: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Sonntag, 29. Mai 2005

Real Life 28.05.05 - Haifischlunch

Das Essen hier am Savignyplatz ist 2 Euro teurer und um 3 Klassen besser als das, was man in Mitte so unter "italienisch Essen" versteht. Natürlich ist Mitte viel näher dran am authentischen Kantinenfrass mittelständischer italienischer Unternehmen im Mezzogiorno, und bei den hier servierten Eigenkreationen wie gefüllte Crepette-Pasteten in Gorgonzolasauce stampfen heisse französische Eier die mütterlich-italienische Ursuppe; in etwa so, als würde ein franzöischer Marcello Mastroiani über eine italienische Anouk Aimee herfallen. Was den Haifischen und dir, ihrem Transporteur, gefällt. Ihr sitzt draussen im Schatten der Bäume, während die Hitze die Berliner in unansehliche Klumpen Haut, Fett und Schweiss zerschmilzt. Ein wenig Wind streicht durch die Bäume, und dein Leben ist schön.



Ein Haifisch hüstelt, weil ihm die ständige Luftveränderung zwischen kühl klimatisiertem Flugzeug und Büros und Hitze nicht gut tut. Die anderen werden vielleicht auch bald Grippe haben, aber momentan sind sie noch voller Adrenalin. Sechs StundenMeeting eines steuersparenden, sinnsparenden und letztlich insolventen Fonds, bei dem sich Bank A wegen Zahlungsproblemen die Immobilie gekrallt hat. Die fragliche Immobilie ist statt der einbezahlten 9 nur noch 4 Millionen wert. Zum Glück haftet Bank B für die Fremdfinanzierung, und die Leute, die die Haifische vertreten, kommen nochmal mit einem blauen Auge davon. Bank B ist es schon gewohnt, bei diesem Spiel der Dumme zu sein. Bank B kann sich keine ordentlichen Haifische leisten. Aber so ist das nun mal, wenn sich bombensichere Geschäfte mehr als Bomben und weniger als sicher erweisen - danach steht nichts mehr, was sich noch wehren könnte. Ausserdem muss Bank A für ihre Aktionäre profitabel sein, bei Bank B verteilt sich das letztlich auf alle Bundesbürger, die können keinen Vorstandsvorsitzenden kippen, das senkt die Motivation sich zu wehren ganz enorm.

Ein Haifisch fragt dich, ob du nicht doch mal was Nettes über Berlin schreiben könntest, damit mehr Leute herkommen und das Geschäft wieder attraktiv wird. Du grinst, aber er meint es Ernst, du musst ja nicht Mitte hypen, sondern ... Grunewald. Das Rentnerparadies. den ganzen äusseren Westen. Einfach mal was Nettes in einer international relevanten Zeitung mit entsprechend vermögendem Publikum. Weil es sich im Moment wirklich lohnen würde, etwas zu kaufen. Und er nuschelt was von unter 800 pro Quadratmeter in Bestlage, sicher vermietet, unter Zwangsverwaltung, was im August zwangsversteigert wird. Hübsch leise, der vollstreckenden Bank A ist der Preis egal, die holt sich den Fehlbetrag bei Bank B, Hauptsache weg den Scheiss. Die Nuss-Bonbonietti schmecken ihm übrigens ganz vorzüglich, das Lokal gefällt ihm, mit Kronleuchter und apricotfarbenen Wänden, während du eigentlich ganz froh bist, dass dein nächster Raum nicht diese Toskanalandhausverschnittfarbe haben wird.



Aber du bist kein Haifisch. Oder vielleicht doch? Der Oberhaifisch fragt dich, ob du nicht vielleicht Lust hast, ein wenig mit ihnen schwimmen zu gehen. Sie haben sich nämlich schon ein paar der Wohnungen in dem Objekt angeschaut. Und wenn du, sagen wir mal, was übrig hättest und nochmal einigen Kredit aufnehmen würdest, könntest du doch auch so um die 80 Quadratmeter feinster Westen, gleich gegenüber einer grossen, staatlichen Institution... und nachdem du sie immer so gut durch den Slum gefahren hast, würden sie dir auch helfen...

Der Wind weht ein wenig stärker durch die Baumkronen am Savignyplatz, mit dem Auto 15 Minuten vom fraglichen Objekt entfernt, das grosse Terassen hat und einen üppigen, alten Garten, und du weisst, dass es ein guter Tipp ist, dass es fraglos funktionieren würde, denn in zwei Jahren geht es wieder bergauf mit den Haifischen, die fragliche staatliche Institution gegenüber ist eine mit grosser Zukunft, gerade wenn grosse Teile der Gesellschaft verarmen, dann könnte man an die Funktionäre verkaufen mit 50, 70% Wertsteigerung in zwei Jahren. Und selbst ein Gewinner der Haifischbranche sein. Und dann geht es ab zum fraglichen Objekt, und dann noch ein wenig Leisure Shopping.

Später am Tag wird einer der Haifische für einen Spontankauf ein paar tausend hart selbstverdiente Euro abheben, und beim Verlassen der Bank achtlos an der alten Bettlerin am Eingang vorbeigehen. Du wirst einen Moment den Wunsch verspüren, die von ihm bezahlten Crepettes in eine Ecke zu kotzen, wirst ihr, von dir selbst angewidert das geben, was das Essen gekostet hat, und verdrängst den Gedanken, dass du selbst, wenn du mal 70 bist, bei der weiteren Entwicklung dieser an den Haifischen orientierten Gesellschaft auch etwas Ignorierbares auf den Haifischzügen sein kannst. Etwas, das die Funktionäre der lukrativen Verwaltung der aus dem Verwertungsprozess Gefallen nicht weiter berührt, die dann auf den 80 Quadratmetern leben, die du ganz ganz sicher nicht kaufen wirst.

Später wirst du die Haifische zum Flughafen bringen, und es wird die letzte Fahrt in Berlin gewesen sein.

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Nie angekommen

Du weisst, dass es nicht dein Ort wurde, wenn du in der neuen Stadt nach 15 Monaten immer noch die Vorwahl mitwählst. Passenderweise gerade dann, wenn du den Lieferwagen für den Umzug bestellst.

