: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Mittwoch, 25. Juli 2012

Berliner Logik

Nicht, dass ich überrascht bin, für diesen Beitrag über ein weiteres dreistes Stück öffentlicher Verschwendung in Berlin angesichts der bayerischen Klage gegen den Länderfinanzausgleich wütende Reaktionen zu bekommen.

Aber ich muss meinen Eltern nachher erzählen, dass es in diesem Slum Leute gibt, die sehen, was ich dort leiste, die ahnen könnten, dass es sich dabei um einen einträäglichen Beruf handelt - und dann sagen, ich würde vom Erbe leben. Vermutlich, weil die nicht wissen, wie es sonst geht. Meine Eltern werden lachen und gar nicht daran denken, so schnell irgendwas auf mich kommen zu lassen.

Berliner, jetzt auch mit Amöbenhirnen lieferbar.

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Nichtlichtbilder

Tortenschulden sind Ehrenschulden.



Ausserdem war dies der Tag, an dem ich merkte, dass Tortenschulden, die man nachtragen muss, auch wirklich gute Kredite sein können. Für jene Tage nämlich, da man andeutungsvolle Bildserien zur eigenen Erinnerung ins Netz stellen möchte, ohne dass es nötig wäre, viel zu erklären: Man weiss ja, was gewesen ist, wenn man später die Bilder sieht. Und die Leser sehen Bilder und der Rest geht sie nicht viel an. Bilder von einer nicht wirklich sportlichen Radpartie ins Grüne.



In meinem Umfeld sind die meisten inzwischen entweder so abgerichtet oder selbst konditioniert, dass eine umfangreiche Ablichtung als normal gilt. Die Kamera ist immer dabei, der Akku ist stets geladen, und die SD-Karte wechselt dauernd zwischen Kamera und Rechner, in dem sie vergessen wird, und dann, ja dann, muss man eben die Tortenbilder vom Vortag nehmen, aus der Re-torte gewissermassen. Wie auch das Wetter beim Picnic.



Das Licht, das sich im Staub über der Ernte fängt, kann man hier in der Stadt nicht nachmachen, und es ist auch, wie soll ich sagen: Es ist hier halt nicht Land. Da kommt so viel zusammen, da müsste so viel hinein in das Bild, die Wärme, der goldene Schein, die sanfte Brise aus dem Osten, der Geruch nach Land und folgenden Brotfreuden - ich kann nur halbreife Tomaten zeigen. Aber die werden auch noch.



Schwer habe ich unter dem Rucksack geächzt, mit einer Thermoskamnne für den Tee und einer Silberkanne zum Umfüllen, und am Ende, unter dem kleinen Hain mit Blick in den Sonnenuntergang, war es dann doch noch zu warm. Auch gestöhnt habe ich mit der Flasche Wasser, und den Gläsern, man tut, was man kann, und das war dann das Richtige für den Moment.



Der Leser wird sich fragen, ob wir geküsst haben, und ich sage, weil hierher gerade vom feminististischen Prollpotismus und der Schnalle mit dem Ghettolook herverlinkt wird: Ja! Öffentlich! Alle, die vorbeigefahren sind, haben es gesehen, aber es waren keine gaudigenderstudentischen Theorieteilzeitneigungsbetroffenen aus Berlin dabei, die wir damit rücksichtslos hätten beleidigen können. Leider! Sonst wäre es noch weiter gegangen! Es war auch zu heiss für Sahnetorte, sonst hätten wir öffentlich auch noch

Nein, um ehrlich zu sein, es war einfach nur schön. Aber die SD-Karte habe ich halt im Rechner vergessen. Man muss sich das also vorstellen, und ich werde mich erinnern

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Montag, 23. Juli 2012

Tage der Verdammnis

Das wird jetzt ein rein spekulatives Geschäft: Wenn Deutschland aus dem Euro aussteigt, macht es Sinn, das Geld zu horten. Es sei denn, es wird mit einem Währungsschnitt verbunden. Dann würde es Sinn machen, das Geld jetzt noch schnell zu verschleudern und in Sachwerte zu gehen.



Denn ein Währungsschnitt könnte durchausvo rher nötig sein, damit die neue Währung nicht durch die Decke knallt. Es ist eine gefährliche Liebschaft, dieses Geld. Umgekehert würde der Euro aber auch durch die Decke gehen, wenn die PIIGS ihn verlassen würden. Auch dann wäre man gut beraten, das Geld noch zu behalten und dann dort unten zu kaufen.



Ich hatte Recht mit dem Schweizer Franken, ich hatte Recht mit dem Tegernsee, und eine der Kannen, die ich 2009 für 100 Pfund kaufte, war gestern bei Ebay und ging für 450 weg - die Kannen schlagen alles um Längen. Aber ich bin auch nur ein Spekulant und kenne die Zukunft nicht. Ich besitze etwas, ich hätte einen Hebel, und nachdem die Realität im Gegensatz zum Geld nicht nachgedruckt werden kann, frage ich mich einfach: Wann ist der richtige Moment, so viel wie möglich von diesem Papier zu borgen, etwas Reales zu erwerben und dann das wertlose Geld zurückzuzahlen?



Aber will man dann noch in Italien leben? Aber das kann nicht gut gehen, das wird nicht gut gehen, viele werden verlieren. Ich möchte eigentlich nicht dabei sein. Ich will nur Platz für Leinwände, Sessel und grüne Gartentore. Geld, pah, Geld, das ist nichts.

