: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Montag, 9. April 2007

Heute im Programm:

Kurvenjagdhase. Ich finde ja, Isadora Duncan traf es 1927 in Nizza am besten, als sie in den Bugatti stieg, in dessen Hinterrad sich bald ihr Seidenschal verfangen sollte und sie erwürgte, und sagte:

"Adieu, mes amis. Je vais à la gloire!"

Womit sie anders Recht hatte, als sie dachte, und was die bis an den Rand der Grausamkeit immer trockene Gertrude Stein zur Bemerkung veranlasste:

"Affectations can be dangerous."

Wobei man Duncan wiederum zugute halten muss, dass Gertrude Steins magenkrebsbedingter Abschied vom Dasein in Wort und Gefährt, auf der Bahre in den OP gerollt, weniger spektakulär war:

"In that case, what is the question?"

Ob die kulinarischen Wochen in Beilngries noch laufen. Das Wetter ist herrlich, die Strassen sind trocken, der Tank ist voll und die Kurven warten.

Nachtrag:



Ein paar hundert Kurven später.

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Montag, 9. April 2007

Es ist ganz leicht

Man muss nur an der Isar eingeparkt sein von einem Lieferwagen, der einem Espressomaschinenreparaturdienst gehört, einem Porsche von hinten und neben einem auf der zweiten Spur von einem BMW SUV. Die unheimlich dünne Frau im Minicooper müsste nicht mal schreien, damit man weiss, worüber sie gerade mit dem Menschen an der anderen Seite der Leitung spricht: Ja, heute Abend, nach all dem Stress, klar war sie im Büro und nächste Woche macht sie den da fertig. So viele können über Ostern gar nicht heim, dass davon nicht riesige Bestände immer noch in der Stadt wären. Frauenzeitschriftenjohurnaille, Möchtegernregisseure, die Frauen aus dem Umland in Cafes anquatschen, und dazu noch die Neoconpäärchen in der Theatinerstrasse. Jedes Paradies hat sein Ungeziefer, und München zieht diesen Menschenschlag in all seinen Variationen magisch an, so wie jeder, der Kreativität mit Verantwortungslosigkeit verwechselt, irgendwann Spreewasser säuft.



Schnell, zu schnell hat sich München von der Demütigung des Untergangs der New Economy erholt. Und während anderswo längst wieder gegründet wird, schaut man hier noch bedächtig zu, weil man den neuen Geschichten noch nicht ganz traut. Überhaupt, desto besser das Wetter und desto schöner die Landschaft, desto weniger ist man bereit, ins Netz zu gehen. Biergärten, Cafes, Isarauen, alles ist schon wieder restlos voll mit sorgenfreien Menschen. Eine Ausnahme ist das Luxusweibchen am Gärtnerplatz, das ihrem Gegenüber ihr Steuerproblem erklärt: 70.000 hat sie noch flüssig, aber 50.000 will der Fiskus für das letzte Jahr, die nehmen einem alles, und wovon soll sie dann noch leben? Existenzangst in der Isarversion.

Und dennoch ist die Stadt immer wieder atemberaubend schön. Siemensskandal, Stadionschmierung, Vollversager im Kulturreferat und eine irrwitzige Verschwendung beim Stadtportal München.de, was soll´s, das leistet man sich eben mitsamt den Pickeln der Staatspartei, es gibt ja genug Spiele und Torte, im Hofgarten etwa, oder wo auch immer, und nächste Woche ist sowieso jeder irgendwie in Italien, dann treffen wir uns alle wieder. Nur die Mutter vom Marquis, die kommt nicht mehr, die hat er wegen Demenz ins Alterheim bringen müssen, 2,5 Zinmmer hat sie da immer noch, mehr als manche draussen in Sendling, aber von da kennt man eh keinen, denn München geht nur von Schwabing bis zur Isarvorstadt, und wer da nicht wohnt, kommt wenigstens vorbei, wir sind ja nicht so, ned wahr.

