Dienstag, 9. November 2004
Eiserner Vorhang

Mitten auf der Brücke war früher der eiserne Vorhang. Davor, als sie noch in Betrieb war, fuhren hier die Deportationszüge Richtung Nordosten, Richtung Litauen drüber.
Es ist nicht nötig, das Ding abzureissen. Es fault vor sich hin, irgendwann ist es baufällig, dann kann man es ganz leicht wegmachen.
Dann haben auch die Überlebenden der Medienkrise, die nicht weit davon im ehemaligen AEG-Gelände sitzen, einen etwas schöneren Ausblick.
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Another DCT-Legend goes Boink
Ja, was hilft dann? Wir haben die Dotcom-Büttel über 132 Kommentare hinweg abgehandelt, öffentlich gemacht, durch den Kakao gezogen, hach war das eine Freude, und jeder konnte bei Google sehen, wie sehr ihre Methode bei ihnen selbst geholfen hat - gar nichts nämlich.
Und so wie es aussieht, hilft ihnen im Moment ebenfalls nichts mehr: Login 2 eternity, BC-Lab. 120 Punkte für den Don.
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JETZT GEHT´S LOHOS!
Falk muss übrigens keine Angst haben, auf der Anklagebank zu vereinsamen: Auch gegen fünf andere Beschuldigte wurde jetzt das Hauptsacheverfahren eröffnet. Bis Juni 2005 versprechen Falk und Freunde dauerhafte Unterhaltung auf diesem Kanal - bleiben Sie dran!
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Montag, 8. November 2004
Raider Hate

Ich weiss nicht, was er heute fährt, für allzu grosse Sprünge jenseits eines kleinen Gebrachtwagens dürfte es nicht mehr reichen. Aber er benimmt sich wohl immer noch grosskotzig, findet die Welt gemein und träumt vom nächsten grossen Ding, und vom Dienstporsche.
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Zum Popdiskurs über Weblogs
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24 Seiten Hass
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Überleben in der Etappe
Ein Beispiel aus der aktuellen Munich Area. Projekt A. hat eine funktionierende Website. Die Organisation B., die im Bereich Ausbildung ein stark engangiert ist, beschliesst, dass das Projekt A. endlich mal einen moderneren Auftritt braucht; der letzte Relaunch ist schon über ein Jahr her. Den Auftrag erhält eine Firma C., die ziemlich neu ist, und deren Referenzen nicht wirklich mit den Angaben der - wenig aussagekräftigen - Kunden übereinstimmen.
Aber die Namen der Ausführenden, die stimmen mit Einigem überein. Da gibt es noch ein anderes Projekt der Organisation B., das gewisse Probleme hat. Hohe Kosten, hoher Personalbedarf, hochgezogen im Hype, und jetzt Ausbildungsstelle für zukünftige Arbeitslose. Will sagen, der Staat investiert einen fünfstelligen Betrag in junge Leute, die danach von diesem Beruf weggeschult werden müssen.
Es sei denn, die jungen Leute gründen eine Firma, die erfolgreich wird und Arbeitsplätze schafft und die man präsentieren kann, wenn der Staatsminister wissen will, wo die Privatisierungsmilliarden verschwunden sind. Die Firma wurde gegründet, sie bekam den Auftrag des Projekts A. über die Organisation B., und sie bekam sogar Räume in einem gigantischen Komplex vor der Stadt, das ebenfalls von einer Cousine der Organisation betreut wird, und das ansonsten leer stehen würde.
So gesehen, sind alle glücklich. Der Staatsminister, das Arbeitsamt, die Organisation B., ihre Cousine, das Projekt A. mit der neuen Website - und wenn die Firma C. mehr bekommen hätte als irgendwelche unvermittelbaren Räume eines Gründerzentrums, das ohne Mieter wegen dem Missamanagement inkompetenter, halböffentlicher Mediafacilitymanager eingestampft worden wäre, wenn sie die Website nicht als kostenfreies Prestigeprojekt gemacht hätten, um wenigstens einen Kunden zu haben, und wenn die Website dann auch noch trotz der miserablen Ausbildung durch überbezahlte Etappenhasen funktionieren würde, dann - dann wäre alles gut.
Aber von aussen betrachtet, passt es auch so. Merkt ja keiner.
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"Textklau"
*solange sie nicht in einem Mitarbeiterverhältnis zu Firmen und Organisationen wie Myblog.de, 20six und der Verlagsgruppe Handelsblatt stehen.
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Sonntag, 7. November 2004
Littleman´s

