: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Freitag, 13. Mai 2005

Heute Nacht ist es soweit -

das ZDF wird wohl einen Beitrag in der "Heute Nacht" Sendung bringen, starring Herausgeber Kai Pahl, sowie den werten Damen Elfengleich und Anke Groener.

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Real Life 12.05.05 - Stupsnase

Du gehst mal wieder hin. Weil es dazu gehört, weil du dich ohnehin noch verabschieden willst, und keine Lust hast, das mit einer Rundmail zu tun, wie so viele, die im letzten Jahr verschwunden sind. Nicht wirklich verschwunden, aber eben den Status gewechselt haben, und wer Freier ist, wird nicht mehr eingeladen. Da muss schon ein Titel auf der Visitenkarte stehen, sonst geht nichts bei diesen Treffen, die manche als exklusiv bezeichnen, um zu beweisen, dass sie dazu gehören. Dass sie nicht lang um Interviews betteln müssen, sondern alle Entscheidungsträger dank dieser kleinen, angeblich feinen Stiftung zwischen Vortrag und Buffet mühelos sprechen können. Zugegeben, es ist praktisch, die Leute eingeflogen zu bekommen, aber das Thema nervt, die angekündigten Vorträge sind konsensorientiert, und so früh am Morgen sind die ohnehin noch schlecht drauf, von was auch immer.

Gleich zu Beginn kommt das, was an so einem Tag wohl unvermeidlich ist: Der Leiter spricht das deutsche City Ranking an, das Berlin auf Platz 48 von 50 sieht, und gibt der Hoffnung Ausdruck, man werde die angeblich so schwache Dynamik an diesem Morgen zu heben wissen. Zwei Stunden später ist man sich einig, dass Reformbedarf besteht, um das Land wieder auf den gebührenden internationalen Spitzenplatz zu bringen, dass deshalb jetzt etwas getan werden muss und die Umsetzung der eigenen Konzepte das bringt, was die der anderen bei allem in diesen noblen Räumen gebotenen Respekt nicht vollbringen werden, wie das der im Dienste der eigenen Seite stehende, unabhängige Experte so klar dargelegt hat. Zwischendrin hat man dir die Peinlichkeit nicht erspart, dich als Quasivertreter dreier ausländischer Gruppen zu dem Thema zu äussern. Du hast die Bundesregierung gelobt, was dir die Höchstrafe eingebracht hat; die Bemerkung, dein Ansatz wäre "unkonventionell".

Aber da sind die wichtigeren Leute schon lange wieder gegangen, es bleiben ihre mediokren Stellvertreter und die Experten, die noch ein wenig debattieren, bevor es an einem Tisch voller unlesbarer Fachpublikationen und gekauften Studien vorbei zum Buffet geht. Du machst deine Runde, schüttelst Hände und erklärst, dass dies dein vorerst letzter Besuch war, und dankst für die anregenden Debatten. Sie nehmen es bedauernd zur Kenntnis, denn du warst in deinen vielen Rollen sehr praktisch für sie; jetzt müssen sie vielleicht drei oder vier andere einladen, um nochmal diese Anhäufung von relevanten Gruppen aus In- und Ausland zu bekommen. Die Pressechefin nimmt die Neuigkeit mit gebührenden Worten auf, und dann ist da nur noch die Volontärin, die dich die ganze Zeit über betreut hat.

Sie hat es bald hinter sich. Sie war hier ein Jahr in Sicherheit, hatte einen Job und seit sechs Monaten, seitdem die Bundesregierung nicht ohne Rachsucht die Fördermittel zusammengestrichen hat, auch die Sicherheit, dass sie nicht übernommen wird. Das hat sie sich so nicht vorgestellt, als sie hier aus dem Westen hergezogen ist, mit ihrem Diplom nach dem Highspeed-Studium und ihren Fellowships. Überhaupt hat sie nicht das bekommen, was sie erwartet hat. Ihr Berlin war nur ein paar Quadratkilometer gross, in etwa so klein wie die letzte deutsch besetzte Zone vor dem entgültigen Zusammenbruch. Ein länglicher Schlauch, beginnend beim Radisson vor dem Alexanderplatz bis zum Regierungsviertel, und dahinter begann die verbotene Zone. Das Berlin, das laut Planung der Stiftung seit gut 5 Jahren überwunden sein sollte, und das mit seinen Baustellen, Investitionsruinen, Leerständen und dreckigen, Strassen aufreissenden Bauarbeitern nicht vorzeigbar ist. Aber zumindest hier drinnen müssen sie vorzeigbar sein, und so geht ein grösserer Teil ihres nicht üppigen Gehalts für Garderobe, Friseur und Maniküre drauf. Sie grenzt sich instinktiv von den Trümmern und der Armut ab, ohne mehr zu sein als eine kleine, austauschbare Funktionseinheit in einer nicht wirklich gut laufenden Institution.

