Freitag, 15. Oktober 2004
Manchmal wache ich auf

Manchmal wache ich auf, und dann erinnere ich mich an Fetzen dieses Traumes, und die sehen so aus, wie der Event, auf dem ich gestern war, der mir als ganz gross angekündigt wude und der sich als Rohrkrepierer der PR erwies. In letzter Minute wurde noch telefoniert, eingeladen und bestürmt, damit es wenigstens etwas Kulisse gibt, Klatschvieh, Weinfürlausäufer. Es kamen die Künstler, ihre Freunde, Bekannten und Eltern, ein paar Journalisten, die das Buch abgriffen, und vielleicht noch ein paar andere Leute, die aber schnell wieder gingen. Man beklatschte sich selbst, man brachte das Publikum mit, man war unter sich und allein, einsam und verlassen, und so hatten sie es ganz sicher nicht vorgestellt mit der ersten Vernissage.

Manchmal wache ich auf , und mir laufen Bilder aus einem anderen Leben durch den müden Kopf, Bilder der Kunst und der Architektur, Bilder der Romanik mit ihren doppelstöckigen Kapellen und das Mysterium, das ihnen inne wohnt, die gnadenlose Akustik dieser Räume, die klare Stimmen verlangt, um nicht im Hall zu einem kakophonischen Choral zu werden, Bilder von schlanken Säulen und dünnen Gestalten auf den Tympanoi , grossäugig und mit gespannter haut wie viele meiner jetzigen Mitmenschen, und heute morgen habe ich mich ernsthaft gefragt, ob das nicht ein grandioser Raum für eine Lesung wäre, so weiss, so glatt, so konzentriert und mit Emporen über den Seitenflügeln, hinter deren Brüstung man sich zurückfallen lassen kann, um über das gehörte nachzudenken, über den da unten, der ich dann hoffentlich nicht bin, sondern ein anderer.
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the day the music died
Aber dann kommt die Liedzeile "Gebt endlich auf, es ist zu spät", und genau dann hoben Franzi oder Viola den Hörer ab und krähten immer gleich jung, gesund und lustig ihr Hallo , waren natürlich zu jeder Auskunft bereit, und es klang immer toll, grandios und einzigarig, und in ihren Augen keinen Brösel angepasst, auch wenn es nur um die Frage ging, wie sie eigentlich die Daten aus den "Ruft uns an und sagt wieviel Kohle ihr für den Urlaub ausgebt"-Aktionen verwerten. Wieso, ist doch alles im grünen Bereich, dann bieten wir den Leuten genau das an, was sie sich leisten können, echt kein Problem, ne?
So war das in den goldenen Zeiten in der Ostwerwaldstrasse, als sie sich noch verfluchten, dass sie nicht wie Viva einen IPO machen konnten. Inzwischen sind Franzi und Viola längst rausrotiert worden, Viva ist ein Teil von MTV und MTV geht nach Berlin, und bei der Gelegenheit, wie man heute erfährt, soll aus MTV wirklich ein Jugendsender werden; Videos sind ja Musik und der Musikmarkt ist tot. Statt dessen Gameshows, 9Live für geistig nicht ganz so Arme. Ein paar KW-Studentinnen müssen sich andere Traumberufe ausdenken, irgendeine halbstaatliche Schulungseinrichtung wird die Räume übernehmen, und ich werde mit dem Rennrad zum Eisbach fahren, wenn er kein Wasser mehr hat, und leise summen:
Männer, Frauen, Junge, Alte
in den Büros und den Fabriken
an den Schulen und zu hause
lassen sich für dumm verkaufen,
kaufen, kaufen, kaufen
und mich fragen, ob diese jungen Dinger heute noch irgendwo die Schuhe wegwerfen und tanzen wie damals auf den Wiesen in Schwabing, als alles noch möglich schien, als Musik ihre kaputte Seele retten konnte, oder ob sie inzwischen... es ist immer so eine Sache mit der Google-Suche, man findet sie nicht mehr, sie sind irgendwohin verschwunden, keiner weiss wo, und selbst die Überlebenden haben keinen Kontakt mehr, sie sagen nichts darüber und drehen sich lieber weg, wenn dann die Leute die Studios abbauen, sich noch einnmal vollaufen lassen und den letzten Zug zu einem anderen Standort nehmen, und sich wundern,
warum sie das überleben mussten
und nicht einfach sterben konnten,
vor dem letzten aller Tage,
als die komerzielle Musik starb
und Blumfeld aus der Warteschleife flog.
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Donnerstag, 14. Oktober 2004
Das DCT-Forum
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Nackt in Mitte
Flashback. Februar dieses Jahres. Date bei meinem Verleger, Debatte um Blogs! und das Aussehen, um urbanen Lifestyle, wenn man das Gesumpfe wirklich als Leben definieren will. Er meint, man soll sich mal die Gestalten an diesem Nachtkauf Nudes anschauen, wenn man wissen will, was wirklich abgeht in der Stadt.
Seitdem bin ich öfters daran vorbeigelaufen. Wollte vielleicht mal drüber schreiben, über die Mädels, die einen anpumpen, weil sie da drin keinen Kredit mehr bekommen, über ihre Hunde und das Leben, das die in irgendwelchen Abbruchbuden führen und den Eltern irgendwo in der Provinz erzählen, dass alles gut geht und das Studium schon irgendwie passt, während sie auf der Suche nach einem Kreativjob und dünn sind, wie man für solche Jobs sein sollte, aber eben dünn aus Hunger,dieser nagenden, unvermeidlichen Bestie, aber es muss so sein denn das Geld brauchen sie für die Träume, die sie in gelben und rosa Pillen kaufen, und die exorbitante Handyrechnung, weil das Festnetz längst abgestellt wurde. Über das Grauen und die Hoffnung in ihren Augen, über dieses Gefühl, dass man sie einfach niederschlagen will und in das Auto zerren und sie heimbringen zu ihren verdammt blöden 68er Eltern, damit sie die ins Bett packen, zudecken und am nächsten Tag nochmal etwas erziehen, nicht zu einer karrieregeilen Pitchersau, aber zumindest so weit, dass es täglich eine warme Mahlzeit statt der scheisssynthetischen Pillen gibt, und darüber, dass das alles in den paar Sekunden passiert, wenn ich ihnen was gebe und dann trotzdem die halbe Nacht nicht schlafen kann, weil ich einfach noch nicht abgebrüht genug bin, um diesen Leuten beim draufgehen zuzuschauen, und das wird sich auch nie ändern, solange ich es sehe.

