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Donnerstag, 14. September 2006
Ferien für fast immer
Wäre da nicht der schmale Schattenstreifen, der jeden Tag ein paar Zentimeter vom Licht auf der Dachterasse wegnimmt, könnte man glauben, die Sonne geht jeden Tag den genau gleichen Weg über den immer wolkenlosen Himmel, und es könnte immer so weitergehen.

Tut es aber nicht. Der Besuch reist heute ab, und ich reise mit, auf dem Weg sind ein paar Schlösser und Gärten, die besichtigt werden wollen, bevor sie demnächst auf Winteröffnungszeiten umgestellt werden und der Herbst die Bäume leerfegt. Und so erinnert das letzte Abendessen dann auch an ein Nachtstück der Vergänglichkeit.

Aber hey. Das da oben ist Provinz plus, es gibt immer ein paar Minuten Sonne mehr am Morgen und Abend, es ist immer etwas ruhiger als nach vorne hinaus, und die nächsten Gäste werden sicher auch noch kommen. Weshalb ich gestern noch ein Schlafsofa gekauft habe, grün wie die Hoffnung und daunenweich wie das provinzielle Verblöden zwischen Tee, Kuchen und warmer Luft, eine Droge, die man immer wieder mal absetzen muss, sonst frisst es einen auf, und wie das endet, sehe ich an den KinderwagenschubserInnen, die hier nie wieder wegkommen werden, bis sie dann im Altersheim verschimmeln.

Tut es aber nicht. Der Besuch reist heute ab, und ich reise mit, auf dem Weg sind ein paar Schlösser und Gärten, die besichtigt werden wollen, bevor sie demnächst auf Winteröffnungszeiten umgestellt werden und der Herbst die Bäume leerfegt. Und so erinnert das letzte Abendessen dann auch an ein Nachtstück der Vergänglichkeit.

Aber hey. Das da oben ist Provinz plus, es gibt immer ein paar Minuten Sonne mehr am Morgen und Abend, es ist immer etwas ruhiger als nach vorne hinaus, und die nächsten Gäste werden sicher auch noch kommen. Weshalb ich gestern noch ein Schlafsofa gekauft habe, grün wie die Hoffnung und daunenweich wie das provinzielle Verblöden zwischen Tee, Kuchen und warmer Luft, eine Droge, die man immer wieder mal absetzen muss, sonst frisst es einen auf, und wie das endet, sehe ich an den KinderwagenschubserInnen, die hier nie wieder wegkommen werden, bis sie dann im Altersheim verschimmeln.
donalphons, 01:53h
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Wenn der Liberale mit dem Augustinus hippelt.
Seit einiger Zeit gibt es so eine Art Konfliktmanagement zwischen den von Extrempositionen abgerückten rechts-, wirtschafts-, neo- und ordoliberalen Blogs und denen des linksliberalen bis libertinen Spektrums. Trotzdem bleiben naturgemäss Unterschiede bei einigen Auffassungen, über die man diskutieren kann. Bei anderen hilft nur, sagen wir mal, Nachhilfe. Etwa hier die Meinung eines Liberalen in Bezug auf einen gewissen Herrn aus Rom, der als Chef einer christlichen Sekte auftritt:
Immerhin repräsentiert er nicht nur eine zweitausend Jahre alte Institution. Nein, er kennt ihr geistiges und kulturelles Erbe auch wie kaum jemand sonst. Und mal ehrlich: Wenn der eine sich auf Augustinus beruft, während der andere allen ernstes glaubt, Afrikas Probleme seien auf ein katholisches Kondomverbot zurückzuführen, dann ist die intellektuelle Schlacht entschieden, bevor sie überhaupt richtig losgeht.
Ich darf davon ausgehen, dass das Liberale und Freund des Westens Statler meint, via Augustinus (von Hippo, 354-430) den Sieg dem Herrn aus Rom zuschreiben zu können.
Ich möchte hierzu anmerken: Herr Statler scheint in der Konsequenz kein Problem damit zu haben, die sonst verteidigten Juden als Mörder, Mörder Christi, eine triefäugige Bande oder Abschaum zu bezeichnen - denn solche und andere Bemerkungen verdanken wir Augustinus zu einer Zeit, als das christliche römische Reich beginnt, Juden radikal zu entrechten. Ein jüdischer Staat wäre für Augustinus ein Vergehen gegen den göttlichen Heilsplan, der Juden nur als Sklaven der Kirche vorsieht - noch so eine Erfindung von Augustinus. Kein Wunder, sein Lehrer hiess Ambrosius von Mailand und hat in seinen Epistulae das Zerstören von Synagogen für gut geheissen, eine Handlungsweise, die der intellektuell schlachtende Augustinus nicht ablehnt.
Herr Statler bezeichnet sich als Liberalen - ich weiss beim besten Willen nicht, wie das mit der Prädestinationslehre von Augustinus zusammenpassen soll. Geht es nach letzterem, ist von einer Entscheidungsfreiheit des Menschen nichts zu halten. Anders gesagt: Unliberaler als Augustinus geht es nicht, die Civitas Dei und ihre weltliche Ausprägung, die Civitas Coelestis (entspricht grob Himmel und Kirche) verlangen Unterordnung, die todgeweihte Civitas Dei dagegen, mitsamt ihrem von Augustinus blumig beschriebenen Multilateralismus, ihrer Offenheit, Gleichheit und Toleranz ist nichts weiter als der sichere Weg zur Verdamnis.
Kurz, dem, was Herr Statler zu sein behauptet, steht Augustinus von Hippo mit seinen Lehren diametral gegenüber. Augustinus war die zentrale Figur des frühchristlichen Judenhasses, keiner hatte zu diesem Zeitpunkt wie er all das, für das der Westen heute steht - Demokratie, Gleichheit, Freiheit, Menschenrechte - in Wort und Tat so umfassend und ideologisch begründet bekämpft. Augustinus kennt keine Menschenrechte für alle, die nicht an seine Thesen glauben. Augustinus war zu seiner Zeit das, was Bin Laden heute für den Islam ist - dem einen sein neues Kalifat, dem anderen seine Civitas Dei. Die ihm verhassten Donatisten liess er brutalst durch - wörtlich! - "terrore perculsi", verfolgen, Terror als Heilung, und damit ausrotten.
Das ist Augustinus. "De civitate dei" entwirft einen Idealstaat, der nach unseren modernen Vorstellungen religiös-faschistisch ist und heute seine nachlässige Entsprechung allenfalls unter den Taliban fand. Entweder kennt man seine Werke nicht, dann sollte man schweigen. Oder man kennt sie - dann sollte man sich aber als Liberaler keinesfalls auf sie beziehen. Coole Bilder von Kirchen habe ich übrigens auch. Und weil ich kein Christ bin, stehe ich nicht dumm und sprachlos vor den Steinhaufen, sondern kann eine Geschichte dazu erzählen:

