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Montag, 25. Juli 2005
Urheberrechtsanmeldung
Ich habe soeben den Begriff Orkfick" geprägt, nachdem ich schon das Textferkel erschaffen habe.
donalphons, 22:15h
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Stille Tage in der Bibliothek
Frau Modeste hat Ratschläge zum Bibliotheksbeischlafen gegeben, nebst einigen Warnungen, welche literarischen Vorlieben einer erfüllten Abendgestaltung hinderlich sein könnten. Manches kann man auch bei Umkehrung der Geschlechter ohne Bedenken unterschreiben - so etwa die Feststellung, dass Menschen ohne grosse Bibliothek, sagen wir mal 700 Bände bei einer Zwanzigjährigen, sicher nicht die geistige und sittliche Reife haben, uns mehr als die schlechte Adaption von La Boum Teil 2 zu gewähren. Irgendwo zwischen Musikvideo und Blümchensex gelandet, würde man sich wünschen, doch besser eine belesen Frau bestiegengehrt zu haben. Aber auch da ist Vorsicht geboten.
Man muss meist erst gar nicht ans Bücherregal treten, um die schlimmsten Varianten der Belesenen kennenzulernen. Übler als jeder Harry P. unter 100 Management-Büchern, geschmackloser als das Uschi-Prinzip und Barbara Cartland und zugleich durchgeknallter als Lucia di Lammermoor ist ein Typ Frau, der einen erst gar nicht so weit kommen lässt. Weil es nämlich nur ein einziges literarisches Werk gibt, das der Beachtung wert ist: Ihr eigenes (ich darf an dieser Stelle darauf verweisen, dass meine eigenen Bücher in einem Regal versteckt sind, das man kaum sieht, wenn man nicht gerade auf meinem Bett liegt - und wer dort liegt, hat hoffentlich Besseres mit mir zu tun als über meine Werke zu reden).
Wobei ich damit nicht normale Autoren mit normalen Verlagen meine. Ich meine zuerst diejenigen Damen, die den Bestseller schon geschrieben haben und nun einen Verlag suchen. Man gerät recht leicht an diesen Typus, besonders auf Buchmessen und Lesungen, zumal wenn man schon einen Verlag hat. Der Entree in die Wohnung dieser Geschöpfe ist leicht zu bewerkstelligen, doch dann kommt der Haken; lange Debatten, Vorlesen aus dem Manuskript, bange Fragen, der Wunsch nach Bestätigung und am besten der sofortige Anruf beim Verleger, dass man die Entdeckung schlechthin gemacht habe.
Sodann diejenigen Frauen, die schon einen Verlag haben - einen bestimmten Verlag namens BOD, Book on Demand. Das sind gewissermassen die gefrusteten Vertreterinnen der ersten Gattung in einer zweiten Entwicklungsstufe in Richtung Unausstehlich, bei denen die Dreistigkeit und Arroganz die Einsicht, dass die Verleger vielleicht doch recht haben, wenn sie es nicht wollen, bei weitem überflügelt. Die vorherige Depression har sich gewandelt zum Hass auf die literarische Welt, wenn nur 5 Stück an die Freunde verkauft wurden und weder Spiegel noch FAZ das epochemachende Werk "Mein Leben als unbeschlafene Semmelassel" besprechen wollen. Natürlich bleibt auch die Einladung nach Klagenfurt aus, und dann muss die Bestätigung der eigenen literarischen Genialität woanders her kommen. Wie erbärmlich diese Autorinnen nicht immer, aber doch sehr oft sind, kann man auf den Buchmessen beobachten: Der BOD-Stand ist immer umlagert von seltsam aussehenden Freaks, die Bücher aus den Ständern zerren, begeistert blättern und irgendwo hinstellen, wo man sie besonders gut sehen könnte, wenn man denn Interesse hätte. Noch nicht mal der Bachmann-Wettbewerb und seine vertrockneten Juroren wollen diese Leute - weshalb man immer die Finger davon lassen sollte. Wenn Schriftstellerinnen, dann bitte die Originale - die meisten sind wirklich nett, wenn sie es nicht mit einem Konkurrenten zu tun bekommen.
Glubschaugen kann man sich auch sparen bei den Leserinnen von Judith Herrmann und ähnlichem Mädchenplunder, das seine Awareness vor allem den uneingestandenen päderastischen Neigungten gewisser Fäuletonisten verdankt. Es sei denn, man will problemficken mit einer Frau, die am Ende nach Rotz, Tränen und einer Packung Fluppen schmeckt.
Was manches Fräulein dazu bringt, sich mit den Werken von Tanja Kinkel zu desavouieren, ist mir nicht bekannt, auch nicht, was sie zum Kauf von Frau Bradley bewogen haben mag - Hauptsache, man schaltet auf Rückwärtsgang. Das erspart einem eine Nacht in Duftöl mit mitternächtlichem Mondelfentanz oder ähnlichem Esoschmarrn, bei dem man sich irgendwann wünscht, einen ganz normalen Orkfick mit Schreien und Röcheln haben. Es gibt viel von dem Zeug, ich kenne es nicht, nur die Leserinnen, und empfehle deshalb den Rückzug.
Gleiches gilt für die blassblauen Fräuleins, bei denen R. M. Rilke, Wagners Wesendonkschmachtereien oder C. F. Meyer auf dem Schreibtisch einen Stammplatz haben. Ihr Vater ist sicher Chef einer Deutschen Bank in einer kleinen Stadt, und ihre Mutter hat ihr ein Himmelbett in Rosa gekauft und sie wohlweisslich von allem abgeschottet, was mit Sex zu tun hat, um sie so für den Sohn des Möbelhausbesitzers aufzusparen. Irgendwie mag sie entfleucht sein, aber das Böse ihrer Abstammung ist in ihr, und so wird sie es am Ende nicht so weit kommen lassen, weswegen man sich dann um drei Uhr Nachts nochmal auf die Suche nach einem Restfick machen kann.
Goethes Werther, aber auch der grüne Heinrich und überhaupt das ganze toitsche 19. Jahrhundert sind immer schlechte Vorzeichen - Ausnahmen wie Börne und Heine signalisieren dagegen einen aufgeschlossenen Geist und unkomplizierte Sinnlichkeit auf kurzen Distanzen. Frankreich ist da besser gesegnet - Gefahr droht allenfalls von Leserinnen von Flaubert; Merimee, Maupassant und Balzac dagegen weisen auf viel Verständnis für männliche Bedürfnisse hin, Baudelaire verspricht delikate Verwirrungen. Besser noch ist das 18. Jahrhundert, Voltaire, Lauzun, Mirabeau, die philosophische Therese, all das sind Verheissungen nicht nur im Bücherschrank.
Und sollte man eine Frau finden, die Tucholskys Gripsholm, die Contessa Maria von Palazzeschi und Les bijoux indiscrets von Diderot besitzt, vielleicht auch noch die Stadt der Frauen von Pizan, die Kurtisanengespräche von Aretino und einen Photoband von Lee Miller - zugreifen, meine Herren und eventuell auch entsprechend interessierte Damen , zugreifen.
Man muss meist erst gar nicht ans Bücherregal treten, um die schlimmsten Varianten der Belesenen kennenzulernen. Übler als jeder Harry P. unter 100 Management-Büchern, geschmackloser als das Uschi-Prinzip und Barbara Cartland und zugleich durchgeknallter als Lucia di Lammermoor ist ein Typ Frau, der einen erst gar nicht so weit kommen lässt. Weil es nämlich nur ein einziges literarisches Werk gibt, das der Beachtung wert ist: Ihr eigenes (ich darf an dieser Stelle darauf verweisen, dass meine eigenen Bücher in einem Regal versteckt sind, das man kaum sieht, wenn man nicht gerade auf meinem Bett liegt - und wer dort liegt, hat hoffentlich Besseres mit mir zu tun als über meine Werke zu reden).
Wobei ich damit nicht normale Autoren mit normalen Verlagen meine. Ich meine zuerst diejenigen Damen, die den Bestseller schon geschrieben haben und nun einen Verlag suchen. Man gerät recht leicht an diesen Typus, besonders auf Buchmessen und Lesungen, zumal wenn man schon einen Verlag hat. Der Entree in die Wohnung dieser Geschöpfe ist leicht zu bewerkstelligen, doch dann kommt der Haken; lange Debatten, Vorlesen aus dem Manuskript, bange Fragen, der Wunsch nach Bestätigung und am besten der sofortige Anruf beim Verleger, dass man die Entdeckung schlechthin gemacht habe.
Sodann diejenigen Frauen, die schon einen Verlag haben - einen bestimmten Verlag namens BOD, Book on Demand. Das sind gewissermassen die gefrusteten Vertreterinnen der ersten Gattung in einer zweiten Entwicklungsstufe in Richtung Unausstehlich, bei denen die Dreistigkeit und Arroganz die Einsicht, dass die Verleger vielleicht doch recht haben, wenn sie es nicht wollen, bei weitem überflügelt. Die vorherige Depression har sich gewandelt zum Hass auf die literarische Welt, wenn nur 5 Stück an die Freunde verkauft wurden und weder Spiegel noch FAZ das epochemachende Werk "Mein Leben als unbeschlafene Semmelassel" besprechen wollen. Natürlich bleibt auch die Einladung nach Klagenfurt aus, und dann muss die Bestätigung der eigenen literarischen Genialität woanders her kommen. Wie erbärmlich diese Autorinnen nicht immer, aber doch sehr oft sind, kann man auf den Buchmessen beobachten: Der BOD-Stand ist immer umlagert von seltsam aussehenden Freaks, die Bücher aus den Ständern zerren, begeistert blättern und irgendwo hinstellen, wo man sie besonders gut sehen könnte, wenn man denn Interesse hätte. Noch nicht mal der Bachmann-Wettbewerb und seine vertrockneten Juroren wollen diese Leute - weshalb man immer die Finger davon lassen sollte. Wenn Schriftstellerinnen, dann bitte die Originale - die meisten sind wirklich nett, wenn sie es nicht mit einem Konkurrenten zu tun bekommen.
Glubschaugen kann man sich auch sparen bei den Leserinnen von Judith Herrmann und ähnlichem Mädchenplunder, das seine Awareness vor allem den uneingestandenen päderastischen Neigungten gewisser Fäuletonisten verdankt. Es sei denn, man will problemficken mit einer Frau, die am Ende nach Rotz, Tränen und einer Packung Fluppen schmeckt.
Was manches Fräulein dazu bringt, sich mit den Werken von Tanja Kinkel zu desavouieren, ist mir nicht bekannt, auch nicht, was sie zum Kauf von Frau Bradley bewogen haben mag - Hauptsache, man schaltet auf Rückwärtsgang. Das erspart einem eine Nacht in Duftöl mit mitternächtlichem Mondelfentanz oder ähnlichem Esoschmarrn, bei dem man sich irgendwann wünscht, einen ganz normalen Orkfick mit Schreien und Röcheln haben. Es gibt viel von dem Zeug, ich kenne es nicht, nur die Leserinnen, und empfehle deshalb den Rückzug.
Gleiches gilt für die blassblauen Fräuleins, bei denen R. M. Rilke, Wagners Wesendonkschmachtereien oder C. F. Meyer auf dem Schreibtisch einen Stammplatz haben. Ihr Vater ist sicher Chef einer Deutschen Bank in einer kleinen Stadt, und ihre Mutter hat ihr ein Himmelbett in Rosa gekauft und sie wohlweisslich von allem abgeschottet, was mit Sex zu tun hat, um sie so für den Sohn des Möbelhausbesitzers aufzusparen. Irgendwie mag sie entfleucht sein, aber das Böse ihrer Abstammung ist in ihr, und so wird sie es am Ende nicht so weit kommen lassen, weswegen man sich dann um drei Uhr Nachts nochmal auf die Suche nach einem Restfick machen kann.
Goethes Werther, aber auch der grüne Heinrich und überhaupt das ganze toitsche 19. Jahrhundert sind immer schlechte Vorzeichen - Ausnahmen wie Börne und Heine signalisieren dagegen einen aufgeschlossenen Geist und unkomplizierte Sinnlichkeit auf kurzen Distanzen. Frankreich ist da besser gesegnet - Gefahr droht allenfalls von Leserinnen von Flaubert; Merimee, Maupassant und Balzac dagegen weisen auf viel Verständnis für männliche Bedürfnisse hin, Baudelaire verspricht delikate Verwirrungen. Besser noch ist das 18. Jahrhundert, Voltaire, Lauzun, Mirabeau, die philosophische Therese, all das sind Verheissungen nicht nur im Bücherschrank.
Und sollte man eine Frau finden, die Tucholskys Gripsholm, die Contessa Maria von Palazzeschi und Les bijoux indiscrets von Diderot besitzt, vielleicht auch noch die Stadt der Frauen von Pizan, die Kurtisanengespräche von Aretino und einen Photoband von Lee Miller - zugreifen, meine Herren und eventuell auch entsprechend interessierte Damen , zugreifen.
donalphons, 20:17h
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Noch besser
Ein verbindliches Standesrecht für Journalisten schlägt das Finblog vor - wie wäre es mit einem Standrecht, anzuwenden auch auf die PR? Es würde keine zwei Wochen dauern, bis das Bildblog keine Arbeit mehr hätte, und ein ekelhaftes Berufsbild würde verschwinden.
donalphons, 03:02h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Montag, 25. Juli 2005
Scheiss des Jahres 2020
Meines Erachtens werden sich Business oder PR Blogs jenseits kleinster Nischen niemals bewähren, geschweige denn durchsetzen. Eine Ausnahme, eine dieser kleinen Nischen wird vom MEX-Blog ganz gut repräsentiert, dessen Hauptautor Robert Basic dadurch weitaus mehr Publicity bekommt und bekannter ist, als vergleichbare Jungunternehmer. Ich bin trotz seiner guten Argumente oft radikal anderer Meinung als Robert, was sein Blog für mich natürlich besonders lesenswert macht.
Gestern nun habe ich das hier bei ihm gefunden - die Beschreibung, wie und warum nichts aus einer Beteiligung eines Thinktanks namens Z-Punkt beim MEX-Blog wurde. Ich bin nicht wirklich überrascht - Z-Punkt ist am Partnerprogramm der Website change-X beteiligt, und Change-X wiederum wurde dadurch bekannt, dass sie schon mal versucht haben, eine Abstimmung zu einem hochdotierten Preis ... nun, lest selber. Ich kann mich keiner allzu guten Meinung über Change-X und der damit verbandelten Zukunfts/Marktforscher/Change Management-Szene rühmen, für mich ist schon die ideologische Ausrichtung der Firma auf eine Revolution der Arbeitswelt ein Greuel, Wippermann und Horx lassen grüssen.
Das alles bleibt Robert Basic jetzt erspart, was ihn nicht traurig stimmen sollte. Schliesslich möchte ich sein Blog weiterhin ernst nehmen, und da ist es mir ganz recht, wenn jemand aus den aktuellen Problemen der IT-Welt heraus nachdenkt, wie es besser werden könnte, als dass er Zukunftsvisionen a la Z-Punkt entwickelt, deren Menschenbild jenseits von Business Plänen und Hirnen der Marketing-Anja-Tanjas kaum exitieren dürften. So stellt sich der "Thinktank" das weibliche Kleiderkaufen des Jahres 2020 vor:
“Wir betreten ein gewöhnliches Mode-Kaufhaus. Wir sehen eine junge Frau, die zielstrebig das Eingangsportal passiert und ganz offensichtlich in Eile ist. Routiniert nimmt sie im Vorbeigehen eines der bereitliegenden Handgeräte, das sie auffordert, ihm ihre Wünsche mitzuteilen und ihre persönliche Chip-Karte mit ihren Maßen und Stilvorlieben einzuführen (Einführen? Freudscher Verschreiber oder was? d. Red). Ohne Umschweife weist ihr ein beweglicher Pfeil im Display den Weg zu dem Kleiderständer mit den pinkfarbenen T-Shirts in Größe 38, wo bereits ein Funk-Etikett mit einem Blinkzeichen auf sich aufmerksam macht. Gezahlt wird beim Durchschreiten der elektronischen Schranke, die automatisch alle mit Funk-Chips ausgestatteten Artikel in der Einkaufstüte erfasst und den Betrag vom freigegebenen Kreditkartenkonto der Käuferin einzieht. All das ist in fünf Minuten erledigt. Da bleibt noch Zeit für einen Drink im “Ambiente” um die Ecke.”
Ich bin mir ziemlich sicher, dass kein Autor dieser Studie jemals mit einer Frau Kleider einkaufen war. Keine Frau sagt "Ich will eine pinkfarbene Bluse Grösse 38 mit weissen Knöpfen für maximal 50 Euro". Allein schon Pink und Grösse 38 - jede Frau würde sagem, sie braucht 36, um sich dann über die klein ausfallenden italienischen Grössen zu beschweren. Nehmen wir mal den Fall einer sich für äussert dezent und unluxuriös haltenden, 23-jährigen Ethnologiestudentin mit schlichtem Geschmack und bar jeder Zickigkeit, im Gedächtnis mitstenografiert ab dem Moment, wo der angehende Schriftsteller einen Parkplatz in Münchens Innenstadt gefunden hat:
Ich brauche übrigens noch ein Paar Turnschuhe, können wir schnell in die Sendlinger Strasse? Dauert nur drei Minuten, ich weiss schon, was ich brauche, schwarz und schlicht, nur zum Joggen. Was soll das heissen, auch so anziehen ... ach Don, ich mag diese roten Tunschuhe hier tagsüber, wenn es nach Dir gehen würde, würde ich nur in Pumps rumrennen wie Deine kleine Schwester... So, gleich sind wir da, ähhh, Moment... Guck mal da, Don, was sagst Du zu dem Kleid im Schaufenster? Gut, oder? Aber ob der Stoff gut ist? Egal, komm, gehen wir weiter, ich brauche das absolut nicht, ich will Turnschuhe, aber... also, meine Mutter kommt nächste Woche nach München, zum shoppen, vielleicht könnte ich doch einen klitzekleinen Blick da rein werfen, ich kaufe sowieso nichts, ich brauch nichts, so, da ist es ja - Ne, ne, der Stoff ist nicht schön, so kratzig, gut, gehen wir wieder, vielleicht noch einen kleinen Umweg zu den Tops, da brauche ich auch keins, aber gucken können wir schnell mal.
||: Was? Was ist das? Hmm... meinst Du, ich könnte das schnell probieren? Dauert nur eine Sekunde, ja? Ich will es nicht haben, nur mal schaun ob mir sowas überhaupt steht. Und Du guck nicht so rum und mach andere Frauen nervös, such lieber noch was was mir sonst noch passen könnte. Don, hörst Du mich? Es soll zur Jeans genauso passen wie zum Rock, dem mit den Sonnenblumen, schon klar, oder? Und bitte nicht zu ausgefallen, das passt nicht zu mir. Aber bitte auch keine Oma-Klamotten. Don, Don schau mal das hier, eh, nein, das ist nichts, das sieht total billig aus, das geht ja gar nicht - pah! Lieber was mit Qualität - was hast Du denn da? Hm, nein, das gefällt mir gar nicht, obwohl ich probiere es mal :||
(Da capo)
(Da capo)
(Da capo con stretta, finalmente:)
Ihhh, nein, das passt gar nicht, schau doch mal, ich habe einfach nicht die Figur dafür (leise) ich hasse meine scheissgrossen Brüste... Und Du bist Dir wirklich sicher, dass das den meisten Männern nichts ausmacht, Don? Wirklich nicht? Hmm.. Was kostet da eigentlich? 100 Euro? Spinnen die? Ist mir doch egal ob die das hören, 100 Euro, nein, und das, obwohl es schon reduziert ist. Und was ist das? Donna Karan? Iiiih, BWLler-Klamotten, das kannst Du Deinen Elitessen aufschwatzen, aber nicht mir... ich weiss auch, dass ich schöne Schultern habe in dem Ding, aber Donna Karan geht überhaupt nicht, ich bin doch noch nicht 40. So, jetzt probiere ich das da noch, Du hängst diese DK-Ding bitte gleich wieder zurück.
Und? Was sagst Du? Ja, es spannt oben und unten ist es lapprig, aber es kostet auch nur 30 Euro. Das kann ich mir gerade noch leisten. Ja, das Donna Karan Teil sah sehr viel besser aus, aber das würde ich aus Prinzip nie kaufen, wer bin ich denn, schau mich doch an, ich bin eine ganz normale, schlichte Studentin und keins von Deinen Luxusweibchen in Deinem Roman, und deshalb... obwohl, kannst Du es noch mal bringen, nur wenn ich vielleicht bei H&M etwas ähnliches sehe, weil wir sowieso gleich dahin gehen, was? Turnschuhe kaufen? Soll ich gesagt haben? Wann? Ach so, ja. Himmel schon drei, jetzt verpasse ich doch glatt die Übung und nur weil Du mich so verwirrst, na egal, und das Donna Karan Dingsda jetzt, naja, die Farbe ist wirklich toll. Ich weiss dass es Dir gefällt, Du alter Schlüsselbein-Fetischist, aber ich kann mir sowas nicht leisten, und wo sollte ich das auch anzie... - Don? Don? Wo gehst Du hin, warte doch, nein, das kannst Du nicht machen, hör mal, was soll denn mein Freund sagen, ich will es doch gar nicht, nein, packen Sie es bitte nicht ein, der meint es nicht ernst - Don? Du meinst das nicht ernst, bitte lass es... Ach Don, weisst Du was? Du bist absolut unmöglich. Ich will es nicht, ich werde es nie tragen. Du kannst es ja anziehen, ach Menno - ja. Ja. Ach hör doch auf, es ist gar nicht logisch, was wissen denn Männer von Logik, es ist noch nicht mal nett, Du degradierst mich zur Barbie-Puppe. So ein schöner Tag, und dann sowas. Ja, gut, ich nehme es. Aber nur unter Protest. Und mach das nicht nochmal, ja?
So, jetzt will ich in ein Cafe, ich bin total fertig von dieser Auswählerei, ach so, die Turnschuhe... das machen wir ein ander mal, wobei... hm, Don? Was meinst Du, Don, wenn wir schon mal da sind, dann könnten wir doch mal nur eine Sekunde doch in den Schuhladen da rein, ja, die haben keine Sneaker, das weiss ich auch, nicht deshalb, sondern weil man zu diesem Top eigentlich doch nicht die roten Turnschuhe anziehen kann, vielleicht brauche ich doch ein paar helle Schuhe, ja, meinetwegen, Pumps, wenn Du unbedingt so nennen willst, ich würde das ja sowieso nur anziehen, wenn ich mit Dir unterwegs bin, weil Günther, der mit mir vorgestern dieses blaue Kleid kaufen war... Ja, ich treffe mich auch mit Günther, egal ob Du ihn magst... Nein, ich habe natürlich selbst bezahlt, Günther hat mir nur geliehen, und überhaupt, ach, mit Männern kann man einfach nicht einkaufen gehen, oder so. Und jetzt gehen wir da rein, was ist das, Bally? Ist nicht ganz billig, oder? Hm, wenn wir etwas finden, ich hab meine EC-Karte nicht dabei, könntest Du vielleicht...

