte. Die Ergebnisse? Klingeltöne von Jamba und Forderungen nach einem bedingungslosen Grundeinkommen. Meine These ist, dass angesichts der Möglichkeiten auf dem Spielplatz Berlim das BGE nach diesem Jahrzehnt ein Eingeständnis des Scheiterns ist. Immerhin kommt da heute keiner mehr auf die Idee, redesign Deutschland zu brüllen. Ich sehe eigentlich keinen ernsthaften Ansatz mehr, etwas jenseits von Berlin zu bewegen. Die sind mit dem Abbau von Clubs und Galerien und der Verhottentottierung für die Touris voll ausgelastet. Und ich sage mal: Das ist die Agonie vor dem Tod.



Gut, mit einer grossen Koalition ist das kein Wunder. Umgekehrt, im Süden, scheinen diese Probleme weit entfernt zu sein, aber da sind auch so Fälle wie ganz erstaunliche Privatinsolvenzen. Es gibt irre Formen von Gentrifizierung unter Reichen, und mehr Geld mündet fast zwangsläufig in mehr Leistungsdruck. Die einen brennen aus, die anderen haben eine zu hohe burn rate, gesund ist beides nicht. Natürlich kommt München wieder, die Clubs, die in Berlin schliessen, machen am Rindermarkt und beim Schlachthof wieder auf, und es ist gar nicht mal so spiessig: Die Spiesser nämlich leben alle in Berin. Trotzdem ist der Druck in München brutal. Und alle Mieter wollen Wohnungen kaufen, auch wenn sie sich bis zum Ende ihrer Tage verschulden müssen.



Es gibt einige Anzeichen, dass viele in Berlin trotz der Agonie bleiben, weil sie fürchten, im Süden beruflich abgehängt zu werden, wie man in Berlin menschlich abgehängt wird. Und ich denke, dass Zettl keiner anschaut, nicht weil der Film schlecht ist, sondern der Film eine Stadt als Thema hat, die niemanden mehr interessiert. All diese Ansätze müssen unter twei Hüte. Ich habe einiges zu tun.

Davor aber erst mal der obligatorische Beitrag zur Schande in Bellevue und wie man sie endlagern kann.

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Dienstag, 7. Februar 2012

Vita Nova

Ich schreibe gern über die negativen Folgen des Internets und der asozialen Netzwerke. Nicht, weil ich das Netz nicht mag, sondern weil sich die Berichterstattung über weite Strecken in den Klauen von zwei unausrottbaren Gattungen befindet: Korrupten Wirtschaftsjournalisten und egogeilen Netzcheckern. Irgendjemand muss sich auch mal hinstellen und breit erklären, was am Targeting bei Facebook besser als bei Google ist, und warum Facebook dennoch schlechter als kommende Alternativen sein wird.



Aber: Ohne Internet hätte ich heute zwangsweise in diesen frühen Morgen gehen müssen, und zwar nicht nur da draussen, was schon schlimm genug wäre, sondern auch noch in einer anderen Stadt. Eine, die ich nicht besonders schätze, und für die ich dennoch viel Geld ausgeben müsste. Ich hätte höhere Belastungen und Kosten bei erheblich schlechterer Lebensqualität. Allein das Wetter zu sehen und zu wissen, dass ich nicht eine halbe Stunde durch dieses Trübsal stapfen werde, ist - unbezahlbar.