Das ist die Westfassade des Regensburger Domes, die man momentan zwengs dem Herrn aus Rom oft in der Glotze sehen kann. Ein Meisterwerk. Mit Misstönen, über die man heute nicht redet, man mag die Stimmung nicht versauen. Zum einem ist da eine Judensau. Und dann ist da noch die Sache mit dem letzten mittelalterlichen Baumeister dieses Bauprojekts zum grösseren Ruhme Gottes. Der hiess Wolfgang Roritzer. Und wollte das Ding fertig bekommen, und sei es um den Preis eines gewaltsamen Umsturzes in der freien Reichsstadt Regensburg, um sie dem Herzogtum Bayern anzugliedern. Der Putschversuch endete für ihn auf dem Schafott. Und für uns in der Ermahnung, alles, was mit diesem Verein zu tun hat, sehr vorsichtig anzufassen. Alles hinterfragen, nichts als gegeben akzeptieren. Die sind 2000 Jahre alt, aber es sind 2000 Jahre gegen die Freiheit, und der Kampf um eben jene Freiheit ist noch lange nicht gewonnen - da reicht ein Blick zu unseren polnischen Nachbarn und den dortigen politischen Entwicklungen.
Immerhin repräsentiert er nicht nur eine zweitausend Jahre alte Institution. Nein, er kennt ihr geistiges und kulturelles Erbe auch wie kaum jemand sonst. Und mal ehrlich: Wenn der eine sich auf Augustinus beruft, während der andere allen ernstes glaubt, Afrikas Probleme seien auf ein katholisches Kondomverbot zurückzuführen, dann ist die intellektuelle Schlacht entschieden, bevor sie überhaupt richtig losgeht.
Ich darf davon ausgehen, dass das Liberale und Freund des Westens Statler meint, via Augustinus (von Hippo, 354-430) den Sieg dem Herrn aus Rom zuschreiben zu können.
Ich möchte hierzu anmerken: Herr Statler scheint in der Konsequenz kein Problem damit zu haben, die sonst verteidigten Juden als Mörder, Mörder Christi, eine triefäugige Bande oder Abschaum zu bezeichnen - denn solche und andere Bemerkungen verdanken wir Augustinus zu einer Zeit, als das christliche römische Reich beginnt, Juden radikal zu entrechten. Ein jüdischer Staat wäre für Augustinus ein Vergehen gegen den göttlichen Heilsplan, der Juden nur als Sklaven der Kirche vorsieht - noch so eine Erfindung von Augustinus. Kein Wunder, sein Lehrer hiess Ambrosius von Mailand und hat in seinen Epistulae das Zerstören von Synagogen für gut geheissen, eine Handlungsweise, die der intellektuell schlachtende Augustinus nicht ablehnt.
Herr Statler bezeichnet sich als Liberalen - ich weiss beim besten Willen nicht, wie das mit der Prädestinationslehre von Augustinus zusammenpassen soll. Geht es nach letzterem, ist von einer Entscheidungsfreiheit des Menschen nichts zu halten. Anders gesagt: Unliberaler als Augustinus geht es nicht, die Civitas Dei und ihre weltliche Ausprägung, die Civitas Coelestis (entspricht grob Himmel und Kirche) verlangen Unterordnung, die todgeweihte Civitas Dei dagegen, mitsamt ihrem von Augustinus blumig beschriebenen Multilateralismus, ihrer Offenheit, Gleichheit und Toleranz ist nichts weiter als der sichere Weg zur Verdamnis.
Kurz, dem, was Herr Statler zu sein behauptet, steht Augustinus von Hippo mit seinen Lehren diametral gegenüber. Augustinus war die zentrale Figur des frühchristlichen Judenhasses, keiner hatte zu diesem Zeitpunkt wie er all das, für das der Westen heute steht - Demokratie, Gleichheit, Freiheit, Menschenrechte - in Wort und Tat so umfassend und ideologisch begründet bekämpft. Augustinus kennt keine Menschenrechte für alle, die nicht an seine Thesen glauben. Augustinus war zu seiner Zeit das, was Bin Laden heute für den Islam ist - dem einen sein neues Kalifat, dem anderen seine Civitas Dei. Die ihm verhassten Donatisten liess er brutalst durch - wörtlich! - "terrore perculsi", verfolgen, Terror als Heilung, und damit ausrotten.
Das ist Augustinus. "De civitate dei" entwirft einen Idealstaat, der nach unseren modernen Vorstellungen religiös-faschistisch ist und heute seine nachlässige Entsprechung allenfalls unter den Taliban fand. Entweder kennt man seine Werke nicht, dann sollte man schweigen. Oder man kennt sie - dann sollte man sich aber als Liberaler keinesfalls auf sie beziehen. Coole Bilder von Kirchen habe ich übrigens auch. Und weil ich kein Christ bin, stehe ich nicht dumm und sprachlos vor den Steinhaufen, sondern kann eine Geschichte dazu erzählen:

Das ist die Westfassade des Regensburger Domes, die man momentan zwengs dem Herrn aus Rom oft in der Glotze sehen kann. Ein Meisterwerk. Mit Misstönen, über die man heute nicht redet, man mag die Stimmung nicht versauen. Zum einem ist da eine Judensau. Und dann ist da noch die Sache mit dem letzten mittelalterlichen Baumeister dieses Bauprojekts zum grösseren Ruhme Gottes. Der hiess Wolfgang Roritzer. Und wollte das Ding fertig bekommen, und sei es um den Preis eines gewaltsamen Umsturzes in der freien Reichsstadt Regensburg, um sie dem Herzogtum Bayern anzugliedern. Der Putschversuch endete für ihn auf dem Schafott. Und für uns in der Ermahnung, alles, was mit diesem Verein zu tun hat, sehr vorsichtig anzufassen. Alles hinterfragen, nichts als gegeben akzeptieren. Die sind 2000 Jahre alt, aber es sind 2000 Jahre gegen die Freiheit, und der Kampf um eben jene Freiheit ist noch lange nicht gewonnen - da reicht ein Blick zu unseren polnischen Nachbarn und den dortigen politischen Entwicklungen.
donalphons, 02:59h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 12. September 2006
Wer wird denn?
Jetzt schon? Unkend den Sommer ausschliessen, die Vorhänge der Depressionen zuziehen und auf das kommende Kalt warten wie auf den unvermeidlichen Tod, der dann doch auf sich warten lässt? Sich heute schon abschotten vom kraftigen Grün und Blau vor dem Fenster, und dem realen oder gefühlten Personal in Schwarz und ausgebeulten Hosen eine lange Liste mit Besorgungen überreichen, als gälte es, demnächst eine mittlere Eiszeit zu überstehen?

Viel zu früh, nicht so schnell, wartet noch, es wäre Verschwendung und Sünde an der Lust, es ist nicht vorbei, bevor es zu Ende ist. Noch einmal hinausgehen, den Roadster anwerfen und durch Kurven jagen, die warme Luft fühlen und die Idioten verlachen, die an solchen Tagen alte Papisten begaffen, statt dessen die üppigen Rundungen der Hiesigen bewundern und sich am Prallen der Natur erfreuen, das an seinem Busen die Melancholie zerquetscht und dem Gejammer mit den sonnenerregten Nippeln das Schandmaul stopft. Es lockt uns, in Fleisch, Stein, Luft und Feuer.

Und wenn es doch nicht mehr geht, ist das Hotel im Süden bereits erkoren, Italien ist näher als Berlin, und all die Trauer, das Verlangen und die Sehnsucht nach den goldenen Tagen wird im Dunst hinter den Bergen zurückbleiben. Heute jedoch genügt noch das Donautal zur Freude, und die Torte, die es beschliesst, ist schon gebacken.

Viel zu früh, nicht so schnell, wartet noch, es wäre Verschwendung und Sünde an der Lust, es ist nicht vorbei, bevor es zu Ende ist. Noch einmal hinausgehen, den Roadster anwerfen und durch Kurven jagen, die warme Luft fühlen und die Idioten verlachen, die an solchen Tagen alte Papisten begaffen, statt dessen die üppigen Rundungen der Hiesigen bewundern und sich am Prallen der Natur erfreuen, das an seinem Busen die Melancholie zerquetscht und dem Gejammer mit den sonnenerregten Nippeln das Schandmaul stopft. Es lockt uns, in Fleisch, Stein, Luft und Feuer.