Sie ist, wie sie dir am Telefon mal erzählt hat, Sternzeichen Löwe, und sie trägt auch einen kleinen golden Löwen an einer Kette, mal um den Hals, oder, wenn die Perlenkette angemessen erscheint, um den Arm gewickelt. So wie heute. Botschafter aufwärts ist Perlenkettenzwang, der Löwe baumelt sacht an ihrem viel zu dünnen Handgelenk, als du sie begrüsst.



Als du vor ein paar Tagen einkaufen warst, hast du ein Netsuke gefunden; eine muskulöse, kräftige Berglöwin, die aufmerksam, angespannt lauert und auch eine hübsche, zarte Stupsnase wie sie hat. Und leicht, dezent lächelt, wie das hier in diesen Räumen üblich ist. Du hast es gekauft, und wartest auf den richtigen Zeitpunkt. Die Masse der Leute ist längst am Buffet und versucht, die Schnittchen halbwegs ohne Kleckern an zu kleinen, aber immerhin eleganten Marmortischen zu essen. Am Rand des Raums fällt es nicht auf, dass sie dir von ihren Bewerbungen erzählt, die wenig Resonanz erzeugen, von ihrer Bereitschaft, alles und überall zu tun, und von der bedauerlichen Tatsache, dass auch ihre hier entwickelten Netzwerke nichts gebracht haben. Alle, sagt sie, ziehen aus Berlin die Ressourcen ab, nach Brüssel, Köln, Frankfurt, London, München und Paris - aber wem erzählt sie das. Mit jedem, der geht, rückt die kaputte, verseuchte Stadt einen Menschen näher an diese reinliche, gepflegte Welt heran und beschneidet ihre Spielräume. In den nächsten Tagen macht eine Freundin in der französischen Botschaft ihre Abschiedsparty, da werdet ihr beide sein, und danach vorbeilaufen an den sauberen, früh verlassenen Cafes unter den Linden, geschaffen für Erfolgsmenschen, die es hier nicht gibt.

Es ist wie damals, denkst du in dir, wie es dir der amerikanische Bomber-Veteran erzählt hat: They lost, because they simply ran out of Nazis. Diese Hauptstadt verliert, weil die potentiellen Träger ihrer Ideologie und Wünsche verschwinden. Die Realität hinter den Durchhalteparolen, die Cicero und Monopol verbreiten, ist eine Groteske, ein durch Haushaltssperren bedingter Totentanz, der sich seine Bühnen durch Kooperationen mühsam sichert, nur damit dann im Publikum die üblichen wichtigen Personen dieser entwurzelten Bad Godesberger Republik eine Weltstadt vortäuschen. Bald wird auch diese Institution anfangen, ihre Reihen hinter den Kulissen mit kostenlosen Praktikanten aus Mitte zu füllen, und dann steht hier eben kein dunkelblondes, lupenreines Mädchen aus besserem Hause mehr, das ohnehin nichts zu tun hat, ausser einem anderen ihr Leid zu klagen.

Langsam ist das Buffet weggefressen, die Experten verschwinden in Richtung der wartenden Taxis, und es wird auch für dich Zeit zu gehen: schliesslich ist dein und ihr Verhalten, wenn es auffallen sollte, höchst unkonventionell. Sie sagt, sie weiss nich nicht sicher, ob sie zu Adeles Abschiedsparty kommt, da ist auch noch ein Termin in der American Academy, wo sie hin müsste, insofern... ist das vielleicht schon der Abschied. Du sagst überdeutlich, um Floskeln auszuschliessen, dass sie jederzeit in München oder der Provinz willkommen ist, ausserdem, in München geht es ja wieder aufwärts, Platz 1 des Städterankings, sie soll sich das mal überlegen, und gibst ihr das Netsuke. Am Zucken ihrer kleinen Stupsnase erkennst du, dass sie sich wirklich freut.

Draussen, unter den zugigen Linden, ist es bitterkalt.

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One Night in Hong Kong

Immer das gleiche, alte Spiel, wie damals, immer neu, immer aufregend.



Nie war die New Economy schöner als hier, als alles schon in Trümmern lag und die Zeit vorüber war.

