Samstag, 23. Oktober 2004
Die ersten Gäste sind angekommen.

Ausserdem werden heute Abend die Locals begutachtet. Hier, beim Kantinenlesen. Dort, wo der Prenzelberg prenzlig nach Teen Spirit smellt. Es geht doch nichts über applied Klischees.
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 22. Oktober 2004
Fehlstelle

Vielleicht könnte man zumindest irgendwann mal das Facility Management anrufen, die zumindest schon mal die Trümmer beseitigt haben sollten. Muss ja nicht jeder sehen, wie schlecht es im Haus aussieht.
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Ein voller Erfolg
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Auf ihrer roten Jacke
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Donnerstag, 21. Oktober 2004
Lass uns Freunde bleiben
Du kommst etwas zu früh, gehst durch den Raum mit der Theke hoch ins zweite Zimmer, und nimmst einen richtigen Tisch. Es gibt zwar auch Sessel mit Couchtischen, aber heute steht eine Verschwörungen auf der Tagesordnung, du willst Köpfe zusammenstecken und Pläne schmieden. Das Ambiente mit einer unverputzten Wand und den gelblichen Farben passt zu den Plänen. Es ist nicht viel los, manche Leute lesen Zeitungen oder reden leise über die Krise in ihrem Leben. Du gehst an die Bar, und bist von den Preisen doch etwas überrascht, die heisse Zitrone kostet 1,30 Euro, mit Zucker oder Honig, und es ist wirklich Zitrone und nicht Zitronensaftkonzentrat. In einer kleinen Theke steht ungeschickt geformter, aber wie bei Muttern schmeckender Kuchen, die Baguettes sind bodenständig wie ein Pausenbrot. Es ist zwar Selbstbedienung angesagt, aber das dünne Mächen meint, dass sie dir alles an den Tisch bringt.

Während deine Freunde anrufen und sagen, dass sie etwas zu spät kommen, schaust du in die Gesichter der Anwesenden. Sie sehen alle nicht so aus, als ob es ihnen zu gut gehen würde, aber hier haben sie einen Moment der Ruhe in ihrem Daseinskampf, manchmal bekommen Lippen wieder Farbe, da hinten lacht jemand, und das Mädchen am Nachbartisch beginnt nach einer halben Stunde, doch erkennbar mit ihrem Gegenüber zu flirten; sie beugt sich über den Tisch, lässt Haarstähnen nach vorne fallen, und streicht sich über die Lippen. Vielleicht wird ihr Leben in diesem Augenblick wieder schön.
mehr bei Restaur.antville
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Donnerstag, 21. Oktober 2004
AG Berlin Mitte 15 C 1011/04
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Halloween
Wenn das so weitergeht, machen sie das Business 2.0 auch in Deutschland wieder auf. Einer der nettesten Abende der Munich Area war ein 2001er Event im Parkcafe, als der entlassene Chefredakteur des eingestampften Business 2.0 versuchte, sich beim Pre-Interview mit einem VC namens German Incubator noch irgendwie als beschäftigt einzubringen. Danach ging er auf Jobsuche; Journalist, PR, Pressesprecher, irgendsowas halt, erzählte er mir beim Cocktail. Auf der Bühne dahinter machte die Moderatorin der Wiwo Startup Show einen auf Optimismus, die Drinks waren umsonst, und es stank nach Verwesung.
Nicht noch mal, bitte.
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Ehrlich währt auch nicht immer

Man könnte es als Bankrotterklärung bezeichnen, aber nein, pleite sind sie noch nicht, nur in der Krise. Und ja, es mag ja sein, dass die Wirtschaftsflaute für manche Chancen bietet, aber sicher nicht für die Investoren, die auf ihren zuigtausend Quadratmeter im Quaree sitzen bleiben. Fährt man die Strasse hoch, kommen noch etliche grosse Freiflächen, verwildert und ruinenübersäht. Bis dort die Projektplaner in die Puschen kommen, dürfte die Flaute das Quaree schon wieder zur Ruine gemacht haben.
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Informelles DCT-Veteranen-Treffen
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Dienstag, 19. Oktober 2004
Ihr lieben 68er
Ohne diese organisatorische Klarstellung könnte es bei der praktischen Umsetzung der Weltrevolution ja zu erheblichen Problemen, ja sogar zu Verzögerungen kommen, die so weder von Marx noch von Trotzki vorhersehbar waren.
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Monostruktur
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Alles geht