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Freitag, 27. Mai 2005

Haifischtransporte Don Alphonso

Das wird was werden - ein Tag mit den Haien im heissen Berlin beim Anschauen kaputter Immobilienfonds. Übrigens alles Dinge, wo die Bangesellschaft weiter bluten wird. Ich verstehe nicht ganz, dass das niemand mal anhand von ein paar Beispielen beschreibt, wie hier die Bank von Fondinitiatoren, Gesellschaftern und anderen Banken über den Tisch gezogen wurde.

Vermutlich wollen die Kollegen keinen Volksaufstand.

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Dirt Picture Contest - Schwarz ist praktisch

Denn Schwarz wird nicht so leicht schmutzig. Zumindest sieht man den Dreck nicht. Auf Schwarz sind Flecken unsichtbar, die anderswo sofort das Ende bedeuten würden. Ritweikn, zum Beispiel. Tinte. Sperma seltsamerweise eher nicht - wer immer schon mal das Vergnügen hatte, in einer möblierten Mietwohnung auf den letzten Drücker vor der Abnahme solche Dinge zu entfernen, weiss, wovon ich nach Hörensagen rede. Aber alles andere ist kein Poblem.



So ist auch die Wiederinbetribnahme dieses Matratzenprachtexemplars kein optisches, sondern allenfalls ein Geruchsproblem. Schwarz stinkt hier; ein nicht zu selten zu beobachtendes Phänomen. Schliesslich ist so ein urinierender Köter nicht in der Lage zu begreifen, dass so eine Matratze, zumal in der seltenen Farbe Schwarz, ganz wunderbar neuen Verwendungen zuzuführen ist. So etwa der Einrichtung eines kleinen Dark Rooms zur präventiven Studienfinanzierung - man und frau kann ja nie wissen.

Ausserdem ist es die Farbe der Zukunft, wie jeder weiss, der gerade den Stern bekommen hat. Eventuell hilft diese politische Signalfarbe ja auch bei der Suche nach geeigneten faschistoiden Burschenschaftlern, verquasten Gentechnikern oder strammen Hengsten von der Reaktortechnik - Berufe mit Zukunft, die für Freundinnen ein glückliches Dasein als Hausfrau garantieren. Also schnell auf die Strasse, und die Schwarze Matratze XXL geholt - zu finden in Berlin a .d. Spree, Kreuzberg.

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Donnerstag, 26. Mai 2005

Kleine Frage, off Topic

Kennt jemand ein gutes, ruhiges, nettes Hotel in Berlin, mittlere bis gehobene Preisklasse, am besten im Zentrum oder im Norden von Berlin?

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Real Life 25.05.05 - Warten in der Goltzstrasse

Der Antikladen ist zu, hinter dem Fenster steht ein kleiner Beistelltisch mit ziemlich grossartigen Intarsien von der Art, wie sie auch auf deinem Beistelltisch sind, den du ihr nicht geben wirst. Schliesslich ist es deiner. Und ihr Argument, dass er ja in der Familie bleibt, zählt nicht, weil er ja auch bei dir in der Familie bleibt. Also soll sie sich bessere Argumente einfallen lassen. Oder den da drinnen kaufen.

Sie schaut ein wenig ärgerlich und gleicht der giftgrünen Jugendstilschlange aus irisierendem Glas, die sie heute gekauft hat. Es ist warm. Der Laden bleibt zu. Eine Frau, die ebenfalls wartet, versichert euch aber, dass der Besitzer bald wieder aufmacht. Sie hat Hunger, weil das Essen in einem indischen Restaurant in der Oderberger Strasse grottenschlecht war, nachdem Bedienung und Koch mehr Interesse an ihrem vor dem Lokal abgestellten BMW Z1 hatten.

Gegenüber ist ein italienischer Feinkostladen, der Baguettes anbietet, und andere Petitessen. Und einen Blick hinüber zum Antiquitätengeschäft, falls der Besitzer kommt. Ihr setzt euch an den kleinen, runden Aluminiumtisch, bestellt, und - da kommt wer, bleibt vor dem Geschäft stehen, sie springt auf und läuft hin - aber es war nur ein anderer Kunde, der ebenfalls draussen bleiben muss. Du sitzt, lang ausgestreckt da, lässt die Minuten verinnen, und das späte Tageslicht macht dich müde.



Du siehst zufrieden aus, sagt sie. Ja, sagst du. Ich zähle die Tage, bis es vorbei ist, nächste Woche ist schluss, dann ab mit Sack und Pack und Kronleuchtern nach Süden. Auf der Strasse gleitet eine S-Klasse vorbei. In der Luft sind irgenwelche undefinierbaren Vögel, unter den Tischen eindeutige Spatzen. Letzte Tage in Berlin, dann nochmal 2 Tage Hektik, Schluss, Ende, Bayern.

Wirst du nichts vermissen, fragt sie aus Höflichkeit und mangels eines anderen Themas, und in deinem Kopf findet sich da eigentlich nur sehr wenig, ws dir fehlen wird. Es gibt ein paar gute, private Begegnungen, und es wäre schade gewesen, die nicht erlebt zu haben. Aber das sind offene Enden wie in jedem guten Roman, man kann nicht alles zu einem ergreifenden Finale führen, und ausserdem hast du deutliche Einladungen ausgesprochen. 500 Kilometer in den Süden ist nicht so schlimm, wie 100 Kilommeter in die andere Richtung, as Gefälle wird sie hoffentlich ganz natürlich anziehen, und für alles weitere gibt es ja Telefon, Email und auch Blog.

Und dann alles, was mit dem Niedergang des hiesigen Bürgertums und den positiven Folgen für dich zu tun hat. In einem Antiquitätengeschäft war heute wieder so ein Nachlass, der idealtypisch erklärt, was hier los ist: Kein Gefühl für Beständigkeit, kein Respekt, kein Verständnis für Gewachsenes und Geschichte, dafür her mit den 500 Euro und Rebranding mit irgendeinem communitytauglichen Gadget. Gut für dich, wenn du nicht drüber nachdenkst, was das im Kern bedeutet, welche Brüche sich da auftun, wo neue Grenzen und Klassen definiert werden. Du stehst daneben, du bist nur Beobachter auf der "richtigen Seite", und nimmst ab und zu ein Angebot derer wahr, die nicht wirklich begreifen, auf welchem Weg in die Mietkonsumfavelas sie sind.