Statt dessen gehe ich durch vier warme Räume über Perserteppiche und Parkett in die Küche, bereite die nächste Tarte nebenbei vor, während das Wasser kocht, summe ein wenig vor mich hin und habe viel Lebenszeit gespart. Mehr noch: Lebenszeit angenehm verbracht, die andere unangenehm verbringen. Manchmal glaube ich, dass man die unsägliche Freudlosigkeit von Zeitungen auch ein wenig damit erklären kann, dass sie oft genug von Menschen in mobilen Blechbüchsen konsumiert werden, in denen die Druckerzeugnisse, relativ gesehen, angenehmer als der Rest sind. Zeitungen können sich das noch leisten, aber wenn ich dann in Mantua im Cafe sitze... da bräuchte es Zauber. Aber davon ist nichts da. Ich habe auch hier keine Zeitung, selbst wenn mitunter Verlage versuchen, mir ein Angebot zu machen: Danke, aber ich suche mit das Bezaubernde lieber selbst raus, bevor ich zu viel Grau bestelle, das mit meinem Leben nichts zu tun hat. Wieso Verlage glaubem, dass Nutzer zu dem gleichen Grau greifen, wenn sie auf dem iPad auch noch ganz andere Dinge finden - keine Ahnung.



Meine Informationswelt ist so unfassbar, so unglaublich viel besser als alles, was davor möglich war. Wenn ich lese, dass Zeitungen für sich auch im Netz eine Führungsrolle beanspruchen: Ach was. Die Leute wissen schon, warum sie zu facebook und G+ gehen, da sind die Menschen angenehmer. Niemand ist gezwungen, sich die Welt von diesen Systemen erklären zu lassen, und schon gar nicht, wenn es so unfreundlich daherkommt. Und wo man sich letztlich all die ähnlichen Informationen abholt, die man so braucht, ist ungefähr so wichtig wie die Frage, aus welchen Reservoir das Wasser für die Klospülung kommt. Die Leute sind - leider - bei Facebook, weil sie dort bekommen, was es nur dort gibt, und was Medien zu liefern nur begrenzt in der Lage sind. SPON versucht es mit gebitchslappten Plärrdreck, andere haben sich darüber noch nicht mal Gedanken gemacht, und ich frage mich, ob die begreifen, dass mit Pinterest jetzt auch ein soziales Netzwerk da ist, mit dem jeder Werbetreibende den ganzen Werbeclickbannermüll bei Zeitungen streichen kann - dort ist übrigens die Zielgruppe, die man möchte.



Zeug bei Facebook und Twitter raushauen kann jeder. Ich glaube, mit textfern getriebenen Systemen wie Pinterest wird es richtig spannend. Einerseits, weil es da auch Texte brauchen wird, andererseits, weil es ein ganz anderes, kundenorientiertes Denken verlangt, das nicht weit verbreitet ist. Medien sind nun mal am Tropf der Anzeigenschaltung. Das kann sie eigentlich nicht unberührt lassen. Wie gesagt, ich finde diese Veränderungen nicht durchgehend gut, und was da mit Daten geschieht, sogar abscheulich. Aber man kann es nicht ignorieren. Man muss mitmachen und die Vorteile nutzen, wenn die Nachteile schon unausweichlich sind.

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Montag, 6. Februar 2012

Man muss aus allem etwas machen.

Ich denke, das ist eines der Geheimnisse von Reichtum im Leben: Die Fähigkeit, auch aus weniger guten Dingen etwas Famoses zu machen- Das ist mitunter schwierig, aber seitdem ich ein Blog habe - und obendrein noch ein anderes, für das ich bezahlt werde - schlachte ich gern Erlebnisse, Ereignisse und Geschichten aus, die auch gerne an mir hätten vorbei gehen können. Stürze vom Rad, explodierende Atomkraftwerke, den reichshauptschnorri.

Das ist eine Art, solchen Vorkommnissen und den Beteiligten ein Zurück Marsch Marsch ins Gesicht zu prägen. Wobei "Zurück Marsch marsch" sicher nicht meine Ausdrucksweise im persönlichen Umgang ist, aber manche denken so über andere, wenn es ihren Zielen und Wünschen hilft: Natürlich verpackt in pseudomoralische Argumentversuche. Also habe ich damit das etwas unschöne und schwierige Thema bewältigt, welche richtigen und falschen Schlüsse man aus gezielten Benachteiligungen und Zurücksetzungen zieht, je nach Schicht, aus der das Üble kommt. Auch das ist so ein Thema, über das man ansonsten gerne schweigt, weshalb man wenig darüber findet. Man steht nicht gern zu seinen schwachen Gedanken. Ausser natürlich es lohnt sich.