Und wenn es doch nicht mehr geht, ist das Hotel im Süden bereits erkoren, Italien ist näher als Berlin, und all die Trauer, das Verlangen und die Sehnsucht nach den goldenen Tagen wird im Dunst hinter den Bergen zurückbleiben. Heute jedoch genügt noch das Donautal zur Freude, und die Torte, die es beschliesst, ist schon gebacken.
donalphons, 13:53h
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Was ich noch sagen wollte.
Wenn der eigene Laden an diesem Tag quasi um die Ecke vom WTC lag und die eigenen Leute gerade erst unter den Türmen durchgefahren sind, dann kotzt einen das gestrige Bohei der medialen Geschäftemacher, und besonders der politischen Kapitalschläger von Broder bis Chomsky auch im Abstand von fünf Jahren noch kräftig an. They don´t know shit.
donalphons, 11:53h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 12. September 2006
Real Life 9.9.06 - Heritage II
Jenseits der dichten Häuserzeilen, der weiten Strassen mit ihrem Lärm, der Büroblocks mit ihren immer gleichen Menschen mit jährlich wechselnden Aufdrucken auf der Visitenkarte, ragt eine grüne Kanüle unter die Haut der Stadt. In ihrer Mitte fliesst braunes Wasser, in dem sich träge, fette Karpfen tummeln, und am Rand, in teuren Villen, hat sich die bessere Gesellschaft, Anwälte, Steuerberater und auch ein VC festgesetzt. Entlang der grünen Nadel stehen schwere Wägen, bevor sich dann der Blick weitet in den Korpus dieser Spritze, von deren Saft diese Stadt aber nicht abhängig ist. Koks ist der Stoff, auf dem sie laufen, nicht das Wasser des Grabens zwischen den Auffahrtsalleen, die nach Nymphenburg führen.
Dann kommt das Rondell mit den kleinen Schlössern, der Platz für die Hochzeitsgesellschaften, die sich vor dem prunkvoll eingerichteten Zentralbau photographieren lassen, bevor das Brautpaar in die Hölle der Mitnahmemöbel weiterzieht, und dahinter öffnet sich wieder ein weites Grün mit Bäumen, Wiesen, Schlössern und Wegen, und auf einem dieser Wege wandelt ein Herr in Braun mit einer Dame in Schwarz. Vor ihnen das genaue Gegenteil, der Herr in Schwarz und die Dame in Braun.
Und die Töchter in Rosa.
Das sind sie also, die Neocons in freier Wildbahn, raunt der Herr in Braun der Dame in Schwarz zu. Manager, Key Account leading Irgendwas, Vorstandsassi mit grossen Plänen und einer Frau, die ihn dabei unterstützt. Im Dieckmann-Look, schleimig stromliniengeformte Haartracht. Das flutscht. Er muss gar nichts sagen, es reicht, wie er ist.
Das ist einer, der Managerbücher mit simplen Wahrheiten liest und glaubt, dass Arbeiter und Leistung in China billiger sind. Bei dem es für teure Schuhe reicht, aber nicht zur Erkenntnis, dass man die Hose mindestens drei Zentimeter hätte kürzen müssen. Seine Töchter haben jedes Mal um die Digitalkamera zu bitten. Höflich. 68 war gestern, heute steht wieder Disziplin im Marschbefehl. Spazieren geht man im Schlosspark, im Odium alter, angenommener Grösse, die in Wahrheit eine erbärmliche Verwaltung war, mit einem Dekret, das Schnörkel verbot, und dem radikalliberalen Angebotsstreit zwischen Künstlern, die letztlich alle vergebens auf die versprochenen Zahlungen des Hofes warten mussten. Weiss er natürlich nicht, Kunstgeschichte ist auf so einem Lebensweg jenseits von ungelesenen Taschen-Bücher zur Regalwandfüllung nicht vorgesehen, aber es würde ihm wahrscheinlich gefallen. Dieses Top-Down-Modell. Seine Arbeiter für die Effektwandbemalung in Pastell beschafft er sich vermutlcih bei einer Dumpingplattform im Netz und schaut, dass ein Teil schwarz geht.
Von hinten fallen die schwarzen Schatten von dir und deiner Begleiterin auf den Abklatsch eines Gesellschaftsstücks minderer Güte, der Park und die Welt ist gross genug für beide Haltungen, aber du ringst mit dem Wunsch, dich vor den über Career Opportunities schwadronierenden Kerl hinzustellen und zu sagen - wenn er mal mit 55 am Herzinfarkt stirbt, werden seine blondrosa Töchter oder ihre Gatten für deine Rente aufkomnmen - und ausserdem kommt er mit der zu langen, im Staub der Schlosswege runtergetretenen Hosen nicht wirklich weit bei seinen Zielpersonen.
Aber das Wetter ist zu traumhaft, weiter vorne gabelt sich der Weg, und du wendest dich nach links, wo ein junges Paar in Nichtachtung eines Boosschen Meisterwerks hemmungslos und wenig schicklich bekleidet am Fuss eines halbnackten Marmorweibes den abendlichen Geschlechtsakt küssend vorbereitet.
Dann kommt das Rondell mit den kleinen Schlössern, der Platz für die Hochzeitsgesellschaften, die sich vor dem prunkvoll eingerichteten Zentralbau photographieren lassen, bevor das Brautpaar in die Hölle der Mitnahmemöbel weiterzieht, und dahinter öffnet sich wieder ein weites Grün mit Bäumen, Wiesen, Schlössern und Wegen, und auf einem dieser Wege wandelt ein Herr in Braun mit einer Dame in Schwarz. Vor ihnen das genaue Gegenteil, der Herr in Schwarz und die Dame in Braun.
Und die Töchter in Rosa.
Das sind sie also, die Neocons in freier Wildbahn, raunt der Herr in Braun der Dame in Schwarz zu. Manager, Key Account leading Irgendwas, Vorstandsassi mit grossen Plänen und einer Frau, die ihn dabei unterstützt. Im Dieckmann-Look, schleimig stromliniengeformte Haartracht. Das flutscht. Er muss gar nichts sagen, es reicht, wie er ist.
Das ist einer, der Managerbücher mit simplen Wahrheiten liest und glaubt, dass Arbeiter und Leistung in China billiger sind. Bei dem es für teure Schuhe reicht, aber nicht zur Erkenntnis, dass man die Hose mindestens drei Zentimeter hätte kürzen müssen. Seine Töchter haben jedes Mal um die Digitalkamera zu bitten. Höflich. 68 war gestern, heute steht wieder Disziplin im Marschbefehl. Spazieren geht man im Schlosspark, im Odium alter, angenommener Grösse, die in Wahrheit eine erbärmliche Verwaltung war, mit einem Dekret, das Schnörkel verbot, und dem radikalliberalen Angebotsstreit zwischen Künstlern, die letztlich alle vergebens auf die versprochenen Zahlungen des Hofes warten mussten. Weiss er natürlich nicht, Kunstgeschichte ist auf so einem Lebensweg jenseits von ungelesenen Taschen-Bücher zur Regalwandfüllung nicht vorgesehen, aber es würde ihm wahrscheinlich gefallen. Dieses Top-Down-Modell. Seine Arbeiter für die Effektwandbemalung in Pastell beschafft er sich vermutlcih bei einer Dumpingplattform im Netz und schaut, dass ein Teil schwarz geht.
Von hinten fallen die schwarzen Schatten von dir und deiner Begleiterin auf den Abklatsch eines Gesellschaftsstücks minderer Güte, der Park und die Welt ist gross genug für beide Haltungen, aber du ringst mit dem Wunsch, dich vor den über Career Opportunities schwadronierenden Kerl hinzustellen und zu sagen - wenn er mal mit 55 am Herzinfarkt stirbt, werden seine blondrosa Töchter oder ihre Gatten für deine Rente aufkomnmen - und ausserdem kommt er mit der zu langen, im Staub der Schlosswege runtergetretenen Hosen nicht wirklich weit bei seinen Zielpersonen.
Aber das Wetter ist zu traumhaft, weiter vorne gabelt sich der Weg, und du wendest dich nach links, wo ein junges Paar in Nichtachtung eines Boosschen Meisterwerks hemmungslos und wenig schicklich bekleidet am Fuss eines halbnackten Marmorweibes den abendlichen Geschlechtsakt küssend vorbereitet.
donalphons, 01:04h
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Heritage I
Nein, der ist nicht zu verkaufen! Da war ein Bild drin, aber das haben wir vorhin schon verkauft, Sie sehen ja, der ist beschädigt, den schmeisse ich nachher dann weg, den will ja keiner, so wie der ausschaut.

