: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Montag, 20. Februar 2017

Landleben

Jede Stunde, jeder Tag ohne Pollenflug zählt. Es ist ja immer ein blödes Gefühl, wenn man genau weiss, dass die Krankheit kommt, wenn man sich fortbewegt. Das gibt es vermutlich nur beim Heuschnupfen.





Ausserdem gibt es etwas zu feiern - demnächst lebe ich, man mag es kaum glauben, seit 9 Jahren hier am Tegernsee. 9 Jahre ist eine lange Zeit, am Anfang war es noch etwas kahl - meine Mutter hatte gar vorgeschlagen, es bei ein paar Betten, dem Gartentisch und den Stühlen zu belassen, und vielleicht noch eine Kleiderstange aufzustellen. Was braucht man schon mehr? Vieles, wie man sieht. Inzwischen gibt es hier eigentlich alles im Überfluss, sogar spezielle Kleidung. Und natürlich einen grossen, alten Kleiderschrank. Und Bilder, und was man halt so braucht, wie mindestens 7 verschiedene Service. Es geht hier recht mondän zu, dafür, dass es eigentlich nur eine mittelkleine Wohnung ist.





Trotzdem kann man es gut aushalten, die Wohnung passr wie ein Handschuh. Ein Raum mehr wäre nett, ein grösseres Kellerzimmer wäre auch fein, aber ich will nicht jammern. Es passt.

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Freitag, 17. Februar 2017

Frühling

Und die Leute geben wieder ihre wenig benutzten und noch weniger gebrauchten Dinge weg - schliesslich gibt es etwas Neues, und das ist besser. Vermutlich ist auch irgendwann vergessen, was für ein Hersteller Hercules war, und wie bedeutend für die Geschichte Nürnbergs im vordigitalen Industriezeitalter. vielleicht begann das Vergessen schon lang. Sonst wäre die gut erhaltene 3-Gang-Estrella kaum hier.



Das Moser Rennrad dagegen sollte nur repariert werden, weil die Schaltung nicht mehr funktionierte. Dass ich es vermutlich nehme und zerlege, liegt nicht an meiner Brutalität, sondern am Umstand, dass der Rahmen rund um die Tretlagermuffe und auch in der Muffe um das Sitzrohr herum gebrochen ist. so etwas habe ich noch nie gesehen, es ist auch kein Rost im Rohr. Für einen Stahlfreund ein bitterer Anblick. Die Teile - Campagnolo - werden somit ein anderes Rad zieren.



Und dann gibt es noch Leute, die zahlen 80 Euro für ein Schaltwerk, misshandeln es beim Schalten, dass die Feder herausspringt, und werfen, weil sie nicht wissen, wie man es öffnet, das Ding in den Container. Und lassen sich etwas Neues einbauen. Ich persönlich mag diese überkandidelten Shimano-Schaltwerke nicht besonders, aber nach einer Viertel Stunde lief es wieder wie gewünscht. Das nimmt man in der Form natürlich gern.



Es ist erfreulich. Es ist trotzdem ein Wahnsinn. Und dann rollen sie auf schweren, billigen 29ern durch die Stadt und fühlen sich gut. Nun ja. Ich werde alt.

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Freitag, 23. Dezember 2016

Umhängen

Manchmal verschätzt man sich. Es ist nicht ganz leicht, über das Internet die Grösse von Bildern zu beurteilen und gleichzeitig auch nicht am Tegernsee zu sein, wo man vorher nachmessen müsste. Ich könnte natürlich einmal am Tegernsee messen und die Zahlen aufschreiben, aber ich bin ein Mann und ich lese ja auch keine Bedienungsanleitungen. Dafür kann ich zuverlässig Nägel in Wände schlagen. Dafür habe ich ein Gefühl. Und ausserdem war diesmal das Glück mit den Tüchtigen



(Generell ist mir natürlich klar, dass die aktuelle Wohnmode weisse Wände und ganz wenig Möbel verschreibt, und alte Bauernschränke nicht die glatten Oberflächen haben, die man heute schätzt. Dafür habe ich den Schrank geerbt und konnte mehr Geld für Bilder ausgeben.)

Tatsächlich wäre oben noch etwas Platz, und den habe ich auch tatsächlich ausgemessen. Es hat Jahre gedauert, bis ich die Bilder zufällg beisammen hatte, und was fehlt, kommt sicher auch noch irgendwann. Vorerst jedenfalls wird es so bleiben. Nachverdichten kann ich immer noch. 5 Gemälde sind auf einen Schlag untergebracht. Eigentlich könnte ich wieder kaufen.

