: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Mittwoch, 3. Oktober 2007

Empfehlung heute - Schönen Rost und nacktes Bein

hat Stapel heute auf seinem Blog veröffentlicht.

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Grenzen der Kommerzdeppen

werden aktuell an der Blogbar aufgezeigt, und diesmal bin ich wirklich nicht schuld daran.

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FertigTD

Also, die Spiegelgruppe kann 50% der Wirtschaftspromozeitung "FTD" für den Gerüchten zufolge 8 Millionen Euro, vielleicht auch etwas weniger, erwerben. Gleichzeitig schreibt die FTD jedoch laufend Verluste, die dem Vernehmen nach unter dem Niveau liegen, das StudiVZ verursacht - 2007 sollen es 8 Millionen gewesen sein. Ich würde mal annehmen, dass man diese Verluste durch die üblichen Straffungen um 2, 3 Millionen reduzieren kann.

Für mich stellen sich jetzt ein paar Fragen. Was wird mit der FTD, wenn die Spiegelgruppe nicht kauft? Wie beschissen geht es eigentlich Print, wenn man die Fastmarktführer für einen Betrag verkauft, den andere als laufende Kosten für den Betrieb irgendwelcher sozialer Netzwerke verschleudern? Wieso behaupten manche, Print gehe es gut? Und wie schaut es eigentlich mit dem Einfluss von Medien auf die angeblich so wichtigen Entscheider-Leser aus, wenn man diesen Einfluss komplett für 16 Millionen haben kann?

Bitte dabei zu berücksichtigen: Heute hat Ebay 1,2 Milliarden Euro seines Investments in Skype abgeschrieben - 1,8 Milliarden hat Skype bei der Übernahme gekostet.

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Vegetarische Bifteki

Es gibt Blogtexte, die verfolgen einen jahrelang. An meinem ersten Studienort war der Hund begraben, und nur Franken wollten dort gern tot über den Zaun hängen, und so verliess ich am Montag Mittag irgendwelche Parties in München, fuhr in die Provinz und weiter nach Franken, langweilte mich dort, weil ich ignoranterweise die Anwesenheit von einigen wirklich tollen Leuten erst in der Woche vor meinem Weggang entdeckte, mit den dortigen Kräuterweiblein, und sass am Donnerstag schon wieder im Auto Richtung Süden. In der Provinz trafen sich die anderen Wochenendheimkehrer immer im gleichen griechischen Restaurant und fanden ihre Studienorte unerträglich. Das griechische Restaurant jedoch war toll, und es hatte eine grosse Ähnlichkeit dem dem, was Modeste in ihrem famosen Text über die Grillplatte Akropolis geschrieben hat. Und natürlich verbindet man Text und Erinnerung mit einem Geschmack, der einem als Vegetarier verbaut ist, und ganz offen: Was nun in den Fleischbergen des Bifteki drin war, das will man gar nicht mehr so genau wissen.

Zumal man sie, wenn man Nachts Hunger bekommt, perfekt vegetarisch fälschen kann, und das geht so:



Man wäscht pro hungrige Person rund 150 Gramm Baumpilze, schneidet sie sehr klein und dünstet sie in Butter mit ein wenig klein geschnittenen, weissen Zwiebeln. Gleichzeitig hält man eine gute Handvoll Fladenbrot kurz unter das fliessende, warme Wasser, drückt es fest aus, zerpflückt es und gibt es in eine Schüssel. Dazu ein Ei und eine fein gehackte, halbe Knoblauchzehe, die gedünsteten Baumpilze dazu, Salz und Pfeffer, ausserdem klein geschnittenen Thymian, Petersilie und Salbei, und dann wird das alles gut durchgeknetet. Falls die Masse zu feucht ist und nicht richtig zusammenhalten will, vorsichtig etwas Mehl dazu kippen. Öl in eine Pfanne, den Teig pflanzerlmässig dünn ausformen und braten lassen, bis beide Seiten ordentlich braun sind, und die andere Hälfte der Knoblauchzehe klein geschnitten zum Abschluss in das Öl kippen, einen Schuss Rotwein rein - der Alkohol verdampft ja schnell - noch etwas Öl drüber, und schon hat man nicht nur Bifteki, die sich geschmacklich und vom Gefühl im Mund her ziemlich nah an der Akropolis befinden, sondern gleich auch noch die Sosse für die Pasta.

