: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Freitag, 10. Februar 2017

Kulturelle Aneignung

1938 verboten die Nazis im Salzkammergut erst den Juden und dann allen anderen Ausländern das Tragen von Tracht. Wer dabei erwischt wurde, konnte im Gefängnis landen, und wer Tracht besass und nicht ausreisen konnte oder wollte, hatte sie abzuliefern, damit die Kleidung an Arier übergeben wurde.

Ich habe das erst nicht geglaubt und nur für eine Legende gehalten, aber im Winter habe ich etwas recherchiert, und es stimmt: Die Nazis zogen etwas 1938 durch, was die neuen Faschisten der Genderistinnen - aktuell macht das gerade wieder eine in der Zeit - heute als "cultural appropriation", als "kulturelle Aneignung" ablehnen. Nur der Arier sollte "Tracht" tragen, die zu ihm gehörte, was ein absurder Witz war -. denn das, was 1938 als Tracht galt, war nicht die Bauernkleidung der Bergbewohner, sondern das Ergebnis einer kulturellen Aneignung durch Städter in Urlaub, also einer sozialen Klasse, die sich einen modischen Stil des Landlebens im späten Biedermeier aneignete.

Wenn wir uns einig sind, dass die Nazis 1938 mit dem Verbot versuchten, andere aus einer kulturellen Entwicklung auszuschliessen und es schlecht ist, weil man ja sieht, wohin das führte, wenn sie die eigene erfundene Kultur nur für sich reklamierten und die anderen ausgrenzten - dann möchte ich einmal sehen, wieso das gleiche faschistoide Konzept des kulturellen Verbots bei Dreadlocks, Kimonos oder persischen Gebetsteppichen besser sein soll, wenn es von Fettakzeptierenden in der taz und der Missy verbreitet wird. Die moderne alpine Kultur hat aufgrund des Klimas, das durchaus mit dem der asiatischen Bergregionen vergleichbar ist, nämlich ein Faible für Perserteppiche und Kimonos im Heimbereich. Aneignung ist hier und auch sonst in der menschlichen Geschichte eigentlich eine Kernkompetenz der kulturellen Entwicklung.

Und ich lasse mir doch von den neuen Nazis nicht etwas sagen, was mir ihre Grossväter auch schon sagen wollten:



Kleidererwerb ist bei mir eher sanft wellenförmig - manchmal kaufe ich jahrelang wenig, und dann wieder in kurzer Zeit sehr viel. Erst mit den langen Italienaufenthalten gewöhnte ich mich an Polohemden und Moccasins, und Tracht und Loden habe ich erst im Winter am Tegernsee verstanden. Ich habe einen grossen Kleiderschrank. Es tut keinem weh. Keine schützendwerte Kultur wird ruiniert, wenn man sich etwas anpasst.Es ist keine Aneignung, nur Lernen, Spielen und eine gewisse Offenheit und Toleranz.

Kein Wunder, wenn die interNationalen-Sozialistischen Deutschen AngePissten das ablehnen. Wie Grossvater 1938 wollen sie einfaqch ihre einzige Wahrheit durchsetzen. Braun ist nicht, wer ein Dirndl trägt, egal woher sie oder er kommen mag. Braun ist, wer verschreiben will, wie andere auszusehen haben.

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Zu einfach

Es gibt momentan durchaus einen gewissen Trend zur ahnungslosen Fehleinschätzung amerikanischer Verhältnisse, und zwar besonders dann. wenn sich darin deutsche Reizthemen widerspiegeln. Die Schulpolitik ist Anlass, erneut an Trumps Eignung zu zweifeln. weil er Betsy DeVos berufen hat, und die wiederum Privatschulen bevorzugt. Für Deutsche ist das immer noch ein rotes Tuch der sozialen Ungerechtigkeit, weil sie nicht wissen. was Charter Schools wirklich sind: Zumeist Versuche, das scheiternde staatliche Schulsystem durch eine Alternative zu stützen. Entsprechend blauäugig wird darüber geurteilt. und es muss ja schlecht sein, weil es von Trump kommt. Da kann man sich mal wieder richtig schön besser fühlen.

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