(Indische Miniatur auf Elfenbein, Mitte 19. Jahrhundert - some things never change)
So kaufen Frauen ein. Schon immer. Und das wird sich nie ändern. Und wenn sie dann in einem Cafe sind, entdecken sie auf der Speisekarte erst mal das Mousse, dann wollen sie noch einen Salat für die Fitness, und dann haben sie Hunger und wollen in ein Restaurant. Und wenn sie dann Magenverstimmung haben, legen sie sich vor die Glotze und rufen an, dass sie SATC-DVDs und Tabletten und einen Martini brauchen. Wenn wir die nicht bestellten Pralinen vergessen, sind sie beleidigt. Auch noch 2020.
Deshalb ist die gesamte Vorstellung von Z-Punkt von Anfang an zu Scheitern verurteilt - und Robert kann froh sein. Nicht nur, weil ich dann nicht über solchen Bullshit in seinem Blog herfalle. Sondern auch, weil Frauen wie die obige auch 2020 noch sein Leben versüssen werden.
Gestern nun habe ich das hier bei ihm gefunden - die Beschreibung, wie und warum nichts aus einer Beteiligung eines Thinktanks namens Z-Punkt beim MEX-Blog wurde. Ich bin nicht wirklich überrascht - Z-Punkt ist am Partnerprogramm der Website change-X beteiligt, und Change-X wiederum wurde dadurch bekannt, dass sie schon mal versucht haben, eine Abstimmung zu einem hochdotierten Preis ... nun, lest selber. Ich kann mich keiner allzu guten Meinung über Change-X und der damit verbandelten Zukunfts/Marktforscher/Change Management-Szene rühmen, für mich ist schon die ideologische Ausrichtung der Firma auf eine Revolution der Arbeitswelt ein Greuel, Wippermann und Horx lassen grüssen.
Das alles bleibt Robert Basic jetzt erspart, was ihn nicht traurig stimmen sollte. Schliesslich möchte ich sein Blog weiterhin ernst nehmen, und da ist es mir ganz recht, wenn jemand aus den aktuellen Problemen der IT-Welt heraus nachdenkt, wie es besser werden könnte, als dass er Zukunftsvisionen a la Z-Punkt entwickelt, deren Menschenbild jenseits von Business Plänen und Hirnen der Marketing-Anja-Tanjas kaum exitieren dürften. So stellt sich der "Thinktank" das weibliche Kleiderkaufen des Jahres 2020 vor:
“Wir betreten ein gewöhnliches Mode-Kaufhaus. Wir sehen eine junge Frau, die zielstrebig das Eingangsportal passiert und ganz offensichtlich in Eile ist. Routiniert nimmt sie im Vorbeigehen eines der bereitliegenden Handgeräte, das sie auffordert, ihm ihre Wünsche mitzuteilen und ihre persönliche Chip-Karte mit ihren Maßen und Stilvorlieben einzuführen (Einführen? Freudscher Verschreiber oder was? d. Red). Ohne Umschweife weist ihr ein beweglicher Pfeil im Display den Weg zu dem Kleiderständer mit den pinkfarbenen T-Shirts in Größe 38, wo bereits ein Funk-Etikett mit einem Blinkzeichen auf sich aufmerksam macht. Gezahlt wird beim Durchschreiten der elektronischen Schranke, die automatisch alle mit Funk-Chips ausgestatteten Artikel in der Einkaufstüte erfasst und den Betrag vom freigegebenen Kreditkartenkonto der Käuferin einzieht. All das ist in fünf Minuten erledigt. Da bleibt noch Zeit für einen Drink im “Ambiente” um die Ecke.”
Ich bin mir ziemlich sicher, dass kein Autor dieser Studie jemals mit einer Frau Kleider einkaufen war. Keine Frau sagt "Ich will eine pinkfarbene Bluse Grösse 38 mit weissen Knöpfen für maximal 50 Euro". Allein schon Pink und Grösse 38 - jede Frau würde sagem, sie braucht 36, um sich dann über die klein ausfallenden italienischen Grössen zu beschweren. Nehmen wir mal den Fall einer sich für äussert dezent und unluxuriös haltenden, 23-jährigen Ethnologiestudentin mit schlichtem Geschmack und bar jeder Zickigkeit, im Gedächtnis mitstenografiert ab dem Moment, wo der angehende Schriftsteller einen Parkplatz in Münchens Innenstadt gefunden hat:
Ich brauche übrigens noch ein Paar Turnschuhe, können wir schnell in die Sendlinger Strasse? Dauert nur drei Minuten, ich weiss schon, was ich brauche, schwarz und schlicht, nur zum Joggen. Was soll das heissen, auch so anziehen ... ach Don, ich mag diese roten Tunschuhe hier tagsüber, wenn es nach Dir gehen würde, würde ich nur in Pumps rumrennen wie Deine kleine Schwester... So, gleich sind wir da, ähhh, Moment... Guck mal da, Don, was sagst Du zu dem Kleid im Schaufenster? Gut, oder? Aber ob der Stoff gut ist? Egal, komm, gehen wir weiter, ich brauche das absolut nicht, ich will Turnschuhe, aber... also, meine Mutter kommt nächste Woche nach München, zum shoppen, vielleicht könnte ich doch einen klitzekleinen Blick da rein werfen, ich kaufe sowieso nichts, ich brauch nichts, so, da ist es ja - Ne, ne, der Stoff ist nicht schön, so kratzig, gut, gehen wir wieder, vielleicht noch einen kleinen Umweg zu den Tops, da brauche ich auch keins, aber gucken können wir schnell mal.
||: Was? Was ist das? Hmm... meinst Du, ich könnte das schnell probieren? Dauert nur eine Sekunde, ja? Ich will es nicht haben, nur mal schaun ob mir sowas überhaupt steht. Und Du guck nicht so rum und mach andere Frauen nervös, such lieber noch was was mir sonst noch passen könnte. Don, hörst Du mich? Es soll zur Jeans genauso passen wie zum Rock, dem mit den Sonnenblumen, schon klar, oder? Und bitte nicht zu ausgefallen, das passt nicht zu mir. Aber bitte auch keine Oma-Klamotten. Don, Don schau mal das hier, eh, nein, das ist nichts, das sieht total billig aus, das geht ja gar nicht - pah! Lieber was mit Qualität - was hast Du denn da? Hm, nein, das gefällt mir gar nicht, obwohl ich probiere es mal :||
(Da capo)
(Da capo)
(Da capo con stretta, finalmente:)
Ihhh, nein, das passt gar nicht, schau doch mal, ich habe einfach nicht die Figur dafür (leise) ich hasse meine scheissgrossen Brüste... Und Du bist Dir wirklich sicher, dass das den meisten Männern nichts ausmacht, Don? Wirklich nicht? Hmm.. Was kostet da eigentlich? 100 Euro? Spinnen die? Ist mir doch egal ob die das hören, 100 Euro, nein, und das, obwohl es schon reduziert ist. Und was ist das? Donna Karan? Iiiih, BWLler-Klamotten, das kannst Du Deinen Elitessen aufschwatzen, aber nicht mir... ich weiss auch, dass ich schöne Schultern habe in dem Ding, aber Donna Karan geht überhaupt nicht, ich bin doch noch nicht 40. So, jetzt probiere ich das da noch, Du hängst diese DK-Ding bitte gleich wieder zurück.
Und? Was sagst Du? Ja, es spannt oben und unten ist es lapprig, aber es kostet auch nur 30 Euro. Das kann ich mir gerade noch leisten. Ja, das Donna Karan Teil sah sehr viel besser aus, aber das würde ich aus Prinzip nie kaufen, wer bin ich denn, schau mich doch an, ich bin eine ganz normale, schlichte Studentin und keins von Deinen Luxusweibchen in Deinem Roman, und deshalb... obwohl, kannst Du es noch mal bringen, nur wenn ich vielleicht bei H&M etwas ähnliches sehe, weil wir sowieso gleich dahin gehen, was? Turnschuhe kaufen? Soll ich gesagt haben? Wann? Ach so, ja. Himmel schon drei, jetzt verpasse ich doch glatt die Übung und nur weil Du mich so verwirrst, na egal, und das Donna Karan Dingsda jetzt, naja, die Farbe ist wirklich toll. Ich weiss dass es Dir gefällt, Du alter Schlüsselbein-Fetischist, aber ich kann mir sowas nicht leisten, und wo sollte ich das auch anzie... - Don? Don? Wo gehst Du hin, warte doch, nein, das kannst Du nicht machen, hör mal, was soll denn mein Freund sagen, ich will es doch gar nicht, nein, packen Sie es bitte nicht ein, der meint es nicht ernst - Don? Du meinst das nicht ernst, bitte lass es... Ach Don, weisst Du was? Du bist absolut unmöglich. Ich will es nicht, ich werde es nie tragen. Du kannst es ja anziehen, ach Menno - ja. Ja. Ach hör doch auf, es ist gar nicht logisch, was wissen denn Männer von Logik, es ist noch nicht mal nett, Du degradierst mich zur Barbie-Puppe. So ein schöner Tag, und dann sowas. Ja, gut, ich nehme es. Aber nur unter Protest. Und mach das nicht nochmal, ja?
So, jetzt will ich in ein Cafe, ich bin total fertig von dieser Auswählerei, ach so, die Turnschuhe... das machen wir ein ander mal, wobei... hm, Don? Was meinst Du, Don, wenn wir schon mal da sind, dann könnten wir doch mal nur eine Sekunde doch in den Schuhladen da rein, ja, die haben keine Sneaker, das weiss ich auch, nicht deshalb, sondern weil man zu diesem Top eigentlich doch nicht die roten Turnschuhe anziehen kann, vielleicht brauche ich doch ein paar helle Schuhe, ja, meinetwegen, Pumps, wenn Du unbedingt so nennen willst, ich würde das ja sowieso nur anziehen, wenn ich mit Dir unterwegs bin, weil Günther, der mit mir vorgestern dieses blaue Kleid kaufen war... Ja, ich treffe mich auch mit Günther, egal ob Du ihn magst... Nein, ich habe natürlich selbst bezahlt, Günther hat mir nur geliehen, und überhaupt, ach, mit Männern kann man einfach nicht einkaufen gehen, oder so. Und jetzt gehen wir da rein, was ist das, Bally? Ist nicht ganz billig, oder? Hm, wenn wir etwas finden, ich hab meine EC-Karte nicht dabei, könntest Du vielleicht...

