: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Montag, 29. Januar 2018

Ich hatte einen Packen Geld dabei

Trotzdem hat mich in Berlin niemand beraubt. Vor dem Görlitzer Park dachte ich noch, ich sollte vielleicht das Geld wegtun, aber dann kam einer und sprach mich an, wir plauderten etwas, und so vergass ich das und trug so viele Scheine durch den Park, dass ich auch eine ganze Berliner Agentur für eine Woche hätte versorgen können. Aber wie man weiss, ich würde privat alles verbieten, was härter als Assamtee ist.

Die Scheine habe ich fast vollumfänglich wieder mitgebracht, weil, einfach gesagt, die Trödlerszene in Berlin tot ist. Das ist wirklich bitter, bei meinem Hotel war früher ein Auktionshaus mit ständigen Nachverkauf. Die Nachlassgeschäfte in der Flughafenstrasse sind entweder weg oder verrammelt, eines hat exakt die gleiche Auslage wie vor 9 Jahren, als ich das letzte Mal hier war, und die Scheiben wurden jahrelang nicht geputzt. Vielleicht ist im Hinterzimmer immer noch das impressionistische Gemälde von Grasse, das mir damals zu teuer war. Ich habe bei der Nummer angerufen, die an der Tür steht: Es gibt den Anschluss nicht mehr. Es gibt ansonsten Sozialberatung und islamische Hochzeitskleidung.



Die Altberliner Eckkneipe ist dagegen ein linker Szenetreff geworden, die alten Molli-Säufer mit der eher unpassenden Einstellung zu Revolution und Migration von damals sind vermutlich lange verdrängt.

Früher glich Berlin einem Kadaver, den man plündern und ausnehmen kann, und dessen Organe in zivilisierten Gegenden weiter funktionieren - ich habe meine Füsse gerade auf einem Berliner Perserteppich, der damals für 10 Euro verschleudert wurde, und der seit 10 Jahren am Tegernsee meine Füsse wärmt. Ich kenne ein paar Händler über ebay, die nur noch über das Netz verkaufen, weil sich Läden in Berlin nicht mehr lohnen. Die leicht steigenden Einkommen gehen vor allem, vermute ich, in die Mieten und die laufenden Kosten der neuen digitalen Lebensstile, Döner kostet jetzt hier auch 3 Euro, in meiner Zeit lag der Preis zwischen 99 Cent und 1,50. In dem Schnellrestaurant, in dem ich mal einem Jungen einen ausgab, sitzt ein junger Deutscher mit Mütze, beugt sich über den Tisch, stopft seinen Döner in den Mund und hat sein Smartphone hinter dem Teller an eine Packung Zigaretten gelehnt, und betrachtet es kauend. Das ist kein Ort für die prachtvollen Chinalackmöbel. die es hier früher einmal gab. Ich hin also fast erwerbslos nach Hause gekommen.



Nur ein Laden hatte offen, und der hatte einen Wäschekorb mit Porzellan vor der Tür, und darin war das kleine Blumenkind aus Volksstedt. Für 1 Euro, und so haben meine Kronacher Gärtner Nachwuchs bekommen.

Eine cisheterosexuelle, patriarchalische Kleinfamilie ist heute im Eingangsbereich ja schon fast eine revolutionäre Grosstat wider den Zeitgeist. Nicht dsss ich das für mich will. Aber jetzt sind sie halt da.

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Sonntag, 28. Januar 2018

Und dann noch was zu Alf Frommer & Cie.

Der ist noch so ein Berlinbewohner - genauer, aus dem Kiez, über den ich hier schreibe.

Also, der Frommer, der ist Werber. Ich habe nichts gegen Werber, ich bin mir sicher, wenn ich Werber kennen würde, wären einige Werber meine besten Freunde, nur der Frommer ist in Berlin und das wird wegen des Abstandes dann natürlich schwierig, und mögen tut er mich auch nicht, und fordert, dieser gute Deutsche, der keine anderen Meinungen verträgt, mit Verweis auf Frank Schirrmacher üble Konsequenzen für mich.

Und Nils Minkmar, früher Feuilletonchef und Kollege bei der FAZ. heute Spiegel, wo er antrat, um etwas Besonderes zu machen, verbreitet das auch. Hunting Season.

Ja, nun gut. Ich habe schallend gelacht.

