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Donnerstag, 10. Oktober 2013
24 Karat
Man müsste in Nordafrika Radios verteilen, und dann die Nachrichten bringen, die gern schnell wieder ignoriert werden; Dass in Europa Abermillionen von Menschen auf Nahrungshilfen angewiesen sind, und andere Freuden der Spar- und Europolitik der letzten Jahre. Vielleicht würden dann den Beihelfern der Massentötungen manche Schuldgefühle erspart bleiben, die sie hätten, wären sie keine verabscheungswürdigen Monster. Und man könnte sie auch wissen lassen, was die Mafia in Süditalien mit den Flüchtlingen anstellt: Die Zitrusproduktion für all die günstigen Orangen nämlich verdankt ihre Preise dem Umstand, dass man wieder Heerscharen von Fastsklaven auf den Plantagen halten kann. Hochrömische Dekadenz im Süden. In England dagegen steigen wieder die Preise der Wohnungen von London auf nie gekannte Höhen.

Man könnte vielleicht glauben, hier wird alles wieder gut, wenn man die neue World of Interiors sieht. Lange Zeit war das Magazin in Ermangelung von Anzeigen eher schwindsüchtig und auf die redaktionellen Beiträge reduziert. Aber diesmal kommt es so fett und umfangreich daher, wie vor der Krise, und nichts scheint sich geändert zu haben: Auf teuren Sofas räkeln sich wieder halbnackte Frauen, Vergoldungen prunken und Firmennamen ohne weitere Erklärung sollen scheinen, als wüssten die Angesprochenen ohnehin, was sie zu erwarten haben. Das Genöle über den Limburger Bischof wirkt schal, wenn man sich durch die Seiten blättert: Das Limburger Desaster wäre hier noch nicht einmal Mittelklasse, sondern einfach nur stillos halbteuer.

Ungeachtet dessen ist Europa in einem neuen Biedermeier versunken, nicht umsonst kaufen die Menschen hier Landlust, und die WOI hat in Deutschland, dem reichsten Land des Kontinents, keinerlei Ableger. Ich wage die Vorhersage, dass Biedermeier übrigens auch als Antiquitätenstil bald wieder kommt; da gibt es im Moment so ein Durchhängen, weil sich die Mode geändert hat, aber mir ist das als Käufer nur recht und wenn die Landlust erst mal vorbei ist, kommt auch sicher wieder der Rückzug in behagliche Städte ohne allzu viel offensiven Prunk. Dass England hier plötzlich wieder auftrumpft, ist allerdings keine Folge des Wiedererstarkens der Verbrechermeile mit ihren Bankstern – auch wenn man sie nicht in die Themse geworfen hat, es sind weniger und es geht ihnen nicht mehr gar so gut – sondern einfach an den Umständen: Es ist eine Sonderausgabe. Die nächste wir wieder dünn und bescheiden sein, auch wenn sich Weihnachten nähert.

Es ist also nur eine Erinnerung an Zeiten des bankstererfundenen Verbreherüberflusses, die hier zu bestaunen ist; viele Anbieter von früher gibt es nicht mehr, und in der Realität geht es längst nicht mehr so scheinnobel zu, da wird das Zeug im Internet mit Rabatt verschleudert. In der Spitze mag noch Geld da sein. Die Mittelklasse oder was davon übrig ist, hat wenig zu lachen, und als wir letzthin den Polen brauchte, hatte er gleich 4 Leute dabei, die England nicht mehr als Zentrum des Heils betrachten, und nun doch lieber in Deutschland arbeiten, weil hier das Schicksal nicht so launisch ist. Nach England geht, wer Englisch kann, aber wer mehr kann, geht nach Deutschland, berichten meine italienischen Freunde. Nicht die Opulenz der Magazine lockt, sondern die schnöde Sicherheit der langweiligen, deutschen Bausparer mit ihren Träumen von 1/3 von einem Dreispänner mit Anschluss an die U-Bahn.

Natürlich ist das, wie die Flüchtligsströme zeigen, Jammern auf allerhöchstem Niveau, das hier Anzeigeabteilung und all die Menschen eint, die mich nach dem Kauf des Magazins am Bahnhof Frankfurt um Hilfe gebeten haben. Europa geht es, global betrachtet, gar nicht so schlecht, von der weiterhin drohenden Krise und ihren Parasiten einmal abgesehen. Nach unten kommt viel, und von oben nicht, denn Sylt hat gegenüber kein Afrika und wenn es doch so wäre, dann würde man hier vielleicht auch Entscheidungen treffen, um die man den italienischen und griechischen Handlangern dann doch dankbar ist.

Man könnte vielleicht glauben, hier wird alles wieder gut, wenn man die neue World of Interiors sieht. Lange Zeit war das Magazin in Ermangelung von Anzeigen eher schwindsüchtig und auf die redaktionellen Beiträge reduziert. Aber diesmal kommt es so fett und umfangreich daher, wie vor der Krise, und nichts scheint sich geändert zu haben: Auf teuren Sofas räkeln sich wieder halbnackte Frauen, Vergoldungen prunken und Firmennamen ohne weitere Erklärung sollen scheinen, als wüssten die Angesprochenen ohnehin, was sie zu erwarten haben. Das Genöle über den Limburger Bischof wirkt schal, wenn man sich durch die Seiten blättert: Das Limburger Desaster wäre hier noch nicht einmal Mittelklasse, sondern einfach nur stillos halbteuer.

