: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Sonntag, 1. August 2004

Freund der Nacht.

Er versteht nicht, was Glas ist, er würde immer so weiter gegen mein Fenster fliegen, bis er sterben würde.



In der grossen Bilanz des Lebens spielt es keine Rolle. Aber wen interessieren schon grosse Bilanzen. Ich stelle einen Bleikristallkelch über ihn, schiebe ein Blatt von einem McK-Resaerch runter, der keine Bedeutung mehr hat, ausser sein grosses Spiel weiter gehen zu lassen, und bringe ihn raus, in die Nacht, die sich manchmal als Tag tarnt, aber ich kenne dieses Spiel ja schon. Er fliegt weg, dem nächsten Glas, Kühlergrill oder Paarungsmöglichkeit entgegen.

Erinnert mich irgendwie an ein paar alte Freunde.

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Real Life 31.7.04 -Was ich an ihr so mag

Sie ist hochintelligent. Ich habe mich immer gefragt, wrum sie dann trotzdem so daneben gegriffen hat mit ihren Jobs. Sie hatte all die hard und soft scills, die man brauchte, um zu sehen, was da kam, aber ihre leicht grün schimmernden Augen - die sind nicht grün, würde sie jetzt sagen - waren blind. Sie nimmt das alles mit einer schlichten Ergebenheit in das Schicksal hin. Sie sagt selbst, dass ihre Chancen im Grossen und Ganzen vobei sind, und bis es wieder besser wird, setzt sie alles auf hold und wartet ab. Sie wartet jetzt seit drei Jahren auf diesem Posten, für den sie restlos überqualifiziert ist.

Sie ist sowas wie eine Konstante in meinem Leben, das keine geraden Linien kennt und keine Reisegeschwindigkeit. Sie ist eine von denen, mit denen man sofort gründen möchte, damit sie wieder ihre Flügel aufmacht und fliegt, denn dafür ist sie eigentlich geschaffen, das hat sie gelernt, und das, was ist, stand in keinem Plan und keinem Proposal.

Wir sitzen in diesem Restaurant/Cafe, wo so viel begann, und wo ich eigentlich nicht mehr hin sollte, weil es hier zu viele bad memories gibt, mein Augen rattern über die Tische wie ein Lesekopf über eine defekte Festplatte, denn die Tische sind noch da, im Winter wird hier auch wieder so ein grosser, grünroter Weihnachtsbaum in der Mitte stehen, aber die Leute von damals sind alle weg, verschwunden, mein alter 2001er Business-Verteiler hat 97% Bounces. Erst gestern Nacht wieder ausprobiert. Irre, vielleicht. Kann sein. Sie hat als einzige geantwortet, ob ich wieder in der Stadt bin.

Wir sitzen in den Trümmern unserer Vergangenheit und schauen den Studentinnen beim Geldabzählen zu, 2 Getränke und eine halbe Schachtel ist ein Frühabend ohne zu viel Belästigung. Alles steht still. Alles auf Anfang. Sagt sie, und ich vermute, dass sie Recht hat. Dann lesen wir Kontaktanzeigen "Sie sucht Sie", und damit sind wir wirklich wieder am Anfang, denn 1996, als alles begann, haben wir das auch gemacht und uns überlegt, was eigentlich eine gute "Sie sucht Sie" Anzeige ausmacht. Ich hatte einen dummen Vorschlag, einfach so, und sie sagte, ne, der ist nicht dumm, da kann man was draus machen.

Sie hat was draus gemacht. Einen Nobeleingang zu ihrer privaten Hölle, für die sie vielleicht sonst einen Nebeneingang hätte nehmen müssen.

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Samstag, 31. Juli 2004

Dotcomtod down

Wer drüben bei Dotcomtod war, oder auf der Suche nach Dotcomtod hier her kam, wird es gemerkt haben: Dotcomtod ist, nein, nicht tot, aber im Moment nicht verfügbar.



Wenn man so will: Das ist eine Solidaritätsabschaltung für Antville und Blogg.de. Nicht von uns, sondern vom Server. Aber es wird eifrig geschraubt und debugged.

Gehen Sie doch so lange zu Spiegel Online und ärgern Sie sich ein wenig über den dortigen Qualitätsjournalismus. Lesen Sie ein gutes Buch. Gehen Sie baden - tun wir ja auch gerade mit unserem Server.

Geniessen Sie das Leben jenseits des Netzes. Genau.