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Einer für die Damen

Ich werde sehr genau überlegen müssen, wo ich mich in Zukunft hinsetze. Am besten nirgendwo, wo man mich vergleichen kann.



Denn 98,734% der Besucherinnen, die sich dieses Produkt angeschaut haben, haben auch gekauft:

Francesca Molesta: BH-Werfen in besseren Kreisen, erschienen bei Impalatione Editore.



Rrrrrrrr, höre ich da durch die Jahrhunderte raunen. Rrrrrrr. So stelle ich mir den Vicomte de Valmont vor.

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Mohrenlampe 2.0beta Femfail Edition

Wenn Feministinnen sich streiten. Je besser die Sache, desto irrer die Protagonisten.

Ich rolle trotzdem hart lachend auf dem Boden.

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Montag, 23. Juli 2012

Triggerwarnung in Pfaffenhofen

Man könnte ja so viel kaufen. Leider habe ich schon ein Besteck, auch ein zweites, drittes und viertes in der Zweitwohnung, auch für 12 Personen. Dabei wäre es gar nicht teuer gewesen. Und neu. Und billiger als Ikea.



Ich bin auch kein Taufpate- Wäre ich einer, hätte ich vermutlich dieses Düsenflieger erworben und dann zum Entsetzen der Eltern zum Geburtstag verschenkt. Aber Tretauto hat jeder, da muss man als Eltern schon Opfer bringen. Ausserdem geht das mobile Zeitalter sowieso nicht weiter, da ist alles irreal.



Nett auch die Reminszenzen an jene Tage, da es noch ordentliche Hausfrauen gab. Das hängte man sich nicht nur in die Küche, man glaubte auch daran. Heute werden Wohnungen ohne Küchen entworfen, und vielleicht gibt es auch gar keinen Platz mehr für solche Gegenstände.



A propos kein Platz: Es zieht immer noch, das Funkeln und Gleissen. Aber selbst, wenn jetzt grössere Werke anstehen: Ich habe noch welche auf Vorrat, die muss ich erst mal verbauen, bevor ich neue Exemplare kaufe. Die hier waren ohnehin zu teuer, die besten finden sich in Kisten, zerlegt und auf dem Boden.



So ein Sofa, klein und leicht, habe ich lange gesucht, aber ich habe schon ein anderes - allerdings schwer und breit - und dazu die passenden, unkaputtbaren Sessel. Und das bräuchte so viel Arbeit, und die ist so teuer, da hilft auch der günstige Preis nicht mehr. Ausserdem: Kein Platz.



Neben der Mohrenlampe, die jedesmal mit neuen Beispielen vertreten ist, gab es heute auch einen Morentabletthalter. In Südostasien lungert eine Frau aus dem Vorstand der Piraten herum: Wäre der Halter hier nicht reizend für die im Sweatshop gefertigte Chanel-Taschen-Kopie?



Voyerismus gab es auch, gemalt, mit Nackten beim Umziehen, in einem dicken, sehr goldenen Rahmen. Aber gekonnt gemalt, keine Frage. Hirsche können bei der Paarungszeit 5 Meter hohe Hindernisse überspringen, der Mensch pinselt sein Begehr, allerdings von Weitem, und nagelt es an die Wände. Und nennt es Kunst.



Eher etwas für mich - und jenen fernen Tag, da ich doch mal wieder in Berlin sein sollte - wären die Hacklstecka geeignet, mit vielen schönen Wappen aus Orten, die dort keiner je gesehen hat: Garmisch. Pertisau. Naturns. Chiasso. Saalbach. Wilder Kaiser. werden solche Wappen zum Aufnageln heute überhaupt noch gemacht? Ich sehe nur noch pinkfarbene Alustecker auf dem Berg, ganz grässlich, und sich daran klammernde Walker.



Und dann sehe ich die Elsässer. Seit ein paar Monaten sind hier immer vier Händler aus der Region, aus der auch ein Teil meiner Familie stammt, dem Eck zwischen Deutschland, der Schweiz und Frankreich. Und die haben massiv zur Aufwertung des Marktes beigetragen, denn Frankreich hat es dick. Richtig dick. Immer noch. Sie bringen die Karaffen, für die ich vor 20 Jahren nach Portugal musste, sie bringen Kerzenhalter mit Klauen, sie bringen Chryselephantinen, und was es sonst noch hier kaum gibt.



Bei den Franzosen ist alles anders, bunter, formhaltiger, gewagter, frivoler. Diese mintfarbenen Art-Deco-Sessel etwa, die hätte ich gerne in meiner Villa am Gardasee in jjenem Raum, aus dem man auf den See und die Einfahrt blickt, auf der ein himmelblauer TR2 steht.



Und diesen Adligen aus der Zeit um 1775... ich mein, ich weiss doch, dass sie da sein werden, mit Putti und Empire und ab und an auch Gemälden. Manche sind entsetzlich teuer, aber das hier, das wäre durchaus bezahlbar, viel weniger als das, was andere in einem Jahr verrauchen, für Drogen verschwenden oder in Spielcasinos verprassen. Wie auch die knallrote Dame von 1750 daneben. Beide kosten gleich viel. Man muss sich entscheiden. Was gar nicht so einfach ist.



