: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Sonntag, 24. Oktober 2004

Lass uns Freunde bleiben, verdammt.

Ich werde doch noch einen Boo von ihm vorlesen, am Dienstag. Oder einen bissigen Kommentar. Oder so.

... link


Das Bild zum Text,

zu diesem Text, zu dem ich nichts weiter sagen will als "Lesen", falls jemand noch glaubt, in Berlin flöge die Kuh mit dem Bären im 3/4-Takt, der Himmel darüber hänge voller Stehgeiger und überhaupt ist es der spannendste Ort für junge szenige Kultur seit dem Tag, als Sodom und Gomorrha Ärger mit der höchsten Instanz bekamen.



Man muss sich das mal vor Augen halten: Die Stadt ist so fertig, dass sie mich hier allen Ernstes schon mal als "Berliner Autor" bezeichnet haben - haben die keine eigenen? Wohl eher nicht, sonst gäbe es nicht so viele Lesebühnen. Ansonsten konnte man bei der Lesung erfahren, dass eine Kleinkunstbühne namens BKA mutmasslich den plötzlichen Förderungsstopptod gestorben ist, dass dort immer noch Konzerte laufen, weil man die Einladungen schon gedruckt hat. Man erfährt, dass einer da vorne schon 1968 Audio-Kasetten gekauft hat, und man fühlt sich schlagartig sehr jung.

Und man erfährt, dass die ganze, leicht angegraute Lesebühnen-Blase - darf man angesichts der dargebrachten Thematik wirklich so sagen - nachher noch in ein ökomüsliges, unschickes, borzenähnliches Protestverweiger-Lokal namens "Schusterjunge" geht. Ein Lokal also, das nach einem Berliner Brötchen benannt ist, das in etwa die Konsistenz und den Nährwert einer Autobahnbetonplatte Modell Honecker hat. Einer der Vorlesenden, der angekündigt war, kam allerdings erst gar nicht zur Lesung.

Mehrfach mit grösstem Erfolg eingesetzter Runnig Gag des Abends:

Vorleser: Äh -
Publikum: hihi
Vorleser: hihi
Publikum: hihaHAHAHA!
(offensichtlich nicht mehr) Vorleser: Ich hab die Stelle verloren
Publikum: *BRÜLL*
Vorleser: HAHAHAHAhihihihialso ich ging dann zu ihr und sagte sowas wie...

... link (7 Kommentare)   ... comment


Neues aus der Gerüchteküche

aus dem heise-Forum, von hier:

Hal Faber ist vermutlich mit Don Alphonso (https://rebellmarkt.blogger.de/) identisch.

Und Lanu bin ich auch. Ist doch klar.

... link (4 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Samstag, 23. Oktober 2004

Die ersten Gäste sind angekommen.

Etwas Vorlauf zum Entspannen kann ja nicht schaden.



Ausserdem werden heute Abend die Locals begutachtet. Hier, beim Kantinenlesen. Dort, wo der Prenzelberg prenzlig nach Teen Spirit smellt. Es geht doch nichts über applied Klischees.

... link (5 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Freitag, 22. Oktober 2004

Fehlstelle

an einem prominenten Ort: Der momentan so beliebte graue Muschelkalk.Verkleidung hat nicht gehalten, an der D****ner Bank in der Friedrichstrasse. Die Lücke ist da schon länger, und offenbart die Qualität des Aufbaus; schnell was reingeschmiert und dann eine glatte Fassade angepappt. Wie aus dem Lehrbuxh der Uhu-Economy, wir basteln uns ein Bankgebäude, das lustige Spiel mit einem steuersparenden Immobilienfond, 250 Schwarzarbeitern aus Rumänien und 1-A Bindemittel für Saucen, wird schon irgendwie halten. In der Upgrade-Version Deutsche Bank bekommt man zumindest besseren Klebstoff.



Vielleicht könnte man zumindest irgendwann mal das Facility Management anrufen, die zumindest schon mal die Trümmer beseitigt haben sollten. Muss ja nicht jeder sehen, wie schlecht es im Haus aussieht.

... link (1 Kommentar)   ... comment


Ein voller Erfolg

5.000 weniger Schnorrer. 1.500 Quadratmeter weniger, bei gleichem grüngefüllten Leerstandsbereichen und Erholungszonen. Karten weiterhin über Chip und Co. Firmen aus der Region, die mal Munich Area hiess und angeblich führend war. Ein plus minus Null Geschäft. In Würde sterben ist in der IT-Branche nicht üblich. Dann doch lieber den Heise-Teppich mit Eiter besudeln.

