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Donnerstag, 21. Oktober 2010
Wohl bekomm's.
Während es am Tegernsee schön ruhig ist, hatten wir daheim gewisse Unannehmlichkeiten, die dazu führen, dass jemand demnächst unschöne Gerichtsbeschlüsse annehmen muss: Das hat man davon, wenn man Kinder nicht nur nach 10 in die Stadt lässt, sondern auch noch mehr Geld mit gibt, als für einen Billigdöner und eine kleine Cola nötig wäre (Berliner Internetasoziale leben von sowas einen ganzen Tag). Die kaufen nur Flaschen Wodka und werfen damit Scheiben ein.
Aber auch ein schlechtes Betragen kann einen guten Beitragin der FAZ zur Folge haben, denn wenn man sie nicht a la Berlin auf dem untersten Niveau rumkrebsen lässt, muss wenigstens ein effektiver und still agierender Anwalt her, der nicht - wie früher - laut und öffentlich den Ruf mehr schädigt, als er ihm nützt.
Aber auch ein schlechtes Betragen kann einen guten Beitragin der FAZ zur Folge haben, denn wenn man sie nicht a la Berlin auf dem untersten Niveau rumkrebsen lässt, muss wenigstens ein effektiver und still agierender Anwalt her, der nicht - wie früher - laut und öffentlich den Ruf mehr schädigt, als er ihm nützt.
donalphons, 01:55h
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Zurück zu den Silberkännchen
Ich mache das ja so mit den englischen Silberkannen: Im Gegensatz zu Rennrädern hole ich sie nicht persönlich ab (bei Rennrädern ist das enorm wichtig, einerseits will ich die Geschichte dazu hören, andererseits ist Radkauf auch Vertrauenssache), sondern lasse sie aus England schicken. Anders geht es nicht, Silberkannen in Deutschland sind vier mal so teuer und auch nicht besser, aber ich kann nicht dauernd nach England fliegen. Ausserdem ging der letzte Versuch gründlichst daneben, und so werte ich das - bis zum Tweed Run kommenden Jahres - erst mal als Zeichen, in Deutschland zu bleiben, die Rodel zu wachsen und die Rennräder langsam einzumotten. Es ist diese Übergangszeit, und die ist nur tauglich für Silberkannen, nicht aber für Rodel und Rennräder.

Dass ich länger keine Silberkanne mehr erworben habe - genau genommen seit der letzten Übergangszeit zwischen Winter und Frühling - liegt gar nicht so sehr an meinem Wollen, sondern am Kurs des Edelmetalls Silber und der steigenden Zuversicht der Bevölkerung in England. Tatsächlich haben dort die vollkommen überzogenen Immobilienpreise inzwischen wieder angezogen, womit für viele Hausbesitzer mit hohen Krediten das Schlimmste vorbei ist: Sie können wieder verkaufen, ohne danach insolvent zu sein. Kredite sind formal wieder Kredite, und nicht mehr das Ende des Wohlstands. Für den Moment.
Die Ursache für diese steigenden Hauspreise ist aber enorm unschön: Über eine Million im Ausland lebende und arbeitende Briten sollen auf die Insel heimgekehrt sein, weil sie im Ausland keine Arbeit mehr finden und nun natürlich Wohnraum brauchen. Wohnraum und Arbeit. Die ehemaligen Expats haben sicher nicht die allerschlechteste Ausbildung, müssen sich wieder integrieren und angesichts des englischen Asozialstaates schnell eine Arbeit finden. Niedrigere Gehälter akzeptieren. Sich reinhängen. Die haben andere Sorgen als meine Silberkannen. Und jene, mit denen sie sich um die Jobs prügeln, werden auch nicht gerade ans Silberputzen denken. Mal wird der eine gewinnen, mal der andere. Die Verlierer brauchen Geld. Weil der englische Staat jetzt auch noch extrem bei den Sozialausgaben spart.
Dass hier übrigens gleich noch mal 500.000 Arbeitsplätze in den nächsten 5 Jahren verloren gehen (und in der Folge, wie man weiss, sicher nochmal 200.000 weitere, die davon abhängen), macht die Lage auch nicht besser. Man muss sich das mal vorstellen: England hat wegen seiner Bankster einen Neuverschuldung von über 10% im Haushalt, und die Regierung reagiert darauf mit Terror gegen ihre Bürger, wehrt sich aber gegen hartes Vorgehen gegen die Bankster. Ein Land im Würgegriff des organisierten Finanzverbrechens, das selbst wiederum von der Verschuldung profitiert. Man muss kein Hellseher sein um zu wissen, dass es die englische Gesellschaft dabei zerreissen wird. Wenn die Unternehmen, wie jetzt geschehen, behaupten, sie könnten die Arbeitslosigkeit und die damit verbundene Umverteilung in diesem weitgehend deindustrialisierten Land abfangen und Stellen schaffen, denken sie vermutlich eher an Hungerlöhne und Manchesterkapitalismus. Und weil die Lage auch so schwierig sein wird, wird der britische Peso auch weiterin schwächeln. Und weil Silber wenig bringt, wenn man hungert, oder einem das Haus versteigert wird - wird man vermutlich weiter versuchen, die se Assets gewinnbringend zu verkaufen. Eine Silberkanne rettet eine vierköpfige Familie schon mal über 2, 3 Wochen hinweg.
Ich weiss, das ist zynisch und alles andere als nett, aber wenn ein Land nicht in der Lage ist, Verbrecher einzusperren oder zu deportieren, wenn Raub nicht nur legalisiert, sondern als Zukunft der Wirtschaft gepriesen und die Freunde der Räuber mit deren Unterstützung an die Macht kommen - dann braucht es sowas vielleicht. Als heilsamen Schock. Um bei der nächsten Wahl, oder beim Aufstand gegen das Räuberregime, dieses Pack wirklich hinwegzufegen.
Vermutlich aber haben sie es schlau genug gemacht, dass die Last nur ganz langsam zu spüren sein wird, immer etwas schlimmer, hier sparen und dort nicht mehr leisten können, dieses nicht mehr tun und jenes bei Ebay einstellen, sachte, behutsam, nie zu viel Leid und immer schön laute Lügen davon, dass alles bald besser wird, wenn man nur die Schulden reduziert und die Banken aufgepäppelt hat. Aber das ist nicht mein Problem. Ich brauche Silberkannen. Und die hauseigenen Vollversager der bayerischen Landesregierung, die man jetzt noch nicht mal verklagen will, weil ein Gefälligkeitsgutachten davon abrät, habe ich nie gewählt.