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Mittwoch, 11. Mai 2005

In the VIP

Eine blaue Kunststoffverkleidung, darauf einige Buzzwords wie in einem Menu einer Website, und natürlich ein Name, der viel verspricht: VIP Promotion. Agentur halt. Mit vielen Dienstleistungen. Zumindest früher. Zum Ausblenden der Realität waren da, wo jetzt die orangen Zu-Vermieten-Schilder sind, blickdichte Jalousien.



Es erinnert mich stark an all die kleinen als "Corporate Blogger" firmierenden Halbarbeitslosen und Poser hierzulande, die kleinen Webkreaturen, die angebliche "A-Lister" dissen, damit mal ein Schwung Leute ihre kruden Touri-Suffkopp-Marketing-Literaturprojekte entdeckt, all die 1-Personen-Läden, die das "wir" in der Firmenbeschreibung pflegen, die Open-BC-Sickos mit ihren Wellness-Beratungs-Coaches, die eigentlich versteckte Prostitution betreiben, und an all die Business-Metastasen, die an der realen Wirtschaft wuchern wollen. Es ist soviel leichter, im Virtuellen den Schein aufrecht zu erhalten, aber ich kenne Euch, Ihr kleinen Pinscher: Genau so erbärmlich seht ihr aus, das seid Ihr, wenn man Euch in die Realität zerren würde.

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Eine Frage, die allen auf der Zunge liegt:

Wie schlecht muss eigentlich PC-Welt sein, wenn die den Bloghoster 20six gut finden? Und wie beschissen sind die anderen Medien, die das auch noch abschreiben?

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Medien - Gegenöffentlichkeit - Öffentlichkeit

Ziemlich zum Ende der Sendung bei Fritz kam dann der Begriff der Gegenöffentlichkeit, die Blogs wären/sein könnten. Das sind so die Momente, wo ich am Mikrophon zu nagen beginne, da drängt es mich etwas zu sagen, denn da kann ich einiges beitragen. Denn: Wer Blogs für "Gegenöffentlichkeit" hält, weiss nicht, wofür der Begriff bislang steht.

Ich habe meine ersten journalistischen Schritte bei einem Medium gemacht, das einigen Alt-68ern gehörte, die genau diese Gegenöffentlichkeit im Sinn hatten. Die Folge war eine totalitär anmutende Ausrichtung auf den politischen Kampf, der so weit ging, dass Post von "Verräterparteien" wie der SPD schon mal von einem der Leiter dieser alten Truppe weggeworfen wurde. Das Briefgeheimnis galt nichts, und Rezensionsexemplare, die nicht in sein Schema passten, landeten in den Antiquariaten zur Finanzierung der guten Sache - die Redakteure mussten sich dann selbst mit den zu Recht verärgerten Verlagen rumschlagen. Wer politisch nicht auf der Linie lag, wurde früher oder später rausgeekelt, oder unterwarf sich einer Gesellschafterversammlung, für die die Ideale des Sozialismus in dieser Phase des Kampfes innerhalb der eigenen Reihen zurückstehen mussten. mehr an der Blogbar

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Dienstag, 10. Mai 2005

Erbärmliches Erbreuern

Jetzt ist er am Boden zerstört, der Breuer. Wie gemein die doch mit ihm und der Deutsche Börse AG umgegangen sind. Diese fiesen Hedge Fonds mit ihren kurzfristigen Zielen!

Nachdem ich mich noch an die Zeiten erinnern kann, als die Deutsche Bank das Privatkundengeschäft zurückgefahren hat, mal eben Deutsche Bank 24 wurde, mal eben das Internetbanking vorantrieb und dann gleich wieder einstellte, als sie unbedingt Renditen des internationalen Marktes erziehlen musste und laufend fusionieren wollte, oder ganze Abteilungen abstossen, und das alles immer sofort und schnell - habe ich diesmal schon den Euindruck, dass der Richtige einmal die Folgen seiner eigenen Strategie erlebt hat.

Jetzt noch der Mannesmann-Prozess, und dann ist dieses Kapitel der Deutschland AG zu Ende. Es wundert mich nur, warum breuer als Repräsentant dieses Systems gilt. Er ist der Totengräber, er ist derjenige, der diese AG moralisch ruiniert hat. Kein Hege Fond kann übler sein.