Aber wie es aussieht, sorgt das Kapital für mich und befreit mich von den Racheengeln. Die Vermieter haben dem Nudes gekündigt, es hat zu gemacht, die Leuchtschrift, von der es seinen Namen hat, ist erloschen. Vielleicht macht dort die nächste Coffeee-Shop-Kette einen Franchise-Laden auf. Oder ein Restaurant mit pseudokreativer Einrichtung, verspielt und mit Happy Hour für Mai Thais. Oder eine Agentur mit Trendscouts, die hier nach dem wahren Leben suchen und es dann auf Powerbooks bannen, um es den Konzernzentralen in London, Singapur oder Gütersloh zu schicken, wo Produkte für den Massengeschmack der Provinz entstehen.
Morgen Abend gibt es dort nochmal eine letzte Party, mit DJs, Mädchen, Hunden, Kleindealern und dem Mittepack, das sich das aus Kredibilitätsgründen antun wird, bevor sie am Montag wieder Projekte entwickeln und sich bei einer Bank bewerben, Abteilung Kreditwesen.
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Nach dem Sturm
However, wenn ich mir meine Referrers anschaue, würde ich sagen, dass die Abodienste Kress.de und IBusiness schnellstens den Laden schliessen sollten, die Zahlen sind echt peinlich, jeder Blogger schafft mehr.
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Mittwoch, 13. Oktober 2004
Die Armut trifft mich wie ein Schlag.
Aber dann muss ich doch raus, rüber über die Brücke zur Post, und auf dem Weg dorthin ist alles in den unterschiedlichen Stadien des Zerfalls. "Frisch restauriert" gibt es nicht, der billige Putz bröckelt sofort weiter, die Sprayer freuen sich über die Freiflächen, und jedes kleine Fleckchen unter den Bäumen wird zur gemeinschaftlichen Müllkippe. Die Gegend ist nicht reich, aber doch nicht so arm, als dass sie auf das Saufen aus den Dosen verzichten würden, die hier rumliegen. Hinter den alten Fenstern hängen oft nur nackte Glühbirnen von der Decke; draussen sind noch Kriegsschäden sichtbar.

