: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Donnerstag, 8. Juli 2010

Ruhe.

Stille.

Schweigende Menschen.

Ich poliere ein wenig an einem Barockrahmen herum, suche einen Platz für die neuen Kerzenhalter - gross sind sie geworden, enorm gross - und denke, das ist ein gutes Zeichen.

Vielleicht nicht für Trotteschland, aber für Spanien. Und mich.

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Lerngekurvt

1. Ich kann erstaunlich gut schreiben, wenn mein Kopf voll mit dem staubigen Fallout heftiger Renovierungen und anderer Dinge ist, die gemacht werden müssen. Ich hatte befürchtet, dass meine FAZ-Texte auf Subniveau fallen, wenn ich schleife und spachtle, aber komischweise kamen mir dabei Ideen wie "Kann es nicht sein, dass das Rauchverbot ein verkappter Klassenkampf von Alt gegen Jung, von Reich gegen Arm ist?" Ausserdem habe ich auf meinem 4 Jahre neuen Toshiba endlich die DEL-Taste gefunden!

2. Das Rauskratzen von Farbresten aus geriffeltem Glas einer Tür macht noch weniger Spass als das Abkleben derselben.



3. Mein Altweiss an den Türen ist nicht mehr Altweiss, wie es auf der Dose aus DM-Zeit steht, sondern inzwischen Cremeweiss, aber die RAL-Nummer ist immer noch 9001.

4. Zuerst dachte ich, dass es schneller geht, wenn ich einmal komplett über die Rahmen drüber streiche. Vergleiche zeigten aber, dass es besser ist, typische Fehlstellen dick zu bepinseln.



5. Ich weiss, dass dieser Türrahmen vor vier Jahren gerade war, wie auch die letzten 42 Jahre. Jetzt ist er aufgegangen. Keine Ahnung warum. Nagel, Hammer, Hoffen.



6. In so einem grossen Haus mit vielen Zimmern kann man schon mal was Grösseres verlieren oder vergessen. Richtig, wie hatten ja noch diese Kommode rumstehen.



7. Sollten neue Mieter keine Kommode brauchen, ist im Speicher noch genug Platz.

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Dienstag, 6. Juli 2010

Hausmeisterliches

Der beste Moment, ein Haus zu sanieren, ist der Moment des kompletten Leerstandes. Das gab es 1600 beim Bau durch die Jesuiten, 1715 beim grossen Umbau während der Erweiterungen durch die Jesuiten, 1773 bei der Vetreibung der Jesuiten und 1800 bei der Verlegung der Universität nach Landshut. Seitdem muss man Rücksichten auf die Bewohner nehmen, wenn man etwas tut. Besonders schwer ist das bei den Treppen.



Es gibt im Kern zwei Methoden. Die eine besteht darinh, dass man jede Stufe nur etwas mehr als bis zur Mitte streicht, und wenn die Seite getrocknet und begehbar ist, streicht man die andere Seite. Das ist bequem für die Mieter, aber es zieht einen unschönen Farbverlauf mit Mittelstreifen nach sich. Besser ist es, jede zweite Stufe komplett zu streichen, und wenn diese Stufen getrocknet sind, die anderen zu streichen. Man muss etwas behender beim Treppensteigen sein, aber es sieht nachher besser aus, und erlaubt auch einen dickeren, gleichmässigen Farbauftrag, der hofentlich wieder ein paar Jahre hält.



Und dann sind da noch all die kleinen Probleme; an einer Tür sind alle Barockschlüssel bis auf einen verschwunden. Es gibt zwar eine Schale mit Ersatzschlüsseln, aber es ist nichts Passendes dabei. Also nehme ich wenigstens die Masse auf, und hoffe auf kommende Flohmärkte. Natürlich könnte man auch neue Schlösser einbauen. Deren Schlüssel auch verloren werden, und dann wieder neue Schlösser... ich belasse es beim alten Kastenschloss. Es dient rund 150, 200 Jahre, so genau weiss das keiner, und es wird noch lange dienen. Und irgendwann kommt sicher auch ein passender Schlüssel.



