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Dienstag, 14. September 2004
Klauen und verdrücken
Hm hm, die News interessiert sich also für die Meinung ihrer Leser und hat eine extra Seite dafür - aber da hat jemand offensichtlich den Stecker gezogen, vielleicht um sich unangenehme Fragen zu ersparen? Gibt man die im Blatt angegebene URL news-frankfurt.com/debatte ein, landet man direkt wieder auf der Frontseite...
donalphons, 21:39h
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Wollt Ihr die totale Contntverwurstung?
Verwurstung für News und die dahinterstehende Verlagsgruppe Handelsblatt, geschrieben von einem, bei dem ich eigentlich dachte, dass er sich für so eine Aktion nicht hergeben würde:Der Autor Stephan Mosel führt sein Weblog als "Moe" unter weblog.plasticthinking.org. - aber man lernt bekanntlich nie aus.
Erfahrene Blogger stellen mit 20six und myblog.de für NEWS täglich interessante Diskussionsbeiträge in deutschsprachigen Weblogs zusammen, heisst es da. Profiteur des möglicherweise kostenlosen "Content" ist die Zeitung "News" in Frankfurt, die ihre Seite 13 mit Texten aus Blogs zupflastert. Das heisst, kostenlos nur dann, wenn niemand auf die Idee kommt, dem Chef Madzia den Allerwertesten wegzuklagen: Mit dem Zitatrecht für Mediensind diese Übernahmen m.E. nicht in Einklang zu bringen.
20six.de/plasticthinking ist noch frei, glaub ich.
Siehe auch hier und hier
Erfahrene Blogger stellen mit 20six und myblog.de für NEWS täglich interessante Diskussionsbeiträge in deutschsprachigen Weblogs zusammen, heisst es da. Profiteur des möglicherweise kostenlosen "Content" ist die Zeitung "News" in Frankfurt, die ihre Seite 13 mit Texten aus Blogs zupflastert. Das heisst, kostenlos nur dann, wenn niemand auf die Idee kommt, dem Chef Madzia den Allerwertesten wegzuklagen: Mit dem Zitatrecht für Mediensind diese Übernahmen m.E. nicht in Einklang zu bringen.
20six.de/plasticthinking ist noch frei, glaub ich.
Siehe auch hier und hier
donalphons, 14:52h
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Wollt ihr das totale Praktikum?
Die Verkäufer sind nach einem besonderen System ausgesucht: Unter dem Motto „vom Zeitungsjungen zum Redakteur“ bekommen die Verkäufer u.a. Vertriebs- und Marketingschulungen sowie die Möglichkeit, in der NEWS-Redaktion ein journalistisches Praktikum zu absolvieren.
Das ist dann wohl die Steigerung der bisher bekannten Ausbeutung: Nicht mehr ein Jahr lang unbezahltes Praktikum machen, um ein Volontariat zu bekommen. Sondern erst mal das Produkt mitsamt Tichy- und Friedman-Kolumnen am Frankfurter Bahnhofsviertel an die Zuhälter und Dealer verkaufen, bevor man ein Praktikum machen darf.
Ein Service, perfekt zugeschnitten auf die berufliche Situation des journalistischen Nachwuchses, präsentiert von der Verlagsgruppe Handelsblatt. Die kann dann auch erklären, was ein Praktikum mit einer Redakteursstelle zu tun hat; vielleicht soll die Arbeit der aktuellen Redakteure bald von den Praktikanten übernommen werden.
Das ist dann wohl die Steigerung der bisher bekannten Ausbeutung: Nicht mehr ein Jahr lang unbezahltes Praktikum machen, um ein Volontariat zu bekommen. Sondern erst mal das Produkt mitsamt Tichy- und Friedman-Kolumnen am Frankfurter Bahnhofsviertel an die Zuhälter und Dealer verkaufen, bevor man ein Praktikum machen darf.
