: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Dienstag, 2. November 2004

3900 qm zu viel

und auch die mickrigen 80 Quadratmeter mit Aussicht auf die Allee werden es schwer haben. Zu gross für die Ich AGs der New Media Szene, und viel zu teuer, angesichts des Home Office, wo der Küchentisch den Besprechungsraum und das Schlafzimmer die Recreation Area ersetzt.



Die Tafel wird wohl noch eine Weile dort stehen bleiben; vielleicht länger, als der für die Verwirklichung der Vision nötige Immobilienfond Bestand hat. Gut für die Bäume, die Grünanlage und das graubraune Haus dahinter, das in seiner Tristesse immer noch den Charakter hat, der dem geplanten Glasloch mit Stahlskelett fehlen wird, bis zu dem Tag, an dem sie das Ding wieder abreissen. 20 Jahre, schätze ich.

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DCT-Insider - Miese Stimmung

bei den Mietlingen in der oberen Etage von News-Frankfurt, was man so hört. Jedenfalls war mein Gesprächspartner von Springer - mit der Welt Kompakt Konkurrent um den Frankfurter Tabloid-Markt - ziemlich relaxed, und meinte, die grossen Mietlinge würden die wenig schöne Lage der News bald die kleinen Unter-Tarif-Mietlinge spüren lassen. Und vor allem die Werbungsbeschaffer, die das Geschäft "ums Verrecken" nicht auf die Reihe bekommen, sagte der Springermann und wies darauf hin, dass mitunter über 50% der "Werbung" konzerninterne Buchungen von anderen Holtzbrinck-oder Milchstrasse-Medien sind. Das sollte eigentlich viel besser laufen, laut Plan, meint er. Sicher nur böse Unterstellungen der Konkurrenz, wird man bei News-Frankfurt morgen verbreiten.

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Eine der Unannehmlichkeiten

der Auszeit von DCT ist, dass sich hier die schönen Finals ansammeln - Apovia in Martinsried, beispielsweise, ein Hoch auf die bayerische Staatsregierung und ihre weise Förderungspolitik, und jetzt wird es noch schlimmer: Ein Treffen mit einer gewissen Person steht bevor, das eigentlich in einen typischen 10.000-Zeichen-Boo gebacken werden müsste. Nein, sicher keine unanständige Apovia-Geschichte (welches Hirn erfindet eigentlich solche Namen?), aber dennoch...

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Einladung zum Alptraum

Business Plan Wettbewerb 2004/5. Aus irgendwelchen undefinierbaren Gründen bin ich immer noch im Verteiler, und ja, ich habe mich schon dreimal abgemeldet. Das Thema ist nicht tot, es ist schon in Verwesung. Früher waren die Events ganz nett, aber heute ist es nur noch lächerlich. Ein paar Studenten, und Dutzende von subalternen Angestellten von Kanzleien, Beratern und PR-Dienstleistern, die sich hier erste Kontakte, Mail-Adressen und Business-Cards aus dem Farbdrucker mit Perforierung verschaffen sollen. Restbestände der New Economy, die immer noch an ein Leben auf der Überholspur glauben. Jamba hat es doch auch geschafft, werden sie auf dem Podium sagen, und auch sonst gibt es genügend Anzeichen für die Besserung, es gibt neue emerging markets, man muss antizyklisch denken, und besser vergessen, dass das während der letzten 4 Jahre auch schon oft gesagt wurde. Von denen, die es damals hörten, ist aber längst keiner mehr da.

Nein, sie sind nicht pleite, wie fast die gesamten Alumnis von 1999 bis 2001. Sie haben einfach kein Geld bekommen, und so klug, dass sie inzwischen um die Notwendigkeit von Brennstoff für das Rasen auf der Überholspur wissen, sind die Überlebenden inzwischen geworden. Learning bei Verrecking. The early Bird gets the poisioned worm. Das Geld liegt auf der Strasse, die VCs müssen wieder investieren, und 90% Pleiten oder Walking Dead sind eingepreist. Willkommen bei der Totentanzpolonaise im Vorloft der Hölle, nur drei Finanzierungsstufen bis zum Exit, so oder so....

Vielleicht sollte ich doch hingehen.

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Sonntag, 31. Oktober 2004

Alles super

wenn man mitten im Moloch eine Tanke findet, den Wagen abfüllt und raus kommt, mit Vollgas irgendwohin, wo noch nicht alles kaputt und Zukunft noch was anderes als die verschärfte Fortsetzung des Niedergangs ist.