Dass ich länger keine Silberkanne mehr erworben habe - genau genommen seit der letzten Übergangszeit zwischen Winter und Frühling - liegt gar nicht so sehr an meinem Wollen, sondern am Kurs des Edelmetalls Silber und der steigenden Zuversicht der Bevölkerung in England. Tatsächlich haben dort die vollkommen überzogenen Immobilienpreise inzwischen wieder angezogen, womit für viele Hausbesitzer mit hohen Krediten das Schlimmste vorbei ist: Sie können wieder verkaufen, ohne danach insolvent zu sein. Kredite sind formal wieder Kredite, und nicht mehr das Ende des Wohlstands. Für den Moment.
Die Ursache für diese steigenden Hauspreise ist aber enorm unschön: Über eine Million im Ausland lebende und arbeitende Briten sollen auf die Insel heimgekehrt sein, weil sie im Ausland keine Arbeit mehr finden und nun natürlich Wohnraum brauchen. Wohnraum und Arbeit. Die ehemaligen Expats haben sicher nicht die allerschlechteste Ausbildung, müssen sich wieder integrieren und angesichts des englischen Asozialstaates schnell eine Arbeit finden. Niedrigere Gehälter akzeptieren. Sich reinhängen. Die haben andere Sorgen als meine Silberkannen. Und jene, mit denen sie sich um die Jobs prügeln, werden auch nicht gerade ans Silberputzen denken. Mal wird der eine gewinnen, mal der andere. Die Verlierer brauchen Geld. Weil der englische Staat jetzt auch noch extrem bei den Sozialausgaben spart.
Dass hier übrigens gleich noch mal 500.000 Arbeitsplätze in den nächsten 5 Jahren verloren gehen (und in der Folge, wie man weiss, sicher nochmal 200.000 weitere, die davon abhängen), macht die Lage auch nicht besser. Man muss sich das mal vorstellen: England hat wegen seiner Bankster einen Neuverschuldung von über 10% im Haushalt, und die Regierung reagiert darauf mit Terror gegen ihre Bürger, wehrt sich aber gegen hartes Vorgehen gegen die Bankster. Ein Land im Würgegriff des organisierten Finanzverbrechens, das selbst wiederum von der Verschuldung profitiert. Man muss kein Hellseher sein um zu wissen, dass es die englische Gesellschaft dabei zerreissen wird. Wenn die Unternehmen, wie jetzt geschehen, behaupten, sie könnten die Arbeitslosigkeit und die damit verbundene Umverteilung in diesem weitgehend deindustrialisierten Land abfangen und Stellen schaffen, denken sie vermutlich eher an Hungerlöhne und Manchesterkapitalismus. Und weil die Lage auch so schwierig sein wird, wird der britische Peso auch weiterin schwächeln. Und weil Silber wenig bringt, wenn man hungert, oder einem das Haus versteigert wird - wird man vermutlich weiter versuchen, die se Assets gewinnbringend zu verkaufen. Eine Silberkanne rettet eine vierköpfige Familie schon mal über 2, 3 Wochen hinweg.
Ich weiss, das ist zynisch und alles andere als nett, aber wenn ein Land nicht in der Lage ist, Verbrecher einzusperren oder zu deportieren, wenn Raub nicht nur legalisiert, sondern als Zukunft der Wirtschaft gepriesen und die Freunde der Räuber mit deren Unterstützung an die Macht kommen - dann braucht es sowas vielleicht. Als heilsamen Schock. Um bei der nächsten Wahl, oder beim Aufstand gegen das Räuberregime, dieses Pack wirklich hinwegzufegen.
Vermutlich aber haben sie es schlau genug gemacht, dass die Last nur ganz langsam zu spüren sein wird, immer etwas schlimmer, hier sparen und dort nicht mehr leisten können, dieses nicht mehr tun und jenes bei Ebay einstellen, sachte, behutsam, nie zu viel Leid und immer schön laute Lügen davon, dass alles bald besser wird, wenn man nur die Schulden reduziert und die Banken aufgepäppelt hat. Aber das ist nicht mein Problem. Ich brauche Silberkannen. Und die hauseigenen Vollversager der bayerischen Landesregierung, die man jetzt noch nicht mal verklagen will, weil ein Gefälligkeitsgutachten davon abrät, habe ich nie gewählt.
donalphons, 01:52h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Mittwoch, 20. Oktober 2010
Am Wasser, weg von den Kliniken
Die Idee mit der herbstlichen Bergtour war vielleicht doch nicht so gut. Irgendwie habe ich das dumpfe Gefühl, dass ich beim nächsten Anstieg schon den Rodel hinter mir herziehen werde, so bitterkalt ist es am See.
Auch ansonsten war es nicht das, was ich erwartet hatte. Der eigentliche Zweck - ein Fehlschlag. Verbunden mit sehr seltsamen Erlebnissen; es gibt so Dinge in diesem Tal, über die man mal schreiben müsste. Wo alles in einem sehr seltsamen Zustand verharrt, als ob es de letzten Jahrzehnte nie gegeben hätte. Einen schlimmen Radunfall würde ich hier nicht haben wollen, es gibt hier so ein paar Kliniken weiter hinten Richtung Kreuth, die auch als Kulisse eines schwarzen Krimis herhalten könnten. Keine Ahnung, wer seine Verwandten dort vergräbt. Heisst dann Tegernsee, ist aber etwas anderes, und zwar nicht nur Rottach. Aber noch ist alles bestens, das ganze Thema ist weit, weit weg in einer Zukunft, von der niemand weiss, wie sie aussieht. Und die Gegenwart wird schnell wieder bunter.
Ansonsten hatte ich eine interessante Idee: Ein Punktesystem für den Zuzug zum Tegernsee. Schwaben wie der Herr Brüderle: - Unendlich. Nicht mehr Zeugungsfähige: - 100 Punkte. Sportler des FC Bayern: - 100 Punkte. Österreicher: - 100 Punkte. Andere Ausländer: Zwischen - 0 (Briten) und - 1000 Punkte (Russen, Berliner, Hamburger, Münchner). Dagegen 1 Punkt pro 100 Bücher. Trachtenaufzug minderer Güte: - 100 Punkte. 1 Punkt für 10 Konzertbesuche. 1 Punkt für 10 Einkäufe auf dem Bauernhof. 1 Punkt für jede Woche in Italien, damit es am See nicht so zugeht (Tegernseer Castortransporte). 10 Punkte für jede unverheiratete, anämisch-musische Tochter. Tut mir natürlich Leid für einige Leute, aber so bekäme man den See erst mal nett leer und dann wieder besser voll. Ach so, und drittklassige Sauger an den dreckigen Zitzen der Glotze mit eigener Vergangenheit ais Trolle mit falschen Namen an der Blogbar, die andere als Trolle outen: Lebenslang Kreuzberg.
Andererseits , was gibt es eigentlich Schöneres an Sozialstudien, als einen Pharmakongress in Rottach, wenn die Damen derweilen einkaufen gehen, während die Männer erklären, dass sie keinen Interessenskonflikt haben? Das hat auch seinen Reiz, mal zu sehen, wie die real existierende Gesundheitspolitik so funktioniert. Nicht alles geht nach Luxemburg, es bleibt auch hier in Pelzgeschäften, obskuren Galerien und Hotels mit Vorhängen, die einen die Kälte da draussen vergessen lassen.
Auch ansonsten war es nicht das, was ich erwartet hatte. Der eigentliche Zweck - ein Fehlschlag. Verbunden mit sehr seltsamen Erlebnissen; es gibt so Dinge in diesem Tal, über die man mal schreiben müsste. Wo alles in einem sehr seltsamen Zustand verharrt, als ob es de letzten Jahrzehnte nie gegeben hätte. Einen schlimmen Radunfall würde ich hier nicht haben wollen, es gibt hier so ein paar Kliniken weiter hinten Richtung Kreuth, die auch als Kulisse eines schwarzen Krimis herhalten könnten. Keine Ahnung, wer seine Verwandten dort vergräbt. Heisst dann Tegernsee, ist aber etwas anderes, und zwar nicht nur Rottach. Aber noch ist alles bestens, das ganze Thema ist weit, weit weg in einer Zukunft, von der niemand weiss, wie sie aussieht. Und die Gegenwart wird schnell wieder bunter.
Ansonsten hatte ich eine interessante Idee: Ein Punktesystem für den Zuzug zum Tegernsee. Schwaben wie der Herr Brüderle: - Unendlich. Nicht mehr Zeugungsfähige: - 100 Punkte. Sportler des FC Bayern: - 100 Punkte. Österreicher: - 100 Punkte. Andere Ausländer: Zwischen - 0 (Briten) und - 1000 Punkte (Russen, Berliner, Hamburger, Münchner). Dagegen 1 Punkt pro 100 Bücher. Trachtenaufzug minderer Güte: - 100 Punkte. 1 Punkt für 10 Konzertbesuche. 1 Punkt für 10 Einkäufe auf dem Bauernhof. 1 Punkt für jede Woche in Italien, damit es am See nicht so zugeht (Tegernseer Castortransporte). 10 Punkte für jede unverheiratete, anämisch-musische Tochter. Tut mir natürlich Leid für einige Leute, aber so bekäme man den See erst mal nett leer und dann wieder besser voll. Ach so, und drittklassige Sauger an den dreckigen Zitzen der Glotze mit eigener Vergangenheit ais Trolle mit falschen Namen an der Blogbar, die andere als Trolle outen: Lebenslang Kreuzberg.