Sie wollen den? Ein Euro? Ja, gut, wenn Sie wirklich meinen, nehm ich. Naja, vielleicht können Sie ja noch was draus machen. Wo der her ist? Den hat schon meine Urgrossmutter zusammen mit dem Bild gehabt, der ist also schon über 100 Jahre alt. Aber sowas hat man heute ja nicht mehr. Also, viel Glück beim herrichten, danke, servus.

Sie wollen den? Ein Euro? Ja, gut, wenn Sie wirklich meinen, nehm ich. Naja, vielleicht können Sie ja noch was draus machen. Wo der her ist? Den hat schon meine Urgrossmutter zusammen mit dem Bild gehabt, der ist also schon über 100 Jahre alt. Aber sowas hat man heute ja nicht mehr. Also, viel Glück beim herrichten, danke, servus.
donalphons, 13:07h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 10. September 2006
Papperlapapst
Irgendwas muss in den Hostien gewesen sein, die die SPONler, Bayerischen Staatsfunker und andere Angehörige der professionellen Jubelchristenperser verabreicht bekommen haben müssen: Der Einzug des Provinzlers aus Marktl am Inn war nun wirklich kein Triumph. Eher mässiges Interesse. München jedenfalls, die schöne Stadt an der Isar, die Leute aus solchen Gegenden ohnehin nur in Regionen wie das Shackatack im Gewerbegebiet Olching lassen sollte, zeigte sich ziemlich resistent gegen den Hype für alle, die daran glauben. 10% des Gehaufs eines gewonnenen Vorrundenspiels bei der WM, das ist alles, was der Herr aus Rom da auf die Reihe bekommt. Nix Massenandrang an der Route.

Im Papstfieber sind allenfalls die schleimigen Hofberichterstatter, die hier nur das Gekrieche gegenüber den Staatsmachthabern fortsetzen. Ganz vorne links, auf der Videoleinwand am Odeonsplatz, wird noch eifrig berichtet, aber Menschen schauen längst nicht mehr zu. Arme Polizisten, die dafür einen wunderbaren Spätsommertag verschuften mussten - kann man den religiösen Extremisten eigentlich keine Rechnung dafür stellen? - räumen die letzten Absperrgitter weg, die diesmal statt der Autos die Ludwigsstrasse verschandelten. Der für solches Pilgerpack übliche Müll, bekannt von Kirchentagen und Jesusdays, liegt mangels Verursacher nicht rum. Die Pleite zeichnete sich übrigens schon auf dem Weg nach München ab: Nirgends Papafahnen oder Fischsymbole auf den Autos, mehr Leute haben München verlassen, als gekommen sind.

Das sicherste Zeichen für die Awareness-Pleite sind aber die koreanischen Individualtouristen, die in Scharen Nymphenburg bevölkern, statt den Herrn mit den tiefen Augenringen abzulichten. Weshalb diese selbstsichere Pose vor dem Schloss das vielleicht schönste Bild der Zeit des Papstbesuches ist. Selbst als Touriattraktion zieht der Herr aus Rom allenfalls in den Regionen Freising, Erding, Passau und ähnlich retardierten Bezirken des Bayernlandes.
Und jetzt, bitte, verpapst euch.

Im Papstfieber sind allenfalls die schleimigen Hofberichterstatter, die hier nur das Gekrieche gegenüber den Staatsmachthabern fortsetzen. Ganz vorne links, auf der Videoleinwand am Odeonsplatz, wird noch eifrig berichtet, aber Menschen schauen längst nicht mehr zu. Arme Polizisten, die dafür einen wunderbaren Spätsommertag verschuften mussten - kann man den religiösen Extremisten eigentlich keine Rechnung dafür stellen? - räumen die letzten Absperrgitter weg, die diesmal statt der Autos die Ludwigsstrasse verschandelten. Der für solches Pilgerpack übliche Müll, bekannt von Kirchentagen und Jesusdays, liegt mangels Verursacher nicht rum. Die Pleite zeichnete sich übrigens schon auf dem Weg nach München ab: Nirgends Papafahnen oder Fischsymbole auf den Autos, mehr Leute haben München verlassen, als gekommen sind.

