: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Freitag, 3. August 2012

Badeurlaub 2012

In Monaco, so wurde mir dort erzählt, gibt es die Tradition des Neujahrsschwimmens: Am öffentlichen Strand, einer unförmigen Kiesbucht vor Hochhäusern, so romantisch wie eine Schottergrube in Frankfurt, geht man dann ins Wasser. Und der Fürst geht voran. Einmal im Jahr muss das sein, dann hat man es hinter sich.





Und, warst Du jetzt endlich mal beim Baden, fragen die daheim Bleibenden die ganze Zeit. Nein. Natürlich nicht. Ich mag den Tegernsee nicht, weil er ein See ist, sondern weil aus dem Wasser die Berge aufragen. Ohne Berge wäre mir der See ziemlich gleichgültig. Baden und Schwimmen nämloch sind so gar nicht meine Idealvorstellungen von einem Bergaufenthalt. Aber damit die lieben Seelen ihre Ruhe haben, bin ich dann doch an den Strand.





Richtig lang. Zum erholen. Sommerfrische. Datschi. Buch. Decke. Und mehrere Meter Abstand zu plärrenden Kindern. Wenn ein Auto nah vorbeirast, ist das zwar gefählich und laut, aber schnell wieder vorbei. ich lese gerade eine Bildanalyse über della Francesca, da ist so ein dauerlautes Kind schlimmer. Vor meinem Gewissen, das noch etzwas abnehmen möchte, begründe ich das alles mit Regeneration nach den Anstrenungen der letzten Tage. Das geht nur in Ruhe. Vermutlich macht die zunehmende Hitze und die leicht stickige Luft die Kinder stumm. Im Flachland soll es schlimm sein, hier ist das kommende Gewitter nur eine Ahnung.





Ach so: Und der EZB-Chef Draghu darf sein Programm zum Umbau seines Hauses zur italienischen Gelddruckmaschine doch nicht voll durchziehen, und muss sich ein wenig bremsen. Die fehlgeleitete Kassiererin aus der Uckermark muss ja noch eine Wahl überstehen, solange werden sie Instrumente entwickeln, und dann gehen wir alle baden, wie es die Hummer nun mal so tun, die man den Bankstern so gerne serviert. Solange spielen wir das unterhaltsame Spiel wem man viel nehmen soll, den Reichen, den Migranten, den Erben, aber keinesfalls den Cretins der Märkten, die die Banken sind, die einen vorne terrorisieren und hinten schmieren. Die deztsche banl schickt 2000 Mitarbeiter auf die Schlachtbank? Oh Gott, der Standort! Vielleicht doch die mehrwertsteuer, ausgenommen für Hoteliers, Apotheken, Steuerberater und andere Meistbietende? Zur Ablenkung folgt ein knallblaues Grossbild:





Ja, so ist das. Die Börsen stürzen ab und steigen wieder hoch, das ist ganz wichtig, das entscheidet alles, auch wenn es nur das Geld des Anlegergesocks ist. Wobei man das auch nicht sagen darf: Es ist ja auch das Geld der Lebensversicherungen, der kapitalgedeckten Altersvorsorge, der gesamte Nichteigenhandel, also alle, die ihr Geld lieber den Banken geben, statt sich hier niederzulassen. Irgendwie, scheint es, bin ich hier gerade der einzige Profiteueur. Gleich noch ein Stück Datschi. Und morgen tue ich dann wieder ao, als würde ich auf dem Rennrad Heldentaten vollbringen. Nach dem Ende der Badesaison 2012.

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Montag, 30. Juli 2012

Die Stadt-Land-Inkongruenz

Ich würde nicht sagen, dass ich gut im Beurteilen bin. ich merke das sogar bei Themen, die mir sehr liegen. Passiert etzwas Reizendes, werfe ich alle Pläne um, weil ich mir sage, das musst Du aufschreiben, das ist so typisch - rauscht das irgendwie so durch und regt kaum einen an. Dagegen gibt es einen gewissen Typus Text, den ich halt abliefere, weil man das eben so machen muss, um etwas zu erklären, aber ohne Herzblut: Das läuft dann, als wäre es ein Raketenantrieb. Keine Ahnung, warum das so ist, aber manchmal glaube ich, die Texte, die mir gefallen, gefallen anderen nicht. Der Letzte war so ein Fall.