Und durch all diesen Niedergang werde ich morgen fahren, in ein topsaniertes Edelgebäude, wo ein unsinkbarer Konzern seinen Geburtstag feiern wird, mit etwas Kunst zum Thema Identität im digitalen Zeitalter, vorbei an den Pennern, den türkischen Kids und den Sozialhilfeempfängern mit Alkoholproblem, und ich werde reden, höflich sein und nicht darüber diskutieren, dass das digitale Zeitalter eine Luxusflucht für ein paar wenige ist, während draussen der analoge Müll regiert, vor dem man eine Weile die Augen verschliessen kann, als digitale Identität, aber irgendwann werden sie kommen und uns holen, wenn wir nicht schnell genug wieder weg sind, oder mal bei unserem Springen von Fluchtpunkt zu Fluchtpunkt ausrutschen.
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He, ihr Gerüchteportaliker!
Mittlerweile möchte ich berichten, dass das Herrenmagazin Amico ein härteres Schicksal erwischt hat. Der Bruder der Amica wurde ins künstliche Koma versetzt. Für solche Projekte ist Geiz nicht nur nicht geil, sondern sogar tödlich (150 Punkte, Media Final für mich)
Mehr Boos im inoffiziellen DCT-Blogring
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Es gab eine Zeit

2004 heisst es Digital Marketplace, was soviel bedeuetet wie dass es einen Platz für einen Markt gibt, aber deshalb noch lang keinen Markt. In Halle 4.2 hinten zwischen einer grossen Freifläche und ein paar Wirtschaftsverlagen sind die Bretterverschläge der letzten Internetapologeten, heute sind sie Dienstleister. Oder wollen es zumindest sein, denn kaum jemand verirrt sich hierher, wo das Leben nicht tobt und allenfalls Facheinkäufer für Wissenschaftsbücher auf dem Weg zur Toilette vorbeieilen.
Manchmal rottet sich das Personal der Gemeinschaftsstände des Platzes zusammen und zeigt sich gegenseitig Powerpoint Präsentationen auf den Laptops. Erkennt man daran, dass hinter einer Bretterwand ein Dutzend Anzugträger stehen und das nähere Umfeld leergefegt ist. Ganz selten kommt mal ein Jobsucher vorbei und wird wieder weggeschickt. Das wird noch auf der Systems schlimm genug.
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Dienstag, 12. Oktober 2004
Ein Neologismus
Vermutlich wird das in 80 Jahren ein toller Forschungsgegenstand. Immerhin ist es dadurch zum ersten Mal möglich, im Exil zu schreiben, ohne körperlich im Exil zu sein. Und es ist problemlos möglich, diese Texte im realen Land des virtuell Exilierten zu lesen. Ausserdem kann man in 80 Jahren gefahrlos über verfolgende Interessengruppen forschen, deren reale Vertreter dann nur noch wenig wohlriechende Kadaver sind.
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Postmessial
Es ist Buchmesse, und Buchrebellen ohne Markt suchen Verleger, die oft genug fälschlicherweise behaupten, einen Markt zu haben. Es ist ein Schneeballsystem, manche werden dadurch reich und kriegen die Gutscheine für die Parties, wo über die staatliche Stütze in Form von Einladungen zu Literaturfesten verhandelt wird, andere müssen sich ihre Märkte erkämpfen, und die grosse Mehrheit versagt. Sophie Dannenbergs Erstling wird nach dem grossen Scheitern ebenso versteckt wie Ariane Grundies, auch nach Dobellis Zweitling muss man lange suchen, so verhuscht steht er am Rand. Zwei, drei Monate machen aus prognostizierten Bestsellern Füllmaterial für internationale Stars, und das Heer anderer Buchwilliger steht schon bereit, in den Lesebühnen, bei den Agenten und den Schreibwettbewerben.