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Freitag, 30. Juli 2004

Schwarze Rosen am Grab:

Black Roses Project bei Bondage verunglückt

MAMMAAAAAA! plärrt das Balg auf seinem Tretrad in das Blau über Berlin Mitte hinein. MAMMAAAAAAAA!!! Mama ist gut 20 Meter weit die Strasse runter in einem Cafe. Sie trägt einen Batik-Rock und darf als Idealtypus der aus dem New-Economy-Erwerbsleben ausgeschiedenen Neumutter Modell Berlin Mitte gelten. Sie hat einen orangen Kinderwagen dabei. Dass ihr Balg mir die Trommelfelle durchdengelt, ist ihr egal. Sie starrt weiter in ihre Zitty, Monopol, Voss oder was auch immer.

Ich stehe also neben diesem Balg. Und zufällig auch vor diesem Bordell in der Nähe der Kastanienallee, dessen rotes Herz mit Lämpchen auf mich bislang eher wenig einladend gewirkt hat.



Schliesslich wohnt in der Nähe eine Frau, die beim Kochen an mir vorbei Paprikaschoten, Halloumischeiben und Pfifferling geklaut hat, mit einem Blick voller Durchtriebenheit und Gier, und wenn Frauen das machen, kann man an mit Sicherheit gernzender Wahrscheinlichkeit sagen: Absolut kein Grund dafür, Geld für etwas auszugeben, was man in bester Qualität nach dem Kochen in, sagen wie mal, Tauschhandel geboten gekommt. Nein, ich kaufe mir keine notleidenden, hungrigen Frauen am Rande des Existenzminimums. Ich koche für Luxusweibchen und bleibe für weiteres. Wenn sie das wollen. MAMMMMAAAAAAA!

Mama sieht auf, sagt "Na komm", schaut wieder ihr Magazin. Das Balg fängt an zu flennen, und ich bekomme schlagartig so ein komisches Gefühl, meiner inneren Genervtheit Ausdruck geben zu wollen. Irgendwas zu tun, um den Druck abzubauen. Sozial auffällig zu werden. Irgend so was. Vielleicht hoch erhobenen Hauptes in diesen Laden da reinzugehen. Ein Zeichen des Widerstandes gegen die Invasion der orangen Kinderwägen und der Mütter mit Batik-Rock zu setzen, die am Bett wahrscheinlich auch noch Räucherkerzen abbrennen und und mit ihrer Freundin über die mangelnde Dienstleistungsmentalität in den KiTas schimpfen, bevor sie denken, dass die Kinder doch irgendwie nerven beim Glamour lesen, und überhaupt ist jetzt eigentlich Zeit, wieder an die Karriere zu denken. KRÄÄÄÄÄHHHHHHHHH!!!!

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Real Life 29/30.07.04 - Nachttransfer

22.30 Uhr auf der Stadtautobahn



und dann in die Nacht. Der gleissende Mond macht aus Wäldern, Orten und Ruinen bizarre Schattenrisse, bis er fahlorange gegen 3.30 Uhr hinter Franken absäuft. Dann erst sieht man die Sterne, und sie säumen den Weg bis in die Tiefebene, wo sie vom Neonlicht der Petrochemie und der Tankbehälter verdrängt werden.

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Donnerstag, 29. Juli 2004

Es geht dir auf den Sack.

Dieser Typ auf der anderen Seite des Schreibtischs. Er hat dich zugetextet mit seinen Referenzen und Erfahrungen, aber er hat dir nicht gesagt, was er hier will. Ausser endlich wieder ein Berufsleben, aus dem er vor zwei Jahren herausgefallen ist, wegen zu hoher Geschwindigkeit in der Abwärtskurve der New Economy. Und Karriere machen will er natürlich auch. Aber keine Revolution, sondern brav den vorgeschriebenen Weg.

Und dann puhlt er an der kleinen Macke des Eames Chairs herum. Er will dir damit zeigen, dass er weiss, dass hier auch nicht alles perfekt ist. Waffengleichheit herstellen. Dir auf diesem Weg ironisch kommen, auf der Konsumprodukts-Ebene. Bei ihm zu Hause kommt vermutlich alles von Ikea.

Du beugst dich über den Tisch und sagst, ihre Referenzen sind ausgezeichnet, keine Frage, nur bei der Beständigkeit siehst du leichte, hm, du überlegst zwei Sekunden, eins, zwei, sagen wir mal, Indifferenzen.