(Indische Miniatur auf Elfenbein, Mitte 19. Jahrhundert - some things never change)
So kaufen Frauen ein. Schon immer. Und das wird sich nie ändern. Und wenn sie dann in einem Cafe sind, entdecken sie auf der Speisekarte erst mal das Mousse, dann wollen sie noch einen Salat für die Fitness, und dann haben sie Hunger und wollen in ein Restaurant. Und wenn sie dann Magenverstimmung haben, legen sie sich vor die Glotze und rufen an, dass sie SATC-DVDs und Tabletten und einen Martini brauchen. Wenn wir die nicht bestellten Pralinen vergessen, sind sie beleidigt. Auch noch 2020.
Deshalb ist die gesamte Vorstellung von Z-Punkt von Anfang an zu Scheitern verurteilt - und Robert kann froh sein. Nicht nur, weil ich dann nicht über solchen Bullshit in seinem Blog herfalle. Sondern auch, weil Frauen wie die obige auch 2020 noch sein Leben versüssen werden.
donalphons, 01:55h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 24. Juli 2005
Akklimatisation an die Area,
an die berühmte, einzigartige, traumhaft schöne, von Investoren wie Beratern und Gründern gleichermassen bevorzugte Munich Area, ein Grossraum der Superlativen und der Motor der deutschen Konjunktur - man mag es kaum glauben, aber solche Sprüche hört man auch im Jahr 5 nach dem Ende der New Economy immer noch. Wenn man dauernd drin ist in dieser Szene, gewöhnt man sich daran - das alles ist so verinnerlicht wie der Hass der palästinensischen Flüchtlinge auf Israel, on Demand abrufbar, 24/7, always on.
Es ist so wie mit der dampfenden Badewanne im Winter - man schickt erst einmal den grossen Zeh vor, um dann, wie ein Storch stehend und wie Espenlaub schwankend zu überlegen, ob man sich das antun soll. Nicht ganz umsonst habe ich nach dem Ende meiner Berliner Zeit die Tage vor allem in der Provinz zugebracht, aber langsam werden die Tage kürzer, und spätestens im Winter wird die Area wieder mein Zuhause. Vielleicht ist das alles doch nicht mehr ganz so wie damals, also ausprobiert - und ab ins Joe Penas.