Um dem Ganzen jetzt auch noch eine positive Wendung zu geben:



Das mit dem Besten daraus machen geht sogar bei Roquefort. Ich mag Gorgonzola, wenn er mild und in Saucen ist; an Roquefort konnte ich mich aber nie gewöhnen. Aber wie es nun mal so ist, war es kalt auf dem Wochenmarkt, es waren wenige Leute da, und meinem Käsehändler blieben ein paar Becherl Frischkäse in diversen Variationen übrig. Eines packte er mir dazu und meinte, das würde mir schmecken. Leider war es Frischkäse mit sehr viel Roquefort. Die Person, die damit etwas hätte anfangen können, hatte ich 24 Stunden davor zum Bahnhof gebracht, und sie kommt auch nicht in den nächsten Tagen zurück.

Da sass ich also mit dem Roquefortfrischkäse und überlegte. Zermarterte mir das Gehirn. ich weiss, wie ich den Verrat für die FAZ aufschreibe, aber Roquefort? Der Roquefort stand daneben und pestete meine Küche voll. Und ich hasse doch das Wegwerfen so sehr. Letztlich habe ich etwas Creme Fraiche genommen, zwei Eier, 100 Gramm fein geriebenen Scamorza, eine grosse, rote, weiche Parpika, recht viel rote Zwiebel, und eine kleine Zucchini, die dringend weg musste, Salz und Pfeffer und, weil die Mischung zu flüssig war, eine Handvoll Mehl. Und dazu den teuflischen Roquefort, und alles vermengt. Und darüber und teilweise auch hinein zwei kleine Ochsenherzentomaten.

Und was soll ich ahnen: Der Roquefort wird dadurch so stark gezügelt, dass er mehr als nur geniessbar ist. Eine Note merkt man, aber es ist wirklich nur eine Note in einem südfranzösischen Lied aus dem Backofen.

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Mittwoch, 1. Februar 2012

Egoismus

Ich könnte natürlich auch mein Auto mit Benzin betanken und fahren, aber irgendwie sehe ich das auf Kurzstrecken nicht ein. Und wenn es kalt ist, nehme ich dasd Geld lieber und betanke mich selbst. Und wenn mich jemand fragt, sage ich:



Och, einfach nur ein schlichter Mohnkuchen.











Wie auch immer, dazwischen wird auch geschrieben: Ich schreibe etwa über Kachelöfen und was man mit der letzten Tankfüllung nach dem Energiekollaps in gut 30 Jahren machen sollte. Und der werte Kollege führt ebenfalls bei der FAZ durch die Heimat des endsiegenden Internetbezwinger Heveling.

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Sonntag, 29. Januar 2012

Wer wird denn gleich

Es ist Winter. Es ist vollkommen normal, dass hier Schnee liegt, und die Temperaturen nicht zum Baden einladen.



Früher hatten die Menschen in dieser Zeit Eisblumen an den Fenstern und Erfrierungen an den Zehen. Das war halt so. Dagegen ist so ein wenig Zwischenkälte bedeutungslos.



Es ist trotz allem möglich, nach draussen zu gehen, und den Müttern, die mir meine Einfahrt zuparken, sei gesagt: Die Kinder können auch mal etwas laufen. Sie werden sich nicht gleich die Füsse brechen. Früher waren Winter hier sehr viel härter, und wir sind trotzdem mit dem Rad gefahren.



Die Strecken sind nicht weit und die Zeit auf dem Rad ist kurz, und danach ist man in der Wärme fern aller Bedrängnis. Wir werden dabei nicht aussterben. Zumindest ist das nicht sehr wahrscheinlich, Ein paar von uns werden durchkommen.