Ungeachtet dessen ist Europa in einem neuen Biedermeier versunken, nicht umsonst kaufen die Menschen hier Landlust, und die WOI hat in Deutschland, dem reichsten Land des Kontinents, keinerlei Ableger. Ich wage die Vorhersage, dass Biedermeier übrigens auch als Antiquitätenstil bald wieder kommt; da gibt es im Moment so ein Durchhängen, weil sich die Mode geändert hat, aber mir ist das als Käufer nur recht und wenn die Landlust erst mal vorbei ist, kommt auch sicher wieder der Rückzug in behagliche Städte ohne allzu viel offensiven Prunk. Dass England hier plötzlich wieder auftrumpft, ist allerdings keine Folge des Wiedererstarkens der Verbrechermeile mit ihren Bankstern – auch wenn man sie nicht in die Themse geworfen hat, es sind weniger und es geht ihnen nicht mehr gar so gut – sondern einfach an den Umständen: Es ist eine Sonderausgabe. Die nächste wir wieder dünn und bescheiden sein, auch wenn sich Weihnachten nähert.

Es ist also nur eine Erinnerung an Zeiten des bankstererfundenen Verbreherüberflusses, die hier zu bestaunen ist; viele Anbieter von früher gibt es nicht mehr, und in der Realität geht es längst nicht mehr so scheinnobel zu, da wird das Zeug im Internet mit Rabatt verschleudert. In der Spitze mag noch Geld da sein. Die Mittelklasse oder was davon übrig ist, hat wenig zu lachen, und als wir letzthin den Polen brauchte, hatte er gleich 4 Leute dabei, die England nicht mehr als Zentrum des Heils betrachten, und nun doch lieber in Deutschland arbeiten, weil hier das Schicksal nicht so launisch ist. Nach England geht, wer Englisch kann, aber wer mehr kann, geht nach Deutschland, berichten meine italienischen Freunde. Nicht die Opulenz der Magazine lockt, sondern die schnöde Sicherheit der langweiligen, deutschen Bausparer mit ihren Träumen von 1/3 von einem Dreispänner mit Anschluss an die U-Bahn.

Natürlich ist das, wie die Flüchtligsströme zeigen, Jammern auf allerhöchstem Niveau, das hier Anzeigeabteilung und all die Menschen eint, die mich nach dem Kauf des Magazins am Bahnhof Frankfurt um Hilfe gebeten haben. Europa geht es, global betrachtet, gar nicht so schlecht, von der weiterhin drohenden Krise und ihren Parasiten einmal abgesehen. Nach unten kommt viel, und von oben nicht, denn Sylt hat gegenüber kein Afrika und wenn es doch so wäre, dann würde man hier vielleicht auch Entscheidungen treffen, um die man den italienischen und griechischen Handlangern dann doch dankbar ist.
donalphons, 11:54h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Donnerstag, 10. Oktober 2013
Überleben
Der Zug nach Frankfurt hatte Verspätung.
Generell ist so eine Zugfahrt im Herbst auch nicht gerade schön, wenn das Ziel nicht jenseits der Alpen liegt. Und ich glaube auch nicht, dass sich Zeitungen oder Messen schlechter verkaufen liessen, wenn sie in Meran, am Comer See oder Verona wären. Mit der Globalisierung wäre das doch leicht zu machen.
Wie immer bei solchen Veranstaltungen: In den Ecken sammelt sich der Schmutz.

Ich habe immer das Gefühl, da sitzt dann so ein ungewaschener Berliner mit Bierflasche und lallt die Leute mit ROI an. Das ist übrigens auch ein Grund, warum ich Buchhändler so mag: Weil sie angesichts der Alternativen wirklich Gutes und Schönes leisten, wie ich im Buchmesseblog der FAZ schreibe. Auch sonst merke ich das, was ich einmal gewesen bin, nur noch selten. Aber gestern kam mir das alles wieder hoch. Manchmal wäre ich gern wieder der Alte.
Denn der Beitrag war vordatiert und hat nicht ausgelöst; naja. Man kennt das. Zum Glück habe ich auch viele andere Displays gesehen, die nicht korrekt angesteuert waren, unter anderem bei der Welt, die dort auch einen Stand hat.
Es gibt ja auch jede Menge anderen Krimskrams, nur gutes Essen gibt es nicht.
Am Morgen meinte übrigens das Hotel, die Buchung habe nicht funktioniert. Drei Stunden Buchmesse reichen aber auch, und nach 7 Stunden Frankfurt sass ich gar nicht unglücklich über eine Nacht im igenen Bett wieder im verspäteten Zug. Ist das immer so?
Daheim dann die Belohnung:
Die transsylvanische Verwandte ist da. Die Heimfahrt hat sich also durchaus gelohnt.
Generell ist so eine Zugfahrt im Herbst auch nicht gerade schön, wenn das Ziel nicht jenseits der Alpen liegt. Und ich glaube auch nicht, dass sich Zeitungen oder Messen schlechter verkaufen liessen, wenn sie in Meran, am Comer See oder Verona wären. Mit der Globalisierung wäre das doch leicht zu machen.
Wie immer bei solchen Veranstaltungen: In den Ecken sammelt sich der Schmutz.