Heute Abend folgt dann das Ausbessern der Türen in Altweiss. Alt- oder Schmutzigweiss. Weisse Türen sind nicht so toll, und ginge es nach mir, würde ich auch den Hausgang nicht weissen, sondern leicht schmutzneutral tönen. Denn der nächste Einzug kommt bestimmt. Nach der Revolution des Netzes, denn wenn diesmal kein Mieter durch Mundpropaganda kommt, setze ich die Wohnung ins Internet. Beruhigend bei all den Arbeiten ist der neue Immobilienkompass, der der Region schon wieder beste Aussichten verspricht: Insel der Seligen, so die Maklerlyrik, sei der Ort, und hier besonders die Altstadt. An Sommertagen wie heute stimmt das, sogar mit viel Arbeit.

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Montag, 5. Juli 2010

Halbgenerationöse Unwägbarkeiten

In der Sozialforschung gibt es den schönen Begriff der "Kohorte", der eine Unterteilung des leidigen und für unsere Zeit unzutreffenden Begriffs "Generation" erlaubt. Das ist eine feine Sache, denn die Lebenswirklichkeit von Angehörigen der Lebensmitte sieht mit euphemistisch als Ü30-Parties beschriebenen Restehökereien anders aus, als das, was jüngere Leute für ihr pralles Leben halten. Kurz: Ü40 hat man so manches hinter sich, was sich andere in angenehmer Unwissenheit gar nicht vorstellen können. Beispielsweise Lebensentwürfe, die nachweislich nicht mehr so funktionieren, wie man das früher, ganz ganz früher dachte. Passiert in den besseren Familien und den Hamstern im Mixer, schreibe ich in der FAZ.

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De Mehran

(kein Latein, sondern Bayerisch: Die Mehrheit)

Die Mehrheit hat sich hierzulande mit doch deutlicher Stimmverteilung für eine Raucherbeschränkung, ja, fast will man sagen, Rauchverbot ausgesprochen, die einen verwundert zurücklässt. In Bayern will eine Mehrheit, dass das Rauchen in Bierzelten verboten wird. Auch Raucherclubs sind nicht mehr erlaubt. Italienische Verhältnisse, wenn man so will. Und das trotz des Aufwandes, den die Lobby für Rauchwaren getrieben hat.

Ich war nicht abstimmen; ich konnte mich nicht entscheiden. Den bisherigen Gesetzesentwurf fand ich in Ordnung, aber ich wollte nicht das falsche Signal für den zukünftigen Tod so vieler geschätzter Freunde geben. Das neue, sehr strenge Gesetz ist nichts, wogegen ich inhaltlich etwas hätte, aber auch als ansonsten recht militanter Nichtraucher hatte es etwas unerfreulich intolerantes an sich. Mal ganz zu schweigen von den Problemen bei der Umsetzung. Aber natürlich kann man das auch machen, nur fühle ich mich dabei nicht wirklich wohl.

Generell wäre ich natürlich froh, wenn das Rauchen ingesamt verschwinden würde, idealerweise aus Gründen der Einsicht und der Vernunft. Ich glaube nicht, dass es jetzt in Bayern zu Speakeasies kommt, oder verruchten Treffpunkten mit Türwächtern, dazu ist Rauchen viel zu normal und langweilig. Es ist eher so wie dieser Vormittag in Berlin, als ich mit einer lieben Bekannten in einem Cafe war, und ihr dort gesagt wurde, sie könne hier nicht rauchen, die anderen Gäste würden das nicht wünschen. Ich fand das angesichts der vorhandenen Aschenbecher sehr kurios, aber es scheint dafür echte Mehrheiten zu geben.



Was auch ein Zeichen dafür ist, wie Bayern sich geändert hat, in den letzten 20 Jahren. Natürlich wurde man als Raucher in der Schule blöd angemacht, wenn einen die Lehrer erwischten, und deie Ecke der Raucher vor dem Schultor galt als Gipfel der Lasterhaftigkeit. Trotzdem gehörte der Zigarettenkonsum zum vollkommen normalen Alltag, und es gab keinen Abend, da nicht alles entsetzlich nach Rauch stank. Das galt als normal, keiner dachte sich etwas dabei. Ich war dagegen zwar allergisch, aber man konte nichts dagegen tun.

Heute hebt es mich, wenn ich in Tirol in ein Cafe gehe; dort ist der Nichtraucherschutz nur rudimentär ausgearbeitet, und entsprechend höllisch stinkt es auch. Wie, frage ich mich, habe ich das früher nächtelang ertragen? Wie kann man in so einer Bude ernsthaft essen, im Sinne von "guten Geschmack der Torte empfinden"? Vermutlich gibt es für Nichtraucher einen rapiden Entwöhnungseffekt, wenn sie erst mal ein Jahr rauchfrei leben, und hier, ist zu vermuten, dachten sich einige, machen wir den Deckel gleich richtig zu. Vielleicht ist es auch der Ärger über Raucher, die sich ab und an dreist benehmen, und generell die Meinung, dass es eine Unart ist, anderen den Gestank aufzuzwingen. Daher die Harke für die Raucher, und die Watschn für die CSU, die sich diesmal nur durchlavieren wollte.