Wenn sie daheim nur ein etwas Sinnvolles tun, wie die Katze streicheln, und nicht den Vanity Fair Ersatz namens Interview, der versucht, Gesellschaft so zu definieren, dass unsereins gar nicht mehr vorkommt. Statt dessen besser die FAZ und einen Verriss lesen, oder gleich ein gutes Buch.

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Donnerstag, 26. Januar 2012

Zahlenspiele

Ich denke, ein Grund für die Mentalitätsunterschiede der Menschen in den neueren Zeitläufen ist der Alkohol: Früher wurde einfach sehr viel unmässiger und gleichzeitig gewöhnlicher gesoffen. Glaich am Morgen ein Flascherl Sekt war irgendwie so normal wie die immer geöffnete Flasche Eierlikör im Schrank, und über einen Pfarrer hier sagte man, er könnte erst ab 1 Promille sauber predigen. Ein mir bekannter Unternehmer arbeitete in einer Bar mit EDV-Anschluss, so muss man das wohl sehen. Glaubt man den Erzählungen und historischen Berichten, waren die Leute früher den ganzen Tag mal mehr, mal weniger unter Alkoholeinfluss.



Heute sind die Menschen entweder schwerst betrunken oder - meistens - nüchtern. Und können deshalb auch dauernd messerscharf rechnen, ohne Beschwipsung und Beschwingung. Ich trinke zwar nicht, aber trotzdem fängt für mich die höhere Mathematik dort an, wo die Finger aufhören. Da kann es nicht überraschen, wenn ich beim Durchrechnen von Partnerschaften einen anderen Nichtzugang habe, wie manche Bekannte. Und über dieses Gegensatz habe ich in der FAZ geschrieben.Nur unter Teeineinfluss.

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Montag, 23. Januar 2012

3

Jubiläen sind eigentlich nicht so meine Sache. Geburtstage halte ich für verzichtbar, denn was heisst das schon. Altern ist kein Verdienst, das kommt von selbst.

Bei der FAZ ist das ein klein wenig anders.

Im letzten Jahr wurde offensichtlich, dass dort nicht jeder über mein Wirken restlos glücklich ist, um es höflich zu formulieren, und mitunter bekomme ich auch mit, wie Kommentare in diesem Blog hier gerne auch zu meinen Ungunsten weitergetragen werden. Die lesen hier spätestens seit dem Exzess des ohne Rücksprache gelöschten Beitrags mit. Ich sehe sie ab und zu in der FAZ und muss mir immer auf die Lippen beissen, um nicht gönnerhaft zu fragen: Na? Kann ich was schreiben, das Ihnen gefällt? Das letzte Jahr war durchaus eines, in dem ich dort ernsthaft gekündigt habe, allein, man wollte mich dort an der entscheidenden Stelle weiterhin ernsthaft halten. Es ist also keine Selbstverstänlichkeit, dass das Blog nach drei Jahren immer noch existiert. Es ist eher der Willen, diesen besagten Leuten jeden Tag zu zeigen, wie es geht. Und dafür bin ich der entscheidenden Stelle in der FAZ auch enorm dankbar.

Noch weniger selbstverständlich ist es, dass es trotz verschlechternder Eingriffe immer noch prima läuft. Der Relaunch war und ist kein Anlass zur Freude. Und das alles vor dem Hintergrund des Medienwandels, während die Printauflage allerorten bröckelt und im Internet nicht nur Gewinner wie die Zeit sind, sondern eben auch Angebote, die Marktanteile verlieren. Positiv formuliert: Es gibt schon Gründe, warum es sinnvoll ist, sich dort weiter reinzuhängen, und zwar nicht nur, weil die Stützen speziell dafür entwickelt wurden und woanders nicht passen. Genauso, wie es sinnvoll ist, sich einen klaren Blick auf das Ganze zu bewahren. Wenn man schon ein Jubiläum feiert, sollte man es ehrlich tun: Es geht voran für die Medien, immer weiter in die Sackgasse. Print ist nicht tot, aber es wird irgendwann unwirtschaftlich. Und dann braucht man wirtschaftliche Alternativen.