Andererseits , was gibt es eigentlich Schöneres an Sozialstudien, als einen Pharmakongress in Rottach, wenn die Damen derweilen einkaufen gehen, während die Männer erklären, dass sie keinen Interessenskonflikt haben? Das hat auch seinen Reiz, mal zu sehen, wie die real existierende Gesundheitspolitik so funktioniert. Nicht alles geht nach Luxemburg, es bleibt auch hier in Pelzgeschäften, obskuren Galerien und Hotels mit Vorhängen, die einen die Kälte da draussen vergessen lassen.
donalphons, 01:58h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Montag, 18. Oktober 2010
Das Internet wird wieder verschwinden
Und seine Nutzer, die uns nicht bezahlen wollen, die brauchen von uns auch keine Inhalte.
Unser Print und seine zahlenden Leser sind toll genug!
Und überhaupt fanden wir ja diese freie Klickerei schon immer voll doof.
Die Zukunft jedenfalls heisst: Online ist Sparen! Wir versuchen aber gerade, bei der Politik wahlweise eine Online-Gema oder die Wiedereinführung der Zwangsarbeit für Inhaltediebe durchzusetzen - wenn das gelungen ist und alle an useren Ketten stöhnen, gibt es vielleicht wieder mehr gschmierte Meinung von uns im Netz.
Und ich glaube, dass das Positionen sind, die man in Zeiten wie diesen gegenüber Medienkonzernen wie Burda durchaus vertreten kann, ohne dass man dafür schräg angeschaut wird.
Unser Print und seine zahlenden Leser sind toll genug!
Und überhaupt fanden wir ja diese freie Klickerei schon immer voll doof.
Die Zukunft jedenfalls heisst: Online ist Sparen! Wir versuchen aber gerade, bei der Politik wahlweise eine Online-Gema oder die Wiedereinführung der Zwangsarbeit für Inhaltediebe durchzusetzen - wenn das gelungen ist und alle an useren Ketten stöhnen, gibt es vielleicht wieder mehr gschmierte Meinung von uns im Netz.
Und ich glaube, dass das Positionen sind, die man in Zeiten wie diesen gegenüber Medienkonzernen wie Burda durchaus vertreten kann, ohne dass man dafür schräg angeschaut wird.
donalphons, 12:58h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Montag, 18. Oktober 2010
Franz und Johann haben gefehlt
Trotz langjähriger Vergebenheit in für unsere Epoche doch recht feste Hände bin ich überzeugter Anhänger der eigenen Wohnung. Sollte sich das je ändern, würde ich im Sinne des 18. Jahrhunderts und seiner Herrschaftsarchitektur zumindest zwei Flügel haben wollen, so dass man sich wirklich aus dem Weg ist, wenn man sich aus dem Weg gehen will. 6 Zimmer dazwischen ist in der Hinsicht vermutlich ausreichend - und im Übrigen in diesem Komplex sogar bautechnisch möglich.
Will ich aber dereinst wirklich vergrössern, Türen wieder öffnen lassen und dabei vielleicht das Dienstbotenhaus seiner ursprünglichen Bedeutung zuführen - brauche ich Ausstattung. In diesen tristen Zeiten kann man nicht einfach nach Fürth fahren und sagen: 10 Prunkvenezianer bitte, den, den, den und dann noch ein paar spezielle Exemplare. Man muss beizeiten mühsam zusammenkaufen, sich auf Auktionen mit Zahnärzten herumschlagen und viel Glück haben. Nach meiner Beobschtung kauft man besser 5 Jahre vor der Erweiterung schon mal ein, damit man 5 Jahre nach der Erweiterung alles beisammen hat, und man sich mit der Frage der Gemälde beschäftigen kann (suche übrigens dringend noch drei mittelgrosse Capriccios mit italienischen Motiven, 18. Jahrhundert).
Zu den Problemen des Alleinlebens jedoch gehört der Umstand, dass man nicht mal eben sagen kann: Schatz, ich halte mal den neuen Prunkvenezianer hin, schau mal, ob es passt. Es hat auch seine Vorteile, denn beim Heben von 40 Kilo Glas und Holz sieht man für den Schatz nicht wirklich begehrenswert aus, zumal so ein Spiegel ganz jämmerlich glitscht und zappelt und dem Boden entgegen strebt, und man nur selbst ahnt, wie lächerlich man aussieht, unzumutbar für den Schatz - kurz, auch das Gesindehaus hätte bereits in diesem frühen Stadium seine Vorteile. So könnte man sich zum Schatz gesellen, einen Kuss auf sie geben und sagen: Johann, ein wenig höher bitte, und Franz, etwas niedriger, und alles etwas mehr nach rechts. Schatz, was meinst Du? Passt er?
Das geht noch nicht, noch bin ich allein, und deshalb sieht der neue Venezianer an Stelle des alten Venezianers auch - wie soll ich sagen: Ich glaube, ich muss mich erst mal daran gewöhnen:
Auf jeden Fall hängt er zu hoch. Was ein wenig doof ist, weil das Anbringen eines wirklich guten Hakens immer eine Mordsarbeit ist, und das Verkitten seines alten Lochs dieser Dimension auch nicht gerade die Wand verschönert. Eventuell kann ich aber etwas an der Aufhängung machen - nur sollte es sicher sein, denn wenn dieses Monstrum fällt, darf niemand darunter sitzen, der nicht zumindest nordkoreanischer Diktator oder Kernkraftwerklobbyist ist.
Dafür habe ich noch etwas anderes gefunden, was ich lange suchte: Ein alter Rennkompressor, der nicht im üblichen, langweiligen Schwarz ist, und der mir hilft, auch weiterhin CO2-neutral durch das Bayernland zu rollen.
Was ich im Übrigen morgen nicht tun werde, da bin ich in anderen Dingen mit dem Auto unterwegs, stets hoffend, dass der neue Spiegel hält. Und bei mir die Gewöhnung an seine Übergrösse einsetzt.
Will ich aber dereinst wirklich vergrössern, Türen wieder öffnen lassen und dabei vielleicht das Dienstbotenhaus seiner ursprünglichen Bedeutung zuführen - brauche ich Ausstattung. In diesen tristen Zeiten kann man nicht einfach nach Fürth fahren und sagen: 10 Prunkvenezianer bitte, den, den, den und dann noch ein paar spezielle Exemplare. Man muss beizeiten mühsam zusammenkaufen, sich auf Auktionen mit Zahnärzten herumschlagen und viel Glück haben. Nach meiner Beobschtung kauft man besser 5 Jahre vor der Erweiterung schon mal ein, damit man 5 Jahre nach der Erweiterung alles beisammen hat, und man sich mit der Frage der Gemälde beschäftigen kann (suche übrigens dringend noch drei mittelgrosse Capriccios mit italienischen Motiven, 18. Jahrhundert).
Zu den Problemen des Alleinlebens jedoch gehört der Umstand, dass man nicht mal eben sagen kann: Schatz, ich halte mal den neuen Prunkvenezianer hin, schau mal, ob es passt. Es hat auch seine Vorteile, denn beim Heben von 40 Kilo Glas und Holz sieht man für den Schatz nicht wirklich begehrenswert aus, zumal so ein Spiegel ganz jämmerlich glitscht und zappelt und dem Boden entgegen strebt, und man nur selbst ahnt, wie lächerlich man aussieht, unzumutbar für den Schatz - kurz, auch das Gesindehaus hätte bereits in diesem frühen Stadium seine Vorteile. So könnte man sich zum Schatz gesellen, einen Kuss auf sie geben und sagen: Johann, ein wenig höher bitte, und Franz, etwas niedriger, und alles etwas mehr nach rechts. Schatz, was meinst Du? Passt er?
Das geht noch nicht, noch bin ich allein, und deshalb sieht der neue Venezianer an Stelle des alten Venezianers auch - wie soll ich sagen: Ich glaube, ich muss mich erst mal daran gewöhnen:
Auf jeden Fall hängt er zu hoch. Was ein wenig doof ist, weil das Anbringen eines wirklich guten Hakens immer eine Mordsarbeit ist, und das Verkitten seines alten Lochs dieser Dimension auch nicht gerade die Wand verschönert. Eventuell kann ich aber etwas an der Aufhängung machen - nur sollte es sicher sein, denn wenn dieses Monstrum fällt, darf niemand darunter sitzen, der nicht zumindest nordkoreanischer Diktator oder Kernkraftwerklobbyist ist.
Dafür habe ich noch etwas anderes gefunden, was ich lange suchte: Ein alter Rennkompressor, der nicht im üblichen, langweiligen Schwarz ist, und der mir hilft, auch weiterhin CO2-neutral durch das Bayernland zu rollen.
Was ich im Übrigen morgen nicht tun werde, da bin ich in anderen Dingen mit dem Auto unterwegs, stets hoffend, dass der neue Spiegel hält. Und bei mir die Gewöhnung an seine Übergrösse einsetzt.
donalphons, 01:50h
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Sonntag, 17. Oktober 2010
MIST! MIST! MIST!
Plötzlich dröhnt es draussen los. Trommeln, Fanfaren, marschierende Stiefel. Vintage Vuvuzela Vichser des ortansässigen Fussballclubs. Äh nein, nur Soldaten im Regen auf dem Weg zur Fahnenweihe. Trotzdem: Alptraum für einen überzeugten und unausgeschlafenen Zivilisten wie mich.