Naja, er war ja schon immer das schwarze Schaf der Familie ;-)
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Manchmal bereue ich es,
Vieles von dem, was damals normale Anblicke waren, hat aufgehört zu existieren. Es war fast selbstverständlich, den Argonauten in München über deren Webcam beim Arbeiten zuzuschauen, und zu wissen, dass dort im Moment die Kosten aus dem Ruder liefen. Sie waren zu schnell gewachsen und segelten mit voller Besatzung in die Flaute. Sie stellten ihre überflüssigen Leute dann für ein Charity-Projekt ab. Egal, was man auf den Events über die Auftragslage und die selbstmörderischen Pitches gegen die anderen Agenturkolosse hörte, es wurde in den Räumen immer gearbeitet. 2001 war die Argonauten-Webcam sowas wie ein Tamagotchi für mich, in den langen Nächten eilten sie durch das bunte Büro, 3 Kilometer von mir entfernt, und bereiteten die hoffnungslosen Präsis vor, sinnlos und doch mit angeblich 30 Manntagen so ausgeklügelt, dass sich die kleineren Konkurrenten beim besten Willen nicht vorstellen konnten, dass es gut gehen würde.
Es ging auch nicht gut. Dass das bei Dotcomtod stand, konnten sie nicht leiden; schliesslich brachte doch die Wirtschaftswoche die netten Tagebücher, die ihre Praktikanten unter dem Titel "Ar go east" schrieben. Die Angst, die Verbitterung und das mühsam zusammengeklatschte Traumleben, dessen zentrale Legende das "Meeting im Pool" war, verursachten zumindest in meinem Erleben schizophrene Zustände bei den Betroffenen. Irgendwann schaltete ich den Bilderstram ab, weil es Nachts leerer wurde, und ich kannte kaum mehr Leute, die dort noch arbeiteten.
Heute, in Berlin, bin ich auch wieder nur 3 Kilometer von den hiesigen Argos entfernt, und wie es der Zufall haben will, ist gleich um die Ecke eine Art "Prinzessin", wie die, die auch in München nahe der dortigen Zentrale lebte. Eine Webcam gibt es dort nicht. Aber vielleicht ist es auch ganz gut so, denn wenn ich mir in dreissig Jahren die Bilder vom anbrechenden neuen Jahrtausend anschaue, das so hoffnungsvoll begann und dann in den langen Abschwung bis 2010 rutschte, dann werde ich die gestylten Fassaden, die bunten Wände und Pillen, die netten PR-Mädchen mit ihren netten Lügen und die leeren Gänge der finalisierten Dotcoms und ihre Kultur, ihren Kultus und ihre Ideologie vergessen haben.
Was bleibt, sind Bilder von jungen Frauen, die früh genug die Reissleine gezogen haben und im späten Winter am Starnberger See die Schwäne misstrauisch beäugen, und danach, warm eingepackt, den ersten Tag ohne Dotcom-Job zum ersten Tag am See machen. Und sagen, da sollte man doch ein Buch draus machen.
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Die Freuden des Kleinverlages
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Samstag, 6. November 2004
Kinder am Bahnhof Zoo