Anything goes, der rebellischen Wahlspruch der Tempo, ist jetzt also in die Tiefen des Systems angekommen, als Wahlspruch derer, die keine Grenzen anerkennen wollten. Alles geht bei 24.000 Quadratmeter, sofort zu beziehen, und wirklich passt fast alles, solange es nur gross, vermögend und durch den Boom entsprechend aufgebläht ist. Bloss haben wir im Moment keinen Boom.
Nur eben diese 24.000 Quadratmeter, das sind 50 mal 50 Meter Grundfläche auf 10 Stockwerke minus Mauern und Versorgungsanlagen, das wäre Platz für 1000 Studenten, 500 Angestellte, 250 mittlere Manager, wenn man denn Wohnraum wollte. Will man aber nicht. Wohnraum lohnt sich für Immobilienfonds und Investmentstrategen nicht. Erst die Grösse macht bein Vermietung den Profit. Man mag langfristige Mieter aus der Finanz- oder Versicherungsbranche, und man wartet denn eben mal ein paar Monate auf den richtigen Kunden. Oder Jahre. Gut, langsam geht das hier eher in Richtung Jahrzehnte. Gleich rechts neben dem Marriott-Hotel, kurz vor Dresdner KW. Gute Gegend, wirklich, natürlich nicht in jedermanns Augen schön, und manchmal so entsetzlich leer.

Aber es ist ja Anything goes, es kostet ja nur Geld, genauer Steuergeld der Anleger, die entsprechende Verlustzuschreibungen bekommen und ihre Steuerlast damit schön niedrig bekommen. Rendite ist eher mau, aber es ist weniger riskant als Steuerflucht, und solange der Fond nicht crasht oder in einen Skandal schlittert, ist es immer noch besser als Spitzensteuersätze zahlen. Nur wenn denn mal ein Skandal kommen würde, so einer, wie der, der gerade in Frankfurt Konjunktur hat, dann...
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Montag, 18. Oktober 2004
Bitte erschiesst mich
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Während draussen