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Infowars

Erasmus von Rotterdam hat mal gesagt: "Süss erscheint der Krieg dem Unerfahrenen". Kein Link, leider, der Mann hatte seinerzeit zwar eine bemerkenswerte Publizität, aber das war noch auf aus Stoff gewonnenem Papier, also noch lange vor der Zeit, da Papier aus toten Bäumen gemacht wurde. Dafür halten seine Werke auch noch gut und gern 4, 5000 Jahre bei guter Lagerung. Was man von den Schützenlöchern und Latrinen der digitalen Frontlinien nicht sagen kann, da reicht schon ein kleiner Festplattencrash, und die so schön ausgemalte Zukunft ist nur noch ein Haufen rauchendes Silizium.

Nach dem Scheitern der New Economy sollte man denken, dass die Lust auf die Schützengräben und Stacheldrahtverhaue derer, die bei ihrem eigenen Giftgasangriff auf Brick & Mortar sowie totes Holz umgekommen sind, nachgelassen hat. Zumal das eine prima neben dem anderen existieren kann, die Welt gross genug für alle ist. Aber dann gibt es wieder so Propagandaschreiber, die neue Eliten ausrufen, und es geht wieder von vorne los. Diesmal sogar innerhalb der eigenen digitalen Reihen, wie ich heute morgen zufällig via hier entdeckt habe.

Wer will, den soll man ziehen lassen - an der cutting edge der technologischen Entwicklung, zwischen dem Bullshit der Medienlatrinen und den Granaten, die die VCs in die eigenen Leute feuern, in den hastig entwickelten Tieffliegern mit neuen Piloten und beim ungeübten Umgang mit Napalm wird die Süssigkeit des Kriegs schnell bitter, ganz gleich, welcher Autor da vorne neuen Lebensraum im Digitalen verspricht.

Wie auch immer: Hier meine Vorstellung der Sturmtuppen auf der einen und einiger Unbestürmbarer (es gibt sicher viele weitere in vielen Variationen) auf der anderen Seite.

Die digitale Grenzwertigkeit (nach Don Alphonso)

Das Digifrontschwein Die ruhige Etappe
Hat Firefox Internet Explorer geht auch
Kennt Doc Searls, und alles, was man sonst kennen mussKennt, was ihm Spass macht
Benutzt RSS ReaderGeht auf Webseiten, braucht kein Informationstrommelfeuer
Hat ein BlogÜberlegt sich die Anschaffung, ist aber von der Propaganda angekotzt
Informiert sich bei BoingBoing (oder Slashdot)Liest oft ein gutes Buch, weil er in der Lage ist, längere Texte zu erfassen
Gelangweilt von FlickrMacht auch Papierabzüge, die er nicht wegschmeisst, mag die Intimität von Photos, und wen gehen seine Bilder überhaupt was an?
Bekommt die Nachrichten von Google - unter anderem auch von der NationalzeitungEntscheidet sich jeden Tag neu, denkt ideologiekritisch und weiss, dass die wirklich wichtigen Informationen nicht im Minutentakt durchrauschen

So in etwa. Man lasse sie ziehen. In den Massengräbern der New economy sind noch viele Plätze frei, und da spielt es keine Rolle, welche hübsche neue Uniform sie für den Sturmlauf ins Nichts bekommen haben.


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Schön war´s.

Johnny hatte nach dem Fritz-Blogger-Salon ein paar Bedenken, Holgi war an den Fadern sehr souverän. Modeste sagte sehr souveräne Dinge, und ich wollte live bloggen, hatte aber nach kurzer Zeit kein Internet mehr.

Und dabei ging im Fritz-Forum die Post ab. Und hier gibt es die schriftliche Zusammenfassung.

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Montag, 9. Mai 2005

Gleich geht´s los!

Johnny, Modeste, Holgi und ich sind im idyllischen babelsberg, wir werden Internet im Studio haben, und bislang hat noch keiner Lampenfieber... Nur Holgi sucht gerade seine Tracklist.

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Heute Nacht

ab 10 Uhr bin ich ja mit Modeste, Johnny und Holgi im Bluemoon bei Fritz...keine Ahnung, wie das (ausser gut) wird. Vielleicht kann ich von da aus live hier bloggen. Mal schaun.

Und den Nörglern (Kein Podcasting! Keine Zukunft des Bloggens! Kein RSS! Keine Medienrevolution! Und mich Neidhammel haben sie nicht eingeladen, und dabei bin ich doch so viel besser als Don, wie ich auch beweisen könnte, wenn nur endlich mal jemand mein Manuskript abdrucken würde) sei diesmal vorsorglich gesagt:

Hm.

Na egal.