... link (2 Kommentare)   ... comment


Auf ihrer roten Jacke

steht im typischer 70ies-Glitzerschrift "Moonraker". Darunter wölbt sich, passend zur Aufschrift, kugelrund und quellend, der vollschwangere Bauch hervor. Sie und ihr Partner stehen vor einem Plakat für eine Hochzeitsmesse, auf dem ein Paar optimistisch schräg nach oben schaut, wo wahrscheinlich die goldene Zukunft mit Eigenheim, Doppelgarage und Altersvorsorge auf sie wartet. So ähnlich, nur in Schwarzweiss, sahen schon in den 50ern die Plakate aus, und auch schon in den 30ern hatte man dieses Kraft durch Freude Gschau. Geschichte endet bekanntlich nie.

... link (3 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Donnerstag, 21. Oktober 2004

Lass uns Freunde bleiben

Es ist Oktober in Berlin, vom Himmel fallen kalte Tropfen und in den Hinterhofwohnungen von Mitte unternehmen Zweitemestlerinnen den ersten, tapsigen Selbstmordversuch. Du triffst dich mit alten Freunden, ihr habt ein gutes Thema und viele gute, alte Geschichten, und keiner von euch hat Lust auf irgendwas Szeniges oder gewollt Kultiges. Deshalb schlägst du ihnen das Lasst uns Freunde bleiben vor, das zwar in direkter Nähe zur Kastanienallee liegt, aber von deren berufsjugendlichen Welt Lichtjahre entfernt ist.

Du kommst etwas zu früh, gehst durch den Raum mit der Theke hoch ins zweite Zimmer, und nimmst einen richtigen Tisch. Es gibt zwar auch Sessel mit Couchtischen, aber heute steht eine Verschwörungen auf der Tagesordnung, du willst Köpfe zusammenstecken und Pläne schmieden. Das Ambiente mit einer unverputzten Wand und den gelblichen Farben passt zu den Plänen. Es ist nicht viel los, manche Leute lesen Zeitungen oder reden leise über die Krise in ihrem Leben. Du gehst an die Bar, und bist von den Preisen doch etwas überrascht, die heisse Zitrone kostet 1,30 Euro, mit Zucker oder Honig, und es ist wirklich Zitrone und nicht Zitronensaftkonzentrat. In einer kleinen Theke steht ungeschickt geformter, aber wie bei Muttern schmeckender Kuchen, die Baguettes sind bodenständig wie ein Pausenbrot. Es ist zwar Selbstbedienung angesagt, aber das dünne Mächen meint, dass sie dir alles an den Tisch bringt.



Während deine Freunde anrufen und sagen, dass sie etwas zu spät kommen, schaust du in die Gesichter der Anwesenden. Sie sehen alle nicht so aus, als ob es ihnen zu gut gehen würde, aber hier haben sie einen Moment der Ruhe in ihrem Daseinskampf, manchmal bekommen Lippen wieder Farbe, da hinten lacht jemand, und das Mädchen am Nachbartisch beginnt nach einer halben Stunde, doch erkennbar mit ihrem Gegenüber zu flirten; sie beugt sich über den Tisch, lässt Haarstähnen nach vorne fallen, und streicht sich über die Lippen. Vielleicht wird ihr Leben in diesem Augenblick wieder schön.

mehr bei Restaur.antville

... link (11 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Donnerstag, 21. Oktober 2004

AG Berlin Mitte 15 C 1011/04

manche sinken dagegen gerade noch in die Grube. Yeah!

... link (0 Kommentare)   ... comment


Halloween

Mensch Lanu, mach schnell Dotcomtod wieder online, nie war es wichtiger als heute, Jungs, ladet die Finalizer, die schlimmsten Drecksäcke von damals kommen wieder aus ihren Gräbern!

Wenn das so weitergeht, machen sie das Business 2.0 auch in Deutschland wieder auf. Einer der nettesten Abende der Munich Area war ein 2001er Event im Parkcafe, als der entlassene Chefredakteur des eingestampften Business 2.0 versuchte, sich beim Pre-Interview mit einem VC namens German Incubator noch irgendwie als beschäftigt einzubringen. Danach ging er auf Jobsuche; Journalist, PR, Pressesprecher, irgendsowas halt, erzählte er mir beim Cocktail. Auf der Bühne dahinter machte die Moderatorin der Wiwo Startup Show einen auf Optimismus, die Drinks waren umsonst, und es stank nach Verwesung.

Nicht noch mal, bitte.

... link (19 Kommentare)   ... comment


Ehrlich währt auch nicht immer

Zumindest wirft Ehrlichkeit keine Währung ab, in den neu hochgezogenen "Quarees" des angeblichen Spree-Paris.