Alles andere - du hoffst, dass du es möglichst schnell vergisst, die Kaputtheit der Normalen, die Korruption der Eliten, die Hirnlosigkeit der Thinktank-Buffetgespräche, die Karriere-Netzwerke, die sie dir in den Weg gelegt haben, die Lobbyhuren auf der Suche nach moralisch sauberen Unterbringung ihrer Sauereien, die Hauptstadt, den Dreck, die Dirt Pics und die Drogengirlies, die du jeden Tag siehst, wenn du zu ihr ins Hotel fährst, die Verschwendung und die Löcher im Asphalt...

Gegenüber im Antikgeschäft rührt sich was, sie springt auf und überlässt dir das zahlen, und du sitzt wie ein abgelaufenes Aufziehspielzeug in deinem Stuhl, bist still, und schaust in den Abendhimmel.

Es ist vorbei. Nicht jetzt, aber bald. Was bleibt? Einen Einkaufsführer für Berlin schreiben, über die Gedärrme dieser Stadt, für andere, die nach dir hierher kommen. Man kann ein paar gute Sachen mitnehmen, zum hier lassen ist es zu schade, und die anderen Menschen werden so oder so irgendwann auch gehen. In den Süden. Wenn sie gehen, wird es im Norden, Osten und Westen nicht mehr allzu viel geben, wo man hin kann.

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Mittwoch, 25. Mai 2005

Warum ich Oskar in der PDS sehen will

Einerseits, weil die Altkommunisten, die die PDS hinter ihrer coolen Fassade immer noch sind, ein paar Arschtritte brauchen. Irgendwi ist Gysi inzwischen zu schwach und zu krank, um das zu tun. Ich müsste mich ziemlich in Oskar täuschen, wenn er dieser kaputten Rasselbande lange untätig zuschauen würde. Und die brauchen ihn mehr, um im Westen anzukommen, als er sie, denn er hat absolut nichts mehr zu verlieren. Die PDS ist dagegen ein Heulsusenverein, dem man das Jammern mit der Knute austreiben muss - das kann nur ein Parteiführer wie Oskar. Entweder die marschieren mit ihm, oder sie sind wieder garantiert aus dem Bundestag draussen.

Und angesichts der kommenden asozialen Verteilungskriege will ich die PDS oder was auch immer da antritt im Bundestag sehen. Wenn die erst mal drin sind, werden sie explodieren wie eine Splitterbombe, da bleibt kein Stein auf dem anderen, zu sehr wird sie der kommende interne Konfikt zusammenquetschen. Aber ein paar freie, radikale Grüppchen sind genau das, was an den Rändern der alten Tante SPD nagt. Eine Aufgabe, die die Grünen, die Partei der Oberstudienräte und Bioweingeniesser längst nicht mehr schaffen, weil sie so beschissen alt und vergammelt sind wie die 68er nun mal sind.

Natürlich wird das Arschlöcher, egomane Schweine und dreckige Verräter nach vorne bringen. Aber es wird auch bedeuten, dass Links sein wieder bedeutet, sich nicht unterordnen zu müssen unter Parteidisziplinen, die einer wie Oskar qua eigene Vita sowieso nicht einfordern kann.

Der schwarzbraune Panzer der lebenden Altkleidersammlungen, der Stahlhelmfotzen und der Möllewelles mit 18% Antisemitgehalt ist sicher grösser und ausserdem einig, die Beute unter sich aufzuteilen. Die kriegt man mit einem kleineren roten Panzer nicht weg, dazu haben sie zu starke Kanonen jnd Minen dank der Medien, da kommt man einfach nicht ran, ohne abgeschossen zu werden - das ist die Lehre aus NRW und Schleswig-Holstein. Dann eben den schmutzigen Nahkampf. Das bringt die SPD nicht. Das schaffen die Grünen auch nicht, wenn es ihnen auf ihren flauschigen Besitzstandswahrerärschen nicht zu ungemütlich wird. Mit Oskar im Rücken müssen alle maulinken Fettsäcke wieder anfangen zu rennen. Und das ist auch gut so, liebe Genossinnen und Genossen.

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Statt HÄSSLICH kann man auch sagen:

"Lebende Altkeidersammlung"

Sagt man auch. Kurz, meine kleine Schwester ist wieder in - bald Merkels - Berlin.

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Bang Bang bangbangbang

Wir haben den Refrain getötet. Wir haben das Lied geschlachtet. Wir haben in den Eingeweiden der westlichen Musikgeschichte einen Opfertanz gestampft, und das Blut spritzte in der Zeitlupe des Stroboskopblitzes. Wir versammelten uns in Löchern, in Kellern, in Ruinen und im Wald, irgendwo, wo uns keiner finden konnte. Wir haben die Zeit ausser Kraft gesetzt und die Schwerkraft mit Chemie bekämpft. E=mc³.



Irgendwann war da mal ein ironisches Sample, eine Reminiszenz an das, was wir nicht mochten, und irgendeine Sau hat dann doch mal eines der gekillten Solos wieder angestöpselt, an unser System. Das verstanden die da draussen plötzlich, sie kamen rein, und irgendein anderes Schwein hat vergessen, an der Tür die Leute zu informieren. Der Rest ist die Geschichte eines Scheiterns. Wir sind zurück auf dem Boden der Tatkonsumsachen von H&M, CDU, Ikea, Mia und dem Reboot der 50er Jahre.

Gott ist auch nur ein mieser Plattenaufleger mit dem Besten aus den 80ern, 90ern und den Tophits von heute, und sein Nachname ist Kohl-Bohlen.

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Dienstag, 24. Mai 2005

1 kleine wertberichtigung

Die New Economy-Postille Fast Company kostete Gruner + Jahr im Jahr 2000 360 Millionen Dollar. Ein weiteres New Economy Blättchen namens Inc. kostete Gruner+Jahr nur 200 Millionen Dollar.