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Real Life 08.05.05 - Leiden eines Contract Shoppers

"Ja, also, der Spiegel der würde mir schon gefallen, also wenn er echt ist, können Sie den bitte im Auge behalten? Das wäre sehr nett. Ich müsste dann nur den venezianischen Spiegel ins Dining Room tun... was? Empire und Roccoco passen nichtzusammen? Äh, ach so, Sie meinen die Kommode, die ist Empire? Ja, dass es ein Stilmöbel ist, weiss ich auch, trotzdem könnte das... Sie meinen nicht. Na dann such ich eben einen anderen Platz.Über dem Acryltisch - ach ne, den wollte ich ja noch oben räumen, oder die Vreni bekommt den...



Ach so, und ja, dieses silberne Teeservice aus Hong Kong. Also, das habe ich mir nochmal überlegt. Natürlich brauche ich das nicht, mir fehlt ja auch die Zeit das zu benutzen, und ich trinke ja eher Kaffee und wenn Tee, dann nur Beutel, weil für Teezeremonien nie Zeit ist, aber das kennen Sie ja auch, nicht wahr Herr Porcamadonna, egal, jedenfalls wegen der Form könnte man das so schön aufstellen, so prunkig wie das ist, da passt es auch unter den Spiegel auf die Konsole, und ich will das schon haben, also ganz im Gegensatz zu den englischen Sachen so um 1900 weil die finde ich eher spiessig. Sie nicht? Nein? Ja, klar, wenn Sie sich gerade eine Kanne mit Füsschen gekauft haben, die können auch nett sein... Also, das könnten sie mir mitbringen, weil der Karl, mein Mann, nicht wahr, der braucht noch was zum Muttertag für mich nachträglich..."

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Google News zum 8. Mai

Und was bringt uns Google News zu diesem Datum ganz oben, wenn man nach "Irving" sucht, und in der Relevanz noch vor der FAZ? Ein Interview mit dem Holocaustleugner David Irving in der Nationalzeitung. Da kommt zusammen, was zusammen passt.

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Sonntag, 8. Mai 2005

Dirt Picture Contest: Der Pfahl im Auge.

Hoffnung geben will die Diakonie. In Ländern, die von Krieg, Zerstörung und Vertreibung geprägt sind, wo der Putz bröckelt und die Ruinen noch Jahre später mit Bretterverschlägen umzäunt werden. Wo kahle Mauern stumm erzählen, was hier an Vernichtung geschehen ist. Deshalb hat die Diakonie ein Plakat mit einem Kontrabass-Spieler vor Ruinen.

Und hängt es in Berlin Mitte auf - das sieht dann so aus.



Immerhin haben die auf dem Plakat etwas Musik. Berlin hat nicht mal das.

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Todes-Flowers AG zum Muttertag.

Man kann alles über das Internet verkaufen. Solange man Kunden findet, die mehr zahlen, als man ausgibt. Dann ist das ein Geschäft, und zwar kein schlechtes. Im Gegensatz zu manchen Geschäftsideen, die man nicht mal als Literat erfinden kann, weil es keiner glauben würde.

Wenn man nun eventuell mit einer Ware handelt, die leicht verderblich und schlecht zu transportieren ist, kommt, so man den Kunden hat, auch noch ein Logistikproblem dazu. Und eventuell ein Problem mit dem Kunden. Man stelle sich nur vor, man möchte erben, aber der Strauss zum Muttertag, den man nicht selbst aussuchte und überbrachte, sondern via Website abwickelte - dieser Strauss taugt Mama nicht, weil die Farbe nicht passt. Oder die Pralines, der Kuschelteddy oder ähnlicher mitsendbarer Krimskrams trafen nicht den Geschmack. Und überhaupt, dieses Unpersönliche...

Das Risiko stand ganz sicher nur ganz klein im Businessplan der Münchner (wo sonst?) Flowers AG, und gar nicht in den Seiten, die andernorts als "Philosophie" oder "Vision auftauchen würden. Statt dessen versuchte man dies und das New-Eco-Gemässe, ohne sich deshalb gross zu schämen. It´s Internet, baby, ohne AG geht nichts im schönen Bayernland.

Und ohne Geld geht auch nicht. Nicht mal mehr vor dem umsatzträchtigen Muttertag. 120 Punkte und einen Kranz bitte.

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Dirt Picture Contest - in der Pfeife rauchen können

Restmüllreste am Alexanderplatz, heute Abend dann um 17.50 Uhr, nachdem die braunen Überbleibsel in den S-Bahnhof Alexanderplatz zwangsgeschwemmt wurden.



Ich war auf der anderen Seite von Girl.