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Zitat des Tages

Eigentlich mag ich Anwaltsbesprechungen nicht. Das Ganze ist in aller Regel viel, viel sachlicher, als man sich das gemeinhin vorstellt. Ich würde mir mehr Anwälte mit Hass und Wut wünschen, aber so sind sie leider nicht. Jedenfalls ging es heute (am Feiertag!) unter anderem - Fondskriminalität, 30 Millionen Nachzahlung und zur Abrundung unwillige Gesellschafter - nochmal um das leidige Thema Coty, d.k.d. und ihre Büttel, und wie ich erfahren habe, kann ich meine verfahrenen Kilometer für diesen Scheiss nicht geltend machen.


nimm das, stilosterhäschen

Aber es hat sich gelohnt, für diesen einzigen Satz:

Bei uns wird nichts so heiss gekocht wie das, was wir denen gewaltsam einflössen.

Auf den flachen Witz mit den Nägeln verzichte ich heute.

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Samstag, 7. April 2007

Vergebens

Keiner hat Herr G. gesagt, dass er endgültig zu alt für blaue Lacoste-Hemden ist. Ausserdem passen sie nicht wirklich zu seiner beigen Hose, die mehr über sein Alter aussagen, als ihm lieb sein dürfte. Da steht er vor dem Heck seines mal wieder neuen, silbernen Wagen, hält in der einen Hand die grüne Platiktüte mit den Einkäufen, und wurschtelt mit der anderen an seinem Schlüssel herum. Nach einigen Blinkern schlieslich hebt sich die Heckklappe von selbst nach oben. Herr G. greift hinein, holt die Louis-Vuitton-Tasche heraus, steckt die grüne Tüte hinein, schiebt die Golftasche herum, legt die Vuitton-Tasche hinein, und dann greift er nach oben, um die Heckklappe zu schliessen. Erst, als seine Hand oben ist, fällt ihm ein, dass er das auch mit dem Schlüssel machen kann, also senkt er die Hand, streckt sie aus, richtet den Schlüssel wie einen Revolver auf den Wagen und drückt ab. Das Auto blinkt zweimal. Nochmal. Das Auto blinkt einmal - jetzt hat er es zugesperrt. Nochmal. Jetzt endlich senkt sich der Kofferraum, aber da hat er nicht lang genug gewartet und schon wieder gedrückt, worauf sich der Deckel wieder hebt. Jetzt endlich, nach erneutem drücken, geht der Kofferraumdeckel zu.

Guten Tag, sage ich zu Herrn G., und er begrüsst mich joval und erzählt von seinem neuen Wagen und davon, dass er nächste Woche damit und mit seiner Frau nach Italien fährt. Schön, nicht? - und meint damit das Auto. Ich wünsche ihm schöne Feertage, und gehe zum Wochenmarkt.



Schön, dort, diese Stadt, fast immer, eigentlich.

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Freitag, 6. April 2007

Kumma mitda Russn-Leica

So ist das mit den Gebrauchtgütern: Man weiss nie, ob sie wirklich funktionieren. Als ich letzten Sonntag eine gebrauchte Export-Zorki Ic kaufte, war ich begeistert: Sie war, wie nur wenige russische Kopien der berühmten deutschen Leice II, wirklich ausnehmend schön, solide verarbeitet, leichtgängig, fühlte sich nicht an wie ein russischer Traktor (wir kennen doch alle die Episode von Don Camillo und Peppone, als das kleine Dorf einen russischen Trakter geschenkt bekommt, der nicht läuft), und war erkennbar höherwertig. Sie machte sogar das berühmte, satte Leicaklicken beim Auslösen.

Leica hat damals, als die Kamera 1932 vorgestellt wurde, einen Geniestreich auf den Markt gebracht. Die Leica ist eine Revolution, denn endlich konnte man den Kleinbildfilm verwenden und 36 Aufnahmen ohne Wechsel der Spule - oder gar Platte - verwenden. Das hatte allerdings zur Folge, dass der Verschluss der Kamera, der das Licht auf den Film lässt, klein ausfallen muss. Leica - und ihre Kopisten in der UdSSR - griffen dabei zu einem Verschluss aus gummierten Stoff, der sich wie ein Vorhang auf- und zuzog. Auf der rechten Seite wird der Vorhang auf eine Rolle gezogen, die einen bauartbedingten, sehr kleinen Durchmesser hat. Und das rächt sich nach - zugegeben langen - 50 Jahren.