Ein Service, perfekt zugeschnitten auf die berufliche Situation des journalistischen Nachwuchses, präsentiert von der Verlagsgruppe Handelsblatt. Die kann dann auch erklären, was ein Praktikum mit einer Redakteursstelle zu tun hat; vielleicht soll die Arbeit der aktuellen Redakteure bald von den Praktikanten übernommen werden.
donalphons, 04:03h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 14. September 2004
Niemand muss von der Brücke springen,
nur weil er eine Vollpleite in der New Economy hingelegt hat. Aber die Dreistigkeit, mit der sich ein Klaus Mazdia - Ex-Chef von Net Business - wieder zu Wort meldet, wäre fast etwas für Liquide Teil 2, das nie geschrieben wird. Wäre dann doch etwas zu unapetitlich.
donalphons, 01:57h
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Soziale Unterschiede zwischen Ost und West?
Kleine Argumentatoionshilfe für den Herrn Bundespräsidenten: Auch in Bayern leben Menschen in Sozialwohnungen. Das gibt es nicht nur in Berlin, Halle und Gera. Selbst in den reichsten Provinzstädten muss die Kommune helfen, um den Bedürftigen zu helfen.

So sehen etwa Sozialwohnungen in Ingolstadt an der Donau aus - in einem der schlechtesten Viertel der Stadt. Quasi das Marzahn dieser Stadt. Und tatsächlich wäre es für Mitglieder meiner Familie unvorstellbar, in so etwas zu leben. Entwürdigend, würden sie sagen.
Nun gut, sie waren natürlich noch nie im echten Marzahn. Aber der Bundespräsident auch nicht. Überhaupt, die Marzahns dieser Republik sind nicht nur ein Problem der kleinen Gruppe, die dort wohnen muss - es ist auch ein Problem derer, die das mit ihren Steuern finanzieren. Das sollte Herr Köhler mal eindeutig sagen.

So sehen etwa Sozialwohnungen in Ingolstadt an der Donau aus - in einem der schlechtesten Viertel der Stadt. Quasi das Marzahn dieser Stadt. Und tatsächlich wäre es für Mitglieder meiner Familie unvorstellbar, in so etwas zu leben. Entwürdigend, würden sie sagen.
Nun gut, sie waren natürlich noch nie im echten Marzahn. Aber der Bundespräsident auch nicht. Überhaupt, die Marzahns dieser Republik sind nicht nur ein Problem der kleinen Gruppe, die dort wohnen muss - es ist auch ein Problem derer, die das mit ihren Steuern finanzieren. Das sollte Herr Köhler mal eindeutig sagen.
donalphons, 21:31h
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Off Topic:
Wer der hier mitlesenden Blogger ist auf der Frankfurter Buchmesse?
donalphons, 16:37h
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Liebe Besucher von Anke Gröner!
Ich zwinge Anke "Rampensau" Gröner zu gar nichts. Im Gegenteil, wir haben bei den Autoren des Blogbuchs gefragt, manche trauten sich nicht, andere eventuell schon, und dann war da noch diese Hamburgerin, die sich lautstark vordrängelte und meinte, sie allein will 60 Minuten von den zwei Stunden. So oder ähnlich ist es gelaufen.
donalphons, 02:19h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Montag, 13. September 2004
FAZankleber
OK, er ist eigentlich selber schuld. Er hätte ja auch einfach eine Banklehre machen können, wie Sabine. Die hat jetzt ein Haus in der Vortadt und leitet die Filiale gleich gegenüber. Aber das war ihm zu doof. Er hatte mehr im Kopf, er war smarter. Die Wirtschaft war ein Haifischbecken, klar, aber er würde vorankommen.
Das heisst, immer zu Semesterbeginn wurde er unsicher. Da waren noch so viel andere BWLler. Zum Glück verteilten hübsche Hostessen an der Mensa den Frankfurter Allgemeinen Hochschulanzeiger. Der sagte ihm, wo es lang ging. Dass er doch die richtige Entscheidung getroffen hatte. Dahinter steckt immer ein smarter Kopf.
Klar, dass er die FAZ dann auch bestellte, neben der FTD, weil Handelsblatt ist was für Opas. Als er dann sein Startup gründete, lag auf dem Empfangstisch auch noch die Brand1. Die Mädels hinter dem Schalter sahen so aus wie die FAZ-Hostessen, auch so schniecke angezogen, blond, clean und tough. Als die ersten Probleme auftauchten, orderte er das Managermagazin und kassierte immerhin noch die Uhr als Prämie, die er heute trägt. Als es scheiterte, bestellte er doch noch das Handelsblatt, weil es doch irgendwie seriös ist.
