Druck und Freiheit

Ich mache wieder mehr Print. Zu meinem eigenen Erstaunen, denn ich bin inzwischen völlig auf Internet eingestellt, und auf die doch recht lasche Arbeitsmoral, die da herrscht. Auf der einen Seite gibt es keine Deadlines, auf der anderen Seite zieht sich die Arbeit aber auch lang hin, je nach Neigung und Kommentaren. Print heisst: Machen, wirklich gut machen, Vorgaben einhalten, abgeben - und alles andere ist dann die Sache von anderen. Man ist nur Teil eines Prozesses und dann gar nicht mehr.



Das heisst, dass ich heute im 14.30 das fehlende Statement hatte und um 15.50 Uhr fertig war. Und weil im Keller alles ruhig ist, das Wasser noch läuft und die Handeerker erst später kommen, bin ich aufs Land gefahren und habe mir etwas Nettes angeschaut.



Genauer, einen Rokokogarten, oder noch genauer, was die Säkularisierung davon übrig gelassen hat, denn natürlich ist das alles längst nicht mehr in jener teuer erkauften und von vielen Menschen erhaltenen Pracht vorhanden, das das kleine, abgeschiedene Bistum sich im 18. Jahrhundert gerade noch so leisten konnte. Gemessen am durchschnittlichen Stadtpalast in Verona ist es wenig, aber bei uns muss man eben nehmen, was man kriegen kann.



Ohnehin muss man froh sein, dass es noch steht: In den 60er Jahren war der Garten völlig herunter gekommen, und die Pavillons bröckelten vor sich hin. Hätte sie damals jemand weggerissen, um eine Strasse oder ein Heizkraftwerk oder eine Kiesgrube zu bauen - keiner hätte sich sonderlich beklagt. Dass es heute mehr Verständnis dafür gibt, ist ein guter Aspekt des historischen Wandels der letzten Jahrzehnte. Auch heute noch verstehen wenige, was sie hier wirklich sehen. Aber die Kunst ist nicht mehr nur allein einer winzigen Oberschicht vorbehalten, und der Rest steht nicht, wie noch in den 60er Jahren, dumm und ahnungslos davor. Es gibt einfach mehr Bildung, und das ist gut.



Das gehört zu den langsamen und unbemerkten Revolutionen der letzten Jahrzehnte abseits der grossen Städte: Dass man auf das Bestehende wieder mehr aufpasst. Dass andersrum viele Orte heute schöner und sauberer sind, als sie je waren, und obendrein viel prächtiger erscheinen, als es früher denkbar war - nun, das ist historisch nicht korrekt. Aber ich wandle in meiner Freizeit nach dem Druckbeginn nun mal lieber in schön restaurierten Häusern, um nicht an das Rohr im Keller denken zu müssen, das mir gerade jede Freiheit zur Alpenfahrt nimmt.

Montag, 4. September 2017, 21:26, von donalphons | |comment

 
Ich genieße Sie im Blog mehr als in den Printartikeln. Mein Eindruck ist, dass Ihr mäandernder raumgreifender Stil mit eingestreuten Spitzen und Perlen, Haken unf Fahradketten Platz braucht.

Und die illustrierenden Bilder, die der Print nicht dulden kann.
Jetzt aber Danke und auf zu FAZ

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Deshalb macht mir Online auch mehr Spass (ich gehöre zu den wenigen in Deutschland, die wegen des Aufwands Online besser als im Print bezahlt werden...)

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Danke
dass Sie uns mitnehmen in den Rokokogarten. (Ich mag Ihren Blick auf diese Dinge, aber ich glaube, das wissen Sie schon.)

Was den Beruf betrifft: ich dachte mir kürzlich, dass Ihnen die mit dem Print verbundene Disziplin guttun könnte (aber das müssen Sie nicht ernst nehmen; wie Sie wissen, verstehe ich nichts davon.)

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frau weidel nickt zustimmend! disziplin ist alles!

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Nein, nicht alles.

Herr Rollproll, ich weiß nicht, wer Sie sind, und ich möchte auch in anderer Leute Wohnzimmer kein Fass aufmachen, weil Sie mich in die Nähe von Frau Weidel rücken. Deshalb sage ich nichts weiter zu Ihrer "Antwort".

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Wie man mal wieder sieht: Ironie funktioniert schriftlich wirklich nicht (als wäre das was Neues). Rollproll hat niemanden in die Nähe von Frau Weidel gerückt.

Gruss,
Thorsten Haupts

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Ironie funktioniert schriftlich ausgezeichnet (siehe Jane Austen), wenn man es kann. (Herr Haupts, wird es Ihnen eigentlich nie langweilig?)

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ihre eigene unsicherheit mit dem stilmittel haben sie ja vorsichtshalber in den klammern schon dokumentiert (keine ursache)

und wer disziplin für einen wert so an und für sich hält, wird nicht gerückt, der stellt sich selbst.

disziplin ist was für fettsäcke und soldaten. was ein blogger damit soll ist bis hierher unklar.

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rollproll, Sie werden nicht erstaunt sein, dass ich freundlich anderer Auffassung bin? Das einzige, was Erwachsene und Kinder wirklich unterscheidet, ist Selbstdisziplin. Wer die nicht hat, bleibt in meinen Augen auf ewig Kind. Auch eine Entscheidung ...

trippmadam, ich bitte um Verzeihung. Der (Ensprechung Ihrer Wahl einsetzen) hat Sie tatsächlich in die Nähe von Frau Weidel gerückt. Ich hatte seine Intelligenz überschätzt, das passiert schon mal.

