Man muss aus allem etwas machen.

Ich denke, das ist eines der Geheimnisse von Reichtum im Leben: Die Fähigkeit, auch aus weniger guten Dingen etwas Famoses zu machen- Das ist mitunter schwierig, aber seitdem ich ein Blog habe - und obendrein noch ein anderes, für das ich bezahlt werde - schlachte ich gern Erlebnisse, Ereignisse und Geschichten aus, die auch gerne an mir hätten vorbei gehen können. Stürze vom Rad, explodierende Atomkraftwerke, den reichshauptschnorri.

Das ist eine Art, solchen Vorkommnissen und den Beteiligten ein Zurück Marsch Marsch ins Gesicht zu prägen. Wobei "Zurück Marsch marsch" sicher nicht meine Ausdrucksweise im persönlichen Umgang ist, aber manche denken so über andere, wenn es ihren Zielen und Wünschen hilft: Natürlich verpackt in pseudomoralische Argumentversuche. Also habe ich damit das etwas unschöne und schwierige Thema bewältigt, welche richtigen und falschen Schlüsse man aus gezielten Benachteiligungen und Zurücksetzungen zieht, je nach Schicht, aus der das Üble kommt. Auch das ist so ein Thema, über das man ansonsten gerne schweigt, weshalb man wenig darüber findet. Man steht nicht gern zu seinen schwachen Gedanken. Ausser natürlich es lohnt sich.

Um dem Ganzen jetzt auch noch eine positive Wendung zu geben:



Das mit dem Besten daraus machen geht sogar bei Roquefort. Ich mag Gorgonzola, wenn er mild und in Saucen ist; an Roquefort konnte ich mich aber nie gewöhnen. Aber wie es nun mal so ist, war es kalt auf dem Wochenmarkt, es waren wenige Leute da, und meinem Käsehändler blieben ein paar Becherl Frischkäse in diversen Variationen übrig. Eines packte er mir dazu und meinte, das würde mir schmecken. Leider war es Frischkäse mit sehr viel Roquefort. Die Person, die damit etwas hätte anfangen können, hatte ich 24 Stunden davor zum Bahnhof gebracht, und sie kommt auch nicht in den nächsten Tagen zurück.

Da sass ich also mit dem Roquefortfrischkäse und überlegte. Zermarterte mir das Gehirn. ich weiss, wie ich den Verrat für die FAZ aufschreibe, aber Roquefort? Der Roquefort stand daneben und pestete meine Küche voll. Und ich hasse doch das Wegwerfen so sehr. Letztlich habe ich etwas Creme Fraiche genommen, zwei Eier, 100 Gramm fein geriebenen Scamorza, eine grosse, rote, weiche Parpika, recht viel rote Zwiebel, und eine kleine Zucchini, die dringend weg musste, Salz und Pfeffer und, weil die Mischung zu flüssig war, eine Handvoll Mehl. Und dazu den teuflischen Roquefort, und alles vermengt. Und darüber und teilweise auch hinein zwei kleine Ochsenherzentomaten.

Und was soll ich ahnen: Der Roquefort wird dadurch so stark gezügelt, dass er mehr als nur geniessbar ist. Eine Note merkt man, aber es ist wirklich nur eine Note in einem südfranzösischen Lied aus dem Backofen.

Montag, 6. Februar 2012, 00:51, von donalphons | |comment

 
"Ist er zu stark, bist Du zu schwach."

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Das bin ich absolut.

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"Ich denke, das ist eines der Geheimnisse von Reichtum im Leben: Die Fähigkeit, auch aus weniger guten Dingen etwas Famoses zu machen"
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Das gilt erst recht bei Kein-Reichtum-Inhabern. Wie ich.
Das ist nämlich auch mein, nun ja "Geheimnis" nenn' ich's nicht, eher Notwendigkeit. Ich versuche aus dem wenigen was ich habe, das Beste zu machen. Beim Essen (wegen des leckeren Fotos hier oben) z.B. Spagetti mit gutem Olivenöl, frisch gemahlenem schwarzen Pfeffer & Parmesan. Mehr nicht. Ein Pfennig-Mahl. Ditto: aglio e olio. Lecker und preiswert. Oder gekochte Kartoffeln in Schale mit Butter & Salz, auch mal mit Quark.
Roquefort: Stimmt; in Maßen ist er lecker, nimmt er allerdings Überhand, kann er für Nase wie Zunge eklig sein. Danke für die Rezeptidee.

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http://george.loper.org/trends/2005/Mar/990.html inwiefern es mehr ist als Pfeifen im dunklen Wald, weiß ich nicht. Es ist aber derselbe Grundsatz, der hier vertreten wird.

