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Samstag, 21. Mai 2005
Über das Weiterziehen im Internet.
Das Seltsame am Netz ist, dass es einerseits grenzenlos ist, andererseits auch extrem begrenzt. Grenzenlos, weil man alles tun kann, begrenzt, weil vieles von dem, was möglich ist, nicht angenommen wird. Begrenzt auch, weil sich das Netz nur dort materialisiert, wo man gerade ist. Anders gesagt, das weiterziehen muss a priori scheitern, weil mit dem "weiter" der eigene Standpunkt mitkommt, womit man auch an der neuen Materialisierung des Netzes wiederum auf sich zurückgeworfen wird.
Das erste Stück, das ich vom Internet sah, war eine Information, die ich haben wollte, und die habe ich damals, Anfang der 90er Jahre, auch bekommen. Daran hat sich nichts geändert, ausser dem Umstand, dass es mehr Informationen gibt, und sicher weitaus mehr, als ich nutzen kann. Es ist so ein wenig wie mit dem Ficken: Man könnte mit so vielen Frauen schlafen, zigtausende wären wunderbar, aber man lernt sie eben nie kennen, und dennoch kann man glücklich leben und viel guten Sex haben.
Man sagt mit schmissigen Begriffen, das Netz werde sich weiterentwickeln zu einem Netz zwei null, cleverer und schneller, ganz so, als ob die Anbringung von dickeren Leitungen oder fetteren Zusammenfassung irgendwas daeran ändern würde, dass mir 3 Stunden vor der Kiste am Tag vollkommen reichen. Man sagt, es wird noch so viele andere Lebensbereiche erobern, aber dann kommt es doch wieder nur bei Leuten an, und die fallen darin auf sich zurück, wo immer sie sind.
Und jeder wird oder viele zumindest werden denken, dass sie darin irgendwohin kommen oder weiter oder zu einem zwei null oder zu noch smarteren Lösungen, aber am Ende wird es immer wieder die auf sich zurückfallende Information sein, die sie vorfinden, und insofern - wenn der Raum grenzenlos ist, kann es dannn überhaupt Ziele geben, zu denen man weiterziehen kann?
In meiner Wissenschaft gab es eine Zeit, die, na, sagen wir mal bis 1945 dauerte, die immer von solchen Vorstellungen geüprägt war: Revolutionen, Entwicklungsschritte und-sprünge, Kämpfe, dynamische Entwicklungen, Stufen, vorrangig nach oben, und der Glaube, manche würden sich weiterentwickeln, und andere bleiben zurück in der Wüste, die so lang ok war bis die Besseren weiter zogen. Das alles passte blendend zur faschistischen Denke der für das fach typischen Wissenschaftler.
Aber heute denkt man eher in langsamen Evolutionen und Parallelerscheinungen, Steinzeit kann Metall kennen. Silex ist schärfer als Stahl. Erinnert an das Netz. Es gibt welche, die laut ind Horn des von ihnen ausgedachten Fortschritts blasen, und andere, die immer noch mit AOL surfen. Und damit nicht unzufrieden sind, weil sie es noch nicht mal mitbekommen, wie rückstädig sie angeblich sind. Und selbst, wenn man es ihnen sagen würde, wäre es ihnen egal, und das noch nicht mal zun Unrecht, nachdem sie sich nach ihren Bedürfnissen perfekt eingerichtet haben. Manche Entwicklungen hin zu einer anderen materiellen Kultur waren eigentlich überflüssig und Sackgassen.
Eine dieser Entwicklungen war Arsenbromze, entstanden am Ende des Jungsteinzeit. Man kann Bronze aus Kupfer und Arsen besser giessen als Zinnbronze, also hat man das ein paar Jahrhunderte für eine gute Idee gehalten, auch wenn die, die das für eine klasse Methode gehalten haben, wahrscheinlich etwas kurzatmig waren, und nicht wirklich gesund. Arsenvergiftungen schlagen auch auf die Psyche durch. Die alten Deppen in meiner Wissenschaft glaubten noch, dass dennoch deren Werkzeuge eine Revolution waren - ein Fehler, wie wir heute wissen, der grosse Sprung zum Ende des Neolitikums ist vor allem einer besseren Auswahl an Getreide zu verdanken. Ganz gleich ob Bronzesichel oder Mähdrecher: Auf das Korn kommt es an.
Und der Geruch von frischem Brot aus dem Ofen ist für mich heute auch nicht anders als für meine Vorfahren 5000 Jahre zuvor. Die Menschen werden immer gute Geschichten wollen. Keine Technik der Welt wird da gross was ändern können. Und wer es heute nicht sieht, sollte mal mit seinen Nachkommen reden, die dann endlich bei zwei null beta angekommen sind.
Und dann?
Das erste Stück, das ich vom Internet sah, war eine Information, die ich haben wollte, und die habe ich damals, Anfang der 90er Jahre, auch bekommen. Daran hat sich nichts geändert, ausser dem Umstand, dass es mehr Informationen gibt, und sicher weitaus mehr, als ich nutzen kann. Es ist so ein wenig wie mit dem Ficken: Man könnte mit so vielen Frauen schlafen, zigtausende wären wunderbar, aber man lernt sie eben nie kennen, und dennoch kann man glücklich leben und viel guten Sex haben.
Man sagt mit schmissigen Begriffen, das Netz werde sich weiterentwickeln zu einem Netz zwei null, cleverer und schneller, ganz so, als ob die Anbringung von dickeren Leitungen oder fetteren Zusammenfassung irgendwas daeran ändern würde, dass mir 3 Stunden vor der Kiste am Tag vollkommen reichen. Man sagt, es wird noch so viele andere Lebensbereiche erobern, aber dann kommt es doch wieder nur bei Leuten an, und die fallen darin auf sich zurück, wo immer sie sind.
Und jeder wird oder viele zumindest werden denken, dass sie darin irgendwohin kommen oder weiter oder zu einem zwei null oder zu noch smarteren Lösungen, aber am Ende wird es immer wieder die auf sich zurückfallende Information sein, die sie vorfinden, und insofern - wenn der Raum grenzenlos ist, kann es dannn überhaupt Ziele geben, zu denen man weiterziehen kann?
In meiner Wissenschaft gab es eine Zeit, die, na, sagen wir mal bis 1945 dauerte, die immer von solchen Vorstellungen geüprägt war: Revolutionen, Entwicklungsschritte und-sprünge, Kämpfe, dynamische Entwicklungen, Stufen, vorrangig nach oben, und der Glaube, manche würden sich weiterentwickeln, und andere bleiben zurück in der Wüste, die so lang ok war bis die Besseren weiter zogen. Das alles passte blendend zur faschistischen Denke der für das fach typischen Wissenschaftler.
Aber heute denkt man eher in langsamen Evolutionen und Parallelerscheinungen, Steinzeit kann Metall kennen. Silex ist schärfer als Stahl. Erinnert an das Netz. Es gibt welche, die laut ind Horn des von ihnen ausgedachten Fortschritts blasen, und andere, die immer noch mit AOL surfen. Und damit nicht unzufrieden sind, weil sie es noch nicht mal mitbekommen, wie rückstädig sie angeblich sind. Und selbst, wenn man es ihnen sagen würde, wäre es ihnen egal, und das noch nicht mal zun Unrecht, nachdem sie sich nach ihren Bedürfnissen perfekt eingerichtet haben. Manche Entwicklungen hin zu einer anderen materiellen Kultur waren eigentlich überflüssig und Sackgassen.
Eine dieser Entwicklungen war Arsenbromze, entstanden am Ende des Jungsteinzeit. Man kann Bronze aus Kupfer und Arsen besser giessen als Zinnbronze, also hat man das ein paar Jahrhunderte für eine gute Idee gehalten, auch wenn die, die das für eine klasse Methode gehalten haben, wahrscheinlich etwas kurzatmig waren, und nicht wirklich gesund. Arsenvergiftungen schlagen auch auf die Psyche durch. Die alten Deppen in meiner Wissenschaft glaubten noch, dass dennoch deren Werkzeuge eine Revolution waren - ein Fehler, wie wir heute wissen, der grosse Sprung zum Ende des Neolitikums ist vor allem einer besseren Auswahl an Getreide zu verdanken. Ganz gleich ob Bronzesichel oder Mähdrecher: Auf das Korn kommt es an.
Und der Geruch von frischem Brot aus dem Ofen ist für mich heute auch nicht anders als für meine Vorfahren 5000 Jahre zuvor. Die Menschen werden immer gute Geschichten wollen. Keine Technik der Welt wird da gross was ändern können. Und wer es heute nicht sieht, sollte mal mit seinen Nachkommen reden, die dann endlich bei zwei null beta angekommen sind.
Und dann?
donalphons, 00:13h
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RSS-Leser haben kurze Schwän…
Na was wohl? Richtig, genau das. Oder eigentlich auch nicht, denn eigentlich ging es mir mit der Überschrift darum, eben jene RSS-Leser zum Anclicken des Beitrags in ihrem Reader zu bekommen. Um ihnen zu zeigen, was für Idioten sie sind. Auf was für dämliche Reize sie abfahren. Welche Wahrnehmung von Texten haben. Die ich nicht leiden kann. RSS mag einem ja einen schnellen Überblick verschaffen, ist aber ansonsten die Fernbedienung für die Blogs und eine echte Pest.
Warum? Nun, weil verdammt viele der RSS-Leser hier sind. Die sehen, dass sie kürze Schwän…. haben sollen, denken - WAS IST DAS?, das Ding übt einen knalligen, starken Reiz aus und sie kommen. So kriege ich sie. Ich muss ihnen in den ersten paar Worten etwas Hartes, Anziehendes, Unwiderstehliches liefern, wenn sie kommen sollen. Kurzb und prägnant, Deppensprache. Hätte die Überschrift durchaus zutreffend “Die möglicherweise negativen Folgen des RSS-Readers auf die Gestaltung von Internetinhalten” geheissen, wären sie wohl kaum gekommen. So, wenn ich ihnen was LAUT und DRASTISCH um die Ohren prügle, kommen sie. Hey, wenn ihr so tickt, holt Euch ein Bild-Abo, Ihr seid volle Kanne Zielgruppe.
Und hier geht es noch knalliger weiter, Freunde.
Warum? Nun, weil verdammt viele der RSS-Leser hier sind. Die sehen, dass sie kürze Schwän…. haben sollen, denken - WAS IST DAS?, das Ding übt einen knalligen, starken Reiz aus und sie kommen. So kriege ich sie. Ich muss ihnen in den ersten paar Worten etwas Hartes, Anziehendes, Unwiderstehliches liefern, wenn sie kommen sollen. Kurzb und prägnant, Deppensprache. Hätte die Überschrift durchaus zutreffend “Die möglicherweise negativen Folgen des RSS-Readers auf die Gestaltung von Internetinhalten” geheissen, wären sie wohl kaum gekommen. So, wenn ich ihnen was LAUT und DRASTISCH um die Ohren prügle, kommen sie. Hey, wenn ihr so tickt, holt Euch ein Bild-Abo, Ihr seid volle Kanne Zielgruppe.
Und hier geht es noch knalliger weiter, Freunde.
donalphons, 04:06h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Donnerstag, 19. Mai 2005
Sehr zu empfehlen I: Stuck 2
Nachdem wir uns also einig sind, dass die weitere Gestaltung unseres Daseins ohne Stuck uns in die Niederungen von Ikea und Roller Möbelmarkt drückt, oder zumindest diesen Absturz nicht a priori auszuschliessen in der Lage ist, blicken wir in unsere Brieftaschen und stellen fest, dass der uns erhebende Stuck leider, leider, hoffnungslos teuer ist.
Als ich vor 8 Jahren den ersten Raum gemacht habe, gab es noch keine Online-Shops. Ich ging zum lokalen Stuckateur, fragte nach den Preisen und entschied mich dann für eine Minimalvariante mit einem Gesims im Vorraum und zwei Spiegeln im Hauptraum (zur Erklärung: Gesims sind die an den Kanten zur Decke umlaufenden Leisten, Spiegel bilden die direkt an der Decke oder Wand befestigten Leisten). Alles andere hätte mich damals nach dem Magister ruiniert., bei einem Meterpreis von schlappen 40 Mark für die schlichtesten Einsteigermodelle.
Nun, die Zeiten des Mangels sind vorbei, nicht dank Preisvergleich im Internet, sondern dank einer Neueröffnung in einem Lagerhaus in Berlin a. d. Spree, da, wo früher mal Startups reinsollten.