Heute liest er gar nichts mehr. Er liest schon beim Plakatieren genug. Und dann zu Hause, natürlich die Stellenanzeigen für Sachbearbeiter.

Aber mit dem abgebrochenen Studium und dem privaten Offenbarungseid wird das nicht so einfach. Sachbearbeiterposten sind heute heiss begehrt, bei BWL-Absolventen. Besser als arbeitslos sein. Was auch schlimmer ist als Plakatieren.
Plakatieren ist halbwegs sicher, zumal, wenn es für eine Zeitung ist, hinter der ein smarter Kopf steckt, und es an Orten geschieht, wo sehr viele noch nicht mal so einen Job haben. Das Leben ist eine Baustelle, wo viele platte Parolen verbreitet werden. Und die Karriere ist die angesägte Gasleitung, die bald hochgeht.
Das heisst, immer zu Semesterbeginn wurde er unsicher. Da waren noch so viel andere BWLler. Zum Glück verteilten hübsche Hostessen an der Mensa den Frankfurter Allgemeinen Hochschulanzeiger. Der sagte ihm, wo es lang ging. Dass er doch die richtige Entscheidung getroffen hatte. Dahinter steckt immer ein smarter Kopf.
Klar, dass er die FAZ dann auch bestellte, neben der FTD, weil Handelsblatt ist was für Opas. Als er dann sein Startup gründete, lag auf dem Empfangstisch auch noch die Brand1. Die Mädels hinter dem Schalter sahen so aus wie die FAZ-Hostessen, auch so schniecke angezogen, blond, clean und tough. Als die ersten Probleme auftauchten, orderte er das Managermagazin und kassierte immerhin noch die Uhr als Prämie, die er heute trägt. Als es scheiterte, bestellte er doch noch das Handelsblatt, weil es doch irgendwie seriös ist.
Heute liest er gar nichts mehr. Er liest schon beim Plakatieren genug. Und dann zu Hause, natürlich die Stellenanzeigen für Sachbearbeiter.

Aber mit dem abgebrochenen Studium und dem privaten Offenbarungseid wird das nicht so einfach. Sachbearbeiterposten sind heute heiss begehrt, bei BWL-Absolventen. Besser als arbeitslos sein. Was auch schlimmer ist als Plakatieren.
Plakatieren ist halbwegs sicher, zumal, wenn es für eine Zeitung ist, hinter der ein smarter Kopf steckt, und es an Orten geschieht, wo sehr viele noch nicht mal so einen Job haben. Das Leben ist eine Baustelle, wo viele platte Parolen verbreitet werden. Und die Karriere ist die angesägte Gasleitung, die bald hochgeht.
donalphons, 01:21h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Samstag, 11. September 2004
Buchtipp
Ich knie nieder in den Staub unter meinem Schreibtisch, ich sage nie wieder new Journalism zu meinem Geschreibe, die Zeit steht still und ich werde nochmal viel lernem, denn der erste Roman von Hunter S. Thompson erscheint auf Deutsch. Hoffentlich hat der Übersetzer nicht geschlampt.
donalphons, 23:41h
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Silberallee, Schöneberger Flohmarkt, Berlin
Disclaimer: Text geeignet für Personen, die Arroganz für eine Tugend halten.
Sie hat angefangen. Schon immer. Und du warst immer der Dumme. Zum Beispiel vor drei Jahren, als sie angefangen hat, deinen Eltern zu jedem grösseren Anlass Silber zu schenken. Nicht das es unbedingt nötig wäre, es gibt im Wortsinn Familiensilber, aber sie fügte laufend Objekte hinzu. Und jedesmal hast du dich geärgert, über die dummen Sprüche deiner kleinen Schwester, bei welchem wuchernden Trödler am Münchner Viktualienmarkt sie das aufgegabelt hat und wie teuer das war. Und du hattest nie sowas gekauft.