Oder noch eine Runde gehen und nachdenken, und dann den Vorschlag eines Pakethandels machen. Beide. Sofort. Auf den letzten Drücker. Mit allen Risiken: Spuckt die Karte genug aus, oder ist das schon über dem Tageslimit? Habe ich so etwas überhaupt, oder ist das nur im Ausland? Taucht bis dahin ein Zahnarzt auf, der so einen Herrn für sein Jagdhaus will, oder so eine eher etwas ausgefallene Dame mit dem extravagant roten Mantel über der Kommode, zumal sie auch nicht so unzüchtig ist? Was, wenn er das bietet, das der Händler will? Und was, wenn die beiden Brocken - 90 mal 70, zusammen 1,2 Quadratmeter - gar nicht ins Auto passen?



Offensichtlich jedoch lebe ich sparsam genug, der Automat erschreckt mich nur mit der bankrun-feindlichen Frage, ob ich wirklich alles in 50ern will, denn grössere Scheine hat er nicht. Es war auch kein Zahnarzt da, nur beim Abtransport fragt einer, wo ich sie her habe - blöde Frage, von dort, wo keine mehr sind, natürlich! Und ins Auto passen sie gerade so, dass ich noch lenken kann. Alles bestens.

Nur daheim stelle ich fest, dass ich dafür keinen Platz habe. Aber egal, mein Versprechen, das Geld für den letzten Berlinbeitrag einem guten Zweck zuzuführen, habe ich erfüllt, die Franzosen sind froh, die Völkerverständigung funktioniert, und dem Tegernsee tut ein wenig Rokoko auch nicht schlecht. Und ansonsten habe ich gar nichts gekauft, nur zwei Sachen, das ist wirklich eigentlich so gut wie gar nichts.

In 10 Jahren werden wir alle herzlich lachen, wenn wir den Preis hören, der heute nicht wirklich billigst gewesen ist. Ich werde wohl noch einen Berlinbeitrag schreiben müssen.

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Sonntag, 22. Juli 2012

Dreiste Lügen und traurige Wahrheiten

im übrigen kann ich zwei der drei von don alphonso mir zugeschriebenen zitate weder erinnern noch per google verifizieren.

Mir war schon klar, dass der Beitrag über die Angst, Berlin und die 1000 Euro ziehen würde. Mir war auch klar, dass Michael Seemann trotz Postprivaschismus nicht begeistert sein würde, dass ich ihn als Beispiel nenne. Aber es ist schon komisch, wenn dann jemand, der explizit peinliche Bilder von sich ins Netz stellt, behauptet, irgendwie wäre das doch nicht so. Vor allem, weil er in seinem eigenen Blog per Suchmaske suchen und finden kann. Ich trage das mal nach:

Ich habe kein Geld. Ich wohne in einer 30qm-Wohnung, esse jeden Tag Nudeln und bin trotzdem ich dauernd pleite.
(http://mspr0.de/?p=2630)

ich protestiere dagegen schärfstens
(http://mspr0.de/?p=1468)

vom kulturellen Wertegefüge unserer leistungsorientierten und in protestantischer Arbeitsethik ertränkten Gesellschaft
(http://mspr0.de/?p=1122)

Da ist auch nichts aus dem Kontext gerissen. Und der stellt sich hin und erzählt öffentlich was von Kontrollverlust und Filterbubbles und Querylogy? Wie lächerlich ist das? Wie ein Webexperte, der beim Klauen von urheberrechtlich geschütztem Material erwischt wird und sich damit rausredet, ein Häkchen nicht gesetzt und eine Warnung nicht ernst genommen zu haben. Wenn wir über die Substanzlosigkeit solcher Leute reden: Hier bitte. Für Leute auf der Borderline ist Postprivacy nur die logische Grundvoraussetzung. Passt mir eine Realität nicht, erfinde ich halt eine neue.



Es ist kein Geheimnis, dass Seemann, der Michi, jetzt an einer Erwiderung bastelt, vielleicht in seinem eigenen Blog, und wer weiss, vielleicht verschachert er sie ja an die Zeit - dann würde ich ihm hier raten, besser mit dem Lügen aufzuhören, sonst kracht es. Aber g'scheid.

Wobei ich den Zorn, der da zu Tage getreten ist, teilweise nachvollziehen kann: Denn wer lässt sich schon gern als Teil der Argumentation der Gegenseite verwenden, noch dazu, wenn die in einer vorteilhaften Position aus dem Klubsessel heraus über die Zeitung hereinbricht. Ja. Klar. Das kann nerven, wenn demnächst die Nebenkostenrechnung kommt, und zum 1.1. die Mietsteigerung, und die Gentrifizierung voranschreitet und der andere scheinbar lebenslang im Warmen sitzt. Und dann kommen auch solche Umverteilungsphantasien wie 100% Erbschaftssteuer. Und die Abschaffung von Immobilieneigentum. Die Netzneutralität ins reale Leben tragen, alle gleich machen und gleich leben, so wie das dann eben Leute wie der Michi machen: Auf nicht gerade extrem hohen Niveau, aber mit viel Freiheit und ohne viel Ärger mit einer unangenehmen Arbeit. Die Cloud wird schon wissen, wo man Beiträge unterbringen kann. Irgendwie geht das schon weiter. Sie wollen ja alle irgendwie Autor und intellektuell sein. Ich hatte noch so einige Zitate, ich konnte nur drei bringen. Und was soll ich sagen: Der Michi. Der hat gar nicht mal so unrecht.