Wir kaufen die Tapete nach, holen uns ein Wählscheibentelefon in lindgrün vom Flohmarkt, und das Geld reicht vielleicht noch für eine Perlmuttlampe. Und die Mütter, die von Sozialhilfe leben und die Kleider von ihren Eltern bezahlt bekommen, erzählen ihren Kindern, dass sie später mal vielleicht in einem richtigen Haus wohnen werden, wie das von Opa, und einen Beruf haben werden, nicht nur so Jobs wie Papa Nr. 3. Und dann telefonieren sie mit ihrer Freundin, die gerade so einen Seventies-Shop für uns Romantiker aufmacht, und dort die Dinge verkauft, die wir - und das glauben wollende Kind in uns - mit Sicherheit, Wohlstand und Glauben an die Zukunft verbinden. Und ein Fortschritt, gegen die Kräfte des konservativen Systems, das uns ersticken will.
Und... ja, auch ein wenig RAF - nur fehlt uns dazu dann doch der Mut, weil das mit dem Demonstrieren ist zu uncool, und in den Untergrund sind unsere Eltern ja auch nicht gegangen, sondern nach Südportugal, wo es ihnen jetzt richtig gut geht. Sagen sie, wenn sie uns mal anrufen.
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Real Life 18.10.04 - C+P
Nach diesen Äußerungen fiel die Aktie ProSiebenSat.1 am Montagvormittag zeitweise um mehr als 4 Prozent auf 14,50 Euro. Es gehörte damit zu den schwächsten schwächsten M-Dax-Werten.
Es? Da stand früher davor vielleicht mal "Papier", das würde das "es" rechtfertigen. Und dass Pro7/Sat1 schwächer als schwach ist, wissen wir doch schon lange. Was wir nicht wissen ist, was im Kopf, Abteilung Satzstellung des Autoren vorging, der dieses Zitat so niederschrieb:
"Wir sehen dennoch auch, dass sich die leicht positiven Zuwächse des ersten Halbjahrs nicht fortsetzen werden bis zum Jahresende."
Naja, vielleicht verdient MM-Online bis zum Jahresende wieder so gut, dass sie sich eine Schlusskorrektur leisten können.
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Nicht kommen
Letztes Jahr war ich zu dieser Zeit in Norddeutschland unterwegs, und schaffte es erst am letzten Tag in die Systems. Irgendwo, zwischen begrünter Freifläche und Eingang zum Mediencampus, schwor ich mir, dass ich mich 2004 nicht nochmal breitschlagen lassen würde. Die pampigen Sandwiches bei einer Abendveranstaltung gaben mir dann den Rest. Keine Chance mehr für die Medientage, für das wehleidige Besucherpack, das jetzt die Folgen von einer Dekade Protz und Verschwendung, grossen Teils auf Kosten des Staates und der Allgemeinheit, in die Säuferleber geprügelt bekam. Kein Mitleid für die Kids, die noch immer nicht kapiert hatten, dass jeder Metzger, jede Einzelhändlerin ein besseres Leben vor sich hat als Spinner wie sie, die auf der Suche nach dem Glück durch die Messehallen stolperten, wie weiland die Conquistadores auf Haiti bei der vergeblichen Jagd auf Gold.
Trotzdem haben sie mich noch immer nicht aus ihrem Grosskotz-Verteiler geschmissen. Ich möchte doch bitte, ich soll doch, es würde sie sehr freuen, und mein Magen hüpft vor Abscheu bei jedem Wort und bei der Erinnerung an die Mayonaise. Um so überraschender die Absagen, die Kollegen treffen: Da wird brutal gesiebt, da dürfen nur wenige kommen, da müssen viele leider draussen bleiben. Als ob jemand kommen würde, um glibbrige, weiche, schleimige Sandwiches zu schnorren. Oder ist die Versorgungslage schon so schlimm? Ich werde es nicht erfahren, ich komme nicht.
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Montag, 18. Oktober 2004
Ein Empfang

Deutliche Anleihen an das Filmdesign im Babelsberg der 30er und frühen 40er Jahre, vielleicht auch etwas Speer. Darin sehr verloren und leicht unpassend der Eames Chair. Wenn sie könnten, würden sie monochrome Menschen reinsetzen, damit kein Farbschmutz das Ambiente der Nichtigkeit stört.
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Real Life 17.10.04 - Kampf um die Plätze
Für die anderen 7 bis zum Schluss ist nicht so viel Platz da. Die müssen sich dann eben darum prügeln, Konkurrenz belebt das Geschäft. Es ist wie immer: Ein paar kommen problemlos rein, der Rest muss auf die Gnade der Türsteher warten. Ein paar haben den Ruf, es einfach drauf zu haben, und können tun, was sie wollen. Die anderen haben Scheine, Noten und Arbeitszeugnisse, die keiner lesen mag. Ich sage jedes Mal, dass ich keine Ahnung habe, weder von den Themen noch vom Schreiben, dass ich es nie gelernt habe und auch nie in der Lage sein werde, einen schlichten, faktenorientierten Artikel zu schreiben, und sie sagen, das ist Koketterie und mal wieder typisch für die Creme der Hausautoren, aber egal, was möchte man denn das nächste Mal machen? Eine Photoreportage über 4 Monate? Aber gern. Die Frage, ob ich überhaupt Ahnung vom Photographieren habe, kommt nicht.
Diejenigen, die es laut Diplom können und laut Arbeitsamt unvermittelbar sind und besser noch eine Bäckerlehre machen sollten, werden das nie verstehen. Ich auch nicht. Die ganze Welt ist aus den Fugen, für jeden Gewinner gibt es zehn Verlierer, und die sind zu sehr mit dem Krieg gegeneinander beschäftigt, als dass sie ein System hinterfragen würden, in dem sie jahrelanges Verweilen auf Praktika-Ebene als gottgegeben ansehen. Nur, wenn sie dann die geschichten der Lucky Few hören, kommt der neid hoch, aber nie länger als bis zum nächsten Kampf ums Dasein, der ihre volle Aufmerksamkeit verlangt.
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Es gibt Pressemitteilungen,
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Samstag, 16. Oktober 2004
Real Life 16.10.04 - Du weisst es wird Herbst