Du hast dir geschworen, es ihr irgendwann heimzuzahlen. Als sie das letzt Mal wieder mit einer kitschig verpackten Kleinigkeit aus ihrem Roadster stieg, bist du auch gerade aus Berlin angekommen, mit einer orangen Plastiktüte und Zeitungspapier in der Hand. Sie ging vorran, überreichte Deinen Eltern das Dingens und beglückwünschte sie. Dann warst du dran. Du hast was von wegen "keine Zeit mehr es zu verpacken" gemurmelt, umstandlich ein anderthalb Kilo schweres Biedermeiertablett aus 13löthigem Silber aus der Tüte gezogen und es ihnen hingehalten. Es ist in etwa so gross, dass deine Schwester noch 5 Jahre Zeug von ihren grattligen Wucherern anschleppen muss, um es zu füllen. Ihr Blick in diesem Moment - unbezahlbar.

Das alles verdankst du der Silberallee, einem Budenweg am südlichen Rand des Flohmarktes am Schöneberger Rathaus in Berlin.
Mehr bei restaur.antville.org
Sie hat angefangen. Schon immer. Und du warst immer der Dumme. Zum Beispiel vor drei Jahren, als sie angefangen hat, deinen Eltern zu jedem grösseren Anlass Silber zu schenken. Nicht das es unbedingt nötig wäre, es gibt im Wortsinn Familiensilber, aber sie fügte laufend Objekte hinzu. Und jedesmal hast du dich geärgert, über die dummen Sprüche deiner kleinen Schwester, bei welchem wuchernden Trödler am Münchner Viktualienmarkt sie das aufgegabelt hat und wie teuer das war. Und du hattest nie sowas gekauft.
Du hast dir geschworen, es ihr irgendwann heimzuzahlen. Als sie das letzt Mal wieder mit einer kitschig verpackten Kleinigkeit aus ihrem Roadster stieg, bist du auch gerade aus Berlin angekommen, mit einer orangen Plastiktüte und Zeitungspapier in der Hand. Sie ging vorran, überreichte Deinen Eltern das Dingens und beglückwünschte sie. Dann warst du dran. Du hast was von wegen "keine Zeit mehr es zu verpacken" gemurmelt, umstandlich ein anderthalb Kilo schweres Biedermeiertablett aus 13löthigem Silber aus der Tüte gezogen und es ihnen hingehalten. Es ist in etwa so gross, dass deine Schwester noch 5 Jahre Zeug von ihren grattligen Wucherern anschleppen muss, um es zu füllen. Ihr Blick in diesem Moment - unbezahlbar.

Das alles verdankst du der Silberallee, einem Budenweg am südlichen Rand des Flohmarktes am Schöneberger Rathaus in Berlin.
Mehr bei restaur.antville.org
donalphons, 21:23h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Samstag, 11. September 2004
Witz der Woche
...schrieb für die legendären "Berliner Seiten" der FAZ...
steht so über einen Autor im Programm von Eggers & Landwehr, dem Laden, der auf 50 Euro nicht herausgeben kann. Man kann´s ja mal versuchen mit der Legendenbildung, nicht wahr? Noch 50 Jahre, und Illies ist der neue Tucholsky gewesen.
steht so über einen Autor im Programm von Eggers & Landwehr, dem Laden, der auf 50 Euro nicht herausgeben kann. Man kann´s ja mal versuchen mit der Legendenbildung, nicht wahr? Noch 50 Jahre, und Illies ist der neue Tucholsky gewesen.
donalphons, 00:17h
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Irgendwo in Thüringen
Der Supermarkt hat noch auf. Bis um 20 Uhr, aber das scheint der Bevölkerung egal zu sein. Der Laden ist fast leer, nur an der Kasse unterhält sich eine Kundin mit der Verkäuferin über die Qualität der in Plastik eingeschweissten Würste aus dem Sonderangebot. Sie sagt, da würde schon was blau schimmern, ob es Rabatt gibt. Sie einigen sich auf 20% Nachlass.
Vor dem Supermarkt ist eine grosse Halle mit Bäckerei und Cafe. Hier ist bereits alles zugerammelt. Aus den Boxen dröhnt Verzerrtes von Abba, ein Basslautsprecher ist wahrscheinlich kaputt. Die Lichter sind ausgeschaltet, und nur wenige Schritte vom Eingang des Supermarkts entfernt ist schon ziemlich dunkel. Schemenhaft zeichnen sich weiter hinten helle Holzmöbel und Theken in Türkis und Rosa ab.