Man könnte es als Bankrotterklärung bezeichnen, aber nein, pleite sind sie noch nicht, nur in der Krise. Und ja, es mag ja sein, dass die Wirtschaftsflaute für manche Chancen bietet, aber sicher nicht für die Investoren, die auf ihren zuigtausend Quadratmeter im Quaree sitzen bleiben. Fährt man die Strasse hoch, kommen noch etliche grosse Freiflächen, verwildert und ruinenübersäht. Bis dort die Projektplaner in die Puschen kommen, dürfte die Flaute das Quaree schon wieder zur Ruine gemacht haben.

... link (6 Kommentare)   ... comment


Informelles DCT-Veteranen-Treffen

heute Nachmittag. Kleiner Kreis, Perspektiven, Reorganisation, Ideen, und so. Portal/Netzwerkstrukturen. B2B, Back2Boo, gewissermassen.

... link (9 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Dienstag, 19. Oktober 2004

Ihr lieben 68er

Wichtiger Hinweis zur Durchführung des Revolutionären Aufbau: Wenn Demo jeweils nicht geöffnet

Ohne diese organisatorische Klarstellung könnte es bei der praktischen Umsetzung der Weltrevolution ja zu erheblichen Problemen, ja sogar zu Verzögerungen kommen, die so weder von Marx noch von Trotzki vorhersehbar waren.

... link (7 Kommentare)   ... comment


Monostruktur

Vorletzte Woche war ich in Rüsselsheim. Es war spät Nachts, die Strassen waren leer, nur manchmal kam mir ein Opel entgegen. Nur Opel, nichts anderes. Mein Fiat war eindeutig ein Fremdkörper. Am Ende der Stadt ist dann das Werk, langgestreckt, hell erleuchtet, mit einer schimmernden Kuppel im Nebel, auf die alle Strassen, alle Gleise zuführen. Für diesen Sakralbau der deutschen Wirtschaft (vorsicht nix für ironiefreie Volldeppen) ist die Stadt eigentlich nur ein Anhängsel. Das Werk ist Rüsselsheim. Es gibt Orte, die gross genug sind, um brutale Aktionen durchzuziehen; die gehen dann im Grundrauschen irgendwann unter. Aber nicht hier. Hier ist ein Schlachtfeld, auf dem es zwei Gegner gibt, die beide nicht anders können. Und wenn das Management gewinnt, wird es bitter - für alle. VW sind dann die nächsten, die das durchziehen werden.

... link (20 Kommentare)   ... comment


Alles geht

Da steht also ein ganzes Gebäude in allerbester Lage, gleich neben der Frankfurter Messe. Es ist frisch hergerichtet, strahlend weiss, neu poliert, mit glänzend-schwarzen Glasfenstern, und steht da einfach so rum. Vollkommen jungfräulich, unberührt und leer. Es muss schon etwas länger her sein, dass da jemand im Erdgeschöss die Scheiben mit diesen grossen, optimistisch-deutschebankblauen Plakaten verklebt hat.



Anything goes, der rebellischen Wahlspruch der Tempo, ist jetzt also in die Tiefen des Systems angekommen, als Wahlspruch derer, die keine Grenzen anerkennen wollten. Alles geht bei 24.000 Quadratmeter, sofort zu beziehen, und wirklich passt fast alles, solange es nur gross, vermögend und durch den Boom entsprechend aufgebläht ist. Bloss haben wir im Moment keinen Boom.

Nur eben diese 24.000 Quadratmeter, das sind 50 mal 50 Meter Grundfläche auf 10 Stockwerke minus Mauern und Versorgungsanlagen, das wäre Platz für 1000 Studenten, 500 Angestellte, 250 mittlere Manager, wenn man denn Wohnraum wollte. Will man aber nicht. Wohnraum lohnt sich für Immobilienfonds und Investmentstrategen nicht. Erst die Grösse macht bein Vermietung den Profit. Man mag langfristige Mieter aus der Finanz- oder Versicherungsbranche, und man wartet denn eben mal ein paar Monate auf den richtigen Kunden. Oder Jahre. Gut, langsam geht das hier eher in Richtung Jahrzehnte. Gleich rechts neben dem Marriott-Hotel, kurz vor Dresdner KW. Gute Gegend, wirklich, natürlich nicht in jedermanns Augen schön, und manchmal so entsetzlich leer.