It´s a fucking war out there, und obwohl sie und ich auf den gleichen Markt zielen, bin ich doch nicht dabei, ich stehe am Rand und wundere mich, warum die sich so kaputt machen lassen. Da balgen sie sich mit 350 verkauften Exemplaren um den gleichen kleinen Kreis vn unglücklichen, ungefickten Mitte-Germanistik-Proseminaristinnen, versuchen es über karge Sätze und geschwollene Klappensülze, der Verleger sagt was über die Pflicht, die Jugend zu bedienen, die längst vor MTV abhängt und auf Kuttners ersten Roman oder so wartet, über den dann die Bild was schreibt. Vielleicht kriegen die Neuen auch noch die Awareness eines Aufmachers einer Opazeitung, deren Leser weiterblättern zur nächsten Was waren wir damals für feine Kerle und die Russen waren fies Apologie, oder zum Moralkeulenhändler, oder zum Bildband, den der Rezensent dann zu Weihnachten an Mutti verschenken wird.
Die Messe ist was schönes. Bücher sind was schönes. Aber ich fürchte, sie sind etwas antiquiert, und irgendwann wird das Schlachtfeld so umgepflügt, vergiftet und verseucht sein, dass sich die grossen Player doch ein anderes Penetrations-Spielzeug für ihre medialen Weltbeherrschungsphantasien suchen werden.
Amazon hat übrigens in den letzten drei Jahren 20% Marktanteil verloren. In Deutschland. Bei Büchern.
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msn mit Gmail ficken
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Dienstag, 12. Oktober 2004
Real Life 10.10.04 - Ein Buch gekauft.
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Kalt Mann
Ach so, er studierte Mediengestaltung, und war schon mal bei MTV. Das erklärt einiges. Authentisch wie die bekannte lila Kuh. Sowas muss ja in totem Baum auf der Buchmesse enden, eifrig beklatscht von grauhaarigen Pädagoginnen, die das ihren Schülern als jugendgerechte Auseinandersetzung mit Technik und Gefühlen geben werden, weil sie von beiden so wenig verstehen, dass sie sich beim Platzieren eines Vibrators über den Jordan brutzeln würden.
Btw, irgendwie hab ich auf der Buchmesse keinen der so beliebten Schamhaar-Debuttexte gehört.
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Sehr schöne Eindrücke

So sieht es von da oben aus. Halbrechts hinten, neugierig den Kopf nach vorne gereckt, das ist der beste aller Verleger.
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Sonntag, 10. Oktober 2004
Nacktes Fleisch beim rohen Wohlt
Rowohlt hat seine Homebase nicht in FFM, sondern in HH, muss also in fremden Räumen repräsentieren und das eigene, nicht gerade geringe Personal abfüttern. Und abfüllen. Am Stand sind sie alle gleich beansprucht von Manuskriptablieferern, Bücherdieben und nervigen Fragern, wo denn jetzt bitte der Walser ist und ob der auch noch 20 Jahre alte Suhrkamp-Schinken aufwertet. So ein Walser im Programm ist ein guter Grund, sich ordentlich zu zu kippen, und so wartet das jazil mit einer langen Theke oben und einem kurzen Buffet unten auf. Immerhin ein Buffet, das einen mit schimmernden Terrinen anlacht, und nicht, wie beim fischigen Fischer mit Quiche in Pillengrösse beleidigt.

