Kulturelle Aneignung: Die Erben des völkischen Trachtenrassismus

Die meisten werden schon der Hasskampagne gehört haben, mit der Teile des linken, feministischen und muslimischen, meist staatlich finanzierten Establishments Narren diskreditieren wollen. Die konzertierte Aktion wird unter anderem von der Stiftung der ehemaligen STASI-IM Anetta Kahane und der der Fraktion der SED-Nachfolgepartei Die Linke im Bundestag getragen. Denn die Zeiten, da Fasching das Recht darstellte, sich ein paar Tage auch mal ohne Rücksicht auf sonst geltende Vorschriften austoben zu können, sind definitiv vorbei: Die Berufsbetroffenen sind gerade dabei, die Konzepte von Identitätspolitik und sog. „kultureller Aneignung“ aus dem antideutschen Linksextremismus und amerikanischer Kulturrrevolution an den Universitäten in die Mitte der Gesellschaft zu tragen. Man darf sich ihnen zufolge als Privilegierter nicht mehr einer Verkleidung erfreuen, die weniger privilegierte Gruppen möglicherweise scherzhaft darstellt oder ihre Attribute übernimmt, und durch die Übernahme entwerten soll.



Eigentlich ist es nicht meine Sache, ich halte von Karneval nichts. Aber um mal ein Beispiel zu verlinken: Das ist der Text einer Radikalfeministin, die inzwischen bei der taz schreibt und bei der Missy über das bei Linken beliebte Fest “Fusion“ lästerte, weil dort weisse Europäer ausländische Gerichte kochen oder jamaikanische Dreadlocks tragen - sie bezeichnet das wörtlich als "white supremacy". Das war damals auch vielen Anhängern linker Vorstellungen zu viel, die darin einen Kulturalismus von Links sehen und auch sonst nicht immer bereit sind, sich von “postkolonialen“ oder „critical whiteness“ Schuldzuweisungen den Mund verbieten zu lassen. Wie gesagt, vor ein paar Jahren waren das noch ideologische Kämpfe innerhalb winziger Sektierergruppen, inzwischen spielen da auch Parlamentarier und staatsfinanzierte Schein-NGOs mit. Das allerdings ist nicht neu, das hat eine üble deutsche Tradition, und darum geht es jetzt in diesem Beitrag. Nämlich um Tracht.



Ich muss hier etwas zugeben. Ich habe, obwohl in Oberbayern gebürtig, für Tracht nichts übrig gehabt. Ich entstamme der städtischen Oberschicht an der Donau, da gab es keine Schuhplattler und Lederhosen, da trug man/frau natürlich Anzug und aufgerüschte Kleider. Umgedacht habe ich erst vor 9 Jahren, als ich in die Berge zog und hier am Tegernsee meinen ersten Winter erlebte, mit schattigen -15 Grad Höchsttemperatur am Tag und Schneestürmen, die vier Tage lang alles eindecken. Und zwar an Ostern, wenn woanders schon längst Frühling ist. Man kann hier mit dem Wetter Glück haben, aber wenn man Pech hat, erfriert man mit Kleidung aus den Tiefebenen - gehen Sie auf den Hirschberg, auf 1000 Meter steht ein Kreuz für so einen Unvorsichtigen. Ich wäre nach so einem Schneesturm beinahe an Grippe gestorben und habe mir dann von einem Nachbarn einen Trachtenmantel aus Loden einreden lassen.



Der hat hier funktioniert. Wer auf einem Gipfel auf blankem Stein sitzt, erkennt bald den Vorteil einer Hirschlederhose, und wer beim sich beim Abstieg unfreiwillig setzt, hat damit nur selten einen Durchschlag des Gerölls bis auf die Muskeln. Ich weiss, wovon ist rede, wäre ich mit der Sämischen vom Wimmer aus Linz in den Stacheldraht geradelt, sähe mein Oberschenkel jetzt weniger, wie soll ich sagen, rustikal aus.



Berge tun weh, Berge sind lebensfeindlich, Berge kennen keine Gnade, und man lernt durch Schmerzen und Krankheiten, warum Tracht so ist, wie sie ist. Man geht hier einmal ohne Hut durch den Schneesturm, dann kauft man sich einen. Und einen für das Auto und einen Strohut für den Sommer und Mützen und Hauben für das Rodeln, und man lernt dabei, dass die Form der Tracht dabei stets das Optimum liefert. Natürlich kann man Bergkleidung auch in modernen Textilien kaufen, aber dann sieht man aus wie ein Schadmünchner. Wer hier lebt, der rutscht in diese Trachtensache einfach so rein. Ich hätte mir das auch nie vorstellen können, aber es passt und es funktioniert. Und es steht mir.



