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Mittwoch, 28. Mai 2014

Zona Rossa

Vor zwei Jahren traf das grosse Erdbeben die Region zwischen Mantua, Vicenza, Ferrara und Parma. Das Herz des Landes, oft übersehen, weil es ländlich ist, aber reich an Kultur und Geschichte und die Region, an der die Wirtschaft in Italien Halt gefunden hat.

Zwei Jahre sind eine lange Zeit.

Aber die Bilder sind von jetzt, und es ist so schlimm, wie es aussieht. Klicken macht gross.





















Nur falls sich wer wundert, warum ich persönlich gerade eher nicht für Krautreporter spenden würde.

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Donnerstag, 1. Mai 2014

Ich will ja nicht zynisch sein

aber was mir bei der Barock- und Tortenfahrt tatsächlich im Kopf herumging, ist diese Geschichte aus der besetzten Schule in Berlin, wo es nach einer ganzen Reihe von Gewalttaten unter den Bewohnern jetzt den ersten (und hoffentlich letzten) Toten gab. Und dasss in den Tagen zuvor auch schon andere aneinandergeraten waren, und man das mehr oder weniger als Betriebsunfall abgetan hat. Wer die Twitterstreams derjenigen las, die sonst gerne schreiben, Fküchtlinge seien willkommen, las darüber: Nichts. Vorher nicht und danach auch nicht.





Es ist unendlich wichtig, dass die Verbrechen des NSU öffentlich gemacht werden, mitsamt den Folgen, die sie für unsere zusammenwachsende Gesellschaft haben. Es ist genauso wichtig, dass die Inlandsgeheimdienste ausgeräuchert werden, und ich denke auch, dass da früher oder später die Wahrheit ans Licht kommt. Es ist wichtig zu verstehen, welche Prozesse fatale Folgen haben können, um sie in Zukunft zu vermeiden. Man muss den Nazis in diesem Land mit voller Repression begegnen, selbst wenn nach meiner bescheidenen Meinung auch eine Grenze gezogen werden muss: Gegen Nazis darf nicht heissen, dass man denen das Feld überlässt, die zwischen Nazis, Polizei und Kapitalismus keinen Unterschied machen. Jene, die aber auf der anderen Seite Flüchtlinge missbrauchen, um de facto rechtsfreie Räume wie in jener Schule zu schaffen, die dann eben auch ausser Kontrolle geraten. Der absolut nichtige Anlass - die Reihenfolge beim Duschen - zeigt eigentlich überdeutlich, wie aufgeladen und kaputt dort die Stimmung sein muss. Ein Mensch ist tot, wegen einer Nichtigkeit.





Bei allem Entsetzen über den NSU hatte ich dennoch den Eindruck, dass der Fall etwas bewegt. Es ist ein Fall, der aufzeigt, wie Vorurteile ausgehen können, und zwar nicht nur bei den Nazis, sondern auch bei den versagenden Behörden und den Menschen, die das alles über all die Jahre so hingenommen haben. Momentan ist die CDU in den Umfragen wieder die stärkste Partei in Berlin, und ich wage zu behaupten, dass das auch etwas mit den Zuständen rund um die Flüchtlinge zu tun hat, die mit ihrem Verhalten und Forderungen und Erpressung der Politik wiederum helfen, das Asylrecht bundesweit zu verschärfen, und zwar durchaus mit Unterstützung einer Mehrheit im Land. Wenn man überhaupt einen tröstenden Sinn in den NSU-Morden erkennen konnte, dann war es, dass dem Hass auf Ausländer in weiten Teilen der Bevölkerung jede Legitimation entzogen wurde. Und dann werden in Berlin also rechtsfreie Räume geschaffen und Verhaltensweisen an den Tag gelegt, die zur linksradikalen Profilierung taugen. Hausbesetzung, Strassenkampf, Drogenfreigabe, Staatsknete, Anarchie, das alles wird da unter dem Deckmantel der Asylpolitik neu ausprobiert, und das ist bei aller Sympathie für die Belange von Flüchtlingen wirklich schwer zu akzeptieren, selbst für die aufgeschlossene, demokratische Minderheit.