Ich habe immer das Gefühl, da sitzt dann so ein ungewaschener Berliner mit Bierflasche und lallt die Leute mit ROI an. Das ist übrigens auch ein Grund, warum ich Buchhändler so mag: Weil sie angesichts der Alternativen wirklich Gutes und Schönes leisten, wie ich im Buchmesseblog der FAZ schreibe. Auch sonst merke ich das, was ich einmal gewesen bin, nur noch selten. Aber gestern kam mir das alles wieder hoch. Manchmal wäre ich gern wieder der Alte.
Denn der Beitrag war vordatiert und hat nicht ausgelöst; naja. Man kennt das. Zum Glück habe ich auch viele andere Displays gesehen, die nicht korrekt angesteuert waren, unter anderem bei der Welt, die dort auch einen Stand hat.
Es gibt ja auch jede Menge anderen Krimskrams, nur gutes Essen gibt es nicht.
Am Morgen meinte übrigens das Hotel, die Buchung habe nicht funktioniert. Drei Stunden Buchmesse reichen aber auch, und nach 7 Stunden Frankfurt sass ich gar nicht unglücklich über eine Nacht im igenen Bett wieder im verspäteten Zug. Ist das immer so?
Daheim dann die Belohnung:
Die transsylvanische Verwandte ist da. Die Heimfahrt hat sich also durchaus gelohnt.
donalphons, 01:45h
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Dieser Beitrag kommt erheblich zu spät
Ja, das Javascript mal wieder. Wenn sich das totlädt und mir den Browser abschiesst - was jedes zweite Mal beim Einstellen der Uhrzeit für einen FAZ-Beitrag passiert - könnte ich auch zwei Stunden radeln gehen. Und dabei die I. treffen. Und danach noch einen Beitrag darüber schreiben, dass wir zwar nicht ganz so scheusslich wie dieses Javascript sind, aber doch fragwürdig erscheinen. Und dass es halt ein Zwang ist. In der FAZ und im Kommentarblog, das erstaunlicherweise, weil da keiner am Javascript Veränderungen vorgenommen hat, stets reibungslos funktioniert.
Ja, und deshalb steht das erst jetzt hier und nicht schon erheblich früher.
Ja, und deshalb steht das erst jetzt hier und nicht schon erheblich früher.
donalphons, 05:54h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Mittwoch, 9. Oktober 2013
Das Haus der Lügen
Das Rote Kreuz, den Fussballverband und den Pfarrer darf man nicht angreifen, auch wenn einer unterschlägt, Staatsgelder abzweigt oder Kinder missbraucht. Das war lange so, das ist wohl teilweise noch immer so, aber es ändert sich langsam. Irgendwann hat der hehre Zweck aufgehört, die Funktionäre zu schützen.
Am Rande: Ich finde es übrigens gar nicht so schlimm, wenn ein Bischof 32 Millionen für seine Butze ausgibt; das ist, wenn man die Residenzen in Eichstätt, Würzburg, Bamberg und Pommersfelden kennt, noch nicht mal Kleingeld; was ein echter Schönborn ist, hätte sich geweigert, in so einem kabuff zu wohnen, und die katholiken bekommen jetzt auch nur einen Anschein von dem, was ihre Religion die letzten 1500 Jahre ausgemacht hat.

Aber egal, es geht um Bücher, oder genauer, die Messe, die jetzt beginnt, um das Heil neuer Bestseller zu verkündigen. Was Bücher und den Handel damit angeht, bin ich ja nicht sonderlich betroffen, denn was ich schätze, kommt gar nicht so oft aus dem normalen Buchladen, und falls doch, sind es Bücher, die nicht jeder liest (wobei ich heute mit "Blasmusikpop" vermutlich sogar ein wirklich beliebtes Buch erworben habe, 10. Auflage, alle Achtung). Das hat den Nebeneffekt, dass ich für die Durchsagen des Handels, seine Aufsteller und Listen vollkommen unempfindlich bin; ich nehme das nicht zur Kenntnis und wundere mich, dass andere das tun.
Aber diese Epoche der angenehmen Ahnungslosigkeit ist wohl auch langsam vorbei, denn das Buchgeschäft fängt an, in einen Bereich zu wuchern, den ich nun wirklich recht gut kenne: Das Internet und seine Publikationsformen. Und da werden mir p0lötzlich neue Influencer vorgestellt, die mich ganz fatal an die Geschichten um gewisse Blogs wie "Schlaflos in München" erinnern, die völlig banale Inhalte aufwiesen, kaum erkennbare Beteiligung, und Zahlen in die Welt pusteten, die nach allem menschlichen Ermessen vielleicht zu erreichen wären, wenn sie sich nackt, Freibier ausschenkend, an den Ausgang vom Oktoberfest gestellt und dabei noch Geldscheine in die Luft geworfen hätte. Bloggen und Leserbeteiligung ist nicht ganz einfach, und nach einer Weile hat man es im Gefühl, wie die Debatten funktionieren: 100.000 Zugriffe und 0 Kommentare und 0 sonstige relevante Verbreitung sind in einem normalen Blog einfach nicht drin. Alles, was 5-stellig ist (SEO mal rausgerechnet) ist schon exorbitant gut. Oder halt, wie manche das machen, mit Clickbots, schliesslich beschwert sich niemand über gute Zahlen. Und bis sich Google mal ärgert, dauert das schon ein wenig.
Solche unglaubwürdigen Monsterzahlen höre ich gerade wieder, von Leuten, die angeblich Literaturchannels im Netz betreiben. Experten stellen sich hin und ernennen neue Entscheider zum Wohl und Wehe von Büchern, und die wiederum warten dann mit Reichweiten auf, die ich nicht habe. Und die FAZ im Feuilleton auch nicht Und Spiegel Online in ihrem sog. Kulturteil auch nicht. Nicht mal zu turbulentesten Hegemannzeiten mit 500+ Kommentaren. Wie ist das möglich?
Die Literaturchannelbetreiber kooperieren mit den Experten, die sie promoten.
Das ist der ganze Witz.
Das ist so, als würde man den Dreck glauben, den Pleitier Lobo damals, bevor er damit auf die Schanuze flog, über die gewesenen Adical-Blogs verbreitet hat.