Natürlich ist das an meinem städtischen Körper eine Aneignung, und so wurde das auch gesehen. Früher. Vor den zweiten Weltkrieg. So ab 1820, als der Bergtourismus am Tegernsee begann und die Städter begannen, die Kleidung der Bergbauern zu übernehmen und für ihre Zwecke zu modifizieren. Wenn man heute ein Gemälde von Biedermeier-“Bäuerinnen“ findet, sind das zumeist keine Landbewohner, sondern Städterinnen in Urlaubskleidung, in der jede echte Arbeit unmöglich wäre. Man findet später auch mal frivole Gemälde von sich aufhübschender Scheinlandbevölkerung - man darf sich nicht täuschen lassen, das sind Städterinnen, die so eine Art Schäferspiel wie im Rokoko inszenieren, und dabei auch auffällige Seidenschleifen tragen, die mit der Arbeitswelt der Landbevölkerung nichts zu tun haben.



Das führte im 19. Jahrhundert angesichts sozialer Verwerfungen zu Konflikten. Besonders verhasst war jene Gruppe, die flexibel vom Aufstieg der Städte in der Industrialisierung und der Verarmung der Landbevölkerung nach gängiger Meinung profitierte: Die Juden. Es gibt ein antisemitisches Stereotyp des jüdischen Stadtmenschen, der sich ohne Bindung und Moral anpassen und nach oben arbeiten kann, während der biedere Handwerker oder Bauer von den Entwicklungen überrollt wird. Freiheit von dieser verhassten Gruppe meinten Deutsche und Österreicher noch in der romantischen Natur zu finden, doch auch dort trafen sie bald auf jüdische Sommerfrischler. Die sich, wie es allgemein üblich war, die Urlaubstracht kauften und anzogen. Das war für viele ein Skandal, weil hier eine privilegierte und als moralisch fragwürdig geltende Gruppe Kleidung und Stil jener Menschen übernahm, die einerseits das Ideal des gesunden, ländlichen Volkes darstellten, das sein Blut auf die Scholle trug, und die andererseits von den Nutzniessern der wuchernden Städte nun auch noch ihrer Kultur beraubt wurden.



So sah es der typische Wiener Antisemit in der k.u.k. Monarchie: Man wollte die Assimilierung oder Akkulturation der Juden auf keinen Fall haben und die eigene Kultur rein erhalten, ohne die fremdartigen Unterdrückung. Der Tiroler Volkskundler Tobi Reiser drückte das so aus: “Heimatbrauchtum ist die beste Waffe gegen das jüdische Gift."



Es ist kein Zufall, dass der Aufstieg der Volkskunde mit der Industrialisierung kommt: Die Menschen auf dem Land verstanden, dass ihre Kultur massiv bedroht war, und Nationalisten nutzten das aus. In den harmlosen Fällen wurden lange vergessene Lederhosen wieder eingeführt und neue Jacken mit floralem Motiv erfunden, und das “Dirndl“ machte Karriere als fesches, unkompliziertes Kleid in den schlechten Tagen nach dem 1. Weltkrieg. In den schlechten Fällen war Volkskunde die Pseudowissenschaft, die eine wahre, reine Kultur der Bauern und Handwerker scharf gegen Industrie, Sozialismus, Migration und Einfluss der Moderne abgrenzte. Man kann sich das bei mir am Tegernsee anschauen, 5 Minuten von mir entfernt steht das private Wohnhaus, das sich Heinrich Himmler in den 20er Jahren bauen liess: Im Alpenstil in handwerklich erstklassiger Qualität. Ein totaler Gegenentwurf zum neuen Bauen in Dessau. Es sieht nett aus, ist aber gebaute und gelebte Abgrenzung.



Diese Abgrenzung wurde auch bei der Tracht betrieben. Das Bild des schmerbäuchigen, degenerierten Juden mit seiner dicken Frau und der ungschamigen Tochter, die in der Alpenkulisse ein peinliches Bild liefern, war ein beliebter Topos in den deutschnationalen Zeitungen. Man konnte solche antisemitischen Witzmotive als Postkarten kaufen, Man wollte Juden zurückdrängen und verbieten, sich an den anderen Volkskörper mittels Verkleidung anzupassen. Das war insofern etwas schwierig, als bedeutende Teile der damals auch schon maschinell gefertigten Städterkostümierungen von jüdischen Firmeninhabern produziert wurden.