Vielleicht bin ich spiessig, aber nach meiner bescheidenen Meinung muss man sich halt entscheiden: Will man Asyl in Deutschland oder das politische System in Deutschland mit allen Mitteln bekämpfen, und rechtsfreie Zonen schaffen. Mir ist natürlich klar, dass für die Flüchtlinge Deutschland auch politisch sowas wie ein Schlaraffenland ist, denn hier können sie Forderungen stellen, die sie in ihrer Heimat nie ausgesprochen hätten, und bekommen dafür noch Unterstützung, wenn sie sich nur die richtigen politischen Partner raussuchen, wie eben Berlin/Kreuzberg. Das ist verführerisch und wird genutzt. während andere Städte bei derartigen Versuchen schnell die Reissleine gezogen und solche besetzten Räume mit all ihren Begleiterscheinungen verhindert haben. Aber so konzentriert sich das alles in Berlin mit seinen Medien, und so breitet sich wieder ein Bild aus, in dem Leute hierher kommen, um zuerst ihre eigene Sache und damit indirekt die von CDU/CSU, AfD und NPD zu fördern. Dafür werden auch Tote in Kauf genommen. Und verschwiegen. Statt dessen setzt sich die feministische Journalistin sich lieber zur gewalttätigen Aktivistin, die rührselige Geschichten erzählt, die vermutlich nur mich an die erfundene Vita der Ikone der Neuen Rechten Ayaan Hirsi Ali erinnert.

Es ändert nichts als Lampedusa, Frontex und dem Umstand, dass afrikanische Staaten wegen der moralischen Bedenken des Westens nun lieber Geschäfte mit China machen, um den Preis, dass die Zustönde dort so bleiben, wie sie sind, und die Migration über das Mittelmeer weitergehen wird. Eine Antwort auf die Frage der Zuwanderung nach Deutschland ist das alles natürlich nicht. Es ist ein Baustein in einer Mauer um eine Gesellschaft, die eigentlich, insgesamt gesehen, durchaus offen sein könnte Aber was on Berlin passiert, ist ein nur dort möglicher, krasser Missbrauch der Möglichkeiten, und die Profite ziehen daraus nur die Extremen, ausgerechnet in einer Zeit, da man darüber reden müsste und könnte, wie wichtig das Miteinander ist.

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Sonntag, 20. April 2014

Diskriminierung am praktischen Beispiel

Man darf nicht mehr Negerküsse sagen, obwohl ich dergleichen, so als Aussage, wahnsinnig nett finde. Jetzt nicht sexuell, sondern einfach so als Idee. Da ist nichts Falsches und es lädt sich positiv auf. Da ist nichts böse gemeint. Aber:



Das hier ist ein Amerikaner.

Er hat einen weissen, klebrigen Zuckergussüberzug, ist weich und labbrig wie das Verbrechen, das sie in Amerika für Brot halten, und jetzt mal so, rein als Form betrachtet, rund. Der Amerikaner kommt noch aus einer Zeit, da die Amerikaner Besatzer, schlank und sportlich waren, und ein paar ihrer Essensgwohnheiten mitbrachten. Heute dagegen könnte man glatt meinen, das sei abwertend gegen übergewichtige Bewohner von Trailer Parks. Weil es ja Amerikaner gibt, die so aussehen.

Trotzdem regt sich niemand auf, denn wenn es gegen etwas geht, dann halt die weisse, bürgerliche Mehrheit. Da darf man. Aber wehe, man bestellt ein Zigeuinerschnitzel.

Merke: Wer diskriminieren will, halte sich einfach an das, was er als Mehrheit definiert und am besten auch noch negativ bewertet. So einfach kann man die Julias und Anatols dieser Welt erklären.