Denn die 30 Quadratmeter und die Nudeln sind nicht der Worst Case. Es geht immer etwas schlechter. Nehmen wir mal seinen Kumpel von den Postprivaschisten, den Tarzun aus dem Piratenvorstand. Der ist nicht Berlin, sondern in München, und braucht eine neue Unterkunft.

München oder Umgebung (MVV-Innenraum oder S-Bahn/Regionalbahnhofsnähe)
Augsburg/Ingolstadt wäre als Plan B wohl auch OK
WG-Zimmer, Appartement oder ne Wohnung (teilmöbliert ist ein plus)
450 € warm (jaja, München, ich weiß, im Moment sind es 430€ fürs 15qm-Zimmer inkl. Internet und Putzservice)
Nicht in Frage kommt alles, wo jemand Provision will. Punkt.
(http://tarzun.de/archives/465-Sleepless-in-Munich.html#content)

15 Quadratmeter für 430, gut, das ist München, könnte man sagen. Aber den Plan B kenne ich bestens aus der Erfahrung, die der Michi so hasst, und seit ein paar Tagen ist hier bei uns blankes Entsetzen, denn die Münchner bauen draussen an der Autobahn, was für hiesige Verhältnisse wenig erbaulich ist: 28 Quadratmeter kosten dort 155.000. Das sind 5500 Euro pro Fläche, auf der mein Sessel steht. Wer immer das mietet, muss im Jahr mit 7500 Euro kalt rechnen. Man kann sich ausmalen, wie weit man in diesem Plan B mit 450 warm kommt. Und das, obwohl das eigentlich viel Geld ist.



Ich bin davon, obwohl das natürlich auch bei uns durchschlägt, überhaupt nicht begeistert. Nicht wegen Tarzun, mein Mitleid hat Grenzen, aber wegen so vielen anderen: Gerade die Preisspünge bei kleinen Wohnungen drücken deren Bewohner hinunter ins nächste Niveau. Wir kommen wieder dorthin, wo wir einmal waren: Dass in den Lagen, in denen man leben möchte, die Kammer die Normalität wird. Aber für diese Leute gibt es kaum Ausweichmöglichkeiten, denn bei uns ist zwischen Alpen ujnd Donau alles dicht. Berlin geht in die gleiche Richtung. Und dann steht durch den Druck der Immobilien Verkleinerung an. Das kann man als junger Mensch, der dem Umziehen mit einer Tasche huldigt, vielleicht eine Weile machen. Aber es frisst Chancen in einem Lebensalter, in dem andere gerade den Grundstock für private Umverteilung legen. Mit jeder Einzimmerwohnung, die Eltern jetzt in den Universitätsstädten für den Nachwuchs kaufen, weil die Zinsen so niedrig sind und das Kind einen Grundstock haben soll, wird der Platz enger. Berlin hat keine Studiengebühren und zahlt noch Prämien. Klingt erst mal toll, legt aber das Fundament für die Aufwertung und Vertreibung der Mieter. Nicht so schlimm, wenn das ganze Leben in der Cloud ist. Mit 25 oder 30. Aber es kann sein, dass sich mit 35 oder 40 die Paradigmen des Lebens verändern. Vielleicht will die Freundin nicht mehr neben dem Altkleiderhaufen leben, vielleicht wird man ausgegrenzt, weil alle anderen irgendwann mal einladen können, und man selbst immer ins Cafe muss. Das alles kann eine Weile gut gehen. In Berlin vielleicht sogar sehr lang, je nachdem, wie weit man sich mit dem Provisorium aus dem Zentrum vertreiben lässt.



Es kann also sehr viel schlimmer kommen. 15 oder 10 Quadratmeter. je nachdem, wie übel die Krise ausgeht, und welche Möglichkeiten dann für die Menschen im Provisorium dann noch vorhanden sind. Ich weiss das nicht, ich sehe nur die Berichte aus Spanien. Und dass die Leute, die von dort aus bei uns ankommen, extrem motiviert und leistungsbereit sind. Und ich sehe auch, dass sich in meinem persönlichen Umfeld die Wünsche verschieben: Drei oder vier Zimmer, Küche, grosses Bad, Abstellraum, 80 Quadratmeter, das ist normal. All die grossen Flächen werden bei den Reicheren gerne genommen. Oder sie haben sie schon länger. Haben rechtzeitig zugegriffen, weil sie 1 und 1 zusammenzählen und verstanden haben, dass dieser Euro nicht mehr viele Chancen hat. Was in diesen Bereich gegangen ist, kommt so schnell nicht mehr auf den Markt: Im dicht bebauten Umkreis meiner Wohnung in München etwa gibt es exakt eine vergleichbare Wohnung zum Verkauf, für einen atemberaubenden Preis, aber nur am lauten Altstadtring. Sonst nichts. Da ist einfach kein Platz, keine Chance für die lockeren Hipster dieser Welt. Und es wird sie dort auch keiner vermissen. Gentrifizierung heisst auch: Leute mit Bierflaschen in der Hand sind unerwünscht, Kreativität nur bitte mit Vermögen. Das Selbstbild dieser Leute, dass sie für die Atmo wichtig wären, und das Viertel heiter und jung machen - das täuscht.