Also, der Witz an der Sache ist, dass tatsächlich Minkmar den heutigen Wunsch von Frommer schon mal teilweise erfüllt hat. Das war im November 2012, da hat er Knall auf Fall und ohne vorherige Debatte über die Gründe das Blog Deus Ex Machina abschalten lassen. Wie sich dann bei einem Einspruch bei eben jenem Herausgeber, dessen Namen Frommers Werberfinger in die Tastatur eingaben und der sich gegen so eine Berliner Figur nicht mehr wehren kann, herausstellte, war das etwas voreilig, da gab es ein Missverständnis, jemand hatte da wohl eine Liste gemacht und es wurde nicht genau geschaut und sowas, sagte dieser Mann in seinem Ledersessel, als ich kam, um die Sache zu klären. Damit war es bereinigt, niemand wollte die Lage weiter eskalieren lassen, und Schirrmacher wollte das Blog weiterhin behalten. Es blieb allerdings der ungute Eindruck, dass der damals neue Chef des Feuilletons seine Sache schon durchzog - vermutlich muss man das in der Position machen, aber so aus meiner Warte war das... man kann es nicht anders sagen, ohne Rücksicht hinter meinem Rücken. Dass es exakt im ersten Urlaub nach einer menschlich sehr schwierigen Phase passierte, machte den Vorgang auch nicht schöner. Dass er davon ausging, dass ich den anderen Blogmitarbeitern das Ende, das er mir nicht erklärte, erklären sollte... nun, letztlich war es egal, ist ist ja ganz anders ausgegangen. Es gab kein Ende. Nur einen Irrtum.

Vidi nihil permanere sub sole, habe ich bei der Streiterei mal geschrieben. Wie unschön richtig das leider war, hätte ich mir selbst nicht vorstellen können, denn nur anderthalb Jahre später starb Schirrmacher, und alle Wege trennten sich. Wie gesagt, die Abschaltung war öffentlich und wurde bei diversen Leuten aus eben jenem heutigen Jagdumfeld schon gefeiert - ich begehe da keine grössere Indiskretion, wenn ich nach der Verjährungsfrist berichte, wie es nach meinem Erleben und Blick in die alten Mails dazu kam.

Schirrmacher jedenfalls war jemand, dem es völlig egal war, ob man seine Meinung schrieb, oder nicht. Es sollte klug und gut begründet sein, und nicht langweilen. Schirrmacher praktizierte selbst, dass es nicht eine Wahrheit gibt, sondern viele Perspektiven, und die beste Debatte aus eben diesen vehement vertretenen Perspektiven besteht. Ich würde mein Schaffen nicht alleine stehen lassen wollen, ich fordere Leibeigenschaft als Kontrast zu sozialen Versprechungen, die ebenfalls Menschen in Abhängigkeit bringen, und ich weiss natürlich auch, dass man die Migrationskrise anders sehen kann. Wenn ich jede andere Sichtweise diffamieren würde, hätte ich viel zu tun. Ich weiss nicht, ob ich recht habe oder ob es in dieser komplexen Lage das eine Recht haben überhaupt gibt, ich zweifle auch, und deshalb fahre ich auch hin und schaue mir das an. Schirrmacher meinte immer, das Haus des Vaters habe viele Zimmer, und zu meinem eigenen Erstaunen habe ich diese beiden von ihm gegebenen Zimmer weiterhin, obwohl die Blogs viele Wechsel bei der Verantwortung gesehen haben, und so viele andere Zimmer leer wurden. Ich habe selbst nie gadacht, dass ich das länger als ein Jahr machen würde. Es kam ganz anders. Nur eben einmal, ein einziges Mal, November 2012, wurde eines dieser Blogs ausgeknipst. Kurz und beiläufig. Und dann ging es weiter. Aber für ein paar Tage machte Minkmar Träume vieler heutiger Jäger wahr.

Es gibt in meinen Kreisen immer Debatten darum, was gewesen wäre wenn... und es ist kein Geheimnis, dass Minkmar einer der denkbaren Nachfolger von Schirrmacher gewesen ist. Normalerweise ist es müssig zu spekulieren, aber doch, ich denke, ich weiss seit gestern, was mit mir passiert wäre, wenn Minkmar Herausgeber geworden wäre. Dank Minkmars Verbreitung von Alf Frommer, der so absolut keine Ahnung hat von einem Menschen, dessen Andenken er mit seiner Existenz und Masche beleidigt. Man berufe sich nicht auf Menschen, die man nicht kannte, und nicht auf Menschen, die einen vielleicht nicht hätten kennen wollen. Und niemals auf jene, die sich nicht mehr gegen so eine Vereinnahmung wehren können.

