: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Samstag, 15. Juli 2006

Die letzten Strahlen

und die letzte Sägerei im Abendlicht, draussen, während unten im Hof die nächste Party steigt, mit totem Vieh und anderem Zeug aus dem Supermarkt.



Einmal die Woche gehe ich da auch hin, für alles, was ich nicht woanders bekomme. Ich verabscheue Supermärkte, aber ein paar Mal muss es sein. Wenn ein paar von den Elitejings vor mir sind, frage ich mich jedesmal, ob die jede Nacht irgendwelche Frauen abschleppen, oder wo das Zeug sonst hingeht. Billigstes Zeug, das Erwachen kann bei diesem Wetter gar kein Spass sein. Vermutlich ist das alkzerstörte Aussehen dann ein Anlass, um am nächsten Nachmittag den Überarbeiteten zu geben. Nur, wenn die jetzt schon so saufen, was machen die erst, wenn sie mal eine Unternehmenskrise bewältigen sollen. Die Betriebsapotheke plündern, vielleicht. Veronal ist optimal, sagte man damals in der späten Munich Area.

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Real Life 13.07.06 - Die Naturgewalt

Er braucht nur eine Gummidichtung. Er trägt sie lässig, das Holzfällerhemd ist hochgekremüelt und gibt den Blick auf dicht behaarte Oberarme frei. Ein paar Tatoos hat er auch, und seit seiner besten Zeit, Ende der 50er, hat er seine Frisur nicht mehr gewechselt. Der Hals ist dick und kurz, der Körper gedrungen und kompakt, aber nicht fett. Ein Akkordler aus der grossen Fabrik wahrscheinlich, der vor ein paar Jahren ausgestiegen ist. Solche Leute steigen mit bis zu 200.000 Abfindung in den Vorruhestand aus. Den Rest ihrer Tage, solang es die Beine mitmachen, rennen sie herum, zeigen bei jeder gelegenheit ihre am Stahl gehärteten Muskeln, stehen sie nicht still und schieben die Hände nicht in die Taschen. Wer sich in der Firma nicht bewegt und die Hände in der Tasche hat, der hat nichts zu tun und wird von der Seite angesprochen. Man muss immer etwas in der Hand haben, man muss sich immer bewegen, immer bereit sein und immer etwas tun, hinlangen, zupacken, ein Mann sein, a guada Mo mit allen Folgen für das Machotum und Zuschlagen und den Bordellbesuch oder den Abstecher nach Tschechien. Deshalb steht er nicht einfach an der Kasse, sondern wackelt rum, schüttelt die Arme, begutachtet die Dichtung, schaut sich um, und dann, als er an der anderen Kasse sieht, dass dort weniger los ist, wendet er sich an seine ähnlich kompakte Frau im braunen Blümchenkleid und sagt:

Kumm, do is stenga weniga o, gemma niba.

Sie schaut ihren Brocken Mann regungslos an, er schaut zurück, hört auf, ungeduldig herumzuwackeln und schaut wieder den Dichtungsring an. Kurz danach sind sie an der Reihe. Sie nimmt ihm den Dichtungsring aus der Hand, legt ihn auf die Theke, zieht einen Geldbeutel heraus, ein mächtiges schwarzes Ding, wie es hier die Kellnerinnen tragen, mit vielen Fächern, in denen sich Karten und Bilder türmen, zieht dann einen grossen Schein heraus.

Woat, sagt er, zückt einen kleinen Geldbeutel, ein scharzes Lederheft, wie es Kinder bei der Sparkasse geschenkt bekommt, flach und abgegriffen, und stellt dann fest, dass er so viel nicht dabei hat, was sie sowieso schon wusste, weshalb sie die Kassiererin mit einem Kopfschütteln instruiert, auf den grossen Schein herauszugeben. Sie nimmt das Geld, drückt ihm wortlos den Ring in die Hand und einen Zehner, und dann gehen sie, sie vorran und er wackelnd hinterher, und du schwörst dir, nie mit anderen Frauen als zickigen, verwöhnten Grossstadtgewächsen zu schlafen, die sind in Wirklichkeit viel anspruchsloser und handzahmer und überhaupt nicht so tödlich wie die Frauen, die diese Provinz hervorbringt. Gleich nachher gehst du Pralinen kaufen und dann auf die Post.

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Stackenblochen

oder: Orte, an denen der Deutsche seinen Spass hatte.



Und wenn der Deutsche den Platz verwüstet hat, kommt der Nichtdeutsche, räumt auf und stellt es alles wieder so hin, dass der Deutsche wieder seinen Spass haben kann.

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