Die automatische Tür surrt auf und entlässt mich in die späte Sommerluft. Gegenüber plätschert ein Bach, und dahinter dehnen sich die Ruinen alter Industriegebäude aus. Auf einem Plakatständer wird eine Kultband des alten, toten, wiedererstandenen Ostens angekündigt. Die Bandmitglieder sehen auch heute noch so aus, als wären sie gerade einer 70er-Jahre-Teeniezeitung entkommen. Irgendwer hat in Blau ein Hakenkreuz darübergesprayt.
Vor dem Supermarkt ist eine grosse Halle mit Bäckerei und Cafe. Hier ist bereits alles zugerammelt. Aus den Boxen dröhnt Verzerrtes von Abba, ein Basslautsprecher ist wahrscheinlich kaputt. Die Lichter sind ausgeschaltet, und nur wenige Schritte vom Eingang des Supermarkts entfernt ist schon ziemlich dunkel. Schemenhaft zeichnen sich weiter hinten helle Holzmöbel und Theken in Türkis und Rosa ab.
Die automatische Tür surrt auf und entlässt mich in die späte Sommerluft. Gegenüber plätschert ein Bach, und dahinter dehnen sich die Ruinen alter Industriegebäude aus. Auf einem Plakatständer wird eine Kultband des alten, toten, wiedererstandenen Ostens angekündigt. Die Bandmitglieder sehen auch heute noch so aus, als wären sie gerade einer 70er-Jahre-Teeniezeitung entkommen. Irgendwer hat in Blau ein Hakenkreuz darübergesprayt.
donalphons, 19:44h
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Real Life 09.09.04 - Dressed to chill
Eigentlich müsste ich die Einkaufstour im typischen Christian-Kracht-Stil beschreiben, selten so belanglos Kleider gekauft wie heute, ungefähr so:
Ich mein, es hätte auch noch schlimmer kommen können. Zumindest die alten Teile von Gaultier, Comme de Garcon und Byblos, die ich nicht mehr trage, die mir aber sehr viel bedeuten, waren im ersten Stock untergebracht. Aber der Wassereinbruch im Keller hat meine Mutter dazu gebracht, viele Herbstsachen wegzuwerfen. Die Alltagskleidung eben. Lezard und so Zeug. Ich werde nackt unter Hyänen sein, in Berlin.
Also fahre ich in die Stadt. Der erste Laden hat sich in den letzten Jahren zu seinem Schlechtesten verändert. Wäre ich Robbie Williams, könnte es passen, aber ich möchte dezenter in den Herbst. Auch der zweite Laden hat wenig, und was er hat, ist von Boss. Ich habe einmal einen Anzug von Boss gekauft, das war in Verona, ich musste am Abend noch auf eine Party in Peschiera und hatte mir meinen Leinenazug mit Saft ruiniert. Das war das einzige Mal, glaube ich. Ein heller Leinenanzug mit braunen Streifen wäre auch da, aber der ist nur was für die Affen der Provinz.
In den dritten Laden gehe ich nicht gern, weil die die Preise in goldenen Zahlen draufschreiben. Dabei sind die Zahlen noch nicht mal so hoch, dass es sein müsste. Aber ich will nicht in Berlin frieren, oder mir Berliner Boutiquen antun, also gehe ich da auch hin. Ich hoffe, dass der Sohn der Besitzer, der auf meiner Schule war, nicht den Laden übernommen hat. Ein Gespräch über die Vergangenheit wäre mir unangenehm. Aber ich habe Glück und kann dort in Ruhe einige Teile kaufen, wie das mittelbraune Jacket mit den Samtflicken an den Ärmeln.

Und dann auch noch 2 Stunden auf einer Wiese gesessen. Allein. Reflektiert, also das einzige getan, was mich noch ein wenig von den anderen hohlen Idioten meiner Baureihe unterscheidet. In deren Augen bin ich ein Betriebsunfall.