Jetzt wird dort Stuck verkauft; viel und günstiger Stuck, und nach dem für uns umgeschriebenen Wittelsbacher-Motto
Zu München will ich zehren
in Ingolstadt verkehren
zu Berlin die Schätze mehren
ertönen bei derartig grossen Fassadenschildern und kleineren 20%-Neueröffnungsrabatt-Zetteln an der Tür die bayerischen Reifen unseres Puntos mit einem giergeilen Quieken, wir halten an und gehen hinein:

Hier gibt es viel. Nicht alles vielleicht, aber zumindest das, was man in den üblichen Grössen von unsererDachkammer werdenden Bibliothek bishin zur Grossbürgervilla braucht, und Palastbesitzer sind ohnehin nicht die Zielgruppe dieses Blogs, die machen sowas ja nicht selbst. Es gibt eine grosse Auswahl an klassischen, gekehlten Gesimsen in allen Grössen zwischen 5 und 20 Zentimetern - wer mehr braucht, nimmt entweder Gesims mit floralen Motiven, was dann aber etwas in Richtung Historismus geht, oder kombiniert die Gesimse mit einer parallelen Leiste an der Wand. Das ist klassisch, trägt nicht weiter auf und ist zudem günstiger, denn Leisten sind auch in grossen Mengen da, inclusive aller nötigen Abschlüsse:
Wir entscheiden uns für Gesims mit Balusterkehlung, was recht zurückhaltend und neutral ist. Generell wirkt es ruhiger und nicht so protzig, wenn in einem Raum nach oben hin die Dekorelemante abnehmen, und gerade niedrige Räume sollte man am Übergang zwischen Wand und Decke nicht überfrachten. Aber ganz ohne Luxus soll es nicht bleiben, und deshalb setzen wir an die Decke einen Innenspiegel mit ebenfalls extrem klassischen, in der Antike entwickeltem Eierstabmotiv und Palmetten in den Ecken. Diese Kombination ist zeitlos und taugt eigentlich für so ziemlich jeden Stil ausser Roccoco. Und harmoniert auch mit dem Medaillon des grossen, ca. 40 Jahre alten Täbriz-Teppichs, den wir für den Boden erworben haben:

Das ganze kostet uns für 20 Meter Gesims und 10 Meter Leisten und 8 Eckelemente in echtem Gips weitaus weniger, als damals die paar Meter bei uns daheim - weniger als 100 Euro. Wer Interesse hat: Hier ist der Laden zu finden. Die Leisten mit 2,44 Meter Länge passen genau in das Auto.
Ein Wort noch zum Material: Es muss nicht Gips sein. Auch frühere Zeiten haben geschummelt, man findet im Biedermeier viel Pappmachee oder verputzte Holzstückchen, und das einzige, was zählte, war der optische Eindruck. Dauerhaftigkeit spielte bei den sich ständig ändernden Moden keine Rolle, Arbeitskraft war billig, und man hätte im Reich des Sonnenkönigs sicher auch Styroporstuck genommen, denn 20 Jahre später hat man die Dekoration neu gemacht - unser Konservativismus, der auch noch dem letzten bröckelnden Farbrest nachjagt, hätte man damals als ziemlich exzentrisch empfunden. Für Louis XIV. täte es auch Styropor. Zudem ist Kuststoff erheblich leichter zu verarbeiten, solange es um das Anbringen geht.
Kann man also machen. Wenn man alles in 10 Jahren sowieso wieder neu macht. Nach dem zweiten Mal ist es auch ohne Arbeitszeit schon teurer als echter Stuck. Und spätestens, wenn von oben mal Wasser durch die Decke kommt, hat man mit Styropor ein echtes Problem - da hilft dann nur noch wegmachen und entsorgen. Echter Stuck ist erst mal etwas teurer und schwerer zu befestigen, aber danach hat man ein paar Jahrhunderte seine Ruhe.
Als ich vor 8 Jahren den ersten Raum gemacht habe, gab es noch keine Online-Shops. Ich ging zum lokalen Stuckateur, fragte nach den Preisen und entschied mich dann für eine Minimalvariante mit einem Gesims im Vorraum und zwei Spiegeln im Hauptraum (zur Erklärung: Gesims sind die an den Kanten zur Decke umlaufenden Leisten, Spiegel bilden die direkt an der Decke oder Wand befestigten Leisten). Alles andere hätte mich damals nach dem Magister ruiniert., bei einem Meterpreis von schlappen 40 Mark für die schlichtesten Einsteigermodelle.
Nun, die Zeiten des Mangels sind vorbei, nicht dank Preisvergleich im Internet, sondern dank einer Neueröffnung in einem Lagerhaus in Berlin a. d. Spree, da, wo früher mal Startups reinsollten.

Jetzt wird dort Stuck verkauft; viel und günstiger Stuck, und nach dem für uns umgeschriebenen Wittelsbacher-Motto
Zu München will ich zehren
in Ingolstadt verkehren
zu Berlin die Schätze mehren
ertönen bei derartig grossen Fassadenschildern und kleineren 20%-Neueröffnungsrabatt-Zetteln an der Tür die bayerischen Reifen unseres Puntos mit einem giergeilen Quieken, wir halten an und gehen hinein:

Hier gibt es viel. Nicht alles vielleicht, aber zumindest das, was man in den üblichen Grössen von unserer
Wir entscheiden uns für Gesims mit Balusterkehlung, was recht zurückhaltend und neutral ist. Generell wirkt es ruhiger und nicht so protzig, wenn in einem Raum nach oben hin die Dekorelemante abnehmen, und gerade niedrige Räume sollte man am Übergang zwischen Wand und Decke nicht überfrachten. Aber ganz ohne Luxus soll es nicht bleiben, und deshalb setzen wir an die Decke einen Innenspiegel mit ebenfalls extrem klassischen, in der Antike entwickeltem Eierstabmotiv und Palmetten in den Ecken. Diese Kombination ist zeitlos und taugt eigentlich für so ziemlich jeden Stil ausser Roccoco. Und harmoniert auch mit dem Medaillon des grossen, ca. 40 Jahre alten Täbriz-Teppichs, den wir für den Boden erworben haben:

Das ganze kostet uns für 20 Meter Gesims und 10 Meter Leisten und 8 Eckelemente in echtem Gips weitaus weniger, als damals die paar Meter bei uns daheim - weniger als 100 Euro. Wer Interesse hat: Hier ist der Laden zu finden. Die Leisten mit 2,44 Meter Länge passen genau in das Auto.
Ein Wort noch zum Material: Es muss nicht Gips sein. Auch frühere Zeiten haben geschummelt, man findet im Biedermeier viel Pappmachee oder verputzte Holzstückchen, und das einzige, was zählte, war der optische Eindruck. Dauerhaftigkeit spielte bei den sich ständig ändernden Moden keine Rolle, Arbeitskraft war billig, und man hätte im Reich des Sonnenkönigs sicher auch Styroporstuck genommen, denn 20 Jahre später hat man die Dekoration neu gemacht - unser Konservativismus, der auch noch dem letzten bröckelnden Farbrest nachjagt, hätte man damals als ziemlich exzentrisch empfunden. Für Louis XIV. täte es auch Styropor. Zudem ist Kuststoff erheblich leichter zu verarbeiten, solange es um das Anbringen geht.
Kann man also machen. Wenn man alles in 10 Jahren sowieso wieder neu macht. Nach dem zweiten Mal ist es auch ohne Arbeitszeit schon teurer als echter Stuck. Und spätestens, wenn von oben mal Wasser durch die Decke kommt, hat man mit Styropor ein echtes Problem - da hilft dann nur noch wegmachen und entsorgen. Echter Stuck ist erst mal etwas teurer und schwerer zu befestigen, aber danach hat man ein paar Jahrhunderte seine Ruhe.
donalphons, 20:02h
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In einer traurigen, düsteren Ecke
eines unscheinbaren Wohnungsauflösers in der Brüsseler Strasse im Wedding - ein Drama:

Kleiner, blaublütiger Norditaliener aus allerbester venezianischer Familie such neues Zuhause. Und wird es auch bei einer schönen, manchmal leicht einsamen Frau bekommen.