Das eine ist die Debatte um BGE, um das freie Tempelhofer Feld, um das Guggenheim Lab und die Mediaspree. Das andere arbeitet sich eben dort ab, wo es weniger Widerstände gibt. Mauerpark, Kottbusser Tor (warum eigentlich? Scheusslicher geht es doch kaum), alter Westen, Mehringdamm. Die reale Entwicklung zieht den BGE-Wünschen den Boden unter den Füssen weg, bis sich die Mehrheit sagt: Es ist wirklich billiger, denen ein paar Kröten hinzuwerfen, damit sie in ihren Rückzugsgebieten tun, was sie wollen, statt das System zu behindern. Das ist die Gefahr, die ich im BGE sehe: Dass es eine Art soziale Abwrackprämie sein wird, um Störer dorthin abzuschieben, wo man damit noch leben kann. Wie das dann mit Bildung, Versorgung, Medizin und Notfällen ist: Egal. Sie haben ja das BGE. Das muss sonst keinen kümmern, der Rest hat eine bedingungslose Abkoppelung dieser Leute, aus der es kaum einen Weg zurück geben wird. 1000 Euro mag für jemanden, der nur Nudeln oder Döner isst, eine Menge Geld sein. Aber vielleicht ist es auch eine lockere Art, die Probleme zu beseitigen. Kein Reicher geht heute freiwillig ins Bargeld, die wollen alle in die krisensicheren Werte, sie wissen schon warum. Andere wollen 1000, eventuell bald wertlose Euro, und dann alles selbst zahlen? Vielleiecht ist das ja doch ein Deal. Mal durchrechnen, und mit der Wertsteigerung von Vierteln und Quartieren aufrechnen, aus denen sie bald weichen müssen.



Ich lese immer nur den Jammer, wenn die Nebenlosten kommen. Was sonst passiert, merken sie nur, wenn sie die Wohnung wechseln müssen: Wenn plötzlich wieder alles teurer wurde, weil sich der Markt drastisch verändert hat. Leute wie der Michi und der Tarzun müssten sich eigentlich jeden Tag mit dem Immobilienmarkt auseinandersetzen, mit den zurückgehenden Privatkrediten, die drohen, die auszuschliessen, mit der Frage der Konzentrationsprozesse und der Akkumulation, die gerade passiert, ohne dass man etwas dafür tun muss. Ich habe etwas, ich könnte mich jetzt kräftig hebeln und in Berlin einen halben Piratenvorstand ausnehmen, bis er quiekt, einfach so, weil die Krise für mich arbeitet, und ich auf vielen Quadratmetern sitze. Da hilft dann auch keine Vermögenssteuer und keine Utopie der Umverteilung. Die Entscheidungsschlacht dieser Krise, wie jeder Währungskrise, wird allein um die Realwerte geschlagen, nicht um die Lappen des BGE, die so irrelevant wie Reichs- und Rentenmark sein werden. Und das wird darüber entscheiden, wo sie bleiben, und welche Optionen sie in einem neuen, altbekannten Umfeld noch haben. Vielleicht haben sie dann 15% als Piratenpartei der Verlierer. Dann gnade ihnen Gott.

Die Halsabschneider, die 155.000 für 28 Quadratmeter wollen und die grosse Koalition beherrschen, werden es sicher nicht tun.

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Samstag, 21. Juli 2012

So mögen sie fallen

Die Kristalle im Schlafzimmer splittern nicht bei spitzen Tönen, aber sie lösen sich leicht und liegen am nächsten Morgen auf dem Teppich.



Das kann auch ganz banale Anlässe haben, ohne tiefere Bedeutung. Manchmal passiert das schon, wenn man die Schranktür vehement öffnet.



Aber wie es nun mal so ist: Nichts kann ewig liegen bleiben. Die Steine müssen wieder an den Leuchter, und die Menschen ihren Tätigkeiten nachgehen.



Jedenfalls, mein Beitrag über die Angst, die gerade so gar nichts mit dem Anlass für die Verzögerung zu tun hat, wurde später als gewöhnlich fertig. In der FAZ.

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Eine spanische Bankenrettung

aber zwei unterschiedliche Gesetze.

Das hier ist Deutschland. Wo nicht klar ist, ob das Geld nicht auch für den Kauf von Staatsanleihen benutzt werden kann. Und wo auch nicht klar ist, was passiert, wenn die Banken nicht zurückzahlen können - es könnte dann nämlich sein, dass der spanische Staat, der garantiert, die deutschen Kredite nachrangig behandelt. Oder wenn er pleite geht: Dann bekommen erst mal die normalen Staatsschuldenbesitzer etwas, wie etwa Banken. Und sollte dann noch etwas da sein, die Deutschen. Aber das ist noch nicht klar. Muss man sich mal vorstellen, da wird ein gesetz beschlossen, in dem steht, man wisse nicht, was da sein wird.

Und das ist der Vertrag, den die Finnen abgesegnet haben. Deren Zuschüsse sind mit einer bombensicheren Durchgriffshaftung versehen, und erlauben es, die Sache bei Änderungen in der Konstruktion nachzuverhandeln.

