Wärmer

Manchmal kommt man bei der Arbeit auch mit Themen in Berührung, mit denen man an und für sich abgeschlossen hat; das Spreizen von Beratern zum Beispiel und die Eitelkeit, die sich mangels anderer Möglichkeiten dann im Internet äussert. Hatte ich länger nicht mehr, genauer seit drei Monaten, als mir in München ein leitender Burdamitarbeiter zufällig im Cafe begegnete. Oft äussert sich sowas in einer gewissen Distanzlosigkeit, im Realen und noch schlimmer im Netz, um der Welt zu zeigen, mit wem man alles gut kann. Die Angesprochenen können sich vermutlich dagegen kaum anders als mit Schweigen wehren, aber das hält natürlich niemanden davon ab, es nicht weiter zu tun. Geht ja schnell, bei Twitter.







Komisch finde ich das, dieses Laute und Persönliche. So nebenbei bekommt man mit, wie anonym diese Leute dann tatsächlich leben; fast ist man geneigt, das Laute einem Fehlen der normalen Kommunikationsübung zuzuschreiben, die hier pervertiert nur noch Powerpoint dient. Sie sind in grossen Städten, oft vom Wunsch getrieben, viel unterwegs und umtriebig zu sein, und gleichzeitig wenig herauszulassen. Bei mir weiss jeder, es ist ja auch kein Problem, dass ich ein neues Bergrad durch den Schneesturm da draussen über dem See trete. Bei denen weiss man herzlich wenig. Irgendwo las ich, dass Menschen Adressbücher alter Menschen traurig finden, in denen viele Namen gestrichen sind: Immerhin hattem die etwas zum Streichen. Die Leute, deren Hintergründe ich in den letzten Tagen recherchiert habe, machen mitunter nicht den Anschein, als wäre da so etwas wie ein intaktes Umfeld. Was auch kein Wunder ist, wenn die Arbeits- und Selbstbeschäftigungsbedingungen so etwas praktisch ausschliessen. Unwilkürlich frage ich mich, wie die mal als Grossvater oder Grossmutter sein würden. Oder nein, ich will das gar nicht so genau wissen. Ich weiss, dass meine Lebensbilanz später mal nicht prächtig ausfallen wird ("an den Möglichkeiten kläglich versagt"), aber das war dann meine freie Entscheidung. Bei anderen wäre ich mir da nicht so sicher, da wird das durch die Umstände des Beraterdaseins vorbestimmt.







Ich bin mit denen befremdet. Manchmal ist es ja so, da trifft man zufälligerweise einen von denen, entzieht sich nicht, hört zu und denkt sich: Oh weh. Der ist ja wirklich so. Das ist 1 zu 1, Leben zu Netz. Mehr ist da nicht, ausser vielleicht ml ein Anfall wegen Überarbeitung, wie ihn mal ein PR-Blogheini in München hatte. Da sehe ich rabenschwarz für all die angeblich so tollen Firmengeschichten, um die sich alle momentan so viele Gedanken machen: Dazu bräuchte es erst mal Leben, und wenn die Firmen keines haben und der Beauftragte auch nicht, wird es schnell roboterhaft. Aber vielleicht ist es auch ganz gut slo, je mehr von denen gehen und den Firmen auf der Tasche liegen, desto besser für lebendige Informationen und Geschichten,







Kalt war es da draussen. Sehr kalt. Aber immer noch warm im Vergleich zum Gefühl der menschlichen Kälte, das mich aus dem Netz anweht. Ich ertappe mich auf der Suche nach Blogbeiträgen über Adventskranzbau und Plätzchenbacken.

Abends dann der Beginn des Resteaufkochens, denn das Ende des Aufenthalts am See ist, hm, absehbar oder abseebar, wie man will. Pilze, Käse, Schmand, Kastanien. Zwiebeln, Butter, und aufgetaute Nudeln aus Meran.







Dann noch eine Kanne Tee und ein Vollbad und kein Internet mehr, und es wird wieder warm.

Donnerstag, 29. November 2012, 23:36, von donalphons | |comment

 
Gegensätzlicher könnten die Temperaturen nicht sein. Nicht bei den Bildern und nicht bei den Texten. Als Leser fühlt man warmes willkommen und den Internet-Nonentitäten gegenüber versprühen Sie den kalten Charme Sibiriens.

Den Menschen im Adressbuch gegenüber haben Sie Schuldgefühle in mir geweckt, die ohnehin nicht tief schlummerten. Den sollte man anrufen, der schreiben und ihr wenigstens eine Postkarte.

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Manche bemerken gar nicht, dass sie Spuren hinterlassen. Und manche sind so mit dem Spuren beschäftigt, dass es gar nicht zu Spuren kommt. Diese ganze - Spurnaille.

Ich muss unbedingt eine alte Tante anrufen. Ich drücke mich davor schon seit Monaten, es ist eine Schande. Die hat auch ein Adressbuch mit vielen gestrichenen Namen. Aber nur wegen Tod, nicht wegen Mißgunst.

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Man sollte das oft tun - alles andere rächt sich.

Und die anderen machen es sich nach Möglichkeit schon selbst warm, mit dem Holz, das andere herangeschleppt haben. Wenn man sie lässt.

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die gelegenheit, jemanden anzurufen oder kurz zu schreiben, ergibt sich in dieser jahreszeit fast von alleine. für die dezemberpost veranschlage ich dieses jahr ein bis zwei tage. denn auch wenn man einander über monate nicht sprach, so kann man doch ganz gut jetzt wieder anknüpfen. ziemlich hartnäckig ;-) kann man da sein, nur in sehr seltenen fällen wird man zurückhaltender. eine freundin und ich, wir telefonieren alle 2 bis 3 jahre, doch an geburtstagen und zur weihnachtszeit gibt es stets ein briefchen, und diesmal noch eine einladung zur hochzeit. als freundschaft kann man dies durchaus bezeichnen, schliesslich nimmt man wohlwollend anteil. eigentlich kann es so einfach sein.

wobei man auch sieht, dass das rattenrennen recht viele seiner kinder verschlingt, welche ermattet in die couch sinken und nicht einmal mehr briefmarken zuhause haben.

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OK, Plätzchenbacken kommt erst noch, aber trotzdem ...

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Oh, das ist aber gross.

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Eine Frage: Summen die Stollenreifen eigentlich auch im Neuschnee?

Ich mag diese ersten Wintertage auf dem Rad ja immer sehr: Die ganz andere Physik! Das Gesicht, nicht mehr in Fahrtwind – sonder in einer Art ... Nadelholzgestrüpp!
Beschleunigen, Verzögern, Richtungswechsel: Als hätte man über Nacht den Planeten ausgetauscht ...

(Nur leider werde ich der Sache immer schon nach wenigen Wochen überdrüssig ...)

Zum Glück hab ich dieses Mal rechtzeitig neue Überschuhe gekauft: warme, trockene Füße. Ohne die wäre es höchstens der halbe Spaß.

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Rezepte! Wir brauchen Rezepte!
Kastanien. Pilze. Nudeln. Schmand. Bisschen grob für ein Rezept.

Die Pfifferling-Schmand-Carmoza-Tasche habe ich pflichtgemäß gespeichert und schon mehrfach zubereitet.

Und die Tortelli con Zucca probiere ich auch (ohne Rezept von hier, findet man aber im Netz. In mehreren Versionen, die sich massiv voneinander unterscheiden ... Mit Amaretti oder ohne?) ...

Btw. untypisches DonAlphonso Rad. Aber bei dem Wetter ...

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Schiebe ich noch nach, versprochen.

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