Fahnen, die in Plastikhüllen stecken. Blut auf dem Schlachtfeld wäre kein Problem, aber Regen? Igitt! Und dann begriff ich, was für ein wunderbares Sinnbild der konservativen Haltung dieses Bild hätte sein können: Denn genau das ist er, der Konservativismus: Eine billige Plastikhülle zur Erhaltung verweichlichender alter Ideologiefetzen. Etwas, an das man sich klammert und das man vorzeigt, weil man es eben hat und gewohnt ist. Was für ein Bild! Und wie wunderbar hätte es zu dem Beitrag in der FAZ gepasst, den ich einen Tag davor geschrieben habe, genau zu jenem Thema!
Ich bin dann runtergegangen und habe mir mit denen eine wüste Schlägerei geliefert, weil ich es voll asozial finde, dass die mich erst einen Tag lang versetzt haben und dann auch noch mit dem Getröte aus dem Bett pusten.

Fahnen, die in Plastikhüllen stecken. Blut auf dem Schlachtfeld wäre kein Problem, aber Regen? Igitt! Und dann begriff ich, was für ein wunderbares Sinnbild der konservativen Haltung dieses Bild hätte sein können: Denn genau das ist er, der Konservativismus: Eine billige Plastikhülle zur Erhaltung verweichlichender alter Ideologiefetzen. Etwas, an das man sich klammert und das man vorzeigt, weil man es eben hat und gewohnt ist. Was für ein Bild! Und wie wunderbar hätte es zu dem Beitrag in der FAZ gepasst, den ich einen Tag davor geschrieben habe, genau zu jenem Thema!
donalphons, 01:46h
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Samstag, 16. Oktober 2010
Der letzte der guten Tage
Es wird Zeit, dass ich nochmal in die Berge komme. Dieses Jahr gab es zu viel anderes zu tun, zu viel unterwegs, zu viel Anforderungen und Verpflichtungen. Kein Wunder also, wenn das Rad den Stiefel und die Äcker die Wälder ersetzen.
Allein, man muss mit dem zufrieden sein, was man hat, und das schöne an der dummen, kleinen Stadt an der Donau ist, dass sie nicht gross und die Ortsgrenze nicht weit ist, trotz all der Veränderungen der letzten 20, 30 Jahre.
Und dort, wo ich fahre, ist es ohnhin recht einsam. Früher war der Verkehr sehr viel gefährlicher in dieser Region, da gab es keinen Monat, wo ich nicht irgendwelche Autos in Strassengräben oder Schlimmeres sah, aber dennoch denke ich, dass ich lieber irgendwo fahre, wo ich niemandem begegne. Das ist wie beim Bergsteigen; natürlich grüsse ich, aber ich gehe, wenn ich allein losmarschiere, nicht auf den Berg, um Menschen zu sehen. Der Berg ist anstrengend genug.
Es ist auch ganz nett, weg von der Carbonneuradshow zu sein, die ein paar Strassen weiter tobt. Die Stadt ist reich, das sieht man auch an den Rädern, aber ich habe wenig Lust, in irgendwelchen Gruppen zu landen, die Plastik durch die Gegend schaukeln und meine - im Übrigen gar nicht so extrem alten - Räder für einen komischen Spleen halten. Nicht dass ich das Alter toll finden würde - früher war vieles schlechter - aber ich denke auch, dass man, wenn man mit einem Rad 1998 hundert Kilometer weit fahren kann, das gleiche auch 2010 möglich sein sollte.