Ich habe nicht die geringste Ahnung, was Schirrmacher heute zu mir sagen würde. Ich weiss es nicht. Ich war letzte Woche in Sacrow. Es hilft nichts. Es gibt keine Antwort.

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Samstag, 27. Januar 2018

/Gastautorenprogramm

Andreas Schäfer kannte ich nicht, als er für das Blogs-Buch 2003 vorgeschlagen wurde. Aber so war das eben, es war eine Zeit der grossen Offenheit. Ich habe ihn bei der Lesung in Berlin 2015 ein einziges Mal getroffen, da war er eher still und irgendwie halt dabei, mit den anderen.

Irgendwann danach maulte er mich dann an, und seitdem rennt er durch das Netz und versucht immer mal wieder etwas über mich anzubringen. Wie gesagt, es ist gut 13 Jahre her, dass er echten Kontakt unter vielen anderen hatte. Ich habe so gut wie keine Erinnung an ihn, ich weiss, wie er damals aussah, er hat heute noch das gleiche, beschönigende Bild wie damals als Avatar. Ich weiss nicht, was er tut und wo und wie er lebt - er dient sich dagegen gerade mit abfälligen Bemerkungen Leuten wie Leo G.Fischer von der Titanic und dem Neuen Deutschland an.Ich kann nichts Negatives über ihn als Person sagen, weil ich von ihm nichts Persönliches weiss. Es gibt sicher Hunderte von Menschen mit denen ich so einen "Kontakt" hatte, es ist mir auch egal. Ihm nicht.

Das ist wohl ein Hinweis auf eine gewisse erreichte Halbprominenz im Netz, aber auch auf das, was man sich im Netz so alles eintreten kann. Irgendwelche Leute, die bei den Shitstorms hervorgekrochen kommen und sich über Äusserlichkeiten lustig machen, weil sie über Innerlichkeiten nichts wissen.

Andreas Schäfer, aus München, glaube ich, zumindest damals, ist nur einer, es gibt von der Sorte so einige. Aus der Ecke kennen mich nur zwei Personen richtig gut, da habe ich bis vor ein paar Jahren einen klaren Fehler gemacht. Der Rest: Vielleicht mal am Rande einer Veranstaltung getroffen. Eine Frau, die sich Journelle nennt und mir gerade meine Privilegien vorwirft, war m.W. 20o4 oder so mal in einem Raum mit mir und ging, ohne mit mir gesprochen zu haben, falls ich sie nicht verwechsle. Klar, ich habe Privilegien, aber was meint diese Person von einem Abend vor 14 Jahren aus 10 Meter Entfernung von mir zu wissen? Ich sass mal mit einer heute halbbekannten Grünenpolitikerin am Tisch, die sich ab und zu über meine Texte beschwert und nebenbei mal mein Testprofil bei OKCupid durchwühlte: Ich weiss persönlich überhaupt nichts von ihr und habe völlig vergessen, was sie an diesem Abend sagte, aber am nächsten Tag überliess ich ihr ein Ticket. Fast alle, die sich heute zu meiner Person einlassen und sich als Kenner geben, sind nicht mal Bekannte gewesen, sondern irgendwelche über den Weg Gelaufene.

Niggemeier habe ich einmal zufällig nach seinem Abgang beim Spiegel an der Treppe n der FAZ getroffen, und auf 2 Diskussionsveranstaltungen. Treffen im Sinne von "Er stand da auch irgendwo rum". Mit Lauer war ich mal in einem Saal, durch den er seine damalige Freundin zog und mich ignorierte, was ich ihm nicht verüble. Sein Wissen hat er über einen Dritten. Ich kenne die alle nicht. Sie mich auch nicht.

Praktisch alle kommen aus Berlin oder hängen mit den Zirkeln zusammen, alle sind enorm viel im Netz und empfinden das nicht als Bürde. Ich sehe die nie in der Landschaft, es gibt kaum Bilder von Spaziergängen, Wochenmärkten, was man halt als normaler Mensch so macht. Ich denke, die verwechseln einfach Webpräsenz mit Identität, und tindern sich bhalt so ihre Peergroups zurecht, mal so, mal so. Und denken, sie wüssten schon ausreichend Bescheid.