Das Joe Penas ist ein weithin bekannter Texmexikaner, noch aus den grossen Zeiten des Parkcafes Anfang der 90er Jahre. Begonnen hatte das alles mit dem Hooters an der Rosenheimer Strasse, das bald wieder dicht machte, und dann zog die Crowd um ins Joe Penas mit seinem grauenvoll schlecht imitierten Texasstil, mitten ins Gärtnerplatzviertel. Irgendwie hat es der Laden geschafft, zu überleben und ganze Generationen von Dienstleistungsjobanfängern aus dem Umkreis anzuziehen.
Und nein, geändert hat sich gar nichts. Angefangen von den Mädchenkolonnen, die schon mal einmarschieren, während der Typ keinen Parkplatz findet, über die Telefonate, die Themen, die Geschichten. Es ist wie eine Zeitschleife, immer noch die Tequilaexzesse, die Versuche, es etwas auf Dirty Dancing und Latinoenthemmung zu machen, da kann das Sausalitos immer noch was lernen. Man kann 5 Stunden zuhören und alles sofort wieder vergessen, Inhalt und Bedeutung kleiner gleich Null, Dünkel und die totale Abwesenheit von Reflektion, und dann fragen auch noch die unvermeidlichen Pro7-Vertriebler, ob sie sich dazusetzen können und machen aus dem Tisch ihren verlängerten Conference Table. Ihre Mädchen zicken rum und pullen später die Erbsen aus den Enchilladas, während sie über Haartönungen sprechen. Und darüber, dass nach der Wahl alles besser wird.
Angeekelt von dem Gefühl, mit fünf CSUlern am Tisch zu sitzen, breche ich mit meiner Bekannten den Versuch ab. Und suche nach ein paar Insolvenzen aus der Munich Area.
Es ist so wie mit der dampfenden Badewanne im Winter - man schickt erst einmal den grossen Zeh vor, um dann, wie ein Storch stehend und wie Espenlaub schwankend zu überlegen, ob man sich das antun soll. Nicht ganz umsonst habe ich nach dem Ende meiner Berliner Zeit die Tage vor allem in der Provinz zugebracht, aber langsam werden die Tage kürzer, und spätestens im Winter wird die Area wieder mein Zuhause. Vielleicht ist das alles doch nicht mehr ganz so wie damals, also ausprobiert - und ab ins Joe Penas.