Hier ist es nämlich so, dass eine gewisse Beständigkeit schon wichtig ist. Du musst dafür sorgen, dass es langfristig glatt läuft, du magst straighte, konsequente Arbeit, und dafür bist du bereit, den ordentlichen Preis zu zahlen. Es ist wie mit diesen Stühlen hier, die standen hier schon lange. Die sind nicht billig gewesen, aber das weiss er ja. Eames, wir verstehen uns. Hatten wir schon lange bevor die New Economy CEOs mit ihrem toteln, kalten Hintern von ihnen wieder runtergekippt sind. Du willst Mitarbeiter wie diese Stühle. Und du willst, dass er sich als ge-nau-so zuverlässig erweist.

Seine Hand hat aufgehört, an der Macke rumzupuhlen. Er gibt klein bei und erklärt sich bereit, es erst mal mit zwei Monaten Praktikum zu probieren. Nur um endlich weiterhin auf einem Eames Chair zu sitzen, der hier schon so lange steht und nur etwas Patina angesetzt hat.

Du sagst, du gibst ihm bald Bescheid, und als du ihm kräftig die Hand drückst, damit er merkt, who has got the power, sagst du ihm natürlich nicht, dass die Eames Chairs erst seit ein paar Wochen hier sind. Da hast du ihn nämlich angelogen.



Die Eames Chairs hast du zufällig gesehen, als du geschäftlich in Mitte warst. Am Zionskirchplatz ist ein Laden mit 70ies-Möbeln, und die hatten diese Eames Chairs in blau für nicht mal 20% des Originalpreises. la fonda heisst das Geschäft, hat nicht unangenehme Kunst an den Wänden und all das Zeug aud Plastik, worauf Mitte im Moment so steht, aber auch Arne Jacobsen und Eames. Gepflegte, alte Originale aus den späten 80ern von Vitra. Die hast du sofort genommen, um das Büro aufzupeppen. Auch über den Preis konnte man gut reden. Ohne das Piercing und die 70ies-Klamotten hätte dir auch die Verkäuferin sehr gut gefallen. Deine Office Managerin, die auch dabei war, fand den farbig-schlacksigen Boss (?) des Ladens ziemlich anregend.

Und wenn du den Typen nimmst und er als unterbezahlter Prakti ordentlich Werbekunden ranschafft, dann holst du dir auch noch die Executive Chairs. Als Paar. Für dich. Privat.

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la fonda
Fehrbelliner Str. 25
10119 Berlin Tel.: 030 443 557 23
Mo. - Fr. 12-20 Uhr

siehe auch hier

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denn sie ahnen nicht, was sie damit anrichten

Da sage noch einer, man könne nichts Neues in der Blogosphäre erfinden:



Also, diese internetversaute Jugend heutzutage... wenn die so weitermachen, dann werden sich Blogs wirklich noch durchsetzen....

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Mittwoch, 28. Juli 2004

Vockerode Teil II

Vockerode liegt an der Elbe. Vockerode war früher ein wichtiger Industriestandort. Heute ist es über weite Strecken eine Geisterstadt.



Bitte auf das Bild klicken. Es sind nur Steine. Hier lebt nichts, was gefährlich werden könnte.

Alles ist tot.

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Vockerode Recreation Area II

Der erste Teil dieser Serie ist hier, die Erklärung ist hier, und hier der dritte Teil.



Über eine Treppe im Inneren kann man auch den ersten Stock erreichen. Ein früherer Besucher schrieb mit Kreide an die Wand "Macht ne Disco aus dem Gebäude". Vockerode macht nicht den Anschein, dass es genug junge Leute für so ein Unterfangen hätte.




Es wäre viel zu tun. Das Gebäude ist an vielen Stellen zertrümmert. Selbst tragende Teile sind schlecht erhalten.




Dass die Holzvertäfelung fehlt, sieht man nicht nur an den Wänden. Die Reste sind noch auf dem Boden erkennbar - als Asche von Lagerfeuern.




Hinter der Deckenverkleidung kommt nur noch der nackte Beton der Dachkonstruktion. Weitere Installationen sind nicht erkennbar. Es war sicher kein allzu teurer Bau, und auch nicht auf Dauerhaftigkeit ausgerichtet.




Sieht man durch die zerstörte Fensterfront nach draussen, blickt man gegenüber auf eine aufgelassene Industrieanlage mit Wohnblöcken. Wahrscheinlich gehören beide Objekte Zusammen. Obwohl wir uns am Rande von Vockerode befinden, ist im Umfeld von 500 Meter keine Zivilisation mehr. Nur mein blauer Fiat Punto ist ein Zeichen dafür, dass hier jemand ist. Ich. Allein. Sonst niemand.




