: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Mittwoch, 8. November 2006

Antiquariat Hans Hammerstein, Türkenstrase 37

Das klassische Antiquariat in Schwabing hat ziemlich harte Zeiten hinter sich. Der Fluch sind die Unmengen von Bücher, die Verlage raushauen und die kein Jahr später dann für kleinstes Gld verkloppt werden, so wie gerade bei 2001 die vorzügliche, jüdische Entstehungsgeschichte Hollywoods "Ein eigenes Reich" - 6 Euro statt 25, noch so ein hochgelobter amerikanischer Bestseller, der hierzulande das Schicksal von T. C. Boyle und anderen teilt. Aber wenn es ladenneue Bücher für weniger als die Hälfte des Preises gibt, wie sollen dann Antiquariate überstehen, die ganze Bibliotheken einer langsam wegsterbenden Generation von Nachkriegsprofessoren ankaufen? Und wer will in Zeiten fetter, schlecht geschriebener Taschen-Weltbild-Bände noch alte Bücher mit Schwarzweiss-Bildern und fussnotentriefenden Seiten?

Nun, solange es mich gibt, gibt es dafür eine Antwort: Ich! Eine Bibliothek lebt vom Nebeneinander von sorgsam gepflegten Antiken, heissgeliebten und vergilbten Brechtausgaben und neuester Fachliteratur sowie den eigenen Werken, und der stete Zustrom an neuesten Druckerzeugnissen muss dirch Nachschub ausgefallener Altbücher kompensiert werden. Bücher, von denen man nicht mal ahnte, dass es sie gibt, bevor man sie in Händen hielt. Dazu braucht es die verbliebenen und neu gegründeten Antiquariate in Schwabing. Und das Antiquariat Hans Hammerstein in der Türkenstrasse 37 ist einer der ersten Läden, die ich quasi als Verlängerung meiner eigenen Bibliothek definierte, und den beim Umweg zum Bäcker aufzusuchen mir stets eine Freude und Verpflichtung war.



Allein schon die Bananekisten vor der Tür. Ich liebe diese Bananenkisten. Mit denen hat es seine eigene Bewandtnis. Um die Ecke ist das grosse Fachbuch-Antiquariat Kitzinger, und die kaufen ganze Bibliotheken. Natürlich ist da auch Belletristik und anderes dabei, und manchmal schiebt ein Mitarbeiter vom Kitzinger mit einer Sackkarre ein paar dieser Bananenkisten hinüber zu Hammerstein. Sehr häufig gefüllt mit alten Ausgaben des Simplizissimus, der Jugend und anderer Reste des einst solz verlotterten Künstlerbezirks Schwabing, auf die man sich hinter der grön gestrichenen Fassade spezialisiert hat. Drinnen stehen dann die Bücher hoch bis zur Decke dicht an dicht und liegen in der Mitte auf einem Tisch. Hier vorne aber, bei den Bananenkisten, lauert die Verderbnis für die standhaften Herzen, die sich jeden Tag vornehmen, nicht wieder zu fallen und dann doch wieder laut schlagen, wenn Frisches zu finden ist. Die Abhängigen, die hier verkehren, kennen das aktuelle Angebot schon von Weitem, und harren der Nachfüllung; besondere Gierschlünder wissen schon, wan die Stühle mit den Kisten rausgestellt werden und liegen auf der Lauer.

Ich gestehe! Ich war einer von jenen! Und das alte Gefühl war immer noch da, gestern, als ich dort zwei alte Gallimard-Ausgaben von Andre Gide aus den 50r Jahren fand, darunter auch die heissgeliebten Verliesse des Vatikans, in hellbraunem Karton und dem alten Preis 525 Franc auf dem Rücken, und dazu noch Kants Kritik der reinen Vernunft. Ich mag Kant bekanntlich nicht besonders und setzte deshalb seinem Vernunftbegriff die unvernünftige Handlung entgegen, mir jetzt das vierte Exemplar, in weinrotem Leder mit Goldschnitt in der von Thomas Mann besorgten Jahrhundertausgabe von Th. Knaur - das war ein Verlag in den 20er Jahren! alle Achtung! - zu beschaffen. Drinnen ist alles wie immer, es gibt auch Nachwuchs, der weiter machen wird, und so sei es hier nachwachsenden Studenten empfohlen, Hammerstein in die Liste der Hoflieferanten aufzunehmen.