Das Joe Penas ist ein weithin bekannter Texmexikaner, noch aus den grossen Zeiten des Parkcafes Anfang der 90er Jahre. Begonnen hatte das alles mit dem Hooters an der Rosenheimer Strasse, das bald wieder dicht machte, und dann zog die Crowd um ins Joe Penas mit seinem grauenvoll schlecht imitierten Texasstil, mitten ins Gärtnerplatzviertel. Irgendwie hat es der Laden geschafft, zu überleben und ganze Generationen von Dienstleistungsjobanfängern aus dem Umkreis anzuziehen.
Und nein, geändert hat sich gar nichts. Angefangen von den Mädchenkolonnen, die schon mal einmarschieren, während der Typ keinen Parkplatz findet, über die Telefonate, die Themen, die Geschichten. Es ist wie eine Zeitschleife, immer noch die Tequilaexzesse, die Versuche, es etwas auf Dirty Dancing und Latinoenthemmung zu machen, da kann das Sausalitos immer noch was lernen. Man kann 5 Stunden zuhören und alles sofort wieder vergessen, Inhalt und Bedeutung kleiner gleich Null, Dünkel und die totale Abwesenheit von Reflektion, und dann fragen auch noch die unvermeidlichen Pro7-Vertriebler, ob sie sich dazusetzen können und machen aus dem Tisch ihren verlängerten Conference Table. Ihre Mädchen zicken rum und pullen später die Erbsen aus den Enchilladas, während sie über Haartönungen sprechen. Und darüber, dass nach der Wahl alles besser wird.
Angeekelt von dem Gefühl, mit fünf CSUlern am Tisch zu sitzen, breche ich mit meiner Bekannten den Versuch ab. Und suche nach ein paar Insolvenzen aus der Munich Area.
donalphons, 01:27h
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Fensterln
Einer meiner Hausweinstöcke beim Fensterln bei der Elitessa Officinalis Domestica.

Typisch Italiener... Dieses Jahr mit enorm vielen blauen Trauben. So ist das hier im Süden, im italienischen Vorhof, wo sich die Italiener auf Italiener über die Strasse was auf Italienisch zurufen. In acht Wochen ist dann Erntezeit.
Früher, im Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert gab es an vielen Häusern der Stadt Weistöcke; die beiden bei uns sind die letzten Exemplare in der Altstadt, was dazu führt, dass das Haus sowohl unter Denkmalschutz steht, als auch als Naturdenkmal geführt wird. Wenn ich nicht Antialkoholiker wäre, würde ich vielleicht sogar mal versuchen, meinen eigenen Hauswein zu keltern - Name hätte ich schon: Valle de Danuvia Elitessenblut.

Typisch Italiener... Dieses Jahr mit enorm vielen blauen Trauben. So ist das hier im Süden, im italienischen Vorhof, wo sich die Italiener auf Italiener über die Strasse was auf Italienisch zurufen. In acht Wochen ist dann Erntezeit.
Früher, im Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert gab es an vielen Häusern der Stadt Weistöcke; die beiden bei uns sind die letzten Exemplare in der Altstadt, was dazu führt, dass das Haus sowohl unter Denkmalschutz steht, als auch als Naturdenkmal geführt wird. Wenn ich nicht Antialkoholiker wäre, würde ich vielleicht sogar mal versuchen, meinen eigenen Hauswein zu keltern - Name hätte ich schon: Valle de Danuvia Elitessenblut.
donalphons, 19:49h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Samstag, 23. Juli 2005
Real Life 22.07.05 - Wenn ich nicht hier bin
bin ich auf dem Sonnendeck - und da an der Schleifmaschine. Du bist unendlich weit weg vom Netz und von allem, was auch nur ansatzweise mit Internet zu tun hat. Die New Economy, die Next Economy, Social Tagging, Wikis, Personalisation, Cluetrain, Blogs, Trends, Zukunft,das alles ist so unfassbar fern, wenn die Schleifmaschine über das Holz gleitet. So gegen 1820 wurde die Tanne gepflanzt, gegen 1925 hat man sie gefällt und gesägt, 1929 dann in ein Lagerhaus verbaut, als 4 Zentimeter dickes Brett für schwere Lasten, 2005 hat man sie dann rausgerissen und auf den Bauschutt geworfen, und da hast du sie gefunden. Ein paar kleine Risse hat das Brett, es ist nicht mehr ganz gerade, aber wenn das nach 76 Jahren alles ist, dann hält es wohl noch ein paar Jahrhunderte, auch als Küchenregal über dem Herd.
Ist das alles, ist das alles, summst du vor dich hin, während das Kreischen der Maschine die Elitessen unten beim Lernen stört. Wenn man das alles zusammenrechnet - ein Tag Arbeit für dich, zusammen sicher 3 Stunden Lernausfall bei Deutschlands kommender Wirtschaftselite, der Strom, die Lasur, dann war es volkswirtschaftlicher Blödsinn, ein Schaden für die Wirtschaft, es wäre doch so einfach gewesen, in den Baumarkt zu fahren und ein Massenprodukt für 9,95 Euro zu kaufen - so würden sie denken, wenn sie denn wüssten, was genau du mit dem Brett da oben machst.

Aber da es die einzige Art von Brett ist, die du in deiner Wohnung willst und magere Elitessen in deiner Küche ohnehin nichts Fettreduziertes finden werden, werden sie nie verstehen, warum sie so gestört wurden, an diesem traumhaft schönen Nachmittag am Rande der einzigartigen Munich Area, mit all ihren tollen Zukunftsversprechern.
Ist das alles, ist das alles, summst du vor dich hin, während das Kreischen der Maschine die Elitessen unten beim Lernen stört. Wenn man das alles zusammenrechnet - ein Tag Arbeit für dich, zusammen sicher 3 Stunden Lernausfall bei Deutschlands kommender Wirtschaftselite, der Strom, die Lasur, dann war es volkswirtschaftlicher Blödsinn, ein Schaden für die Wirtschaft, es wäre doch so einfach gewesen, in den Baumarkt zu fahren und ein Massenprodukt für 9,95 Euro zu kaufen - so würden sie denken, wenn sie denn wüssten, was genau du mit dem Brett da oben machst.

