: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Samstag, 11. Februar 2012

Gerechtigkeit für den Winter

2008 war ein Traumwinter; da bin ich an den Tegernsee gezogen. Warm, schneefrei, eigentlich Frühling. Blitzblauer Himmel, tiefblauer See.



2009 war ein Traumwinter. Unten am See war es frühlingshaft mild, überall war es sonnig, und oben war genug Schnee zum Rodeln. Man konnte es sich aussuchen. Und warm war es! Es gibt Bilder von mir neben einem Termometer, das 20 Grad an einer Hauswand anzeigt. Ganz oben auf dem Berg, im Schnee.



2010 war ein Katastrophenwinter für die, die nicht am See waren. Das Wort "spätrömische Dekadenz" ist gefallen von jemandem, dem man selbst gern beim Schneeschippen zuschauen würde. Und zwar nur mit Hipsterbrille und einem Laken bekleidet. Am See war das Wetter dagegen traumhaft. Sonne, Sonne, Sonne über angenehmem Schnee. Und Inversionswetterlage. Oben warm, unten in München eisig.



2011 war nochmal so ein Jahr, da kamen manche über Wochen mit ihren Autos nicht aus den Schneehaufen heraus. Der Winter dauerte zwar auch am See sehr lang, aber er war sehr schön. Sagenhaft. Nur etwas mehr Schnee hätten wir gebraucht. Richtig erbärmlich kalt war es in all den Jahren selten, man konnte trotzdem immer draussen etwas tun. Keine Frage, ich bin verwöhnt.



2012... man muss auch mal das Silber putzen und Rezepte variieren. Draussen sein und Rodeln ist überbewertet, wenn es auch am Tag minus 20 Grad hat. Und ich muss vermieten und restaurieren und habe auch so genug zu tun. Und vier Jahre lang hatte ich die schönsten Winter, die man sich vorstellen kann, da darf es auch einmal aussetzen. Und dafür hatten wir ja auch einen Traumnovember, das muss man auch sehen.

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Freitag, 10. Februar 2012

Pardon

Ich arbeite gerade zeitgleich an zwei grösseren Geschichten; eine ist schon länger angefordert und die andere geht mir seit der Lektüre eines Buches nicht aus dem Kopf. Beide Geschichten hängen irgendwo zusammen; in der einen geht es um gewisse Wohlstandselenderscheinungen in München und in der anderen um die Frage, warum Berin mit schwarzrot und Spiesserpiraten so unsexy ist. Irgendwie hänge die beiden Themen zusammen.



Als ich Ende 2003 nach Berlin ging, hatte das Ende der New Economy eine Tabula Rasa hinterlassen, und alle fragten sich damals, was jetzt wohl kommen würde. Was man machen, entwickeln, aufbauen könnte. Visionen, Pläne, grosse Konzepte. Die Ergebnisse? Klingeltöne von Jamba und Forderungen nach einem bedingungslosen Grundeinkommen. Meine These ist, dass angesichts der Möglichkeiten auf dem Spielplatz Berlim das BGE nach diesem Jahrzehnt ein Eingeständnis des Scheiterns ist. Immerhin kommt da heute keiner mehr auf die Idee, redesign Deutschland zu brüllen. Ich sehe eigentlich keinen ernsthaften Ansatz mehr, etwas jenseits von Berlin zu bewegen. Die sind mit dem Abbau von Clubs und Galerien und der Verhottentottierung für die Touris voll ausgelastet. Und ich sage mal: Das ist die Agonie vor dem Tod.



Gut, mit einer grossen Koalition ist das kein Wunder. Umgekehrt, im Süden, scheinen diese Probleme weit entfernt zu sein, aber da sind auch so Fälle wie ganz erstaunliche Privatinsolvenzen. Es gibt irre Formen von Gentrifizierung unter Reichen, und mehr Geld mündet fast zwangsläufig in mehr Leistungsdruck. Die einen brennen aus, die anderen haben eine zu hohe burn rate, gesund ist beides nicht. Natürlich kommt München wieder, die Clubs, die in Berlin schliessen, machen am Rindermarkt und beim Schlachthof wieder auf, und es ist gar nicht mal so spiessig: Die Spiesser nämlich leben alle in Berin. Trotzdem ist der Druck in München brutal. Und alle Mieter wollen Wohnungen kaufen, auch wenn sie sich bis zum Ende ihrer Tage verschulden müssen.