In dem Bereich, in dem man sich ausreichend auskennt, angefangen bei der Marktfrau vom Hofladen im Moos, die meine sozialen Interaktionen an meinem Einkaufsverhalten genau beurteilen kann, wäre das extrem atypisch, man hat ja Jahrzehnte miteinander zu tun. Da gibt es natürlich keinerlei Wünsche, mit mir zu arbeiten, meine Tätigkeit mag im Netz normal sein, in meinem Leben an sich ist sie wöllig ausserhalb des Rahmens. Genauso kenne ich beruflich Leute, denen ich blind vertrauen kann. Wir mailen, aber wirklich kennen tun wir uns real. Es gibt da eine Menge Leute, die ich jederzeit einladen würde, etwas zu schreiben oder ein Projekt zu machen. Da ist einfach das Vertrauen da, manchmal kommt das auch recht schnell. Aber die andere Seite, XY macht was im Netz und nach enem kurzen Treffen oder Gespräch kann man was zusammen machen - das hat sich, vorsichtig gesagt, nicht bewährt. Es gibt euin paar echte Volltreffer. In ein paar Fällen muss ich heute heilfroh sein, dass es zu keinem realen Treffen kam. Und mitunter bin ich fassungslos, wie die abgedriftet sind.

Auf der Lesung, auf der auch Andreas Schäfer war, hatte ich Kontakt zu einem Mann, der über seine Erlebnisse in Bordellen schrieb. Das war ein tolles, interessantes und überlegt formuliertes Blog. Er kam, setzte sich in einen roten Plüchsessel, und wurde von Frauen umlagert. So war das damsls. Ganz offen, ganz einfach, tolerant und geistreich. Heute würde man den Mann vermutlich aus dem Saal jagen, Letzte Woche in Berlin habe ich von vielen das Gleiche gehört: Verlust von Freunden an politischen Fragen und Einstellungen zum Leben, und zwar in Punkten, die früher vollkommen irreal waren. Wer hätte 2005 an Migration gedacht? Ich kenne Feministinnen, die noch 2012 über Critical Whiteness lachten und heute selbst intersektionell ihre Unterwerfungsrolle in der Benachteiligungshierarchie suchen. Einfach, weil sie sonst nicht den ideologischen Vorgaben entsprechen.

Ich bin da inzwischen abgehärtet; Freundschaften, die an politischen Fragen zerbrechen, weil jemand die Unterschiede in der Auffassung nicht erträgt, waren keine, sondern einfach nur Fehleinschätzungen. Speziell Twitter ist ein Sammelbecken für Awareness-Junkies, die Bewunderung suchen: Ich husche da nur durch. Man kann sich da auf nichts, wirklich gar nichts verlassen. Finger weg. Mag ja sein, dass jemand Hilfe bräuchte, einen Einstieg, was auch immer: Man kann nie wissen, wie es ausgeht. Warum sollte man sein gutes, echtes Leben riskieren, nur weil man ene falsche Entscheidung im Netz getroffen hat?

Mir ist das heute klar geworden, als ich die Dreckskampagne gegen Hilary Clinton las: Sie hatte 2008 mehrere hundert Mitarbeiter in ihrer Kampagne, einer davon soll angeblich eine Frau an der Schulter berührt, an der Stirn geküsst und ihr suggestive Mails geschrieben haben. Keine Vergewaltigung, nichts Justiziables, dumm, unpassend, sicher, wenn es stimmt, aber allenfalls ungebührliches Verhalten. Clinton war damals voll im Stress und entschied sich gegen die empfohlene Entlassung des Mitarbeiters. Es ist eine aus der Situation nachvollziehbare Entscheidung, und es macht sie nicht zur Täterin, sondern allenfalls zur Getriebenen der Umstände. Das wird jetzt aber von mehreren anonymen Quellen der New York Times zugesteckt. Denn es ist MeToo, und da wird erwartet, dass man sich schon 2008 wie die Reinsten der Reinen 2018 zu verhalten gehabt hätte. Es ist ein kafkaesker Albtraum auf zwei Zeitebenen.