Denn sie haben heute schon ein paar Einstellungen gedreht, zu denen das passen soll. Läuft dann auch am 30. Oktober, quasi schon November und eigentlich definitiv Winter, vom Empfinden her. Und eigentlich sollte ich mich ins Auto setzen und abhauen. Das wird nicht gut, hier.
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Herbstfest

Man will dagegenhalten. Die Stadt lässt hier Volksfeste zu, die für ein paar Tage Leben, Remidemmi und Vergügen simulieren sollen. Was anderes fällt ihnen auf die Schnelle nicht ein. Die Besitzverhältnisse des Geländes sind nicht geklärt, und solang die Prozesse laufen, wird sich daran auch nichts ändern. Was eigentlich kein Problem ist, in einer Stadt, wo der heisse Krieg bis 45 und der kalte Krieg bis 89 immer noch schwärende Wunden, tiefe Kratzer und Löcher hinterlassen hat. Ein paar Meter die Strasse runter fehlen drei Eckhäuser. Auf den Flächen haben sich ein Gebrauchtautohändler, ein ambulantes Blumengeschäft und, auf dem dritten, eine ganze Menge Unkraut breit gemacht. Kann sein, dass der nächste potentielle Investor erst mal Kröten umsiedeln muss, oder Ausgleichräume schaffen, irgendwo vor der Stadt, damit die dort seit Jahrzehnten siedelnden, wahrscheinlich seltenen Pflanzen und Insekten einen neue Heimat bekommen.
Am Mauerstreifen ist das nicht zu befürchten. Banales Gras, ein paar Büsche, das ist alles, was sich durt in den letzten 15 Jahren angesiedelt hat. Da kann man schnell mal was drüberklatschen, so eine Volksbelustigungsgeschichte mit Autoscooter, Karusell, Würstchenbude und Losstand. Was man halt sokennt und aus der näheren Umgebung ranschaffen kann.

Aber leise muss es natürlich sein, wegen der Anwohner. Und nicht zu blinkend schrill, und bitte auch nicht allzu lange, schliesslich will man schlafen, und Ruhe ist die erste Bürgerpflicht bis heute, ist ja Preussen, wa. Da hat so ein fest auch nicht allzu spassig zu sein, und Wind und Regen von der Nordsee treiben die letzten Kids weg nach Hause vor die Glotze. Oder in die richtigen Autos, mit denen sie durch die regennassen Strassen der Stadt preschen, da kann die Musik wenigstens richtig LAUT sein, das ist schneller, nur rumbumsen kann man nicht, aber vielleicht findet man ja mehr Glück als bei so einem komischen Losstand; nicht nur einen rosa Plüschelefanten, sondern was fürs Bett, für die Nacht oder einfach nur für den Rücksitz, wenn die Eltern daheim was dagegen haben, und damit kann man am nächsten Morgen ja auch ordentlich angeben.
Auf dem Herbstfest geht das ohnehin nicht, die Büsche sind zu dünn, es ist zu kalt und windig, und Bierzelte wie in Bayern gibt es auch nicht. Sie nennen es Herbstfest - aber mit einem Fest hat es nichts zu tun. Herbsttrauerveranstaltung wäre ein aktzeptabler Begriff.
Hinweis: beitrag für 3Sat, bitte keine Beschwerden!
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