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Samstag, 7. Mai 2005

Mobile Ego Shooter von der CSP Mobile GmbH

Ich hatte ja eine Weile auch mit den Jungs von der Mobile Media Branche zu tun. Manche waren nett, manche gradraus Sickos, die nur deshalb nicht draufgingen, weil sie 2000 so viel VC bekommen haben, dass sie sich dreinmal den Change of Business Model leisten konnten. Die Grundidee war immer: Das Handy ist auch nur ein Computer, den jeder dabei hat und der immer an ist. Das, nicht das Internet, ist der Markt der Zukunft. Auktionen, Marketing, Direktvertrieb, alles wird auf dem Handy besser laufen.

Ich stand bei den Events, wo dergleichen verkündet wurde, krallte mich an das Reisschälchen und die Frühlingsrollen, und verstand es einfach nicht. Da hatten sie gerade mit Internet in die Fresse bekommen, da brabbelten sie schon wieder von Always on. Ich hatte noch nicht mal mehr Lust, eine der - wirklich hübschen, aber leider total verblödeten - Ideenpreisträgerinnen anzugraben: Mobile Marketing location based, und das auf einen halben Meter genau in Funkzellen, die mal eben ein paar hundert Meter umfassen können. Ich hatte böse Visionen; wer sowas verspricht, wird es auch ansonsten mit der wahrheit nicht ernst nehmen, sei es nun, dass die Pille doch nicht die übliche, sondern eine rosane war, oder unter dem Kleid steckt doch etwas anderes, kennt man ja, Mars Attacks habe ich gesehen, nein danke, wer einmal im Business Plan lügt...

Kurz darauuf verpulverte dann Vodafone Millionen für seine Idee load-a-game, die anderen zogen nach, die Kunden wollten aber nicht so richtig, und so verschwand auch diese App ganz schbnell wieder mitsamt Slogans und Werbung als Leiche in den Kellern der Bizz Developer. In Ibbenbüren warf ein türkisches Kid seinen Mobile Joystick bald wieder auf den Müll, und das Mädchen von damals war bei einer Agentur angestellt, die bald darauf bankrott ging.

Jetzt, drei Jahre später, kommen die Samwers und versuchen es erneut mit mobile Gaming. Immerhin sind Farbdisplays nicht mehr selten, und haben schon mal mehr als 160 mal 160 Pixel auf dem Display! Fast schon C-64-Niveau! Das hat man sich vielleicht auch bei der CSP Mobile GmbH gedacht, schliesslich sah man sich als "one of the leading companies in wireless entertainment". Und vertrieb Spielchen für Handies über maxartists.com und t-Zones für Deutschland. Und verdiente damit so mörderviel Kohle, dass es even beim Amtsgericht Münster breakte: 70 IN 43/05 heisst das Spiel, das jetzt der vorläufige Insolvenzverwalter spielt.

Sie hatten halt keine aufdringliche Werbung beim Muikfernsehen und keine Abo-Abzocke. Ihre Nachfolger werden das anders machen.

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Todessektor

Irgend ein Schnulli in der Munich Area meinte, die Agenturen seien Dank Spezialisierung auf bestimmte Anwendungen aus dem Gröbsten raus. Man macht nicht mehr alles, sondern nur noch das, was man gut kann. Man prügelt sich nicht um den aktuellen Markt, sondern entwickelt für kommende Bedürfnisse. Der hat wohl zu lange diesen Käse hier hier gelesen; der Bundesverband digitale Wirtschaft BVDW, former knows as dmmv, sieht wieder rosig.

Dem hätte das Leistungsspektrum der Düsseldorfer Agentur Sektor mit 3D-Graphiken und Broadcast-Multimedia sicher gut gefallen - nur leider haben die eine dieser Nummern, die man im Leichenschauhaus Menschen an die grossen Zehen hängen würde: 504 IN 60/05 beim Amtsgericht Düsseldorf. Und wenn ich den Schnösel in München demnächst wieder sehe, werde ich ihm sagen, dass der BVDW gerade dabei ist, ein altgedientes Mitglied zu verlieren.

Die waren übrigens mal für Viva tätig. Medienstandort NRW, kann ich da nur sagen. Immer die gleiche Geschichte.

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di com nich mehr - Dicom Gmbh hat ne Nummer

und zwar nicht mehr die 120 für die Mitarbeiterzahl des grossen IT-Consultung, Softwareentwicklungs-, Internet- und Netzwerkdienstleisters aus Hanau bei Frankfurt. Statt dessen ist es die 70 IN 127/05 beim Amtsgericht Hanau. Das wird wohl nichts mehr mitb der Idee, anderen auch noch venture Capital zu geben. Und wer gibt mir jetzt 120 Punkte?