Natürlich sind Medien auch oft nicht gerade gut, wenn es darum geht, Literatur im Netz begreifbar zu machen, man könnte mehr machen und vieles konsequenter umsetzen, aber diese immens grossen Leserzirkel, die sich da gebildet haben sollen, die alle nur folgen und nie etwas sagen: Die gibt es nicht. Zumindest ist da nichts verifizierbar. Da wird mit Zahlen jongliert, die irgendwie gut aussehen, da befördern sich neue Stars gegenseitig und mit etwas Pech werden mir morgen dann solche über den Weg laufen und erzählen, sie seien ganz wichtuge Blogger und müssten sofort mit der PR-Frau... und dass sie wichtig sind, steht doch auch da und dort... fragt ja keiner nach.
Ist das ein Problem? Für die Verlage vermutlich nicht, die decken ohnehin ein, was nicht bei 3 auf dem nächsten Baum ist, und die Medienkrise hat diesen Trend eher verstärkt, weil es weniger Journalisten gibt. Für mich sicher auch nicht, weil ich arge Zweifel habe, dass so ein Experte jemals die Gelegenheit bekommen wird, seine Zahlen unter Realbedingungen unter Beweis zu stellen.
Es zeigt nur, dass im Gegensatz zur Annahme, dass alles irgendwo im Netz stünde, an jener Stelle, wo der Literatur ein Platz vorbehalten sein sollte, ganz seltsame Gestalten sind. Und es zeigt die Unfähigkeit von Medien und Bloggern auf, so etwas zu machen. Das mag auch seine guten Gründe haben; ich zum Beispiel informiere mich einfach nicht zu diesem Thema im Netz. Aber es ist wie so oft: Wo man dem Geschmeiss diesen Freiraum überlässt, breitet er sich aus. Mir ekelt es deshalb ein wenig vor dieser Messe, auf der man lügende Buchschmarotzer nicht als solche bezeichnen darf. Es ist wie früher auf dem Dorf. Es sind ja Buchfreunde. da darf man nichts sagen.
Am Rande: Ich finde es übrigens gar nicht so schlimm, wenn ein Bischof 32 Millionen für seine Butze ausgibt; das ist, wenn man die Residenzen in Eichstätt, Würzburg, Bamberg und Pommersfelden kennt, noch nicht mal Kleingeld; was ein echter Schönborn ist, hätte sich geweigert, in so einem kabuff zu wohnen, und die katholiken bekommen jetzt auch nur einen Anschein von dem, was ihre Religion die letzten 1500 Jahre ausgemacht hat.

Aber egal, es geht um Bücher, oder genauer, die Messe, die jetzt beginnt, um das Heil neuer Bestseller zu verkündigen. Was Bücher und den Handel damit angeht, bin ich ja nicht sonderlich betroffen, denn was ich schätze, kommt gar nicht so oft aus dem normalen Buchladen, und falls doch, sind es Bücher, die nicht jeder liest (wobei ich heute mit "Blasmusikpop" vermutlich sogar ein wirklich beliebtes Buch erworben habe, 10. Auflage, alle Achtung). Das hat den Nebeneffekt, dass ich für die Durchsagen des Handels, seine Aufsteller und Listen vollkommen unempfindlich bin; ich nehme das nicht zur Kenntnis und wundere mich, dass andere das tun.
Aber diese Epoche der angenehmen Ahnungslosigkeit ist wohl auch langsam vorbei, denn das Buchgeschäft fängt an, in einen Bereich zu wuchern, den ich nun wirklich recht gut kenne: Das Internet und seine Publikationsformen. Und da werden mir p0lötzlich neue Influencer vorgestellt, die mich ganz fatal an die Geschichten um gewisse Blogs wie "Schlaflos in München" erinnern, die völlig banale Inhalte aufwiesen, kaum erkennbare Beteiligung, und Zahlen in die Welt pusteten, die nach allem menschlichen Ermessen vielleicht zu erreichen wären, wenn sie sich nackt, Freibier ausschenkend, an den Ausgang vom Oktoberfest gestellt und dabei noch Geldscheine in die Luft geworfen hätte. Bloggen und Leserbeteiligung ist nicht ganz einfach, und nach einer Weile hat man es im Gefühl, wie die Debatten funktionieren: 100.000 Zugriffe und 0 Kommentare und 0 sonstige relevante Verbreitung sind in einem normalen Blog einfach nicht drin. Alles, was 5-stellig ist (SEO mal rausgerechnet) ist schon exorbitant gut. Oder halt, wie manche das machen, mit Clickbots, schliesslich beschwert sich niemand über gute Zahlen. Und bis sich Google mal ärgert, dauert das schon ein wenig.
Solche unglaubwürdigen Monsterzahlen höre ich gerade wieder, von Leuten, die angeblich Literaturchannels im Netz betreiben. Experten stellen sich hin und ernennen neue Entscheider zum Wohl und Wehe von Büchern, und die wiederum warten dann mit Reichweiten auf, die ich nicht habe. Und die FAZ im Feuilleton auch nicht Und Spiegel Online in ihrem sog. Kulturteil auch nicht. Nicht mal zu turbulentesten Hegemannzeiten mit 500+ Kommentaren. Wie ist das möglich?
Die Literaturchannelbetreiber kooperieren mit den Experten, die sie promoten.
Das ist der ganze Witz.
Das ist so, als würde man den Dreck glauben, den Pleitier Lobo damals, bevor er damit auf die Schanuze flog, über die gewesenen Adical-Blogs verbreitet hat.