Nach dieser Zeit also, nach der keine aktuelle Plastikdigitalkamera, die wir heute kaufen, noch einen Muks von sich gibt, ist also der Gummi auf der Rückseite des Vorhanges gebrochen. Leica und später auch die berühmte Konkurrentin, die Zeiss Contax, haben das Problem erkannt und später einen anderen Verschluss mit Metallschienen verbaut, der die Kamera leider eitwas dicker werden liess. Die Leica II und ihre Kopien jedoch verdanken diesem Makel ihre reine, schlanke Form. Das ist wie mit dem Apple iPOD und dem Microsoft Zune: Wenn man vor der Leica II, einer Leica M und der Contax steht, greift man instinktiv zur Leica II, trotz all ihrer immensen Nachteile beim täglichen Betrieb. Kurz, die Leica II ist eine Kamera, nach der es im Design nur noch abwärts ging. Meine Traumkamera wäre ein Digitaleinsatz für die Leica II. 12 Megapixel auf 36 mal 24 Millimeter enstprechend 400 Iso, den Rest mache ich mit der Hand, dem Gefühl für Blende, Verschlusszeit und dem Hirn, das Auszuschalten uns die Digiknipsen lehren.

Wie auch immer, der Vorhang dieser wunderschönen Zorki ist kaputt. Das zeigte sich beim ersten Film, bei dem nicht weniger als 7 Löcher im Vorhang hässliche, weisse Geisterflecke auf den Bildern hinterliessen. Sobald man die Kamera vor dem Abdrücken nur etwas ins Licht hält, kann man die Bilder vergessen. Wäre das eine echte Leica, szände hier nun die Klage eines Besitzers, der sich durch Dutzende von Messen gequält hat, um das Original zu beschaffen. Aber das hier ist eine Zorki, die zwar nicht das Aussehen, aber die Robustheit eines russischen T-34 Panzers hat - auch, was das grobe Material des Vorhangs angeht.



Statt nun die Kamera zu zerlegen, wird der Vorhang mit möglichst dicker Textilfarbe dreimal eingestrichen. Keine Sorge, das Material ist so robust, dem tut das nicht weh. Und danach wird vorsichtig auch die auf der Rolle sichtbare Rückseite bestrichen, und dann aufgezogen. Und eine Nacht getrocknet, zwei Tropfen Öl in die Schienen, Objektiv drauf.

Das war´s für die nächsten 20 Jahre. Mindestens. Ansonsten kann an einer Zorki oder Leica kaum was kaputt gehen: Dicke, vergütete Linsen, Metallkörper, verzinkte Messingaufbauten, und alles mit ein paar Schrauben zusammengehalten, die jeder selbst justieren kann. Sie wird noch genauso trocken russisch clack machen, wenn die Cybershots längst japanisch ausgepiepst haben.

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Freitag, 6. April 2007

Schönster Neologismus des Tages

Wir sollten ihnen das nicht nur anrohen.

Sagte die Anwältin bei der Überlegung, diese Rechnung auch den einzelnen Fakebloggern Joe, Tomek und Flyinggirl zu präsentieren, die die fraglichen Kommentare abgesetzt haben. Anrohen. Finde ich gut.

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Heute Kinder wird´s was geben,

heute kommt Don Gnadenlos,
eine Marke wird er kleben
an die Rechnung schwer und gross.

Dann wird Wehen sein und Klagen
und Geheul im Hessenpuff
und ein Schnitt geht durch den Magen
immer raus die Kohle, feste druff.

Wer nicht blecht ist nicht sehr weise
denn in des Donnes Hintergrund
spannt Abmahnbogen still und leise
der familiäre Schwestern Bund.



Keinen elenden Pleitier würd ich belangen
Milde heiss ich zwischen Don und Fons
doch wer schleichwirbt ist gefangen
wird trinken seines eignen Blutes Schlonz.