Trotzdem erstaunlich, dass so ein lasterfeindliches Gesetz ausgerechnet im barocken Bayern eine so deutliche Mehrheit findet. Gerade in den katholischen Landesteilen hätte ich das nicht erwartet. (Wenn demnächst Discos in Innenstädten brutal kontrolliert werden sollen, bin ich natürlich wieder mit dabei).

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Sonntag, 4. Juli 2010

Abschlusssteine

diverser berühmter Häuser, manche wichtig, andere lustig.



Und das alles im Gewölbe über einer Begräbnisstätte.

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Sonntag, 4. Juli 2010

Statt Tomate Mozarella

Es gibt so Tage...



Es gibt so Tage, da wird auch das Radlfahren zur verschwitzten Qual, da verschaffen Fahrtwind und Schatten keine Linderung, da bleibt man am besten einfach nur daheim und wartet auf die kühlen Abendwinde, die die stickige Wohnung durchpusten. Dabei ist es im Inneren des Hauses noch recht kühl, aber dennoch: Warmes Essen vor 10 Uhr Abends geht ebenso wenig, wie angemessene Kleidung - die Hauselitesse sah mich folglich in einem kurzärmligen Hemd. Ja, auch so etwas besitze ich für Tage wie diese.

Aber irgendetwas muss man ja essen, egal wie es einen anwürgt, dieses Essen, viel zu heiss und stickig ist es doch, und da müssen die kalorien ohne viel Drumherum kommen, also zwei Sorten Pecorino aus Sardinien, jung und mittelalt, und dazu Feigenmarmelade aus Syrien. Klingt seltsam, ist aber famos an Tagen wie diesen.



Trotzdem, heute hatte ich ein paar Mal den Wunsch nach Schnee, einer eisigen Piste, der Neureuth, und ordentlichen Minustemperaturen.

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Samstag, 3. Juli 2010

Tun was man kann

In letzter Zeit höre ich das auch von Leuten oft, die eigentlich nicht arm sind: "Der Kostenvoranschlag war viel zu hoch, wir machen das Streichen lieber selber." Und dabei habe ich nicht den Eindruck, als wären nur Künstler involviert. Frage ich dann nach den Kosten, kommen wirklich astronomische Zahlen; grob gesagt könnte man für das gleiche Geld auch noch drei Monate in der Wohnung bleiben. Wenn die Aufgabe dann noch komplexer ist - etwa mit Lasur, Holzfarbe, Spachtel und Malerweiss - und 60 Stufen, einem Wandschrank, ein paar Türen und jede Menge Geländer, kann ich mir die Nachfrage bei einem Profi sparen.

Zumal ich so etwas wirklich gern selbst tue. Es hilft beim Sortieren der Gedanken und beim Fassen von Entschlüssen, und gleichzeitig verrennt man sich bei etwas Ablenkung nicht in falscher Beharrlichkeit. Ich mache das vielleiccht nicht als Hobby, ich müsste das nicht jeden Tag tun, aber am Abend sieht man ein Ergebnis, und das ist nicht schlecht.



Ich empfinde das auch nicht als niedrige Tätigkeit, auch wenn man stundenlang vor den Stufen kniet. Es ist halt so, es muss alle 5 bis 10 Jahre gemacht werden, Umzüge und Menschenscharen, die nach oben und unten poltern, und auch Wischfeudel machen es immer wieder mal nötig. Die schwerste Aufgabe ich es, die bin aufs Holz abgetretenen Stufen so einzulassen, dass die Farbe einhetlich wirkt: Nichts in den Ecken, dreimal an der Kante.

So sollte Arbeit immer sein: Einen Sinn haben, gelingen, nicht überfordern und zum Lebensunterhalt gut beitragen. Es dauert natürlich, es ist zu gross, um es an einem Tag zu tun, aber am Ende kann man zufrieden sein. Das ist auch cder Grund, warum ich einmaligen RAMBAM-Aktionen wie dem Blödsinn einer Welt Kompakt für Blogger kritisch gegenüber stehe: Die Dinge müssen wachsen. Man begreit und lernt nicht an einem Nachmittag. Man findet keine Ruhe in der Hektik. Man muss die Dinge ruhig angehen und sie in Ruhe betreiben, man darf sich keinen falschen Druck machen und hintgenrum so angekotzt sein, wie das nun der Fall zu sein scheint, wenn der Verantwortliche klarstellt, dass er froh ist, die Blogger los zu sein.