Gruss,
Thorsten Haupts

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nein, nicht im geringsten. wer mindestens saz12 jahre die gleiche arbeitskleidung trug, der hält das für gut und richtig. und wie gesagt. ich stelle niemanden. wems in ner bestimmten ecke nicht gefällt muss da ja nicht rumlungern.

eine welt voller sogenannter "erwachsener" ist die hölle auf erden, die bundesweite Kleingartenparzelle, der oder die grantige alte mit fransenkissen auf der Fensterbank. oder kurz: menschen, die ihre eigene Fantasielosigkeit mit zwang auf andere projizieren.

denn was die madame vlt nicht ausreichend reflektiert hat ... der puff (naja ist inzwischen eher ein verrauchtes hinterzimmer mit ner handvoll bräsiger mit muttikomplex) hier lebt von der disziplinlosigkeit des besitzers. die ganzen stählernen rosthaufen braucht kein mensch und zeugen von weniger impulskontrolle als ne kindergartengruppe im süsswarenladen, die schwammerlsahneorgien sind auch das gegenteil von zurückhaltung und dann noch diese elendig mäandernden texte. wer. liest. denn. sowas.

Nichts würde dem reiz dieser publikationen mehr schaden als Disziplin.

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Ich staune immer wieder darüber, wie häufig passtechnisch Erwachsene Disziplin mit Engstirnigkeit, Kleinkariertheit oder Lustlosigkeit verwechseln. Oder darüber, auf welche Bereiche sie meinen, andere wollten Disziplin genau darauf verwandt sehen.

Muss wohl genetisch sein ...

Gruss,
Thorsten Haupts

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von verwechseln kann nicht die rede sein, aber diejenigen, die disziplin außerhalb der von mir genannten kontexte als selbstzweck betrachten bekommt man dann leider nicht ohne "Engstirnigkeit, Kleinkariertheit oder Lustlosigkeit".

muss wohl genetisch sein

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Nachdem hier der 57er Kiffer vom Gästeklo (1)
alles vollgemüllt hatte, mochte ich hier nicht mehr kommentieren.
Jetzt macht es wieder Spaß hier mitzulesen.
Sogar die werte Donna ist wieder da.
.
So melde ich mich vom Landesende unserer Brexit-Freunde
um an die Wette vom geschätzten Herrn Haupts zu erinnern.
Lange waren die zehn plus komma neun weit entfernt.
Wäre mir vollkommen egal,
wenn ich 1oo Euronen in Wiskey spenden müsste.
Wenn der Traum von vielen hier in Erfüllung gehen würde:
Die 4,9 für diese grünen Freiheitsverbieter.
.
Gruß an alle die hier noch mitlesen.
.
(1) Erfindung vom sehr vermissten Filou.
.
P.S. Habe heute zu meinem Bedauern festgestellt,
daß die Tate Gallery zu hat.

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mhh welche freiheiten haben die versifften denn verboten oder wollen es?

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Gibt es eigentlich
so eine Art Frühwarnung, wenn einmal etwas vom Gesetzgeber im Print erscheint? Mein Abo ist auf einen Tag beschränkt und ich würde dann gerne zum Kiosk laufen…

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auf Twitter kündigt der Don es an, informiert auch über Verschiebungen durch die Redaktion. Auch neue Blogbeiträge kündigt er manchmal eine Stunde vorher mit #incoming an.
Beiträge im netz verlinkt er.

Ohne Anmeldung: https://twitter.com/search?f=tweets&vertical=default&q=from:faz_donalphonso

link ist nicht kastriert, führt auf des Don Twtr Angebot
Don hat auch eine Reservepräsenz auf gab dot ai, da sehe ich bislang keine Aktivitäten.

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Bisher kam im Print meistens - knapper, präziser und mehr berichtend - das, was er vorher schon in seinem mäandernden Stil im Blog freigelassen hatte. Ich würde es andernfalls ähnlich machen.

Gruss,
Thorsten Haupts

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Den @faz_donalphonso Feed kenne ich. Nur habe ich da bisher keine Tweets zu Sprint-Artikeln gesehen. (Allerdings bin ich auch nur unregelmäßiger Leser des Feeds)
Aber wenn es das ist, dann sehe ich da halt öfter mal nach. (Ich lehne dieses ADHS-Bombardement mit Nachrichten ab. Das stört wirklich kollossal…)

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Falls Sie sich da anmelden, werter booooster, bestimmen Sie, wem Sie folgen. Dann bestimmen Sie, ob Sie reinsehen. Mitteilungen etc werden abgeschaltet. Leute wie p57 können Sie einfach mute schalten.

Der Don allein ist schon recht unterhaltsam. Obwohl er, meiner Meinung nach, großen Platzbedarf hat, um neben dem Stamm die wichtigsten Äste und Blüten seiner Gedanken im Text unterzubringen, liegt ihm die Kürze sehr. Manche seiner Tweets sind bonmots.

Daß Don nur 12k Follower hat, können wir bestaunen, kaum aber mit Ihrer Anmeldung ändern. Ich habe aufgegeben, mich über die Stupidität der Rezipienten zu wundern. Kachelmann ist vergleichbar charmant und informativ - hat (nur?) 100k. Linke Mäuse haben viele, Fernsehmäuse gigantisch viele Follower. FAZ Redakteure und Politiker sprechen teilweise zu dreistelligen Zuschauerzahlen.

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