Das sicherste Zeichen für die Awareness-Pleite sind aber die koreanischen Individualtouristen, die in Scharen Nymphenburg bevölkern, statt den Herrn mit den tiefen Augenringen abzulichten. Weshalb diese selbstsichere Pose vor dem Schloss das vielleicht schönste Bild der Zeit des Papstbesuches ist. Selbst als Touriattraktion zieht der Herr aus Rom allenfalls in den Regionen Freising, Erding, Passau und ähnlich retardierten Bezirken des Bayernlandes.
Und jetzt, bitte, verpapst euch.
donalphons, 11:57h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Samstag, 9. September 2006
OpenBC als asoziale Software
Ich war ja ewig nicht mehr drin, aber wenn ich das so lese, hat es sich eher verschlimmert mit dem Laufhaus der eitlen Gecken ohne geregeltes Einkommen.
donalphons, 11:20h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Samstag, 9. September 2006
Fasten am Freitag


Soweit man das Fasten nennen kann und will. Tatsächlich mal ein Tag ohne Torte für den Gast, ausnahmsweise. Morgen geht es dann nach München, aber keinesfalls in die Gegend der Pastortransporte. Was immer die Drecksgossenmedien morgen schafartig blöken werden: Glaubt den Scheiss nicht. Der Wald- und Wiesenbayer ist eher angekotzt vom zugeratzten München, den Sperrungen, dem Gehauf zwengs dem oidn Seggl do. Das ist nur was für die Hardcore-Aktivisten, die grosse Mehrheit hat eine fette Autobahn, auf der ihr das Thema am Hintern vorbei gehen kann.
donalphons, 00:34h
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Casual catastrophe Friday
Die entopelte Blogosphäre - wer will, kann an der Blogbar darüber reden.
donalphons, 15:55h
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Sollte ich je
einen englischen Gesellschaftsroman schreiben, könnte ich mir wenigstens das erbärmliche Suchen nach Namen sparen. Dank Spam und den wirklich kreativen Namen.
Lysander Weyant liebt die exotische Schönheit Idoya Arana, wird aber von seinem Vater gedrängt, die Tochter einer französischen Patrizierfamilie Emilee Comeaux zu ehelichen. Die befindet sich mit ihrem alten Freund und Ranchbesitzer Gregory Sanchez gerade in Florida und scheint dem besseren Söhnchen Maurice Weaver, der dort seine Yacht liegen hat, nicht abgeneigt zu sein. Ausserdem tauchen fragwürdig-obszöne Bilder von ihr und Juanita Darden auf, die Gerüchten zufolge mit der mysteriösen Sang Kyoo Lee einen Opiumsalon in Beirut betrieben hat. Deshalb schickt Lysander seinen Butler Timothy Ross...
Wer schon mal verzweifelt nach Namen für seine Helden gesucht hat, ist für so eine Hilfe wirklich dankbar.
Lysander Weyant liebt die exotische Schönheit Idoya Arana, wird aber von seinem Vater gedrängt, die Tochter einer französischen Patrizierfamilie Emilee Comeaux zu ehelichen. Die befindet sich mit ihrem alten Freund und Ranchbesitzer Gregory Sanchez gerade in Florida und scheint dem besseren Söhnchen Maurice Weaver, der dort seine Yacht liegen hat, nicht abgeneigt zu sein. Ausserdem tauchen fragwürdig-obszöne Bilder von ihr und Juanita Darden auf, die Gerüchten zufolge mit der mysteriösen Sang Kyoo Lee einen Opiumsalon in Beirut betrieben hat. Deshalb schickt Lysander seinen Butler Timothy Ross...
Wer schon mal verzweifelt nach Namen für seine Helden gesucht hat, ist für so eine Hilfe wirklich dankbar.
donalphons, 13:59h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 8. September 2006
31 Grad


Abgesehen von ein paar später folgenden Regentropfen war der Tag eine durchaus runde Sache. Zumal ich jetzt endlich einen Globus habe, auf dem es noch ein Belgisch-Kongo gibt und in Asien einiges im Argen liegt. Aber das Blau des Meeres, auf das es letztlich ankommt, stimmt immer noch.
donalphons, 00:38h
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Sehr zu empfehlen - Schwarzbuch Datenschutz
Seit dem Ende der Münchner und Berliner Tage, also etwa anderthalb Jahre, mache ich eine Phase der massiven Entdigitalisierung durch. Es kann schon mal sein, dass ich Mails erst nach 24 Stunden beantworte. Das Handy liegt meistens daheim und hat oft einen leeren Akku. Wenn ich mich mit jemandem unterthalte, ignoriere ich das Telefon. Es sind Verhaltensweisen, die die Provinz erzwingt, das Dauerdigital mit IPOD bis Chatten würde mich hier vom realen Leben ausschliessen. Allein das Blog bleibt übrig, und es spielt keine Rolle, denn hier liest es keiner, und die Kunstfigur Don Alphonso erzählt viel Missverständliches, dessen falsche Interpretation automatisch die Rezipienten vom realen Menschen weghält.
Ich hinterlasse kaum mehr Spuren im Netz. Das war vor vier jahren noch ganz anders, und ich kann nicht sagen, dass ich es vermisse. Ich hebe Geld bei der immer gleichen Sparkasse ab, und gebe es in Geschäften aus, deren Besitzer mich meist kennen und allein deshalb keine Daten eruieren müssen. In Berlin war das noch ganz anders, da hätte man als Bank locker ein Bewegungsprofil erstellen und, hätte ich die dort weit verbreiteten "Kundenkarten" zur Verarsche besagter Kunden gehabt, abgleichen können. tatsächlich bin ich Riten, Gewohnheiten und bestimmten Wegen verhaftet, und es gefällt mir nicht, was man damit hätte tun können. Sitze ich jetzt aber in der Nacht auf meinem Sofa, so ist da draussen kaum jemand, der viel über mich weiss. Meine Daten gehören weitestgehend mir.
Gestern Abend war es aber eine andere Sache. Rena Tangens und padeluun, zwei geschätzte Freunde meiner Wenigkeit, die den Big Brother Award hierzulande ausrichten, haben mir ihr Schwarzbuch Datenschutz geschickt. Mein lieber Scholli.