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Samstag, 19. April 2014

Appeasment wird teuer

Die EU hätte Ungarn nach der Machtübernahme der Rechtsextremen unter Orban sofort rausschmeissen sollen. Kein autoritäres Regime in Europa, das hätte die Botschaft sein müssen. Anlässe antisemitischer und demokratiezersetzender Natur hätte es genug gegeben. Aber die EU war sogar so feige, still zu halten, als Orban die Ungarn kaufte. Nicht mit seinem Geld, sondern dem der ausländischen Banken. Die Ungarn hatten sich nämlich in niedrig verzinsten Schweizer Franken verschuldet, und als der Franken stieg, wurden die Kredite natürlich teuer. Orban führte dann "unkonventioelle Massnahmen" ein - die Kredite konnten in die taumelnde Landeswährung umgetauscht werden. Betroffen waren die österreichischen Banken, die vermutlich 50 Milliarden in Ungarn verliehen haben - was sie letztlich davon wieder bekommen, ist unklar. Aber Ungarn ist einer der Gründe für die Haushaltskrise in Österreich. 50 Milliarden Aussenstände sind enorm viel für ein Land, dessen Jahreshaushalt bei 75 Milliarden liegt, davon 6,3 Milliarden Defizit.



Italien und seine Banken hat das übrigens auch schwer getroffen, aber das juckt so einen Autokraten natürlich nicht. Also zahlten die Steuerzahler in Italien und Österreich, damit die Banken stabil blieben, und die Ungarn wählten ihrer Führer wieder.

Manche wundern sich ja, wieso Putin so wenig tut, um in der Krimkrise eine Wirtschaftskrise in Russland zu verhindern. Russland und seine Firmen können im Moment keine Anleihen verkaufen, und 100 Milliarden Kredite müssen allein in diesem Jahr in der Privatwirtschaft nach dem Auslaufen neu an den Mann gebracht werden.

Es ist vermutlich wenig überraschend, wenn ich hier sage, wer in ungarischen Dimensionen auch in Russland steckt: Krisenbankenland Österreich und Krisenland Italien. Sollten also keine Zahlungen mehr erfolgen. dann ist das Geld halt weg. Oder Putin macht unkonventionelle Gesetze wie Orban, wie das geht, weiss er ja. Und wie Europa reagiert, weiss er auch.



Nachdem hier bei uns nur die Berichterstattung, nicht aber die Krise mit de facto Negativzinsen, Deflation und unbegrenzten Anleihenkäufen durch die EZB vorbei ist, kann man sich ja ausmalen, was es bedeutet, wenn in Russland nur 20% der Kredite ausfallen. Dann brauchen ein paar Banken in den eh schon schwankenden Ländern gleich wieder ihre Eigenkapitalinfusion. Das wird dann mindestens so spassig wie die Lage an der Grenze zwischen Russland und der Ukraine. Deutsche sind auch dabei, aber das ist nicht so heftig wie im kleinen Österreich. Da könnte man dann gleich mal ausprobieren, wie die neu vereinbahrten Mechanismen der geordneten Bankenauflösung so laufen - eigentlich. Wahrscheinlich trauen sie sich aber nicht,

Die Russen sind Krisen gewöhnt und dafür haben sie die Krim und vielleicht aich die Ukraine bekommen. Krisen kommen und gehen, die kennen das nicht anders. Aber im wohlgeordneten Europa kann das gefährlich werden. So ist das nun mal mit den Zukunftsmärkten. Man hätte das schon etwas länger begreifen können, aber das waren ja die grossen Chancen, gerade wegen der starken Zentralmacht.



Da kommt noch schön was auf uns zu. BRIC wurde Russland ja nicht einfach so, die haben das Geld in Mengen genommen, um es zu investieren, an die Oligarchen zu geben und eventuell jetzt auch zu behalten, sofern es noch da ist.

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Dienstag, 8. April 2014

Ich finde das EuGH-Urteil zur VDS super

solange ich nicht gerade von einer bornierten Stasilette mit Autokratenmehrheit regiert werde... oh wait.