So läuft das aber im realen Leben nicht. Einer von denen, die mit meiner Bekanntschaft hausieren gehen, ist inzwischen so ein Reiner. Als wir mal durch Berlin fuhren, erzählte er, dass Berliner Polizisten gern mal nach Brandenburg fahren, um "zufällig" in Konfikte mit Kriminellen zu geraten, denen man sonst nicht beikäme, und sie zu verprügeln. Er fand das damals gut. Er fand damals vieles gut, gegen das er sich heute vehement ausspricht, uind der Witz ist: Er konnte beide Haltungen wirklich gut begründen- Das kann man meistens, es gibt immer Arguemnte für und wider einen Standpunkt, nichts macht einen deshalb gleich zum schlechten Menschen. Pardon, machte. Heute macht es das natürlich, denn der 2005er Klops ist 2018 in sich geschlossen und weiss genau, was richtig ist, udn was falsch und was man mit dem Falschen tun darf. 2005 war schön, aber brauche ich 2018?

Und, was habt Ihr so am 27. Januar getan? #Weremember getwittert und als gute Deutsche gefordert, dass jemand mit einer abweichenden Haltung seinen Job verliert. Ja prima. Voll aus der Geschichte gelernt

Also, so läuft das, und ich bin da wahrlich kein Einzelfall. Es gibt eine elende, widerlich dogmatische Repolitisierung des Netzes, das macht es so toxisch, und deshalb werfe ich meine Netze lieber woanders aus. Es gibt gute Leute, nur halt ohne Netzrisiko, durch das sie gleichgeschaltet werden. Reden kann man immer, aber die Impuslivität des "Lass uns was machen", die ist heute falsch. 2005 war sie richtig, aber wer hätte schon wissen können, wie sieh so ein Eckensteher 2018 benimmt? Die Zeiten ändern sich, die Menschen ändern sich, man passt sich halt an. So einfach. Schade. Blöd. Ist so. Werden sie damit glücklicher, als sie sind?

Mir geht es gut, ich bin halt weit, weit weg von dem allem. Das ist ein Privileg.

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Donnerstag, 7. Dezember 2017

Ehrliche Zeiten im deutsch-jüdischen Dialog

Deutsche: Was wollt Ihr?

Juden: Jerusalem als ungeteilte Hauptstadt. um darin zu leben.

Deutsche: Nein, hier, ein paar Stolpersteine für Tote und einige Interviews mit Hamasverstehern, das muss reichen und jetzt haltet den Mund, Ihr miesen Trumpanhänger.

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Dienstag, 14. November 2017

Das war alles nicht immer so.

Natürlich weiss ich auch, wie schlechte Entscheidungen für das Leben entstehen, denn ich habe das in einem Leichtsinn auch gemacht: Ich bin nach Berlin gegangen, wo man mir sagte, wenn du nach einem Jahr noch hier bist, schaffst du den Absprung nicht mehr.

Mit Blick zurück auf die 12 Jahre, seitdem ich weg bin, muss ich den Personen recht geben, denn fast alle sind noch in Berlin, und viele weitere sich dazu gekommen. Natürlich sind Blogs schon lange kein Ausweis des Dazugehörens mehr, Twitter ist wichtiger, und es reicht den meisten auch aus, weil es nichts mehr zu diskutieren gibt. Sie sind sich ohnehin weitgehend einig in ihrer Weltsicht.

Nun lebe ich in einer ganz anderen Welt, und bin wirklich der Letzte, der die Haus-Zwei Kinder-Zwei Autos-Ideologie meiner Klassenkameraden adaptieren wollte, verbunden mit politischen Einschätzungen, die auch nur durch das Verwachsen mit der Scholle erklärbar sind. Auf der anderen Seite kriegt man, sofern man nach draussen kam, auch in linken Zirkeln öfters mal ein Packerl mit, und meine Erfahrungen beim Bürgerfunk unter alten, weissen Männern waren unschön, hart und lehrreich. Relativ dazu waren die Berliner Verhältnisse undogmatisch, offen, entspannt und ziemlich flexibel. Damals, 2004.



Heute frage ich mich eher, ob die alten Bürgerfunker nicht vielleicht auch mal, als sie ihre Mischpulte löteten und Bandmaschinen erwarben, eine lustige Truppe waren, die einfach mal was ausprobieren wollte. So wie die Gründer von Metronaut, die mal Geld mit Lifestyle verdienen wollten. Geld ist immer noch ein Thema, da unterscheiden sie sich nicht von den Bürgerfunkern, und auch ansonsten frage ich mich, wo die sich in, sagen wir mal, 20 Jahren sehen. Der Bürgerfunk sass letztlich in einem gnadenhalber überlassenen, gesichtslosen Büro der AWO. Und es ist absehbar, dass die Mischung aus prekärer Lebensgestaltung und steigenden Kosten in Berlin diese ganze Gruppe sprengen wird: In die, die sich irgendwo einkaufen konnten und die, die verdrängt werden. Ich habe den Besitzer von Schloss Elmau als ausgesprochen generösen und klugen Menschen kennengelernt und würde jederzeit in Berlin in seinem neuen Projekt Orania in Kreuzberg übernachen - für viele Berliner wäre das eine Todsünde, die zu dem passt, was sie sonst von mir denken.