Das ist ein wenig wie mit dem Wetter, denn den Nachmittag habe ich in Erwartung des Regens auf der Dachterrasse zugebracht und geschraubt, um wenigstens irgendwas körperlich zu tun. Und natürlich, um den Speicher aufzuräunen.











Es kam kein Regen. Spät, viel zu spät und mit dem Gefühl. dass trotz aller Bedenken man den Sommer nutzen muss, solange es ihn gibt, bin ich dann doch noch los, und in die jeden Tag früher hereinbrechende Nacht gekommen. Aber es ist da draussen ganz anders als in der Stadt: Ist man umbaut, und sei es selbst wie bei mir auf dem Sonnendeck, 15 Meter über der Stadt, schaut man mehr nach oben. Auf dem Land schaut man in die Weite, nach vorne, in das, was kommen wird. Daswirkt dann gar nicht mal so bedrohlich, wie in der Stadt.















Ich bin froh, in einem Ort zu leben, der mir beides erlaubt, manchmal das Ignorieren und manchmal diese weite, weite Sicht. Wenn es klar ist, sieht man von den Hügeln die Berge. Und wenn es doch regnet, bleibe ich daheim und lese obskure Bücher über Piero della Francesca. Der hat seinen Heimatort Sansepolcro - ich war dort vor zwei Jahren, ein schreckliches Nest - verlassen, an den besten Höfen gemalt, geschrieben, gesehen, und sich bis an die Grenzen des Wissens gerechnet. Und starb am Ende wieder einsam und verlassen dort, wo er geboren wurde. Erkenntnis und Ignoranz haben vor dem Schicksal wenig zu sagen.

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Samstag, 28. Juli 2012

Sonnenkollektion

Ich wollte mich nur kurz hinlegen, und dann kochen, und weil man nach dem Essen ohnehin nicht gleich schlafen sollte, wollte ich noch die Bilder dieses sonnendurchtränkten Landes nachtragen. Ich weiss, viele im Norden klagen, aber bei uns war das bislang ein wirklich schöner, warmer Sommer, die Kirschen der neuen Ernte waren süss, und die Trauben brauchen noch etwas Wasser, um saftig zu werden. Braun bin ich durch das Radeln geworden, und auch schlanker durch das Erklimmen der Hügel; aber wirklich hungrig und dünn fühlte ich mich am nächsten Morgen, als ich nach scheinbar kurzer Ruhe erwachte. Ich koche auch noch um halb fünf, wenn es sein muss, aber 6 Uhr ist sogar mir zu spät, oder früh, wie man will. Kein Essen, keine Bilder, daher jetzt noch schnell nachgetragen: Es war ein wunderbarer Tag. Und auch unter dem Mondlicht strahlte der Asphalt noch Hitze ab.

























In den langen Winternächten werde ich dann diese Bilder wieder anschauen. Man muss sie jetzt ernten und aufbewahren, auch wenn es viel ist: Der Winter ist hier immer so garstig, man sollte den Sommer einkochen wie Obst, und dann die Wätme fühlen.

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Mittwoch, 25. Juli 2012

Nichtlichtbilder

Tortenschulden sind Ehrenschulden.



Ausserdem war dies der Tag, an dem ich merkte, dass Tortenschulden, die man nachtragen muss, auch wirklich gute Kredite sein können. Für jene Tage nämlich, da man andeutungsvolle Bildserien zur eigenen Erinnerung ins Netz stellen möchte, ohne dass es nötig wäre, viel zu erklären: Man weiss ja, was gewesen ist, wenn man später die Bilder sieht. Und die Leser sehen Bilder und der Rest geht sie nicht viel an. Bilder von einer nicht wirklich sportlichen Radpartie ins Grüne.



In meinem Umfeld sind die meisten inzwischen entweder so abgerichtet oder selbst konditioniert, dass eine umfangreiche Ablichtung als normal gilt. Die Kamera ist immer dabei, der Akku ist stets geladen, und die SD-Karte wechselt dauernd zwischen Kamera und Rechner, in dem sie vergessen wird, und dann, ja dann, muss man eben die Tortenbilder vom Vortag nehmen, aus der Re-torte gewissermassen. Wie auch das Wetter beim Picnic.