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Freitag, 28. März 2014

Morgenröte

Wer schlau ist. liest sich jetzt nochmal durch, was die Russlandkrise - ein Beinahestaatsbankrott - vor 16 Jahren gewesen ist. Die hat einiges von unserer eigenen Zypernkrise, aber am Ende hat man - oder besser wir - das Land wieder hochimportfinanziert. Ich glaube ja nicht, dass man so etwas wirklich wieder riskieren möchte, aber privat traue ich den Bilanzen der Russen ebenso wie denen der chinesischen Schattenbanken. Eventuell rauschen wir da also in ein grösseres Problem hinein.



Zyniker würden natürlich sagen, die Russen sind genau das gewöhnt: Dass die normalen Menschen alles verlieren und die Oligarchen reich bleiben. Dass es so läuft, sieht man im Moment ja auch in anderen autokrarischen Regimes: England und Österreich haben elende Bankenprobleme, die World of Interior bleibt dünn und aus Wien kommen wirklich günstige Gemälde - aber an der Spitze sitzen immer noch die gleichen Problemveruracher. Einer wie Grasser zum Beispiel - dem droht bislang Gefängnis, eventuell, wenn und überhaupt, oder auch nicht, weil Österreich... so stelle ich mir auch Russland und das dortige Nepotistensystem vor. Nur viel grösser und noch rücksichtsloser.

Wird uns das weh tun? An den Hype der BRIC-Länder habe ich nie so richtig geglaubt, und ich sehe auch nicht, dass man allzu gern nach Russland ging. Sicher, ein paar Fonds werden jetzt wieder Geld verlieren, aber das ist doch immer so. Für manche Ferienregion könnte es ein wenig schwierig werden, sollte man in Russland im Rausch des Patriotismus und der knappen Kassen das schwarze Meet neu entdecken, und sicher wird das für die Nachbarstaaten nicht einfach. Trotzdem glaube ich nicht, dass deshalb auch nur ein einziger SUV deutscher Produktion weniger verkauft wird. Und Putin fliegt deshalb auch nicht aus dem Sattel.



Vermutlich werden wir aber eine sagenhaft scheussliche Vertiefung des Nationalismus sehen, nicht nur in Russland, sondern mal wieder in der ganzen Region, in der angeblich der Kommunismus dafür gesorgt haben soll, dass solche Neigungen verschwinden.

Naja. Wenn am Tegernsee etwas mehr Platz ist, während der kommenden Tage, weil die Russen lieber daheim bleiben oder gar ihre Villen verkaufen, werde ich sicher nicht weinen.

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Donnerstag, 27. März 2014

Ortstypisch

Rasante 90-Jährige (wer sonst) aus Rottach (woher sonst) knallt mit Mercedes-Coupe (was sonst) bei der Krottenthaler Alm (wo sonst) - und jetzt kommt der einzige Stilbruch, nicht in einen Almauftrieb, sondern in eine Strassenwalze.

Aber so ist das am See. Bald bin ich wieder dort.

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Mittwoch, 19. März 2014

Hausarrest

Den ganzen Winter habe ich immer brav meine Totalvermummung angezogen. Man will sich ja nichts verkühlen. Lange Unterwäsche, dicke Jacken, Winterradschuhe habe ich gekaufr und immer eine gepolsterte Haube unter dem Helm getragen.



Das sah nicht gut aus, hielt aber warm. Wie schön, dass es jetzt Frühling ist! Da kann man doch auch einige Dinge weg lassen, selbst wenn das Wetter mal einen Tag ein klein wenig aussetzt, und ein kalter Westwind pfeift. Letztes Jahr um die Zeit, das war schlimm! Dieses Jahr ist das doch alles bestens.



Und weil es so gut läuft, achtet man doch gar nicht auf das, was sonst so ist, das Rauschen des Windes in den Ohren, die Wellen auf dem Wasser, und gut, es ist so ein leicht spannendes Gefühl im Kiefer wie nach dem Cabriofahren im Frühling - also nachher also besser eine Ibuprofen einwerfen und vorher noch eine Runde.