Aber es ist ja Anything goes, es kostet ja nur Geld, genauer Steuergeld der Anleger, die entsprechende Verlustzuschreibungen bekommen und ihre Steuerlast damit schön niedrig bekommen. Rendite ist eher mau, aber es ist weniger riskant als Steuerflucht, und solange der Fond nicht crasht oder in einen Skandal schlittert, ist es immer noch besser als Spitzensteuersätze zahlen. Nur wenn denn mal ein Skandal kommen würde, so einer, wie der, der gerade in Frankfurt Konjunktur hat, dann...

... link (9 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Montag, 18. Oktober 2004

Bitte erschiesst mich

an dem Tag, an dem ich statt Treffpunkt Meeting Point sage.

... link (4 Kommentare)   ... comment


Während draussen

die konservative Reaktion jede Sicherheit, alle Netzwerke und die Zukunft als Begriff dekonstruiert, fliehen wir zurück in die 70er Jahre. Damals, als unsere Mutter beim Bügeln Abba hörte und hoffte, die RAF würde bald den einen oder anderen rechtsgerichteten Politiker wegräumen. Als es im kugelrunden Fernseher nur drei Programme, aber dafür Wicki gab. Als die Tassen orange und die Tapeten gelb waren. Als uns gesagt wurde, dass alles schon gut wird, dass es kein zurück mehr in die schlechte Zeit gibt, und wir später mal mindestens genauso grosse Häuser haben würden, mit Gärten und Holzhäuser für unsere Kinder drin.



Wir kaufen die Tapete nach, holen uns ein Wählscheibentelefon in lindgrün vom Flohmarkt, und das Geld reicht vielleicht noch für eine Perlmuttlampe. Und die Mütter, die von Sozialhilfe leben und die Kleider von ihren Eltern bezahlt bekommen, erzählen ihren Kindern, dass sie später mal vielleicht in einem richtigen Haus wohnen werden, wie das von Opa, und einen Beruf haben werden, nicht nur so Jobs wie Papa Nr. 3. Und dann telefonieren sie mit ihrer Freundin, die gerade so einen Seventies-Shop für uns Romantiker aufmacht, und dort die Dinge verkauft, die wir - und das glauben wollende Kind in uns - mit Sicherheit, Wohlstand und Glauben an die Zukunft verbinden. Und ein Fortschritt, gegen die Kräfte des konservativen Systems, das uns ersticken will.

Und... ja, auch ein wenig RAF - nur fehlt uns dazu dann doch der Mut, weil das mit dem Demonstrieren ist zu uncool, und in den Untergrund sind unsere Eltern ja auch nicht gegangen, sondern nach Südportugal, wo es ihnen jetzt richtig gut geht. Sagen sie, wenn sie uns mal anrufen.

... link (8 Kommentare)   ... comment


Real Life 18.10.04 - C+P

Das Leiden der Meldungsschreiber, heute bei der Qualitätsseite Manager-Magazin in einem ansonsten lesenswerten Artikel über die Werbeflaute bei Pro7/Sat1:

Nach diesen Äußerungen fiel die Aktie ProSiebenSat.1 am Montagvormittag zeitweise um mehr als 4 Prozent auf 14,50 Euro. Es gehörte damit zu den schwächsten schwächsten M-Dax-Werten.

Es? Da stand früher davor vielleicht mal "Papier", das würde das "es" rechtfertigen. Und dass Pro7/Sat1 schwächer als schwach ist, wissen wir doch schon lange. Was wir nicht wissen ist, was im Kopf, Abteilung Satzstellung des Autoren vorging, der dieses Zitat so niederschrieb:

"Wir sehen dennoch auch, dass sich die leicht positiven Zuwächse des ersten Halbjahrs nicht fortsetzen werden bis zum Jahresende."

Naja, vielleicht verdient MM-Online bis zum Jahresende wieder so gut, dass sie sich eine Schlusskorrektur leisten können.

... link (5 Kommentare)   ... comment


Nicht kommen

Die Medientage München sind die Fortsetzung des Oktoberfestes mit anderen Mitteln. Oder war es zumindest, früher, so in der Zeit bis 2002. Normalerweise musste man sich anmelden, einen Marathon durch die Orga machen, um in die richtigen Events zu kommen - es sei denn, der Pressesprecher hatte den falschen Eindruck und stufte einen ganz an der Spitze der Medienschaffenden ein, was mit einem Redaktionssitz am Broadway, NY, nicht wirklich schwer war. Dann war es dort, als hätte man beinm Oktoberfest eine Freikarte für immer und alles gehabt, die Ansicht der rotgesichtigen, begeisterten Medienmanager aus aller Welt, auf die tanzenden Mädchen, auf die Hostessen, die die Bedienungen ersetzten und auf die Kollegen, die sich gegenseitig auf die Schultern klopften und dachten, das grosse Fressen würde nie enden.