Hier oben war wohl ein Restaurant oder eine Kantine. Im Kern des Gebäudes sind grosse, gekachelte Räume mit Metalltüren. Ausser Müll sind keine Gegenstände mehr vorhanden.




So ganz ernst wurden die Sauberkeitsvorschriften am Ende wohl auch nicht mehr genommen. Um welche Vorteilspackung es sich gehandelt hat, ist unbekannt.




Die Hauben der Oberlichter fehlen. Licht und Regen fällt ungehindert in die Räume. Der Betonboden senkt sich an diesen Stellen. Es riecht nach nasser, kalter Fäulnis.




Ausserdem sind im Obergeschoss Wasch- und Sanitäreinrichtungen. Das ist an den Löchern in der Wand noch erkennbar. Alles Verwertbare wurde entfernt.




Die Türen sind ebenfalls zerstört und verbogen. Sie bewegen sich nur noch widerwillig in ihren Angeln. Von hier aus geht es wieder hinunter in das Erdgeschoss.




Beim weg nach draussen geht es an Kleiderhaken vorbei. Sie sind sauber nummeriert und warten für immer vergeblich darauf, dass jemand kommt und seine Jacke hinhängt.




Ein Blick zurück, und dann geht es weiter zu den anderen Ruinen. Vockerode hat viel davon.

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Ein Mund wie eine kandierte Kirsche

Du gehst die Behmstrasse runter und bist fast geblendet von den goldenen Löwen. Das hier ist eigentlich nicht die Ecke für diese Prunkviecher, aber das muss auch gar nicht die richtige Gegend sein, denn du erinnerst dich. Es gab schon mal solche deplazierten Hässlichkeiten.



Du erinnerst dich an die späten 80er Jahre in München, diese reiche, dumme Stadt in der Hochebene, wo du irgendwas Sinnloses studiert hast. Es spielte keine Rolle. Dein Dad hatte eine wichtige Position, und irgendwann würde schon was aus dir werden. Dachte er. Zumindest hatte er dir gute Manieren beigebracht. So gut, dass er, wenn mal wieder ein Termin mit Geschäftspartnern platzte, dir und deinen Freunden den schon gebuchten und bezahlten Tisch im Tantris überliess. mehr

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Dienstag, 27. Juli 2004

In der Ecke, neben dem Kopierer

liegt er und wartet darauf, dass endlich mal jemand kommt und mit ihm durch das Loft brettert. Wie damals, 2000, als er mit Tausenden anderen von Korea nach Europa verfrachtet wurde, um in den Start-Ups seinen Dienst zu tun, die Praktis jung und schlank zu halten und den Sysadmins beim Brechen der Unterarme und Kiefer behilflich zu sein - eine Standardkombination, wenn der Lenker zu tief und der Zeichentisch, in den sie donnern, zu hoch ist.



Er heisst "Flash", und er sollte schnell sein. Aber irgendwann war klar, dass so ein billiges Gefährt die Chefs unernst erscheinen lässt, und Zucht kam schnell wieder in Mode. Es wurde nicht mehr wild rumgescootert. Es wurde wieder gearbeitet. Die Wege im Büro konnte man besser nutzen - zum Beispiel zum schnellen Essen.

Und als dan die McKs kamen, wurde er schnell beim Kopierer versteckt. Und blieb dort. Bis heute und irgendwann einmal, wenn sie ihn wegschmeissen.

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ericrohmersommerfilmreife Vorspiele

Die meisten Deiner Bekannten, die aus den glücklicheren Regionen des Landes zu Besuch kommen, wollen Berlin so sehen, wie es in den Medien dargestellt wird: Jung, hip, kreativ. Also packst Du sie in Dein Auto und fährst an die Kastanienallee. Du kommst nicht aus Berlin, hast einen rasanten Münchner Fahrstil und findest so jederzeit einen Parkplatz im Halteverbot.

In die Stirn Deines Bekannten graben sich Sorgenfalten, als er zum ersten Mal im real life die verhauten Kreativjung-mattgesichtigen Gestalten sieht, die bei Polylux in der Glotze noch so wenig bedrohlich wirkten. Der Rasta redet vom Shit mann wo Du keine Schmerzen mehr hast yo. Dann erreichst Du das 103 mehr

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Dienstag, 27. Juli 2004

Innehalten

Es ist ein wenig wie sterben. Man sieht noch, nimmt aber nicht mehr wahr, die Geräusche verlieren jede Bedeutung, bis sich fast ein Gefühl, ein Nichtgefühl der Taubheit einstellt. Man hat damit nicht gerechnet, man rechnet nie damit, warum auch, aber dann ist es so weit. Mal wieder.