Das Licht, das sich im Staub über der Ernte fängt, kann man hier in der Stadt nicht nachmachen, und es ist auch, wie soll ich sagen: Es ist hier halt nicht Land. Da kommt so viel zusammen, da müsste so viel hinein in das Bild, die Wärme, der goldene Schein, die sanfte Brise aus dem Osten, der Geruch nach Land und folgenden Brotfreuden - ich kann nur halbreife Tomaten zeigen. Aber die werden auch noch.



Schwer habe ich unter dem Rucksack geächzt, mit einer Thermoskamnne für den Tee und einer Silberkanne zum Umfüllen, und am Ende, unter dem kleinen Hain mit Blick in den Sonnenuntergang, war es dann doch noch zu warm. Auch gestöhnt habe ich mit der Flasche Wasser, und den Gläsern, man tut, was man kann, und das war dann das Richtige für den Moment.



Der Leser wird sich fragen, ob wir geküsst haben, und ich sage, weil hierher gerade vom feminististischen Prollpotismus und der Schnalle mit dem Ghettolook herverlinkt wird: Ja! Öffentlich! Alle, die vorbeigefahren sind, haben es gesehen, aber es waren keine gaudigenderstudentischen Theorieteilzeitneigungsbetroffenen aus Berlin dabei, die wir damit rücksichtslos hätten beleidigen können. Leider! Sonst wäre es noch weiter gegangen! Es war auch zu heiss für Sahnetorte, sonst hätten wir öffentlich auch noch

Nein, um ehrlich zu sein, es war einfach nur schön. Aber die SD-Karte habe ich halt im Rechner vergessen. Man muss sich das also vorstellen, und ich werde mich erinnern

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Montag, 23. Juli 2012

Tage der Verdammnis

Das wird jetzt ein rein spekulatives Geschäft: Wenn Deutschland aus dem Euro aussteigt, macht es Sinn, das Geld zu horten. Es sei denn, es wird mit einem Währungsschnitt verbunden. Dann würde es Sinn machen, das Geld jetzt noch schnell zu verschleudern und in Sachwerte zu gehen.



Denn ein Währungsschnitt könnte durchausvo rher nötig sein, damit die neue Währung nicht durch die Decke knallt. Es ist eine gefährliche Liebschaft, dieses Geld. Umgekehert würde der Euro aber auch durch die Decke gehen, wenn die PIIGS ihn verlassen würden. Auch dann wäre man gut beraten, das Geld noch zu behalten und dann dort unten zu kaufen.



Ich hatte Recht mit dem Schweizer Franken, ich hatte Recht mit dem Tegernsee, und eine der Kannen, die ich 2009 für 100 Pfund kaufte, war gestern bei Ebay und ging für 450 weg - die Kannen schlagen alles um Längen. Aber ich bin auch nur ein Spekulant und kenne die Zukunft nicht. Ich besitze etwas, ich hätte einen Hebel, und nachdem die Realität im Gegensatz zum Geld nicht nachgedruckt werden kann, frage ich mich einfach: Wann ist der richtige Moment, so viel wie möglich von diesem Papier zu borgen, etwas Reales zu erwerben und dann das wertlose Geld zurückzuzahlen?



Aber will man dann noch in Italien leben? Aber das kann nicht gut gehen, das wird nicht gut gehen, viele werden verlieren. Ich möchte eigentlich nicht dabei sein. Ich will nur Platz für Leinwände, Sessel und grüne Gartentore. Geld, pah, Geld, das ist nichts.

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Donnerstag, 19. Juli 2012

Begiessen.

Wenn die Sonne so steht, ist es Zeit, die Pflanzen zu giessen. Sie haben sehr viel Durst und wachsen auch famos (ausser der Salbei, natürlich).



Das Schöne an meiner Bibliothek ist, dass man von dort aus sieht, wenn es soweit ist, für die schönsten Stunden, wenn die Sonne nicht mehr brennt und der Himmel mit dem Blau spielt.



Dann gehe ich nach oben und bleibe dort, bis ich hungrig werde - was meistens erst so gegen Mitternacht ist, wie jetzt zum Beispiel, da ich gerade schreibe, und überlege, was ich gleich koche.



Meine Tomaten machen mir jetzt schon Freude; was ich noch unten an Vorräten habe, werde ich essen, und dann kann ich hier oben ernten. Und zwar gar nicht so wenig.