Eine Runde zu viel, genau genommen, bei diesem Wind, und die Ibuprofen zu spät, wie sich dann am Abend zeigt. Das passiert halt manchmal. Es gibt welche mit vereiterten Ohren, das soll schlimm sein - ein paar Tage daheim herumliegen und auskurieren bedeutet bei mir nur, dass ich den Leserückstand aufholen kann. Und nichts schreiben, Schreiben bringt Blut in den Kopf und das ist gerade nicht so gut - wie vieles andere.



Schnell noch den letzten Zucker weg, Kamillentee gekauft und dann beginnt der Selbstversuch "ein paar Tage ohne aufputschenden schwarzen Tee". Alles muss schön ruhig bleiben. Keine falschen Bewegungen. Kein hoher Blutdruck. Und das nächste Mal wieder die Kappe aufziehen. Das letzte Mal ist sowas vor 2 Jahren im Sommer doch auch bei einer langen Gegenwindtour passiert. Lernen durch Schmerz, nur ohne lernen, nicht wahr. Deshalb schreibe ich es jetzt auch auf.

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Mittwoch, 29. Januar 2014

Sie hatten ja nichts

und auch heute noch haben viele noch immer sehr wenig, die Flaschensammler, die schwarz arbeitenden Rentner, die Aufstokcer und Schufaopfer, die alle froh sein können, wenn sie nicht bald mit 65 den Führerschein abgeben können.

Aber trotzdem:



Teneriffa ist auch eine Schockbehandlung zum Thema Rentenkasse - selbst wenn man am Tegernsee so einiges gewohnt ist. Mag sein, dass es in den billigeren Ecken anders - und jünger - zugeht, aber es ist schon derb und doch, sie haben inzwischen schon mehr als nichts, sondern recht viel und wie das gesamtgesellschaftlich gut gehen soll, das weiss ich auch nicht.



Vermehrte Zuwanderung für den Niedriglohnsektor jenseits der Bereiche, in denen Akademiker zur Not unterkommen? Oder lebt man damit, dass die Altersblase biologisch auch irgendwann abgeba weg sein wird und dann wieder alles normal weiter geht für die, von denen sie sich hier ein schönes Fleckchen Erde borgen, und zwar zum Rentnertarif unter Null?

Man darf hier nicht zu viel nachdenken, sonst wird das mit dem Genuss nicht ganz so einfach.

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Mittwoch, 1. Januar 2014

Der Widerspenstigen Lähmung

Von Ludwig XIV stammt der Spruch, er würde mit jeder Ernennung, die er vornimmt, 100 Verbitterte erschaffen, und einen Undankbaren. Er hatte es einfach.

Ich will das gar nicht auf die Debatten um den ganz harten Feminismus bezogen sehen, aber natürlich ist es so, dass meine persönlichen Präferenzen bei Autorinnen sind; dass bei Rivva vor allem Männer sind, hat mit meinen Vorlieben nichts zu tun. Ich lese mehrheitlich Blogs von Frauen und habe generell den Eindruck, dass sie im Durchschnitt die fähigeren Community Managerinnen sind. Das war früher meine Meinung und ist es auch heute noch, da die Entwicklungen Phänomene hervorgebracht habe, die mich einfach überfordern.



Dazu muss man sagen, dass ich selbst sehr, sehr gute Gründe hätte, Minderheitenschienen zu reiten, und weil ich weiss, wie übel das ausgehen kann, mache ich das nicht. Nie. Unter gar keinen Umständen. Ich kenne auch genug Leute, die sich in meinem Bereich ideologisch im Gefühl einer komplett feindlichen, sie diskriminierenden Umwelt eingraben, und natürlich können sie auch bestens belegen, dass es so ist - aber nach meiner Meinung gibt es in der deutschen Gesellschaft keinen weit verbreiteten, strukturellen Antisemitismus mehr, und auch viele andere früher brutalst unterdrückte Gruppen leben heute in einer vergleichsweise freien Gesellschaft. Wer schwule Freunde seit 25 Jahren hat, der sieht einfach die Unterschiede. Es ist noch nicht perfekt. Und es ist jedesmal, siehe Einwanderung aus Osteuropa, auf's Neue ein G'fred. Aber diese Gesellschaft ist durchaus eine, die gezeigt hat, dass sie auch ohne dem T-34 vor dem Haus und der B-17 über dem Grundstück lernen kann.