Lest mehr Bücher! Und löscht die elenden Datenfallen der persönlichen Profile bei StudiVZ!

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Ehssan Dariani ist kein Journalist

Wäre Ehssan Dariani oder seine Mitgründer des Studentendatenbergwerks StudiVZ Dennis Bemmann und Michael Brehm Journalisten, dann hätten sie vermutlich schon begriffen, was hier gespielt wird. Hier wird die unschöne Wahrheit über StudiVZ ans Tageslicht gezerrt. Jeden Tag ein Stück. Und wenn sie Löcher flicken, bin ich schon wieder einen Schritt weiter. Mindestens. Und nie dort, wo sie mich vermuten. Gestern war ich in Frankreich, und die Flasche Chateau Spam gibt´s an der Blogbar über die Rübe.

Und ja, ich bin sauer. Weil ich schon wieder mehr weiss.

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Mittwoch, 8. November 2006

Real Life 06.11.06 - Badespass mit Iris

Und morgen bin ich - sie hält inne, beugt sich ganz weit vor über den kleinen Bistrotisch, schaut dir tief in Augen und sagt: Schau jetzt bloss nicht raus. Aus den Augenwinkeln erahnst du, dass er es sein muss, der im Auto sitzt, das am Fenster des Cafes vorbeirollt, ganz langsam, abbremst, stehen bleibt exakt auf ihrer Höhe, und ein paar Schülern im Ghettostil vorbei lässt, die Art, die sich mit Bitch und Macker und Alder anreden und fast echt klingen, auch wenn sie daheim von einer zielstrebigen Mama dann an die Hausaufgaben gezwungen werden. Er ist es, er macht das nicht zufällig, hupen würde er natürlich nicht, aber er lässt sich wirklich alle Zeit.

Du beugst dich also auch vor, schenkst Iris ein feuchtes Lächeln, dessen Schlüpfrigkeit die auch noch die Windschutzscheibe vor ihm beschlagen muss, und machst Plüschaugen. Zum Aufwischen. Draussen setzt sich der Wagen wieder in Bewegung und rollt um die Ecke. Iris lässt sich aus dem Bannkreis deines Charmes zurückfallen, gibt ein kindisches Brrrr von sich, und du versuchst dir vorzustellen, wie das zwischen den beiden im Bett gewesen sein muss. Brrrr, fürwahr.

Dann ruft sie die Bedienung, ein richtiger Witwentröster, gibt ihm auffällig viel Trinkgeld und muss sich dann doch von Dir in den Mantel helfen lassen, denn dazu reicht es bei dem Seckl bei aller Zuwendung dann doch nicht. Du wirfst ein paar sinnlose Komplimente in den Abgrund ihrer schlechten Laune, hörst in sie hinein, wie man in einen Burgbrunnen hineinhört, um das Aufklatschen eines Steins zu erlauschen, aber nur eisige Stille klirrt tonlos in ihrem Inneren.

Du plauderst irgendetwas Belangloses, als ihr in die Fussgängerzone kommt, sie schweigt mehrheitlich, interessiert sich kaum für die vollgestopften Auslagen und schon gar nicht für den sie umgebenden Menschenbrei, sie kann das stunden- und tagelang, wenn es sein muss, und wenn du ehrlich bist, freut es dich ein etwas, dass er solche Zeiten am Ende über Monate hinweg erdulden musste. Der gewonnene Scheidungskrieg, der ihm das viel zu grosse Haus gelassen hat, inclusive auf immer leer bleibender Kinderzimmer, ist da nur ein schwacher Trost. Da, sagt Iris und deutet auf ein Geschäft mit Geschenkwaren billiger Natur. Da gehen wir jetzt rein und kaufen etwas furchtbar Geschmackloses für meine Ex-Schwägerin, kleben irgendeinen Sticker aus München dran, die merkt das gar nicht.