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Mittwoch, 21. Dezember 2016

Etwas Schönes

Um 1820. Biedermeierdamen sind ja meistens eher nett als scharf, aber natürlich gab es damals auch Frauen, die Heine lasen und profunde Kunstkenntnisse hatten - sonst hätten sie sich nicht mit antikisierenden Anspielungen auf den Venusgeburt abmalen lassen.



Ja, ich weiss, ich habe keinen Platz mehr, aber das heisst doch nicht, dass man so etwas anderen überlassen sollte.

Meistens ist es übrigens so, dass ich mich krass unterschätze: Ich gehe gewissermassen mit einem finanziellen Messer zu einem Kampf mit Kanonen. In diesem Fall war es anders, diese Dame wollte ich wirklich und war bereit, auch eine erhebliche Summe zu bieten,

Aber diesmal kamen die anderen nur mit Taschenmessersummen. Ich verstehe nicht, warum. Hat jemand geschlafen? Waren da zu viele Weihnachtsfeiern in Kliniken? Normalerweise dürfte das nicht sein, aber so war es eben. Vielleicht wolllte sie einfach auch zu mir an den Tegernsee.

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Montag, 12. Dezember 2016

Burgenland

Vor 20 Jahren gab es noch eine Halle in Pfaffenhofen, die inzwischen längst abgerissen ist. Dort fand ich in einer Kiste ein kleines Barockgemälde mit einer Wasserburg.

Vor 8 Jahren kam dann noch eine Torszene einer Burg dazu, mit italienischem Himmekl darüber.

Vor 5 Jahren entdeckte ich eine Burg in Italien, gemalt um 1880, mit einer Strassenszene davor.

Und vor zwei Jahren tauchte günstig eine verschachtelte, burgartige Stadt aus den Niederlanden auf, vielleicht so gehen 1670 gemalt

Alle Bilder haben goldene Rahnen, alle hatten keinen rechten Platz.

Und nun fand ich noch eine Burgenszene des Historismus, vermutlich aus Thüringen.



Mit gewissen Anklängen an Spitzweg, so gegen 1870 entstanden. Malerisch bröckelt der Putz an nicht zu ernsten Türmen, davor plätschert ein Brunnen.

Jetzt sind es 5 und genug, um sie am Tegernsee zusammen aufzuhängen. Es hat etwas gedauert, das stimmt, und sie sind weder gleich alt, noch habem die die gleiche Herkunft. Aber im Eingang der Wohnung ist es ganz nett, auf feste Burgen und ihre gastfreundlichen Tore zu schauen und zu denken: Das hier ist meine kleine Bergfestung.

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Samstag, 10. Dezember 2016

Grundstock

Eine etwas schmierige Ecke in der Werkstatt.

Eine alte, verbeulte Pappschachten.

Glänzendes Silber, öliges Schwarz.

Ich habe keine Hemmungen und greife hinein.

Das hat jemand heute abgegegen, sagt der Mechaniker. Wenn Du etwas brauchen kannst...

Da ist schon der Volltreffer in meiner Hand.



Ein alter Suntour AP Schraubkranz, 7fach, 13-30. Die meisten alten Zahnkränze sind 14-28, aber der hier hat einen Gang mehr und geht weiter rauf und runter. Man kann damit eine kleinere Kurbel fahren, und kommt deutlich leichter den Berg hinauf. Es gibt solche Zahnkränze auf der LEroica, aber da kosten sie 50 Euro oder mehr. Und Suntour hat damals die besten Kränze gebaut. Unverwüstlich. Der hier liegt sicher schon ein paar Jahrzehnte herum und ist haklig. Ein paar Tropfen WD 40, und er schnurrt wieder wie neu. Srrrrrrrrrr.

Nehme ich. Die perfekte Basis für ein neues Rad. für neue Heldentaten im neuen Jahr.

Eigentlich bin ich sehr leicht, mit so einer alten Kiste glücklich zu machen. Wenn es nur immer so wäre.

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Mittwoch, 7. Dezember 2016

Nikolaus!

Prinzipiell bin ich natürlich Atheist., aber die Ausrede, dass am 6. Dezember der Nikolaus kommen sollte, wollte ich mir dann doch nicht entgehen lassen. Ausserdem schärft es mein feministisches Profil, dass ich eine Quote eingeführt habe, und diesmal eine Nikolausine eingeladen und behalten wurde:



Spass beiseite, im Rahmen versteckt ist die Rechnung für Restaurierung und Neurahmung in einer ziemlich extragantem, marmorierten Massanfertigung. Ich hoffe, der Vorbesitzer hat es genossen, und es war ihm die Sache wert - und er bekommt nicht mit, wie wenig so etwas heute noch, auf dem harten Boden der Marktrealität, finanziell geschätzt wird.