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@Jeeves: Sie haben völlig recht und man kann es gar nicht oft genug sagen. Gerade die italienische Küche ist eine Arme-Leute-Küche und bietet viel, viel Nutzwert in geschmacklicher und nährender Hinsicht für wenig Geld.

Eine Alternative habe ich am Wochenende für mich entdeckt: es wurden drei vegetarische Gerichte aus einem "Yoga-Kochbuch" ausprobiert. Über die Lehre und die Erklärungen kann man geteilter Ansicht sein, über den Geschmack nicht: mit ein bisschen Gemüse, Körnern, Bohnen und Gewürzen bekommt man vegetarische und sehr schmackhafte Gerichte auch für eine größere Gesellschaft auf den Tisch. Wwil die Speisen kaum etwas enthalten, was schnell verdirbt, ist das auch für 1-2 Personen für mehrere Tage gut geeignet. Nur die Gewürze wie Kreuzkümmel muss man halt mögen.

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Ich liebe Kreuzkümmel. Mein preiswerter, fleißiger & schmackhafter Inder hier an der Ecke zum Beispiel...

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Dem muß ich mich anschließen - manchmal sind die einfachsten Speisen die besten. Bei mir allerdings zieht es den Gaumen zu den süßen Dingen. Lieblingsessen: Nudeln mit Butter, Zucker und geriebenen Walnüssen. Nüsse haben wir selbst und ebenso einen großen Gemüsengarten (mit kleinem Lagerkeller) für die Gemüsesuppe davor - eine günstiges aber geschmacklich tolles Essen. Vom Heidelbeerstrudel (Blaubeeren aus dem Wald, nicht die Zuchtsorte aus dem Garten) will ich gar nicht anfangen ...
lg - urriegel

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Und wer wie meiner einer auch in der Küche ein Faulpelz ist, zieht aus den hier von Jeeves und Urriegel beschriebenen Köstlichkeiten noch einen weiteren Nutzen...

Dafür pule ich dann samstags stundenlang für alle fangfrische, unzulässigerweise unkonservierte Krabben. (Irgendjemand muß schließlich die Schwermetalle aus dem Watt entfernen und dauerhaft einlagern)

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Roquefort so nackt auf dem Teller ist auch nicht meins, aber mit einem Fläschchen süßen Riesling (süß muss er sein!) dazu ist es eine tolle Abrundung eines guten Essens. Werter Don, Enthaltsamkeit in allen Ehren, aber so manches verpasst man dadurch doch.

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Genau. Ohne Alles ist er tödlich, aber sobald Süße ins Spiel kommt (süßer Wein mit genug Säure oder aber auch der Klassiker Birne) ist er toll ... Gut, am Ende gilt das wohl auch für Gorgonzola ...

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süsse, aromatische, weiche (sic!) birne, kleingeschnittenen fenchel und echalottenstreifchen vorsichtig braten, crème fraîche obenauf und den roquefort in der sauce schmelzen lassen, vielleicht gehackte walnuss obenauf, zu linguine. fast food! dazu viel zu süssen wein trinken!

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Baguette, gesalzene Butter, Tessiner Feigen-Senf-Sauce. Damit geht fast jeder Käse der nicht grad bretthart ist. Dazu einen süßen Wein, ich hab neulich auch mal einen Rest Pineau de Charentes dazu verputzt. Vin Santo, Vino Liquoroso, Sauternes, geht alles.

Ansonsten: Warum das Ganze nicht mit Broccoli oder anderem Gemüse und einer Bechamelsauce zu einer Lasagne verarbeiten? Ist doch schließlich Winter, da geht das.

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Gorgonzola in Gerolfing,
Moussaka in Montana

http://www.balkanroadmovie.com/2011/09/moussaka-in-montana.html

Join TaxiBerlin and Taxi Gourmet on 1-month adventure from Berlin to Istanbul - via Austria, Hungary, Romania and mostly Bulgaria - in a 1993 Opel Astra (also known as Zorba the Berliner). We'll eat like crazy, travel on the cheap and post two photos a day.

(incl. Null-Emissions-Autos mit eingehaltener 90%-Regel) ;-)

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Moussaka... ich wäre jetzt gern in Kreta.

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Das ist es übrigens, was ich an den Beiträgen hier und im FAZ-Blog so schön finde: dass man sehr häufig, anhand des Aufhängers oder auch nur anhand der Bilder, den Gedankengang nachvollziehen kann. Man hat das Gefühl, man wird dazu eingeladen, an den Gedankengängen als solchen teilzuhaben und bekommt nicht einfach nur ein fertiges Ergebnis vorgesetzt.

Das ist deswegen so ansprechend, weil es einem ja häufig auch so geht: man macht einen Spaziergang, oder ist dabei Wäsche aufzuhängen oder abzuwaschen und dann fangen auf einmal die Gedanken zu fließen an. Und deshalb ist es irgendwie schön, auf genau diese Art und Weise an ein Thema herangeführt zu werden.