Nun, als 1-Mann-Einheit, die nicht mehr als ein Notebook, eine Kamera, ein Auto, Internetzugang und eine kostenlose Software braucht, sieht es für mich vielleicht noch recht gut aus; das sollte immer irgendwie funktionieren. Ich kann etwas, was viele nicht können, ich bin nicht nur Schreiber, sondern Schreiber im Kontext, es bleibt nicht ungelesen und undebattiert, es ist - das liegt vielleicht an meiner Vorgeschichte in der New Economy und bei Dotcomtod - one eye to the customer, also mehr für die Leser denn für mich geschrieben. Ich weiss gar nicht, ob ich das, was ich selbst schreibe, immer gerne lesen würde. Leute wie mich wird man immer brauchen können, und wenn die Medien tot sind, dann eben bei den Corporate Publishern, die sich Medien nebenbei als Hobby oder Line Extension halten.

Die grosse Frage ist in meinen Augen, ob die Medien den Wandel so schnell erkennen und begreifen, dass diese Konkurrenz nicht zu gross wird. Nach meinem Dafürhalten sind alle Onlinemedien, und zwar wirklich alle, eigentlich nur am Leben, weil Google zu viele Zukunftsfelder zum Beackern hat, als dass sie sich mit Medien auseinander setzen wollten. Aber wer weiss... vielleicht kommt der Neuanfang auch von Aussen. Vor ein paar Wochen wollte mich so ein Medienfremder abwerben. Mein Eindruck ist, dass die weitaus mehr Gefühl dafür haben, was die Leser wirklich wollen, und überhaupt keine Sentimentalitäten für einen Themenmix haben, in dem arrogante Langweiler mitgeschleift werden, weil das angeblich irgendwie dazu gehört und die Leute nun schon seit 30 Jahren nichts anderes machen und das Internet und die Leser hassen. Die fragen nicht, was SZ, Zeit oder FAZ machen, die überlegen sich, was man für ihre Zwecke und Kunden am besten macht. Das tun sie. Und sonst nichts. Und deshalb ist das auch nicht wirklich meine Welt. Ich kann das, was ich tue, nur richtig machen, wenn ich mir darüber keinen Kopf machen muss.

Nun - man wird sehen, wie das ausgeht. Für den dritten Geburtstag habe ich mir jedenfalls einen stützenkritischen Beitrag von einem meiner Lieblingskommentaristen bei der FAZ gewünscht, und ich habe über seine gebildeten Frechheiten sehr viel und sehr laut dröhnend gelacht.

Immer wieder mal was Neues. Nur keine Routine. Alles ändert sich, und ich muss weiter lernen.

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Freitag, 20. Januar 2012

Eigentlich wollte ich über Suizid schreiben

Aber am Tegernsee kommt man irgendwie nicht dazu, Ständig gaffen sie einen an und dagen: Ui, da arbeitet ja einer! Ja sowas! Und ihre Hunde kommen und schnüffeln, und dann fragen sie, wie zum Teufel man an einem Tag wie heute und an einem Ort wie diesem - arbeiten? - kann.



Und so kommt man ins Scherzen und lachen und nicht weiter als 6000 Zeichen und fragt sich, ob man das wirklich hier und jetzt schreiben sollte. Sicher schon, weil man dafür ein leichtes Herz für leichte Worte haben sollte, aber dann kommt einem eine andere Idee, und die geht dann viel schneller und leichter in den Rechner.

Und ausserdem haben die Stützen der Gesellschaft Geburtstag, 3 Jahre werden sie alt, und da kann man auch mal was anderes, Hübscheres schreiben. Über diesen Ort und was diese Frage - arbeiten? Was? Hier? Get a fucking life! - bedeutet.