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Kalorienhinweis - Dieses Weblog ist für Esser unter 18 Jahren nicht geeignet. Enthält orgiastische Akte und Food-Porn-Darstellungen mit Anklängen an Stilleben des Barock in Wort und Bild. Bleiben Sie, wenn Sie Ihre Ideallinie haben und halten können, oder eh schon alles zu spät ist, was ich in der Regel bevorzuge. Ansonsten verlassen Sie diese Seite und gehen direkt zu den Hungerleiderseiten des Berliner Prekariats.
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Montag, 1. Oktober 2007

Empfehlung heute - Es ist klug,

Andrea Dieners Einlassungen zum Zustand der jung vergreisten deutschen Buchfüllerei gelesen zu haben, wenn man eine herbstliche Radtour mit literarisch Interessierten macht, über raschelnde Blätter hinunter zu den stillen Seen im Wald.



Dann kann man nämlich mitreden, kluge Dinge vorbringen und geistreich wirken, ohne sich all die Stümperei in echt, in Buch und Fischeinwickeleipapier angetan zu haben, was so einen schönen Herbsttag deutlich von unschönen Momenten entlastet, weshalb man sich auf das Wesentliche konzentrieren kann.



Überhaupt gebe ich mein Geld gerade lieber für Musik aus; Rabih Abou-Khalil ertönt aus dem Osten, während im Westen die Sonne untergeht, und der Luigi Pulci ist antiquarisch und von 1806.



Welchen höheren Literaturpreis als den Hass der Inquisition könnte es geben, und was sind die verhärmten Keiferlein der Ostelbier-UnZEIT schon gegen eine Christenfatwa?

Edit: Die Letztere bekommt Andrea sicher für folgende Generalabrechnung für die aktuell in München stattfindenden Weltpissundkotzfestspiele.

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Die Massen vor den Toren

Immer, wenn ich höflich und bestimmt irgendwelche verpeilten Touristen davon abhalte, unser Territorium zu betreten, ist da auch ein wenig Bedauern dabei. "Private Property" ist eine sinnvolle Regelung, ohne die das Bewohnen historischer Bausubstanz nicht möglich wäre, aber eben diese Substanz ist mehr als die Fassade, und das Ausschliessen anderer ist wie das Wegsperren von Gemälden im Safe. Ausserdem, so denkt man, ist es hier doch nicht im Mindesten so schlimm wie im Schloss S., die wirklich ein Problem haben, und im Wasserschloss I. haben sie sogar eine Pension, und werden mit dem Andrang auch fertig. Eine der schönsten Passagen Regensburg ist der Innenhof einer gotischen Stadtburg, insofern könnte man doch mal überlegen, zumindest ab und zu, für eine Handvoll Interessierte, die Tür zu öffnen und ein wenig über die Baugeschichte zu erzählen, vom Bruchsteinkeller des 13. Jahrhunderts über die mittelalterlichen Baureste und die jesuitischen Leistungen bishin zu den späteren Ausbauten in Zeiten der Raumknappheit des 19. Jahrhunderts und der Restaurierung der letzten Jahre.

Einfach eine kleine Notiz in die Zeitung setzen lassen, den Kreisheimatpfleger dazu bitten, vielleicht noch einen Herrn von der Gesellschaft, und für einen Tag die 5 Leute, die das interessiert, herumführen. Bei Bekannten habe ich das schon gemacht, es dauert vom Keller bis zum Dach etwa eine Stunde, und damit hat man seine Schuldigkeit gegenüber der Öffentlichkeit getan, den Rest juckt es ja eh nicht. Und damit es woanders vielleicht noch einen Interessierten mehr gibt, war ich gestern bei dem Schloss, das im XVIII. Jahrhundert der Sommersitz der Gesellschaft war, die damals in meiner Immobilie garstige Dinge gegen die Aufklärung betrieb; der Sommerfrische der Stehpulttäter, gewissermassen.