Jetzt sollen beide wohl wieder losgeschlagen werden - Summen werden aber nicht genannt. Kein Wunderm, wenn bei Gruner+Jahr weiterhin gepart werden muss, mit Ausnahme vielleicht von einem "Edelmagazin" wie Park Avenue.

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Hinweis an alle: Liebe Leser,

seit heute morgen ist hier etwas anders. Irgendwer oder Irgendwas hat seit gestern mit der immer gleichen Optionseinstellung eine ziemlich grosse Suchabfrage zu meiner Person und diesem Blog hier laufen (wieso wenden die sich eigentlich nicht an die Presseabteilung vom Verlag?) und in kurzer Zeit melden sich hier Leute an und kommen mit ziemlich trolligen Kommentaren - zwei habe ich heute schon rausgeschmissen, unten kraudert schon wieder so jemand. Ich bin nicht so doof, dass ich das nicht merke. Irgendwelche Rüttgeriaden a la Wiki und ähnliches Geruckel haben ganz schnell den Ausschluss zur Folge. Wer Bilder unter Verletzung des Copyrights in Kommentaren postet, kriegt Ärger. Und ich schmeisse lieber einen zu viel als einen zu wenig raus. Geflenne von wegen, dass die Leute alle meine Bücher gelesen haben und eigentlich ja grosse Fans sind, trägt nicht wirklich zu meiner Verblödung bei.

Die nächsten Monate werden hier, wie es scheint, nicht ganz friedfertig; Eierkuchen wird eher geworfen denn gegessen. Fast mag es scheinen, als würden sich hier bald die Sitten des Heise-Forums einschleichen. Dennoch ist dieses Ding hier erst mal mein Privatvergnügen, und ich werde Sorge dafür tragen, dass das auch so bleibt. Wem meine politische Meinung nicht passt, kann seinen Kommentar ja in seinem eigenen Blog veröffentlichen, das Ding hier ist nicht ausgewogen, es ist einseitig und subjektiv und bleibt auch so. Ich bin zwar eingetragenes Mitglied der SPD, aber ohne Funktion und mit erheblich eigenem Kopf. Das sind die Regeln des Spiels. Wer nicht will, suche sich einen anderen Sandkasten, wer will, darf natürlich auch die guten, alten Bleiförmchen mitbringen.

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Sehr zu empfehlen III: Dropleaftable in der ersten Zone, 2035

Man erkennt, dass sie nicht hierher gehören. Nicht sehr viele Leute aus der zweiten Zone gehen noch in die erste Zone. Was sollen sie auch hier. Sie dürfen sich zwar auch alles kaufen, denn die Märkte sind die Grundpfeiler des Liberalismus, aber sie können es sich sicher nicht leisten. Ausserdem stören sie das Strassenbild. Menschen aus der zweiten Zone haben prinzipiell das Recht, hier zu sein, aber ob sie den Bürgersteig und die Strassen einfach so betreten können, hängt von den Eigentümern ab. Deshalb huschen die meisten Bewohner der zweiten Zone schnell, ängstlich durch die Passagen und Alleen, und es ist eigentlich an der Zeit, da etwas zu ändern. Sagt zumindest Innenminister Haedke von der CED. Was genau, steht in einem Gesetzesentwurf zum Schutz von Handel und Gewerbe, der zwar noch nicht bekannt ist, aber von SpiegelFAZBild und ihren Digitalablegern in der zweiten Zone als unverzichtbar für das wirtschaftliche Wachstum propagiert wird.

Es ist eine kleine Familie, Vater, Mutter, Tochter. Typische Intellektuelle, die man nicht unbedingt verfolgt, aber schon genau beobachtet, zumal der Vater 2006 bis 2009 in Berlin auf der Verliererseite eine Kampfgruppe im Wachstumskonflikt geleitet hat, der damals noch "Verteilungskrieg" hiess. Vor einem Antiquitätengeschäft bleiben sie stehen, und der Vater sagt zur Mutter: Schau mal Steffi, der Dropleaf-Tisch... Erinnerst Du Dich?

Was ist los, will ihre Tochter Walburga wissen. Walburga liebt solche Geschäfte, nachdem sie ihre drei Jahre kostenlosen Sozialdienst bei einer erstklassigen Familie in der Munich Area abgeleistet hat, sie kennt diese Möbel vom Putzen. Und manchmal, wenn die Familie in Urlaub war, hat sie sich sogar auf diese Möbel gesetzt. Seit sie wieder da ist, hat sie sich verändert, ist unzufrieden mit ihrer Lage und schaut den ganzen Tag nur Telenovelas wie "Gute Zeiten, Grandiose Zeiten", die von Werten, Moral, Tugend und Glück unter der Herrschaft der CED, der christlichen Einheitspartei erzählen.

Na der Tisch, sagt ihr Vater, den gleichen hatte ich mal. In der Auslage steht ein britischer Dropleaf-Tisch, mit geschwungenen Beinen, und Löwentatzen mit Rollen unten dran. So einen hatte ich mal. Das war, oh Gott, das war am 22. Mai 2005, am Tag, als der Krieg begann...



Und er erzählt. Er erzählt, wie er als Student versucht hat, sein Studium durch Flohmarkthandel zu finanzieren. Er ging zu Zwangsversteigerungen von Leuten, die sich in der New Economy oder im Immobiliensumpf Berlin verspekuliert hatten, kaufte billig Möbel, richtete sie wieder her, und verkaufte sie mit Gewinn. Ein gutes Geschäft, Berlin brach damals zusammen, das Bürgertum ging in Massen vor die Hunde, und auf den Flohmärkten trieben sich die Schnäppchenjäger aus dem Süden der damaligen Bundesrepublik herum, die solche Möbel suchten.

Er hat ihn an einen Journalisten verkauft, der für ausländische Medien hier war und bald wieder in den Süden zog. Der war begeistert von dem Tisch und wollte ihn für seine Bibliothek. Die englischen Sachen, erzählte er, hätten es ihm angetan. Weil sie so praktisch sind: Die runden Seitenteile eines Dropleafs lassen sich runterklappen, und man kann den dann kleinen, quadratischen Tisch an die Wand stellen, wo er nicht stört. Die Briten haben diese Möbel im 19. Jahrhundert für kleine Junggesellenwohnungen entwickelt. Die Form mit dem Balusterfuss, den Löwenbeinen und den hellen, schlichten Intarsien auf Mahagoni ist prächtig und trotzdem so zeitlos, dass sie durchgehend produziert wurden. Der Tisch war also kein Replika, kein Stilmöbel, sondern ein damals gut 80 Jahre altes, praktisches Gebrauchsstück.