Aber damit hat man es nicht zwingend leichter, wenn alle um einen herum die Vorzüge eines weiteren Ritzels, eines Megapixels oder was auch immer sonst unverzichtbar scheint, bereden. Innerlich schalte ich sofort ab, wenn ich Worte wie Firtschritt oder Zukunft oder 21 oder Chancen höre. Das ist wie im Internet und bei all den tollen Projekten: Sie sind so modern, dass es den modernen Menschen dafür gar nicht gibt, egal ob Zoomer oder der neueste Dreck aus dem Springersumpf. Da fahre ich dann doch lieber mein altes Rad fern von den grossen, dummen Städten mit ihren Alleswissern und Vollkompetenten. Gwerade waren übrigens wieder die Medientage.
Allein, man muss mit dem zufrieden sein, was man hat, und das schöne an der dummen, kleinen Stadt an der Donau ist, dass sie nicht gross und die Ortsgrenze nicht weit ist, trotz all der Veränderungen der letzten 20, 30 Jahre.
Und dort, wo ich fahre, ist es ohnhin recht einsam. Früher war der Verkehr sehr viel gefährlicher in dieser Region, da gab es keinen Monat, wo ich nicht irgendwelche Autos in Strassengräben oder Schlimmeres sah, aber dennoch denke ich, dass ich lieber irgendwo fahre, wo ich niemandem begegne. Das ist wie beim Bergsteigen; natürlich grüsse ich, aber ich gehe, wenn ich allein losmarschiere, nicht auf den Berg, um Menschen zu sehen. Der Berg ist anstrengend genug.
Es ist auch ganz nett, weg von der Carbonneuradshow zu sein, die ein paar Strassen weiter tobt. Die Stadt ist reich, das sieht man auch an den Rädern, aber ich habe wenig Lust, in irgendwelchen Gruppen zu landen, die Plastik durch die Gegend schaukeln und meine - im Übrigen gar nicht so extrem alten - Räder für einen komischen Spleen halten. Nicht dass ich das Alter toll finden würde - früher war vieles schlechter - aber ich denke auch, dass man, wenn man mit einem Rad 1998 hundert Kilometer weit fahren kann, das gleiche auch 2010 möglich sein sollte.