Es gibt einige Anzeichen, dass viele in Berlin trotz der Agonie bleiben, weil sie fürchten, im Süden beruflich abgehängt zu werden, wie man in Berlin menschlich abgehängt wird. Und ich denke, dass Zettl keiner anschaut, nicht weil der Film schlecht ist, sondern der Film eine Stadt als Thema hat, die niemanden mehr interessiert. All diese Ansätze müssen unter twei Hüte. Ich habe einiges zu tun.

Davor aber erst mal der obligatorische Beitrag zur Schande in Bellevue und wie man sie endlagern kann.

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Donnerstag, 9. Februar 2012

Der Aufkleber

Die wussten schon, warum sie solche Aufkleber auf die Koffer getan haben.



Der nächste Wintershausputz würde kommen, und dann auch bald per Telegramm:

+++2 Zimmer + Mai bis Juli + meerblick + Honorarkunsul Grünanger u. Gattin +++

Ja, so ist das, und dann mit dem Landaulet versuchen, die Berge zu überqueren. Abenteuer. Schicksal. Luxus.

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Guten Morgen

Das Schönste an diesem Ensemble sind zwei Umstände:



Grossbild

1. Kein Filmfondsmensch hat es auf Sylt für mich mit Hotelsilber anrichten lassen.

2. Ich kenne einige Leute, die sich so etwas vermutlich auch recht lange nicht mehr zu Gemüte führen werden.

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Mittwoch, 8. Februar 2012

Sichwasleistungsgesellschaft

Die Seite mit dem Hotel in Catania ist immer noch offen, und auch die andere mit der Empfehlung meiner Eltern, die ich mir aber beim besten Willen nicht leisten kann, und auch nicht leisten würde: Taormina Bestlage, direkt am Meer, historisches Gemäuer, hübsch, wirklich. Obwohl meine Eltern Catania enorm scheusslich finden und gar keinen Vergeich zu Taormina.



Dummerweise kostet dort eine Nacht inzwischen - es ist 10 Jahe her, dass meine Eltern das letzte Mal dort waren - in einer geupgradeten Parvenüschnorrikategorie so viel wie 7 Tage in Catania. Und 7 Tage so viel wie ein Monat Catania plus vermutlich noch ein Barockalter und drei Sklaven, die ihn nach Hause tragen. Ich würde einiges gerade gern tun wollen, und fast alles lieber als dieses Trainingsprogramm für das nächste Stalingrad, aber das wäre es mir einfach nicht wert. Selbst wenn ich es mir leisten könnte. Vermutlich muss ich nochmal 30 Jahre älter werden, um diese Bestimmtheit zu erreichen, die besagt: Das leiste ich mir einfach.



Dafür leiste ich mir ein paar andere Dinge: Fast eue Felgen und Reifen für die Barchetta und den Sommer, ein paar bösartige Bemerkungen über Reichshauptschnorri morgen, man glaubt gar nicht, was einem da so einfällt, wenn man bei -17 Grad durch das Schneetreiben 10 Kilometer fährt und in die harten Eisbrocken knallt. Und zum Abend dann eine Sauerei mit Mascarpone, allein, denn momentan geht Nachts keiner aus dem Haus, der nicht muss. Und nachdem hier langsam die ersten Rohre bersten, könnte ich ohnehin nicht weg.



Also: Keep ice cold and carry on.