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Freitag, 6. Mai 2005

Partei der Besserhaueverdienenden

Ach, der Guido. Den kenne ich noch ganz von früher. So aus den ersten Tagen meiner journalistischen Tätigkeit. Da war er in München und hat eine Rede ausgerechnet im Nachtcafe gehalten - das war noch vor der New Economy. Aber damals sassen genau die Abzocker im Publikum, die ich später jeden Tag sehen sollte. Alle in Schwarz oder dunkel, draussen auf der Terasse, mit einer enormen Perlenkettchendichte, wie beim Auflaufen der Deutschen Bank in Witten-Herdecke. Ins nachtcafe geht man zum Aufreissen, aber in dieser Nacht hätte es nur zu einem Ehevertrag gereicht. Unfickbar. Alle.

Und immer die gleichen Fressen. Die ersten, die wegen Beihilfen und Förderung vor Gericht ziehen. Diejenigen, die mit der New Economy die teuerste ABM-Massnahme in privater Verantwortung durchgezogen haben. Diejenigen, die so lange steuerlich optimieren, bis sie vor der Fahndung genauso viel Angst haben, wie früher um ihr Geld. Ein Saal voller asozialem Pack, dagegen ist die CSU-Mittelstandsvereinigung eine caritative Organisation.

Und da trat Guido auf. Das Nachtcafe ist nicht so gross, dass man brüllen müsste. Aber weil es München war, und er noch keine so grosse Nummer unter Kohl, meinte Guido, jetzt mal so richtig aufdrehen zu müssen. Ein paar Tage vorher war ich bei Gauweiler in einem Bierzelt, wo man mich netterweise eingeladen hatte, mich doch gleich aufs Podium zu setzen.

Gauweiler war netter - im Vergleich fast schon sympathisch. Guido ist der typische immer zu kurz gekommene, ängstliche kleine Kläffer, der letztlich immer auf die Fresse kriegt. Als er dann Möllemann ins Guidomobil gefolgt ist und antisemitisch mitgerülpst hat, hätte seine Partei ihn eigentlich gleich mitabschiessen sollen, den Spitzenkadidaten. Mit ihm werden sie es wohl wieder auf unter 5% schaffen; auch eine Art, den Edimerkel zu verhindern.

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Blogohnemich05

I didn't attend the funeral, but I sent a nice letter saying that I approved of it.
Mark Twain

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Wer weiss was

Wer sich mit der mph holding gmbh/Medienport AG auskennt, kann ja mal a.foersterling ät gmx dot de anmailen, der hat dazu ein paar Fragen.

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Donnerstag, 5. Mai 2005

Die den Spargel häuten

In Zeiten moralischer Oberflächlichkeit, in der man eine doppelte Moral günstiger auf dem Markt bekommt, denn wohlfeilen Applaus des Publikums für das Fehlen jeglicher Moral, kann es also nicht unterbleiben, dass sich mancher selbst sein Leben zurecht schnitzt; wo gedübelt wird, da fallen unschuldige Späne, und wenn schon die Haut nicht mehr zum Markte getragen, sondern der Markt gleichsam in die Haut tätoiert wird, darf es uns nicht verwundern, wenn manche sagen: Nackt ist mir nicht nackt genug - und hinter das mehr oder weniger welke Gewebe schauen, bevor sie zubeissen.

Das nun betrifft nicht nur Medienprodukte, die desöfteren abfällig Spargel geheissen werden, sondern auch den unschuldigen Namensgeber, die frühe Gemüsefrucht, die zu dieser Zeit vom Bauern gestochen wird wie weiland die Magd - ach ja, der Frühling. Der Spargel also, dieses unzüchtig aussehende, bleiche und dennoch feste Gewächs gedeiht hier in der heimatlichen Provinz ganz vortrefflich, mehr noch, zwischen den beiden Orten Abensberg und Schrobenhausen zieht sich ein Halbmond über die Hügelketten und die Donauniederung, in der schlichtweg der beste Spargel der Welt wächst. Des frühen Morgens steckt er sein Köpfchen aus der Erde, wo ihn der geübte polnische Wanderarbeiter erblickt, sticht, wäscht, und sogleich in den Wagen verfrachtet, mit welchem ihn der Bauer auf den von mir bevorzugten Wochenmarkt bringt.