Kleiner, blaublütiger Norditaliener aus allerbester venezianischer Familie such neues Zuhause. Und wird es auch bei einer schönen, manchmal leicht einsamen Frau bekommen.
donalphons, 18:24h
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Mit freundlichen Grüssen von Ihrer LBS
So bewirbt man Immobilien im Osten zeitgemäss:
481 m² Wohnfläche in 8 Wohnungen – „Hartz IV gerecht“
Und dabei geht das Gebäude noch nicht mal bei 100.000 Euro weg - mal schaun, wann der Texter dieser Anzeige selbst Hartz IV gerichtet wird.
481 m² Wohnfläche in 8 Wohnungen – „Hartz IV gerecht“
Und dabei geht das Gebäude noch nicht mal bei 100.000 Euro weg - mal schaun, wann der Texter dieser Anzeige selbst Hartz IV gerichtet wird.
donalphons, 08:29h
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L´Escargot
Unitalienisch sowieso, aber auch extrem unfranzösisch. Ganz gleich, wie sehr diese Stadt mit ihren neu gebrandeten Carreés und Quartiers angibt, sie bleibt so unpariserisch wie das langgezogene Fladenbrot, das die Türken hier als Baguette verkaufen. Allenfalls die Slums am Stadtrand von Paris ähneln den zentrumsnahen Teilen Berlins. Ansonsten ist Paris so sehr die Hauptstadt der Grande Nation, wie Berlin die ehemalige Frontstadt ist, die noch immer nicht weiss, wie sie mit dem Umstand umgehen soll, dass jetzt Friede ist und die Soldatenverpflegung nicht mehr kommt. Berlin wie Paris? Mais non, würden deine französischen Freunde sagen. Sie sind höflich. Und bald nicht mehr da.
Aber natürlich hat die Stadt schon früher versucht, sich nach Frankreich zu orientieren, schliesslich ist auch Potsdam an Versailles angelehnt, und auch die früher reichen Bürger leisteten sich französischen Schick, und auf dessen Spuren, bei den Wohnungsauflösern, Trödlern und Antiquitätenhändlern führt es dich in die noch intakten, fast idyllischen Wohngegenden des Weddings, wo die Strassen relativ sauber, die Wande nicht verschmiert und die Häuser halbwegs gepflegt sind. Mitunter hängen hier noch Kronleuchter statt der üblichen nackten Glühbirnen von der Decke, Marmor glänzt matt in den Hausfluren, die Gegend der Brüsseler Strasse war früher gar nicht schlecht.
Du kriechst langsam die Strasse runter, um ja keinen Laden zu übersehen, behutsam lauernd, denn du hast Zeit, und hier fährt sowieso keiner ausser dir. Die Hektik der Müllerstrasse gen Mitte verschweindet, es wird sehr bürgelich, rechts sitzen ein paar Leute auf der Strasse, und du siehst das Schild über dem Lokal, und da steht: L´Escargot, die Schnecke, na prima, denkst du dir, wer hier schon mit dieser wenig beliebten Spezialität wirbt, muss es wohl ernst meinen mit den französischen Ansprüchen - und du hast heute Abend ohnehin ein Date, und französisch, das wäre doch mal wieder schön...

Essen gibt´s bei Restaur.antville
Aber natürlich hat die Stadt schon früher versucht, sich nach Frankreich zu orientieren, schliesslich ist auch Potsdam an Versailles angelehnt, und auch die früher reichen Bürger leisteten sich französischen Schick, und auf dessen Spuren, bei den Wohnungsauflösern, Trödlern und Antiquitätenhändlern führt es dich in die noch intakten, fast idyllischen Wohngegenden des Weddings, wo die Strassen relativ sauber, die Wande nicht verschmiert und die Häuser halbwegs gepflegt sind. Mitunter hängen hier noch Kronleuchter statt der üblichen nackten Glühbirnen von der Decke, Marmor glänzt matt in den Hausfluren, die Gegend der Brüsseler Strasse war früher gar nicht schlecht.
Du kriechst langsam die Strasse runter, um ja keinen Laden zu übersehen, behutsam lauernd, denn du hast Zeit, und hier fährt sowieso keiner ausser dir. Die Hektik der Müllerstrasse gen Mitte verschweindet, es wird sehr bürgelich, rechts sitzen ein paar Leute auf der Strasse, und du siehst das Schild über dem Lokal, und da steht: L´Escargot, die Schnecke, na prima, denkst du dir, wer hier schon mit dieser wenig beliebten Spezialität wirbt, muss es wohl ernst meinen mit den französischen Ansprüchen - und du hast heute Abend ohnehin ein Date, und französisch, das wäre doch mal wieder schön...

Essen gibt´s bei Restaur.antville
donalphons, 05:52h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Mittwoch, 18. Mai 2005
Jamba-CDU zu Besuch bei Wikipedia
Woher kommt mir dieses Verhalten bekannt vor? (via Lumma)
donalphons, 17:43h
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Sehr zu empfehlen I: Stuck 1
Stuck zuerst, weil man beim Restaurieren immer an der Decke anfängt und sich dann nach unten vorarbeitet.

1908 erschien eine bitterböse Abrechnung mit dem überladenen floralen Prunk des Jugendstils: Der Aufsatz "Ornament und Verbrechen" des Wiener Architekten Adolf Loos: "Evolution der kultur ist gleichbedeutend mit dem entfernen des ornamentes aus dem gebrauchsgegenstande". Was Loos an Verdammung von Blümchen, Muster, Schnörkel und Stuck forderte, war nicht weniger als die Revolution, die später im Bauhaus ausbrach und heute bei Ikea als totale Pervertierung, als neues Verbrechen sowohl an Nachhaltigkeit, Ästhetik als auch an den Idealen von Loos zu bestaunen ist. Prunk, Dekoration und Ornament wurden aus Kostengründen abgeschafft, aber billiges Pressspan, Wegwerfmöbel und Rosina-Wachtmeister-Drucke waren noch weitaus weniger im Sinne der Revolutionäre, die zu früh gestorben sind, um die fatalen Folgen ihres falsch verstandenen Tuns noch erleben zu müssen.
Loos - Bauhaus - Skandinavische Einrichtung - Ikea - Ikea goes Kitsch, so lief das ab, und heute ist es an der Zeit, wieder die Nihilistenbombe zu nehmen und sie unter den Müll werfen, der uns heute als Einrichtung aufgeschwatzt wird, obwohl es eine Hinrichtung ist. In Ikea wohnt man nicht, man vegetiert im immer gleichen pastelligen Alptraum, es ist ein aufgesextes Cubicle, anpassungsfähig wie ein Grossraumbüro und der beste Grund, sich mit einem 107-cm-Display ein Fenster in eine andere Welt zu kaufen, denn draussen, vor den Löchern in der Wand, sind nur andere Löcher als Eingang in weitere 1-Personen-Ikea-Slums.

Auch wenn Loos es nie zugegeben hätte: In Wirklichkeit war er ein Reaktionär. Seine eigenen Entwürfe sind aus heutiger Sicht ein Rückgriff des Jugendstils auf Klassizismus und Biedermeier, versetzt mit den leicht organischen Formen des Jugendstils. Auch er machte seine Ornamente, nur waren die unauffällig und scheinbar funktional. Aus Sicht des Ikea-Menschen sind Loos-Interieurs keinesfalls schlicht, sondern ziemlich intensive Raumeindrücke. Loos wollte kein Slum, sondern in sich geschlossene, gestaltete Räüme, und es ist im Gegensatz zu Ikea nicht möglich, irgendetwas anderes zu stellen, und sei es nur ein schlichtes Bauhaus-Möbel. Loos hasste im Kern die Beliebigkeit, deren Symptom das Ornament war, und wenn wir uns heute aufmachen zum ersten Schritt des Aufbaus der Bibliothek, dann strippen wir Loos von seinen rhetorischen Ornamenten, seiner Galle, und denken daran: Keine Beliebigkeit, und vor allem - Nichts darf Ikea sein. Deshalb Stuck.
Ab Raumhöhen über 3 Meter ist Stuck keine Geschmacksfrage mehr, sondern eine simple Notwendigkeit zur optischen Gliederung des Raumes. Gesimse und Leisten, die nicht im Mindesten überladen sein müssen, fangen die Linien auf und verbessern den räumlichen Eindruck. Stuck ist in seiner Reinform erst mal kein Ornament, sondern Teil der Architektur, und das in unseren Breiten seit der späten Jungsteinzeit. Die Tempel der griechischen Archaik und Klassik haben seit dem 8. Jh. v. u. Z. Gliederungselemente entwickelt, die bis heute vor dem Auge des Betrachters bestehen können. Im Gegensatz zum heutigen Bauen scheint es beim Besuch in Athen, Syracus und Milet so, als ob die Hellenen generell ihre Ornamente nur in Stein ausgeführt hätten - aber das ist nur eine Legende, denn schon damals wurden kleinere Stücke nicht in Marmor gemeisselt, sondern aus Ton gebrannt, aus Gips geformt oder aus Holz geschnitzt. In Marmor ausgeführt wurde vor allem, wenn es um Repräsentation und Tragfähigkeit ging. Ansonsten neigte man schon während der kretischen Hochkultur zu Show und Deko. Will sagen, wenn es um Stuck geht, befinden wir uns historisch in allerbester Gesellschaft. Und komme mir bitte keiner mit den reinen, klaren Linien des teutschen Mittelalters, als Gotik und Romanik die reine Architektur verkörperten: Sobald man technisch konnte, sah Gotik so aus:

Und wenn man sich dieses Stück Donauschule jetzt noch quietschbunt rot, blau, weiss und gold bemalt vorstellt, hat man in etwa den Originaleindruck von 1530.
Nun ist der fragliche Raum im Dachgeschoss und nur 2,40 Meter hoch, hat Dachschrägen und ist in seiner letzten Ausbaustufe gerade mal 50 Jahre alt, und damit anders als alle anderen Räume des Gebäudes, die spätestens um 1900, wenn nicht 1780 ihre endgültige Form erhielten - der Gang im Erdgeschoss ist noch ca. 1450 mit Originalbemalung. Und damit stehen wir vor einem Problem: ist es legitim, einer "neuen" Kammer, die erst seit 120 Jahren nicht mehr als Speicher genutzt wird, mit Stuck einen fraglos "falschen" Eindruck zu geben, ein Aussehen, das eine Nutzung seit mindestens 200 Jahren vorspielt?
Die Antwort auf diese Frage finden wir in einem der Räume im Erdgeschoss dieses Hauses, gebaut vor 1400, gewissermassen der Kernbau. Als die Gesellschaft Jesu gegen 1600 einen Palast in der Stadt wollte, kaufte man dieses Haus und die Nachbargebäude, zog sie alle 5 Stockwerke hoch, und machte bei der Gelegenheit gleich noch die Innenräume. Ein Maler aus Italien legte sich auf den Rücken und bepinselte die ganze Decke mit Ornamenten, als sei das hier eine italienische Kirche und nicht der Arbeitsraum eines alten Bürgerhauses. Niemand hat sich daran gestört, auch wenn´s ein enormer Stilbruch war, und heute bekommen Kunsthistoriker von den Resten feuchte Höschen. Insofern: Wir dürfen. Solange wir Mass halten und das Alte respektieren. Schliesslich hat die Gesellschaft Jesu hier auch nicht alles untergepflügt, sondern Vorhandenes miteinbezogen, so, wie es jeder Denkmalschützer liebt, und genauso werden wir auch verfahren.