Im eigenen Laden rennen genug Überidentifizierte rum, die sich über die Mär eines strukturellen Antisemitismus aber gut Freund machen wollen, und da hebt es mich halt, so wie es mich bei Theorien wie "Critical Whiteness", "Rape Culture", "Klassismus" und "Ableismus" hebt. Zum letzteren Thema könnte ich übrigens auch was sagen, ich wurde nicht umsonst ab der 11. vom Sport berfreit und war für den Barras so untauglich, dass die Kommission, vor die man mich irrigerweise gestellt hatte, bitter weinte, bis ich mich über sie lustig machte. Dass am gleichen Gymnasium, an dem ich war, Fehlverhalten der Lehrer heute für sie Folgen hat, die zu meiner Zeit undenkbar gewesen wären: Das ist der Fortschritt. Und der ist gut und erkämpft gegen die, die sich wirklich extrem mies verhalten haben. Das haben ganz normale Leute gemacht, Elterm, Schüler, Kollegen. Und zwar ohne jeden theoretischen Unterbau.



Es bleibt in einer relativ liberalen Gesellschaft wie der unseren, die sogar CDU und CSU und den Papst zwingt, sich neu zu erfinden, natürlich nicht aus, dass es auch Auswirkungen auf jene hat, die abseits stehen. Und mit der Liberalisierung verändern sich auch manche Problemfelder. Böse gesagt: Wer neben der Spur laufen will und entdeckt, dass alle Spuren zulässig sind, sucht sich halt was besonders Krasses, um auszuticken. Weil es nicht um Probleme geht, sondern um das Ausleben der eigenen Probleme. Ich hatte ein Zeit in meinem Leben recht unvermittelt recht viel mit psychisch labilen Menschen zu tun: Jeder hat seine Geschichte und seine Theorie, warum er so neben den Regeln laufen muss. In sich ist das sehr oft von einer bestechenden Logik, denn die Betroffenen waren alle sehr klug und sehr sensibel. Aber es ist halt nicht gerade schön, und ob einem die Wohnungszertrümmerer und Selbstmörder von 1990 besser gefallen als die Magersüchtigen von 2013, muss jeder selbst entscheiden.

Ich bin wahrlich kein Fan der scheidenden Familienministerin. Ich halte auch das Betreuungsgeld für grundfalsch. ich muss aber irgendwie akzeptieren, auch wenn es mir schwer fällt, dass viele es gern annehmen. Und ich muss auch damit leben, dass eine Bekannte das macht, weil ihr die Kitas in der Region zu katholisch verseucht sind. Ich kann das halbwegs nachvollziehen, und wenn sie lieber die Kinder erzieht, dann habe ich kein Recht, sie dafür zu kritisieren. Sie will das halt so. Das ist noch nicht mal Prägung einer frauenfeindlichen Gesellschaft, sondern einfach das, was sie sich überlegt hat. Sie findet das Betreuungsgeld super. Sie ist damit nicht allein.

Vom Standpunkt der Kritik an der Theorie des Klassismus könnte man sagen: Ist doch super für die Armen, wenn sich hier relativ reiche Doppelverdiener dank einer kleinen Förderung einen hochbezahlten Posten jemandem überlassen, der es vielleicht nötiger braucht. Aber natürlich, für die Ideologie der Frauenquote ist es natürlich Gift, wenn eine führende Mitarbeiterin, in die eine Firma viel Geld gesteckt hat, mit 35 beschliesst, nur noch Mutter zu sein. Damit ist das bei mir daheim trotzdem vertretbar. Aber im Internet müsste man das schon noch formschöner begründen, um nicht als "Masku" angegriffen zu werden.