Diese Szene ist, wie so viele andere Reste der 68er und ihrer Spätfolgen, abgedrängt, mutiert, neu erfunden. Keine Ahnung, mit was sich die Teens in der Kurfürstenstrasse am Laufen halten, aber so richtig kaputt, wie etwa die in Frankfurt an der Kaiserstrasse, sehen sie nicht aus. Das liegt wahrscheinlich an den verwendeten Drogen, falls überhaupt, vielleicht aber auch an der glatten, gesunden Konkurrenz, die aus Osteuropa hierher gebracht, gezwungen, entführt wird. Kaputtheit und Verwahllosung ist dagegen in den Zeiten von AIDS kein geldwerter USP mehr. Vielleicht war es damals, in den 70ern, auch nur eine Modeerscheinung, die irgendwann in den 80ern erheblich an gesellschaftlicher Bedeutung verlor. Es gab alternative Drogen, coolere Drogen, andere rauschhafte Lebensentwürfe, und selbst, wenn es Heroin noch gibt, ist es kein Thema mehr.
Und an der plötzlichen Stille, die ausbricht, wenn man in gewissen Höchstleisterkreisen - Investment Banker, Fernsehmoderatoren, Consultants oder DueDiligence-Anwälten - mal das Wort Kokain laut ausspricht, mag man diesen kulturellen Wandel ermessen. Nicht, weil alle koksen - aber genauso, wie in einer 70er-Kommune jeder auf Herion hätte sein können, gibt es hier prinzipiell die Opportunity. Für jeden. Das wissen sie, und reagieren deshalb so sensibel. Aber aufbegehren trauen sie sich auch nicht, die Kinder vom ICE Bahnhof Zoo, es bleibt beim zischend Luft holen, wenn überhaupt.
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DCT-Ersatz bei Girl
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Real Life 06.11.04 - Telefonat, spät Nachts
Ja, klar, das war doch der mit dem Incubator-Verlustzuschreibungen. Was dann vom Finanzministerium nachträglich gesprengt wurde.
Ich habe ihn heute Abend getroffen. Nach einer halben Stunde meinte er, ob ich vielleicht einen Job wüsste, er würde alles machen, Sachbearbeiter, Recherche, Sekretariat. Ich konnte mir gerade noch die Frage verkneifen, obn er vielleicht auchn putzen würde. Die haben ihn bei .... gefeuert, und wohl auch sonst ziemlich fertig gemacht. Die sagen, wenn da noch was nachkommt, werden sie es bei ihm holen. Und wahrscheinlich haben sie ihn bei der Kammer auch schon im Visier. Na, ist das ne Nachricht?
Ja, das ist eine Nachricht. Danke. Gute Nacht.
X hat´s also doch noch erwischt. Er war sich so sicher, dass er immer durchkommen würde. Niemand würde gegen ihn gewinnen. Und er hat es auch geschafft, die Leute immer das versichern, aussagen und behaupten zu lassen, was ihm geholfen hat. Bis er dann mal einen kleinen Angestellten so tief in die Scheisse geritten hat, dass es bei dem um die Existenz ging. Entweder Selbstmord, oder Dokumentation von allem, was er in die Hände bekommen konnte. Er hat gesammelt, sich weiter darauf eingelassen, aber irgendwann hatte er dann genug und brachte alles zur Staatsanwaltschaft.
Eigentlich war ich mir sicher, dass X von .... und seinem Mentor gedeckt werden würde. X war auf dem Weg zum Partner, und selbst so eine Hausdurchsuchung steckten sie erst mal weg. Jetzt haben sie sich also doch von ihm getrennt, und die Welt, in der er tätig war, ist viel zu klein, um derartige Fehlerverursacher nicht auf immer auszuschliessen. Solche Gestalten kann man sich in diesen Zeiten der aufmerksamen Staatsanwälte und Finanzbehörden nicht leisten. Und für alles andere fehlt ihm die Qualifikation.
Wenn er sich schon bei den üblichen Locations an Kollegen ranmacht, muss es wirklich schlimm um ihn bestellt sein. Er könnte vielleicht selbst eine kleine Butze aufmachen, Abmahnanwalt werden, aber mit der Geschichte, mit diesem Absturz ist es schwer, nochmal hoch zu kommen. Sie haben ihm, genau genommen, öffentlich die Kniescheiben gebrochen und die Hände zertrümmert. Und ich glaube, ich weiss, was sich sein ehemaliger Mentor über X denkt: Dass der Tod eigentlich eine Gnade für ihn wäre - und eine angenehme Koinzidenz für .....
Ich habe sehr angenehm geschlafen, heute Nacht.
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Freitag, 5. November 2004
Real Life 05.11.04 - Wanderung in der Mark Pankow