Natürlich sind Medien auch oft nicht gerade gut, wenn es darum geht, Literatur im Netz begreifbar zu machen, man könnte mehr machen und vieles konsequenter umsetzen, aber diese immens grossen Leserzirkel, die sich da gebildet haben sollen, die alle nur folgen und nie etwas sagen: Die gibt es nicht. Zumindest ist da nichts verifizierbar. Da wird mit Zahlen jongliert, die irgendwie gut aussehen, da befördern sich neue Stars gegenseitig und mit etwas Pech werden mir morgen dann solche über den Weg laufen und erzählen, sie seien ganz wichtuge Blogger und müssten sofort mit der PR-Frau... und dass sie wichtig sind, steht doch auch da und dort... fragt ja keiner nach.
Ist das ein Problem? Für die Verlage vermutlich nicht, die decken ohnehin ein, was nicht bei 3 auf dem nächsten Baum ist, und die Medienkrise hat diesen Trend eher verstärkt, weil es weniger Journalisten gibt. Für mich sicher auch nicht, weil ich arge Zweifel habe, dass so ein Experte jemals die Gelegenheit bekommen wird, seine Zahlen unter Realbedingungen unter Beweis zu stellen.
Es zeigt nur, dass im Gegensatz zur Annahme, dass alles irgendwo im Netz stünde, an jener Stelle, wo der Literatur ein Platz vorbehalten sein sollte, ganz seltsame Gestalten sind. Und es zeigt die Unfähigkeit von Medien und Bloggern auf, so etwas zu machen. Das mag auch seine guten Gründe haben; ich zum Beispiel informiere mich einfach nicht zu diesem Thema im Netz. Aber es ist wie so oft: Wo man dem Geschmeiss diesen Freiraum überlässt, breitet er sich aus. Mir ekelt es deshalb ein wenig vor dieser Messe, auf der man lügende Buchschmarotzer nicht als solche bezeichnen darf. Es ist wie früher auf dem Dorf. Es sind ja Buchfreunde. da darf man nichts sagen.
donalphons, 00:07h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Donnerstag, 3. Oktober 2013
Heute vor 25 Jahren starb Franz-Josef Strauss
Aus der Serie "Grund zum Feiern: Worauf ich am Tag der deutschen Einheit die Tasse hebe".
donalphons, 18:46h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 1. Oktober 2013
Der gelbe Wagen
Darf man auf der FDP herumtrampeln?
Dazu möchte ich eine kleine Anekdote erzählen.
In meiner Heimatstadt war mal eine mittelwichtige Versammlung der FDP im Stadttheater. Der Raum war natürlich angemietet, die Infrastruktur bezahlt und auch sonst passte das nicht so richtig in die Stadt, in der die FDP traditionell schwach bis nicht vorhanden ist. Aus diesem Gefühl heraus hatte man wohl einen gelben Ferrari beim Altautohändler vor der Stadt geietet und vor dem Theater abgestellt. Halt so eine billige Gurke, die man für 30000 bis 40000 nachgeschmissen bekommt, weil sie im Unterhalt zu teuer sind. 30000 kosten hier auch schon die mittelprächtigen Mittelklasseautos der hiesigen Produktion. Da stand also oben dieser Ferrari und drunter breitete sich der Wochenmarkt aus. Um den Ferrari gschaftlhuberten Leute in hässlichen Anzügen, dass auch ja niemand dem Auto zu nahe kam, Es kam ja auch keiner, auf dem Wochenmarkt hat man etwas Besseres zu tun, aber dennoch waren da diese Leute und erwarteten, dass jemand käme, den sie dann anfegen könnten. Oder mit Propaganda belästigen. Ein paar Stufen über den normalen Leuten, wie ich. Das hat ihnen gefallen.

So mit dem Souverän umzugehen. Ihm nicht Ideen zu unterbreiten, sondern ihm zu zeigen, wie sie die Wahlkampfkostenrückerstattung verprassen. Diese Cretins.
Ganz ehrlich, diese Partei muss froh sein, dass ausser dem Rauswurf aus dem Bundestag nicht mehr passiert ist. Der Umstand, dass man auf offener Strasse als FDP-Mitglied ohne Angst auftreten kann, sagt nichts über diese Partei und sehr viel über das erreichte kulturelle Niveau des Landes aus. Ich hatte ja eine Weile mit dem von der FDP organisierten Bloggermob zu tun, aus dessen Umfeld dann auch die Jauche von PI entstand: Da wäre jedes Mitleid falsch empfunden. Diese Partei ist am Ende und wenn jetzt gewinselt wird, das sei schlecht für den Liberalismus, dann denke man bitte an Westerwelle, einen abstossenden Günstling des Systems, dessen sexuelle Präferenzen sein Koalitionspartner benachteiligt; ein Typ, der alle Vorteile nimmt, die andere erkämpft haben und wenn er dann mal zeigen könnte, was es heisst, liberal zu sein -dann lässt er die Union gewinnen. Liberal sind die Liberalen so wie die Giftgas- und Panzerexportlizenzerteiler der Union christlich.
Also, darf man? Die Frage stellt sich gar nicht, es git einen Schwall von Beiträgen, die das Schicksal der FDP als Unfall darstellen, und nicht als Tritt. Seit dem Durchmarsch der Markttotalitaristen in Deutschland gab es wohl kein bankrottes Unternehmen, dessen Mitarbeiter so bedauert wurden wie dieses zweite Lobbyistenloch im Hintern des Bundestages. Kein Verlust. Und bitte, mir ist durchaus klar, dass niemand meine theoretischen Interessen so wie die FDP verteidigen würde., Egal, Bevor ich von sowas profitiere, habe ich lieber eine Mietpreisbremse (am Rande, wir steigern ja eh nicht).
Man darf, man soll, man muss, die sollen ja nicht glauben, es gäbe für sie irgendwelche sicheren Zonen, wo sie sich dann aufpäppeln können. Man darf sie nicht nur so treten, wie sie diejenigen getreten haben, die sich gegen ihre als Marktliberalismus getarnte Bereicherung nicht wehren konnten. Man soll es sogar tun. Wir reden hier nicht über Demokratie oder Menschenrechte oder Respekt, wir reden hier von einer Zusammenrottung von Leuten, die dem Wesen des Grundgesetzes ihre eigenen Interessen entgegen setzen.