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Vita Nova

Ich schreibe gern über die negativen Folgen des Internets und der asozialen Netzwerke. Nicht, weil ich das Netz nicht mag, sondern weil sich die Berichterstattung über weite Strecken in den Klauen von zwei unausrottbaren Gattungen befindet: Korrupten Wirtschaftsjournalisten und egogeilen Netzcheckern. Irgendjemand muss sich auch mal hinstellen und breit erklären, was am Targeting bei Facebook besser als bei Google ist, und warum Facebook dennoch schlechter als kommende Alternativen sein wird.



Aber: Ohne Internet hätte ich heute zwangsweise in diesen frühen Morgen gehen müssen, und zwar nicht nur da draussen, was schon schlimm genug wäre, sondern auch noch in einer anderen Stadt. Eine, die ich nicht besonders schätze, und für die ich dennoch viel Geld ausgeben müsste. Ich hätte höhere Belastungen und Kosten bei erheblich schlechterer Lebensqualität. Allein das Wetter zu sehen und zu wissen, dass ich nicht eine halbe Stunde durch dieses Trübsal stapfen werde, ist - unbezahlbar.



Statt dessen gehe ich durch vier warme Räume über Perserteppiche und Parkett in die Küche, bereite die nächste Tarte nebenbei vor, während das Wasser kocht, summe ein wenig vor mich hin und habe viel Lebenszeit gespart. Mehr noch: Lebenszeit angenehm verbracht, die andere unangenehm verbringen. Manchmal glaube ich, dass man die unsägliche Freudlosigkeit von Zeitungen auch ein wenig damit erklären kann, dass sie oft genug von Menschen in mobilen Blechbüchsen konsumiert werden, in denen die Druckerzeugnisse, relativ gesehen, angenehmer als der Rest sind. Zeitungen können sich das noch leisten, aber wenn ich dann in Mantua im Cafe sitze... da bräuchte es Zauber. Aber davon ist nichts da. Ich habe auch hier keine Zeitung, selbst wenn mitunter Verlage versuchen, mir ein Angebot zu machen: Danke, aber ich suche mit das Bezaubernde lieber selbst raus, bevor ich zu viel Grau bestelle, das mit meinem Leben nichts zu tun hat. Wieso Verlage glaubem, dass Nutzer zu dem gleichen Grau greifen, wenn sie auf dem iPad auch noch ganz andere Dinge finden - keine Ahnung.



Meine Informationswelt ist so unfassbar, so unglaublich viel besser als alles, was davor möglich war. Wenn ich lese, dass Zeitungen für sich auch im Netz eine Führungsrolle beanspruchen: Ach was. Die Leute wissen schon, warum sie zu facebook und G+ gehen, da sind die Menschen angenehmer. Niemand ist gezwungen, sich die Welt von diesen Systemen erklären zu lassen, und schon gar nicht, wenn es so unfreundlich daherkommt. Und wo man sich letztlich all die ähnlichen Informationen abholt, die man so braucht, ist ungefähr so wichtig wie die Frage, aus welchen Reservoir das Wasser für die Klospülung kommt. Die Leute sind - leider - bei Facebook, weil sie dort bekommen, was es nur dort gibt, und was Medien zu liefern nur begrenzt in der Lage sind. SPON versucht es mit gebitchslappten Plärrdreck, andere haben sich darüber noch nicht mal Gedanken gemacht, und ich frage mich, ob die begreifen, dass mit Pinterest jetzt auch ein soziales Netzwerk da ist, mit dem jeder Werbetreibende den ganzen Werbeclickbannermüll bei Zeitungen streichen kann - dort ist übrigens die Zielgruppe, die man möchte.



Zeug bei Facebook und Twitter raushauen kann jeder. Ich glaube, mit textfern getriebenen Systemen wie Pinterest wird es richtig spannend. Einerseits, weil es da auch Texte brauchen wird, andererseits, weil es ein ganz anderes, kundenorientiertes Denken verlangt, das nicht weit verbreitet ist. Medien sind nun mal am Tropf der Anzeigenschaltung. Das kann sie eigentlich nicht unberührt lassen. Wie gesagt, ich finde diese Veränderungen nicht durchgehend gut, und was da mit Daten geschieht, sogar abscheulich. Aber man kann es nicht ignorieren. Man muss mitmachen und die Vorteile nutzen, wenn die Nachteile schon unausweichlich sind.