Ich mein, es hätte auch noch schlimmer kommen können. Zumindest die alten Teile von Gaultier, Comme de Garcon und Byblos, die ich nicht mehr trage, die mir aber sehr viel bedeuten, waren im ersten Stock untergebracht. Aber der Wassereinbruch im Keller hat meine Mutter dazu gebracht, viele Herbstsachen wegzuwerfen. Die Alltagskleidung eben. Lezard und so Zeug. Ich werde nackt unter Hyänen sein, in Berlin.
Also fahre ich in die Stadt. Der erste Laden hat sich in den letzten Jahren zu seinem Schlechtesten verändert. Wäre ich Robbie Williams, könnte es passen, aber ich möchte dezenter in den Herbst. Auch der zweite Laden hat wenig, und was er hat, ist von Boss. Ich habe einmal einen Anzug von Boss gekauft, das war in Verona, ich musste am Abend noch auf eine Party in Peschiera und hatte mir meinen Leinenazug mit Saft ruiniert. Das war das einzige Mal, glaube ich. Ein heller Leinenanzug mit braunen Streifen wäre auch da, aber der ist nur was für die Affen der Provinz.
In den dritten Laden gehe ich nicht gern, weil die die Preise in goldenen Zahlen draufschreiben. Dabei sind die Zahlen noch nicht mal so hoch, dass es sein müsste. Aber ich will nicht in Berlin frieren, oder mir Berliner Boutiquen antun, also gehe ich da auch hin. Ich hoffe, dass der Sohn der Besitzer, der auf meiner Schule war, nicht den Laden übernommen hat. Ein Gespräch über die Vergangenheit wäre mir unangenehm. Aber ich habe Glück und kann dort in Ruhe einige Teile kaufen, wie das mittelbraune Jacket mit den Samtflicken an den Ärmeln.

Und dann auch noch 2 Stunden auf einer Wiese gesessen. Allein. Reflektiert, also das einzige getan, was mich noch ein wenig von den anderen hohlen Idioten meiner Baureihe unterscheidet. In deren Augen bin ich ein Betriebsunfall.
donalphons, 03:37h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Donnerstag, 9. September 2004
Weise Ratschläge
"Fahr vorsichtig, bleib auf der rechten Spur nie schneller als 120, und überhole nicht", ist der Standardsatz, mit dem ich hier in der Provinz verabschiedet werde. "Ja", sage ich. Mein Vater war nicht wirklich begeistert, diese Worte in meinem Buch Liquide zitiert zu finden, wo ein erheblich spiessiger Vater in einem wenig geschmackvollen Reihenhaus das einer Tochter auf den Weg in ihr späteres Verderben mitgibt. Sie ist zu schnell. Nicht im Auto, aber im Leben.
Heute morgen nun sind meine Eltern früh zur Hochzeit einer Tochter von Nachbarn gefahren; irgendwo in Nordwestdeutschland. Eine gute Gelegenheit, dieses Zitat an meinem Vater auszuprobieren. "Fahr vorsichtig, bleib auf der rechten Spur nie schneller als 120, und überhole nicht", rief ich über die Treppe hinunter, wo er unter Kronleuchtern seinen Koffer nach draussen trug.
"Spinnst Du, das sind 400 Kilometer, da schlaf ich ja ein, das darf nicht länger als zwei Stunden dauern", rief er zurück, und schlug die Tür zu. Kurz danach heulte der Motor in seinem alten Firmenwagen auf, bei dem sein Partner damals mit der Bemerkung "250 ist lahm" die Tempobegrenzung hatte ausbauen lassen.
Heute morgen nun sind meine Eltern früh zur Hochzeit einer Tochter von Nachbarn gefahren; irgendwo in Nordwestdeutschland. Eine gute Gelegenheit, dieses Zitat an meinem Vater auszuprobieren. "Fahr vorsichtig, bleib auf der rechten Spur nie schneller als 120, und überhole nicht", rief ich über die Treppe hinunter, wo er unter Kronleuchtern seinen Koffer nach draussen trug.