Das Areal ist mit Stacheldraht eingezäunt, der Weg dorthin, zwischen zwei Schienensträngen und vorbeiratternden S-Bahnen, ist vom Alter zerrissen und verschwindet Brocken für Brocken im Sand. Niemand kümmert sich um den Komplex. Es gibt wahrscheinlich eine Behörde, die zuständig ist, aber das heisst nicht, dass sie sich jenseits der normierten Einzäunens mit ISO-Irgendwas-Draht in Standardhöhe zuständig fühlt. Die Mauern sind an allen erreichbaren Stellen mit Grafitti übersprüht, aber die Kasernen sind hoch genug, um noch immer ihr originales graubraungelb zu zeigen.
Weiter hinten dann, wenn der Zaun vorbei ist, kommt wieder der Müll, der unvermeidliche Begleiter jeder Wanderung in Berlin, die länger als 10 Minuten dauert. Sanitärkeramik, Autoreifen, Plastikflaschen in kaufmichbunt, Fragmente von Möbeln und immer wieder Papier und Dosen. Dazwischen ein scheinbar intaktes Fahrrad, und ein am Zaun, auf einer Matratze, wahrscheinlich die Besitzerin, ein trotz der Kälte bauchfreies Mädchen und noch eines mit Rollerblades an den Füssen, vielleicht 12 oder 13 Jahre alt, wenn überhaupt. Sie rauchen ungeschickt Joints, und als sie mich bemerken, sehen mich erschrocken an, aber ich nehme sofort die Kamera zur Seite, drehe mich um und gehe über den zerborstenen Weg hinunter zum grauen Asphalt. Falls die beiden sich was aufgeregt zuflüstern, könnte ich es nicht hören, denn in diesem Moment senkt sich der Lärm eines landenden Flugzeuges über das Niemandsland.
Die Passagiere, die dann in Tegel aussteigen, können sich der Illusion hingeben, dass sie gerade über eine Art Grünfläche angeschwebt sind. Vielleicht gehen sie heute Abend noch Essen, in eine bessere Gegend, trinken zu viele Cocktails und reden über den Flair der Hauptstadt.
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Fleischtöpfe

Rechts daneben: Eine Fleischerei, die schon seit ein paar Jahren dicht gemacht hat. Die Rolläden sind verstaubt, schmutzig, man hat den Eindruck, dass es nach Verwesung riecht.
Dahinter: Ein paar hundert Meter Trümmergrundstücke. Die Keller der ehemaligen Arbeitersiedlung, nahe dem AEG-Werk, stecken noch wie faule Zähne im Boden. Eines der bevorzugten Ziele der Bombenpiloten im 2. Weltkrieg, eine der bevorzugt vergessenen Regionen danach.
Links daneben: Weil das Grundstück so praktisch an der Strasse liegt, und 5 Meter tief ausgehoben ist, hat sich unter den Bäumen eine wilde Müllkippe breit gemacht. Die Strasse runter dann ein halbes Dutzend Läden, die zu vermieten sind.
Wahrscheinlich haben die gutmeinenden Initiatoren die Plakatflächen umsonst bekommen; kaum zu glauben, dass sich in dieser Lage viel damit verdienen lässt. So gesellt sich Elend zu Elend - auch wenn die Not auf den Plakaten weitaus ästhetischer als die Realität inszeniert wird. Keiner hat hier ein künstlich-strahlendes Lächeln wie die engagiertes Tagesschausprecherin.
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Donnerstag, 4. November 2004
Monochrom
Deine Bedingung - auch ein, zwei erotische Bilder, nur mal so zum Ausprobieren - quittiert sie mit einem marzipanweichen "Vielleicht". Du bist froh, dass du viel Geduld und eine russische Kopie der Leica II besitzt. Du brauchst jetzt eigentlich nur noch nicht allzu gutes Filmmaterial, um diese typische 20er-Jahre-Körnung hinzubekommen. Illford ist viel zu gut und scharf, die DDR-Orwo-Filme sind längst vom Markt verschwunden. Aber du hast vor kurzem bei ihr in der Nähe ein Geschäft gesehen, das Monochrom heisst und sich auf Schwarzweiss spezialisiert hat.

Wie es mit ihr ausgeht, steht bei Restaur.antville
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Strasse der Verlierer
Man muss sich doch nur umschauen. Da hinten bestellt eine ihr Essen über Internet. Da drüben redet jemand mit der neuen dependance in Shanghai, wo auch alle so denken. Shanghai rules sowieso, da sitzen vielleicht Freaks. Und ein Stockwerk drüber ist die Kommunikationsagentur, die das schon richten wird, wenn mal doch jemand da draussen glauben sollte, dass er noch mit seinem alten Scheiss etwas zu melden habe. Die Jungs vom Filmwerk werden das der Mehrheit schonend, witzig und nachhaltig beibringen.