Die Sicherheit, dass da draussen keiner viel weiss, geht nach der Lektüre verdammt schnell flöten. Ich verstehe jetzt erheblich besser, wie es zu Verschwörungstheorien kommt. Aber hallo. Das, was dank des Buches nachzulesen ist, ist schon übel genug. Dürfen die das denn? ist die Frage, die mir Seite für Seite durch den Kopf ging. Ich kenne ja die Autoren, ich kenne die Geschichten, ich habe Firmen für den Award eingereicht, aber es ist nochmal eine andere Dimension, diesen kranken Dreck aus Politik und Wirtschaft geballt zu lesen, als ihn erzählt zu bekommen.
Nico Lumma ist einer der Blogger, die auf diese "Probleme" und Gestörten, die hierzulande frei rumlaufen und auf höheren Posten sitzen, hinweisen. Ich bin nicht so der Freund von Bürgerblogjournalismus im politischen Sinne, dazu kenne ich Bürgerradios zu gut, aber ich denke, er hat Recht, wenn er mehr Texte dazu lesen will. Es bedeutet aber auch, dass man sich mit dem Phänomen auseinandersetzen will, was angesichts der Taktik unserer Verfassungsfeinde und Terroristen gegen unsere Selbstbestimmung nicht ganz einfach ist. Die wollen nicht, dass wir darüber reden, die geben keine Informationen raus, also kann ich nur jedem hier empfehlen - wirklich dringend empfehlen, sich dieses Buch mit den trockenen Fakten zu verschaffen. Damit man wenigsten einen Eindruck davon bekommt, was im Staate der Metros, Schilys und Schwarzgeldannehmer heute schon passiert. Es ist für 13,90 Euro keine spassige Lektüre, aber notwendig, fürchte ich.
Der sichere Bestellungslink ist hier, Amazon sollte man bekanntlich meiden, der Buchhandel um die Ecke will wahrscheinlich keine Daten von Euch.
Ich hinterlasse kaum mehr Spuren im Netz. Das war vor vier jahren noch ganz anders, und ich kann nicht sagen, dass ich es vermisse. Ich hebe Geld bei der immer gleichen Sparkasse ab, und gebe es in Geschäften aus, deren Besitzer mich meist kennen und allein deshalb keine Daten eruieren müssen. In Berlin war das noch ganz anders, da hätte man als Bank locker ein Bewegungsprofil erstellen und, hätte ich die dort weit verbreiteten "Kundenkarten" zur Verarsche besagter Kunden gehabt, abgleichen können. tatsächlich bin ich Riten, Gewohnheiten und bestimmten Wegen verhaftet, und es gefällt mir nicht, was man damit hätte tun können. Sitze ich jetzt aber in der Nacht auf meinem Sofa, so ist da draussen kaum jemand, der viel über mich weiss. Meine Daten gehören weitestgehend mir.
Gestern Abend war es aber eine andere Sache. Rena Tangens und padeluun, zwei geschätzte Freunde meiner Wenigkeit, die den Big Brother Award hierzulande ausrichten, haben mir ihr Schwarzbuch Datenschutz geschickt. Mein lieber Scholli.

Die Sicherheit, dass da draussen keiner viel weiss, geht nach der Lektüre verdammt schnell flöten. Ich verstehe jetzt erheblich besser, wie es zu Verschwörungstheorien kommt. Aber hallo. Das, was dank des Buches nachzulesen ist, ist schon übel genug. Dürfen die das denn? ist die Frage, die mir Seite für Seite durch den Kopf ging. Ich kenne ja die Autoren, ich kenne die Geschichten, ich habe Firmen für den Award eingereicht, aber es ist nochmal eine andere Dimension, diesen kranken Dreck aus Politik und Wirtschaft geballt zu lesen, als ihn erzählt zu bekommen.
Nico Lumma ist einer der Blogger, die auf diese "Probleme" und Gestörten, die hierzulande frei rumlaufen und auf höheren Posten sitzen, hinweisen. Ich bin nicht so der Freund von Bürgerblogjournalismus im politischen Sinne, dazu kenne ich Bürgerradios zu gut, aber ich denke, er hat Recht, wenn er mehr Texte dazu lesen will. Es bedeutet aber auch, dass man sich mit dem Phänomen auseinandersetzen will, was angesichts der Taktik unserer Verfassungsfeinde und Terroristen gegen unsere Selbstbestimmung nicht ganz einfach ist. Die wollen nicht, dass wir darüber reden, die geben keine Informationen raus, also kann ich nur jedem hier empfehlen - wirklich dringend empfehlen, sich dieses Buch mit den trockenen Fakten zu verschaffen. Damit man wenigsten einen Eindruck davon bekommt, was im Staate der Metros, Schilys und Schwarzgeldannehmer heute schon passiert. Es ist für 13,90 Euro keine spassige Lektüre, aber notwendig, fürchte ich.
Der sichere Bestellungslink ist hier, Amazon sollte man bekanntlich meiden, der Buchhandel um die Ecke will wahrscheinlich keine Daten von Euch.
donalphons, 16:31h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Donnerstag, 7. September 2006
Ade Medien
Zwei Meldungen, dass die elektronischen Medien langsam des Wahnsinns2.0 fette Beute werden. Bei gleichzeitig wegbrechenden Fernsehmärkten. Was bekanntlich nicht gerade zum kühlen Nachdenken anregt. Statt dessen setzt man auf Versuche, die entflohenen Nutzer irgendwie wieder einzufangen, selbst wenn Microsoft und Yahoo bei der Geschichte nur gut aussehen, wenn sie überzogene Zahlen zu Spaces und 360° verbreiten.
Demnächst sitze ich wieder mal auf einem Podium und muss dem Nachwuchs was über das Kommende erzählen. Ich glaube nicht, dass da etwas kommt. Was die Wirksamkeit von Werbung und PR angeht, und die Bereitschaft, für Information zu zahlen, sehe ich komplett schwarz. Von Bitorrent und Pirate Bay kann keiner leben, und Leserknipser retten keine Zeitung. Community, Marke, Blablabla, das alles hatten wir schon mal, das ging meistens schief, und solang keiner eine neue Idee hat, wie das heute anders und besser gehen soll, brauchen wir eigentlich keine Wiederholungen.
Es gibt historisch gesehen keine Verteilungskriege, bei denen nachher mehr zum Verteilen da war. Jeder kleine Gewinn wird mit einem ungleich grösseren Verlust bezahlt. Früher waren Medien alles, heute starren sie wie ein panisches Kaninchen auf die Schlange, wenn es um ihre wegbrechenden Verwertungsmärkte geht. Gut möglich, dass es wirtschaftlich keine Gewinner geben wird, egal auf welcher Seite. Nur Verlierer. Weshalb es gar nicht so dumm ist, den kommenden Konflikt vielleicht andere durchstehen zu lassen. Oder draufgehen, je nach Kriegslage.