Lustigerweise bietet der Vertrag der Finnen jene Sicherheit, von dem das deutsche Regime behauptet, sie wäre bei seinem erheblich anders gestalteten Vertrag gegeben. Eine Rettungsaktion, gemeinsam unternommen, aber unterschiedliche Folgen.

Kann es sein, dass unser Regime eine verlogene, verkommene Marionette der Banken ist?

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Donnerstag, 19. Juli 2012

Begiessen.

Wenn die Sonne so steht, ist es Zeit, die Pflanzen zu giessen. Sie haben sehr viel Durst und wachsen auch famos (ausser der Salbei, natürlich).



Das Schöne an meiner Bibliothek ist, dass man von dort aus sieht, wenn es soweit ist, für die schönsten Stunden, wenn die Sonne nicht mehr brennt und der Himmel mit dem Blau spielt.



Dann gehe ich nach oben und bleibe dort, bis ich hungrig werde - was meistens erst so gegen Mitternacht ist, wie jetzt zum Beispiel, da ich gerade schreibe, und überlege, was ich gleich koche.



Meine Tomaten machen mir jetzt schon Freude; was ich noch unten an Vorräten habe, werde ich essen, und dann kann ich hier oben ernten. Und zwar gar nicht so wenig.



Dann kommt die blaue Stunde, in der Stadt wird es still, fast wie am Tegernsee, drüben im Wohnheim wird gelernt, und ich bin allein mit dieser Aussicht.



Und einem Glas Apfelsaft. Ich proste dem Tag zu, der kein schlechter war, von den ersten 5 Stunden einmal abgesehen, und freue mich über den Marienkäfer, der auf dem Tisch landet.



Und wenn es dann zu dunkel wird, spät, sehr spät am Abend, schalte ich den kleinen Leuchter an, auf meinem Sonnendeck, hoch über der Stadt und den Niederungen meiner bayerischen Heimat.



Und weltenfern von Berlin und anderen Orten, wo sie so viel über mich sagen und schreiben. Und nichts wissen, oder gar verstehen, weil man das alles nicht vergleichen kann. Es ist eine Sache des Erfahrungshorizontes.. Es geht mir gut. Sehr, sehr gut. Ich weiss, wie privilegiert ich bin. Hier oben eigentlich immer.

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Die kompletten Einnahmen

meines Beitrags über die Berliner Slummeria spende ich übrigens einem guten kulturellen Zweck, dem Ausbau meiner Rokokogemäldesammlung - in der Küche ist nämlich noch Platz.

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Würgende Geräusche aus dem Reichshauptslum

Sollten Sie heute wütende Tweets von Priraten, Postprivaschisten, BGE-Freunden, der Schramm Frau und einfach nur ganz normalen Berlinabhängern lesen - das liegt daran, dass ich in der FAZ einen Beitrag über den real existierenden Postsozialismus Berliner Berufsjugendlicher geschrieben habe. Der eigentlichte Kern, die Angst in unserer Gesellschaft, wird bei dem Geschrei natürlich übersehen werden. Und wie beim letzten Mal auch wäre ich gar nicht überrascht, wenn ein paar sehr Unkundige jetzt anfangen, Gegendarstellungen zu verlangen, oder unter falschen Namen zu trollen, gell, J.B.?. Dabei ist diese Version noch gnadenhalber ohne Rudelficken und Drogenmissbrauch. Und auch das Eingeständnis der peinlichen Schramm Frau auf ihrem Zweitaccount, dass sie mit einer gefälschten Tasche aus Vietnam zurückkommt, habe ich nicht verwendet:

Ja. ‏@femrate

Fake entwertet die Marken. Ich mag das. Subversion mit Stil :3

Ja. ‏@femrate

Habe eine Fake-Chanel Tasche gekauft, die ich stolz tragen werde. Aus Leder! Es gibt also keinen Grund für 2470€ Preisunterschied.

Ich glaube, die wird bei der Einreise aus Vietnam nach Deutschland eine böse Überaschung erleben. Subversion mit Stil kann ich auch.

Und weil schon die schönsten Gerüchte im Umlauf sind: Generell bin ich sehr froh, dass es bei uns seit langem keinerlei und im bosnenderen Falle mich begünstigende Erbfälle gegeben hat (Ausnahme: Ein Bauernschrank, den keiner wollte, eine Bronzestatuette und Bilder, die keiner wollte, vor fast einer Dekade). Wir arbeiten hart, wir leben lang und wer erben will, muss steinalt werden. Aber es stimmt natürlich: Im Vergleich zum Berliner auf 30m² zur Miete, der immer ein überzogenes Konto wegen Macbook und Co. hat, geht es mir nicht schlecht.

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Mittwoch, 18. Juli 2012

Sturm vor der Ruhe

Hier geht es jetzt etwas durcheinander, der Beitrag ist heute, am 18. geschrieben worden, weil gestern nicht der Tag dafür war. Weil nämlich:







Alles zuerst mal völlig normal gewesen ist. Es gibt so Tage, da geht man mit sich selbst und der Welt zufrieden auf die Runde: man sieht das nicht allein so, weder das mit Bayern noch das mit der Orientierung einer eigentlich geschätzten Partei auf zwei hirnrissige Themen namens Ponader-Schnösel-BGE und 68er-Feminismus. Lauter g'scheide Leid, sagt man sich, und draussen ist auch ein g'scheides Wetter. Wolken, Blau, Sonne, warm ist es und windig. Sehr windig. Aber das Carrera hat über den Winter die alten, originalen Velomaxlaufräder mit den hohen, scharfen Felgen bekommen, die werden den Sturm schon wie einen Radi schneiden. Dachte ich mir.







