Postmessial

Da war einer, der ein Buch angeboten hat. Randthema. Aber er hat es klug gemacht, und er hatte wohl auch den richtigen Riecher. Manchmal geht es wirklich so einfach, ran an den Stand, den Entscheidungsträger anquatschen, aus dem 30 Sekunden-Pitch wird ein 10-Minuten-Talk, sie tauschen die Adressen, und dazwischen kann man überlegen, warum der Verlag es nehmen wird: Klar definierte Zielgruppe mit Geld und einem gewissen Fanatismus, Thema ist im Trend, es gibt kein anderes hochwertiges Produkt, und der Autor hat erkennbar Ahnung von der Sache. Wenn man den ganzen Dreck des Betriebs nur einmal gerochen hat, den Schweiss der Ochsentour durch Lektorate und Pressestellen, dann geht einem bei solchen Szenen das Herz auf.

Es ist Buchmesse, und Buchrebellen ohne Markt suchen Verleger, die oft genug fälschlicherweise behaupten, einen Markt zu haben. Es ist ein Schneeballsystem, manche werden dadurch reich und kriegen die Gutscheine für die Parties, wo über die staatliche Stütze in Form von Einladungen zu Literaturfesten verhandelt wird, andere müssen sich ihre Märkte erkämpfen, und die grosse Mehrheit versagt. Sophie Dannenbergs Erstling wird nach dem grossen Scheitern ebenso versteckt wie Ariane Grundies, auch nach Dobellis Zweitling muss man lange suchen, so verhuscht steht er am Rand. Zwei, drei Monate machen aus prognostizierten Bestsellern Füllmaterial für internationale Stars, und das Heer anderer Buchwilliger steht schon bereit, in den Lesebühnen, bei den Agenten und den Schreibwettbewerben.



It´s a fucking war out there, und obwohl sie und ich auf den gleichen Markt zielen, bin ich doch nicht dabei, ich stehe am Rand und wundere mich, warum die sich so kaputt machen lassen. Da balgen sie sich mit 350 verkauften Exemplaren um den gleichen kleinen Kreis vn unglücklichen, ungefickten Mitte-Germanistik-Proseminaristinnen, versuchen es über karge Sätze und geschwollene Klappensülze, der Verleger sagt was über die Pflicht, die Jugend zu bedienen, die längst vor MTV abhängt und auf Kuttners ersten Roman oder so wartet, über den dann die Bild was schreibt. Vielleicht kriegen die Neuen auch noch die Awareness eines Aufmachers einer Opazeitung, deren Leser weiterblättern zur nächsten Was waren wir damals für feine Kerle und die Russen waren fies Apologie, oder zum Moralkeulenhändler, oder zum Bildband, den der Rezensent dann zu Weihnachten an Mutti verschenken wird.

Die Messe ist was schönes. Bücher sind was schönes. Aber ich fürchte, sie sind etwas antiquiert, und irgendwann wird das Schlachtfeld so umgepflügt, vergiftet und verseucht sein, dass sich die grossen Player doch ein anderes Penetrations-Spielzeug für ihre medialen Weltbeherrschungsphantasien suchen werden.

Amazon hat übrigens in den letzten drei Jahren 20% Marktanteil verloren. In Deutschland. Bei Büchern.

Dienstag, 12. Oktober 2004, 16:25, von donalphons | |comment

 
"Amazon hat übrigens in die letzten Monaten 20% Marktanteil verloren. In Deutschland. Bei Büchern."

An wen?

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An die anderen, Buch.de und besonder Weltbild.de etwa.

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schreibt die FAZ. Bitte mal den Artikel richtig lesen.

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Sorry, vertippt auf die schnelle.

Trotzdem, Lotree, der Du die Faz so gut zu kennen scheinst: Wenn ich sage, dass Journalisten ihre eigenen Blogs aufmachen sollten, und nicht unter wechselnden namen mal hier, mal dort was abzulassen in Richtung stänkern, was ja im Prinzip ok ist, aber auf Dauer schon etwas komisch kommt - würdest Du mir zustimmen?

Manchmal hab ich den Eindruck, dass es nur eine Ersatzhandlung für ein eigenes Blog ist, also, warum nicht machen? Angst vor Kritik?

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Ein Blog als Journalist?
> Angst vor Kritik?

Nein, Angst, privat verklagt zu werden. Gibt doch für die Medienkonzerne anscheinend nix Schlimmeres, als Journalisten mit eigener Website.

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Meine Medienkonzerne stört das bislang nicht, ganz im Gegenteil :-)

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Deine nicht - aber vielleicht deren Gegner...

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"...unglücklichen, ungefickten Mitte-Germanistik-Proseminaristinnen..."

eigenartig. ich stolper immer über unglückliche, ungefickte, frühhalberglatzte, testosteronisierte, hypermotorisierte, grobmotorische neurotiker.

muss wohl an den unterschiedlichen xx- bzw. xy-blickwinkel liegen.

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