Sollen sie doch ihre Angeberkutschen doch selber mieten! ich habe mein neues Scott Addict CX ja auch selbst bezahlt - in Koalitionsabschaumfarben war es nämlich billig und das Geld habe ich, weil ich in der FAZ und im Kommentarblog auch noch einmal deutlich gesagt habe, wie man aus Sicht meines Tegernsees mit diesen sozialen Härtefällen jetzt umgehen sollte.
Dazu möchte ich eine kleine Anekdote erzählen.
In meiner Heimatstadt war mal eine mittelwichtige Versammlung der FDP im Stadttheater. Der Raum war natürlich angemietet, die Infrastruktur bezahlt und auch sonst passte das nicht so richtig in die Stadt, in der die FDP traditionell schwach bis nicht vorhanden ist. Aus diesem Gefühl heraus hatte man wohl einen gelben Ferrari beim Altautohändler vor der Stadt geietet und vor dem Theater abgestellt. Halt so eine billige Gurke, die man für 30000 bis 40000 nachgeschmissen bekommt, weil sie im Unterhalt zu teuer sind. 30000 kosten hier auch schon die mittelprächtigen Mittelklasseautos der hiesigen Produktion. Da stand also oben dieser Ferrari und drunter breitete sich der Wochenmarkt aus. Um den Ferrari gschaftlhuberten Leute in hässlichen Anzügen, dass auch ja niemand dem Auto zu nahe kam, Es kam ja auch keiner, auf dem Wochenmarkt hat man etwas Besseres zu tun, aber dennoch waren da diese Leute und erwarteten, dass jemand käme, den sie dann anfegen könnten. Oder mit Propaganda belästigen. Ein paar Stufen über den normalen Leuten, wie ich. Das hat ihnen gefallen.

So mit dem Souverän umzugehen. Ihm nicht Ideen zu unterbreiten, sondern ihm zu zeigen, wie sie die Wahlkampfkostenrückerstattung verprassen. Diese Cretins.
Ganz ehrlich, diese Partei muss froh sein, dass ausser dem Rauswurf aus dem Bundestag nicht mehr passiert ist. Der Umstand, dass man auf offener Strasse als FDP-Mitglied ohne Angst auftreten kann, sagt nichts über diese Partei und sehr viel über das erreichte kulturelle Niveau des Landes aus. Ich hatte ja eine Weile mit dem von der FDP organisierten Bloggermob zu tun, aus dessen Umfeld dann auch die Jauche von PI entstand: Da wäre jedes Mitleid falsch empfunden. Diese Partei ist am Ende und wenn jetzt gewinselt wird, das sei schlecht für den Liberalismus, dann denke man bitte an Westerwelle, einen abstossenden Günstling des Systems, dessen sexuelle Präferenzen sein Koalitionspartner benachteiligt; ein Typ, der alle Vorteile nimmt, die andere erkämpft haben und wenn er dann mal zeigen könnte, was es heisst, liberal zu sein -dann lässt er die Union gewinnen. Liberal sind die Liberalen so wie die Giftgas- und Panzerexportlizenzerteiler der Union christlich.
Also, darf man? Die Frage stellt sich gar nicht, es git einen Schwall von Beiträgen, die das Schicksal der FDP als Unfall darstellen, und nicht als Tritt. Seit dem Durchmarsch der Markttotalitaristen in Deutschland gab es wohl kein bankrottes Unternehmen, dessen Mitarbeiter so bedauert wurden wie dieses zweite Lobbyistenloch im Hintern des Bundestages. Kein Verlust. Und bitte, mir ist durchaus klar, dass niemand meine theoretischen Interessen so wie die FDP verteidigen würde., Egal, Bevor ich von sowas profitiere, habe ich lieber eine Mietpreisbremse (am Rande, wir steigern ja eh nicht).
Man darf, man soll, man muss, die sollen ja nicht glauben, es gäbe für sie irgendwelche sicheren Zonen, wo sie sich dann aufpäppeln können. Man darf sie nicht nur so treten, wie sie diejenigen getreten haben, die sich gegen ihre als Marktliberalismus getarnte Bereicherung nicht wehren konnten. Man soll es sogar tun. Wir reden hier nicht über Demokratie oder Menschenrechte oder Respekt, wir reden hier von einer Zusammenrottung von Leuten, die dem Wesen des Grundgesetzes ihre eigenen Interessen entgegen setzen.