1908 erschien eine bitterböse Abrechnung mit dem überladenen floralen Prunk des Jugendstils: Der Aufsatz "Ornament und Verbrechen" des Wiener Architekten Adolf Loos: "Evolution der kultur ist gleichbedeutend mit dem entfernen des ornamentes aus dem gebrauchsgegenstande". Was Loos an Verdammung von Blümchen, Muster, Schnörkel und Stuck forderte, war nicht weniger als die Revolution, die später im Bauhaus ausbrach und heute bei Ikea als totale Pervertierung, als neues Verbrechen sowohl an Nachhaltigkeit, Ästhetik als auch an den Idealen von Loos zu bestaunen ist. Prunk, Dekoration und Ornament wurden aus Kostengründen abgeschafft, aber billiges Pressspan, Wegwerfmöbel und Rosina-Wachtmeister-Drucke waren noch weitaus weniger im Sinne der Revolutionäre, die zu früh gestorben sind, um die fatalen Folgen ihres falsch verstandenen Tuns noch erleben zu müssen.
Loos - Bauhaus - Skandinavische Einrichtung - Ikea - Ikea goes Kitsch, so lief das ab, und heute ist es an der Zeit, wieder die Nihilistenbombe zu nehmen und sie unter den Müll werfen, der uns heute als Einrichtung aufgeschwatzt wird, obwohl es eine Hinrichtung ist. In Ikea wohnt man nicht, man vegetiert im immer gleichen pastelligen Alptraum, es ist ein aufgesextes Cubicle, anpassungsfähig wie ein Grossraumbüro und der beste Grund, sich mit einem 107-cm-Display ein Fenster in eine andere Welt zu kaufen, denn draussen, vor den Löchern in der Wand, sind nur andere Löcher als Eingang in weitere 1-Personen-Ikea-Slums.

Auch wenn Loos es nie zugegeben hätte: In Wirklichkeit war er ein Reaktionär. Seine eigenen Entwürfe sind aus heutiger Sicht ein Rückgriff des Jugendstils auf Klassizismus und Biedermeier, versetzt mit den leicht organischen Formen des Jugendstils. Auch er machte seine Ornamente, nur waren die unauffällig und scheinbar funktional. Aus Sicht des Ikea-Menschen sind Loos-Interieurs keinesfalls schlicht, sondern ziemlich intensive Raumeindrücke. Loos wollte kein Slum, sondern in sich geschlossene, gestaltete Räüme, und es ist im Gegensatz zu Ikea nicht möglich, irgendetwas anderes zu stellen, und sei es nur ein schlichtes Bauhaus-Möbel. Loos hasste im Kern die Beliebigkeit, deren Symptom das Ornament war, und wenn wir uns heute aufmachen zum ersten Schritt des Aufbaus der Bibliothek, dann strippen wir Loos von seinen rhetorischen Ornamenten, seiner Galle, und denken daran: Keine Beliebigkeit, und vor allem - Nichts darf Ikea sein. Deshalb Stuck.
Ab Raumhöhen über 3 Meter ist Stuck keine Geschmacksfrage mehr, sondern eine simple Notwendigkeit zur optischen Gliederung des Raumes. Gesimse und Leisten, die nicht im Mindesten überladen sein müssen, fangen die Linien auf und verbessern den räumlichen Eindruck. Stuck ist in seiner Reinform erst mal kein Ornament, sondern Teil der Architektur, und das in unseren Breiten seit der späten Jungsteinzeit. Die Tempel der griechischen Archaik und Klassik haben seit dem 8. Jh. v. u. Z. Gliederungselemente entwickelt, die bis heute vor dem Auge des Betrachters bestehen können. Im Gegensatz zum heutigen Bauen scheint es beim Besuch in Athen, Syracus und Milet so, als ob die Hellenen generell ihre Ornamente nur in Stein ausgeführt hätten - aber das ist nur eine Legende, denn schon damals wurden kleinere Stücke nicht in Marmor gemeisselt, sondern aus Ton gebrannt, aus Gips geformt oder aus Holz geschnitzt. In Marmor ausgeführt wurde vor allem, wenn es um Repräsentation und Tragfähigkeit ging. Ansonsten neigte man schon während der kretischen Hochkultur zu Show und Deko. Will sagen, wenn es um Stuck geht, befinden wir uns historisch in allerbester Gesellschaft. Und komme mir bitte keiner mit den reinen, klaren Linien des teutschen Mittelalters, als Gotik und Romanik die reine Architektur verkörperten: Sobald man technisch konnte, sah Gotik so aus:

Und wenn man sich dieses Stück Donauschule jetzt noch quietschbunt rot, blau, weiss und gold bemalt vorstellt, hat man in etwa den Originaleindruck von 1530.
Nun ist der fragliche Raum im Dachgeschoss und nur 2,40 Meter hoch, hat Dachschrägen und ist in seiner letzten Ausbaustufe gerade mal 50 Jahre alt, und damit anders als alle anderen Räume des Gebäudes, die spätestens um 1900, wenn nicht 1780 ihre endgültige Form erhielten - der Gang im Erdgeschoss ist noch ca. 1450 mit Originalbemalung. Und damit stehen wir vor einem Problem: ist es legitim, einer "neuen" Kammer, die erst seit 120 Jahren nicht mehr als Speicher genutzt wird, mit Stuck einen fraglos "falschen" Eindruck zu geben, ein Aussehen, das eine Nutzung seit mindestens 200 Jahren vorspielt?
Die Antwort auf diese Frage finden wir in einem der Räume im Erdgeschoss dieses Hauses, gebaut vor 1400, gewissermassen der Kernbau. Als die Gesellschaft Jesu gegen 1600 einen Palast in der Stadt wollte, kaufte man dieses Haus und die Nachbargebäude, zog sie alle 5 Stockwerke hoch, und machte bei der Gelegenheit gleich noch die Innenräume. Ein Maler aus Italien legte sich auf den Rücken und bepinselte die ganze Decke mit Ornamenten, als sei das hier eine italienische Kirche und nicht der Arbeitsraum eines alten Bürgerhauses. Niemand hat sich daran gestört, auch wenn´s ein enormer Stilbruch war, und heute bekommen Kunsthistoriker von den Resten feuchte Höschen. Insofern: Wir dürfen. Solange wir Mass halten und das Alte respektieren. Schliesslich hat die Gesellschaft Jesu hier auch nicht alles untergepflügt, sondern Vorhandenes miteinbezogen, so, wie es jeder Denkmalschützer liebt, und genauso werden wir auch verfahren.
donalphons, 17:21h
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Neueste Adels-Verbalien
für den täglichen Gebrauch durch aufgeklärtes Bürgertum:
Sachsen-Alex - Angeheirateter Ostelbier - der von-Ex von der Teleklamaukerin
Schliesslich sollen Popliteraten wie Alexander Graf von Schönburg-Glauchau, Florian Illies und Benjamin von Stuckrad-Barre doch auch schön poppig klingen.
Gibt es natürlich auuch als Button:
Sachsen-Alex - Angeheirateter Ostelbier - der von-Ex von der Teleklamaukerin
Schliesslich sollen Popliteraten wie Alexander Graf von Schönburg-Glauchau, Florian Illies und Benjamin von Stuckrad-Barre doch auch schön poppig klingen.
Gibt es natürlich auuch als Button:
donalphons, 14:29h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Mittwoch, 18. Mai 2005
Conservative jeunesse doree. Oder so.
Eigentlich wird endlich alles gut. Ich habe einen repsektablen Beruf.In der Schweiz nennt man mich einen "Autor" in einer Reihe mit anderen Autoren, und schön langsam komme ich auch in das Alter, in dem ich mich qua leistung, Buchrücken und geringer, aber von Patek Phillipe als interessant angesehener Leserschaft meiner professionellen Texte als Publizist bezeichnen darf, ohne gleich der Hochstapler zu sein, der sich nur allzu oft hinter diesem Wort verbirgt. Man kennt das: Ein Artikel in einem Sammelband eines Buches, verlegt von einer Lobbygruppe, uns schon hat das Land 10 neue, bedeutende Publizisten...
Und ich gehe zurück in die Provinz, schlage meine Zelte im Stammhaus auf, trinke meinen Tee aus englichen Kannen und russisch-zaristischem Silber, und dieser tee ist im Licht der Kronleuchter das Einzige, was neben den Vorhängen noch rot ist... und schon kommt man in die Gefahr, in einen Topf mit den Luxuslumpen, den Einstecktuchschreibern, den Oxfordsagern und Talkshowmeinern, mit dem Pack geworfen zu werden, das damals mit 18 neben der obligatorischen Rolex auch n0ch den Porsche 924 bekam und irgendwie was mit Medien machen wollte, während die wenigen Talente nach ein paar schlechten Erfahrungen dann doch lieber Brillenverkäufer in der Maxvorstadt wurden.
Diese Schreiber sind zum grossen Teil ganz ekelhaft verreckt, in Sackgassen, sind vom Betrieb untergepflügt worden, aber ein paar hat es noch immer nicht erwischt. Was zur Folge hat, dass allenthalben vor einer Rückkehr ganz seltsamer, alter Manieren bei der jüngeren Generation gewarnt wird. Da ein ostelbischer Junkerinnengatte, hier ein Brüderlein eines Galatitelbilds, deren Gatte zu Lebzeiten nach Knaben im Parkcafe Auschau hielt, überhaupt vieles aus Salem und dann auch noch dieses v. im Namen - keine Frage, man hat Angst vor einer Rückkehr der demokratiefeindlichen Eliten der Weimarer Republik durch die publizistisch-ironische Hintertür. Zumal, weil die gleichen Medien seit gut zwei Jahren den Trend zu Sitte und bürgerlichen Moral bei jungen Leuten ausmachen. Angeblich lesen die auch Ernst Jünger Bullshit in Halbkuhleder. Sagt man.
Und da macht man sich natürlich verdächtigt, wenn man Hofjuweliere kennt, beim Teetrinken den kleinen Finger spreizt und das Pech hatte, von einigen Kritikern des Erstlingswertes als "wertkonservativ" bezeichnet zu werden, weil man in ihren Augen das beschriebene Treiben verurteilte. Dann erinnert man sich in den Medien, dann bekommt man Emails von Kollegen, die eine trendige Story über bessere Kinder der besseren Gesellschaft schreiben wollen, ob man nicht Lust hätte, man suche gerade Beispiele für junge, konservative Intellektuelle, "jeunesse doree" als neu-altes Stichwort. Und das trifft mich ins Mark.
Wahrscheinlich hat dieses junge Ding, das die Mail geschickt hat, keine Ahnung von der geschichtlichen Bedeutung dieses Begriffs - eigentlich ist die jeunesse doree eine plutokratisch-protofaschistische Bewegung aus der französischen Revolution und der 2. Hälfte des 19. Jahre. Wahrscheinlich hat sie weder Breton, Aragon, Gide oder Souppault gelesen, denn selbst deren Bücher, in denen es diese spezifische Jugend noch gibt, wird nur ihr Abstieg und die Unfähigkeit beschrieben, sich in der Moderne des 20. Jahrhunderts zurecht zu finden. In Deutschland... es hat zu meinen Lebzeiten keine jeunesse doree gegeben, nie und nirgends, auch wenn ich Teil eines Systems war, die sie wahrscheinlich dafür halten würde.
Das ist das Gute an der deutschen Geschichte: Jeder historisch-elitäre Rückgriff landet automatisch im braunen Sumpf. Fast jeder v. hatte irgendwelche SS-Chargen in der Verwandtschaft, stand irgendwo am Kubanbogen oder fickte zwecks Anerkennung die blonden Kuhtöchter irgendwelcher frühen Mitgliedsnummern. Die meisten Altreichen haben Traditionen, die auf einer hohen Zahl von Zwangsarbeitern beruhen. 60 Jahre zuück beginnt die grösste Scheisse der Weltgeschichte, und alle deutschen Eliten ausser den Ausgerotteten und Vertriebenen waren mit dabei. Den meisten Nachgeborenen kann man damit heute noch eine Bombe in den Arsch stecken, wenn sie im Interview von den Eliten sülzen. Der Weg zurück kann diese 12 Jahre nicht ausklammern, und was ab 1848 davor war, führt via Wagner, Strauss, Giftgas, heil Dir im Siegeskranz genau da hinein.
Es gibt in Deutschland keine jeunesse doree. Nur Wohlstandskinder, die statt einem von Porsche entwickelten Panzer nur einen 924er fahren durften, und das auch nur bis zur Ostklippe auf Sylt.
Und ich gehe zurück in die Provinz, schlage meine Zelte im Stammhaus auf, trinke meinen Tee aus englichen Kannen und russisch-zaristischem Silber, und dieser tee ist im Licht der Kronleuchter das Einzige, was neben den Vorhängen noch rot ist... und schon kommt man in die Gefahr, in einen Topf mit den Luxuslumpen, den Einstecktuchschreibern, den Oxfordsagern und Talkshowmeinern, mit dem Pack geworfen zu werden, das damals mit 18 neben der obligatorischen Rolex auch n0ch den Porsche 924 bekam und irgendwie was mit Medien machen wollte, während die wenigen Talente nach ein paar schlechten Erfahrungen dann doch lieber Brillenverkäufer in der Maxvorstadt wurden.
Diese Schreiber sind zum grossen Teil ganz ekelhaft verreckt, in Sackgassen, sind vom Betrieb untergepflügt worden, aber ein paar hat es noch immer nicht erwischt. Was zur Folge hat, dass allenthalben vor einer Rückkehr ganz seltsamer, alter Manieren bei der jüngeren Generation gewarnt wird. Da ein ostelbischer Junkerinnengatte, hier ein Brüderlein eines Galatitelbilds, deren Gatte zu Lebzeiten nach Knaben im Parkcafe Auschau hielt, überhaupt vieles aus Salem und dann auch noch dieses v. im Namen - keine Frage, man hat Angst vor einer Rückkehr der demokratiefeindlichen Eliten der Weimarer Republik durch die publizistisch-ironische Hintertür. Zumal, weil die gleichen Medien seit gut zwei Jahren den Trend zu Sitte und bürgerlichen Moral bei jungen Leuten ausmachen. Angeblich lesen die auch Ernst Jünger Bullshit in Halbkuhleder. Sagt man.
Und da macht man sich natürlich verdächtigt, wenn man Hofjuweliere kennt, beim Teetrinken den kleinen Finger spreizt und das Pech hatte, von einigen Kritikern des Erstlingswertes als "wertkonservativ" bezeichnet zu werden, weil man in ihren Augen das beschriebene Treiben verurteilte. Dann erinnert man sich in den Medien, dann bekommt man Emails von Kollegen, die eine trendige Story über bessere Kinder der besseren Gesellschaft schreiben wollen, ob man nicht Lust hätte, man suche gerade Beispiele für junge, konservative Intellektuelle, "jeunesse doree" als neu-altes Stichwort. Und das trifft mich ins Mark.
Wahrscheinlich hat dieses junge Ding, das die Mail geschickt hat, keine Ahnung von der geschichtlichen Bedeutung dieses Begriffs - eigentlich ist die jeunesse doree eine plutokratisch-protofaschistische Bewegung aus der französischen Revolution und der 2. Hälfte des 19. Jahre. Wahrscheinlich hat sie weder Breton, Aragon, Gide oder Souppault gelesen, denn selbst deren Bücher, in denen es diese spezifische Jugend noch gibt, wird nur ihr Abstieg und die Unfähigkeit beschrieben, sich in der Moderne des 20. Jahrhunderts zurecht zu finden. In Deutschland... es hat zu meinen Lebzeiten keine jeunesse doree gegeben, nie und nirgends, auch wenn ich Teil eines Systems war, die sie wahrscheinlich dafür halten würde.
Das ist das Gute an der deutschen Geschichte: Jeder historisch-elitäre Rückgriff landet automatisch im braunen Sumpf. Fast jeder v. hatte irgendwelche SS-Chargen in der Verwandtschaft, stand irgendwo am Kubanbogen oder fickte zwecks Anerkennung die blonden Kuhtöchter irgendwelcher frühen Mitgliedsnummern. Die meisten Altreichen haben Traditionen, die auf einer hohen Zahl von Zwangsarbeitern beruhen. 60 Jahre zuück beginnt die grösste Scheisse der Weltgeschichte, und alle deutschen Eliten ausser den Ausgerotteten und Vertriebenen waren mit dabei. Den meisten Nachgeborenen kann man damit heute noch eine Bombe in den Arsch stecken, wenn sie im Interview von den Eliten sülzen. Der Weg zurück kann diese 12 Jahre nicht ausklammern, und was ab 1848 davor war, führt via Wagner, Strauss, Giftgas, heil Dir im Siegeskranz genau da hinein.
Es gibt in Deutschland keine jeunesse doree. Nur Wohlstandskinder, die statt einem von Porsche entwickelten Panzer nur einen 924er fahren durften, und das auch nur bis zur Ostklippe auf Sylt.
donalphons, 01:14h
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Park Avenue
1 cl Vermouth Bianco (steht für die arisch-weisse Herrenrasse)
1 cl Vermouth Dry (steht für die trockene Kaltschnäuzigkeit)
3 cl Gin (steht für das ordinäre Textanbiedern bei den Werbekunden)
1 cl Ananassaft (macht den Tonfall schleimig)
Zutaten auf Eis kräftig schütteln, in spitzes Cocktailglas abseihen, vor dem Dinner mit den wirtschaft-sozialen Eliten von Alex Falk bis Gloria Thurntaxis servieren. Geschmack: Halb-herb, aber eigentlich nur für die jenseits der 100.000 Sichelitenennenden, die ohnehin nicht in der Lage sind, monatlich 6 Euro für Werbungszusatztexte auszugeben.
1 cl Vermouth Dry (steht für die trockene Kaltschnäuzigkeit)
3 cl Gin (steht für das ordinäre Textanbiedern bei den Werbekunden)
1 cl Ananassaft (macht den Tonfall schleimig)
Zutaten auf Eis kräftig schütteln, in spitzes Cocktailglas abseihen, vor dem Dinner mit den wirtschaft-sozialen Eliten von Alex Falk bis Gloria Thurntaxis servieren. Geschmack: Halb-herb, aber eigentlich nur für die jenseits der 100.000 Sichelitenennenden, die ohnehin nicht in der Lage sind, monatlich 6 Euro für Werbungszusatztexte auszugeben.
donalphons, 17:27h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Montag, 16. Mai 2005
Vorschau
In den nächsten Wochen wird sich dieses Blog ziemlich ändern. Plötzlich werden Aspekte wichtig, die nur hier und dort durchschimmerten, es geht um so seltsame, uns Digitalen reichlich unbekannte Dinge wie "Nageln", "Stoff" und "Fenster", ohne dass es etwas mit dem Verbreiten von unter Drogen aufgezeichneter Pornographie im Internet zu tun hat. Wie Iihr wisst, kennen wir uns ja nicht, oder zumindest nicht wirklich, und vorgestellt wurden wir uns auch nicht; ich erzähle Euch was mehr oder weniger Wahres, Ihr lest es oder auch nicht, kommentiert oder verlinkt oder tratscht es Euren Bekannten weiter. Das sind die Regeln des Spiels.
In den nächsten Wochen nun werden die Regeln geändert - Ihr sollt mich kennenlernen. Die, die mich schon kennen, werden Euch sicher gern bestätigen, dass ich entsetzlich dünkelhaft sein und gleichzeitig zynisch überzogene Manieren haben kann, ein Ergebnis von guter Erziehung und schlechter Moral, und das wird dann sicher für einige Zeit enorm auf die Texte durchschlagen. Denn etwas, das ich jetzt schon seit 8 Jahren vor mir herschiebe, wird jetzt in Angriff genommen:

Das hier ist mein zweites Zimmer in unserem alten Haus, das derer3040 (oder so) hat, die eigentlich alle inzwischen restauriert sind, bis eben auf diesen Raum im jüngsten Teil des Hauses, der aber im Kern auch schon 405 Jahre alt ist. Aus diesem Raum, von meinen Eltern gerne auch ihres Sohnes Saustall, Kammerl oder Zeugnis für seine Inkonsequenz genannt, wird eine vorzeigbare Jungesellenbibliothek.
Man stelle sich einzelne Passagen des obigen Textes auf Englisch vor, schon herrenmenschelt und dünkelt es aus allen Ecken und Enden. Ich werde mich gezwungenermassen in den Problemen von Brokatstoffen als Wandbespannung ergehen und über die Vorteilhaftigkeit von Holz schreiben, das 20 Jahre lang gelagert wurde, und das alles im Umfeld einer enorm eingebildeten Provinzstadt, deren ästhetische Bildung leider nicht im Einklang mit dem plötzlich über sie gekommenen Reichtum verlief. Kurz, dieses Blog wird über Wochen den bitteren Geschmack eines ungeniessbaren Cocktails aus unerträglicher Arroganz, Making of the Munsters Castle und Kaufberatung für Schnösel annehmen.
Nur damit sich nachher keiner beklagt, aus dem weiteren Leben im Kiez, irgendwo, wo das Wort "Leben" nach "vegetieren" klingt.

In den nächsten Wochen nun werden die Regeln geändert - Ihr sollt mich kennenlernen. Die, die mich schon kennen, werden Euch sicher gern bestätigen, dass ich entsetzlich dünkelhaft sein und gleichzeitig zynisch überzogene Manieren haben kann, ein Ergebnis von guter Erziehung und schlechter Moral, und das wird dann sicher für einige Zeit enorm auf die Texte durchschlagen. Denn etwas, das ich jetzt schon seit 8 Jahren vor mir herschiebe, wird jetzt in Angriff genommen:

Das hier ist mein zweites Zimmer in unserem alten Haus, das derer
Man stelle sich einzelne Passagen des obigen Textes auf Englisch vor, schon herrenmenschelt und dünkelt es aus allen Ecken und Enden. Ich werde mich gezwungenermassen in den Problemen von Brokatstoffen als Wandbespannung ergehen und über die Vorteilhaftigkeit von Holz schreiben, das 20 Jahre lang gelagert wurde, und das alles im Umfeld einer enorm eingebildeten Provinzstadt, deren ästhetische Bildung leider nicht im Einklang mit dem plötzlich über sie gekommenen Reichtum verlief. Kurz, dieses Blog wird über Wochen den bitteren Geschmack eines ungeniessbaren Cocktails aus unerträglicher Arroganz, Making of the Munsters Castle und Kaufberatung für Schnösel annehmen.
Nur damit sich nachher keiner beklagt, aus dem weiteren Leben im Kiez, irgendwo, wo das Wort "Leben" nach "vegetieren" klingt.