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Dienstag, 7. Februar 2012

Abhärtung

Es hilft, wenn ich dabei an sommerliche Radtouren - und hier: In Begleitung einer jungen Dame und langsam - denke. Das lenkt ab.



Und jetzt mal so nach oben geschaut: Das Wetter ist, für sich genommen, schön! Die Luft ist selten klar, der Himmel ist blau, die Sonne scheint, in der Nacht funkeln die Sterne am Firmament... das hat schon was. Da kann man doch nicht den ganzen Tag drin sitzen. Und bei den Benzinpreisen müsste schon mehr als eine Erkältung herauskommen, wenn es sich nicht mehr lohnen sollte, die täglichen Wege mit dem Rad zu bestreiten. Das Auto ist auch nicht wärmer. Das Husten ist aber nichts. Nur ein Reizhusten. Weil es so trocken und staubig ist.



Ich habe trotzdem, zufällig fast, feststellen müssen, dass man mit dem Zug nach Palermo mindestens 24 Stunden unterwegs ist und vier mal umsteigen muss (Palermo, 18 Grad, ich bin bestens informiert dank einer Internetzeitung). Irgendwie habe ich allerdings auch keine Ahnung mit Last-Minute-Portalen, was mich von Verweichlichung abhält, sagen wir mal, 4 - 7 Tage mit Flug, Hotel mit Internet, Region Palermo oder Catania, das wäre schon dekadent für einen allein, Startpunkt München Franz Josef Corrupti, und ich würde dann auch das obige Ding mitnehmen; 8 Kilo, das sollte schon passen.



Andererseits bin ich dieses Jahr noch lang genug in Italien, und vielleicht sollte ich die Zeit auch nutzen, um daheim etwas italienisch zu lernen. Solche Entscheidungsprozesse sind auf dem freien Feld, wo es dann richtug kalt wird, eine feine Sache, man hat etwas zu denken und wird von den Schmerzen abgelenkt. Wären es nicht jeden Tag vier kurze Etappen, ich würde nicht mal so weit fahren. Ich würde daheim bleiben. Wie viele andere auch. Das Nachtleben ist momentan deutlich reduziert, manche sind in die Türkei oder nach Marokko geflohen, die meisten bleiben zur Abendgestaltung vor einem Buch, und eine Feier im Altmühltal wurde erst mal verschoben: Wir hatten uns das wildromatisch vorgestellt, in der Nacht mit Fackeln und Schnee, aber so macht das keinen Spass. Fast versteht man den Wulff, dass er bei diesem Wetter nicht sein Schnorrigut aus dem Schloss in den Klein-SUV packen will.



Es bleibt also nur die kleine Verweichlichung am Abend, allein zu Hause, mit einer Torte, und dem Telefon, an dessen anderem Ende erzählt wird, wie es gerade auf den Terrassen über dem Goldenen Horn ist. Mn kann mit den Katzen draussen sitzen. Sehr verweichlicht.

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Man muss aus allem etwas machen.

Ich denke, das ist eines der Geheimnisse von Reichtum im Leben: Die Fähigkeit, auch aus weniger guten Dingen etwas Famoses zu machen- Das ist mitunter schwierig, aber seitdem ich ein Blog habe - und obendrein noch ein anderes, für das ich bezahlt werde - schlachte ich gern Erlebnisse, Ereignisse und Geschichten aus, die auch gerne an mir hätten vorbei gehen können. Stürze vom Rad, explodierende Atomkraftwerke, den reichshauptschnorri.