Sollen sie doch ihre Angeberkutschen doch selber mieten! ich habe mein neues Scott Addict CX ja auch selbst bezahlt - in Koalitionsabschaumfarben war es nämlich billig und das Geld habe ich, weil ich in der FAZ und im Kommentarblog auch noch einmal deutlich gesagt habe, wie man aus Sicht meines Tegernsees mit diesen sozialen Härtefällen jetzt umgehen sollte.
donalphons, 01:58h
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Sonntag, 29. September 2013
Mir kann es egal sein
Könnte es. Warum, erkläre ich mit provokativ begrenztem Horizont hier und hier. Manche erwischt es immer, andere kommen immer durch. Muss irgendwie im System bedingt sein, vermute ich.
Und die Piraten. Ich glaube überhaupt nicht an die Mär, Netzpolitik würde nur wenige interessieren. Ich glaube hier und hier eher, dass sie sehr wohl interessiert. Aber halt nicht in den Kontext, den man ion Form von Piraten und in gösserem Umfang bei der FDP hätte mitwählen müssen. Ich will Netzpolitik, aber keinen Westerwelle und keinen Ponader dafür kaufen. Ich will das Marzipanschwein und nicht all die Kröten haben.
Und die Piraten. Ich glaube überhaupt nicht an die Mär, Netzpolitik würde nur wenige interessieren. Ich glaube hier und hier eher, dass sie sehr wohl interessiert. Aber halt nicht in den Kontext, den man ion Form von Piraten und in gösserem Umfang bei der FDP hätte mitwählen müssen. Ich will Netzpolitik, aber keinen Westerwelle und keinen Ponader dafür kaufen. Ich will das Marzipanschwein und nicht all die Kröten haben.
donalphons, 01:38h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 24. September 2013
WIR STELLEN EIN!
Zum Winteranfang

suchen wir für harte körperliche Arbeit bei einigen Anwesen in guter Lage eine/n
EISHACKER/IN
SCHNEERÄUMER/IN
TÜRSCHLOSSÖLER/IN
für die üblichen in der kalten Jahreszeit anfallenden Arbeiten. Wir bieten:
- Den gesetzlichen Mindestlohn, soweit existent
- Kostenlose Überstunden in angenehmer Atmosphäre
- 6-monatige Praktika zur Eingewöhnung
- Grosse Toleranz, ganz gleich, ob Sie eine Vorgeschichte als Sexist, Säufer, Entwicklungshilfeminister oder Stiefelknecht der Wirtschaftslobby haben oder sonstwie unvermittelbar sind
- Ausserdem steht es Ihnen frei, in der Mülltonne nach Essen zu suchen, falls Sie mit HartzIV nicht auskommen
- Eine sinnvolle Beschäftigung zur Entwöhnung von Ihrer spätberliner Dekadenz
Ihre Qualifikationen können umfassen
- Verbreiten und Überleben von sozialer Eiseskälte
- Den nötigen Zynismus, um auch hier zu beweisen, dass es Ihnen mit der Leistungsgesellschaft ernst ist
- Erfahrungen im Besserverdienen durch Nichtstun in einer faulen, korrupten Fraktion, damit Sie verstehen, warum Mamis hier nicht arbeiten, sondern ihre Kinder mit dem SUV zur Schule bringen, die dafür einen freien Gehweg brauchen, den Sie mit dem Zahnstoher freikratzen werden, und wehe, der Stocher geht kaputt.
- Keinerlei Ekel beim Umgang mit bräunlichem Glibber und Matsch
- Die soziale Intelligenz von Polarwürmern
- Die Bereitschaft, volle Leistung zu bringen, auch wenn Sie dumpf ahnen, dass Sie im Frühjahr einen Tritt kriegen und sozialverträglich mit einer Flasche Wodka abgebaut werden.
- Sie haben schon mal Schecks von Eisherstellern angenommen.
Aufgrund der einschlägigen Erfahrung und entsprechender Forderungen werden bei gleicher Qualifikation selbstverständlich ehemalige Mandatsträger und Mitarbeiter der FDP bevorzugt.