Drinnen ist es so, wie es nun mal in Läden ist, die Badeschaum in Konfettiform verkaufen, Lipgloss mit Glitter und Kerzenhalter mit goldenen Plastikengerln. Solche Geschäfte ziehen Frauen magisch an und verwandeln Männer in verlegenere Trottel, als es ein reizwäschegeschäft je vermögen würde. Dort können sie wenigstens Haut sehen, hier jedoch sehen sie die lediglich die Staubfänger eines Lebens im Konsumabfall, und zumindest ahnen sie, dass hier etwas fundamental falsch läuft in ihrem Leben.

So ein Kristallherzerl am Kropfbanderl, wie wäre es damit? fragt Iris und hebt ein billigen Samtband mit Klunker hoch. Prima, meinst du, ich habe daheim noch irgendwo eine Schachtel von Swarowski. Oder so eine lackierte Kiste aus China, die ist sicher wahnsinnig gesundheitsschädlich, vielleicht mit Blei oder Cyanid, oder? Wie das schon riecht, bäh. Als Brotkorb, der fehlt ihr noch, denkt Iris laut nach. Oder so ein Set billiger japanisch anmutender Messer mit Holzimitatgriff. Einzeln verpackt und mit der Legende versehen, dass du die koreanischen Geschäftspartner deiner Haifische gebeten hast, dir diese edlen Schneidwerkzeuge mitzubringen. Oder eine von diesen Konsolen da hinten. Und dazu eine Hummelfigur, damit die Schnalle das Ding mitten an ihre sepiafarbende Toskanawand dübeln muss, pflichtest du bei, und dann löst sich der Groschen von der Kante Deines Grosshirns, kullert die Abänge Deiner Seele hinunter und kommt auf dem habgierigen Stammhirn zu liegen. Konsolen? Stuckkonsolen? Darf ich mal, drängelst du reichlich unfein Iris beiseite.

Ein ganzer Berg Konsolen. Korinthisch, ionisch und dorisch, mit Akanthusblättern, Voluten und Kaneluren, ungewöhnlich gross und wie von Robert Adams Reissbrett. Konsolen also, wie sie sonst schnell 40 Euro und mehr kosten, hier für läppische 2, 3 Euro das Stück, und während du auf Anhieb weisst, wo du mindestens sechs Stück verbraten kannst, wird Iris etwas unruhig. So war das nicht geplant, wahrscheinlich beginnt sie sich gerade vor den Lipglossmädchen zu schämen, ob ihres Begleiters.

Don, das ist nicht dein Ernst, oder? will sie wissen, und du versuchst ihr nahe zu bringen, wie wunderbar das ist, diese Konsolen lösen gleich mehrere Probleme om Badm nämlich den Ort und die Höhe für Kerzenhalter; wenn sich denn mal eine Frau darin verirren sollte, dann gibt es die richtige Beleuchtung, ach das wird eine Freude. Iris steht fassungslos mir dir an der Kasse, so war das nicht gedacht, und über den Kaufrausch vergisst sie dann auch noch das Kropfband mit dem Kristallherz.

Du aber schleppst schwer gefüllte Tüten in krachigem Gelb nach Hause, und während Iris, immer noch von leichtem Abscheu ergriffen, Tee trinkt und in Rousseaus Lettres de la Montagne (Amsterdam 1764) blättert, knallst du die Konsolen an die Badwand neben den grossen Spiegel - Iris?



Hm, äusser sie sich nicht ohne Misstrauen. Also... Ja? Also, ich könnte mir sowas wirklich nicht kaufen, ohne mich zu schämen... allein schon der Gedanke, etwas aus diesem Laden zu holen... Mhm. Also, kannst du mir welche mitbringen, und das mit dem Hinmachen? Wie geht das? Ah, mit Nägeln, nein, das kann ich nicht, das musst sowieso du dann auch machen. Hält das denn wirklich mit Nägeln? Bist du dir sicher?