Einen Moment haben er und seine heutige Frau, die damals auch auf dem Flohmarkt war, überlegt. Ob es wirklich eine gute Idee ist, diesen Tisch zu verkaufen. Weil er wirklich schön ist. Ausserdem - der LEKSVIK-"Leckmich"-Tisch beim heutigen Monopolisten der zweiten Zone Ikea kostete damals eigentlich das Doppelte. Der Journalist ging darauf mit dem Preis hoch, Studenten ausbeuten wollte er ja auch nicht, und so wurde man am Ende doch "pari", wie der Bayer sagte. Das war schon so ein schräger Vogel... aber eigentlich hat er einen verdammt guten Kauf gemacht, denn so ein Tisch ist eingeklappt klein genug für einen Beistelltisch beim Lesen in der Bibliothek, oder auch für ein intimes Frühstück, und ausgeklappt gross genug für einen Speisetisch für vier Gäste oder einen Teetisch für 6 Personen - ein wirklich sinnvolles Möbel, und so eine Mahagoniplatte hält locker ein paar hundert Jahre. Das war eine gute Sache für den Ausbau seiner Bibliothek an der Donau...



Damals, am Tag, als der Krieg begann...er krampft seine Hände zusammen. Warum haben sie damals nicht den Bundestag gestürmt und die Schweine verjagt, 2006, als das Wahlrecht "reformiert" wurde...

Sag mal, will Walburga wissen, Du kennst also jemanden aus der ersten Zone, aus der nördlichen Munich Area? Wow. Kannst Du mit dem nicht mal wieder Kontakt aufnehmen?

Nein, kann ich nicht. Der war im Krieg auf unserer Seite, ein Sozialdemokrat, ein Blogger, den haben sie mit Wachstumsförderungsgesetz und Medienkonformitätserlass verfolgt, der emigrierte dann in die Schweiz...

Was machen Sie da, werden sie von einem Wachmann angeherrscht. Das ist der Bürgersteig des Geschäfts, machen sie, dass sie verschwinden - die Familie zieht weiter, jetzt schneller, hastig, und der Vater denkt zurück an die Zeiten seiner Jugend, als er gegen solche Büttel mit Molis und Steinen gekämpft hat, sie hatten damals ja nichts anderes, als die Merkel den Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes hat modifizieren lassen.

Am Abend ist Walburga bei ihrem Freund Karl-Gustav. Sie sitzen in seiner Wohnung in einem Hochhaus am Rande von Hamburg, mit einem grandiosen Blick über die bröckelnden Bauten der zweiten Zone hinweg, bis zur ersten Zone und der breiten, nur für Bewohner der ersten Zone gebauten Hochautobahn zu den anderen Zentren der ersten Zone, Bonn Area, Frankfurt Area, Munich Area, Stuttgart Area. Da will Karl-Gustav hin. Dafür hat er seine drei Jahre Dienst in der Dritten Zone Verwertungs AG gemacht, arbeitslose Leute aus der zweiten Zone deportiert, administrativ, und was da so getuschelt wird in der zweiten Zone stimmt alles gar nicht, sagt er. Zum Beispiel die Sache mit den Boden-Boden-Raketen. Die sind nur zur Abschreckung, wenn sich da drüben mal wieder kriminelle Banden zusammenrotten. Und man kann ja wohl nicht erwarten, dass sich Angehörige der zweiten Zone in Gefahr bringen wegen diesem Pack.

Walburga erzählt Karl-Gustav, wie dumm ihr Vater war. Karl-Gustav hält ohnehin nichts von ihm und sagt, dass das ja mal wieder typisch sei für den alten Trottel. Ohne die Fürsprache seiner Familie wäre der sicher von Anfang an deportiert worden, wegen seiner Rolle im Wachstumskonflikt. Und dann auch noch sowas, so einen Tisch könnte er dringend brauchen, um seinen Chef aus der ersten Zone zu erfreuen. Verkauft an einen Dissidenten, der nach dem Konflikt in die Schweiz emigriert ist, unfassbar. Manche von denen sind immer noch aktiv, aber das bringt denen gar nichts, ihre Blogs - wie konnte man das damals überhaupt erlauben? - sind in den Zonen nicht erreichbar. Walburga will seine Hand ergreifen, aber Karl-Gustav ist wütend und steigert sich hinein, sie sollte ihren Vater doch einfach anzeigen, dann bekäme sie einen guten Vermerk in ihrer Akte als treue Staatsbürgerin, dann könnte sie auch dauerhaft in der ersten Zone arbeiten, für Geld.


Aber er weiss, dass es ihr am Will2Success mangelt, sie würde das nie tun. Er schaut sie an und weiss, dass sie es nie schaffen wird, sie wird immer zweitzonig bleiben, und dann in 40 Jahren alt und hässlich sterben, kein Wunder bei der medizinischen Versorgung, die sie sich hier leisten können wird. Karl-Gustav geht zum Fenster und schaut hinüber in die dritte Zone, zu den Asozialen, den Arbeitsscheuen, den Kriminellen, den Fremdrassigen, die hinter dem drei Kilometer breiten Sperrgürtel leben, eingekesselt zwischen den Raketenstellungen im Westen und der Woitilla-Freihandelszone im Osten, wo manche von denen die Fussböden putzen. Erbärmliches Pack, denkt er, er will nach oben, und langsam wird es Zeit, Walburga zu verabschieden und zu versuchen, eine Frau zu finden, die ebenfalls auf dem Weg in die erste Zone ist, wo die Leute aus feinstem Porzellan echten Kaffee und Tee an antiken Tischen trinken. Die haben noch die Zeit, im Gegensatz zum Gehetze der 60-Stunden-Woche hier in der zweiten Zone, und dann noch der Milizdienst danach...