Oder auch nicht. Besonders, wenn die Kommunikationsstrategien der Irren nur von den nächsten Durchgeknallten zu verstehen ist. Da helfen keine grossen Etats, keine Werbekampagne, nichts. Irgendwie muss man den Opas, den kleinen Angestellten und den Hausfrauen mal erklären, warum sie all das Zeug, das Credo der Cluster, die Ideologie der Areas gauben sollen. Denn nur 10 Meter davon entfernt gelten sie bestenfalls als komische Typen, die was tun, was niemand versteht.
Dann verschwinden erst mal ein paar Schilder, und dann, wenn es doch etwas heftig werden würde, bleiben auch Schilder da, wenn die Leute schon weg sind. Die Schilder exopandieren sogar manchmal, auch wenn die real bewirtschafteten Räume schwinden. Aber der Club heisst immer noch Rheingold. Das, wie man wüsste, wenn man sich ernsthaft mit alter Kultur auseinander gesetzt hätte und nicht nur zu Wagner gegangen ist, um den japansichen Geschäftspartnern vor der Bordelltour noch einen Freundschaftsdienst zu erweisen, das also bei allem Funkeln und Gleissen den Besitzern und allen, die danach strebten, zum Verderben gereichte.
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Mittwoch, 3. November 2004
Wegen Berlin Bashing
Angesichts der verrotteten Ausgangsmaterials dieses Slums Berlin bei Marzahn hat es in Relation dazu wirklich eine liebevolle, nachgerade zärtliche Beschreibung erfahren. Nix Bashing.
So. Jetzt erfreuen Sie sich bitteschön an diesem fürsorglich in der Choriner Strasse abgestellten Kühlschrank, der so voll ist, wie das bei Berliner Studenten nun mal typisch ist, und denken Sie daran: Berlin und Rauchen kann tödlich sein.

(so sehen echte fiese Drecksphotos aus, girl. Wenn schon, denn schon)
(Beiseite: IGITT!! BÄH! Wie kann man sowas nur tun? Wieso macht da keiner was?)
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Grundsatzurteil
Und Viva lebt auch nicht mehr richtig - Arbeitsplatzabbau in Köln, Massaker unter Viva-Managern, MTV-Machtergreifung auf allen Ebenen.
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Es gab eine Zeit in München,
Dann brach die Zeit an, in der man die Haare wieder verwuschelter trug, die Perlenkettenträgerinnen das Studium wieder ruhiger angingen, und viele auf die Idee kamen, dass Internet ja doch nicht so wichtig ist und PR viel interessanter sein kann. Manche gaben die Karriereträume auch ganz auf, weil es ja egal war, ob man als Leistungsträger oder als freier Kreativer keinen Job bekam; lieber den Vormittag im Cafe sitzen als im Arbeitsamt oder bei Qualifizierungsmassnahmen in staatlich überbezahlten Software-Akademien mit Zewa-WischundWeg-Diplom.
Nachdem der Vormittag im Cafe für normale Studentinnen in München praktisch unfinanzierbar ist, setzte an dieser Bruchstelle die Entscheidung ein, München zu verlassen. Sie sagten, in Berlin wäre alles soo viel billiger, die Leute wären offener, es würde viel mehr passieren, und überhaupt sahen sie bald so aus wie Felicitas Woll, die die Figur des Landeis Lolle in "Berlin Berlin" gibt. Spätenstens, wenn sie dann Ringel-T-Shirts trugen, war klar, dass es nicht mehr lange gut gehen würde. Jeden Vorabend wurden die immer gleichen Botschaften in die Köpfe gedroschen: Berlin Berlin ist so viel besser, kreativer, jeden Tag eine neue Chance, jeder Tag ein neues Glück, ausserdem viele Freaks, Schwangerschaften, auch etwas lesbischer Sex und all das Gefühlsleben, das sie sonst nicht haben, zumal in München, wo es eigentlich nur 2 Alternativen gibt: Freund oder Freiwild, beides übrigens nicht wirklich spannend.