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Samstag, 3. Dezember 2016

Heiratsmaterial

Ich habe, wie so oft, keinen Hinweis darauf gefunden, wer sie ist. Sie ist eine Frau, die um 1740 geboren und um 1760 bei befreundeten Familien herumgereicht wurde - zu diesem Zweck hat man derartige Bilder malen lassen, mit einem gewissen, schlamlosen Schwerpunkt auf den Reichtum, der in Kleid und Schmuck zum Ausdruck kommt.



Menschen vergehen, Kulturen verschwinden, Artefakte bleiben und werden zur Kunst, wenngleich der Wert auch schrumpft: Absoluter Luxus war es, damals ein Bild von sich zu haben. Heute müsste man nur mit dem Rauchen aufhören oder auf eine Telefongeneration verzichten, um sich das hier leisten zu können.

Von uns dagegen werden nur ein paar unauslesbare Speicherkarten bleiben.

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Sonntag, 27. November 2016

Zu jung

Heute wäre Flohmarkt in Pfaffenhofen gewesen.

Dieser Flohmarkt ist besonders, denn er ist vor Weihnachten und deshalb kauft man sich dort schon mal das, was man sich selbst schenken möchte. Ich mag das alles dort wirklich gern, die Stimmung, die Leute, das Tempo, das Angebot. Ich finde eigentlich immer etwas.

Aber wenn ich diesmal hingehe, fahre ich mit dem Krankenwagen zurück. Und wirklich viel Lust auf Atemnot und Röcheln habe ich auch nicht. Also bleibe ich schön brav daheim und bin froh, gewissermassen vorab mein Geld schon ausgegeben zu haben.



Dazu eine Bemerkung. Das ist eines der Bilder, für das ich ein Mehrfaches dessen bezahlt hätte, was ich dann tatsächlich bezahlen musste. Mitgeboten habe ich, weil es eine Frage der Ritterlichkeit ist, zumindest um das zu kämpfen, was man will. Aber hier nun war es ganz anders als sonst. Irgendwie wollte niemand so richtig, und ich sass da und dachte: Jetzt muss doch mal jemand kommen und drüber gehen, und dann noch einer und noch einer, das kann doch nicht unter 1000 Euro bleiben.

Dem war aber nicht so. Müdes Bieten, lustlose Käufer, und am Ende war es mir fast peinlich, dass es so günstig blieb - ich kenne den Händler, er ist ein guter Mann, und dass es derartig liegenbleiben würde, hat uns beide überrascht. So oft kommen nun solche Portraits aus Frankreich hier auch nicht in den Handel, zumal, wenn es sich um hübsche Kinder handelt. Vielleicht wird das alles auch noch schlimmer, und es ist wirklich so, dass wir ein Tal der Kunsttränen durchschreiten.

Dann kaufe ich halt auf Vorrat. Möglicherweise lag es einfach am Alter der Dargestellten, und mancher schrak zurück, ein Kind - 14 Jahre vielleicht? - derartig aufgerüscht und bereit für den Verkauf auf dem Heiratsmarkt an die Wand zu hängen.

(Am heutigen Abend bin ich dann aber wie gewohnt brutal abgesoffen)

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Donnerstag, 4. Februar 2016

Allesnutzender Nichtsnutz

Ich darf gar nicht erzählen, wie dummdreist meine FAZ-Texte eigentlich sind. Ich sitze also nach einer langen Nacht noch in Trance auf dem Sofa, da klingelt es, und die Post bringt ein Bild. Dann finde ich einen mich anklagenden Kommentar, der es nicht verwindet, wie wenig ich leisten musste, um an meine Position zu gelangen. Dem könnte ich antworten, dass es verdammt harte Arbeit ist, jahrelang bei der FAZ monatlich zehnmal Topqualität abzuliefern, auf die die Leser schon gierig warten. Dass er sich das mal nicht so locker vorstellen soll. Ich sitze da nämlich nicht auf dem Sofa und niete seinen sozialneidigen Leserkommentar mit der Geschichte des Bildes, das gerade kam, zusammen, um das CMS zu füttern. So geht das nicht bei der FPunktAPunktZPunkt, der Herr.



Die Wahrheit ist: Doch. Genau so geht das. Ein dummer Kommentar wird an ein Bild genietet, und dann läuft es. Ich lebe davon, nichtsnutzig auf dem Sofa zu liegen und das gut und schön zu finden. Diese Welt ist grausam und ungerecht. Zu anderen.

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