Karl Valentin war Kunde bei Stark, das bayerische Königshaus ernannte Heinrich Cohen zum Hoflieferanten für Stoffe, das Münchner Bürgertum kaufte bei Bamberger&Hertz Die Entscheidung im Kampf des “kerndeutschen Volkstums“ gegen das “grossjüdische Festspielpublikum“ kam 1938 nach dem sog. Anschluss Österreichs. In Salzburg wurde Juden das Tragen von “echter oder unechter“ Tracht, Wadlstrümpfen und Tirolerhüten bei bis zu zwei Wochen Haft verboten. Bald darauf wurde das Verbot auch auf andere Nichtdeutsche ausgeweitet. Und das alles mit sehr sozialer Komponente: Wer seine Tracht nicht mehr tragen durfte, musste sie auch hergeben, woraufhin sie an notleidende Volksgenossen auf deutscher Scholle verteilt wurden.



Jemand einen Judenstern anheften ist erst der zweite Schritt. Davor muss man erst mal dafür sorgen, dass er nicht mehr in der Lage ist, sich anderen in irgendeiner Form anzugleichen. Man hat die kulturelle Aneignung der Juden, die in der Tracht anderer Leute eine schöne Zeit in den Bergen haben wollte. mit einer Veröffentlichung im Völkischen Beobachter 1938 rückgängig gemacht. Die Nazis setzten das radikal um, was abgrenzungswütende Heimatverbände in ihren kulturell geschlossenen Filterbubbles jahrzehntelang gefordert hatten. Der “Volkstums- und Klassenkampf“ der sich vom jüdischen Kapital und Machtstreben verfolgt und unterdrückt fühlenden Berufsbeleidigten hatte Erfolg. Die völkischen Trachtler wurden vom austrofaschismus und den deutschen Nazis gefördert, die "kulturelle Aneignung " der Juden war zu Ende.



Ich habe diese Geschichte lange Zeit für eine Art “urban legend“ des Antisemitsmus gehalten, weil sie eigentlich aberwitzig ist. Seitdem ich leider weiss, dass sie wahr ist, trage ich Tracht richtig gerne und stolziere aus Gründen auch so an Himmlers Haus vorbei. Himmler hätte diese kulturelle Aneignung nämlich gehasst. Es ist eine Gaudi, es ist natürlich auch etwas Verkleidung, ich mag das, mir steht das, und niemand hat das Recht mir zu sagen, ich dürfte das nicht, weil ich nicht von hier gebürtig bin, genauso wenig wie ich einem Tegernseer das Recht absprechen würde, bei mir in der Stadt einen Anzug zu tragen. Es gibt Trachten der Landbevölkerung, die durch Übernahme von Details adliger Kleidung im 19, Jahrhundert entstanden, ohne Rücksicht auf soziale Gefälle zwischen Baron und Leibeigenen. Und es gab Adlige, die auf dem Land dann wieder die Kleidung der Bauern übernahmen. Nichts davon ist böse. Böse, definitiv böse wurde es erst, als man begann, bestimmten Leuten, denen man sich unterlegen fühlte, beim Tragen anderer Kleidung niedere Motive und einen schädlichen Einfluss zu unterstellen.



Also genau das, was der Antidiskriminierungsverband in Zusammenarbeit mit der Bundestagsfraktion der Linken und der Stiftung von Anetta Kahane jetzt auch wieder macht. Mit Hashtag #Ichbinkeinkostüm vielen Bildern im Netz von bedrückt dreinschauenden Diskriminierten, deren Dasein man nicht als Kostüm verwenden sollte. Man tut demzufolge den anderen mit so einer Verkleidung in ihrer Identität weh. Bitte keine Aneignung von Drag, Schleier, schwarzer Hautfarbe zu Zwecken der Gaudi, fordern sie, und schalten dazu auch Anzeigen. Man muss wirklich lesen, Wort für Wort, was die Koordinatoren der Aktion wollen. Wie sie denken. Und die Natur eines linken Kulturkampfs sehen, der am rechten Rand mit dem Hass auf kulturell Flexible schon einmal ausgetragen wurde. In aller jeweils möglichen Konsequenz.