Und in die Stille hinein kommt eine Mail aus einem ganz anderen, lange vergessenen Leben, die Fähigkeiten abruft, die man nicht mehr haben will. Aber weil das Innehalten nichts bringt und da draussen die Probleme und die Schlachten weitergehen, fängt man automatisch wieder an. Schritt für Schritt. Eigentlich ganz einfach. Weil es logisch ist. Weil es das einzige ist, was man tun kann. Weil man den Kampf schon vor Jahren geführt hat, und man dem gleichen Gegner nach vier Jahren wieder gegenüber steht. Das gleiche Spiel wie damals in der einzigartigen Munich Area mit ihren best-of-breed-Entrepreneuren, leistungswilligen New-Media-Workern und erstklassigen Entgiftungsstationen.

Es hat sich nichts, nichts, nichts verändert. Ich werde nie begreifen, warum so etwas überlebt hat. Warum so etwas weiter existiert und weitermacht.

Aber das kann man ja ändern. Das schon. Immerhin. Kein Trost, aber genug Ablenkung, um nicht mehr nachzudenken.

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Ich soll das geschrieben haben?

Dieses blutrot triefende Ding, das mir der Verlag mit den Worten "Viel Spass" in die Hände drückte?



Das sind insgesamt, grob überschlagen, irgendwas zwischen 600 und 1000 Fehler, die rot angestrichen wurden und jetztals Korrekturen freigegeben werden müssen. Bis Mittwoch Mittag. Dann ist Abgabe im Verlag. Und ab Sonntag ist es im Druck. Dann ist alles zu spät.

2 Tage bleiben also. 2 Tage. In 2 Tagen gehen Firmenimperien zugrunde, Kriege werden entschieden, Rossini hat in zwei Tagen Opern und Thomas Mann im gleichen Zeitraum 5 Zeilen geschrieben, in 2 Tagen werden Lieben gelebt und scheitern...

Aber all das wird keine Rolle spielen, denn ich werde in einer Parallelwelt sein, auf den Pfaden zwischen Bett, Balkon und dem Schreibtisch in der Nacht, es wird still sein und leer. Und es wird genug Zeit sein, manches Wort zu bereuen, aber jetzt darf kaum mehr was geändert werden.

2 Tage. Und ich sollte eigentlich schon jetzt an den Fahnen sitzen und endlich loskorrigieren, den Tee in der einen und den grünen Stift in der anderen Hand.

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Sonntag, 25. Juli 2004

Und da wundert Ihr Euch

dass es der Wirtschaft schlecht geht?



Nein, man sollte sich besser über überhaupt nichts wundern. Aber es gibt immer noch Momente, in denen man sprachlos ist. Mein Gast erzählte mir heute von einem gemeinsamen Bekannten aus der Munich Area, der nach dem Niedergang und einer eineinhalbjährigen Arbeitslosigkeit mit einer Zwischenabsahnung des Ich-AG-Zuschusses jetzt ein neues Business Model hat: Er gibt sich als Mitarbeiter einer Firmenzeitung aus, bestellt Rezensionsexemplare von Büchern und was es sonst noch gibt, und verhökert die über Ebay. Muss er letzte Woche ziemlich laut in einer Bar in München verbreitet haben, wo ihn mein Gast nach längerer Zeit mal wieder zufällig gesehen hat.

2000 flatterte mir mal eine seiner grandiosen PMs auf den Tisch. Er forderte damals zusammen mit einem der typischen NE-Netzwerke eine neue Ethik im E-Commerce. Der Wisch war von den Dingern, bei dem nachher der PR-Agentur-Escada-Kleiderbügel anruft und nachhakt, wann und wie man es denn bringt - ob man es bringt, stand wohl ausser Frage.

Es ist wohl eine Laune des Schicksals, dass ich letzte Woche von anderer Seite hörte, wie bei ihr die geschichte weiter ging: Die PR-Frau von damals sitzt zu Hause und ist praktisch arbeitslos und ohne Einkommen, gibt sich aber beim Geiern nach Aufträgen als Chefin eines Communication-Networks aus. Damit meint sie wahrscheinlich ihre anderen arbeitslosen Bekannten aus der Werbebranche.

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