Aber da es die einzige Art von Brett ist, die du in deiner Wohnung willst und magere Elitessen in deiner Küche ohnehin nichts Fettreduziertes finden werden, werden sie nie verstehen, warum sie so gestört wurden, an diesem traumhaft schönen Nachmittag am Rande der einzigartigen Munich Area, mit all ihren tollen Zukunftsversprechern.
donalphons, 01:58h
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DCT-Feinde zu verkaufen!
Zumindest teilweise: Alte DCTler werden sich ja noch an die etwas zickige Firma Falk esolutions AG erinnern, deren Ableben niemand von uns besonders überrascht oder gar betrübt hätte. Nun gibt es sie immer noch, trotz gewisser Probleme und - so hört man zumindest - suboptimal verlaufener Anwaltsangriffe gegen eine gewisse kleine, feine Website.
Falls nun jamand Lust haben sollte, Aktien der börslich nicht gehandelten Falk AG zu erwerben und vielleicht mal so hübsche Dinge zu tun wie Vorstandsbeschlüsse anfechten, die Zahlen zu erfragen oder sonstwie all die lustigen Dinge zu tun, mit denen Aktionäre so einen Vorstand auf Trab halten können - dann ist hier die Gelegenheit. Geeignet natürlich auch für aufstrebende Konkurrenten und alle, die nochmal das irre Gefühl von New Economy Shares in ihren Händen spüren wollen.
Falls nun jamand Lust haben sollte, Aktien der börslich nicht gehandelten Falk AG zu erwerben und vielleicht mal so hübsche Dinge zu tun wie Vorstandsbeschlüsse anfechten, die Zahlen zu erfragen oder sonstwie all die lustigen Dinge zu tun, mit denen Aktionäre so einen Vorstand auf Trab halten können - dann ist hier die Gelegenheit. Geeignet natürlich auch für aufstrebende Konkurrenten und alle, die nochmal das irre Gefühl von New Economy Shares in ihren Händen spüren wollen.
donalphons, 00:16h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 22. Juli 2005
Scheiss des Jahres
Nach der New Economy, ab 2001, tropfelte jedes Jahr ein Bullshit-Thema durch die Medien, intern bei mir als "Scheiss des Jahres" bezeichnet. Also irgendein Sommerloch-Dreck, der was mit Bürgerbeteiligung, menschlichen Kontakten, Technik, Internet, Personalisierung zu tun hatte. Herausragende Beispiele waren:
Multiple Internet Radio Streams (Sollte UKW ablösen)
Personalised Content Refinement (gab´s auch in anderen Bezeichnungen, kommt gerade unter dem Label RSS wieder)
Flash Mobs (tatsächlich gab es sogar ein paar gescheiterte Startup-Typen, die das auch in Deutschland probiert haben)
Bluejacking/snarfing (hat sich ja mittlerweile als Fake erwiesen)
2004 gab es nichts dergleichen, aber dieses Jahr schlägt es um so heftiger ein. Gleich drei Schlagwörter verpesten die einschlägigen Zeitungen, die in zwei Jahren neue Trends haben und sich dann für diese drei Ideen, die nicht gekommen sind, schämen werden:
1. PR-Blogs - human approach 2 customers, jaja.
2. Podcasting - Lustiges neues Wort für eine etwas ältere Geschichte, nämlich etwas aufzuschreiben, in ein in der Regel mieses Mikrophon vorzulesen, zu schneiden, und als MP3 online zu stellen - statt dem Nutzer einfach den Text zum Selberlesen zu geben, und das soll, wenn es nicht gegen das Copyright verstösst, angeblich das Radio der Zukunft sein - na, ich weiss nicht.
3. Der Überbegriff Social Software - warum reden da besonders oft Leute drüber, die ich eher beim Bedienen asozialer Software vermuten würde?
Mediale Wortwegwerfprodukte, Hypes a la Mode, sinnlose Überbegriffe zur Vereinnahmung, Tr-e-nds, und immer auf den human touch achten. Was für die Bild der deutsche Schäferhund ist, der Bridget Bardot den Brustkrebs wegleckt, ist für diesen Hurnaille-Berater-Unternehmer-Quotescheiss-Cocktail die social Software, die mit Traumrenditen im Network die Fickanbahnung nach Ansicht von Flickr-Pics erleichtert und nebenbei noch den Paarungsort vom Werbepartner mit gefälschten Empfehlungen an den Mann bringt, während via RSS die hundert lustigsten MP3-Schmuddelwitze eintrudeln - user generated und kostenpflichtig, natürlich.
Multiple Internet Radio Streams (Sollte UKW ablösen)
Personalised Content Refinement (gab´s auch in anderen Bezeichnungen, kommt gerade unter dem Label RSS wieder)
Flash Mobs (tatsächlich gab es sogar ein paar gescheiterte Startup-Typen, die das auch in Deutschland probiert haben)
Bluejacking/snarfing (hat sich ja mittlerweile als Fake erwiesen)
2004 gab es nichts dergleichen, aber dieses Jahr schlägt es um so heftiger ein. Gleich drei Schlagwörter verpesten die einschlägigen Zeitungen, die in zwei Jahren neue Trends haben und sich dann für diese drei Ideen, die nicht gekommen sind, schämen werden:
1. PR-Blogs - human approach 2 customers, jaja.
2. Podcasting - Lustiges neues Wort für eine etwas ältere Geschichte, nämlich etwas aufzuschreiben, in ein in der Regel mieses Mikrophon vorzulesen, zu schneiden, und als MP3 online zu stellen - statt dem Nutzer einfach den Text zum Selberlesen zu geben, und das soll, wenn es nicht gegen das Copyright verstösst, angeblich das Radio der Zukunft sein - na, ich weiss nicht.
3. Der Überbegriff Social Software - warum reden da besonders oft Leute drüber, die ich eher beim Bedienen asozialer Software vermuten würde?
Mediale Wortwegwerfprodukte, Hypes a la Mode, sinnlose Überbegriffe zur Vereinnahmung, Tr-e-nds, und immer auf den human touch achten. Was für die Bild der deutsche Schäferhund ist, der Bridget Bardot den Brustkrebs wegleckt, ist für diesen Hurnaille-Berater-Unternehmer-Quotescheiss-Cocktail die social Software, die mit Traumrenditen im Network die Fickanbahnung nach Ansicht von Flickr-Pics erleichtert und nebenbei noch den Paarungsort vom Werbepartner mit gefälschten Empfehlungen an den Mann bringt, während via RSS die hundert lustigsten MP3-Schmuddelwitze eintrudeln - user generated und kostenpflichtig, natürlich.
donalphons, 00:37h
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Dramatischer Himmel
zu lahmen Reden alter, tattriger Männer voller bedeutungsloser Schwafeleien, bei denen sie sich ganz toll fühlen.

Kann man das Ganze nicht irgendwie staatsoberenthaupten?

Kann man das Ganze nicht irgendwie staatsoberenthaupten?
donalphons, 23:08h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Mittwoch, 20. Juli 2005
Baut endlich die Spree aus!
Da kommen nämlich bald viele viele stinkende, aufgequollene Kadaver aus der Springerschen Möchtegern-Blogosphäre angeschwommen. Die spannende Frage ist: Werden sie schon tot sein, wenn Springer die Mopo-Welt wegen der dauernden Verlust endlich ersäuft, oder geht das alles zusammen Richtung Fische?
Und am Isarstrand und anderswo wird ein kleiner Blogberater flennen, weil er an der Katastrophe nicht mitverdienen konnte.
Und am Isarstrand und anderswo wird ein kleiner Blogberater flennen, weil er an der Katastrophe nicht mitverdienen konnte.
donalphons, 22:10h
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Wie soll das bitte gehen?
Die Merkel sol jetzt ihre ostdeutsche Identität im Osten mehr in den Vordergrund stellen? Ich habe ja so einige Touren in den Osten hinter mir, und zwar genau dort, wo der Osten so richtig hart ist, mit 15 kaputten Betrieben nebeneinander, 50% Einwohnerverlust, und wer jung ist und nicht wegzieht, fährt in denm Wald und macht dort komische Spielchen in selbstgefertigter schwarzbrauner Uniform, bevor es am Abend in die Stadt geht, um jemanden fertig zu machen.
Natürlich sieht die Merkel so hübsch aus wie ein einstürzender Plattenbau in Rostock, natürlich ist sie noch immer nicht in der Lage, ihren Dialekt so abzustellen, als dass nicht ein paar gequält kieksenden Ostrestgeräusche in ihrem Singsang bleiben würde. Aber ich habe da drüben kaum jemand getroffen, der etwas von der Merkel gehalten hat, mit Ausnahme ihrer Parteikollegen, die sogar versprachen, dass die Merkel die Sache mit den Nazis in den Griff kriegen würde, weil dann weniger Ausländer da wären.

Die Merkel ist nichts anderes als ein wenig attraktives PinUp an einer Partei, die im Osten wahlweise als Blockpartei und damit auch nicht anders als die PDSSEDLinke wahrgenommen wird, oder die Gallionsfigur eines Seeräuberschiffs, das ihnen nochmal was weg nimmt, nachdem ihnen laut Bauchgefühl schon so viel weggenommen wurde. Die Merkel ist schon lang keine mehr von denen, ganz im Gegensatz zu den PDS-Zellen. In Wittenberg, in Greifswald, in der Provinz muss man nur mal an die Zeitungsstände schauen: Oben ist ziemlich oft das Neue Deutschland.
Aber die CDU-Blockflöten und andere Pfeifen wollen auf keinen Fall ihren Plan der klaren Botschaften aufgeben, und deshalb werden sie auf das Gesicht von Merkel setzen, egal wie unschön und verzweifelt diese Idee sein muss. Und wenn es dann nicht geklappt hat, müssen sie doch mal anfangen, in die unklaren Details zu gehen - Mehrwertsteuer, Pendlerpauschale, Abschaffung von ABM-Massnahmen. Das sollen die da drüben mal vermitteln gegen eine PDS, die der Osten ist und das will, was dem Bauchgefühl des Ostens entspricht.
Natürlich sieht die Merkel so hübsch aus wie ein einstürzender Plattenbau in Rostock, natürlich ist sie noch immer nicht in der Lage, ihren Dialekt so abzustellen, als dass nicht ein paar gequält kieksenden Ostrestgeräusche in ihrem Singsang bleiben würde. Aber ich habe da drüben kaum jemand getroffen, der etwas von der Merkel gehalten hat, mit Ausnahme ihrer Parteikollegen, die sogar versprachen, dass die Merkel die Sache mit den Nazis in den Griff kriegen würde, weil dann weniger Ausländer da wären.

Die Merkel ist nichts anderes als ein wenig attraktives PinUp an einer Partei, die im Osten wahlweise als Blockpartei und damit auch nicht anders als die PDSSEDLinke wahrgenommen wird, oder die Gallionsfigur eines Seeräuberschiffs, das ihnen nochmal was weg nimmt, nachdem ihnen laut Bauchgefühl schon so viel weggenommen wurde. Die Merkel ist schon lang keine mehr von denen, ganz im Gegensatz zu den PDS-Zellen. In Wittenberg, in Greifswald, in der Provinz muss man nur mal an die Zeitungsstände schauen: Oben ist ziemlich oft das Neue Deutschland.
Aber die CDU-Blockflöten und andere Pfeifen wollen auf keinen Fall ihren Plan der klaren Botschaften aufgeben, und deshalb werden sie auf das Gesicht von Merkel setzen, egal wie unschön und verzweifelt diese Idee sein muss. Und wenn es dann nicht geklappt hat, müssen sie doch mal anfangen, in die unklaren Details zu gehen - Mehrwertsteuer, Pendlerpauschale, Abschaffung von ABM-Massnahmen. Das sollen die da drüben mal vermitteln gegen eine PDS, die der Osten ist und das will, was dem Bauchgefühl des Ostens entspricht.
donalphons, 21:56h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 19. Juli 2005
EM.TV: Kröten statt Kermit schlucken
Oha, angesichts dieser Entscheidung würde ich als EM.TV-Manager ganz schnell die Barschaft irgendwo gut verstecken und schon mal die Rechte an den Unternehmensrand verlagern, denn wenn das Bestand hat, wird es richtig teuer. Auch andere könnten dann Probleme bekommen, wenn Ad Hoc Faälschungen nicht mehr als kleine PR-Panne gewertet werden.
donalphons, 23:38h
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Real Life 18.07.2005 - Feigling
Vorne erklärt die Nachlassrichterin etwas Komplexes, weiter hinten, zwei Stühle weiter, erheischt er deine Aufmerksamkeit und tippt auf seine Finger, wo, für sein fortgeschrittenes Alter doch etwas heftig, in etwa so viele Ringe stecken wie an einem kolumbianischen Drogenbaron. Du verstehst gar nichts und zuckst mit den Schultern.
Er wiederholt die Geste, tippt gezielt auf einen Ring, und du wunderst dich, ob er dir vielleicht einen schenken will. Was du als gut erzogener Sprössling natürlich ablehnen würdest; mögen sie auch alt und bedeutungsgeladen sein, dein Ding sind diese Klunker nicht. Also schüttelst du begriffstutzig den Kopf... "Und wer war jetzt nochmal die Tochter von der zweiten Frau des Grossvaters mütterlicherseits, und hatte die Kinder?" - schwierig, alles.
Tipptipp auf deiner Schulter, er beugt sich rüber, deutet nochmal auf seinen Ring und dann auf deine Hand, wo nichts dergleichen ist, und fragt direkt: "Noch immer kein Ring?" - Und dann verstehst du, er meint, dass es Zeit ist zu heiraten; zumindest nach seiner Ideologie.
Nein, sagst du und schüttelst energisch den Kopf, echt nicht. Er pustet einmal auf, schaut auf seine Ringe und dreht an ihnen rum, nicht wirklich begeistert, denn es passt nicht zur vorgezeichneten Vita des Oberlandes. Wahrscheinlich würde er dir dann auch einen Ring schenken. Er schaut etwas traurig hoch, lächelt böse und sagt: "Feigling."
Du grinst, obwohl dir nicht danach ist. Lang und Breit. Er verzieht die Mundwinkel. Und mit dieser sauren Note geht für ihn und alle der grosse Oberländer Erbschaftskrieg zu Ende, vorne wird die Aufteilung verkündet. Blut fliesst zusammen, sagt man hier, alles bleibt im Clan, und es bleibt ihm wenigstens die Hoffnung, dass, wenn es einmal bei mir so weit ist, die Reste meines Vermögens dann an seine Nachfahren fallen wird. Wenn noch was übrig sein sollte. Oder seine Nachfahren nicht auch zu feige sind, sich ein Leben lang an ein und die selbe Person zu ketten und Nachkommen zu zeugen, die dann auch seine Ringe tragen werden.