Man kann schon gegen kulturelle Aneignung kämpfen, also gegen ein absolutes Grundprinzip der kulturellen Entwicklung von den Feuersteinabschlägen des Paläolithikums über die Bronzelegierung, das in Korea von den Japanern übernommene Imariporzellan, die phrygische Mütze auf dem Kopf der Marianne und die S-Klasse deutscher Bandarbeiter für den Wüstenscheich. Wie das geht, zeigten die Kerndeutschen 1938ff.. Es ist schon erstaunlich, welche SED-und Stasibeslasteten Kreise in der Bundesrepublik Deutschland nun mitbestimmen wollen, wer heute wieder etwas tragen soll und wer nicht. Wir hatten das schon. Es war falsch und totalitär. Und es wird auch nicht weniger verblendet. Freiheit bedeutet auch die Freiheit, etwas zu tun, was anderen nicht gefällt, egal was für ein Gschau der dann macht. Es gibt eine klare Grenze: Volksverhetzung. Diese Grenze definiert in Deutschland das Gericht. Und nicht sie Social Media Stasi. Alles andere ist zu akzeptieren.



Ich bin schon gespannt, ob ich nach Erdogans Machtübernahme hier auf Einladung seiner Menschenrechtspartnerin Merkel meine islamischen Gebetsteppiche ausliefern muss, oder sie verbrannt werden, weil sie schiitischen Ursprungs sind.

Samstag, 25. Februar 2017, 14:45, von donalphons | |comment

 
Zu den Namen in der Einleitung oben , da kam mir gerade ein Zitat vom Grillparzer unter:
"Die Schurken sind immer praktisch tüchtiger als die ehrlichen Leute, weil ihnen die Mittel gleichgültig sind."
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Und zu der seltsamen Aktion mit den teuren Plakaten (die wer wohl bezahlt? wer wohl daran verdient?), da hat kürzlich jemand hier oder beim Danisch drauf hingewiesen, dass das wieder mal nur eine 1:1-Kopie einer sechs Jahre alten Aktion aus den USA ist.
Irgendwer findet sicher die entsprechenden Originale im Netz.
--> Und die wohlverdienten Parodien darauf <---
Suche: "We're a culture, not a costume"

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Aussehen
Wenn ich mir das Selfie der Mist-Autorin anschaue, kommen mir Assoziationen zu einer bestimmten Person, die in der DDR für die Bildung zuständig war....
Abgesehen von dieser Assoziation - warum will dies Person anderen vorschreiben, wie sie auszusehen haben, wenn man sich selbst eher unvorteilhaft präsentiert....
Abgesehen davon: ein dickes Danke an den Hausherrn, daß er seiner Zunft der Historiker durch seine Hinweise und Überlegungen solche Ehre macht - der Text, wie auch viele andere ist immer wieder gelebte bzw. geschriebene Aufklärung im Kant'schen Sinne!
Schön, daß ich so etwas lesen darf!

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In ihren eigenen Worten

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Oooops. Ja, wenn ich so aussähe, wäre ich wohl auch Misantroph.

Gruss,
Thorsten Haupts

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ohne Kommentar...

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Nun, immerhin, sie hatte damals den Mut dazu, diese Fotos zu machen und dann zu veröffentlichen. Abseits davon, was ich von dem Text dazu halte (widerliches egozentrisches Gejammer), hat sie da einen persönlichen Einsatz geleistet.

Ich frag mich halt immer nur: gibt es keine anderen, wichtigeren Themen als die importierten Probleme einer grundlegend anderen Gesellschaft (der in den USA)? Ich kann ja angesichts der Geschichte der USA manches, was solche Äußerlichkeiten angeht, noch irgendwie verstehen, auch wenn ich es vielleicht nicht gut finde. Aber verständnislos werde ich, wenn man solche kulturell fremden Dinge einfach unreflektiert auf Deutschland oder Europa überstülpen will.

Als ob wir keine anderen, dringenderen Probleme hätten.

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Stimmt, Gründung einer DDR und Abschiebung der unerwünschten DDR-Elemente dorthin. Das wäre mal wichtig.

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Das war eine Aktion von Studierenden der Ohio University. Das ist die Filterblase in der Filterblase. Athens OH, eine Stadt mit 25.000 Einwohnern, davon 23000 Studenten, eine "College-City", 1,5 Stunden von der nächsten größeren Stadt entfernt. Da würde es die Berliner Anti...-Szene nicht mal einen Tag aushalten. Besser als die DDR.