Letztes Jahr war ich zu dieser Zeit in Norddeutschland unterwegs, und schaffte es erst am letzten Tag in die Systems. Irgendwo, zwischen begrünter Freifläche und Eingang zum Mediencampus, schwor ich mir, dass ich mich 2004 nicht nochmal breitschlagen lassen würde. Die pampigen Sandwiches bei einer Abendveranstaltung gaben mir dann den Rest. Keine Chance mehr für die Medientage, für das wehleidige Besucherpack, das jetzt die Folgen von einer Dekade Protz und Verschwendung, grossen Teils auf Kosten des Staates und der Allgemeinheit, in die Säuferleber geprügelt bekam. Kein Mitleid für die Kids, die noch immer nicht kapiert hatten, dass jeder Metzger, jede Einzelhändlerin ein besseres Leben vor sich hat als Spinner wie sie, die auf der Suche nach dem Glück durch die Messehallen stolperten, wie weiland die Conquistadores auf Haiti bei der vergeblichen Jagd auf Gold.

Trotzdem haben sie mich noch immer nicht aus ihrem Grosskotz-Verteiler geschmissen. Ich möchte doch bitte, ich soll doch, es würde sie sehr freuen, und mein Magen hüpft vor Abscheu bei jedem Wort und bei der Erinnerung an die Mayonaise. Um so überraschender die Absagen, die Kollegen treffen: Da wird brutal gesiebt, da dürfen nur wenige kommen, da müssen viele leider draussen bleiben. Als ob jemand kommen würde, um glibbrige, weiche, schleimige Sandwiches zu schnorren. Oder ist die Versorgungslage schon so schlimm? Ich werde es nicht erfahren, ich komme nicht.

... link (0 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Montag, 18. Oktober 2004

Ein Empfang

wie ein Rausschmiss oder die Neue Unbehaglichkeit.



Deutliche Anleihen an das Filmdesign im Babelsberg der 30er und frühen 40er Jahre, vielleicht auch etwas Speer. Darin sehr verloren und leicht unpassend der Eames Chair. Wenn sie könnten, würden sie monochrome Menschen reinsetzen, damit kein Farbschmutz das Ambiente der Nichtigkeit stört.

... link (15 Kommentare)   ... comment


Real Life 17.10.04 - Kampf um die Plätze

Platz ist genug da. Für eine kurze Liste von Autoren. 1, 2, 3, 4, 5 Namen neben meinem. Davon lebt das Produkt, die geben ihm ein klares Gesicht, eine Richtung.

Für die anderen 7 bis zum Schluss ist nicht so viel Platz da. Die müssen sich dann eben darum prügeln, Konkurrenz belebt das Geschäft. Es ist wie immer: Ein paar kommen problemlos rein, der Rest muss auf die Gnade der Türsteher warten. Ein paar haben den Ruf, es einfach drauf zu haben, und können tun, was sie wollen. Die anderen haben Scheine, Noten und Arbeitszeugnisse, die keiner lesen mag. Ich sage jedes Mal, dass ich keine Ahnung habe, weder von den Themen noch vom Schreiben, dass ich es nie gelernt habe und auch nie in der Lage sein werde, einen schlichten, faktenorientierten Artikel zu schreiben, und sie sagen, das ist Koketterie und mal wieder typisch für die Creme der Hausautoren, aber egal, was möchte man denn das nächste Mal machen? Eine Photoreportage über 4 Monate? Aber gern. Die Frage, ob ich überhaupt Ahnung vom Photographieren habe, kommt nicht.

Diejenigen, die es laut Diplom können und laut Arbeitsamt unvermittelbar sind und besser noch eine Bäckerlehre machen sollten, werden das nie verstehen. Ich auch nicht. Die ganze Welt ist aus den Fugen, für jeden Gewinner gibt es zehn Verlierer, und die sind zu sehr mit dem Krieg gegeneinander beschäftigt, als dass sie ein System hinterfragen würden, in dem sie jahrelanges Verweilen auf Praktika-Ebene als gottgegeben ansehen. Nur, wenn sie dann die geschichten der Lucky Few hören, kommt der neid hoch, aber nie länger als bis zum nächsten Kampf ums Dasein, der ihre volle Aufmerksamkeit verlangt.

... link (4 Kommentare)   ... comment


Es gibt Pressemitteilungen,

die liest man gerne. Irgendwo in den Tiefen des Internets, wenn man genau hinhört, hört man die alten Höllenhunde mit ihren blutunterlaufenen Augen knurren und an ihren Ketten zerren. Lange wird es nicht mehr dauern. Mal schaun, ob Heise das dann auch bringt.

... link (4 Kommentare)   ... comment