Aber damit hat man es nicht zwingend leichter, wenn alle um einen herum die Vorzüge eines weiteren Ritzels, eines Megapixels oder was auch immer sonst unverzichtbar scheint, bereden. Innerlich schalte ich sofort ab, wenn ich Worte wie Firtschritt oder Zukunft oder 21 oder Chancen höre. Das ist wie im Internet und bei all den tollen Projekten: Sie sind so modern, dass es den modernen Menschen dafür gar nicht gibt, egal ob Zoomer oder der neueste Dreck aus dem Springersumpf. Da fahre ich dann doch lieber mein altes Rad fern von den grossen, dummen Städten mit ihren Alleswissern und Vollkompetenten. Gwerade waren übrigens wieder die Medientage.
donalphons, 01:52h
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Sachen, die nicht in der Zeitung stehen,
finde ich dafür in Blogs, wie etwa diesen feinen Beitrag über die Stuttgarter Interessenslage. Oder was man als solche bezeichnen könnte, wenn man höflich ist.
donalphons, 18:06h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Donnerstag, 14. Oktober 2010
Geld beschädigen
Hurra! Wir leben noch! Die Wirtschaft brummt, die Arbeitslosigkeit fällt, die Krise ist vorbei und Ferrari hat Liexerprobleme wegen der Bankster. Sogar in London sind die Häuser wieder teurer als vor der Krise, selbst wenn das Land so mies dasteht wie immer - nur sind jetzt ein paar Schuldner besser dran, als vor zwei Jahren. Nur in Amerika will die FED jetzt schon wieder enorm viel Geld in die Finanzmärkte pumpen - Change nennt man das in Obamaland. Aber ansonsten sieht alles bestens aus.

Bis auf diese kleine, unerfreuliche Sache mit den Währungsabwertungen. Momentan ist jeder erpicht, nicht von allen die härteste Währung zu haben. Die Chinesen haben Angst um ihre Margen, die Deutschen um die Exporte, die Amerikaner um die Binnenkonjunktur und die Arbeitslosigkeit, also versucht auf Teufel komm raus jeder, beim Rennen um die schwächste Währung zu führen. Den Chinesen kann es als heimliche Finanziers im Hintergrund egal sein, die können ihre Währung nach Belieben anpassen, der Rest jedoch...
Der Rest darf sich über solche Analysen freuen: Mit Irland, Portugal und Griechenland sind damit schon drei Länder der EU in den Top Ten der riskantesten Nationen, wenn es nach einer Analyse der langweiligen und gar nicht plakativen, aber recht relevanten Kreditausfallversicherungen geht. Das ist natürlich ein hartes Los angesichts des Umstandes, dass die EU für deren Schulden zu haften gedenkt, aber die Märkte denken anders.
Gleichzeitig sind die USA im gleichen Ranking erheblich abgestürzt, und angesichts der erneut laufenden Gelddruckmaschine der Notenbank dürfen wir uns sicher bald auf weitere Risiken freuen.
Heisst im Kern: Es gibt keinen Grund, den Dollar nicht in den Keller zu spekulieren. Dito für das britische Pfund (lange keine silberne Teekanne mehr gekauft). Aber auch den Euro, mit diesen Pleitekandidaten an Bord und einem dumm grinsenden Wirtschaftsminister in Berlin, der noch immer nicht verstanden hat, dass der Export kein Allheilmittel ist, wenn die Importeure finanziell am Ende sind. Und weil so viele Währungen abrauschen, rauschen die Rohstoffe als Ersatzwährung massiv nach oben.
Also, immer ein Auge auf die Währungen werfen, da kommt etwas sehr Unerfreuliches auf uns zu. Tolle Währung, dieser Euro: Eine Abwärtsspirale überleben, weil die Stabiliät mit den Mitgliedern den Bach runter geht. Wäre ich Grieche, würde ich jetzt bei der kaputtesten Grossbank des Landes einen fetten Kredit aufnehmen.