Und du erzählst ihr die lange Geschichte, als du einmal, ebenfalls mit Nägel, deiner kleinen Schwester eine Konsole mitsamt schwerer Bronzetänzerin an die Wand gemacht hat, und sie dann einen ganzen Abend davor sass und Angst hatte, es würde nicht halten. Natürlich hat es gehalten, die Angst war vollkommen umsonst - so umsonst wie übrigens auch deine vage, leise Hoffnung, Iris würde sich die Geschichte vielleicht in der gefüllten Wanne anhören wollen, von dir aus auch mit Schaumdecke. Wenn es denn sein müsste. Aber

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Party like it´s 1999

Oh Mann. Deutschland und seine jungdynamisch aufsteigenden Klofilmer und Web2.o-Entrepreneure. Dafür, dass zwei von drei StudiVZ-Gründern auf sog. Elite-Hochschulen für Wirtschaft waren, haben sie nicht wirklich den Peil von dem, was man bei einer Europaexpansion beachten sollte. Mehr an der Blogbar. (Kann man einer ein paar Screenshots deren Impressi machen? Danke!)

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Montag, 6. November 2006

Schlechte Zeiten für Libertinage

Da gibt man sich alle Mühe, Zeichen gegen die verspiesserte Sexualmoral der westlichen Welt zu setzen, die im Mittel nicht weit weg ist von den Forderungen islamistischer Knallköpfe. Da Sepp aus Marktl, der Fernsehfaschist aus dem Mittelwesten und der terrorliebende Muslimbruder in Kairo liegen da auf einer Linie, und gegen Zwangsheirat ist die CSU nur, wenn es um Muslime geht, der Frauenimport aus Thailand ist ihnen - man kennt ja die eigene Basis - schnurzegal. Allerorten muss ich hier in den akustischen Ausscheidungen der Bratzen passivkindern, und zu mehr als Klovideos bei Youtube reicht es heute auch nicht mehr in Berliner Unternehmenskreisen rund um Ehssan Dariani.

Denkt man. Und setzt eine Sexualmoral dagegen, die irgendwo zwischen dem hinkenden Leufel von Le Sage und de Sades Philosophie im Bodoir changiert, eigentlich sehr vernünftig das alles, vermischt mit einer grossen Offenherzigkeit gegenüber Alter, Figur, Abstammung, Religion und Rasse. So lebt und schläft man sich durch die Salons und Bodoirs der kleinen und grossen Städte, ohne Probleme, Feindschaften und unangenehme Spätfolgen, die Regeln sind klar und der Abstand zu irgendwelchem "no sex till marriage"-Spiesserpack bleibt gewahrt.

Denkt man. Nur um dann erfahren zu müssen, dass Durchknallis der Republikaner Kinder belästigen, Drogen nehmen und sich Callboys holen, andere ballern ihren Freunden Schrot in die Fresse, und irgendwie glaube ich, die sind noch einen Schritt weiter und längst bei de Sade Justine angekommen. Aber hallo. Mit solchen Kirchenführern und konservativ-faschistoiden Machthabern tue ich mir wirklich schwer, noch grosse Unterschiede zu de Sades bösesten Visionen zu finden.

Und wahrscheinlich finden sie den Osama nicht, weil sich der seit Jahren durch die Bordellszene von Karatchi über Tokyo nach Las Vegas gefickt hat. Wo man ihn natürlich nicht sucht. Und ich stehe da und fühle mich mit meiner Registerarien-Philosophie -
V'han fra queste contadine,
Cameriere, cittadine,
V'han contesse, baronesse,
Marchesine, principesse

wie ein Waisenknabe.

Ihr Schweine!

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Issue Management

Komisch, es gibt momentan nach der Süddeutschen noch drei weitere Medienanfragen zum Thema Glaubwürdigkeit, gefälschte Blogs, unfeine Methoden des Marketings in der Blogosphäre und im der Doggystation der Scharlatane Web2.0. Keine Follow Ups, eigenständige Beiträge. Mache sich jeder selbst einen Reim drauf. Von "die beobachten uns" bis "ist vielleicht doch nicht egal, wie ich mich benehme".