Walburga, sagt er schneidend, sie zuckt zusammen, so wie er das seit seinem Einsatz bei Frauen mag, und dann zuckt sie gleich nochmal, denn plötzlich knallt es, auf dem Grenzstreifen steigt eine Rauchsäule auf, und vor dem Haus feuert eine Raketenstellung der Dritten Zone Verwertungs AG vollautomatisch Socialpeace-Geschosse vom Typ Koch-Wulff III ab, die fauchend in den Abendhimmel ziehen.

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Dirt Picture Contest - 4 Meter sind zu weit

Coffee to go sagt eigentlich nur die Hälfte. Kaffee zum Gehen - und dann? Was tun, wenn gegangen und getrunken wurde?



Dann erfreut man die umgebende Zivilisation mit den Resten des Koffeingenusses. In etwa auf Augenhöhe, damit es niemand übersieht. Und lässt so viel drin, dass, wenn der Wind die Becher umpustet, noch ein paar Spritzer auf dem Boden sind.

Man könnte es auch in eine Ecke tun, aber die Ecken sind hier in Neukölln meist schon voll, ausserdem müsste man sich da bücken. Man könnte den Müll auch in den Mülleimer tun - aber dafür müsste man vier Meter gehen. Das kann hier keiner ernsthaft erwarten, ausserdem gehört der öffentliche Raum allen, also auch den Coffee to go Trinkern uund ihrem schnellen Leben. Danach setzen sie sich vielleicht an den Computer und sabbeln Blogs voll, deren Inhalte sie nicht begreifen.

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Montag, 23. Mai 2005

Der Black-Butt-kicking-Button



Edit: Der Möllewellewatschbatschbutton:


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Danke, Gerhard und Joschka

für die letzten 7 Jahre Rot-Grün ohne Kohl und seine Kamarilla.



Allein dem Stoiber sein Gesicht, als er nach der Bundestagswahl in München ankam, war es wert. Und wer wählt schon sowas ABSURD HÄSSLICHES wie DIESE Frau?

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Der anachronistische Zug reloaded

Frühling wurd's in deutschem Land.
Über Nordrheins Trümmerwand
Flog ein letztes Birkengrün
Schwächlich, desolat und kühn.

Als von Westen, aus den Tälern
Herbewegte sich von Wählern
Pomphaft ein zerlumpter Zug
Der zwei alte Bilder trug.

Mürbe war das Holz von Stichen
Und die Inschrift sehr verblichen
Und es war so etwas wie
Stoiber-Ede und Ost-Angie.

Vornweg schritt ein Sattelkopf
Und er sang aus vollem Kropf:
"Kinder solln es sein statt Inder
Neonazis störn mich minder"

Dann in Kutten schritten zwei
Trugen 'ne Monstranz vorbei.
Kostet ja nur Kirchensteuer,
und die wird jetzt sicher teurer.

Gleich dahinter schritt ein Pater
Abgesandt vom Heiligen Vater
welcher Schwulen (ausser Möllewelle), Linken, Frauen
wird bald ihre Rechte klauen

Dicht darauf die Herrn Berater
nach dem neuen Wirtschafts-Kater
Stampfend in geschloßnen Reihn
Laut nach einer Freinacht schrein.

Ihre Gönner dann, die schnellen
Grauen Herrn von den Kartellen:
Für die Rüstungsindustrie
Stoiber-Ede und Ost-Angie!

Einem impotenten Hahne
Gleichend, stolzt ein Pangermane
Tschechien würe er jetzt gerne haben
oder Polen leicht angraben.

Gleichen Tritts marschiern Elite-Lehrer
Machtverehrer, Gehirnverheerer
Für das Recht, die deutsche Jugend
Zu erziehn zur Diebestugend.

Folgen die Herrn Mediziner
Wucherschweine, Selbstbediener
Fordernd dieses Staates soziale Kassen
um auf Mallorca ordentlich zu prassen.

Drei Gelehrte, ernst und hager
Gentechnik ist Super-Sager
Fordern für Biotechnologie
Stoiber-Ede und Ost-Angie.

Folgen, Ehrung wollen sie
Alle die noch nicht toten Nazi
Die als Filzlaus in den Ritzen
des Auswärtigen Amtes sitzen.

Dort die SpringerSpiegelFAZredakteure
Sind besorgt, daß man sie höre
Und jetzt etwa nicht vergesse
die fetten Anzeigen für unsre Presse.

Einige unsrer besten Bürger
Einst geschätzt als Fremdenwürger
Jetzt entfesselt, seht ihr schreiten
Für das Recht auf Naziseiten.

Früherer Parlamentsrücksitzer
Unter Kohl noch Profifilzer
Bietet sich als PRler an:
Schafft dem Tüchtigen freie Bahn!

Und das schwarze Marketier
Sagt, befragt: Ich marschier
der Arbeiter zum Verberb
Für den freien Wettbewerb.

Und der Richter dort: zur Hetz
Schwenkt er frech ein alt Gesetz.
Mit ihm von der Maschelei
Spricht es Falk und Breuer frei.

Cicero, neue Rechte, Thinktankfürsten
Schrei'nd nach Lorbeer und nach Würsten
All die Guten, die ab jetzt geschwind
immer schon für Angie gewesen sind.

Und die Krampfadergeschwader
und das alte scheissebraune Lager
schreit aus fauligstinkend Munde
von des Rüttgers froher Kunde.

Hassprediger, Lebensschützer-Weiber
Lügenhelfer, Zeitungsschreiber
Steuerschlupflochvorantreiber
Deutsches-Erbland-Einverleiber

Blut und Dreck in Wahlverwandtschaft
Zog das durch die deutsche Landschaft
Rülpste, kotzte, stank und schrie:
Stoiber-Ede und Ost-Angie!

Und kam, berstend vor Gestank
bei der Spree zur Deutschen Bank
Zu der Hauptstadt dieses Landes
glücksbesoffen jenseits Rand und Bandes.

Informiert von den Gazetten
Zweifelnd zwischen den Skeletten
Seiner Häuser stand herum
Das verstörte Bürgertum.

Und als der mephitische Zug
Durch den Slum Berlin die Tafeln trug
Treten aus dem gelben Haus
Schweigend sechs Gestalten aus

Und es kommt der Zug zum Halten.
Neigen sich die sechs Gestalten
Und gesellen sich dem Zug
Der die alten Tafeln trug.