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Hey, ich bin auch gegen kulurelle Aneignung! Könnten die PoCs bitte mal alle ihre Computer abschalten, ihre Smartphones verschrotten, ihre Kreditkarten stillegen und das Fliegen einstellen?

Das ist MEINE Kultur - und deren Aneignung in der vom Don beschriebenen Form ist eindeutig Verspottung einer aussterbenden Menschenrasse (hab grad gelernt, dass man auf der Linken wieder "Rasse" sagen darf, ohne Rücksicht auf naturwissenschaftliche Erkenntnisse).

Leider habe ich nicht genügend Kohle für eine Plakataktion. Ob mir da ein Bundesministerium mal aushelfen könnte?

Gruss,
Thorsten Haupts

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Rasse? Wo?

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Wenn PoCs eine Rasse sind, gegen die man "rassistisch" sein kann, dann sind "Whites" ja wohl auch eine, oder?

Gruss,
Thorsten Haupts

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@thorha:
Da sind Sie nicht auf dem neuesten Stand der Forschung Ideologie. Der Glaube an unterschiedliche Rassen ist heute nicht mehr zwingend konstitutiv für Rassismus. Nach gängiger Lehrmeinung tarnt sich der Rassismus heutzutage meist als Kulturalismus, als Glaube an die Überlegenheit der eigenen Kultur. Im Grunde kann man das Rassismus-Label also auf fast jedwede Form der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit draufpappen. Wahrscheinlich fallen selbst Rivalitäten von Fans unterschiedlicher Fußball-Mannschaften irgendwann unter diesen Oberbegriff.

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Danke, aber schon klar Mark :-). Ich nutzte für meinen Beitrag die von den Umdefinierern (zu deren Lasten) ignorierte Tatsache, dass alle über 40 mit einer deutlich anderen Rassismusdefinition aufwuchsen, so sie das Thema überhaupt interessiert.

Das Theoriegebäude des heutigen Antirassismus - na, ich sage es mit aller Vorsicht: Ich tue den strunzdoofen Neo-Marxisten von 1988 hiermit öffentlich Abbitte. Ihr anekdotischer, kenntnisarmer und bruchstückhafter Marxismus war um eine Grössenordnung intellektueller und konsistenter.

Gruss,
Thorsten Haupts

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Das Konzept der Ablehnung "kultureller Aneignung" scheint mir so offensichtlich rassistisch, daß es mich wundert, wie unbefangen es von einigen Linken benutzt wird.

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Wenn es gegen "Überlegene" geht, gibt es nach deren Vorstellung keinen Rassismus, steht auch in so ner Stasilettenbroschüre.

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Persiflage
Jene zensureifrigen Bevormundungsdiktatoren haben wohl etwas genau gegen das Anarchistische des Karnevals.

Sie werden zwar arg Schlucken und mächtiges Bauchgrimmen bekommen, wenn in der Konsequenz ihrer Forderungen der Stippeföttche-Danz untersagt werden müsste, der doch das Exerzieren von Militär persifliert.

Da stellen sich jene Herrschaften doch tatsächlich als wahre Militaristen heraus, wer hätte das gedacht.

Im übrigen bin ich sehr gespannt, was diese zu den Kostümierungen zum Christopher-Street-Day sagen werden.

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unwissende, teilnahmslose Stasiletten
Don, Sie haben soviele Gedanken in diesem Text verarbeitet. Schön, gut zu lesen und doch übervoll.

Ich will nur den einen Gedanken aus dem Anfang aufgreifen,
den des Ventils. Die praktisch denkenden, lebensklugen Römer hatten Saturnalien. Zumindest den Haussklaven, den Teilen der Unterschicht, mit der man zusammenlebte gestatteten die Römer die Verkehrte Welt.
Klar gibt es diese Tradition nicht weltweit. Nordkoreanische Stalinisten und mitteldeutsche Stasiletten wissen nichts von diesem Brauch.
Arbeitsfreie närrische Tage vom unsinnigen Donnerstag bis Rosenmontag sind geradezu unsittlich. Das Volk ohne Scheuklappen, ohne Kinnriemen und Kandare! Vier Tage lang! Aufwendige venezianische oder fränkische Masken verschwenden Ressourcen und Arbeitszeit für frivole dekadente weiß-westliche Verschwendung.