Ich hatte zwischenzeitlich mal den Fall, dass ich in einer kritischen Lage für eine frisch gewordene Mutter eingesprungen bin, in einer Zeit einer krassen, von ihr vorher mit verursachten Krise. Und ich durfte auch erleben, wie ihr Interesse am Muttersein nachliess, als die Krise vorbei war, und der Job wieder schöner erschien. Das alles ist nicht schön, aber es passiert nun mal. Kein Anlass, da eine Theorie der Diskriminierung daraus zu basteln. Man kennt das, das gibt es unter vielen Vorzeichen. Das ist nicht weiblich oder männlich, es ist menschlich unschön.

Unschön ist es aber auch, wenn all diejenigen, die mit diesem Gang der Welt und der menschlichen Neigung, Vorteile und Vorurteile auszunutzen, so unzufrieden sind, dass sie darin ein allgemeines System erkennen. Das sind die Wurzeln des Antisemitismus des 19. Jahrhunderts, es ist die Basis der Kommunistenhatz in den USA nach 1945, es ist wie in der Klapse: Man baut sich ein System, das in sich logisch ist, und so konstruiert, dass alle äusserlichen Erscheinungen im Sinne des Systems interpretierbar sind. Zwei der wirklich harten Texte des letzten Jahres (kein Link) sind von Frauen geschrieben, die im normalen Umgang durchaus ihre wichtigen Punkte haben, mit denen man reden könnte - man muss ja nicht einer Meinung sein - aber sich dann zu den Gruppen verabschieden, die solche Theorien bieten. Abweichungen sind nicht möglich. Feinde werden definiert und ausspioniert (ich gehöre natürlich auch dazu) und wer mit dem Feind möglicherweise in Verbindung steht, wird brutal ausgegrenzt. Die kennen nicht mehr wie ich die alten K-Gruppen, aber sie können das aus sich heraus.



Die Ausgrenzung kommt übrigens von Leuten, von denen ich teilweise sehr genau weiss, dass sie absolut nicht so sind, sondern mehr so wie ich, verhuscht, nicht leicht zugänglich und keine Rampensäue. Mir gibt meine Klasse einen gewissen Halt und ihre distanzierten Formen, denen halt ihre neue Gruppe und die Gelegenheit, jetzt etwas zu tun, was früher nicht möglich war. Um sie herum sind die Allys. Das sind Leute, die eine Illusion eines sozialen Umfelds aufbauen, indem sie Andersdenkende runterputzen. Michael S., Johannes P., Aaron J., Hakan T., Leute, die das wirklich auch in ihre Accounts, in die Partei oder als Doppelagent in die Süddeutsche Zeitung tragen. Idealbeispiel ist Julian Assange, der nun mal ein Recht auf Unschuldsvermutung hat, und kein verurteilter Verbrecher ist. Das ist diesen Leuten völlig egal, und wenn der CCC ihnen den Freiraum bietet, zur gezielten Störung einer Veranstaltung aufzurufen und die auch durchzuziehen - dann tun sie es eben. Das kommt dabei raus, wenn man ein eigenes System der Logik hat, dann sieht jedes Problem aus wie ein Stecker, den man ziehen kann. Der eine macht es und Hakan T. berichtet darüber bei Sueddeutsche.de, und man verbucht das intern als Erfolg.

Alles klar?

Nein. Das sind auch Menschen und der Unterschied im Internet ist, dass es jede Menge Verbindungen gibt. Mit zwei der härtesten Vertreterinnen der Szene habe ich schon zusammengearbeitet, und eine, die heute andere bedroht, wenn sie etwas mit mir machen, hätte vor zwei Jahren viel darum gegeben, wenn sie etwas hätte machen können. Es gibt Beispiele wie eine konsequente Berlinerin, die klare Vorbehalte hat, mit der man darüber reden kann, und die es einfach nicht will, egal wie ich sie bitte: Das ist in Ordnung. Mein Risiko, es lohnt sich trotzdem, es einzugehen, denn weder sind die alle doof oder schief gewickelt; für mich in dem Bereich eher unideoligischen Menschen macht es nichts aus, wenn sie an eine Rape Culture glauben, aber vielleicht dennoch etwas über Kunst oder Liebe oder Bücher oder Orte erzählen können. Ich zum Beispiel finde Blogs über sozial bevorzugte Kreise - auch die gibt es - sagenhaft langweilig, inzestuös und verlogen, und lese gern aus anderen Erfahrungswelten.