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Montag, 6. November 2006

Der Weg des Bibers

führt in den Eichenurwald an der Donau, der sich gleich hinter dem besseren Viertel der kleinen Stadt ungestört über viele Kilometer erstreckt, kaum bekannt und deshalb so selten gesehen.



Hier bei den Altwasserseen verbrachte ich einen nicht ganz unwesentlichen Teil meiner Jugend - es gab Tage, da wollte man mit den Töchtern der Bankdirektoren nicht öffentlich gesehen werden, wegen der Fragen und ausserdem wäre es mit dem öffentlichen Anknabbern möglicherweise

Bilder nach dem Click.

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Haifischbecken

oder in meiner Badewanne bin ich Kapitän.



Zu dumm, dass ich Badewannen hasse und deshalb am Morgen in die andere Wohnung zum Duschen gehe. Wie ich sowieso fast immer oben bin. Ausserdem ist es Irrsinn, diese riesige Wohnung für einen allein zu heizen, wenn der noch nicht mal da ist. Hm. Braucht jemand zufällig fast fertig renovoierte 80m² in der Altstadt einer florierenden bayerischen Möchtegern-Metropole mit hohen Einkommen, netten, zufriedenen Spiessern, Ausgehviertel um die Ecke, Konzertsaal gegenüber, reiches Kulturleben und niedrige Bloggerquote, mit 3 Zimmer, Küche, grosses Bad, Diele, Abstellraum, Stuck, antike Teppiche, Kronleuchter, leicht gebrauchte Sofas aus der Munich Area vom Preis eines Kleinwagens, Parkett und Aus- und Einblicke in ein nagelneues Elitessenwohnheim mit Frischfleisch Erstis?

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Samstag, 4. November 2006

Metamorphosen auf verlorenem Posten

Nach 2 Stunden in der kalten Fussgängerzone sieht ein klampfenverstärkter Freikirchenchor nicht nur immer noch scheisse aus, er klingt dann auch so richtig scheisse und zittrig.

Der erfolgreiche Papismus weiss schon, warum er Orgeln hat und nur im Sommer Prozessionen macht.

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Eine wichtige Sache.

Ich weiss, dass hier ein paar Leute von der Jungen Union und der CSU mitlesen. Wahrscheinlich auch solche, die sich mit der CSU und den Blogs beschäftigen. Bitte meldet Euch umgehend bei mit unter donalphonso | ät | gmail dot com, keine Scheu, es ist wichtig. Nicht für mich. Ihr habt ein Problem, das schnell geklärt werden muss.

Hat sich erledigt. Mensch, CSU, passt besser auf Eure Domains auf, ist ja nicht zum aushalten. Kann es eigentlich sein, dass Mario Dolzer ein entfernter Cousin eines gewissen Frank "Dr." Huber ist? Stilistisch sehe ich da Parallelen.

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Freitag, 3. November 2006

Buahahahaha!

Ingesamt wird der Unternehmen jetzt bereits mit 130 Mio Euro bewertet. Sevenload, erst im April dieses Jahres gegründet, peilt nach Zahlen von Unternehmensinsidern 2008 rund 30 Mio. Euro Umsatz und einen Gewinn vor Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von rund 10 Mio. an. - meint die FTD (http://www.ftd.de/technik/128021.html?zid=90893), dass es kommen würde, habe ich schon früher gesagt.

Und dafür macht man jetzt tolle Auslandsexpanionen in andere Länder, wo es andere gibt, die sich auch entsprechend bewerten und Expansionen nach Deutschland planen, kauft vielleicht noch den ein oder andere Mitbewerber auf, den man 2008 nach Ebitda dann wertberichtigen und abschreiben muss - oder eben die arme Sau von vollbrunzverblödetem Medienunternehmer, der das Ding aus Panik vor dem kommenden Web gekauft hat. Mich würde mal interessieren, welche PR-Agentur der FTD solche "Insider" vor die Nase stellt - aber bei der FTD kann man sowas ja locker machen.