donalphons, 22:32h
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Übrigens:
Ist jemandem schon mal aufgefallen, dass der Preusse in Echt genauso komisch spricht, wie das die Preussen bei uns zu Hause im Kommödienstadl machen?
donalphons, 20:55h
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Grosse Töne
Wir glauben, dass wir die Zeitschrift "Cicero", die eine Fortsetzung von Fernseh-Talkshow-Eitelkeiten auf Papier als Journalismus verkauft, innerhalb kürzester Zeit ersetzen können.
von hier.
Ich bekomme die Cicero kostenlos - niemals würde ich 7 Euro für solchen reaktionären Schund ausgeben. Jedesmal nehme ich mir vor, diese CDU-Parteiorgan-Metastase, dieses dank der vielfältigen Verwendung von Autoren mit politischen oder finanziellen Interessen von Bekannten als "Lobbyhuren-Anzeigenblättchen" titulierte Produkt nicht zu lesen - und tue es doch. Die neueste Ausgabe ist besonders übel; ein fettes, hündisches Interview mit einem der grossen Werbekunden ist wohl der finanziellen Interessen geschuldet. Die ganze Malaise wird offenbar, wenn die Cicero-Redakteure erfolgreich versuchen, Florian Illies qualititiv zu unterbieten.
Man fragt sich, ob Fritz Raddatz überhaupt die Bilder aus 10 Downing Street gesehen hat, zu denen er einen Artikel schreibt. Oder was das für ein Europa sein soll, dessen unkritisch gedruckte "Eliten"-Bilder von Tina Berney mit ihren Tapisserien und überladenen Antiquitäten angeblich für das neue, alte Europa stehen - meines Erachtens ein Europa, das dringend demnächst mal wieder eine Revolution braucht, ein paar Pflastersteine oder zumindest ein paar harte Steuerfahnder an ihren dubiosen Konten in der Schweiz.
Cicero ist politische Unkultur, journalistische Barbarei ersten Grades und jenseits der in abgehobenen Tonfalls schleimender Zeilenschinder am Fusspilz der potentiellen neuen CDU-Bundesregierung so intellektuell wie Franz Josef Wagner von der Bild. Der Chefredakteur sieht aus wie der frühe Florian Haffa. Das Blatt hätte noch vor Jahresfrist auch in der Ukraine erscheinen können; jetzt bleibt nur noch die geistige Brache Berlin, wo es sich nahtlos in das Gesamtbild einfügt.
Kurz, es ist zu hoffen, dass Abstand mit Cicero ähnlich verfährt wie Antonius im jahr 43 v. u. Z..
von hier.
Ich bekomme die Cicero kostenlos - niemals würde ich 7 Euro für solchen reaktionären Schund ausgeben. Jedesmal nehme ich mir vor, diese CDU-Parteiorgan-Metastase, dieses dank der vielfältigen Verwendung von Autoren mit politischen oder finanziellen Interessen von Bekannten als "Lobbyhuren-Anzeigenblättchen" titulierte Produkt nicht zu lesen - und tue es doch. Die neueste Ausgabe ist besonders übel; ein fettes, hündisches Interview mit einem der grossen Werbekunden ist wohl der finanziellen Interessen geschuldet. Die ganze Malaise wird offenbar, wenn die Cicero-Redakteure erfolgreich versuchen, Florian Illies qualititiv zu unterbieten.
Man fragt sich, ob Fritz Raddatz überhaupt die Bilder aus 10 Downing Street gesehen hat, zu denen er einen Artikel schreibt. Oder was das für ein Europa sein soll, dessen unkritisch gedruckte "Eliten"-Bilder von Tina Berney mit ihren Tapisserien und überladenen Antiquitäten angeblich für das neue, alte Europa stehen - meines Erachtens ein Europa, das dringend demnächst mal wieder eine Revolution braucht, ein paar Pflastersteine oder zumindest ein paar harte Steuerfahnder an ihren dubiosen Konten in der Schweiz.
Cicero ist politische Unkultur, journalistische Barbarei ersten Grades und jenseits der in abgehobenen Tonfalls schleimender Zeilenschinder am Fusspilz der potentiellen neuen CDU-Bundesregierung so intellektuell wie Franz Josef Wagner von der Bild. Der Chefredakteur sieht aus wie der frühe Florian Haffa. Das Blatt hätte noch vor Jahresfrist auch in der Ukraine erscheinen können; jetzt bleibt nur noch die geistige Brache Berlin, wo es sich nahtlos in das Gesamtbild einfügt.
Kurz, es ist zu hoffen, dass Abstand mit Cicero ähnlich verfährt wie Antonius im jahr 43 v. u. Z..
donalphons, 03:24h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 15. Mai 2005
Real Life 15.05.2005 - Berliner Republikende
Ihre Eltern sind zeitig gegangen. Sie wollten nur schnell sehen, ob die neuen Freunde ihrer Tochter auch ihren Vorstellungen entsprachen, bevor sie in ihr Hotel am Kurfürstendamm zurückkehrten. Immerhin haben sie es geschafft, aus Paris zu kommen und das Domizil ihrer Tochter zu besichtigen; deine Eltern sind stur in der Provinz geblieben und haben sich geweigert, andere Reiseziele ausser Oberitalien, Sizilien, Südfrankreich oder einen verträumten Winkel im südlichen Oberbayen überhaupt nur in Betracht zu ziehen. Vermutlich ist für Pariser Eltern, die via Charles de Gaulle einfliegen, der Kulturschock nach einem Transfer durch die verbotenen Zonen am Stadtrand nicht so gross; deine Eltern dagegen würden diretissime zum Flughafen fahren, durch völlig intakte, wohlhabende Bezirke der besseren Regionen eines reichen Bundeslandes - die Stadtautobahn A 100 ist aus dieser Perspektive die Stunde der Abrechnung für jedes zarte Gefühl der Ästhetik und Naturverbundenheit.
Das erzählst du auch der Gastgeberin, die dafür, wie eigentlich alle Gäste dieser Abschiedsparty, viel Verständnis hat. Eigentlich ist hier jeder nicht aus Neigung, sondern nur durch äussere Zwänge gelandet; die Stadt hat man mehr oder weniger bewusst in Kauf genommen. Für manche, 5000 Meilen entfernt, hatte Berlin auch einen magischen Klang. Der amerikanische Stipendiat zum Beispiel hat eine Grossmutter, die fast bis Ende der 30er Jahre hier lebte und als junge Frau viel politisches Ungemach einfach nicht verstanden hat. Er erwartete nach ihren Erzählungen eine mondäne Grossstadt mit aufregenden Impulsen. Mit einem verkommenen Slum, kriminellen Vermietern und der stupiden Ausbeutung bei einer amerikanischen Stiftung mit Sparzwang wegen des gepanzerten Benz für die Leiterin hatte er nicht gerechnet. Das angebliche Problem mit der Abrechnungssoftware der Stiftung, nach 4 Monaten Texte übersetzen und online stellen, mussten seine nicht wirklich begeisterten Eltern begleichen, die gedacht hatten, dass das Thema Zwangsarbeit in Germanien vorbei ist.
Auch erwartete der Stipendiat nicht, dass die Chefin der anderen Organisation, wo er sich danach bewarb, die Sache sofort seiner alten Chefin berichtete. Die Stadt ist in diesen Zirkeln sehr klein und gesprächig, und so, wie sich die Spitzen draussen auf dem Balkon der Akademie über dem Wannsee langweilen und die Anwesenheit des Cicero-Chefredakteurs ertragen müssen, sitzen die schlecht bezahlten Underdogs der internationalen Verständigung zusammen in einer halbausgeräumten Wohnung und zählen mit schlechter Laune die vielen Tage, bis sie zurück können.
Die Gastgeberin hat es hinter sich. Die Wohnung muss nur noch mal geputzt werden, dann geht es nach Hause. Die Getränke werden in Pappbechern gereicht, das Essen haben Lieferdienste gebracht, der Rest ihrer Sachen passt in ihr Auto, wenn es Ende nächster Woche losgeht. Sie hat darum gebeten, ihr nichts zu schenken, weil sie keinen Platz hat, aber niemand hat sich daran gehalten. Wenigstens habt ihr auf den riesigen Porzellanelephanten verzichtet, der bei den Überlegungen zur Verabschiedung auch mal kurzfristig eine Rolle spielte, in Erinnerung an ihr resolutes Auftreten bei einigen Stellen deutscher Ämter, deren stalinistisches Personal mit ihrer gallischen Unnachgiebigkeit und der konsequenten Freundlichkeit absolut nicht konnte. Hätte sie sie angeschnauzt, wäre es den Vorschriften gemäss gewesen. Leider hat sie dann die Todsünde begangen, Hierarchieebenen zu überspringen und bei einem Staatssekretär auf einer Party direkt während der Häppchen anzufragen. Von diesem Moment an half im Ämtersumpf nur noch hin und wieder ein externer Anrufer, der wissen wollte, warum das Amt die Arbeit der Franzosen behinderte... zu späterer Stunde habt ihr die Idee, dass man ein Buch machen sollte, Berliner Republik für Ausländer, ein Leitfaden für junge Verschollene. Manchmal überkommt dich auch die Lust, ein Schreiben an gewisse Ministerien oder Ländervertretungen meit "Heil H*tler" oder "Rotfront, Genosse!" zu unterzeichnen und zu schauen, ob da noch was anderes als die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Band zurückkommt.
Jetzt, da alles vorbei ist, kannst und darfst du das sagen. Da, wo die in diesen Räumen versammelten Menschen in 2, 3, 6 oder 12 Monaten sein werden, ist es vielleicht besser. Draussen geht schon seit Stunden der Regen nieder, der Hinterhof vor dem Fenster ist ein schwarzes, feuchtes Nichts, und die Nachtluft riecht nach Fäulnis. Kein Stern ist zu sehen, nur das schmutzigfahle Gelb der Lichter, die in die Wolken strahlen, ein maroder Helligkeitsbrei, ehe dann, sehr spät, draussen das erste Licht des Tages in dunklen Wolkenmassen versickert. Irgendjemand legt eine CD ein, aktuelles Zeug, und dann kommt ein Lied mit dem Refrain
"Oh my God I can´t believe it,
I´ve never been this far away from home."
Ihr sitzt auf dem Boden, ein Dutzend Nationen, Lebenswelten, Erfahrungen und Träume, ihr zu Ehren gut bekleidet, schön, jung, betrunken und ernüchtert, und ihr singt alle mit.
Das erzählst du auch der Gastgeberin, die dafür, wie eigentlich alle Gäste dieser Abschiedsparty, viel Verständnis hat. Eigentlich ist hier jeder nicht aus Neigung, sondern nur durch äussere Zwänge gelandet; die Stadt hat man mehr oder weniger bewusst in Kauf genommen. Für manche, 5000 Meilen entfernt, hatte Berlin auch einen magischen Klang. Der amerikanische Stipendiat zum Beispiel hat eine Grossmutter, die fast bis Ende der 30er Jahre hier lebte und als junge Frau viel politisches Ungemach einfach nicht verstanden hat. Er erwartete nach ihren Erzählungen eine mondäne Grossstadt mit aufregenden Impulsen. Mit einem verkommenen Slum, kriminellen Vermietern und der stupiden Ausbeutung bei einer amerikanischen Stiftung mit Sparzwang wegen des gepanzerten Benz für die Leiterin hatte er nicht gerechnet. Das angebliche Problem mit der Abrechnungssoftware der Stiftung, nach 4 Monaten Texte übersetzen und online stellen, mussten seine nicht wirklich begeisterten Eltern begleichen, die gedacht hatten, dass das Thema Zwangsarbeit in Germanien vorbei ist.
Auch erwartete der Stipendiat nicht, dass die Chefin der anderen Organisation, wo er sich danach bewarb, die Sache sofort seiner alten Chefin berichtete. Die Stadt ist in diesen Zirkeln sehr klein und gesprächig, und so, wie sich die Spitzen draussen auf dem Balkon der Akademie über dem Wannsee langweilen und die Anwesenheit des Cicero-Chefredakteurs ertragen müssen, sitzen die schlecht bezahlten Underdogs der internationalen Verständigung zusammen in einer halbausgeräumten Wohnung und zählen mit schlechter Laune die vielen Tage, bis sie zurück können.
Die Gastgeberin hat es hinter sich. Die Wohnung muss nur noch mal geputzt werden, dann geht es nach Hause. Die Getränke werden in Pappbechern gereicht, das Essen haben Lieferdienste gebracht, der Rest ihrer Sachen passt in ihr Auto, wenn es Ende nächster Woche losgeht. Sie hat darum gebeten, ihr nichts zu schenken, weil sie keinen Platz hat, aber niemand hat sich daran gehalten. Wenigstens habt ihr auf den riesigen Porzellanelephanten verzichtet, der bei den Überlegungen zur Verabschiedung auch mal kurzfristig eine Rolle spielte, in Erinnerung an ihr resolutes Auftreten bei einigen Stellen deutscher Ämter, deren stalinistisches Personal mit ihrer gallischen Unnachgiebigkeit und der konsequenten Freundlichkeit absolut nicht konnte. Hätte sie sie angeschnauzt, wäre es den Vorschriften gemäss gewesen. Leider hat sie dann die Todsünde begangen, Hierarchieebenen zu überspringen und bei einem Staatssekretär auf einer Party direkt während der Häppchen anzufragen. Von diesem Moment an half im Ämtersumpf nur noch hin und wieder ein externer Anrufer, der wissen wollte, warum das Amt die Arbeit der Franzosen behinderte... zu späterer Stunde habt ihr die Idee, dass man ein Buch machen sollte, Berliner Republik für Ausländer, ein Leitfaden für junge Verschollene. Manchmal überkommt dich auch die Lust, ein Schreiben an gewisse Ministerien oder Ländervertretungen meit "Heil H*tler" oder "Rotfront, Genosse!" zu unterzeichnen und zu schauen, ob da noch was anderes als die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Band zurückkommt.
Jetzt, da alles vorbei ist, kannst und darfst du das sagen. Da, wo die in diesen Räumen versammelten Menschen in 2, 3, 6 oder 12 Monaten sein werden, ist es vielleicht besser. Draussen geht schon seit Stunden der Regen nieder, der Hinterhof vor dem Fenster ist ein schwarzes, feuchtes Nichts, und die Nachtluft riecht nach Fäulnis. Kein Stern ist zu sehen, nur das schmutzigfahle Gelb der Lichter, die in die Wolken strahlen, ein maroder Helligkeitsbrei, ehe dann, sehr spät, draussen das erste Licht des Tages in dunklen Wolkenmassen versickert. Irgendjemand legt eine CD ein, aktuelles Zeug, und dann kommt ein Lied mit dem Refrain
"Oh my God I can´t believe it,
I´ve never been this far away from home."
Ihr sitzt auf dem Boden, ein Dutzend Nationen, Lebenswelten, Erfahrungen und Träume, ihr zu Ehren gut bekleidet, schön, jung, betrunken und ernüchtert, und ihr singt alle mit.
donalphons, 19:10h
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Samstag, 14. Mai 2005
Real Life Ende 98 - Bayerische Vertretung
Sie haben Kreti und Pleti eingeladen. Als die Bayerische Vertreung in Berlin eröffnet wurde, musste alles, was irgendwie international war, hoch und darüber berichten. Geld, Aufwand, Logis, alles kein Problem, solange die Welt nur davon erfuhr. Nie waren die Stimmen geschmeidiger in einem Amt, das sonst bundesweit eher für raue Töne bekannt ist.
Wir hatten ein Hotel im Westen der Stadt, Nähe Ernst-Reuter-Platz, das ich erst fünf Jahre später, in einem ganz anderen Leben, einer anderen politischen Mission wiedersehen sollte. Das Besuchsprogramm war angesichts des miesen Wetters wenig ausgeprägt. Meistens sassen wir in der Lobby auf den goldenen Metallstühlen und probierten aus, wie sich bayerischer Alkoholismus mit den hiesigen Getränken vertrug. Es machte nicht wirklich einen guten Eindruck, als ein Tontechniker eines grossen öffentlich-rechtlichen Senders aus dem Süden um zwei Uhr Nachmittags vom Stuhl kippte, während sein Kollege erzählte, wie sie noch unter Strauss vom Airbus-Konsortium gespudert wurden, dagegen sei das hier in Berlin der reinste Klosterkreuzgang an Anstand.
Am Abend dann fanden wir uns im Keller der Bayerischen Vertretung wieder. Man ist in Bayern durch die Staatskanzlei gewissermassen zirbeholzlstubenabgehärtet, wenn man keine Kreuze erträgt, geht man in den Amtsstuben schnell ein, und die einzigen CSUler, die man damals schon straffrei treten durfte, gehörten dem Kreisverband München an. In der Provinz wird der Reporter aus München auf seine Mannsbildhaftigkeit geprüft, indem man ihn quasi als Privatbesitz vorn auf die Empore setzt, wenn ein rechtsradikaler Lokalpolitiker Dinge sagt, die vor 45 niemanden besonders aufgeregt hätten. Kurz, man ist als Bayerischer Hofreporter einerseits hart im Nehmen und weich, wenn es um Kritik geht. Niemand aus den Lokal- und Landesredaktionen würde es wagen ... aber dann verfrachtete man uns eben in den Keller.
"Jo pfui Deife is des greislich", entfuhr es einem Mann des quasi perteieigenen Bayerischen Haus- und Hofberichterstattungssenders, was so viel heisst wie: "Pfui Teufel, das Ambiente ist der Gemütlichkeit nicht zuträglich." Im Bierkeller, der in Bayern sonst ein Hort gepflegter Rustikalität ist, hatte man etwas Modernes versucht. Man hatte Neonröhren an die Decke gesetzt, und davor Plastikplatten, die mit dem Bild einer Kastanienbaumkrone von unten bedruckt waren. Wer immer dafür verantwortlich war, wollte wohl den Eindruck eines Bayerischen Biergartens erwecken. Für uns drunter schien es wie eine Gemütlichkeitsdesinfektionsdusche von oben. Das sagten wir auch den Hausherren, die dann zu Stottern anfingen, als wären sie Freifrau v. Kreuchhausen, der man sagte, dass das sündhaft teure, halbantike Designerstück von Jaques 70ies-Antiques aus der Perusa-Passage ein abgewetztes Billy-Regal ist.
Ich vermute, dass dieses unfassbar triste Ambiente dafür verantwortlich ist, wenn sich unsere Bayerischen Beherrscher wie der sonst recht gmütliche Faltlhauser zu Sprüchen für den Landesvater wie "Dann verschwinden die Arbeitslosen, sprudeln die Steuern, dann wird das Bier billiger, und die Frauen werden williger" hinreissen lässt. Da muss ein Bayer doch verkümmern, da unten, zefix in Preussen im Bayerischen Anführerbunker mit seinen Plastikkastanienimitaten an der Decke. Nicht, dass man sowas in Bayern nicht auch hätte denken wollen dürfen, aber sagen haben sie sich das dann doch nicht getraut. Aber hier unten, als entwurzelte bayerisches Urgewächs wie der Faltlhauser - der Mann heisst wirklich so, in Bayern ist das ein respektabler Name, gesprochen Foidlhausa - da muss er doch Sehnsucht empfinden, da hat er natürlich ""ein Anrecht auf die Fähigkeit freiheitsliebender Ukrainerinnen".
"Und drinnen in der grossen Stadt, stehn die Junkies..." - der Schlager hat dann wohl letzte Woche noch gefehlt in der Bayerischen Vertretung.
Wir hatten ein Hotel im Westen der Stadt, Nähe Ernst-Reuter-Platz, das ich erst fünf Jahre später, in einem ganz anderen Leben, einer anderen politischen Mission wiedersehen sollte. Das Besuchsprogramm war angesichts des miesen Wetters wenig ausgeprägt. Meistens sassen wir in der Lobby auf den goldenen Metallstühlen und probierten aus, wie sich bayerischer Alkoholismus mit den hiesigen Getränken vertrug. Es machte nicht wirklich einen guten Eindruck, als ein Tontechniker eines grossen öffentlich-rechtlichen Senders aus dem Süden um zwei Uhr Nachmittags vom Stuhl kippte, während sein Kollege erzählte, wie sie noch unter Strauss vom Airbus-Konsortium gespudert wurden, dagegen sei das hier in Berlin der reinste Klosterkreuzgang an Anstand.
Am Abend dann fanden wir uns im Keller der Bayerischen Vertretung wieder. Man ist in Bayern durch die Staatskanzlei gewissermassen zirbeholzlstubenabgehärtet, wenn man keine Kreuze erträgt, geht man in den Amtsstuben schnell ein, und die einzigen CSUler, die man damals schon straffrei treten durfte, gehörten dem Kreisverband München an. In der Provinz wird der Reporter aus München auf seine Mannsbildhaftigkeit geprüft, indem man ihn quasi als Privatbesitz vorn auf die Empore setzt, wenn ein rechtsradikaler Lokalpolitiker Dinge sagt, die vor 45 niemanden besonders aufgeregt hätten. Kurz, man ist als Bayerischer Hofreporter einerseits hart im Nehmen und weich, wenn es um Kritik geht. Niemand aus den Lokal- und Landesredaktionen würde es wagen ... aber dann verfrachtete man uns eben in den Keller.
"Jo pfui Deife is des greislich", entfuhr es einem Mann des quasi perteieigenen Bayerischen Haus- und Hofberichterstattungssenders, was so viel heisst wie: "Pfui Teufel, das Ambiente ist der Gemütlichkeit nicht zuträglich." Im Bierkeller, der in Bayern sonst ein Hort gepflegter Rustikalität ist, hatte man etwas Modernes versucht. Man hatte Neonröhren an die Decke gesetzt, und davor Plastikplatten, die mit dem Bild einer Kastanienbaumkrone von unten bedruckt waren. Wer immer dafür verantwortlich war, wollte wohl den Eindruck eines Bayerischen Biergartens erwecken. Für uns drunter schien es wie eine Gemütlichkeitsdesinfektionsdusche von oben. Das sagten wir auch den Hausherren, die dann zu Stottern anfingen, als wären sie Freifrau v. Kreuchhausen, der man sagte, dass das sündhaft teure, halbantike Designerstück von Jaques 70ies-Antiques aus der Perusa-Passage ein abgewetztes Billy-Regal ist.
Ich vermute, dass dieses unfassbar triste Ambiente dafür verantwortlich ist, wenn sich unsere Bayerischen Beherrscher wie der sonst recht gmütliche Faltlhauser zu Sprüchen für den Landesvater wie "Dann verschwinden die Arbeitslosen, sprudeln die Steuern, dann wird das Bier billiger, und die Frauen werden williger" hinreissen lässt. Da muss ein Bayer doch verkümmern, da unten, zefix in Preussen im Bayerischen Anführerbunker mit seinen Plastikkastanienimitaten an der Decke. Nicht, dass man sowas in Bayern nicht auch hätte denken wollen dürfen, aber sagen haben sie sich das dann doch nicht getraut. Aber hier unten, als entwurzelte bayerisches Urgewächs wie der Faltlhauser - der Mann heisst wirklich so, in Bayern ist das ein respektabler Name, gesprochen Foidlhausa - da muss er doch Sehnsucht empfinden, da hat er natürlich ""ein Anrecht auf die Fähigkeit freiheitsliebender Ukrainerinnen".
"Und drinnen in der grossen Stadt, stehn die Junkies..." - der Schlager hat dann wohl letzte Woche noch gefehlt in der Bayerischen Vertretung.
donalphons, 23:05h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 13. Mai 2005
Pladoyer für einen verachteten Stadtteil.
Wedding sieht so aus.