Weniger super, wenn man das zwar täglich lesen kann, aber hier bleiben muss, wo absolut gar nichts super ist. Gut, gegenüber ist ein kleines Bordell, bei dem die Fenster sowieso verrammelt sind, eine Autovermietung und dann, weiter hinten, eine Industriebrache. Aber das dunkle Haus dahinter ist auch im strahlenden Sonnenschain bitterfeldgrau, und über die laute Bahntrasse werden alle paar Minuten, wie zum Hohn, abgearbeitete, frustrierte, verarmte Menschen vorbeigekarrt, für die Glück schon bedeutet, nur einmal auf dem Heimweg nicht von irgendjemand angemacht zu werden, dem es noch dreckiger geht.

Alles super, lesen sie, wenn sie den Blick vor dem kommenden, vielleicht auch ihrem eigenen kommenden Elend abwenden und die Leuchtschrift lesen. Fehlt eigentlich nur noch ein Mc Donalds Plakat mit "Ich liebe es [tm]".

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Mitmachender Mietling

Wenn der Mut zur roten Klaubrigarde nicht reicht, dann muss das Geld eben woanders herkommen, ganz gleich wie jung und antikapitalistisch man ist. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass der Name eines früheren, na sagen wir mal, Bekannten, heute im Entwicklungsteam einer mässig erfolglosen Contentkonzerns zu finden ist. Weit unten, da wo Marx heute wohl das Proletariat beim Talkshow-Interview ansiedeln würde, wenn er noch leben würde - aber dann würden ihn Typen vom Schlage meines Bekannten wohl auch nicht mit Marx-Lesegruppen ehren.



Immerhin müssen die Möchtegern-Revoluzzer heute nicht mehr bei Opel ans Band, müssen sich nicht mit bildlesenden, bordellbesuchenden und sonstwie reaktionären Arbeitern rumschlagen, sondern können sich dem Glauben hingeben, dass die Stock Options ja auch eine Art Gemeinschaftsfirma aus der windigen Klitsche machen. Man hält zusammen, keiner geht früher, das Klima ist gut, die Topfpflanzen sind grün, und wenn man beim Syndizieren von Inhalten rechtlich in die Grauzonen kommt, sorgt das Kollektiv schon für ein ruhiges Gewissen. Ist ja Befehl von oben, und das Urheberrecht hat man nicht gemacht. Ist aber eine klasse Idee, billige Flatrates bei Amateuren buchen und dann durch 70% Aufschlag Profisätze nehmen.

Aber es wird noch dauern, bis sie das wirklich anwenden können. So schnell läuft das auch in der digitalen Ökonomie nicht. Bislang sind Kunden eher Mangelware, wie Trabbis im Osten. Vielleicht hat er ja noch seinen Trabant, den er damals im Winter fuhr, um seine schwarze Ente mit dem roten Stern zu schonen.

Damals, vor drei Jahren, sagte er übrigens noch, dass die New Economy Pleite der Herbst 89 für die faschistisch-kapitalistische Dikatatur des Westens sei. Aber vermutlich kam so die Mark nicht zu ihm, und deshalb geht er jetzt zum Euro. Auf den er, wenn es über normale Abrechnung läuft, wahrscheinlich lange wartet, oder er ist Freier und stellt einfach so eine Rechnung, ohne Steuernummer und Sozialabgeben, die dann irgendwie über betriebliche Mehrausgaben abgerechnet wird. Wahrscheinlich findet er es sogar gut, auf diese Weise das AsozialeSchweineStaatssystem zu schädigen. Beschleunigt die Weltrevolution. Garantiert.

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Sonntag, 31. Oktober 2004

Real Life 30.10.04 - Starting up

Allererste acht Schritte nach dem Einbringen des Gepäcks in die Räumlichkeiten.



1. Netzteil in die Steckdose.
2. Computer an das Netzteil.
3. Computer booten.
4. Netzteil an die Steckdose.
5. Aktivboxen an das Netzteil
6. Aktivboxen an den Computer.
7. MP3-Player aktivieren.
8. Daheim, evtl. küssen.

In genau dieser Reihenfolge ist das junge, künstlerisch-creative Paar die Strasse runter in den leeren Laden eingezogen.

Nur ohne küssen. Erst danach kam die Glotze, die inzwischen auch schon läuft.