Frisch geschliffen nun des Schwertes Stahl
und ran an technostinkendes Geschmeiss
auf dass für ewig des Kaines Mal
sei das USP von diesem Scheiss.

Gnade will ich walten lassen für ne Stunde
so bis 13 Uhr hier Vergebung wird erfleht
geht es ab auch ohne grosse Wunde
wenn nicht - Ihr bald den Weg der Schmerzen geht.

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Donnerstag, 5. April 2007

Wirtschaftskreislauf.

Zwei Abmahnungen gelesen. Vollkommen nichtig und chancenlos, aber hätte es mich betroffen, ich wäre morgen Axt kaufen gegangen. Just for the fun of it.

Danach Beschäftigung mit Werberdreck.

Rechnung geschrieben. Mich gefragt, was Igor und Piotr in der dafür erhältlichen Basisdinstleistungsgruppe so anbieten. Vielleicht Mengenrabatt?

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Kameraproblem

Davon habe ich so einige im Moment. Zum Beispiel hat meine neue Zorki ein paar Löcher im Verschluss - glücklicherweise nichts, was man nicht mit Textilfarbe reparieren kann. Aber es gibt noch mehr, und das, obwohl ich sicher genug Kameras besitze. Nun steht vom 17. bis 20. April die Mille Miglia ins Haus, und ich bin zu der Zeit tatsächlich auch in Oberitalien. Früher wäre das alles kein Problem gewesen, schliesslich habe ich eine zwei Spiegelreflexkameras und auch die nötigen 300mm-Objektive. 400er Film rein, Blende auf 2,8, und dann mit 1/500 oder 1/1000, so erwischt man auch schnell fahrende Automobile.

Aber das war vor dem Internet, den Blogs und Lesern, die vermutlich gerne zeitnah altes Blech und Umweltverschmutzer in schöner oberitalienischer Landschaft sehen wollen. Bei der Mille Miglia wird gerast auf Teufel komm raus, und bei ein paar Tests gestern an der Landstrasse zeigte sich, dass vernünftige Bilder mit meinen Digicams illusorisch sind - wen es interessiert, die beste Kamera war die alte Minolta S414, der man hier die meisten Berlinbilder 2004/2005 verdankt, dann die ebenso nicht neue Canon Ixus 500, die inzwischen nach 8000+x Bildern ohnehin nicht mehr die Schnellste ist, und noch etwas schlechter die Kodak V705, die sich aber in Israel als Reisekamera bewährt hat.

Alle Kameras kommen mit der Scharfstellung nicht mit, und am Ende des Teleobjektivs fehlt immer noch ein Stück. Die Ergebnisse sind jetzt nicht katastrophal, aber doch so schlecht, dass ich als nicht ganz unerfahrener Photograph nicht mehr viel machen kann. Nun hat der Händler meines Vertrauens gerade ein Auslaufsmodell einer Fujifilm S5600 mit ausreichenden 5 Megapixeln im Angebot: Ein üppig dimensioniertes 380mm Teleobjektiv, ordentlich schwer und gross, was bei Teleaufnahmen ein Vorteil ist, manuell bedienbar sowie mit normalen AA-Akkus, deren Sinnhaftigkeit jeder versteht, der schon mal dachte, der Akku einer Kodak oder Canon würde schon noch reichen - im Zweifelsfall reicht er nie. Dummerweise schluckt die S5600 xD-Speicherkarten, die ich nicht habe und erst mal kaufen muss - bislang bevorzuge ich klar die alten CF-Karten. Sprich, die Kamera ist dank dem grassierenden 10-Megapixel-Rausch billig, aber die Füllung wird etwas teurer.

Bevor ich jetzt losgehe und das Ding dennoch kaufe: Kennt jemand eine andere Kamera mit mehr als 300mm-Zoom und 5 oder mehr Megapixeln, die einigermassen robust, manuell einstellbar und nicht allzu teuer ist?

nebenbei: ich habe durchaus rumgeschaut, und insgesamt der günstigste und beratungskompetenteste anbieter in meiner heimatstadt, von der aus mediamarkt und saturn geleitet werden, ist - galleria kaufhof, die bei alteingesessenen immer noch merkur heisst. die "beratung" bei "mediamarkt" wäre einen eigenen beitrag wert.