F*ckt Euch, Ihr Mittprenzelhain-Gesocks.

F*ckt Euch, Ihr Mittprenzelhain-Gesocks.
donalphons, 18:32h
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A-List-Blogger
A-List-Blogger - den Begriff mag hierzulande niemand. Ich kenne keinen, der sich so bezeichnen würde. Aber viele, die so bezeichnet werden, in fraglos diffamierender Absicht. Der A-List-Blogger, der in seinem amerikanischen Herkunftsland einfach ein Blog-Autor mit klassischen Medien vergleichbarer Leserzahl und hoher Beobachtung durch andere Blogger, ist in Deutschland ein Schlag- und Schimpfwort, das für Überheblichkeit, Arroganz, Weblogdeutungsmafia, Mainstream, mangelnde Kreativität und Anbiederung an die Medien steht; ein tatsächlicher oder auch nur eingebildeter wichtiger Goliath, um den sich grosse, arschkriechende Kommentator- und Leser-Horden scharen, weil sie hoffen, von ihm gelinkt zu werden. Gleichbedeutend sind Blog-Elite oder Blog-Promis. Das sind, kurz zusammengefasst, die gängigen Klischees, die die selbsternannten Davids oder Nachwuchs-Goliathe verbreiten, wenn sie Blogger kritisieren, die - ja was nun? Grösser? Schöner? beliebter? was eigentlich sind?
Und da wird es dann schon etwas schwieriger. Die Problematik und die Attitüde dieser Anwürfe erinnnert stark an die 68er-Frage, wer ein Kapitalist ist. Auch der Kapitalist ist in Amerika eine allseits respektierte Umschreibung; Kapitalisten in Deutschland scheuen den Begriff wie der Teufel das Weihwasser. Dabei ist eigentlich jeder, der ein Konto besitzt, Kapitalist und nimmt am Kapitalismus als Geschäftstreibender auf die ein der andere Weise teil, selbst wenn er Kapitalisten hasst. Dadurch entstehen flexible Grenzen für den Einsatz des Begriffs: Für den Autonomen beginnt der Kapitalist bei denen, die nicht klauen, für den Gewerkschaftsboss erst bei den Banken, und das auch nur am 1. Mai. weiter an der Blogbar
Und da wird es dann schon etwas schwieriger. Die Problematik und die Attitüde dieser Anwürfe erinnnert stark an die 68er-Frage, wer ein Kapitalist ist. Auch der Kapitalist ist in Amerika eine allseits respektierte Umschreibung; Kapitalisten in Deutschland scheuen den Begriff wie der Teufel das Weihwasser. Dabei ist eigentlich jeder, der ein Konto besitzt, Kapitalist und nimmt am Kapitalismus als Geschäftstreibender auf die ein der andere Weise teil, selbst wenn er Kapitalisten hasst. Dadurch entstehen flexible Grenzen für den Einsatz des Begriffs: Für den Autonomen beginnt der Kapitalist bei denen, die nicht klauen, für den Gewerkschaftsboss erst bei den Banken, und das auch nur am 1. Mai. weiter an der Blogbar
donalphons, 16:50h
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