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In dem Gebäude links

sollte eigentlich Politik gemacht werden. Politik im Sinne der Medien, die es mal mit internationalen Thinktanks, dann wieder mit diskreten Treffen versuchten. Man wollte mit am Tisch sitzen, networken, bei den Entscheidungen dabei sein. Und wenn man schon nicht an den Tisch des Ministers kommt, hiolt man eben den Staatssekretär an das eigene Buffet.

Die Idee war nicht dumm, aber an der Realität vorbei. Wenn man etwas zu spät von einem anderen Termin kam, stand oft schon ein Wagen mit laufendem Motor vor dem Eingang, ein wichtiger Staatsmensch stürmte raus und fuhr irgendwohin, wo er sich das Theoriegewäschirgendwelcher Wissenschaftler nicht anhören musste. Berliner Republikflucht, wenn man so will.



Inzwischen, nach der Sommerpause, sind die Termine weniger geworden. Das grosse Konzernschiff hat genügend strukturelle Probleme. Manche Sparten brechen komplett weg, man hat sich auf zu viele Felder eingelassen, man verdient noch Geld, aber es wird nicht besser, sondern schlimmer. Neue Impulse sucht man vergeblich, Zukunftsmärkte gibt es nicht. Für das Internet hat man noch immer keine Strategie, und selbst wenn man sie hätte, wäre sie aufgrund der internen Streitereien veraltet, bevor sie wirken könnte.

Und der politische Ansatz des Konzerns wird, wenn man ehrlich ist, nirgends ernst genommen, ausser bei der Spesenabrechnung der Wissenschaftler natürlich. Womit es der Firma aber auch nicht recht viel besser geht als den anderen, die südwestlich davon in einem Hochhaus versuchen, ihr halbintellektuelles Schlachtschiff irgendwie über Wasser zu halten. Berliner Republikfluch, wenn man so will.

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Freitag, 29. Oktober 2004

Shop in the Making

Die Räume, muss man sagen, die sind toll. Draussen bröckelt der opulente Putz der 1870er Gründerzeit, drinnen herrscht die Klarheit der Post-New-Economy. Seit diesem Sommer beobachte ich diesen Laden:



Eine Mischung aus Klamottenladen, Design-Agentur, Kleindisco, Eventlocation, Treffpunkt, mitunter sogar Anlaufstelle für Kunden. Die Website ist seitdem soon to come. Manchmal würde ich gerne reingehen und fragen, ob sie über die Runden kommen, wie sie es schaffen, aber das wäre sehr indiskret und auch nicht wirklich nett gegenüber Leuten, denen zum freien Unternehmertum kaum Alternativen bleiben.

Lumpenentrepreneure nennt Ingo Niermann das, im Gegensatz zu Lumpenproletariat. Ich mag beide Begriffe nicht, auch wenn im Erfolgsfall aus diesen jungen Kreativen oft, zumindest nach meinem Erleben, die schlimmsten Zyniker werden. Aber wie sollen sie grosszügig sein, wenn sie nie Grosszügigkeit erlebt haben. Schon die Bewerbung an die besondere Designerschule war Krieg, der Kampf um Praktika, schliesslich das Gerangel um möglichst grossartig klingende Professoren. Dann der tägliche Krieg mit den Ämtern, die auch für den kleinsten Kreativen Grosskonzern-Vorschriften anwenden, ohne dass sie sich jemals die entsprechenden Angestellten leisten könnten, die ihnen das abnehmen.

Mal schaun, wie weit sie heute Abend sind. Vielleicht ist dann auch wieder Vernissage oder Party, und ich komme doch mit einem von ihnen ins Gespräch.

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Real Life 29.10.04 - Mobile Marketing

Schaust Du bitte mal drüber, stand in der Mail. W., ein alter Bekannter aus der nordbayerischen Provinz, hat einen Auftrag an der Angel. Ein alteingesessenes Textilunternehmen hat eine "junge Linie" entwickelt, und dummerweise auch noch einen Artikel über Guerilla-Marketing gelesen, das bei jungen Leuten toll wirken soll, zumal, wenn es mit mobile Content durchgezogen wird. Das Budget ist üppig, also steht das auch in seiner Powerpoint. Frage: Ist die Idee technisch umsetzbar.

Gegenfrage: Ist die Idee sinnvoll?

Antwort: Ne. Aber die glauben fest daran.