Ich weiss auch nicht, ob ich einen besseren Weg kenne, aber wenn ich etwas weiss, dann ist es, dass es wie ruhiges Streichen sein wird.

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Freitag, 2. Juli 2010

Ich schreibe über Hayek

und über den Weg in die Unfreiheit, der auf ihn zurückgeht, und dem ich mich nicht entziehen konnte. In der FAZ. Man soll es kaum glauben.

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Ansprache

Wäre ich das Staatsoberhaupt des Landes, würde ich mich hinstellen und die Rede halten, die mir hjer als Oberhaupt des Blogs niemand verbieten kann:

Liebe Genossinnen und Genossen, liebe Mitbürger, Prälaten, Putzkräfte, Vorstandsvorsitzende und Arbeitslose, ich denke, es ist an der Zeit, uns drei Fragen zu stellen, drei einfache Fragen, um unser aller Dasein in diesem Lande besser zu gestalten.

1. Sollen wir nicht doch besser Springer enteignen? Also, nicht nur so ein bischen, sondern richtig. Alles in Staatsbesitz, jedes Medium einstellen, die Druckmaschinen und Server verschrotten, das Springerhochhaus, das ohnehin zu hoch ist, kappen, in den Rest eine soziale Einrichtung rein, wie man das in Italien bei konfisziertem Mafiabesitz macht, und die redaktionellen Mitarbeiter bekommen als Entschädigung 1 Jahr Berufsverbot. Beihelfende Blogger müssen ein Jahr lang nur Döner fressen.

2. Sollten wir bei Auktionen mit Barock- und Rokokoportraits nicht eine Quote für Mediziner und andere mit einem Jahreseinkommen von mehr als 70.000 Euro einführen? Einer pro Auktion, und das auch nur für eine Stunde, idealerweisse bei Militaria und Varia, damit die irdischen Portraitgüter gerechter verteilt werden, und sie nicht schlechtere Söhne aus besserem Haus in den Staub der Auktionsräume bieten?

§. Sollten Hersteller von Holzlasuren die Lösungsmittel nicht in einer anderen Farbe als Pink hinzufügen, um uns, wenn wir die Treppe streichen, nicht entsetzt zurücklassen?



Auf solche bewegenden Gedanken nämlich kommt man, wenn man im Treppenhaus ist und streicht, bei einer Auktion nicht zum Zuge kommt und sich fragt, wie unsagbar nötig man Publicity brauchen muss, um sich für den Gossenspringer herzugeben. Es ist nicht nett, sich in meiner Position über solche Leute lustig zu machen, aber hey, die kruden Figuren aus der vierten Reihe, die den Blödsinn mitgemacht haben, sind selbst schuld, wenn sie so awarenessgeil sind.



Andererseits - den ein oder anderen davon kenne ich ja noch aus Zeiten der New Economy, die ändern sich nie. Vielleicht, weil sie nie Treppen streichen. Sowas erdet.

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Donnerstag, 1. Juli 2010

Wählbar?

In meinen Augen hat die Linke heute mit ihrer verbohrten Haltung mehr verloren, als SchwarzGelb - besonders, wenn man sich solche Aussagen zu Gemüte führt, in denen Hitler-Stalin-Vergleiche bemüht werden, von einem, der selbst noch für die DDR spitzelte. Ich finde den Seeheimer Kreis der SPD auch nicht gerade nett, aber wenn solche Figuten in der Linken die Meinungsführer sind, ist es für diese Leute noch ein verdammt weiter Weg in diese Gesellschaft, und ich glaube nicht, dass sie je wirklich so weit kommen.

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Muttis ungezogene Blagen

Oh, es sieht so aus, als hätten die Bundeskanzlerin und ihr Kandidat mit dem schlechten Bildungshintergrund ein kleines Problem mit den Steigbügelhaltern.

Und für die Linke ist es ein historischer Moment: Sie können mal wieder zeigen, dass ihnen das ehrende Andenken an Ulbricht mehr bedeutet, als irgendwelche Realpolitik.

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