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Dienstag, 3. April 2007

Manche werden vielleicht sagen,

dass es den Don freut, wenn er einen Ex-Bild/T-online.de-Mann mit runtergelassenen Hosen erwischt. Andere werden sagen, der Don hat nur darauf gewartet, SinnerSchrader eins reinzuwürgen. Und wieder andere werden meinen, dass es dem Don um das Vorführen von Web2.0 als moderne Form der Volksverarschung geht.

Ich sage: Es geht um eine Abmahnung, und um das schäbige Verhalten derer, die eigentlich verantwortlich sind. Es geht für alle um die Frage, wo sie wann was und wie schreiben - aber ich würde auf jeden Fall raten, es keinesfalls bei Qype zu tun.

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Zombie-Edmund

You knew it first:

Der Umstand, dass sich Horst Seehofer im Moment so zurückhält im Kampf um die Nachfolge von Stoiber als Parteivorsitzender - das dürfte einiges zu tun haben mit dem, was man aus München hört. Denn Edmund Stoiber reitet wieder auf einer Welle der Sympathie und es scheint, als könnte er demnächst vom Rücktritt wieder zurücktreten.

Jaja. Was Gift für die damaligen Problemstoibärenfellaufteiler Beckstein und Huber sein wird. Ministerpräsident weiterhin Stoiber, Parteivorsitz, darüber kann man reden. Solange es nicht der Verräter Huber ist.

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Real Life 27.03.07 - Tante Gertrud

Vorspiel am Telefon

Hast Du heute tagsüber schon was vor?

Nein, nicht direkt. Wir könnten einen Ausflug machen.

Das, lieber Don, wollte ich dir auch vorschlagen. Wir nehmen deinen Roadster und fahren ins Altmühltal. Abgemacht

Abgemacht.

Und wir jammern auch nicht rum, weil uns mein Paps und meine Mom und Tante Gertrud und ihr Hund voran fahren.

Scchhhh.......

Abgemacht ist abgemacht. Um 12. Sei ein lieber Junge und komm rechtzeitig, und zieh Dir was an, worin du nicht wie ein Zuhälter aus den 20er Jahren aussiehst.

Hör mal, es gibt hier in der Stadt Hunderte von Aufsteigern, die es lieben würden, sich deiner Familie zu präsentieren und sich das braune Gesülz von Tante Gertrud anzuhören, um dann später um deine Hand anzuhalten, wieso ausgerechnet ich?

Dramolett auf dem Berg, nahe Obereichstätt, Director´s Cut
und ich habe verdammt viel geschnitten

Hasso, Hasso komm her, nein, nicht jagen, also und dann hat der doch tatsächlich damals zu meinem Mann gesagt, das müssen sie sich vorstellen, Herr Porcamadonna, sagt der doch, wie war das nochmal, ach so, sagt der doch, äh, Hasso jetzt komm, also, wo war ich, ach so, ja, er werde in die Revision gehen. Obwohl es sonnenklar war. Können sie sich das vorstellen? Die Leute hatten schon damals keinen Respekt mehr vor einem Richter. Da braucht man sich nicht wundern, wenn heute jeder tut, was er will. Früher blieb man zusammen, egal was passierte, heute lassen sie sich scheiden, wie dieser grässliche Mann von Iris, also so ein Halodrie, und der Skandal, nicht wahr, er hätte ihr das Haus lassen sollen und fertig, so hätt sich das gehört, nicht wahr. Hasso, Hasso, wo bleibst du denn, komm her, also...