Also, technische Machbarkeit vorrausgesetzt, wird bald wieder irgendeine bescheuerte Mobile Marketing Company 160 Zeichen "Ruf mich zurück und gewinn geile Preise wie die versaceähnliche Jeans von Hinzengruber Textil Technologies, Günzlingshausen"-SMS rausschicken, und ich überlege mir, was für Typen das wohl sind, die das wollen. 45-jährige Industriekaufleute, die Angst vor der Zukunft haben und deshalb leicht beeinflussbar sind. Gesellschafter, die bei der Mittelstandstagung mit neuen Begriffen brillieren wollen, ohne die Worte "location based services" aussprechen zu können. Statt dessen "Local Base Service" sagen.

Und ich denke an die Rezipienten, die Empfänger, die Kundschaft. Irgendwelche Kids, die vor drei Jahren mal ein paar Klingeltöne geladen haben und seitdem mit SMS gespamt werden. An die Mädis mit dem überzogenen Konto, die sowieso die Hälfte ihres Bedarfs in den Shopping Malls vor der Stadt zusammenklauen. An die Typen, die wegen der Klingelkiste schon im Alter von 14 Jahren ihre knapp über dem Sozialhilfesatz liegenden Eltern zum Kundenberater ihrer Sparkasse zwingen.

Ich denke an die SMS, die irgendwo im Nirwana landen, und an den grinsenden CIrgendwasO-Typen vom Nummernhändler, der als einziger was davon haben wird, wenn er dann das Geld für seine blonde Freundin im gelben, viel zu engen Puli in Cafes rausschmeisst, die gleich neben dem Prada-Shop liegen und deren Latte geschmacklich geschmacksreduziertem, geschäumtem Sperma mit braunem Spülwasser nahe kommt. Danach fährt er dann mit einem Abmahn-Anwalt zu einem krisengeschüttelten Platz Golfen, und redet über die Werbekampagne der Wirtschaftswoche, die er wegen der "Competition-Orientation" klasse findet, für so mobile, leistungsbereite Kämpfertypen wie sie.

So wäre das, wenn, ja wenn es technisch möglich wäre, was sich mein Bekannter da ausgedacht hat. Ist es aber nicht. Die Blondine im gelben Puli wird also eher weiter Mineralwasser aus der Kiste daheim trinken, der Typ vom Adresshändler muss sich Sorgen um die nächste Leasingrate machen, und ein Stickerfreak und paar Studentinnen auf Rollerblades werden sich nächstes Frühjahr was dazuverdienen. Hoffen wir mal, dass die Funkzellen schön gross bleiben.

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Donnerstag, 28. Oktober 2004

Take five Bloggers

Wie war´s denn, insistiert die Kaltmamsell.

Stressig. Und ganz anders als sonst. Wenn man alleine liest, weiss man immer, was als nächstes passiert. Mit sechs anderen sitzen sechs weitere Risikopotenziale auf der Bühne, es ist eine verdammt grosse Maschine, die man als Moderator steuert, und wäre da nicht schon die Generalprobe bei einer Lesung in Frankfurt gewesen, wäre sicher mehr Adrenalin im Blut aller Beteiligten gewesen. Abber Frankfurt entpuppte sich dann als lockere Geschichte, alles sass nach 2 Stunden Vorbereitung, und in Berlin hatten wir gut 7 Stunden Zeit, um uns einzustimmen, Texte einüben, Atemtipps geben. lang-sam- m e r l e s e n, wird schon gut gehen, sie werden Euch lieben, ein paar kleine Pannen vielleicht, aber sonst...

Sonst rief dann die Technik an. Wirklich 7 Leute auf der Bühne? Äh, das mit dem Beamer würde dann aber nicht gehen, zu wenig Platz. Na denn ohne, Powerpoint ist eh was McKinseys, und das sind wir ja zumindest heute Abend nicht.

Ab einem gewissen Punkt, etwa 2 Stunden davor, schaltet man sowieso auf Autopilot. Zusammengepackt, rein in die Autos, rein nach Mitte und kurz vor dem Alex ab zur Volksbühne. Wir suchen den Eingang, draussen stehen schon ein paar, die leider den falschen Termin im Tip Glauben geschenkt hatten. Rauf in das rote Plüschambiente, und auf dem Podium, über dem Parkett, stehen die Tische und 7 knallorangeStühle. Von da an sind es nur noch - 75 Minuten. Aufbau, Soundcheck Checkbabycheckbaby onetwothree Check, Stühlerutschen, Laptop booten, Elfe und Dekaf kennen lernen und sich einen Moment wünschen, man könnte doch auch einfach im Publikum sitzen, mit Elfe plaudern, aber dann geht der Autopilot wieder los, Ulrike von der Presse schiebt die Radioheads mit den Interviews dazwischen, also rauf in die Gedärme der Volksbühne in eine Garderobe, dann nur noch -20 Minuten, runter, Saal ist schon halb voll. Letzte Gespräche, Oli, der beste aller Verleger macht ein paar Andeutungen, 10 Minuten, es ist ziemlich voll und rauf auf die Bühne mit uns.