Dann kommt die blaue Stunde, in der Stadt wird es still, fast wie am Tegernsee, drüben im Wohnheim wird gelernt, und ich bin allein mit dieser Aussicht.



Und einem Glas Apfelsaft. Ich proste dem Tag zu, der kein schlechter war, von den ersten 5 Stunden einmal abgesehen, und freue mich über den Marienkäfer, der auf dem Tisch landet.



Und wenn es dann zu dunkel wird, spät, sehr spät am Abend, schalte ich den kleinen Leuchter an, auf meinem Sonnendeck, hoch über der Stadt und den Niederungen meiner bayerischen Heimat.



Und weltenfern von Berlin und anderen Orten, wo sie so viel über mich sagen und schreiben. Und nichts wissen, oder gar verstehen, weil man das alles nicht vergleichen kann. Es ist eine Sache des Erfahrungshorizontes.. Es geht mir gut. Sehr, sehr gut. Ich weiss, wie privilegiert ich bin. Hier oben eigentlich immer.

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Die kompletten Einnahmen

meines Beitrags über die Berliner Slummeria spende ich übrigens einem guten kulturellen Zweck, dem Ausbau meiner Rokokogemäldesammlung - in der Küche ist nämlich noch Platz.

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Mittwoch, 18. Juli 2012

Sturm vor der Ruhe

Hier geht es jetzt etwas durcheinander, der Beitrag ist heute, am 18. geschrieben worden, weil gestern nicht der Tag dafür war. Weil nämlich:







Alles zuerst mal völlig normal gewesen ist. Es gibt so Tage, da geht man mit sich selbst und der Welt zufrieden auf die Runde: man sieht das nicht allein so, weder das mit Bayern noch das mit der Orientierung einer eigentlich geschätzten Partei auf zwei hirnrissige Themen namens Ponader-Schnösel-BGE und 68er-Feminismus. Lauter g'scheide Leid, sagt man sich, und draussen ist auch ein g'scheides Wetter. Wolken, Blau, Sonne, warm ist es und windig. Sehr windig. Aber das Carrera hat über den Winter die alten, originalen Velomaxlaufräder mit den hohen, scharfen Felgen bekommen, die werden den Sturm schon wie einen Radi schneiden. Dachte ich mir.







Also begann das grosse Klammern: Insekten klammern sich an Blumen, Äpfel und Aste klammern sich an Bäume, und ich klammerte mich an den Lenker. Von vorne kam das Gebläse, in etwa so, wie wenn man mit der Barchetta offen 180 fährt. Dann knallt das ähnlich um das Gesicht herum. Das macht man vielleicht mal für vier Minuten, dann geht es zurück auf gemütliche 100, oder gar nur 80.Aber hier ging es Kilometer für Kilometer, und es ging langsam dahin. Was bin ich gekrochen. Wie oft habe ich mir gesagt: Das reicht für heute. Und wie oft habe ich mich dann an den Abzweigungen vorbeigequält. Warum macht man so etwas? Weil es hier geht, im Norden dagegen wäre es scheusslich.







Und weil man auf dem Rad sitzt, das ein Weltmeister an den Nagel gehängt hat, bevor die Tour de France begann. Weil man nicht aufgeben will, weil man nicht auf so einer Kiste sitzt, um dann klein beizugeben und sich nach Hause blasen zu lassen. Dieses Rad wurde für den Kampf gegen Titanen gebaut, da wird so ein Stürmchen doch nichts ausmachen. Die flogen Berge hoch und nicht nur Hügel, die fuhren um ihr Leben und nicht nur zur Gaudi, da muss man ein Minimum an Haltung beweisen, in solchen Klickpedalen. Man tritt immer weiter, auch wenn der Körper zu warnen beginnt. Zu weit, zu schnell, die Zähne schmerzen, und bergab geht es dahin, als wäre man erst beim Aufstieg. Es ist nicht schön. Es macht keinen Spass. Aber es geht weiter.