Das ist eine Art, solchen Vorkommnissen und den Beteiligten ein Zurück Marsch Marsch ins Gesicht zu prägen. Wobei "Zurück Marsch marsch" sicher nicht meine Ausdrucksweise im persönlichen Umgang ist, aber manche denken so über andere, wenn es ihren Zielen und Wünschen hilft: Natürlich verpackt in pseudomoralische Argumentversuche. Also habe ich damit das etwas unschöne und schwierige Thema bewältigt, welche richtigen und falschen Schlüsse man aus gezielten Benachteiligungen und Zurücksetzungen zieht, je nach Schicht, aus der das Üble kommt. Auch das ist so ein Thema, über das man ansonsten gerne schweigt, weshalb man wenig darüber findet. Man steht nicht gern zu seinen schwachen Gedanken. Ausser natürlich es lohnt sich.

Um dem Ganzen jetzt auch noch eine positive Wendung zu geben:



Das mit dem Besten daraus machen geht sogar bei Roquefort. Ich mag Gorgonzola, wenn er mild und in Saucen ist; an Roquefort konnte ich mich aber nie gewöhnen. Aber wie es nun mal so ist, war es kalt auf dem Wochenmarkt, es waren wenige Leute da, und meinem Käsehändler blieben ein paar Becherl Frischkäse in diversen Variationen übrig. Eines packte er mir dazu und meinte, das würde mir schmecken. Leider war es Frischkäse mit sehr viel Roquefort. Die Person, die damit etwas hätte anfangen können, hatte ich 24 Stunden davor zum Bahnhof gebracht, und sie kommt auch nicht in den nächsten Tagen zurück.

Da sass ich also mit dem Roquefortfrischkäse und überlegte. Zermarterte mir das Gehirn. ich weiss, wie ich den Verrat für die FAZ aufschreibe, aber Roquefort? Der Roquefort stand daneben und pestete meine Küche voll. Und ich hasse doch das Wegwerfen so sehr. Letztlich habe ich etwas Creme Fraiche genommen, zwei Eier, 100 Gramm fein geriebenen Scamorza, eine grosse, rote, weiche Parpika, recht viel rote Zwiebel, und eine kleine Zucchini, die dringend weg musste, Salz und Pfeffer und, weil die Mischung zu flüssig war, eine Handvoll Mehl. Und dazu den teuflischen Roquefort, und alles vermengt. Und darüber und teilweise auch hinein zwei kleine Ochsenherzentomaten.

Und was soll ich ahnen: Der Roquefort wird dadurch so stark gezügelt, dass er mehr als nur geniessbar ist. Eine Note merkt man, aber es ist wirklich nur eine Note in einem südfranzösischen Lied aus dem Backofen.

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Sonntag, 5. Februar 2012

Bring in... the comfy chair!

Und a soft cushion habe ich auch



In den letzten Jahren, dank der Wegwerfneigung meiner Zeitgenossen, habe ich ja einige erstaunliche Erwerbungen machen können. Ja, man kann fast sagen: Ich kann recht günstig leben, und das, ohne dass ich deshalb auf 30 versifften Quadratmetern hausen müsste, wie es soeben jemand gestand, der gerne das Eigentum und besitzende "Parasiten" abschaffen würde. Ohne zu bedenken, dass diese Parasiten sein HartzIV, sein bedingungsloses Grunbdeinkommen, seine Versicherungen und all die anderen tollen Leistungen dieses Staates für ihn und sein faules Dasein bezahlen. Oh, ich mache auch gern Schnäppchen und überlasse anderen die Verluste: Ich habe in etwa eine 90%-Regel beachtet. Es sollten beim Erwerb 90% vom Originalpreis weg sein, dann lohnt es sich auf jeden Fall. Felgen für die Barchetta fast im Neuzustand, kaum gefahrene Rennräder von Zahnärzten, Mahagonitische, die kein Erbe wollte, feinstes Porzellan aus Pappkisten... beim Essen bin ich ganz anders, da bin ich kompronisslos, aber bei Gebrauchsgütern sehe ich einfach nicht ein, Ladenpreise zu zahlen für Fabrikgegenstände, wenn ich Besseres, preloved, wie die Briten sagen, anderweitig bekomme.