Letzte Worte bei -5 Minuten, hinten sind schon keine Pätze mehr, ein paar Stühle werden gebracht, -3, -2, -1, und dann sagt Oli, ich hätte ihm als Sachbuchverleger schon zum zweiten Mal Literatur untergejubelt und insgeheim denke ich böse, ach Oli, wenn Du wüsstest, was ich plane, und dann bin ich auch schon dran, und mache bei der Vorstellung gleich den ersten Schnitzer. Wie heisst Franks Blog nochmal? Ach so, Argh, bei + 7 Minuten. Egal, wir sind on Air, und das Publikum verschwindet in der Dunkelheit.

Wie es zum Buch kam, was unsere Vorstellung war, erzähle ich, wie es wurde, ist dann Kais Teil. Im Hinterkopf immer die Frage: Wer da unten versteht, was wir da eigentlich reden? Wissen die, was Blogs sind? Und langweilen sich die Blogger, weil wir erzählen, was sie schon seit dem Zeitpunkt wissen, als sie Blogs in einem kleinen finnischen Club erlebt haben? Aber dann ist es auch schon +20 Minuten, und wir kommen zu den Texten. take one, take two, take three, take four, take five, wir moderieren sie wie Musikstücke im Radio, kleine Anekdoten, was wir an ihnen mögen, unten im Parkett wird gegluckst und gegrinst, soweit man das durch den Lichtschleier erkennen kann. Kurzzeitig meldet der Autopilot: Rappelvolles Haus, alles ok, das ist ein feiner Abend, die verdammt grosse Maschine läuft, sie ist gut in der Zeit, und wir im Cockpit haben alles unter Kontrolle. Dann bei +45 Minuten die zweite Runde von Texten. Jeweils mit Fragen gespickt, und man merkt bei ihrem Atmen, dass sie längst nicht mehr aufgeregt sind. Eine folgenschwere Frage zur Popliteratur, Marco als Rausschmeisser, fertig, die Publikumsrunde bei + 75 Minuten, erst traut sich keiner, aber dann geht´s los, freundlich, weniger freundlich, dann ein blöder Zwischenruf, den Typen stellen und es ihm ganz klar sagen, pass auf Don sagt die Stimme im Kopf, das hier ist Real Life, das ist kein Flamewar (fuckwarumeigentlichnicht, wo ist die Bordkanone ;-)?), hinten stehen die ersten auf und es gibt eine gewisse Unruhe - was? Noch eine Frage? Pech gehabt, das hätte Dir gleich am Anfang einfallen sollen, alles weitere hinten an der Bar, danke für die Aufmerksamkeit, bei +95 Minuten. Aufstehen, umarmen, glücklich sein. Blogs gelesen.

Klar, was sonst. Und genau zu wissen bei + 103 Minuten, wenn auch das letzte Interview gelaufen ist, dass es erst der Anfang war. Und dass alle 7 lieber heute als morgen wieder fliegen möchten. Weil es etwas ist, was man nicht erklären kann, sondern erlebt haben muss. Irre.

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Aus gegebenem Anlass

möchte ich dennoch nicht, dass sich eine bestimmte Person von diesem Aufruf angesprochen fühlt.



Ich weiss nicht, ob diese Tätigkeit strafrechtlich relevant wäre; vielleicht Tierquälerei, mag sein, wie gesagt, ich sage nur, dass es solche Aufrufe und Tätigkeiten wohl auch gibt, nur gibt es keinerlei persönlichen Bezug.

Aber was ich ganz sicher weiss ist, dass ich dem nächsten, der meint, mir in meiner Herausgebertätigkeit wegen solcher nicht vorhandenen Bezüge zu sich selbst irgendwas von wegen Gesetzen und Staatsanwalt zu brabbeln, einen Brief per Einschreiben schicke, in dem was von "unsere Prüfung hat leider ergeben ... hiermit erlauben wir uns, von Ihnen die Summe von..." zu lesen sein könnte. Die Adresse hab ich ja.