Denn man wandelt entlang auf einem heiligen Weg. Was hätten denn all die Pilger im Mittelalter und im Rokoko sagen sollen, die haben auch nicht Mimimi gesagt, die haben ein Ziel gehabt und sich durchgebissen - und das war vor der Erderwärmung, damals war so ein Sommer schon heiss. Am Ende haben sie gebetet und gebeichtet und gespendet, und nicht im Biergarten gesessen. Die hatten die Kraft und den Willen, und gerade weil der Glauben so schräg ist, will man da als guter Atheist nicht zurückstehen, zumal man ja ein Rad hat. Ankommen ist das Mindeste, was man schaffen muss. Und deu Schlenker bei Nassenfels mitnehmen, da ist der Anstieg im Windschatten, nur um zu schauen, ob das mit dem grossen Blatt geht.







Der Biergarten war geschlossen. Aber die Kirche war toll, wie immer. Diese Tour von der Kirche, die früher zum Haus dazu gehörte, bis zu dieser vergessenen Wallfahrtskirche ist die Verbindung zwischen den beiden Kirchen, in denen ich, wenn es sein müsste und man mich ansonsten grausam und langsam zu Tode foltern wollte, kirchlich heiraten würde. Die Kirche da draussen ist zwar nicht so schon wie die bei mir, aber daneben ist ein grandioses Restaurant, und ausserdem ist die Strecke doch so schön. Und schnell ging es mit dem Rückenwind heim, so schnell, dass ich das Pochen gar nicht merkte.

Das kam erst unter der Dusche. Und wie. Tom und Jerry bis um 5 Uhr morgens, dann ins Bett und der Vorsatz, gleich in der Früh zum Arzt zu gehen. Als ich dann aufwachte, war es fast weg, das schlimme Gefühl, nur noch eine Ahnung und eine Warnung, dass es jetzt erst einmal gut ist. Erst heil werden, dann wieder radeln. Der Sturm wehte heute ohnehin aus dem Internet.Und er kam aus Berlin, und es war keine gute Luft.

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Dienstag, 17. Juli 2012

Auf der Suche nach der Jahreszeit

Wo bleibt der Sommer, brüllt mich das Lügendrecksblatt beim Bäcker an, als gäbe es keine wichtigeren Themen, als wäre seine Redaktion ein stinkender Freier, der im Bordell nicht das Erwartete bekam, und sich jetzt auskotzt. Das wollen sie wissen, das haben sie bestellt, dann wollen sie am Strand oder im Park ihre Körperverschandelung herzeigen und dazu billiges Fleisch verbrennen und Bier aus Flaschen saufen. Wo bleibt der Sommer, führen sie sich auf. Der Sommer versteckt sich derweilen, kein Wunder bei diesem Geschmeiss - man muss ihn ssuchen und begehren, den Sommer.







Ich glaube, es war Mark Twain, der einmal so treffend bemerkte, den wärmsten Winter, den er je erlabt habe, wäre sein Sommer in Hamburg gewesen. Jedenfalls, rund um die Donau herum ist das alles kein Problem; es ist zwar nicht heiss, aber dafür badet man auch nicht in Salzlake. Das ist nicht Italien, deshalb ist es nicht heiss. Und des ist auch nicht Hamburg, sondern dazwischen. Dort oben gibt es gerade hässliche Privatgeschichten, die ausgewalzt werden, weil sich ein Paar trennt und ein blogschmierender Widerling Probleme mit seiner und anderer Leute secueller Orientierung hat: Sowas hatten wir hier auch, das war ein selbstgerechtes *** von Bischof, der meine Bekannten schnitt und verdammte. Der ist inzwischen weg. Wie die Wolken.







Was bleibt, sind die Erinnerungem, aber auch die lassen nach und werden zur Erfahrung. Es bleibem die Hügel und zum Glück auch die Hecken, die wenig befahrenen Asphaltbänder und was sonst noch das alles hier so angenehm gestaltet. Der schönste Sommer wäre nichts, wenn man ihn mit zu vielen anderen teilen müsste. So ein Sommer braucht neben Licht und Wärme auch viel Raum, und den gibt es hier. Dann erst kann er sich breit machen, verweilen und sich verwandeln in vielerlei Gestalt, ohne Quallen- und Algenpest der überfüllten Meere.