Wir lassen die Käsespätzle rechts liegen und widmen uns dank Gutschein den ebenso vegetarischen Tortellini, und doch, die sind gut. Aber irgendwo muss die Kohle ja hin, von den Umsätzen mit den alten Tucholsky-Rechten, und den Gewinnen an Jungautoren, die dann immer flennen, wenn ich mal wieder was von 10% Honorar und ein paar Sutzend Belegexemplaren erzähle. Die tun nur so spendabel, für gäste. Innen drin regieren die Controller.
Und seit neuestem eben auch die Freunde von Walser und die Anhänger gesetzter Altherrenliteratur, sowie FAZ-Ab- und Anonanierer. Seitdem der Moralkeulenfreak dort ist, muss ich bei Rowohlt immer an alte Säcke mit Schuppen auf den Schultern und einem grausligen südschwäbischen Dialekt denken, die immer noch nicht kapiert haben, dass die jungen Frauen einfach keine Lust haben, egal was sie sich später im Kopf zusammenfantasieren. Sex ist hier nicht wirklich Thema, Verlagsangestellte sind heute ganz normale Mitarbeiter und keine verfolgte Minderheit mehr, die sich für Nachkommenschaft die Seele aus dem Leib ficken muss, weil alle paar Tage die Inquisition vorbeischaut und eine Autodafe inszeniert. Statt dessen wird das Programm am Geschmack gestreamlined, und so sehen sie dann auch oft aus.

Und sitzen zur Strafe lang rum, kommen einfach nicht weiter, und wenn sie dann mit 2 Caipis mehr und zwei Gutscheinen weniger von der Bar kommen, ist der Platz neben ihnen leer, und die anderen reden mit anderen Leuten darüber, dass sie nachher noch auf die Blumenbar-Party gehen, für die die älteren Semester dann doch zu vergreist sind.
Da ist eine Discokugel und auch Ntz Ntz Ntz Musik, aber zum Tanzen hat hier keiner Lust. Tanzen, das passt hier nicht her, also stehen sie lieber rum und halten sich an Gläsern fest und sind ganz froh, dass es nicht so laut und voll ist, damit man sich unterhalten könnte, und mehr, wenn es denn klappen würde.
Wir studieren die Drinkliste und finden sie ziemlich öde. Deshalb gehen wir hoch, quetschen uns an die richtige bar, und suchen was ungewöhnliches áus der Cocktailkarte. Mein Drink erweist sich als dünnflüssiger Kaugummi, meine charmante Begleiterin nimmt einen Whiskey der Senatorcard-Klasse. Ich kenne niemanden, ausser einer Frau, mit der ich früher mal studiert habe, aber es ist noch nicht mal schlimm, das Buchgestammel und Projektgefasel lullt mich ein, hinten schimmern rote Gläser, und ich schliesse Wetten mit mir ab, wieviele von den Typen hier nachher durch die Puffs und vorbei an den Nachtschattengewächsen in der Kaiserstrasse ziehen werden.