Die letzten Wochen jedenfalls waren wieder ausgeprochen lehrreich in Sachen "wem kann man trauen" und "für wen setzt man sich vielleicht besser doch nicht ein". Metoo hat weder den für seine Angrabbeleien berüchtigten Videomacher noch den übergriffigen Ex-Politiker weggespült, die zwar beide abgehängt sind, aber immer noch so mächtig und einflussreich, dass niemand in Berlin es wagt, den Mund aufzumachen. Ich kann es nachvollziehen, wenn niemand mit Interna der Führungsspitzen der SPD an die Öffentlichkeit geht, aber sogar bei diesen Randfiguren scheint das soziale Gefüge immer noch ein veritabler Schutz zu sein. Ein Schutz, wie ihn letztlich nur die Ansicht verleiht, er sei zwar ein Schwein, aber eben unser Schwein und habe die richtige Einstellung.

Wenn man das toleriert, akzeptiert man auch vieles andere, und rutscht da halt so rein, so wie bei uns zwar klar ist, dass der Pfarrer manchmal komisch ist, aber er hat ja die richtige Einstellungen (und der Russe wäre viel schlimmer). Nur so ist es erklärbar, dass man ideologisch unter früher undogmatischen Leuten wieder an die SED anschliesst, so wie manche Bürgerfunker nicht von der RAF Abstand nehmen wollten. Das alles ist auf seine Weise altersstarrsinnig und reaktionär, privat gut verschränkt, und ein Zurückweichen kann man sich nur leisten, wenn man bereit ist, einen persönlichen Preis zu zahlen. Aber ich glaube, dieser Preis ist klein im Vergleich zu jenem, den man zu bezahlen hat, wenn man in so einem System bleibt. Denn das Altern nimmt einem auch viele Optionen, und da sollte man sich wenigstens geistig frei stellen.

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Freitag, 3. November 2017

Loden in cold climate

Mein Gefühl sagt mir, dass es dieses Jahr wieder einen halbwegs richtigen Bergwinter geben wird, mit Schnee vor dem Haus und eisigen Rodelpisten. Vielleicht gibt es sogar ein Wallbergrodeln? Dann könnte es sein, dass ich dort den Janker mit Eichenlaubstickerei trage. Ja, Eichenlaub. Ganz böse.



Wie auch immer, es ist keine ganz schlechte Idee, für das Kommende vorzusorgen, und ausserdem kann man ohnehin nicht genug Loden haben. Der Sommer und seine Gäste brachten es so mit sich, dass ich zuerst hörte: Das ziehe ich NIE an. Dann ein: Na gut, für das Platzkonzert. Dann ein: Also so für das Wandern ist das schon gut. Und über ein: Ich schau mal selber. Gelangre man zu einem: Schön wäre es schon. Und letztlich zum gerne Annehmen und Mitnehmen. Ich habe beim Trachtenmarkt der Neureuther ohnehin mehr gekauft, als ich tragen und unterbringen konnte. Und man kann sagen, was man will:



Einreihige, kurze Trachenjanler mit Kellerfalte hinten sind nicht nur Gesellschaftskleidung am See, sie sind auch extem praktisch auf dem Rad, weil sich dabei die Falte öffnet und einen nichts einengt. Gleichzeitig ist es aber winddicht und warm. Und obwohl ich alles mit dem Auto fahren könnte, fahre ich hier alles mit dem Rad. Demnächst auch wieder zum Rodeln. Ich brauche das hier einfach. Und im Winter werde ich sicher lange hier sein.

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Sonntag, 22. Oktober 2017

Eigentlich wollte ich etwas ganz anderes schreiben

und das verschiebe ich nun zum zweiten Mal - aber egal. Das hier hat sich so ergeben..

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Mittwoch, 18. Oktober 2017

Komplimente, aber richtig

Frau Chebli, die ich natürlich nie öffentlich als jung und schön bezeichnen würde, fügt sich mit ihrer ganzen Art sehr harmonisch in die R2G-Koalition zu Berlin ein.

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