2008 wird ein geiles Jahr für Boocompany.

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Industriespionage2.0

Früher war es schwierig, in Konzernstrukturen einzudringen. Wenn ich keinen internen Kontakt hatte, blieb nur die Anruferei bei der PR und eine sehr komplexe Fragestellung, die möglichst viele Bereiche des Unternehmens umfasste. Eher selten mal gelang auch ein direkter Angriff über die Führungsebene, indem ich zufällig am gleichen Ort war und mit denen ins Gespräch kam. Es gehört eine Menge Dreistigkeit dazu, irgendwo aufzulaufen und eine Story zu erzählen, von der ein paar andere im Saal schon schmerzhaft erfahren mussten, dass sie nicht stimmt.

Kenntnis der Struktur hilft weiter, denn dadurch werden Schwachpunkte offensichtlich. Es gab immer einen, der auf dem Absprung war, beim Dienstporsche übergangen wurde und empfänglich für Gelegenheiten war, zu einer anderen Firma zu wechseln. Das sind so die Folgen, wenn man das Wort Betriebsgeheimnis durch einen Haufen NDAs ersetzt, an die sich alle so halten wie an die AGBs eines Microsoftprogramms. Das problem in diesem Bereich sind aber die formal flachen Hierarchien, in deren Folge das Wissen nirgendwo konzentriert ist oder sich je nach Abteilung in einen relativen Begriff wandelt. Startups sind wie der Pudding, den man an die Wand nageln will, eine unstrukturierte Masse, ein Urschleim, der es meistens nie schafft, sich davon wegzuentwickeln und laufend urbane Penner ausscheidet, die alles verraten würden und doch nichts wissen. Schon gar nicht, wann sich wer mit wem getroffen hat, wer wen kennt und wer letztlich das sagen hat. Klassisches Beispiel: Wenn VCs einem Unternehmen nicht mehr trauen, wechselt die Betreuung. Dann kommt ein neuer Mann mit, oder es laufen mehrere Berater mit auf. Um so etwas von aussen zu erkennen, müsste man auch den VC angraben - und das ist wirklich schwierig.

Heute ist das alles anders. Man findet immer einen bei Youtube. Und der hat Buddies. An deren Filme erkennt man schnell, dass die im gleichen Gebäude sind. Darunter steht das Datum des Films. Die gleichen Tags werden auch bei Flickr verwendet, und die Sets teilen mit, von welchem Ereignis sie stammen. Technorati ist für aktuelle Ereignisse der letzte Dreck, aber zum Abgleichen offizieller Informationen wirklich eine rundum dufte Sache. Die unbekannten Leute findet man über die OpenBC-Kontakte heraus, dann schaut man durch, wo die früher waren, wann sie eingestiegen sind, und bekommt so ein sehr präzises Bild von der Personalpolitik der Firma, ihren Bedürfnissen, den Wachstumsschritten, den Überfliegern und den Versagern, die nicht voran kommen. Die ruft man dann an.

Die Feindbeobachtung, die man früher mit einem Dreierteam in einer Woche mit komplexen Workflow Management vor Ort gemacht hat, schaffe ich heute allein in zwei Tagen, ohne dort sein zu müssen. Es wird gefilmt, kommuniziert und hochgeladen ohne Ende, jeder ist dabei, der Prakti wie der COO, man sieht Flipcharts im Hintergrund und Adressen unter den Kaffeepötten, man kennt die befreundeten Firmen und weiss, zu welcher Uhrzeit welcher Investor welche Mitarbeiter gesprochen hat, man kennt den Ort der Schlüssel und eigentlich könnte man dank Plazes auch noch festlegen, wann bei welchem Mitarbeiter daheim der Einbruch günstig wäre - den Weg zum Rechner, von dem man dank hochgeladener Screenshots und der Tabreiter weiss, dass er dort für die Firma arbeitet, kennt man ja auch dank Flickr.