Und vor fünf Jahren war so einiges zu tun, schliesslich vergrösserte ich mich von 35 + 45 Qaudratmeter in zwei Städten auf 80 + 45 Quadratmeter in einem Haus. Ohne dass ich von den 35 recht viel mehr als meine Bücher benötigt hätte. Wie auch immer: Da war die neue Bibliothek. Und ich wollte eine weiche, warme Sesselgarnitur. Und als ich dann bei der Caritas über ein hellgrünes, wuchtiges Chippendaleensemble stolperte, dachte ich: naja, als erste Zwischenlösung... das war vor 5 Jahren.



Inzwischen weiss ich, dass ich damals etwas entsetzlich Unmodernes gekauft habe, das nut so mittelgut farblich passt. Das mag man durchaus so sehen, andererseits gehört zu meiner Sozialisation auch das Haus am Eton Place und der Doktor und das liebe Vieh und anglophile Verwandtschaft, die dort lebte, und das prägt mehr als die Farbe, ob das Grün wirklich perfekt stimmig ist. Ich weiss aber auch, dass es die Gäste geradezu lieben, in diesen sagenhaft breiten, weichen und bequemen Sesseln zu liegen, auch wenn sie nicht gerade der letzte Schrei und aus kaltem Leder sind. Und sie haben diese 5 Jahre uhnbeschadet überstanden. Die Fäden, die eine Katze herausgezupft hat, die waren schon so, sind aber irgendwie... wie soll ich sagen.., ich sehe das nicht als Beschädigung, sondern als Leben an. Längst sind Sofa Chip und seine Vettern keine Zwischenlösung mehr, sondern geliebtes Inventar mit neuer und angenehmer Geschichte.



Ich finde das Wetter gerade auch nicht berauschensd, ich gehe nicht mehr als eine Stunde hinaus in die Kälte, und wenn ich ehrlich bin, muss ich sagen: Ich bin zwar eingeschneit, aber durch das Haus praktisch eingefroren. Es fördert die Stimmung nicht. Es könnte alles gerade wärmer und angenehmer sein. Und wenn ich es so haben will, lasse ich mich einfach auf den Sessel neben der Heizung fallen, trinke einen Tee, lese ein Buch, und das alles da draussen ist nicht mehr wirlich bedeutend.

Und das alles für 50 Euro. Ich habe vorhin in einem Möbelhauskatalog geblättert und herzlichst gelacht. Und Chip und seine Cousins haben, glaube ich, auch gegrinst. Sofas grinsen nicht, mag man einwenden, aber nachdem sie aus Bielefeld kommen, einer Stadt, die es gar nicht gibt, kann es natürlich auch sein, dass sie grinsen.

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Samstag, 4. Februar 2012

Was wurde eigentlich aus den Blackouts?

Deutschland im Winter 2012.

Eisige Temperaturen.

Gleichzeitig Exportweltmeister.

Hohe Beschäftigung.

Maximaler Energieverbrauch.

Reihenweise ausgeschaltete Kernkraftwerke nach Fukushima, die nicht wieder hochgefahren wurden.

Und trotzdem kein Blackout.

Nur in der FAZ ein Kommentar, dass die mit Strom heizenden Franzosen im Winter auf Strom aus Deutschland angewiesen sind, und man nicht mehr in die Energiewirtschaft eingreifen soll. Arme Franzosen! Franzosen vor dem Erfrieren retten mit deutschen Kraftwerken! Seid nett zu den Atommonopolisten!

Aber davon geht kein Licht mehr aus.

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Samstag, 4. Februar 2012

4 Monate

Früher gab es eine Zeit, da sollte es möglich sein, in vier Monaten eine Firma so weit aufzubauen, dass sie reif für die erste Finanzierungsrunde war. Mit Geschäftsidee, Website, Team, Technik, Server, URL, Marketing und Produkt.