Hallo, selbst VR Rotchina hat das chinesische Neujahr für die wilde Pause. Mensch ist nicht ganzjährig zum Lastentragen und anbeten geeignet. ich habe es nicht so mit Bützchen und Maske und Besenkammer. Doch heute stoßee ich auf den Fasching an und ein zweites Glas auf Donnie Doomsday.
Er lebe hoch, hoch, hoch

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eine leichte Korrektur sei mir erlaubt
Als jüngerer Mann habe ich von Altweiberfastnacht (Donnerstag) bis Veilchensdienstag gefeiert, das ging in Köln auch immer in den Aschermittwoch hinein, aber ab Mitternacht zum Mittwoch nach der Nubbelverbrennung gabs keine kölsche Musik mehr, also sechs Tage gingen da noch recht gut.

Ansonsten stimme ich Ihrem Beitrag sehr gern zu.

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Wie schaffst Du es bloß
Über diese ganzen Absurditäten Buch zu führen und sie im passenden Moment heraus zu holen?
Der Text im MisereMagazin.... bierernst und dann in den Kommentaren auf Ironie rausreden (wo keine ist).

Geistig einfach nicht satisfaktionsfähig.

Ich muss bei diesen Dauerbeetroffenen immer an "Sascha" vorstand n den toten Hosen denken: wer so betroffen ist wie die ist sonst gar nichts mehr....

Frappierende Ähnlichkeit.

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Ungefähr 1965 bin ich nach Winterswijk geradelt und habe mir eine Levy-Strauss 501-Hose Version shrink-to-fit gekauft. Dann noch eine in beige und eine in schwarz. Ich erinnere mich, dass ich mit den drei gut 10 Jahre ausgekommen bin.
2005 habe ich die letzte 501 (ohne shrink) gekauft, so um 125 Euro, nach sechs Monaten kaputt. Seitdem ist die Marke bei mir Vergangenheit. 1967 habe ich in Münster bei Zumnorde ein Paar Desert Boots von Clarks erworben, waren damals teure Schuhe 49 Deutschmarks. Mit denen bin ich ungefähr 1000 Kilometer gelaufen. Jahre später kaufte ich hier in D´dorf die Desert Boots für 135 Euro und nach sechs Monaten waren die fertig. Nach etwa 100 Kilometern.
Seitdem gibt es bei mir nur noch Klamotten aus dem Arbeitsschutz. Mit EN-Norm und hassenichgesehen. Clark und Levi sind für mich Leuchtgestalten des shareholder-value.

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Hier läuft die halbe Grundschule in Engelbert-Strauss rum. Schön ist anders, aber es hält ewig und wird kaum schmutzig. Auf die Idee, Arbeitskleidung in Kindergrößen herzustellen muss man erst mal kommen.

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Die ersten Winter in Bayern waren gewöhnungsbedürftig, und ich habe damals das Weihnachtsgeschenk meiner Eltern, einen Lodenmantel, schätzen gelernt. So verlangt wohl jede Region eine gewisse Anpassung an die Lebensumstände.

Aber trotzdem eine ehrliche Frage an den Autor: Was dächten Sie, wenn ein Hamburger, Berliner oder gar Frankfurter eine schlechte Imitation Ihres bayerischen Gewands als Faschingskostüm trüge?

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Das gibt es als Grossveranstaltung und es nennt sich "Oktoberfest". Oder Dirndlfliegen.

http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/frankenschau-aktuell/dirndl-flug-wm-nuernberg-100.html

Ich bin da tolerant, ich mag es zwar nicht, aber Leuten etwas auf die moralsaure Art verbieten, ist falsch.

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Das passiert doch bei jedem "Oktoberfest"

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Hier in Mainz sieht man von Jahr zu Jahr mehr Leute, die ihr Oktoberfest Outfit an Fastnacht tragen.

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Ich kann mich irren, aber ich sehe doch einen Unterschied zwischen Fasching und Oktoberfest. Beim Fasching geht es, glaube ich, um die Möglichkeit zur Grenzüberschreitung in einem definierten Rahmen, versteckt hinter einer Maske. Beim Oktoberfest ist die Grenzüberschreitung eine nicht immer erwünschte Begleiterscheinung. Oktoberfestbesucher nehmen sich und ihre (pseudo-)bayerische (Pseudo-)Tracht furchtbar ernst. Es geht ihnen um Identität, oder im Fall der Zugereisten um Anpassung, um Aufnahme in eine Gemeinschaft, der man sich andient. Man identifiziert sich mit der bayerischen „Maske“ möglicherweise auf eine andere und sehr viel intensivere Art als mit der Chinesenmaske. (Ich weiß nicht, ob das verständlich ist.)