Fanden sie. Und zogen nach Berlin, fühlten sich wie Lolle und versuchten, das alles irgendwie nachzuspielen. In der Kastanienallee gibt es noch hunderte dieser Lolle-Darstellerinnen; die, die früher kamen, kellnern für die, die jetzt erst anreisen. Manchmal läuft auch ein Rastaman an ihnen vorbei, der leise Haschisch murmelt, und dann fühlen sie sich sehr grossstädtisch, übersehen den Hundehaufen, den es im Film natürlich nicht gibt, werden an der Kasse betrogen, kochen auf ihrem schlecht gewarteten Gasherd und essen die Nudeln aus dem Topf mit dem einzigen Löffel, den sie in der Mikrobenzucht ihres Waschbeckens finden konnten. Nein, so war das nicht im Film, und so wird es auch nie mehr sein, denn die ARD hat ein Einsehen und stellt die Propagandaausstrahlungen für die Reichshauptstadt ein.
Und die Hauptdarstellerin zieht in die Provinz, nach Stuttgart Stuttgart, wo die Bevölkerung wohlhabend und die Selbstmordrate niedrig ist. Gar nicht so dumm, die Darstellerin. Tübinger Zahnarzttöchter müssen sich jetzt neue Illusionen suchen.
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Dienstag, 2. November 2004
Drinnen/Draussen
des späten Abends,
der feinen Demarkation,
die ein Glas Wein für 5 Euro ausmacht,
der prokapitalistischen Schutzwälle
aus frisch geputztem Glas,
also eine Geschichte

vom Glanz unserer Städte,
von der Grösse des Konsums,
vom Goldgelb des teuren Whiskeys in den Gläsern
und der Laternen auf der kalten Strasse,
von den abgefüllten Einkaufswägen und Menschen,
von der Geselligkeit und den zerbrochenen Chancen,
von denen, die sicher auf ihren Stühlen sitzen
und den anderen, die vielleicht an Rebellion denken
und noch immer nicht mit Stuhlbeinen schwingen,
vom Müll, vom Reichtum, vom Überfluss
und denjenigen, die ihren Überfluss wegwerfen,
aber nicht abtransportieren können,

und am Ende klammern sie sich die einen
vielleicht an den Rollwägelchen der anderen,
der von ihnen so verachteten Konsumkrüppel fest
und kotzen einen gelben Strahl privates Gesöff
in den veröffentlichten Raum,
unter dem Bruchgold des
vernebelten Lichts
in unseren
Städten.
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Das grosse Einfach
Irgendwann hatte sich der letzte Moderator des Events während einer sehr weitschweifigen Antwort eines deutschen Jungunternehmers zu seinen Erfolgen die Gelegenheit, eine wirklich niedrigschürfende, alles umfassende und nur mit allgemeinem Geblubber zu beantwortende Frage für den US-Boy ausgedacht, der mit auf dem Podium gesessen hatte. Nachdem der SoftwarefürEntertainment-VonundZuIrgendwas sienen Vortrag beendet hatte, wandte sich der Disskussionsleiter mit devotem Grinsen an den lang und breit als einzigartige, bewunderte Koryphäe eingeführten Gast, stellte die üppige Frage und setzte nach "What do you think - where should wo go to?"
Der Amerikaner sah kurz ins Publikum und sagte: "I think we should go to Lunch." Was die Debatte auch beendete.
Und ich würde behaupten wollen, dass all das aufgeregte Geschnatter des "alten Europas" ob der Wahl in Amerika letztlich mit einer ähnlichen Lakonie beantwortet wird. Das wird schon. Und heute abend gibt es auch gutes Essen beim Empfang der Amerikanischen Botschaft in Berlin, dazu ein Internetcafe, und bei Chuzpe.Blogger wird dabei auch heftig geblogt.
Ach so, ja, der Jungunternehmer von damals schaffte es, seine Firma zu verkaufen - allerdings bekamen nur die VCs etwas Geld, und letztlich blieben sie alle auf enttäuschten Hoffnungen und verlusten sitzen.
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Wenn ich mal wieder lächeln will,
Oh ja, und dann werde ich lächeln.
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