Und sie fahrn in sechs Karossen
sponsored von den deutschen Bossen
Durch den Schutt, und alles schrie:
Stoiber-Ede und Ost-Angie!

Knochenhand am Peitschenknauf
Fährt die Unterdrückung auf.
Ist das nicht des Stoibers Söder?
Niemand grinst heut morgen blöder.

Groß begrüßt, aus hessischem Moloch
Fährt der Aussatz. Er heisst Koch.
Er will wieder ein jüdisches Vermächtnis.
Er hofft auf der Deutschen kurzes Gedächtnis.

Hinter ihm fährt der Betrug
Schwenkend einen großen Krug
Möllewelle mit 18% Antisemitgehalt.
Der Kerl ist garantiert nicht kalt.

Alt wie der Kohl, doch
Unternehmend immer noch
Fährt die Dummheit mit im Zug
Läßt kein Auge vom Betrug.

Hängend überm Wagenbord
Mit dem Arm, fährt vor der Mord.
In den Städten des deutschen Osten
kommt er bald wieder auf seine Kosten.

In der Kluft des Lobbyisten
sehr ihr jetzt den Raub stibitzen
Gierig schaut er euch aufs Konto
und er gibt euch keinen Skonto.

Alle die sechs Großen
Eingeseßnen, Gnadenlosen
Alle nun verlangen sie
Stoiber-Ede und Ost-Angie.

Hinter den Verbrecherhirnen
Fahren grosse Abrissbirnen
Auf dem Weg zu Sozialstast und den Bürgerrechten
Kohle wollen sie, und die Mehrheit knechten.

Nach sieben Jahren sind sie frei,
und wir alle sind dabei
wenn gegeben wird den Satten
von den Armen. Große Ratten

Schlüpfen aus gestürzten Gassen
Folgend diesem Zug in Massen
Hoch die Angie, piepsen sie
Stoiber-Ede und Ost-Angie!

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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Sonntag, 22. Mai 2005

Zombies on a deadroad Track

Gegen 11 Uhr tauchte in Schöneberg dieser signalgrüne 911er Targa im Rückspiegel auf. Recht dynamisch gefaghren, um nicht zu sagen, brutal. An der Ampel pastte vielleicht ein plattgefahrener Frosch zwischen seine Stossstange und mein Heck. Und dann diese Spielerei mit dem Gasfuss...

Er sah aus, wie Jean Paul Belmondo mit 90 aussehen wird, wenn er Pocken und eine Schlägerei mit einem dutzend Halbstarken hatte. Zerknautschtes Gesicht, garantiert falsch dunkelblond, Zigarette im Mundwinkel. Sie hatte die Frisur nach ihrem eigenen Vorbild Anno 66 machen lassen, und sah ansonsten aus wie eine vertrocknete Leiche eines zugekifften Beat Girl, das zugedröhnt im Abluftschacht einer Disco verendet ist und gerade auf dem letzten Weg ist. Der Motor des 911ers klang richtig schlecht, die Karre hatte ein paar Beulen und Rostflecken.

Kaum war die Ampel auf Grün, zogen sie rechts vorbei, Richtung Westen. Irgendwo dort hinten muss der Eingang zur Hölle sein.

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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Sonntag, 22. Mai 2005

Sehr zu empfehlen II - Ausstattung Arzberg 1382

Berlin im Frühjahr 2005. Erna Kowalski räumt die Wohnung ihrer Mutter Berta, die ins Altersheim gezogen wurde. Überall der alte Plunder... Und Meike Kowalski, ihre Tochter, ist auch keine Hilfe, die steht draussen auf dem Balkon und handyniert mit ihrer Freundin, wo sie heute Abend hingehen. Erna durchstöbert die Küche, da sind überall diese furchtbaren Sachen, und da hinten ist auch das Hochzeitsgeschirr, das, das ihre Mutter dann nie benutzt hat. Kein Wunder, ist ja auch, naja, also jedenfalls zu langweilig. Nicht mal bunt, wie das, das sie so supergünstig von Lidl hat. Das kann man auch in die Spülmaschine tun, das da hinten hat Goldrand, das geht nicht. Das kriegt alles der Entwümpler, obwohl...

"Meike? MEIIIKEE!"

"Ja, ich komm ja schon, wat isn?"

"Kieck ma, da is det alte Jeschirr, det is eijentlich noch janz jut wa, kannste det nich brauchn?"

Meike schaut nicht genau hin, ein Blick reicht ihr. Ne. Ganz bestimmt nicht. Das ist nicht weiss, sondern so gelb. Bäh. Ausserdem, das alte Zeug, die winzigen Tassen, Meike will sowas nicht. Sondern, wenn sie jetzt bald ihre eigene Wohnung bekommt, so coole Becher wie 365+ von Ikea, kostet nur drei Euro und die sind dann so richtig robust, dann noch irgendeine Kanne, mal schaun. Teller fürs Frühstück, dazu hat sie zwar keine Zeit, aber wenn sie mit Mutti zu kea fährt, nimmt sie doch welche, damit die nicht schon wieder wegen ihrem Untergewicht und der Figur und dem Piercing jammert, also noch 6 Teller aus der gleichen Serie, dann hat sie alles für nicht mal 50 Tacken, ist doch super...

"Ne, Mama, echt nicht, das ist superunpraktisch, schau doch mal wie dünn das Geschirr ist, das geht ja sofort kaputt. Gib´s dem Entrümpler, da kriegen wir schon noch 5 Euro dafür."

"Die Oma wird det aba jahr nich mögen. Dit war sicher mal wat teures, det hat der Onkel Jakob geschenkt, det wees ick noch, der hat nur jute Sachen jehabt."

"Der Oma kannste ja sagen, dass ich es genommen habe..", sagt Meike, und geht zurück auf den Balkon, um ihrer Freundin was vorzujammern, mit was für einem alten Dreck man ihr weiteres Leben verunstalten wird.