Allerdings würde die Beobachtung von Don Ferrando dem möglicherweise widersprechen.

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ein wenig verunsichert die berichterstattung durchaus - dass nur die wahren trachten das wahre seien (sähen diese an mir nicht etwas deplaziert aus?) -, und dies kommt zur unsicherheit, ob man sich an den durchaus vorhandenen gewändern, die bislang als etwas überteuerte fehlkäufe ihr hübsches dasein fristen, nur in der lodenfreyumkleide und zuhause in der ankleide freuen sollte, hinzu.

gerade hinsichtlich des im allgemeinen eher nicht ganz so gesittet-braven denkens, welches man freilich nicht sehen kann, und in anbetrachtet der durchaus beobachtbaren mangelnden temperamentlosigkeit:
für meinen teil fühle ich mich fürchterlich eingebravt, auch wenn die sicherlich völlig 'unrichtigen' stücke mit sicherheit in der gesamterscheinung recht gut, wenn auch nicht heimatlich korrekt aussehen.

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liebe trippmadam, das erinnert mich daran, dass ich einem österreichischen freund in einem zusammenhang etwas von einer 'maskierten' erzählte - sie war die waschecht eingeborene betreiberin des hotels, in dem wir eine hochzeit (ohne trachten noch, ist länger her) feierten. sein gelächter hallt heute noch nach.

oktoberfestkostüme scheinen sich tatsächlich auch zu anderen zeiten gut nutzen zu lassen.
und wieso auch nicht, wenn sie ohnehin aus polyester und damit gut abwaschbar sind: einfach noch eine zopfperücke obenauf und eine zur clutch umgearbeitete plüschkuh als handtasche und fertig dürfte die laube sein.
das wäre doch eher drollig als verwerflich.

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There is no such thing as "wahre Tracht". Was es gibt, sind Traxhtenvereine, die von 1875 an versucht habem mit Gewand eine Deutungshoheit zu erlangen. Das ist nur völlig von dem überrollt worden, was auf dem Oktoberfest passierte. In den 70er Jahren ging niemand in Tracht auf das Oktoberfest, schon gar nicht in der Provinz. Da gab es einen Trachtenzug und das war es dann. Was auf dem O-Fest passiert, ist eine folkloristische-antivölkische Neuentwicklung des Anything goes. Mit so einem Flietscherldirndl bäuchte man sich bei uns am See keine Hoffnungen machen, die das O-Fest sofort erfüllt. Ich würde vielleicht raten, Ideologie und Kleidung separat aufzubewahren, dann ist alles so gut, wie es eben geht.

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Nicht, dass wir uns falsch verstehen, Donna Laura: ich halte nichts von Bekleidungsvorschriften, aber viel von Anstand. Ich laufe nicht im Dirndl herum, und ich sähe ungern einen Bayern in einem Schwälmer Kamisol. Aber ich würde dem Bayern das Kamisol nicht verbieten wollen, wenn ihm das Spaß macht. (wobei für die Kritik der kulturellen Aneignung ja zusätzlich noch Machtverhältnisse eine Rolle spielen)

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Ich glaube auch, D.F. hat es oben auf den Punkt gebracht: das Oktoberfest heute ist eine Fortsetzung des Karnevals. Die Musik ist ähnlich, die Leute sind betrunken, aber relativ friedlich, und was auf dem Oktoberfest passiert, bleibt auf dem Oktoberfest.

(Will jetzt nicht das Thema wechseln, aber ist es nicht bemerkenswert, dass die Ereignisse der Kölner Silvesternacht nicht mit der Karnevalszeit verglichen wurden - gleicher Ort, gleiche Leute. Der Vergleich hätte eigentlich im wortwörtlichen Sinne nahe gelegen)

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die tendenz zur tracht, seit wann gibt es die, mit blick wohl - vor allem - auf das oktoberfest? seit den nuller jahren?

modische entwicklungen finde ich grundsätzlich nicht so fürchterlich, und zuweilen soll es gar hamburger geben, die sich in bayerische tracht der etwas besseren qualität hüllen, einfach, weil es etwas hermacht und den klimatischen anforderungen entspricht. wenn es gefällt.
allerdings hängt das erscheinungsbild sehr an der qualität der eingesetzten stoffe, und da ziehen die verkleidungen aus den discountern oder die shirts mit den entsprechenden trompe-l’œil-drucken den spass an der freud herunter (aber eben nicht für die, die sich das zum spass und zum allfälligen späteren vomitieren anziehen; genug scheinen das zu mögen, wobei man da durchaus geteilter meinung sein darf).

meine wenigkeit ist nicht so sehr für das sinnieren über das, was andere leute tragen oder nicht tragen sollen mögen dürften (das steht ihr nicht an, denkt sie), sondern sie macht sich lediglich gedanken, ob und wann sie selbst halbwegs ungestraft von bösen blicken in eines ihrer eher modischen, im modischen rahmen nicht qualitätlosen dirndl darf, die seit jahren in den schränken überwintern.

wohl eher nicht, wie es aussieht.