Also begann das grosse Klammern: Insekten klammern sich an Blumen, Äpfel und Aste klammern sich an Bäume, und ich klammerte mich an den Lenker. Von vorne kam das Gebläse, in etwa so, wie wenn man mit der Barchetta offen 180 fährt. Dann knallt das ähnlich um das Gesicht herum. Das macht man vielleicht mal für vier Minuten, dann geht es zurück auf gemütliche 100, oder gar nur 80.Aber hier ging es Kilometer für Kilometer, und es ging langsam dahin. Was bin ich gekrochen. Wie oft habe ich mir gesagt: Das reicht für heute. Und wie oft habe ich mich dann an den Abzweigungen vorbeigequält. Warum macht man so etwas? Weil es hier geht, im Norden dagegen wäre es scheusslich.







Und weil man auf dem Rad sitzt, das ein Weltmeister an den Nagel gehängt hat, bevor die Tour de France begann. Weil man nicht aufgeben will, weil man nicht auf so einer Kiste sitzt, um dann klein beizugeben und sich nach Hause blasen zu lassen. Dieses Rad wurde für den Kampf gegen Titanen gebaut, da wird so ein Stürmchen doch nichts ausmachen. Die flogen Berge hoch und nicht nur Hügel, die fuhren um ihr Leben und nicht nur zur Gaudi, da muss man ein Minimum an Haltung beweisen, in solchen Klickpedalen. Man tritt immer weiter, auch wenn der Körper zu warnen beginnt. Zu weit, zu schnell, die Zähne schmerzen, und bergab geht es dahin, als wäre man erst beim Aufstieg. Es ist nicht schön. Es macht keinen Spass. Aber es geht weiter.







Denn man wandelt entlang auf einem heiligen Weg. Was hätten denn all die Pilger im Mittelalter und im Rokoko sagen sollen, die haben auch nicht Mimimi gesagt, die haben ein Ziel gehabt und sich durchgebissen - und das war vor der Erderwärmung, damals war so ein Sommer schon heiss. Am Ende haben sie gebetet und gebeichtet und gespendet, und nicht im Biergarten gesessen. Die hatten die Kraft und den Willen, und gerade weil der Glauben so schräg ist, will man da als guter Atheist nicht zurückstehen, zumal man ja ein Rad hat. Ankommen ist das Mindeste, was man schaffen muss. Und deu Schlenker bei Nassenfels mitnehmen, da ist der Anstieg im Windschatten, nur um zu schauen, ob das mit dem grossen Blatt geht.







Der Biergarten war geschlossen. Aber die Kirche war toll, wie immer. Diese Tour von der Kirche, die früher zum Haus dazu gehörte, bis zu dieser vergessenen Wallfahrtskirche ist die Verbindung zwischen den beiden Kirchen, in denen ich, wenn es sein müsste und man mich ansonsten grausam und langsam zu Tode foltern wollte, kirchlich heiraten würde. Die Kirche da draussen ist zwar nicht so schon wie die bei mir, aber daneben ist ein grandioses Restaurant, und ausserdem ist die Strecke doch so schön. Und schnell ging es mit dem Rückenwind heim, so schnell, dass ich das Pochen gar nicht merkte.

Das kam erst unter der Dusche. Und wie. Tom und Jerry bis um 5 Uhr morgens, dann ins Bett und der Vorsatz, gleich in der Früh zum Arzt zu gehen. Als ich dann aufwachte, war es fast weg, das schlimme Gefühl, nur noch eine Ahnung und eine Warnung, dass es jetzt erst einmal gut ist. Erst heil werden, dann wieder radeln. Der Sturm wehte heute ohnehin aus dem Internet.Und er kam aus Berlin, und es war keine gute Luft.

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Dienstag, 17. Juli 2012

Honeckers Rache

In Spanien sieht es so aus, als könnten geprellte Privatanleger mit einer Klagewelle die Banken zum Einsturz bringen - ihnen wurden komplexe Derivate als mündelsicher angedreht, als dieser toxische Finanzmüll nicht mehr anderweitig verkäuflich war. Dafür haftet dann der Bankenrettungsschirm, oder besser: Wir alle.

Ebenfalls nach draussen wollen die institutionellen Anleger. Denen sind diese Banken klar zu wenig kapitalisiert, und ausserdem haben sie Angst, bei Schuldenschnitten durch den Bankenrettungsfonds zuerst alles zu verlieren. Griechenland lässt grüssen. Was auf einen Beinahestaatsbankrott auf Kosten hinauslaufen würde. So haben sie sicher nicht gewettet. Wenn das so sein sollte, gehen sie vermutlich lieber mit den aktuellen Verlusten, denn mit dem, was da noch kommen mag.