Aber mit dem Erfolg von #Aufschrei sehe ich eine gewisse Uniformierung und einen Gleichschritt bei einer Gruppe, die mich ziemlich an Adical/Adnation erinnert. Damals ging es darum, die Blogger reich zu machen, jetzt geht es darum, aware zu machen. Für eine Ideologie, die ich kenne und verstehe, denn sie ist logisch und leicht verständlich und nur in bestimmten, reale Erfahrungen ausschliessenden Zirkeln überlebensfähig, weil die reale Welt darauf so viel gibt wie auf den Revoluzzer Häusler, den Startupförderer Lumma, den Vermarkter Lobo, oder den BGE-Freund Ponader. Kurz, es wird, es muss scheitern.

Das ist dann natürlich der Beweis für die Richtigkeit der Rape Culture.

Was an der Sache so amüsant ist: Diese feministische Ideologie ist ja nicht wirklich Teil der Vorstellung, wenn man Fragebögen ausfüllt, um Partnerschaften zu finden. Sie schlägt zwar in den Präferenzen durch, aber diese Präferenzen können auch andere haben. Beruflich habe ich ein paar recht ehrliche, aber nicht aktiv genutze Profile laufen, unter anderem bei einer Seite, bei der recht viele Vertreterinnen dieser Ideologie, teilweise auch noch nach der Heirat, ihre Profile stehen haben. Ungelogen: Unter den 10 deutschen Top Matches sind drei radikale Feministinnen, mein Score schlägt den ihrer Allys, die auch dort sind, um Längen.



Eigentlich sollten wir sofort heiraten. Vermutlich, weil es weitgehend einfach passt. Nur halt nicht in diesem einen Punkt.

Aber die - für sie letztlich - bittere Wahrheit ist wie damals, als in meiner Heimatstadt so viele meinten, sie müssten jetzt Schlaftabletten nehmen oder vom Baugerüst springen. Wir sind jung, liberal, aufgeschlossen, links, reformfreudig, zukunftsorientiert und bitte, ich habe eine von denen getroffen und wusste nicht, wer das ist und fand sie wirklich reizend. Aber da ist halt noch das ideologische Gerüst. Und das wird im Internet entscheidend. Es ist so leicht, sich im Leben ohne diese Ideologie zurecht zu finden. Wer darauf nicht verzichten kann, landet in Seemanns Podcast, ruft die Antifa zu Hilfe, stalkt mich und meine Freunde, und diskutiert die Schüchternheit im Netz in jenen Phasen aus, da keine Kraft da ist, Blockempfehlung zu betreiben.

Das geht mit der Ideologie. Wir werden, das ist mein Eindruck, 2014 im Netz davon noch mehr sehen, denn es bringt in der Filterbubble Erfolg. Und die Filterbubble wird der einzige Bezugsrahmen, so wie es bei der Antifa die Bezugsgruppe und bei den rechten Hohlköpfen die schlagende Verbindung mit Ariernachweis ist. Bei mir ist das halt anders, ich komme und lebe in einem sehr vielschichtigen und intakten Umfeld, das unter einem hohen Veränderungsdruck steht. Meine Klasse geht unter. Wir sterben aus. Wir sind nur noch Spielball des entfesselten Kapitalismus. Ideologien wären da mittelfristig tödlich.



Ich war heute am See, und es war sehr schön. Vielleicht sollte ich mir meine Geschichten wieder mehr dort suchen.

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