Bis auf diese kleine, unerfreuliche Sache mit den Währungsabwertungen. Momentan ist jeder erpicht, nicht von allen die härteste Währung zu haben. Die Chinesen haben Angst um ihre Margen, die Deutschen um die Exporte, die Amerikaner um die Binnenkonjunktur und die Arbeitslosigkeit, also versucht auf Teufel komm raus jeder, beim Rennen um die schwächste Währung zu führen. Den Chinesen kann es als heimliche Finanziers im Hintergrund egal sein, die können ihre Währung nach Belieben anpassen, der Rest jedoch...
Der Rest darf sich über solche Analysen freuen: Mit Irland, Portugal und Griechenland sind damit schon drei Länder der EU in den Top Ten der riskantesten Nationen, wenn es nach einer Analyse der langweiligen und gar nicht plakativen, aber recht relevanten Kreditausfallversicherungen geht. Das ist natürlich ein hartes Los angesichts des Umstandes, dass die EU für deren Schulden zu haften gedenkt, aber die Märkte denken anders.
Gleichzeitig sind die USA im gleichen Ranking erheblich abgestürzt, und angesichts der erneut laufenden Gelddruckmaschine der Notenbank dürfen wir uns sicher bald auf weitere Risiken freuen.
Heisst im Kern: Es gibt keinen Grund, den Dollar nicht in den Keller zu spekulieren. Dito für das britische Pfund (lange keine silberne Teekanne mehr gekauft). Aber auch den Euro, mit diesen Pleitekandidaten an Bord und einem dumm grinsenden Wirtschaftsminister in Berlin, der noch immer nicht verstanden hat, dass der Export kein Allheilmittel ist, wenn die Importeure finanziell am Ende sind. Und weil so viele Währungen abrauschen, rauschen die Rohstoffe als Ersatzwährung massiv nach oben.
Also, immer ein Auge auf die Währungen werfen, da kommt etwas sehr Unerfreuliches auf uns zu. Tolle Währung, dieser Euro: Eine Abwärtsspirale überleben, weil die Stabiliät mit den Mitgliedern den Bach runter geht. Wäre ich Grieche, würde ich jetzt bei der kaputtesten Grossbank des Landes einen fetten Kredit aufnehmen.
donalphons, 01:05h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Mittwoch, 13. Oktober 2010
Grenzen der Technik und der Hirne
In den letzten Tagen musste ich manche Einlassung im Internet erst zweimal lesen. Ich mein, ich bin hier draussen ja einigen Irrsinn gewohnt, Billigdöner fressende Asoziale als Vorkämpfer einer Stalkeröffentlichkeit mit totalitärem Zwang, PR-Unternehmer, die als rebellisch gelten wollen, Berufsjugendlichenopas - aber die Argunentation, dass einem die Protestanten in Stuttgart von der Sozialstruktur her nicht passen und Tweedträger nicht demonstrieren sollten, die ist schon von besonderer RAFinesse.

Es ist nicht so, dass ich jede Demonstration mag. Ich war Im Tal vorne mit dabei, als in München gegen die Wehrmachtsausstellung demonstriert wurde. Natürlich kann man sagen: Lieber Don, damals hast Du Dich denen in den erlaubten Weg gestellt, die hatten ein Recht, den Marienplatz zu betreten, und es war zumindest fragwürdig, sie daran zu hindern, nur weil sie keine Haare auf dem Kopf und kein Hirn in demselben hatten. Ich habe damals mit meiner Angst bezahlt, und die hatte ich wirklich - das hätte durchaus unerfreulich werden können, so Aug in Aug mit gewissen Ostdeutschen und ihrer Runenbannern. Hier marschiert der nationale Widerstand, sangen sie davor, und hier Im Tal marschierten sie dann nicht mehr, aber wehe, wenn sie es doch versucht hätten... Ich kann also durchaus verstehen, wenn man gewisse Demonstrationen lieber nicht hätte. Aber es gibt nun mal ein Recht, für seine Überzeugungen öffentlich einzutreten. Man kann darüber reden, ab welcher Grenze man ernsthaft dieses Recht begrenzt sehen möchte. Tweed, ein Alter von mehr als 60 Jahren und eine Neigung, Union oder FDP zu wählen, würde ich nicht ernsthaft als Grund anführen wollen. Auch nicht, wenn es in der "Die sehen ja gar nicht aus wie ein Berliner Asozialer"-Verkleidung daher kommt. Natürlich dürfen auch Rechte für ihre Überzeugungen eintreten. Wo sind wir denn?

Natürlich kann man auch wegen der Technikfeindlichkeit rund um Stuttgart 21 Bauchschmerzen haben. Nur: Keiner von den Demonstranten wird ernsthaft zurück ins Mittelalter wollen. Anhand dieses Bahnhofs liesse sich unter anderen Umständen sehr entspannt darüber reden, ob wir denn alles technisch umsetzen müssen, was technisch möglich ist. Ob die zweitbeste technische Lösung nicht für die Betroffenen dennoch die beste Lösung ist. Diese technische Vernunft ist nicht selten; gerade im Bereich des Digitalen sehen wir das immer wieder: Bei den Prozessoren der Rechner. Bei den Megapixeln der Kameras. Bei der Langweile, die irgendwann jedes soziale Netzwerk tötet, gestern Myspace, heute StudiVZ, morgen Facebook. Man könnte 24 Stunden online sein, aber es gibt eben eine gewisse Zeit für das eine, und genug Zeot für das andere. Wie man es macht und braucht, kann jeder privat selbst entscheiden. Wenn es nach draussen geht und andere belästigt, muss man sich eben einigen. Das ist - in meinen Augen - der schöne Zug an einer Demonstration, in der nicht nur die üblichen Verdächtigen mitrennen.

Ohnehin glaube ich, dass nach 150 Jahren der Beschleunigung gar nicht mehr die Frage der Geschwindigkeit entscheidend ist. Auch nicht, wie man noch höhere Geschwindigkeiten kontrolliert. Man kann vielleicht Lösungen finden, alles noch dichter zu packen und ans Limit zu quetschen, aber der limitierende Faktor menschlicher Eigenschaften wie Ruhebedürfnis, Langeweile, Nachdenken, Reden, Geniessen, Trauern wird dadurch nur bei indolenten Volldeppen ausgeschaltet. Es geht um die Frage, wie man aus der Geschwindigkeit Gewinn für alle zieht und Verluste vermeidet. Und fraglos ist mir der Baumfreund innerlich näher als der Mordwaffenherstellerboss, der jetzt eben Züge und Bahnhöfe mit der gleichen Gnadenlosigkeit verwaltet und es darauf anlegt, jeden Kompromiss wegzuräumen. Das ist in meinen Augen eher ein Problem für diesen Staat: Dass einer seiner Angestellten meint, mit allen Mitteln mit seinen kritischen Arbeitgebern fertig werden zu können, weil ihn eher unwillige Polizei, ein paar Profiteure und blöde Politiker und im Kielwasser noch blödere Internetvollchecker decken - weil sie Tweed und gewaschene Hälse nicht schätzen.