Ich weiss nicht, ob es wirklich so abgelaufen ist, aber jedenfalls betrat ich heute morgen die Gallerie der lächelnden Menschen an der Strasse des 17. Juni. Die Gallerie der lächelnden Menschen ist eigentlich eine Ansammlung von griesgrämig dreinschauenden Entrümplern, deren Geschäfte nicht allzu gut gehen, aber wenn ich komme... Ich bin Bayer, und sie wissen: Hier kommt der Don. Der skrupellose Don, der hier schon mal ein lahmes, reiches Rentnerehepaar bein Brieftaschenzückduell ausgeknockt hat - der Siegespreis, ein Seidenteppich, liegt jetzt bei meiner Schwester. Hier kommt der Don, der scheinbar unendlich viel Platz in seinen Wohnungen hat. Wir kennen uns, und wenn ich komme, lächeln sie. Wir verhandeln hart, wir machen gute Geschäfte, wir sagen einander: Leben und leben lassen, Habibi. Ich gebe ihnen hartes bayerisches Geld, sie geben mir die Trümmer der Berliner Bürgerlichkeit. Heute begrüsste ich einen von ihnen, wir sprachen über alles mögliche, und nebenbei fiel mein Blick auf das hier -



mutmasslich das Teeservice von Berta Kowalski, anders kann ich mir diese Anwesenheit nicht erklären. Das Service, das für teures Geld von Onkel Jakob gekauft wurde. Der lächelnde Händler fragte, ob ich es haben wollte, und ich sagte sehr überzeugend Nein - schliesslich habe ich erst vorgestern Teeservice Nummer 7 gekauft, KPM, ein Traum... Und Nein heisst Nein, ich habe keinen Platz mehr. Aber - ein Blick unter die Tasse - tatsächlich: Porzellanfabrik Arzberg. Der lächelnde Händler meinte, es sei auch recht billig, 25, na gut 20 Euro, Habibi, und ich sagte Leben und Leben lassen, sagen wir - ach was, ok, machen wir, mal schaun wo ich das mit seinen 8 Tassen und Untertassen und 10 Tellern und der Keekanne noch hin tue. 27 Teile, 20 Euro. Für das hier:



Das ist es, wenn man es ordentlich hinstellt, was Meike Kowalski nicht getan hat. Das ist die berühmte Serie Arzberg Form 1382, die der Inbegriff des Bauhaus-Designs bei deutschem Porzellan ist. Steht auch im Museum of Modern Art in New York, nebenbei bemerkt. Gibt es in diversen Farben, hier in Creme mit Goldrand. Der Designer, Herrmann Gretsch, hatte ein Faible für das Biedermeier, und entwickelte zeitlose Formen. Form 1382 passt zu allem, vom USM-Haller-Tisch bis zum Empire. Was zur Folge hat, dass Arzberg die Form 1382 bis heute liefert. Wenn auch zu nicht ganz geringen Preisen. Aber immer noch mit den gleichen Nummern, die hinten mit einem goldenen Stempel aufgebracht sind.



Das ist Customer Relationship Management, von dem die Computerbranche noch was lernen kann - man schaue sich nur mal die Beschriftung auf Bauteilen an. Was meike Kowalski so gestört hat, das dünne Porzellan, ist ein Qualitätsmerkmal. Wenn man Porzellan gegen das Licht hält, und die Stempel darunter sind deutlich erkennbar, ist es nie schlechtes Porzellan. Das Service geht mit in die Provinz, Berta Kowalski braucht sich keine Sorgen machen. Und Onkel Jakob, der damals extra mehr als die üblichen 6er-Sets gekauft hat - man weiss ja, wie schnell sowas mal zerbricht - kann in Frieden ruhen, denn jetzt ist es an einer Stelle gelandet, wo es geschätzt wird. Was bei Meike Kowalski eher nicht der Fall gewesen wäre, spätestens beim Polterabend, wenn sie im 6. Semester schwanger und doch lieber Geschwaderführerin beim Sportbuggyeinsatzkommando Berlin Mitte wird, dann wäre es vorbei gewesen mit der Herrlichkeit.

Natürlich brauche ich das Service nicht mehr. Es ist ein kleiner, billiger Luxus, es wäre zu schade gewesen, es war der Sport, was in England unter dem Begriff "Bargain Hunting" in höchstem Ansehen steht. Aber es ist ein guter Grund, später nächsten Monat hier im Blog zu erklären, wo man in historischer Bausubstanz selbstgebaute Einbauschränke für das Porzellan unterbringt - und das, liebe Leser, die Behauptung, dass ich es eigentlich nur für Euch tue, ist eine phantastische Ausrede. Und falls ich irgendwann wirklich keinen Platz dafür mehr haben sollte, dann wird es vielleicht irgendeine Elitesse, ein New Economy ideal oder sonst eine Gespielin beim Frühstück sehr schön finden und haben wollen - aber das wird dann nicht gebloggt.

Mehr aus der Ausbauserie.

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Dirt Picture Contest - Flower Power

Man kann sich heute nicht mehr sicher sein, was original aus den 70ern kommt, und was nachgemacht ist. So ziemlich jedes Möbelgeschäft hat irgendwelches Zeug in den typischen Farben und davor ein paar Girlies in rosa und Schlaghosen, die sich überlegen, diese krasse Deko da zu kaufen. Für die Mttzwanziger ist das eine weit entfernte Epoche, da haben sie keine Erinnerungen, also ist es retrotauglich - und so werden Kastanienallee auf, Oderbergerstrasse ab die Läden geplündert, um dem Minimalambiente der Neuzuwanderer den passenden Flair zu den Pillen zu geben, an die sie sich in den nächsten Wochen rantrauen werden.

Und wenn Paps sie dann aus der Entgiftung auf Dauer heim holt, macht er das einzig richtige und kippt alles auf den Müll - und deshalb können wir davon ausgehen, dass das hier wohl eher ein Eingeborener war:



Die kippenm das Original 70ies Ambiente mit den krassen Stoffen nicht auf den Müll, sondern auf die Strasse. Und der Hauhaltsauflöser von nebenan hat noch nicht begriffen, dass das hier in Neukölln sicher bald begehrte Waren sind. Aber spätestens, wenn die Mädchen mit dem badischen Akzent an den Kronleuchtern vorbei auf die orange Stufflampe zusteuern, wird auch er begreifen, dass sein Glück auf der Strasse lag.

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