So ist das, dank Web2.0. Was wird nur aus der angekoksten PR-Frau, die ihren Job der Libido des CMO verdankte und die unter Prosecco alles erzählte - aus Sicht der Industriespionage ist ihr Job überflüssig und kann von mir aus gestrichen werden.

P.S.: Ehssan, es fällt wirklich auf, wenn Dein halber Laden hier über Google einfällt.

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Freitag, 3. November 2006

Etwas über dieses Blog

Rebellen ohne Markt ist mir nicht mehr besonders wichtig. Das war früher anders, als täglich kaum mehr als 300, 400 Leute vorbei kamen, so gegen Ende 2003, 2004. Wer das Blog von damals kennt, weiss, dass es einen dramatischen Wandel durchgemacht hat, weg von der Welt der Venture Capitalists, Events und der sog. "Szene" der Munich Area. Ich bin nach Berlin gegangen, um auch einen Graben zwischen mich und dem Vergangenen zu legen, und ein Buchprojekt mit einer bekannten Person dieser Szene blieb unvollendet, weil ich Unstimmigkeiten mit dem Verleger in München zum Anlass nahm, es bleiben zu lassen. Es war purer Luxus, die Fahrerei und Fliegerei nach München für 2 Stunden Interview war teuer, ich habe keinen Cent bekommen und eingefordert, und es war gut so. Der Rechner mit den nicht unbrisanten Aufnahmen steht jetzt seit zweieinhalb Jahren im Nebenraum. Ich habe ihn nicht mehr angefasst.

Dieses Blog war damals eine Art Spazierstock auf dem Weg aus dieser Welt, über die ich langsam wieder höhnisch lachen konnte, und das ist das erste Zeichen der Besserung. Ich habe sorgfältig alte Kontakte einschlafen lassen, die Email geändert, auf Anrufe nicht reagiert und Leute versetzt, um langsam aus der Szene zu verschwinden, deren Teil ich war. Nicht immer war das nett und höflich, es waren auch viele Leute dabei, die ich schätzte, aber es hängen zu viele Erinnerungen dran. Als dann endlich mal nach einigen verfluchten Beerdigungen der falschen Leute der Richtige krepierte und ich auf das Begräbnis ging, um zu sehen, dass er wirklich tot war und nie wider kommen würde, war ich frei von allem. Zweimal bin ich in diese Welt zurückgekehrt, einmal wegen Pixelpark und ein ander mal wegen SCO, aber das waren kurze Gastspiele, und was ich sonst noch erfahre, höre ich eher zufällig. Man mag es vielleicht nicht glauben, aber im Vergleich zu früher war das hier tiefster Friede.

Gestern nun hat mich einer angesprochen aus der schlimmsten Zeit, mit dem ich etwas aufgebaut habe. Er weiss, wer ich bin und was ich damals getan habe. Heute stehen wir auf unterschiedlichen Seiten. Ich dachte eigentlich, ich hätte alles durch gehabt, es gibt nicht mehr viel, was mich nach meiner Zeit als Jäger im Abgrund noch berühren könnte in dieser anderen Welt, aber hey, doch, es gibt noch eine Kombination, es gibt noch Dreckschweine, die die richtigen Knöpfe finden, um den Mechanismus zu starten, der alles egal werden lässt, für den man wieder zum Hörer greift und sich zurückmeldet, um alles zu tun für ein paar Gurte Munition und ein paar Kanister Nitroglycerin für den Tank, denn darauf fliegen die Jungs, sie sind nicht schlecht und sie sind schnell, da muss man mithalten, und wir alle sind in der gleichen Finsternis, ich kenne das Spiel, ich war einer von denen, ich habe das schon oft getan, aus Spass, für Geld, aus Dummheit.

Ich sass mal mit einer Freundin im Cafe Puck, 2001. Sie war ziemlich durch den Wind und entwickelte diese verrückten Theorie, das Schlimmste an unserem Leben und der Zukunft ist, dass wir vielleicht glauben, dass es geradeaus geht oder nach oben, aber in Wirklichkeit wissen wir, dass unsere Bewegung nur eine Folge der zertrümmerten Zeit ist, in der wir leben, in der Aufstieg und Niedergang ineinander verschoben sind, und der Boden, auf dem wir aufschlagen und verbrennen in unseren Maschinen, irgendwann einfach zu schnell hochkommt, schneller jedenfalls als wir, und es gibt nichts, was wir dagegen tun können. Sie hatte recht. Und ich sorge dafür, dass sie recht bekommen wird. Hier in diesem Blog, und auch woanders. Dieses eine Mal ist es noch wichtig.