Auch so eine Meinung darf man natürlich haben. Klar. Warum nicht. Schon früher zogen politische Demonstrationen auch Wirrköpfe an. Und nach meinen Erfahrungen muss ich sagen, dass es mich damals nicht wirklich entsetzlich gestört hat, wenn die Irrsten der Irren dann Probleme bekamen. Hier sind es diesmal auch nur ein paar Würger aus dem Internet, das stört draussen niemand, und ich würde denen auch nicht unterstellen, dass sie gekauft sind: Die machen das schon von ganz alleine, denen geht es nicht um einen Bahnhof, sondern nur die Hegemonie der Aufregeritis und des Dagegenseins. Kann man machen. Darf man auch.
Saublöd ist es trotzdem.

Es ist nicht so, dass ich jede Demonstration mag. Ich war Im Tal vorne mit dabei, als in München gegen die Wehrmachtsausstellung demonstriert wurde. Natürlich kann man sagen: Lieber Don, damals hast Du Dich denen in den erlaubten Weg gestellt, die hatten ein Recht, den Marienplatz zu betreten, und es war zumindest fragwürdig, sie daran zu hindern, nur weil sie keine Haare auf dem Kopf und kein Hirn in demselben hatten. Ich habe damals mit meiner Angst bezahlt, und die hatte ich wirklich - das hätte durchaus unerfreulich werden können, so Aug in Aug mit gewissen Ostdeutschen und ihrer Runenbannern. Hier marschiert der nationale Widerstand, sangen sie davor, und hier Im Tal marschierten sie dann nicht mehr, aber wehe, wenn sie es doch versucht hätten... Ich kann also durchaus verstehen, wenn man gewisse Demonstrationen lieber nicht hätte. Aber es gibt nun mal ein Recht, für seine Überzeugungen öffentlich einzutreten. Man kann darüber reden, ab welcher Grenze man ernsthaft dieses Recht begrenzt sehen möchte. Tweed, ein Alter von mehr als 60 Jahren und eine Neigung, Union oder FDP zu wählen, würde ich nicht ernsthaft als Grund anführen wollen. Auch nicht, wenn es in der "Die sehen ja gar nicht aus wie ein Berliner Asozialer"-Verkleidung daher kommt. Natürlich dürfen auch Rechte für ihre Überzeugungen eintreten. Wo sind wir denn?

Natürlich kann man auch wegen der Technikfeindlichkeit rund um Stuttgart 21 Bauchschmerzen haben. Nur: Keiner von den Demonstranten wird ernsthaft zurück ins Mittelalter wollen. Anhand dieses Bahnhofs liesse sich unter anderen Umständen sehr entspannt darüber reden, ob wir denn alles technisch umsetzen müssen, was technisch möglich ist. Ob die zweitbeste technische Lösung nicht für die Betroffenen dennoch die beste Lösung ist. Diese technische Vernunft ist nicht selten; gerade im Bereich des Digitalen sehen wir das immer wieder: Bei den Prozessoren der Rechner. Bei den Megapixeln der Kameras. Bei der Langweile, die irgendwann jedes soziale Netzwerk tötet, gestern Myspace, heute StudiVZ, morgen Facebook. Man könnte 24 Stunden online sein, aber es gibt eben eine gewisse Zeit für das eine, und genug Zeot für das andere. Wie man es macht und braucht, kann jeder privat selbst entscheiden. Wenn es nach draussen geht und andere belästigt, muss man sich eben einigen. Das ist - in meinen Augen - der schöne Zug an einer Demonstration, in der nicht nur die üblichen Verdächtigen mitrennen.

Ohnehin glaube ich, dass nach 150 Jahren der Beschleunigung gar nicht mehr die Frage der Geschwindigkeit entscheidend ist. Auch nicht, wie man noch höhere Geschwindigkeiten kontrolliert. Man kann vielleicht Lösungen finden, alles noch dichter zu packen und ans Limit zu quetschen, aber der limitierende Faktor menschlicher Eigenschaften wie Ruhebedürfnis, Langeweile, Nachdenken, Reden, Geniessen, Trauern wird dadurch nur bei indolenten Volldeppen ausgeschaltet. Es geht um die Frage, wie man aus der Geschwindigkeit Gewinn für alle zieht und Verluste vermeidet. Und fraglos ist mir der Baumfreund innerlich näher als der Mordwaffenherstellerboss, der jetzt eben Züge und Bahnhöfe mit der gleichen Gnadenlosigkeit verwaltet und es darauf anlegt, jeden Kompromiss wegzuräumen. Das ist in meinen Augen eher ein Problem für diesen Staat: Dass einer seiner Angestellten meint, mit allen Mitteln mit seinen kritischen Arbeitgebern fertig werden zu können, weil ihn eher unwillige Polizei, ein paar Profiteure und blöde Politiker und im Kielwasser noch blödere Internetvollchecker decken - weil sie Tweed und gewaschene Hälse nicht schätzen.

Auch so eine Meinung darf man natürlich haben. Klar. Warum nicht. Schon früher zogen politische Demonstrationen auch Wirrköpfe an. Und nach meinen Erfahrungen muss ich sagen, dass es mich damals nicht wirklich entsetzlich gestört hat, wenn die Irrsten der Irren dann Probleme bekamen. Hier sind es diesmal auch nur ein paar Würger aus dem Internet, das stört draussen niemand, und ich würde denen auch nicht unterstellen, dass sie gekauft sind: Die machen das schon von ganz alleine, denen geht es nicht um einen Bahnhof, sondern nur die Hegemonie der Aufregeritis und des Dagegenseins. Kann man machen. Darf man auch.
Saublöd ist es trotzdem.
donalphons, 01:51h
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Wo bleibt eigentlich Stuttgart21,
werden sich manche hier gefragt haben.
Nun, hoffentlich bei den Schwaben, sagte ich bisher.
Aber jetzt auch in die FAZ, zum Thema Bürgertum.
Nun, hoffentlich bei den Schwaben, sagte ich bisher.
Aber jetzt auch in die FAZ, zum Thema Bürgertum.
donalphons, 17:03h
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