Wohl dem, der gut genug ist, ein Sachbuch zu schreiben. Der Rest wird eine Entdeckung machen, die ich in den letzten Monaten überdeutlich mitbekommen habe: Ihr Niedergang interessiert keinen, egal wie sich die Branche selbst zum Thema macht. Die Eva Dingsda von Apfelkuchenkotz ist mutmasslich eine reaktionäre Pissnelke, aber sie hat es wahrscheinlich begriffen, wie das geht, das Überleben in einem schrumpfenden Markt. Der Rest glaubt, dass es weitergehen muss, dass es einen Bedarf gibt und man deshalb immer da sein wird. Der Gedanke, dass kein Bedarf nach was auch immer jemals Dark Ages hat verhindern können, ist ihnen fremd. Der Markt ist nicht alles, es geht auch ohne - und die, die von ihm leben.
Der Tag, an dem das schwarzbraune Drecksblatt alle seine Leser zu Reportern gemacht hat, ist nicht der Tag der Aufwertung eines unmündigen Standes, es ist der Tag der Entwertung für die Medien - was nur für die ein Problem ist, die an einen Wert der Medien geglaubt haben. Nachdem ich heute eine Biedermeiervitrine auf Zeitung, Werbung und redaktionelle Inhalte, ungelesen gleichermassen, restauriert habe, muss ich keine grosse Meinungsbildung mehr durchmachen. Ich mag die Wertlosigkeit des Bloggens. Die kann man nicht verlieren, die ist sicher.
Demnächst sitze ich wieder mal auf einem Podium und muss dem Nachwuchs was über das Kommende erzählen. Ich glaube nicht, dass da etwas kommt. Was die Wirksamkeit von Werbung und PR angeht, und die Bereitschaft, für Information zu zahlen, sehe ich komplett schwarz. Von Bitorrent und Pirate Bay kann keiner leben, und Leserknipser retten keine Zeitung. Community, Marke, Blablabla, das alles hatten wir schon mal, das ging meistens schief, und solang keiner eine neue Idee hat, wie das heute anders und besser gehen soll, brauchen wir eigentlich keine Wiederholungen.
Es gibt historisch gesehen keine Verteilungskriege, bei denen nachher mehr zum Verteilen da war. Jeder kleine Gewinn wird mit einem ungleich grösseren Verlust bezahlt. Früher waren Medien alles, heute starren sie wie ein panisches Kaninchen auf die Schlange, wenn es um ihre wegbrechenden Verwertungsmärkte geht. Gut möglich, dass es wirtschaftlich keine Gewinner geben wird, egal auf welcher Seite. Nur Verlierer. Weshalb es gar nicht so dumm ist, den kommenden Konflikt vielleicht andere durchstehen zu lassen. Oder draufgehen, je nach Kriegslage.

Wohl dem, der gut genug ist, ein Sachbuch zu schreiben. Der Rest wird eine Entdeckung machen, die ich in den letzten Monaten überdeutlich mitbekommen habe: Ihr Niedergang interessiert keinen, egal wie sich die Branche selbst zum Thema macht. Die Eva Dingsda von Apfelkuchenkotz ist mutmasslich eine reaktionäre Pissnelke, aber sie hat es wahrscheinlich begriffen, wie das geht, das Überleben in einem schrumpfenden Markt. Der Rest glaubt, dass es weitergehen muss, dass es einen Bedarf gibt und man deshalb immer da sein wird. Der Gedanke, dass kein Bedarf nach was auch immer jemals Dark Ages hat verhindern können, ist ihnen fremd. Der Markt ist nicht alles, es geht auch ohne - und die, die von ihm leben.
Der Tag, an dem das schwarzbraune Drecksblatt alle seine Leser zu Reportern gemacht hat, ist nicht der Tag der Aufwertung eines unmündigen Standes, es ist der Tag der Entwertung für die Medien - was nur für die ein Problem ist, die an einen Wert der Medien geglaubt haben. Nachdem ich heute eine Biedermeiervitrine auf Zeitung, Werbung und redaktionelle Inhalte, ungelesen gleichermassen, restauriert habe, muss ich keine grosse Meinungsbildung mehr durchmachen. Ich mag die Wertlosigkeit des Bloggens. Die kann man nicht verlieren, die ist sicher.
donalphons, 01:37h
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