Das waren keine guten Zeiten, es war zu schnell und oft nicht sauber, und man hätte sich gewunschen, dass einfach ein wenig mehr Zeit da ist, wenn schon all das Engagement nicht ausreicht. Immerhin gab es welche, die sich wirklich reingehängt haben, und wenn es übel kam, auch mal durcharbeiteten. Weil: Irgendwer muss es ja machen. Das harte Arbeiten gab es neben dem harten Feiern auch.

Es gab durchaus so etwas wie von persönlichen Interessen geleitetes Verantwortungsbewusstsein. Man ahnt es vielleicht: Im Abstand von 10 jahren fange ich an, gewisse Erscheinungen jener Epoche im Kontext und damit auch milder zu beurteilen.



Genutzt hat es am Ende kaum jemandem, weil die Grundlagen falsch waren: Die Burn Rate war zu hoch, die Gewinnentwicklung zu langsam,der Business Plan mit falschen Zielvorstellungen versehen, esgab unerwartete Konkurrenz und fehlerhafte Markteinschätzung. Das war nicht ganz unerwartet, man wusste das, und das hat sicher aiuch geholfen, den Druck hoch und die Geschwindigkeit am Limit zu halten. Wenn ich die martialischen Mails heutiger Investoren und Entwickler lese, weiss ich, was dahinter steckt. Das macht der Druck. Vier Monate können eine Ewigkeit sein, so viel Arbeit steckt drin. Und ein Augenblick, so schnell können sie sinnlos sein.

Aber es war unvorstellbar, nach vier Monaten immer noch mit banalen Bugs aus der Anfangszeit zu kämpfen, die allgemein bekannt waren, und die Performance einschränkten. Das konnte man sich damals nicht leisten, wenn man überleben wollte; und vor gut 10 Jahren ging es ausschliesslich darum: Ums Überleben. Für Startups, aber auch für Investoren, Medien und andere Geldgeber, die die Krise auf falschem Fuss erwischt hatte. Es gab auch die Idioten, die vor die Wand fahren wollten: Da ging es in weniger als vier Monaten.



Ich hätte gedacht, dass man aus dieser sicher nicht erfreulichen Zeit der Streichungen etwas lernt. Aber ich sehe gerade einige wieder mit ihren Grossprojekten vor die Wand fahren, mit absoluten Anfängerfehlern bis runter zum Kommandogerät, das ganz toll sein muss und nachher keiner bedienen kann, und teilweise dem inkompetenten Pack am Ruder, das damals auch schon Projekte vergeigt hat. Ich sehe welche, die durchmarschieren, und andere, die nach vier Monaten noch immer nicht mal ansatzweise dort sind, wo sie vor vier Monaten sein wollten.

Bei einem Müncher Verlagshaus wird deshalb gerade kahlgeschlagen. Das mag unerfreulich sein, und die Printler, die sich darüber wieder zurück an die Macht putschen, sind auch nicht schlechter als die Onliner, die jetzt irgendwohin gehen. Das ist die eine Methode. Die andere ist es, Projekte vor die Wand zu fahren und die Leute zu belassen, damit sie das nächste Mal wieder in vier Monaten nicht in der Lage sind, etwas vernünftig umzusetzen. Und alle zusammen haben sie keine Antwort darauf, dass das eine Geschäftsmodell nicht abheben will, und das andere einbricht. Und das wird für die Überlebenden auch in vier Jahren nicht anders sein.

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Aufforderung

Hiermit fordere ich jeden Dummschwätzer, jeden Faselcretin, jedes Schmierloch und jeden Sudelwichser der Medienbranche, der sich in Begeisterung für Facebook und dessen Möglicheiten überschlägt auf, gefälligst bei den alten, lahmen Medien zu kündigen, bei dieser Drecksklitsche mit angeblich so tollen Potenzial anzuheuern, die Medien damit von der niedrigsten Sorte der PR-ostitution zu befreien und zu schauen, wie weit er kommt - und falls das dann nicht so toll wird, bitte konsequent andere Berufe für solches Geschmeiss zu ergreifen.

Der Mensch wird beispülsweise immer Sanitärtanlagen brauchen.

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