Man findet des Sommer schon. Das getreide wächst, die Äpfel reifen, die Natur ändert die Farben und die Tage sind lange hell.Das Licht ist sommerlich.nur die Temperaturen hinken nach. Sagt man sich halt: Würde ich jetzt einen Alpenpass hinunterfahren, und keine Jurakuppe, wäre es auch nicht wärmer. Tritt man eben ein wenig schneller. Freut man sich , das weniger Insekten unterwegs sind. Alles hat seine zwei Seiten, man muss das Beste daraus machen, und so, wie es sich darstellt, ist es die richtige Täzigkeit zur richtigen Zeit. Die Tage am See werden auch noch kommen. Jetzt sind eben die Tage der mittleren Runden, die Zeit des Abnehmens und des Asphalts. Es ist eine bestimmte Art des Sommers. Es passt schon. Es ist der Sommer für nicht allzu schnelle Stahlräder.







Die Hitze, die muss man sich in den mit Silber gelöteten Muffen denken. Und an Bob Jackson sollte man denken, der das getan hat. In Leeds, in England, wo der Sommer noch trauriger als in Hamburg ist. Dieser Herr hat trotzdem keine Schutzbleche angelötet, heldenhaft hat er den Zwängen der Witterung widerstanden, und einen Rahmen für italienisches Leben geschaffen: Kurz, wendig, schnell und ohne jeden Ballast für die Ungnade des Wetters. Es liegt eine Hoffnung in diesem Rahmen und ein Versprechen, und das löst dieser Tag ein. Der Sommer ist da, er zeigt sich dem Liebenden und Begehrenden, er windet seine Kränze denen, die nach draussen gehen und es nehmen, wie es kommt - aber nicht den Grölern und Säufern. Es ist ein eigensinniger Sommer, aber mir passt er so, wie er ist.







Und wenn er so hält, der Sommer, dann radle ich am Samtag mit Iris, einer Decke und einen Korb auf eine Streuobstwiese. Das muss man nehmen, wie es kommt. Das Glück zumindest, und das Pech, wenn ein öffentliches Leben mal nicht so läuft - mei. Ignorieren, weitermachen, die Leute reden lassen, was sie wollen. Ich glaube, es gibt eine spezielle Ecke für den Bischof und andere bigotte Widerlinge in der Hölle, und eben eine Streuobstwiese für eine Geschiedene und mich.

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Montag, 16. Juli 2012

15 Jahre voraus

Dass man 40 wird, sagte einmal ein Freund, merkt man daran, dass man jeden Tag Medikamente braucht. Damals war es bei mir noch nicht so weit, und es ist auch heute noch nicht so schlimm gekommen. Nur heute ist es schlecht. In der Nacht ordentlich verlegen, Stechen im Armgelenk und Verspannung im Nacken, eine immer noch latent vorhandeme Grippe und ein kleiner Schub Heuschnupfen - macht 3 Tabletten und eine Salbe. Wie ein alter Mann. Dazu noch drei bis vier Windstärken aus dem Westen und nicht gerade Hitze - so wird sich das also in der Regel anfühlen, wenn ich 15, 20 Jahre älter und schwächer bin. Zur Komplettierung der Zeitreise nehme ich auch noch ein Rad, das 24 Jahre auf dem Buckel hat. So wird es dann sein, im Sommer 2027.







Das Elend beginnt schon an der Haustür: Irgendein *** hat in der Nacht dem Weinstock einen Ast abgebrochen und die Trauben auf dem Boden zertreten. Ich habe wirklich nichts gegen junge Menschen, aber wer das tut, dem möchte ich im Dunkeln begegnen. Von hinten, mit einem frisch geschnitteten Eichenstock. Ein jeder mache die Erfahrung mit Holz, die er verdiene. Ob es so einem Stück Abschaum auch gefällt, würde man ihm den Finger brechen? Ich weiss es nicht. Es käme auf den Versuch an. 2027 wird das vermutlich eher die Regel als die Ausnahme sein. Für manche ist es vielleicht nur ein Baum, aber wer hier lebt, der liebt seinen Weinstock. Der Weinstock überlebt Generationen, und es würde mich auch nicht stören, wenn er aussterbende Clans von Weinstockschändern überleben würde. Was sich alte Männer eben so sagen. Die Zeiten, da ich Videoüberwachung im öffentlichen Raum vollkommen falsch fand, sind heute schon lange vorbei.