suchen wir für harte körperliche Arbeit bei einigen Anwesen in guter Lage eine/n
EISHACKER/IN
SCHNEERÄUMER/IN
TÜRSCHLOSSÖLER/IN
für die üblichen in der kalten Jahreszeit anfallenden Arbeiten. Wir bieten:
- Den gesetzlichen Mindestlohn, soweit existent
- Kostenlose Überstunden in angenehmer Atmosphäre
- 6-monatige Praktika zur Eingewöhnung
- Grosse Toleranz, ganz gleich, ob Sie eine Vorgeschichte als Sexist, Säufer, Entwicklungshilfeminister oder Stiefelknecht der Wirtschaftslobby haben oder sonstwie unvermittelbar sind
- Ausserdem steht es Ihnen frei, in der Mülltonne nach Essen zu suchen, falls Sie mit HartzIV nicht auskommen
- Eine sinnvolle Beschäftigung zur Entwöhnung von Ihrer spätberliner Dekadenz
Ihre Qualifikationen können umfassen
- Verbreiten und Überleben von sozialer Eiseskälte
- Den nötigen Zynismus, um auch hier zu beweisen, dass es Ihnen mit der Leistungsgesellschaft ernst ist
- Erfahrungen im Besserverdienen durch Nichtstun in einer faulen, korrupten Fraktion, damit Sie verstehen, warum Mamis hier nicht arbeiten, sondern ihre Kinder mit dem SUV zur Schule bringen, die dafür einen freien Gehweg brauchen, den Sie mit dem Zahnstoher freikratzen werden, und wehe, der Stocher geht kaputt.
- Keinerlei Ekel beim Umgang mit bräunlichem Glibber und Matsch
- Die soziale Intelligenz von Polarwürmern
- Die Bereitschaft, volle Leistung zu bringen, auch wenn Sie dumpf ahnen, dass Sie im Frühjahr einen Tritt kriegen und sozialverträglich mit einer Flasche Wodka abgebaut werden.
- Sie haben schon mal Schecks von Eisherstellern angenommen.
Aufgrund der einschlägigen Erfahrung und entsprechender Forderungen werden bei gleicher Qualifikation selbstverständlich ehemalige Mandatsträger und Mitarbeiter der FDP bevorzugt.
donalphons, 18:50h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Montag, 23. September 2013
Es sind die Kurven
Kurven unterbrechen die Geraden des Aufstiegs, Kurven ändern den Blickwinkel, Kurven öffnen neue Wege, und an Kurven erkennt man den Fortgang der Dinge. Fällt man dann in sie hinein, kippt das Bild nach rechts oder links und zerren die Fliehkräfte in Richtung Abgrund, lebt man vielleicht ein wenig mehr als sonst. Es sind nur Sekunden. Man vergisst irgendwann vielleicht die langen Geraden und die teilweise enorme Höchstgeschwindigkeit, das Rauschen der Luft und den Druckausgleich in den Ohren, aber nicht die Kurven. Es waren viele Kurven. Und jede einzelne hat den Druck von meinen Gedanken genommen. In der Kurve gibt es nichts anderes. Das ist wie Luftholen nach langer Zeit unter Wasser.
Irgendwann ist es auch gut damit, man hat nicht so viel Adrenalinvorräte im Körper und am Ende schmerzen Arme und Hände, auch wenn es nur 20 Minuten sind. Nach der Aufregung ist das Denken so langsam, als wären die Synapsen in Gelatine eines schweren Obstkuchens, die Heimfahrt allein reicht schon als Belastung aus, mehr braucht man gar nicht, der Rest funktioniert irgendwie über das Rückenmark. Am Brenner, hinter der Grenze dann Totalausverkauf bei einem Laden mit Radkleidung. Warum nicht etwas Belohnung, sagt man sich frohgemut und Trikots kann man schliesslich nie genug haben.
Ich habe übrigens diesmal aus Italien kein Rennrad mitgenommen.
Das möchte ich nur lobend erwähnen. Weder Schuhe noch Rennrad.
Sonst heisst es wieder, ich würde das nur wegen der Belohnung machen. Ich mache das hauptsächlich wegen der Kurven und um auf andere Gedanken zu kommen, ich wäre gern ein wenig dümmer und das geht nicht anders. Ich habe den Körper eines aus einem Stier geklonten Bauerns, ich bin robust und ziemlich unzerstörbar, ich falle in Abgründe und rase durch Stacheldraht und es geht weiter: Leider zieht der Kopf nicht mit. Zumindest manchmal. Dann habe ich dieses unangenehm zersetzende Hirn und kann gar nicht anders, als es mit spitzen Formulierungen gegen mich selbst zu wenden. Und Fragen zu stellen. Da lenken Kurven perfekt ab, viel besser als neue Schuhe und alte Rennräder.
Dass im Schaufenster dieses Ladens aber eines hing und das schnell weg musste, dafür konnte ich nichts. Ich habe eigentlich auch nur nach dem Preis gefragt, sonst hätte ich mich gleich wieder selbst hinterfragt und das kann es ja auch nicht sein. Also, ich war auf österreichischem Boden und habe es hier dann genommen und so kam das eben, dass ich diesmal wirklich kein Rennrad aus Italien mitgebracht habe, sondern nur Sehnsucht nach Kurven und einigen Tagen der angenehmen Denkfaulheit. Wie man ja sieht, wenn ich so etwas behaupte wie "kein Rad aus Italien".
Irgendwann ist es auch gut damit, man hat nicht so viel Adrenalinvorräte im Körper und am Ende schmerzen Arme und Hände, auch wenn es nur 20 Minuten sind. Nach der Aufregung ist das Denken so langsam, als wären die Synapsen in Gelatine eines schweren Obstkuchens, die Heimfahrt allein reicht schon als Belastung aus, mehr braucht man gar nicht, der Rest funktioniert irgendwie über das Rückenmark. Am Brenner, hinter der Grenze dann Totalausverkauf bei einem Laden mit Radkleidung. Warum nicht etwas Belohnung, sagt man sich frohgemut und Trikots kann man schliesslich nie genug haben.
Ich habe übrigens diesmal aus Italien kein Rennrad mitgenommen.
Das möchte ich nur lobend erwähnen. Weder Schuhe noch Rennrad.
Sonst heisst es wieder, ich würde das nur wegen der Belohnung machen. Ich mache das hauptsächlich wegen der Kurven und um auf andere Gedanken zu kommen, ich wäre gern ein wenig dümmer und das geht nicht anders. Ich habe den Körper eines aus einem Stier geklonten Bauerns, ich bin robust und ziemlich unzerstörbar, ich falle in Abgründe und rase durch Stacheldraht und es geht weiter: Leider zieht der Kopf nicht mit. Zumindest manchmal. Dann habe ich dieses unangenehm zersetzende Hirn und kann gar nicht anders, als es mit spitzen Formulierungen gegen mich selbst zu wenden. Und Fragen zu stellen. Da lenken Kurven perfekt ab, viel besser als neue Schuhe und alte Rennräder.
Dass im Schaufenster dieses Ladens aber eines hing und das schnell weg musste, dafür konnte ich nichts. Ich habe eigentlich auch nur nach dem Preis gefragt, sonst hätte ich mich gleich wieder selbst hinterfragt und das kann es ja auch nicht sein. Also, ich war auf österreichischem Boden und habe es hier dann genommen und so kam das eben, dass ich diesmal wirklich kein Rennrad aus Italien mitgebracht habe, sondern nur Sehnsucht nach Kurven und einigen Tagen der angenehmen Denkfaulheit. Wie man ja sieht, wenn ich so etwas behaupte wie "kein Rad aus Italien".
donalphons, 21:59h
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