: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Samstag, 17. November 2012

Es geht gar nicht so sehr um mich

Ich war schliesslich dort. Es geht um meine Erinnerung, damit ich weiss, wie schön auch dieser November geworden ist, zumindest in den Bergen. An der DDonau, so hörte ich, ist es trostlos. Und weil es am See gar nicht mal so teuer ist - München und Frankfurt wären ohne See- und Bergblick erheblich kostenintensiver - ist das auch nicht unbedingt exklusiv. Das macht erst das geschenkte Licht.







Vor langer Zeit, als es mir gerade aus anderen Gründen nicht allzu gut gegangen ist, war ich am Starnberger See bei einem Ärztepaar zu Besuch. Der Anlass war auch für das Paar nicht eben erfreulich, man hatte eine falsche Entscheidung getroffen und nun mehr Probleme, als man sich das bei diesem Produkt je hätte vorstellen können (Wenn jemand sagt: Kaufen, kassieren und wir kümmern uns um die ganze Anlage und Abrechnung, bitte nie glauben). Sie müssen, sagte die Dame des Hauses, bei so etwas immer den See anschauen. Oder wenigstens an den See denken. Sie machte das immer so, wenn sie in der Arbeit etwas Schlimmes sah: An den See denken. So eine grosse, gerade Wasserfläche wirkt auf Menschen.







Menschen am See verhalten sich nach meiner Erfahrung ganz anders, als in Städten oder in Büros. Vieles fällt von mir einfach ab ich kann mich auch gar nicht mehr auf Probleme konzentrieren, meine Laune wird nicht zwingend besser, aber sehr viel gelassener. So ein See ist das Easy Listening der Landschaften, die beste optische Fahrstuhlmusik, die man sich denken kann, und deshalb sollte man auch oft Seen anschauen.







Es dauert Jahre, bis das Wasser aus den Bergen, von der Weissach kommend, den See über die Mangfall wieder verlässt. Der See, eine Hinterlassenschaft der letzten Eiszeit, ist beständig und bleibt bis zur nächsten Klimakatastrophe, wenn er wieder zu Eis wird und alles, was wir hier gebaut haben, beiseite schiebt. Alle Städte der Welt wären, in Trümmer gelegt und aufeinander gestapelt, nicht mal so gross wie der Hirschberg.







Das gibt einem ein wenig ein Gefühl für die tatsächlichen Relationen. Und die Kraft, es mit den Kleinigkeiten aufzunehmen. Und deshalb ist das hier. Ich denke, man sollte viel öfters die Seen betrachten. Das kann einem keiner nehmen. Die Erinnerung macht uns überlegen. Am Ende entspringt den Seen ein Fluss.

Wir alle wissen, was da vorbeitreibt.

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