Und dann geht es über die Hügel, vorbei an glücklichen Kühen und den einen oder anderen kreuzkatholischen, unglücklichen Wannabe-Erbschleicher zurück in die heimische Provinz. Es ist eine schöne Gegend hier, das tröstet.
Er wiederholt die Geste, tippt gezielt auf einen Ring, und du wunderst dich, ob er dir vielleicht einen schenken will. Was du als gut erzogener Sprössling natürlich ablehnen würdest; mögen sie auch alt und bedeutungsgeladen sein, dein Ding sind diese Klunker nicht. Also schüttelst du begriffstutzig den Kopf... "Und wer war jetzt nochmal die Tochter von der zweiten Frau des Grossvaters mütterlicherseits, und hatte die Kinder?" - schwierig, alles.
Tipptipp auf deiner Schulter, er beugt sich rüber, deutet nochmal auf seinen Ring und dann auf deine Hand, wo nichts dergleichen ist, und fragt direkt: "Noch immer kein Ring?" - Und dann verstehst du, er meint, dass es Zeit ist zu heiraten; zumindest nach seiner Ideologie.
Nein, sagst du und schüttelst energisch den Kopf, echt nicht. Er pustet einmal auf, schaut auf seine Ringe und dreht an ihnen rum, nicht wirklich begeistert, denn es passt nicht zur vorgezeichneten Vita des Oberlandes. Wahrscheinlich würde er dir dann auch einen Ring schenken. Er schaut etwas traurig hoch, lächelt böse und sagt: "Feigling."
Du grinst, obwohl dir nicht danach ist. Lang und Breit. Er verzieht die Mundwinkel. Und mit dieser sauren Note geht für ihn und alle der grosse Oberländer Erbschaftskrieg zu Ende, vorne wird die Aufteilung verkündet. Blut fliesst zusammen, sagt man hier, alles bleibt im Clan, und es bleibt ihm wenigstens die Hoffnung, dass, wenn es einmal bei mir so weit ist, die Reste meines Vermögens dann an seine Nachfahren fallen wird. Wenn noch was übrig sein sollte. Oder seine Nachfahren nicht auch zu feige sind, sich ein Leben lang an ein und die selbe Person zu ketten und Nachkommen zu zeugen, die dann auch seine Ringe tragen werden.

Und dann geht es über die Hügel, vorbei an glücklichen Kühen und den einen oder anderen kreuzkatholischen, unglücklichen Wannabe-Erbschleicher zurück in die heimische Provinz. Es ist eine schöne Gegend hier, das tröstet.
donalphons, 23:14h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 19. Juli 2005
Sehr zu empfehlen - Hängt ihn höher!
Es war an einem verregneten Freitag Nachmittag in Berlin - so verregnet, wie Freitag Nachmittage in Berlin nun mal meistens sind. Meine kleine Schwester war gerade dem verspäteten Flugzeug aus München entstiegen und ärgerte sich, dass ihr die terroristische Gefahrenlage zwei Stunden wertvolle Shopping Time gekostet hatte. Wir fuhren zu einem grossen Nachlassgeschäft in Schöneberg, die Stimmung war nicht die Beste, und ich nahm mir vor, sie zu enterben, wenn es das ganze Wochenende so bleiben sollte. Ich bin hart im Nehmen, was Katastrophen angeht, aber Berlin und eine schlecht gelaunte kleine Schwester und Regen und jeden Tag 8 Stunden Shopping und dabei noch Chauffeur und Möbelschlepper und Spedition sein, das kann dem abgebrühtesten Theatinerstrassen Shoppingtoursurvivor die Laune verderben. Und wehe, sie kauft etwas, das ihr dann nachher nicht gefällt - dann versucht sie, es mir anzudrehen und sich im Gegenzug meines Strahlenspiegels zu bemächtigen... (hat sie dann einen Trip später tatsächlich getan)
In Schöneberg angekommen, rauschte sie in den Laden, während ich einen Parkplatz suchte. Das Ganze erwies sich letztlich als Glück, denn sie donnerte an den draussen abgestellten Lockvogelangeboten vorbei - der Trödel mit den 5-Euro-Preisen, der die Schnäppchenjäger anlockt, um ihnen dann drinnen mit mässigen Mingvasen das bayerische Fell über die Münchner Ohren zu ziehen. Mit so etwas hält sich meine kleine Schwester erst gar nicht auf. Ich schon - ich schaue mir aus Prinzip alles an. Kulturhistoriker gehen an einen Befund nun mal anders ran als Architectural Digest Leser.
Und da stand dieser Prunkspiegel, riesig, ein Monster, für sich betrachtet in jeder Hinsicht zu viel: Zu viel Ornament, zu viel Gold, zu viel übermalt, zu viele Schäden im unteren Bereich. Und, beim ersten Anheben, höllisch schwer. 30 Kilo, Vollholz, hinten mit 1 cm dicken Bohlen abgenagelt, und die Nägel erst... quadratische Köpfe, handgeschmiedet. Auch wenn der Spiegel im ersten Moment aussah wie frisch aus einem Bordell für russische Mafiosi, war er doch mindestens 100 Jahre alt. Nicht Rokoko, aber Wiener Barock, sprich 1860 bis 1880. Kein Fabrikspiegel, sondern eine massive Schreinerarbeit. Und eine Spiegelplatte so dick wie Panzerglas.
Rechts oben über meinem Trommelfell hörte ich dann ein Knirschen - die Rädchen des Gierzentrums in meinem Gehirn drehten sich in den roten Bereich. So verdammt gross, so schwer, wo soll der nur hin und wo passt das, er ist ja fast schon geschmacklos und zumindest an der Kippe, und was wird meine kleine Schwester sagen, wenn der Wagen schon nach der ersten Station voll ist und wir nochmal zurück in den Wedding müssen - wie gesagt, der Spiegel ist verdammt gross.
Ich schlos mit mir eine kleine Wette ab - wenn meine kleine Schwester eine bestimmte, gnadenlos überteuerte Vase Modell "Bayernfellabzieher" kaufen würde, dann würde ich den Spiegel nehmen, weil ein Platzerl findet sich ja immer, und für 10 Euro... da ist wirklich nichts verloren. Die Wette mit mir habe ich prompt verloren, aber weil ich nun mal auch mich selbst gern betrüge, kaufte ich ihn im letzten Moment doch noch, und handelte mir zusätzlich 10 Minuten Vorwürfe meiner kleinen Schwester ein - scheusslich, abartig, grässlich, ich hätte keinen Sinn für Qualität und wo soll sie jetzt ihre Käufe hintun - angehört. Draussen gingen Schauer nieder, ich verschloss meinen Geist und ging die Wände meines zu restaurierenden Zimmers durch, wo man dieses Monster von einem Spiegel wohl hängen könnte. So phätt, und der Raum ist so klein...
Heute morgen habe ich ausprobiert, wie er an einer Stelle symmetrisch zur Tür passt. Und was soll ich sagen:

Er hätte fast noch etwas grösser sein dürfen. Ich würde mich heute schwarz wie Merkel ärgern, wenn ich ihn damals nicht gekauft hätte. Im Licht da oben kommt das Gold ganz ordentlich, und die Schäden lasse ich so. Ich mag diese Dinge mit kleinen Macken. Und ich hasse es, wenn Antiquitäten wie neu aussehen.
Ich habe mir früher überlegt, ob ich den Raum überhaupt restaurieren soll. Die erste Idee war, die sieben verschiedenen Tapeten da abzureissen, wo sie lose sind, nur den Fussboden zu schleifen, und dann in den Verfall exquisite Möbel zu stellen. Der Frust begann beim ersten Handgriff in dem Mauerrücksprung zwischen Tür und Spiegel, wo früher ein Ölofen stand. Aus dem Kamin kam braunes Wasser, hinter der Abdeckung war alles verrostet. Das wäre trotzdem kein Problem gewesen, denn der Rücksprung wird später ein natürliches Bücherregal. Die Katastrophe kam im Anschluss: Leider hat man in den 50er Jahren die Wände mit ekelhaftem Heraklit - Platten aus gepresstem und geteerten Stroh - verkleidet und miserabel verputzt. Es kam sowieso Tapete drüber, dafür hat es gereicht. Wo heute die Tapete fehlt, bröckelt der Putz unaufhörlich, und dahinter kommen die schwarzen Fasern zum Vorschein, und entlang der Heraktitplatten enstehen gerade, horizontale Risse - Verfall in seiner hässlichsten Variante. Es gab andererseits keine Möglichkeit, das Heraklit zu entfernen. So sieht das aus der Nähe aus.