"Spinnst Du, das sind 400 Kilometer, da schlaf ich ja ein, das darf nicht länger als zwei Stunden dauern", rief er zurück, und schlug die Tür zu. Kurz danach heulte der Motor in seinem alten Firmenwagen auf, bei dem sein Partner damals mit der Bemerkung "250 ist lahm" die Tempobegrenzung hatte ausbauen lassen.
donalphons, 12:34h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Mittwoch, 8. September 2004
Die DDP ist pleite
Ich kann um die Firma nicht traurig sein. Praktikantenschleiferei in Berlin Mitte der besonderen Art. Nette Einfälle wie "Machense erst mal 6 Monate Praktikum, dann reden wir über´s Volontariat". Einzige Regelung der Arbeitszeit: Jeder muss selbst wissen, ob er schon gehen will, und ob er dann wieder kommen will.
Leid tut es mir um meine Bekannten dort. Agenturmenschen sind eine ganz besondere Spezies, die passen schlecht in andere Medienbereiche. Berufstrockene Schreibe. Schnell, aber nicht tiefgründig. Zu generelle Generalisten. Passen schlecht in den normalen Medienbetrieb, weil sie faktisch nur online sind.
Ganz böse wird es für die 200 Freien, vor allem in Berlin.
Leid tut es mir um meine Bekannten dort. Agenturmenschen sind eine ganz besondere Spezies, die passen schlecht in andere Medienbereiche. Berufstrockene Schreibe. Schnell, aber nicht tiefgründig. Zu generelle Generalisten. Passen schlecht in den normalen Medienbetrieb, weil sie faktisch nur online sind.
Ganz böse wird es für die 200 Freien, vor allem in Berlin.
donalphons, 23:13h
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7 Fischköpfe
irgendwie sind wir dann doch in diesem Restaurant gelandet, das im Moment halbschick ist und noch Preise nimmt, die bei den Gästen eine soziale Trennung vornimmt. Draussen sagt man uns, wenn wir was essen wollten, müssten wir jetzt rein, drinnen sagt man uns, die Küche sei schon kalt. Es ist aber nicht weiter schlimm, denn es gibt hier fast nur Fisch, deshalb auch der Name, und deshalb auch kein Begehr bei mir.

Um uns herum ist ein Publikum, dessen Fressen erheblich an ausgestopfte Hechte und Barsche erinnern. Extrem kurze Haare, kleine, böse Augen, und unangemessene Posen dafür, dass sie gerade Nahrung zu sich nehmen. Auch hier ist der Ellenbogen im Volleinsatz, die Flughöhe der Mäuler nur wenige Zentimeter über den Tellern. Mittleres Management, meint meine Schwester abfällig.
Wir reden über angenehme Orte und Dinge. Um uns herum wird über Chancen, Profite und Bezüge gegrölt, geschrien und getuschelt. Man ist, was man tut. Die Leute, die das hier wahrscheinlich über Spesen finanzieren, können noch nicht mal jetzt abschalten. Irgendwas in ihren Hirnen lässt sie zurückspringen in die Konferenzräume, an die Flip Charts, an die Telefone, sie perpetuieren ein Dasein, zu dem sie keine Alternative entwickelt haben. Luftholen wäre für sie tödlich.
Ich glaube, dass notorische Fischfresser, in Bayern zumal, von der Kälte der Tiere und ihres Lebensraumes angezogen sind, von der Stille, die sie dann nicht zu füllen bräuchten, und vom Druck, der im Wasser auf ihnen lastet. Haifischflossensuppe ist für sie Kannibalismus; sehr roher sogar: Nebenan löffelt jemand, indem er den gesamten Suppenlöffel in den weit aufgerissenen Mund schiebt.
Wir bitten sofort um die Rechnung.

Um uns herum ist ein Publikum, dessen Fressen erheblich an ausgestopfte Hechte und Barsche erinnern. Extrem kurze Haare, kleine, böse Augen, und unangemessene Posen dafür, dass sie gerade Nahrung zu sich nehmen. Auch hier ist der Ellenbogen im Volleinsatz, die Flughöhe der Mäuler nur wenige Zentimeter über den Tellern. Mittleres Management, meint meine Schwester abfällig.
Wir reden über angenehme Orte und Dinge. Um uns herum wird über Chancen, Profite und Bezüge gegrölt, geschrien und getuschelt. Man ist, was man tut. Die Leute, die das hier wahrscheinlich über Spesen finanzieren, können noch nicht mal jetzt abschalten. Irgendwas in ihren Hirnen lässt sie zurückspringen in die Konferenzräume, an die Flip Charts, an die Telefone, sie perpetuieren ein Dasein, zu dem sie keine Alternative entwickelt haben. Luftholen wäre für sie tödlich.