Hier muss sich unsereins zwischen den beiden Herkunftsregionen und Handelklassen entscheiden. Es gibt Klasse IV, III, II, I und Extra, zu 4, 5, 6, 7 und 8 Euro das Kilo. Das sind lachhafte Preise im Vergleich zu dem, was man in München, Frankfurt, Paris oder Hamburg für den besten Spargel der Welt zahlt - wenn er dort nicht gar gefälscht wird, und lokale Ware mit den beiden berühmten Namen versehen wird. Bei uns gibt es nichts anderes als diesen Frucht der Heimat, und so nimmt es nicht Wunder, wenn zwischen Mitte April und Anfang Juni der Spargel die regionale Küche prägt.

Dort, wo man für Klasse I 20 Euro oder mehr bezahlt, wird der weisse Stengel - in der Regel ist der ja zu dünn für einen Schwengel - nur mit Butter, Kartoffeln oder einer Hollandaise gegessen, zu zart und fein ist der Geschmack, als dass man ihn mit starken Beilagen zerstören dürfte. Aber wir sind in Mittelbayern an der Quelle, das feinste Luxusgemüse der anderen ist bei uns so banal wie Mohrrüben oder Kohlrabi, und so wird der Spargel zwar geschätzt, aber nicht als Götze verehrt. Wir geben ihm Gutes mit auf seinem Weg in unseren bayerischen Verdauungstrakt, bisweilen auch Ente und Schwein, oder auch nur einem geräucherten Schinken - aber herausragend, das ist der Spargel nicht. Zuerst mal ziehen wir ihm die Haut ab, was ihn noch dünner und feiner macht - so sieht er dann aus. Wir brauchen ungefähr 15 Stengel der Klasse I für zwei.



Wir werfen dann einen verächtlichen Blick hinab zum Wohnheim der Elitessen, die sich von ihrer Fit-for-Fun-Lektüre anlügen lassen, dass dünne, bleiche Spargel der Diät zuträglich sei, wenn man nur auf fettarme Butter oder gar Margarine zurückgreife. Und sich dann wundern, wenn sie Kettenraucherinnen werden, vor lauter Unzufriedenheit... Wir haben von der Wochenmarktkäserei unseres Vertrauens Butter aus dem Voralpenland und einen italienischen Weichkäse namens Asiago besorgt, die zusammen gut und gerne auf über 50% Fett kommen. Für die Sauce zwei Personen brauchen wir 30 Gramm Butter und 120 Gramm Asiago, ausserdem 200 Gramm Creme Fraiche, der mit 30% Fett das Mittel auf unter 40% senkt - so geht Diät, ihr blonden, dürren Dinger da unten, dann macht auch der Sex wieder Spass. Dann kommen noch 20 Gramm milder Peccorino dazu, auserdem zwei Teelöffel rotes Pesto, ein klein wenig von einer Frühlingszwiebel und etwas Schnittlauch.

Den geschälten Spargel kleinschneiden, und in kochendem Wasser 9 Minuten blubbern lassen. Butter zerlaufen lassen, Zwiebeln kurz dünsten, Creme Fraiche dazu, aufkochen, Käse hinzufügen, Pesto unterrühren, und dann in einem weiteren Topf grüne Nudeln kochen - besonders empfehlenswert: Grüne Ravioli mit Spinatfüllung, passen geschmacklich und mit 2 Minuten Kochzeit perfekt in den Arbeitsablauf. Ricotta ist auch drin, aber, wie man in Bayern so schön sagt, der macht das Kraut auch nicht mehr fett. Am Ende den Schnittlauch in die Sauce, Spargel und Ravioli abseien - Könner machen das ohne Sieb, nur mit einer Silbergabel - und auf den Tellern als, je nach Standpunkt, italienische oder holländische Flagge anordnen. Profis giessen das auch mit der Hutschenreuther-Sauciere.



Und geniessen. Ein kleiner Hinweis noch: Durch das Schneiden des Spargels ist es möglich, nur mit der Gabel zu essen, auch wenn Nudeln und Spargel al dente sind - eine halbwegs scharfkantige Gabel vorrausgesetzt. Wer diesen Ratschlag beherzigt, wird ob seiner grenzfeinen Manieren keine Probleme haben, die hiesigen Eltern einer jeunesse doree Apothekerstochter von der Eignung als Gatte derselben nachhaltig zu überzeugen. Schliesslich wissen auch die Parvenissen und Cretins der hiesigen Oligarchie um die Unverzichtbarkeit von Moral, Sitte und Anstand, selbst wenn sie allein am Abend die Salami aus der Tupperware fressen, und nur mit Mühe davon Abstand nehmen können, die Messer abzulecken, wie es noch ihrer Väter Sitte war.

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