Man freut sich im Alter ja auch schon an den kleinen Dingen. Eine Easyjet-Phase hatte ich nie, Europa reicht mir völlig, und nachdem das hier auch Ferienregion ist, sobald man die Stadt hinter sich gelassen hat, geniesse ich das eben wie Urlaub. Das waren in den letzten Generationen schon die sonntäglichen Ausflugsziele, das hat keinem geschadet. Es ist keine Kunst, das Neue in der Fremde zu finden. Hier muss man eben genauer hinschauen. Und ich glaube nicht, dass ich 2027 noch werde eine Easyjet-Phase bekommen können: Die Zeiten, da man mit dem Eintritt ins Rentenalter die Fernreisen entdeckte, werden vorbei sein. Einerseits, weil dann das Rentenalter noch weit weg ist. Andererseits, weil man sich wird entscheiden müssen, zwischen grosser Mobilität und anderen luxuriösen Freuden. Und dann werde ich sicher nicht mein Geld in einer Turbine verbrennen. Ich habe ja genug Räder und hoffentlich genug Kraft.







Sicher, die Kiste ist nicht neu, aber sie fährt, und das gar nicht so schlecht. Sicher, der Wind bläst heftig, aber das hier ist nicht die Tour de France. Mit etwas Glück habe ich dann auch noch Zeit, und wenn ich am Tag 80 Kilometer schaffe - das sollte eigentlich kein Problem sein - dann ist das ein ganz schöner Radius. Zur Not komme ich so auch an den Tegernsee, nach Innsbruck, nach Sterzing (gut, das wird über den Brenner nicht ganz leicht, vielleicht nehme ich da einen Postbus, falls es dann noch solche sozialen Einrichtungen gibt) und von dort aus, von Pension zu Pension, bis nach - nun, das wird man dann sehen. Ich glaube nicht, dass es die Reisefreizügigkeit ohne Überwachung, wie wir sie heute noch erfahren können, dann noch gibt - man denke nur an das Elend, wenn man in Italien ins Internet will. Nichts werden sie einen wissen lassen, aber alles erfahren: Der Transponder in jedem Gefährt wird kommen, in jedem Handy, in jeder Uhr, in jedem elektronisch gesteuerten Rad - wer dann vollmechanisch unterwegs ist, muss sich dann weniger Sorgen machen.







Nur bin ich dann schon an der Schwelle eines Alters, in dem man, um es mit einer italienischen Weisheit zu sagen, nur noch Angst hat, lange zu leben. Ich sehe das heute auch als Vorsorge an, was ich mir an körperlichen Eigenschaften im steifen Gegenwind erhalte, allen Zipperlein zum Trotz, wird dann besser sein als eine Krankheit, deren Reparatur sich nicht bezahlen lässt. Das ist gar nicht so schlimm, der Mensch, denke ich mir, hat ein Recht, zum richtigen Zeitpunkt zu sterben, und was hilft es mir, wenn es nach hinten hinaus teuer verlängert wird: Jetzt müsste man das noch haben, oder eben 30 oder 15 Jahre vorher. All die teuren Damenkleider, sie enden schon heute nicht an der Jugend, sondern an mit schlimmen Methoden dürr gehaltenen Frauen, denen das Leben nur noch wenig verspricht. Bei den Männern entzerrt sich das ein wenig, aber es wird letztlich nicht anders sein. Generation der Erben, pah, wenn ich das schon höre, allein die Generation der Frühüberschriebenen, die kann etwas davon haben. Wer erbt, braucht es doch heute schon gar nicht mehr, und das wird dann auch nicht anders sein. Das Leben ist dann weitgehend vorbei.







Aber wenigstens, all das Unkomfortabe, Ziehende und Schmerzende mit eingerechnet und vorangedacht: Es geht schon noch was, das Rad kämpft und fliegt mit Rückenwind nach Hause, den Himmel und die Landschaft wird einem keiner nehmen, und wir haben hier so viel überlebt - wir werden auch das überstehen, egal was kommt. Nett wäre es, wenn die Kriminellen des Libor bis in 15 Jahren noch im Gefängnis wären, wo sie gut aufgeräumt sind. Dann wäre das alles gleich etwas schöner und gerechter. Ich finde, man kann Kronzeugen wirklich netter behandeln, man muss sie ja nicht in Öl kochen, lebenslang reicht wie bei anderer organisierter Kriminalität auch. Das gehört zum Altern dazu, das Rufen nach mehr Gesetzen, aber vielleicht ist es ja auch richtig so, wie vieles andere.

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