Ich glaube, dass notorische Fischfresser, in Bayern zumal, von der Kälte der Tiere und ihres Lebensraumes angezogen sind, von der Stille, die sie dann nicht zu füllen bräuchten, und vom Druck, der im Wasser auf ihnen lastet. Haifischflossensuppe ist für sie Kannibalismus; sehr roher sogar: Nebenan löffelt jemand, indem er den gesamten Suppenlöffel in den weit aufgerissenen Mund schiebt.
Wir bitten sofort um die Rechnung.
donalphons, 13:40h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 7. September 2004
Real Life 07.09.04 - not_read_me.doc
8059 Zeichen zu einem Thema geschrieben, das ich erst ab gestern um 10 Uhr Nachts recherchieren konnte - die Firma mit den Informationen wollte nichts sagen, also musste ich hintenrum arbeiten. Die wussten, dass es nichts Gutes bedeutet, wenn ich komme. Geholfen hat es nur bedingt, weil der Chef des Ganzen, atypischer New Economy CEO und jetzt Aufsichtsrat, die tödlichen Äusserungen selbst gemacht hat. Ds gibt Zitate, da rettet einen nichts mehr.
Das Problem auf seiner Seite: Er ist zu alt. Er hatte nur noch diese eine Chance. Er ist eigentlich nur noch ein lästiges Fossil, mit zu vielen schlechten Geschichten in der jüngsten Vergangenheit. Seine Mehrheitsgesellschafter, gegen die er lange gekämpft hat, werden ihn absägen. Die Jungen, die er aufgebaut hat, sind längst an ihm vorbei, und jetzt will er den Erfolg mit der Brechstange an einer verminten Tür.
Das will sonst keiner schreiben, damit kennen sich die Leute in seinem Kernmarkt auch nicht aus, aber ich lebe in der dunklen Zone zwischen beiden Welten. Inhaltlich kein Problem. Aber: Geschrieben in der 3. durchgemachten Nacht von 4 Nächten insgesamt. Ich will lieber nicht nochmal lesen müssen, was ich da an schrägen Formulierungen und Gedankenbrüchen heute morgen um 11 ins Nicht-EU-Ausland geschickt habe.
Das Problem auf seiner Seite: Er ist zu alt. Er hatte nur noch diese eine Chance. Er ist eigentlich nur noch ein lästiges Fossil, mit zu vielen schlechten Geschichten in der jüngsten Vergangenheit. Seine Mehrheitsgesellschafter, gegen die er lange gekämpft hat, werden ihn absägen. Die Jungen, die er aufgebaut hat, sind längst an ihm vorbei, und jetzt will er den Erfolg mit der Brechstange an einer verminten Tür.
Das will sonst keiner schreiben, damit kennen sich die Leute in seinem Kernmarkt auch nicht aus, aber ich lebe in der dunklen Zone zwischen beiden Welten. Inhaltlich kein Problem. Aber: Geschrieben in der 3. durchgemachten Nacht von 4 Nächten insgesamt. Ich will lieber nicht nochmal lesen müssen, was ich da an schrägen Formulierungen und Gedankenbrüchen heute morgen um 11 ins Nicht-EU-Ausland geschickt habe.
donalphons, 18:05h
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Kunsthandel J.&G. Laue
Es ist schon fast 23 Uhr, als sie dann doch noch anruft, um mit dir essen zu gehen. Wider aller Erwartung ist sie tatsächlich fünf Minuten später bei dir, und sagt, dass sie eigentlich nur noch eine Kleinigkeit will, wie wär´s mit der Pizzeria die Strasse runter? Ihr schlendert die Theresienstrasse hinunter, vorbei an finsteren Toröffnungen, hinter denen die Leichen der Münchner Startups modern, und dann, an zwei mässig hell erleuchteten Fenstern, ist der Anblick doch so überraschend, dass sie innehält und guckt.
mehr bei Restaur.antville.org
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donalphons, 03:47h
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