Das sind dann zwei neue, riesige Löcher, die jemand stopfen muss. Vermutlich der grandiose ESM, den wir alle garantieren. Und natürlich sind dann jene Milliarden, über die diese Woche abgestimmt wird, nur Makulatur. Zumal da der Eindruck entsteht, die Merkel würde bei der Information des Parlaments eine Mischung aus ZK und Mappus machen, damit das alles durchgeht: Vertuschen, verschweigen, verheimlichen. Jeder will da raus, nur wir sollen da rein. Wo dann letztlich die Haftungsgrenze liegt? Schwer zu sagen. Die Preferentes und die fliehenden Anleger sind bislang noch nicht eingepreist. Letztlich haften wir für alles. Es sieht alles ein wenig nach DDR aus, wo die Quoten und Bilanzen angeblich gut und sauber waren, und man mit KoKo und Schiebereien lange vieles verdecken konnte, und im ZK war man sich ohnehin stets einig.

Man kann nur auf das Verfassungsgericht hoffen, dass es diesen Irrsinn aus dem Kochbuch des real existierenden Sozialismus aufhält.

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Auf der Suche nach der Jahreszeit

Wo bleibt der Sommer, brüllt mich das Lügendrecksblatt beim Bäcker an, als gäbe es keine wichtigeren Themen, als wäre seine Redaktion ein stinkender Freier, der im Bordell nicht das Erwartete bekam, und sich jetzt auskotzt. Das wollen sie wissen, das haben sie bestellt, dann wollen sie am Strand oder im Park ihre Körperverschandelung herzeigen und dazu billiges Fleisch verbrennen und Bier aus Flaschen saufen. Wo bleibt der Sommer, führen sie sich auf. Der Sommer versteckt sich derweilen, kein Wunder bei diesem Geschmeiss - man muss ihn ssuchen und begehren, den Sommer.







Ich glaube, es war Mark Twain, der einmal so treffend bemerkte, den wärmsten Winter, den er je erlabt habe, wäre sein Sommer in Hamburg gewesen. Jedenfalls, rund um die Donau herum ist das alles kein Problem; es ist zwar nicht heiss, aber dafür badet man auch nicht in Salzlake. Das ist nicht Italien, deshalb ist es nicht heiss. Und des ist auch nicht Hamburg, sondern dazwischen. Dort oben gibt es gerade hässliche Privatgeschichten, die ausgewalzt werden, weil sich ein Paar trennt und ein blogschmierender Widerling Probleme mit seiner und anderer Leute secueller Orientierung hat: Sowas hatten wir hier auch, das war ein selbstgerechtes *** von Bischof, der meine Bekannten schnitt und verdammte. Der ist inzwischen weg. Wie die Wolken.







Was bleibt, sind die Erinnerungem, aber auch die lassen nach und werden zur Erfahrung. Es bleibem die Hügel und zum Glück auch die Hecken, die wenig befahrenen Asphaltbänder und was sonst noch das alles hier so angenehm gestaltet. Der schönste Sommer wäre nichts, wenn man ihn mit zu vielen anderen teilen müsste. So ein Sommer braucht neben Licht und Wärme auch viel Raum, und den gibt es hier. Dann erst kann er sich breit machen, verweilen und sich verwandeln in vielerlei Gestalt, ohne Quallen- und Algenpest der überfüllten Meere.







Man findet des Sommer schon. Das getreide wächst, die Äpfel reifen, die Natur ändert die Farben und die Tage sind lange hell.Das Licht ist sommerlich.nur die Temperaturen hinken nach. Sagt man sich halt: Würde ich jetzt einen Alpenpass hinunterfahren, und keine Jurakuppe, wäre es auch nicht wärmer. Tritt man eben ein wenig schneller. Freut man sich , das weniger Insekten unterwegs sind. Alles hat seine zwei Seiten, man muss das Beste daraus machen, und so, wie es sich darstellt, ist es die richtige Täzigkeit zur richtigen Zeit. Die Tage am See werden auch noch kommen. Jetzt sind eben die Tage der mittleren Runden, die Zeit des Abnehmens und des Asphalts. Es ist eine bestimmte Art des Sommers. Es passt schon. Es ist der Sommer für nicht allzu schnelle Stahlräder.







Die Hitze, die muss man sich in den mit Silber gelöteten Muffen denken. Und an Bob Jackson sollte man denken, der das getan hat. In Leeds, in England, wo der Sommer noch trauriger als in Hamburg ist. Dieser Herr hat trotzdem keine Schutzbleche angelötet, heldenhaft hat er den Zwängen der Witterung widerstanden, und einen Rahmen für italienisches Leben geschaffen: Kurz, wendig, schnell und ohne jeden Ballast für die Ungnade des Wetters. Es liegt eine Hoffnung in diesem Rahmen und ein Versprechen, und das löst dieser Tag ein. Der Sommer ist da, er zeigt sich dem Liebenden und Begehrenden, er windet seine Kränze denen, die nach draussen gehen und es nehmen, wie es kommt - aber nicht den Grölern und Säufern. Es ist ein eigensinniger Sommer, aber mir passt er so, wie er ist.







Und wenn er so hält, der Sommer, dann radle ich am Samtag mit Iris, einer Decke und einen Korb auf eine Streuobstwiese. Das muss man nehmen, wie es kommt. Das Glück zumindest, und das Pech, wenn ein öffentliches Leben mal nicht so läuft - mei. Ignorieren, weitermachen, die Leute reden lassen, was sie wollen. Ich glaube, es gibt eine spezielle Ecke für den Bischof und andere bigotte Widerlinge in der Hölle, und eben eine Streuobstwiese für eine Geschiedene und mich.

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