Irgendwo muss Iris sein, aber offensichtlich ist der gesamte Clan zufrieden, dass sich Tante Gertrud so prima mit dir versteht, obwohl du zweifarbige Budapester trägst - solche hatte ihr Mann nämlich auch mal, damals, als noch nicht jeder Mitglied im Golfclub war. Es ist eine One-Way-Communication, sie sendet, du empfängst, und tief in dir rumort es kräftig. Du könntest viel beitragen, du hast auch eine Meinung, aber die Sonne dämpft das alles, es ist wirklich schön hier ausserhalb von Tante Gertrud, die du mit Mühe davon überzeugen konntest, dass es im Roadster wirklich viel zu zugig ist und ausserdem sonst Hasso komische Dinge im nagelneuen CLS von Iris Papa anstellen würde.

Oh, schaugns, Herr Porcamadonna, da oben, das Kreuz, wir sind angekommen, ist es nicht schön?



Ah, was steht da drauf, Hasso, bleib da, Hasso, hier oben gibt es keine Kaninchen, m Kreuz ist heil, das stimmt, das hat mein Mann auch immer gesagt, und wenn man die gelegenheit hat, dann soll man auch beten, Hasso, HASSO!

Über die freie Fläche rast ein Karnickel die Juranhöhe hinauf, dahinter Hasso, der als alt gewordene Sofatöle keine Chance hat, es aber dennoch versucht, und das ist der einzige Grund, warum dir die Peinlichkeit erspart blieb, keinen zwangsweise kreuzgustelnden Clan inmitten der an sich wirklich schönen Natur ansehen zu müssen, an den sich anzupassen das Gesetz selbst verständlich verbietet.

Nachspiel heute am Telefon

Übrigens hat Tante Gertrud dann noch gemeint, dass dein Auto viel zu gefährlich ist, und meine Eltern sollen mich nicht mehr mitfahren lassen, und ausserdem hat sie es im Gefühl, dass du trotz deiner Manieren nicht der ideale Gatte für mich wärest.

Was machst Du die Woche?

Nichts. Wieso?

Hast Du die Woche mal Lust auf München? Ich habe eine Einladung für den Abend.

Super! Und wo geht es hin?

Lass dich überraschen.
Beiseite: Es ist verteufelt schwer, angemessene Begleitung für ein Sederessen zu finden, mit der einen nicht sofort jeder verkuppeln will.

Was?

Nichts. Zieh Dir was Nettes an.

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Montag, 2. April 2007

Oberes Niederbayern

sowie Ösis, PRler, Schwaben und andere Vorbalkanier aus Sicht des Donautales gibt es im Interview mit Meister Burnster.

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Hinter Gittern

oder auch die freudlose Gasse: Die Hässlichkeit der Funktionsarchitektur, die Symbolik der Schiessscharten hat vielleicht auch so seinen Anteil daran, dass aus den Elitessen der hiesigen Studentenwohnheime später mal knallharte, leistungsorientierte und durchsetzungsfreudige Junior-Sachbearbeiterinnen werden.



Wir wurden auch gefragt, ob wir investieren wollen. Nein, wollen wir nicht. Ich denke, dass es ein Fehler ist, für Elitessen Löcher mit 20 m² für 275 Euro im Monat anzubieten. Wer hier studiert, kommt mit grösster Wahrscheinlichkeit aus einer Familie, die ihre Kinder nicht zwangsweise in derartige kleine Wohnungen stecken muss. Wer hier studiert, hat in der Regel kein Problem, 100 Euro im Monat mehr zu bezahlen. Erfahrungsgemäss gedeihen Elitessen auch besser, wenn sie etwas mehr Freilauf im Käfig haben. Es lohnt sich also, grösser zu denken. Denn Papa ist auch einer, der grösser denkt. Sonst wäre die Elitesse nicht hier gelandet, wo sie auch nur ist, weil sie in St. Galle und anderen Einrichtungen nicht genommen wurde.

Andererseits: So ein Loch bringt die Leute sicher dazu, schnell zu studieren. Und das ganze ist direkt neben der Fress- und Saufstrasse der Altstadt, vom Junkfood bis zum elterntauglichen Wirtshaus ist alles dabei, und gegenüber war sogar mal ein illegales Bordell - übrigens von einem Studenten betrieben.

Hm.

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