Zu meiner Entschuldigung hätte ich natürlich anführen können, dass meine Marmeladenherstellerin nicht Zentis heisst und mir zwar die beste Konfitüre, aber keine Reisen gibt, was ich in Ordnung finde, und ich auch nicht einfach bei einer Hochschule anrufen kann, wenn ich mal ein paar Dutzend Leihdiener brauche. Ich will nicht, dass sowas wie der Schnorri-Wulff im Bundestag über den Holocaust spricht.

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Dienstag, 17. Januar 2012

Der Teufel hat Schnaps und Rinderwahn gemacht

Mit dem Fleisch und generell mit den Tierprodukten - da tue ich mir seit ein paar Tagen noch schwerer als sonst. Erläuterungen folgen bald. Der früher verteufelte Gin und andere Getränke sind dagegen a) vergan und b) vermutlich auch sorgenreduzierend, was sie zu einem erstklassigen Material für einen Gastbeitrag bei den Stützen der Gesellschaft macht., selbst wenn ich persönlich natürlich nicht trinke.

Ausserdem sind, da weiss man seit Goethe, Sorgen erstlasige Themen zum Schreiben von Texten, die gern gelesen werden. Nur Zyniker würden sagen, die Welt stünde besser da, wenn die Literaten nicht über Suizid schrieben, sondern ihn auch ausprobierten. Nein, die Rollenverteilung passt schon, wie sie ist.

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Sonntag, 15. Januar 2012

Grenzen der Zukunft

So beliebt waren Blocks, so modern und fortschrittlich erschienen Appartments, dass selbst in der dummen, kleinen Stadt an der Donau bekannte Leute dort einzogen. Architekten. Politiker. Ärzte. Das galt als die Zukunft, was heute gemeinhin als das schlechte Viertel gilt. An einer anderen Schule war eine Arzttochter, bei der ein Freund eines Nachts fensterln gehen wollte. Das ist im Oberland bei den niedrigen Kaschemmen der Mägde vermutlich kein Problem, aber die Holde wohnte im brutalistischen Vorzeigeobjekt von 1968 im 7. Stock hinter einem Überhang, da ist alkoholisiertes Fensterln auch mit Baugerüst keine gute Idee. Nun ja, ich konnte ihn davon abhalten, und so wurde er kein weiterer Selbstmord im falschen Bauen, das bei der FAZ beschrieben wird.



Das Haus, in dem ich wohne, verhinderte bei uns die Teilnahme an diesem teuren Herdentrieb, denn es ist gross, und die Wohnung war vorhanden, und warum sollte man woanders zahlen, was es hier im Überfluss gab. Nicht neu natürlich, nicht mit riesigen Glasflächen und ohne Tiefgarage und Lift, aber damals gab es, man mag es kaum glauben, keinerlei Parkverbot in der Altstadt, und auch keinen Vandalismus. Aber viele zogen weg, die erste Welle in die Blocks und die zweite dann ins Westviertel, in nur selten dichte Bungalows, und in der Stadt blieben nur Bäcker, Handwerker, Metzger und einige schrullige Typen. Als ich hierher zurück gezogen bin, vor nunmehr auch schon über 20 Jahren, galt das noch als sehr seltsam. Aber alles ändert sich, heute ist es scbick, und gleichzeitig käme auch keiner mehr auf die Idee, geschmacklose Bonzen mit normalen Gewerbetreibenden gleichzusetzen, wie ich in der FAZ blogge.



Die blieben in den alten Häusern und starben aus, und deshalb brauchen wir dringend neue Vorverurteilungen und Vorurteile, wir, die wir wieder dort sitzen, wo wir schon immer sassen. Wir brauchen Grenzen des Wachstums und Stacheldraht für jene, die darüber hinaus wollen. Neue Feinde für alte Fronten. So schaut es aus.

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