Danach - geht es weiter mit Apfelstrudel, alten Möbeln und netten Geschichten von Iris und ihrem Ex-Mann.

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Frage an die mitlesenden Spezialisten

Wie speichert man ein Youtube-Video auf dem heimischen Computer?

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Germanblogs reloaded

Im Englischen sagt man: It´s like shooting fish in a barrel - es ist wie Fische abknallen im Fass. Ausgeweidete, leicht übel riechende Fischfilets vom Lieferanten Holtzbrinck&Boogie werden an der Blogbar serviert - allerdings unter Ausschluss des von Germanblogs bezahlten Dieter Petereit, der mal wieder zu spammen versucht.

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Donnerstag, 2. November 2006

Home at the Lake

Diese Strasse entlang zu fahren, hiess in eine andere Welt kommen, wo die Probleme gering, die Sorgen selten und das Leben eher einfach war. Die Fragen des Daseins sind etwa, wie man die Bäume weg bekommt, die inzwischen, 20 Jahre nach der Pflanzung, die Sonne wegnehmen, wo man das Holz herbekommt und wer während der vier Wochen irgendwo in den Tropen die Katzen versorgt.



Es ist dies die finale Manifestation der Erwartungen der alten Bundesrepublik, so hat man sich das als Ideal vorgestellt, Grün, Wasser, grosse Gärten und Häuser so riesig, dass die Frauen auch ohne Beruf einiges zu tun hatten. Angetrieben von einer in festgesetzten Grenzen perfekt funktionierenden Wirtschaft mit klaren Verhältnissen, Du Deutsch, Du Grundig, Grundig Arbeit, Arbeit Wohlstand, die dort, wo Grundig war, längst nicht mehr läuft, aber hier geht es weiter, ganz ohne die neuen Oberschichten der Berater und Anwälte, die heute noch Grenzen durchbrechen mit Viertwägen und Hummer und morgen schon arbeitslos sind oder wegen Unterschlagung vor dem Richter landen.

Es sind die sicheren Häfen für die Regionalzeitung, über deren Feigheit und Käuflichkeit man sich amüsiert und manchmal einen Leserbrief schreibt, der dann pflichtschuldig abgedruckt wird. Es ist der Rückzugsraum für mündelsichere Papiere und, bestärkt durch manchen Fehler in der New Economy, die schützende Hecke für jahrzehntelang gehortete DAX-Aktien. Von der Globalisierung an den oberen Rand gedrückt, ist das kleine Viertel beim See vom real gelebten Traum des Bürgertums zu einem pastoralen Refugium geworden, eine moderne Analogie zu den idealisierten Dörfern in den Parks der absolutistischen Schlösser.

Und niemand dort macht sich glücklicherweise die Mühe, darüber nachzudenken, wozu auch, die nächsten 20, 30 Jahre wird sich hier nichts ändern. Globalisierung, das ist irgendwo anders, eine anonyme Geldmaschine fernab von hier wie die AKWs, aus denen der Strom kommt, dessen unerfreuliche Störung des Gewissens man natürlich mit einer Solaranlage beruhigt. Hier draussen, am See.

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Speiseplan für die kommenden Tage

Gekonnt fasten mit der Apfelstrudeldiät!



1 Gang reicht. Und ausser Teig, Weinberl, Sahne, Butter, Zucker und Äpfel ist da nichts drinnen.

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Mein allerzweiter Podcast!

Naja, sagen wir besser, mein zweites MP3 im Internet. Hier ist er, der Halloweentext, von mir selbst vorgelesen und artikuliert, 1,13 MB zum allgemeinen Vergnügen.

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