Das ist der Fluch und der Segen von alten Häusern: Man hat viele Möglichkeiten, es gibt so gut wie nichts, was man unter Bewahrung der Bausubstanz nicht damit tun könnte. Es ist unendlich viel mehr als das banale Möbelrücken, das Einrichten von modernen Häusern ist. Man kann seine Vorlagen aus Jahrhunderten der Stilgeschichte auswählen und mischen, nichts wirkt darin peinlich oder falsch, sogar so ein riesiger Prunkspiegel geht in einem kleinen Raum. Anything goes, ausser vielleicht gerade Wände, Feng Shui, Ikea, Schlichtheit und Laminatfussböden. Solche Räume brauchen etwas Prunk, um zu leben, wie die fidele Tante in ihrem alten SL-Mercedes ein Glas Sekt braucht, um auf Touren zu kommen. Aber, und das ist das Verhängnis: Man muss sich entscheiden. Eine Variante zu nehmen bedeutet, andere Varianten auszuschliessen.
Mit dem aktuellen Konzept mit Wandbespannung bin ich auf der sicheren Seite. Stoff drauf, festnageln, Stuck an die Decke, Möbel, Perser auf den Boden, Kronleuchter aufmachen und den Spiegel noch mal 7 Zentimeter höher, fertig. Kein Experiment, kein Wagemut, kein bisschen exzentrisch nach den Kriterien, die an derartige Projekte angelegt werden. Just another Hochglanzraum. Der Verfall, die wahre Geschichte dahinter wird ausgeblendet, und erst in 150 oder 200 Jahren, wenn der Stoff zu verschlissen ist, wird irgendjemand dahinterschauen und die Möglichkeit haben, auf die ich diesmal verzichte. Die Tapeten lasse ich für diese Person so. Viel Spass damit, wer immer er auch sein mag.
In Schöneberg angekommen, rauschte sie in den Laden, während ich einen Parkplatz suchte. Das Ganze erwies sich letztlich als Glück, denn sie donnerte an den draussen abgestellten Lockvogelangeboten vorbei - der Trödel mit den 5-Euro-Preisen, der die Schnäppchenjäger anlockt, um ihnen dann drinnen mit mässigen Mingvasen das bayerische Fell über die Münchner Ohren zu ziehen. Mit so etwas hält sich meine kleine Schwester erst gar nicht auf. Ich schon - ich schaue mir aus Prinzip alles an. Kulturhistoriker gehen an einen Befund nun mal anders ran als Architectural Digest Leser.
Und da stand dieser Prunkspiegel, riesig, ein Monster, für sich betrachtet in jeder Hinsicht zu viel: Zu viel Ornament, zu viel Gold, zu viel übermalt, zu viele Schäden im unteren Bereich. Und, beim ersten Anheben, höllisch schwer. 30 Kilo, Vollholz, hinten mit 1 cm dicken Bohlen abgenagelt, und die Nägel erst... quadratische Köpfe, handgeschmiedet. Auch wenn der Spiegel im ersten Moment aussah wie frisch aus einem Bordell für russische Mafiosi, war er doch mindestens 100 Jahre alt. Nicht Rokoko, aber Wiener Barock, sprich 1860 bis 1880. Kein Fabrikspiegel, sondern eine massive Schreinerarbeit. Und eine Spiegelplatte so dick wie Panzerglas.
Rechts oben über meinem Trommelfell hörte ich dann ein Knirschen - die Rädchen des Gierzentrums in meinem Gehirn drehten sich in den roten Bereich. So verdammt gross, so schwer, wo soll der nur hin und wo passt das, er ist ja fast schon geschmacklos und zumindest an der Kippe, und was wird meine kleine Schwester sagen, wenn der Wagen schon nach der ersten Station voll ist und wir nochmal zurück in den Wedding müssen - wie gesagt, der Spiegel ist verdammt gross.
Ich schlos mit mir eine kleine Wette ab - wenn meine kleine Schwester eine bestimmte, gnadenlos überteuerte Vase Modell "Bayernfellabzieher" kaufen würde, dann würde ich den Spiegel nehmen, weil ein Platzerl findet sich ja immer, und für 10 Euro... da ist wirklich nichts verloren. Die Wette mit mir habe ich prompt verloren, aber weil ich nun mal auch mich selbst gern betrüge, kaufte ich ihn im letzten Moment doch noch, und handelte mir zusätzlich 10 Minuten Vorwürfe meiner kleinen Schwester ein - scheusslich, abartig, grässlich, ich hätte keinen Sinn für Qualität und wo soll sie jetzt ihre Käufe hintun - angehört. Draussen gingen Schauer nieder, ich verschloss meinen Geist und ging die Wände meines zu restaurierenden Zimmers durch, wo man dieses Monster von einem Spiegel wohl hängen könnte. So phätt, und der Raum ist so klein...
Heute morgen habe ich ausprobiert, wie er an einer Stelle symmetrisch zur Tür passt. Und was soll ich sagen:

Er hätte fast noch etwas grösser sein dürfen. Ich würde mich heute schwarz wie Merkel ärgern, wenn ich ihn damals nicht gekauft hätte. Im Licht da oben kommt das Gold ganz ordentlich, und die Schäden lasse ich so. Ich mag diese Dinge mit kleinen Macken. Und ich hasse es, wenn Antiquitäten wie neu aussehen.
Ich habe mir früher überlegt, ob ich den Raum überhaupt restaurieren soll. Die erste Idee war, die sieben verschiedenen Tapeten da abzureissen, wo sie lose sind, nur den Fussboden zu schleifen, und dann in den Verfall exquisite Möbel zu stellen. Der Frust begann beim ersten Handgriff in dem Mauerrücksprung zwischen Tür und Spiegel, wo früher ein Ölofen stand. Aus dem Kamin kam braunes Wasser, hinter der Abdeckung war alles verrostet. Das wäre trotzdem kein Problem gewesen, denn der Rücksprung wird später ein natürliches Bücherregal. Die Katastrophe kam im Anschluss: Leider hat man in den 50er Jahren die Wände mit ekelhaftem Heraklit - Platten aus gepresstem und geteerten Stroh - verkleidet und miserabel verputzt. Es kam sowieso Tapete drüber, dafür hat es gereicht. Wo heute die Tapete fehlt, bröckelt der Putz unaufhörlich, und dahinter kommen die schwarzen Fasern zum Vorschein, und entlang der Heraktitplatten enstehen gerade, horizontale Risse - Verfall in seiner hässlichsten Variante. Es gab andererseits keine Möglichkeit, das Heraklit zu entfernen. So sieht das aus der Nähe aus.

Das ist der Fluch und der Segen von alten Häusern: Man hat viele Möglichkeiten, es gibt so gut wie nichts, was man unter Bewahrung der Bausubstanz nicht damit tun könnte. Es ist unendlich viel mehr als das banale Möbelrücken, das Einrichten von modernen Häusern ist. Man kann seine Vorlagen aus Jahrhunderten der Stilgeschichte auswählen und mischen, nichts wirkt darin peinlich oder falsch, sogar so ein riesiger Prunkspiegel geht in einem kleinen Raum. Anything goes, ausser vielleicht gerade Wände, Feng Shui, Ikea, Schlichtheit und Laminatfussböden. Solche Räume brauchen etwas Prunk, um zu leben, wie die fidele Tante in ihrem alten SL-Mercedes ein Glas Sekt braucht, um auf Touren zu kommen. Aber, und das ist das Verhängnis: Man muss sich entscheiden. Eine Variante zu nehmen bedeutet, andere Varianten auszuschliessen.
Mit dem aktuellen Konzept mit Wandbespannung bin ich auf der sicheren Seite. Stoff drauf, festnageln, Stuck an die Decke, Möbel, Perser auf den Boden, Kronleuchter aufmachen und den Spiegel noch mal 7 Zentimeter höher, fertig. Kein Experiment, kein Wagemut, kein bisschen exzentrisch nach den Kriterien, die an derartige Projekte angelegt werden. Just another Hochglanzraum. Der Verfall, die wahre Geschichte dahinter wird ausgeblendet, und erst in 150 oder 200 Jahren, wenn der Stoff zu verschlissen ist, wird irgendjemand dahinterschauen und die Möglichkeit haben, auf die ich diesmal verzichte. Die Tapeten lasse ich für diese Person so. Viel Spass damit, wer immer er auch sein mag.
donalphons, 00:04h
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Egoquote des Tages
"Journalistenblogger sind publizistische Rollstuhltänzer."
Nicht pc, na und. Getätigt von mir nach Ansicht der Tagesspiegel-Blogs.
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donalphons, 02:35h
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