Und wieviele Mädchen, natürlich auch. Man geht ja überall mit der Zeit und den Bedürfnissen. Nachfrage macht Angebot. Zumindest hab ich mal sowas geschrieben, dass es mit den Frauen als Freierinnen immer besonders heftig wird, wenn die Buchmesse ist. Bislang hat noch niemand widersprochen. Wird schon seinen Grund haben, das.
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Samstag, 9. Oktober 2004
Da sassen wir dann.
Meinst Du, es kommen 20 Leute, fragte er mich gestern, und ich sagte, klar, wird schon, irgendwie. Als sich dann die Blumenbarparty am Vorabend doch müde und kalt bis in die frühen Morgenstunden schleppte, war klar, dass ein paar sicher geglaubte Gäste wohl eher im Bett an den Folgen ihrer Nasenschleimhautverschlankungsstrategie laborieren würden.
Trotzdem ging es dann um 7.30 Uhr los, Texte absprechen, Mods schreiben, Idee mit der Powerpoint verwerfen, mitstoppen, und übermüdet unter einem stahlblauen Himmel Richtung Messe fahren, Frau Diener neben mir. Gleich neben uns parkte Frau Eriador mit Herrn Shhh, nur Frau Emily Beat hatte sich mit dem Eingang vertan und wurde aufgeklaubt. Nochmal die Texte durchgehen, ein paar Witze zur Aufheiterung, es werden schon so zehn Gäste kommen und mit Tomaten werfen. So richtig aufgeregt war niemand.
Und dann sind wir rauf auf die Bühne, unter war richtig schön voll, der beste aller Verleger brauchte keine fünf Minuten und ich folglich nicht mein versprechen wahr machen, dass ich ihm dann einfach das Mikro abnehme, und dann ratterte er los, unser Bloggerzug nach Frankfurt.

Dann passierte es. Die Leute blieben sitzen. Keiner jammerte wegen Lindenberg. Sie lachten an den richtigen Stellen, sie klatschten, wir donnerten durch 6 Blogtexte, die gelesen immer noch so witzig waren wie gedruckt, und in den Gängen blieben Leute stehen. Hörten zu, wie man sich das so wünscht, und nicht wie sonst auf den Ständen, wo sich die Leute am Mikro festkrallen und es drei einsamen Gestalten zu peinlich ist, jetzt einfach zu gehen. Es war eine richtige Lesung, und am Ende traute sich keiner kommentieren, aber so ist das nun mal, und Emily, Andrea und Shhhh konnten endlich mal das tun, wo Autoren, egal wie abgebrüht, immer innerlich einer abgeht: Das eigene Buch signieren.
Um 17.30 Uhr ging es dann um Pierre Briece, am gleichen Ort. Es war ziemlich leer. Dass es die erste Bloggerlesung überhaupt auf der Buchmesse war, fiehl mir erst ein, als ich am späten nachmittag wieder im Auto sass. Ein Anfang ist gemacht.
So, ihr da draussen, jetzt kriegt ihr mal den Arsch hoch und rennt den Verlegern die Türen ein. Nach dem heutigen Tag ist das viel leichter als vorher. Sie werden euch lieben.
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Freitag, 8. Oktober 2004
Wir haben ein paar Fehler gemacht
Aber Dotcomtod ist nicht tot. Eine Website lebt durch die Datenbank, die kann man verlinken oder auch nicht. Soweit ich weiss, gibt es da draussen etliche DCT-Spiegel, unter anderem bei einigen Wirtschaftsmedien, nicht wahr, K. und M.? Und so, wie ich den einen oder anderen kenne, wird das Ding irgendwann wieder im Netz auftauchen. Es wird eine Weile dauern, bis es bei Google wieder ganz oben ist. Aber es ist die beste Datenbank zur deutschen New Economy gewesen. Irgendjemand wird kommen und sie wieder bringen, und diesmal, vermute ich, besser geschützt und unangreifbar.
Geschichte endet und stirbt nie - das ist eine Lektion, die die noch lernen werden, die jetzt lächeln. Ein guter Freund, seines Zeichens ein hohes Tier in der Clinton-Administration, hat mir mal in Bonn gesagt: Geschichte klebt wie Scheisse am Schuh. Now, there will be a whole lot of shit out there, I suggest.
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Vielleicht
Nur so als Idee. Nicht, dass sich heute jamnd ins Fäustchen lacht.
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DCT down
Ich denke, es wird wiederkommen. Solange gibt´s meine Finals eben hier.
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