öm. braucht jemand vielleicht ein dirndl? es gibt da auch noch blusen mit handgefertigter spitze dazu.

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lieber greenbowlerhat, zu studienzeiten war man auf einem der doch eher zahlreichen octoberfeste mit schnapps in übersee (nicht in bayern). natürlich hüpften wirklich alle auf den tischen, auch die männer, und man machte da besser mit, denn sonst wäre man 'asocial' gewesen, ein absolutes no-go. verkleidet war da aber (noch) niemand.
wenigstens sind diese sehr kurzzeitigen festchen in dieser hinsicht recht ehrlich - ein spring break im herbst (ehrlich gesagt, kann ich mich auch nicht mehr recht erinnern, wie ich nach hause kam).

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Kulturkampf, der vor Toiletten nicht halt macht.

UMSTRITTENE MÄNNERKLOS IN EINEM POTSDAMER CLUB
Streit um Pissoirs erreicht Landespolitik

http://www.pnn.de/potsdam/1161904/

Die 50er Jahre lassen grüßen.

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Ich danke Ihnen auch für diesen Beitrag, der nicht nur wunderschön geschrieben ist, sondern auch gehaltvoll wie eine Mass auf dem Nockerberg.
So weit ich das aus Ihrem Beitrag ersehen kann, steht Ihnen die Tracht ganz ausgezeichnet. Und eine Krachlederne, die ihrem Herren so gut steht, hebt auch das Ansehen des Krachledertums. Ich freue mich über Ihre gelebte Affinität zu Leder und Loden. So weit, so gut.

In Hinsicht auf das Problem der kulturellen Aneignung allerdings verhält es sich für mich, nach etlichen Bieren, ähnlich wie mit der Mass vom Nockerberg, die übrigens wie die Trachtenpreise, auch aufgrund der kulturellen Aneignung, zu teuer ist. Man geht traditionell gern auf den Nockerberg, aber nachher ist einem so kotzübel und man reihert alles Angeeignete wieder raus. Es ist also so zwiespältig wie eine Zwiederwurz, die zwar gut verankert ist, die aber keiner wirklich mag.

Auf der Wiesn, die kein mir bekannter Hiesiger Oktoberfest nennt, weil sie ja eigentlich im September stattfindet, erkennt man sich als Einheimischer inzwischen daran, dass man eigentlich keine Tracht mehr trägt, außer es handelt sich um die menschenfeindlichen Haderlumpen aus dem Dachauer Hinterland. Aber als Münchner, der an Glaspalästen vorbeifährt, wo früher die Bäckerei von der Urgrossmutter stand, der beim Bäcker inzwischen Schrippen kauft und der, wenn er denn versehentlich mal in den Dialekt verfällt, unverstanden bleibt, da steht man irgendwie zwischen den Stühlen. Und wenn man Glück hat wie ich, emigriert man besser mal schnell in eine Felsspalte in den Südalpen, wo einen die Menschen hangaufwärts noch verstehen, wenn man ist wie man ist.

Ich denke, daß die altbayrische Kultur so gut wie ausgestorben ist und somit keinen Anspruch mehr darauf hat zu bestimmen, wer nun Lederhosen und Loden anziehen darf.

Leider kann ich Ihnen das, nicht nur wegen der vielen Biere und undank der Tatsache, daß das Bayrische keine Schriftsprache besitzt, nicht genauer erläutern, aber irgendwie fühlt es sich nicht gut an. Und irgendwie scheint es mir auch einen schädlichen Einfluss auszuüben auf das Grundgebot des "Leben und Lebenlassens".

Ohne Ihre kostbare Zeit übermässig in Anspruch zu nehmen, möchte ich auf einen Film nach Ludwig Thoma hinweisen, der das Unschreibbare etwas besser darstellt:
https://www.youtube.com/watch?v=mhXeum2lS60
insbesondere Teil 2 und 3

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