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Danke. Es freut mich in dunklen Zeiten wie diesen, dass es von den Lesern geschätzt wird. Leider ist es im Moment aber eher so, dass ich durchaus mitbekomme, wie andere Einschätzungen aussehen. Nicht jeder ist dort der Meinungm, dass ich etwas Hilfreiches tue, und manchen gelten 100+ Kommentare eher als Versagen, die Leser ruhig zu stellen.

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@ka.os: das ist sehr schön beschrieben, wie diese Texte funktionieren. Und warum das viele Leute gerne lesen: weil sie was davon haben.

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Oh man, und ich lese jetzt erst die Antwort des Hausherrn. Wie reaktionär kann eine Zeitung bloß sein.

Es freut mich aber, dass andere Leser meine Einschätzung teilen! :)

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Naja, viele: Mit dem Relaunch, den technischen Fehlern und Veschlechterungen und dem Übergang zu einer Benachteiligung von Blogs kämpfe ich darum, halbwegs mein Niveau nach 25% Verlust zu behaupten. Was natürlich Bloghasser freut.

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da schliesse ich mich gerne an!

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Jetzt mal eine ganz blöde Frage: Ich bin ja kein BWLer und das ist auch gut so.

Aber bei diesem Beispiel stellt sich mir komischerweise eine BWLlastige Frage: hat die Verwendung des Roquefort denn einen Mehrwert gebracht? Weil: wenn nicht, wenn der Beigeschmack nur zu erdulden war, dann war es doch genau genommen eine "Verschwendung" von Ressourcen (Käse, Teig, Tomaten, etc.). Dafür hätte es den Roquefort dann nicht gebraucht.

Vielleicht arbeite ich inzwischen aber einfach nur mit zu vielen BWLern zusammen ;)

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Ich tippe darauf, dass es an Ihrem letzten Satz liegt.
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Grundsätzlich geht es um eine Lebenseinstellung: etwas (vor allem LEBENSMITTEL) nicht wegwerfen zu müssen bzw. zu dürfen.
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Und die Raffinesse dabei: Obwohl der Geschmack nur geduldet werden sollte, stellte sich heraus, dass er am Ende harmonierte und das Produkt in seiner Gesamtheit bereicherte.

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Das hätte man kaum besser sagen können, urriegel.

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Wenn es so ist, wie im letzten Absatz beschrieben, dann passt es (auch aus meiner "Hobby" BWLer Sicht).

Aber um etwas zu der Analogie zu sagen: ich bin der letzte, der ein Freund von Arbeitsplatz-Abbau aus betriebswirtschaftlichen Gründen ist. Aber ich arbeite in einem Umfeld, in dem man Leuten lieber eine neue Aufgabe gibt, der sie nicht gewachsen sind, als die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. Wenn einem für diese Leute auch noch intern horrende Kosten verrechnet werden und man deswegen in Erklärungsnot kommt, dann spätestens wird man leider zynisch.

Leider, leider… ich war früher nicht so.

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Sicher ist da ein Risiko, das man eingeht, aber ich sehe es auch ein wenig als Horizonterweiterung. Nur mal angenommen, ich bin in Frankreich, und es gibt keinen Gorgonzola, dann habe ich jetzt ein Gefühl für Dosierung.

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Genau das wollte ich wissen! Man investiert halt immer in (Lebens)erfahrung.

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ein kleines stückchen roqueforts reicht für die fülle des wohlgeschmacks vollauf. nicht nur fast food, sondern sogar preiswert, ohne dass man es beabsichtigte.

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Das Problem ist ja nicht der Roquefort, sondern der Geschmack des Hausherrn - also gewissermaßen. Roquefort pur, auf Baguette mit Butter, süßer Wein, ach, das hatten wir schon.

Wie schön übrigens, dass hier keiner Kalorien zählt. Der Körper weiß halt, was er bei -18 Grad Außentemperatur braucht, auch wenn man sich die Schneeflocken und das Eis aus der warmen Sicherheit der eigenen Wohnung anschaut.

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wenn's schon um Käse geht muss ich meine neueste Entdeckung zum besten geben: La Tur Alta Langa aus dem Piemont, sagenhaft.

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Was ist das genau? Ich knabbere gerade an einem geräucherten Pecorino mit Feigenmarmelade.

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"Piemontesischer, halbfester Frischkäse der aus Ziegen-,
Schafs- und Kuhmilch erzeugt wird. Weiß-gelbliche Törtchen
mit einer weichen, cremigen Oberfläche, schmeckt rund und
zart...." Textquelle: http://www.buonissimo-world.de/epages/Buonissimo01.sf/?ObjectPath=/Shops/Buonissimo01/Products/54179

gibts auch an der Käsetheke

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