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Mittwoch, 27. Oktober 2004

Real Life 27.10.04 - Heroes just for one day

Dass da ein AOL-Internet-Terminal in der Ecke steht, realisiere ich erst, als der Typ an der Fenstertheke aufsteht, und seinen lahmen, vom vielen Rumsitzen unförmigen Körper hinschleppt. Es ist ein Coffee-Shop. Klar, da geht das irgendwie noch eher als in einem Old-Europe-Cafe, aber hier ist der Savignyplatz, der Altersschnitt im Laden ist so, dass ich mich noch jung fühlen kann, und dieses Glotzen auf den Bildschirm in der Öffentlichkeit hat was verzweifelt. Er surft kurz AOL an, dann, ein Runterscrollen lang den Spiegel, seine Web.de-Email, und dann setzt er sich wieder auf seinen Barhocker und schaut raus auf die Strasse, wo niemand kommt, zumindest niemand, der oder die ihn abholt, mit ihm spricht oder irgendwas mit ihm unternimmt.



Wir sitzen ganz hinten, wo es ruhig ist, und reden über das, was viele nicht haben: Zukunft und Chancen, es nochmal und andere Dinge auch noch zu tun, es auszubauen, es zum Anfang von etwas Grösserem werden zu lassen. Wenn ich irgendwas inm letzten Jahr gelernt habe, ist es, keine Chance auszulassen. Was sie gelernt hat, ist zu wissen, dass es irgendwann einfach passieren wird. Die Zeiten sind schlecht, aber für uns immer noch weitaus besser als für die meisten anderen, und irgendwann wird etwas Neues in den Trümmern der Populärkultur wachsen; Pionierpflanzen, hart und gierig, überlebensfähig in jedem Umfeld, Buch, Medien, Gestaltung, Marketing, Internet, und eben nicht nur für den einen grossen Tag, sondern länger, vielleicht nicht mehr so schnell, aber dafür dauerhaft.

Wir gehen, ich zahle bei der als Bedienung verkleideten Germanistikstudentin mit der rasend intelligenten Brille und dem himmelblauen T-Shirt. Nächste Woche ist sie vielleicht irgendwo Hostesse, in drei Monaten hat sie vielleicht Abgabe für die Magisterarbeit, aber das würde sie dann schieben, um hier, in diesem halbleeren Coffee Shop noch was dazu zu verdienen. Im Winter ist der Frust allgegenwärtig, und will mit Fluppen, Schokolade und ein klein wenig Luxus, oder was eben für so eine Studentin Luxus ist, bekämpft werden.

Wir treten durch dien Tür nach draussen in die verseuchte Berliner Luft, und machen uns auf den Weg zurück zum Auto, mit dem ich sie zum Zug bringe. Im Coffee Shop schleppt sich der Typ am Fenster schon wieder an die Surf Station.

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Danach,

wenn es vorbei ist, bleibt nicht mehr als eine vage Hoffnung.



Es gibt genug Publikum, um die Räume zu füllen, es gibt Medien, die es bekannt machen, es gibt genug gute Texte und Autoren und auch viele, die sagen oder auch nur insgeheim denken, man sollte doch mal eine Lesung machen.

Es geht. Man muss nur irgendwann selbst damit anfangen, man muss laut sagen, das machen wir jetzt, und sich nicht um das Gequäke der Sowiesodaheimbleiber und Ungefickragten kümmern. Dann komme ich gerne als Zuschauer.

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Dienstag, 26. Oktober 2004

Weisheiten

Ist doch sowieso nur Internet.
Man kann Blogs nicht einfach so abdrucken.
Und schon gar nicht zwischen zwei Pappendeckel tun.
Warum soll man ein Buch kaufen, wenn die Texte auch im Netz stehen?
Eine Plemplem-Aktion von Möchtegern-A-List-Bloggern.
Die haben doch sicher was dafür zahlen müssen, um da rein zu kommen.
Also wenn die mich gefragt hätten, dann hätte ich ihnen aber sowas von abgesagt, echt jetzt.
Lesen aus Blogs finde ich voll Scheisse, besonders wenn die dann noch auf der Bühne sitzen und Geld dafür nehmen.
Aus Blogs kann man nicht vorlesen, schon gar nicht heute im Roten Salon um 20 Uhr.



Wehret den Anfängen! Deshalb: Grosses Buchkritikertreffen heute um 20 Uhr in Potsdam beim "Starstecher", am Stammtisch incl. Verbrennung von Voodoo-Puppen, Verfluchungen und dem Vortrag "Warum das alles überhaupt nicht sein darf. Einsichten eines bellenden Hundes angesichts weiterziehender Karawanen." Pappnasenträger zahlen halben Eintritt. Anschliessend Protestzug nach Berlin, Randale, Aufstand der wahrhaftig Tugendsamen, Stürmung der Lesung nicht ausgeschlossen.

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Real Life 25.10.04 - Spurlos

Meine Lieblings-Elitesse, die nie begriffen hat, wer dieser glatte Typ aus München und später Berlin in Wirklichkeit ist, mit dem sie immer mal wieder ein paar nette Belanglosigkeiten über die sinnentleerte Business Welt ausgetauscht hat, die sie anstrebt - meine Lieblings-Elitesse also hat doch noch den Rappel bekommen, und schmeisst hin. Verlässt die Stadt und die kleine Elite-Uni, und geht in die grosse Stadt im Süden. Obwohl dort die Qualifikation, die Skills des Personals und die Career Opportunities nicht im Mindesten so gut sind, wie in der tiefsten Provinz, wo sie in einem engen, auf den success ausgerichteten Microcosmos leben, fernab von der kaputten Realität, in der Abschlüsse wenig und banale Dreistigkeiten viel gelten.

Sie wird die Ursachen ihrer Entscheidung nie klar aussprechen, denn dafür fehlen in ihrer Welt die Begriffe, die dieses aus Sicht des Systems "Scheitern" einerseits menschlich und andererseits nach Erfolg aussehen lassen könnten. Wahrscheinlich hat einfach die Chemie nicht gepasst, das Fehlen der Anonymität, der Anpassungsdruck und die Wagenburgmentalität, mit der man sich dort gegen die Umwelt abschottet. Von einem Moment zum nächsten ist sie keine Elitesse mehr, sondern nur noch eine Studentin unter vielen, mit etlichen neuen Nebenfächern und einem neuen Umfeld, das die Dummheiten des Faches sicher nicht mehr so geschliffen und gut begründet als die einzige Wahrheit präsentieren kann.

Angedeutet hat sich das schon lange. Eigentlich vom ersten Tag an. Da war die Zurückhaltung, die Unentschlossenheit, die Suche nach Alternativen. Eigentlich hätte sie viel machen können, aber dann hat sie sich eben mal hier beworben, und wollte dann, als sie genommen wurde, auch nicht mehr absagen. Also hat sie sich treiben lassen, einerseits den studienbegleitenden Unsinn auf den Parties nachgeplappert und auch nicht protestiert, wenn ich vom Schlachtfeld der Munich Area erzählte, als ich mal wieder um 3 Uhr Nachts nach Hause kam und sie gerade noch eine Schachtel Fluppen aus dem Automat geschmissen hatte. Es war ein Limbus für sie, kein Ja und Nein, und erst jetzt zieht sie die Konsequenzen, und weg aus dem System.

Immerhin, sie hat eine Nachmieterin gefunden, die ganz begierig auf ihre Wohnung ist. Das Spiel endet nicht, es geht in eine neue Runde.

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Motto der Woche

Schlafe niemals mit jemand, der noch verrückter ist als Du selbst.

Danke, N..

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Montag, 25. Oktober 2004

Die Rückkehr des Mülleimers

vor dem Hintergrund von Hartz IV: Wie das Gerüchteportel Spiegel verbreitet, ist es bald so weit, dann geht es 24 Stunden am Tag wieder ab auf den Müll.



Wenn ich Chef einer Internetklitsche, wie, sagen wir mal Intershop oder Caatoosee wäre, oder einfach nur gerne das glauben würde, was in den Pressemitteilungen steht, dann würde es mir jetzt mit gutem Grund so richtig dreckig gehen.

Mal schaun, ob Lanu das Ding zum laufen bekommt, bevor ich daraus morgen Abend einen Prinzessinnen- oder Würgeengel-Boo vorlese. Irgendwelche Vorschläge der DCT-Oldies?

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Back to the Steinzeit

Der Internetanschluss im Roten Salon. Denhamwanich. Sicher nicht? Ganzsichanich. Dann doch vielleicht über GPRS?

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