Es ist für ein Schloss ein eher kleiner Komplex, kleiner als das Ding in der Stadt, mit teilweise höheren Decken, schliesslich ist die aktuelle Substanz erst nach den Kriegsschäden entstanden - also, dem dreissigjährigen Krieg natürlich - während in der Stadt noch der Manierismus Giebel, Decken und Fenster gestaltete, und der Schwede und der Lutheraner hier nie reingekommen sind. Und es ist weit draussen vor der Stadt, da muss man wirklich hinfahren und sich dafür interessieren, insofern dachte ich, dass wirklich nur eine Handvoll Leute anwesend sein würden.

Ich kenne das Kaff, es ist normalerweise einer der Orte, wo man die schlafenden Katzen von den Strassen tragen muss. Zäune gibt es in Mengen, an denen man keinesfalls tot drüber hängen möchte, und überhaupt könnte Ruhe der Bach sein, an dem der Ort liegt. Gestern jedoch war es, als hätten die Wikinger die Hunnen, Vandalen, und Goten zum Jahrestreffen der Völkerwanderer geladen, mit Testerstürmung eines Schlosses. Und alle wollten sie bis ins kleinste Detail wissen, was es jetzt mit dem Putz auf sich hat, ob Dachshaar besser als Hanf beigemischt werden sollte und welche Lagerstädte für Kalk der opimale zum Verputzen von Konglomeratmauerwerk sei, und überhaupt gab es das grosse Wettrennen, wer die dicksten Ziegelmauern hat - ich darf vermerken, dass ich mit 120 cm im Erdgeschoss gar nicht so schlecht dabei war.



Danke, ihr glorreichen 400 der besseren Gesellschaft, ich weiss jetzt wieder, warum die Tür zu bleibt, weniger wegen dem Interesse, sondern wegen den dummen Sprüchen danach, all das "Dös is a Lemsaafgabe", "Schee is scho, owa" "Geh weida, dös kost ned dazoin", das Gegaffe, als wäre so ein Haus ein Unfall, die Schreckenskammer für Heimwerker, und obendrein die Kinderhorden, die an jeder Tür rütteln, die Blumentöpfe umwerfen und die Hunde verrückt machen, nein danke, Führungen für Gruppen bis zu 5 Personen mit schriftlicher Begründung gerne, aber offene Tür? Was der Schwede nicht vermocht hat, schaffen dann die Interessierten, die meist selbst ein altes Haus hatten, das heute irgendwelchen Immobiliengesellschaften gehört und entkernt die Stadt verschandelt, und mir bliebe nur das Hinterherputzen hinter denen, die sich nicht mal die Schuhe abstreifen. Muss nicht sein. Private Property eben.

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Montag, 1. Oktober 2007

Die Sache mit dem Wein

Es gibt ein paar Punkte, in denen die Kunstfigur, die das alles hier zu sein und schreiben vorgibt, eher suboptimal gelungen und zu nah an ihrem Schöpfer ist. Da ist vor allem die Sache mit dem Alkohol, dem beide sehr ablehnend gegenüber stehen. Was man vielleicht gar nicht glauben möchte, eingedenk der sonstigen Exzesse bei Nahrungs- und Genussmitteln, aber es ist tatsächlich so: Ich hasse, ich verabscheue jede Form von Alkohol. Warum, ist eine lange Geschichte, die von einer Beate im schönen Chamonix handelt, meinem besten Freund, dessen Probleme mit dieser Beate und deren Ex-Freund und seinem besten Freund, der wiederum mit Beate eine Weile allein in einem Zimmer war, seiner Flasche Strohrum und meinem Skianzug, und wenn ich mal so zotigen Scheisse wie ein Kieler Koofmich schreiben will, dann berichte ich in extenso und mit bemühter Hauptschülerschreibe über den Anlass, der mich in Chamonix zum Skifahren in Jeans und weissem Pullover brachte - und das, obwohl es am Montblanc wirklich enorm kalt war.

Der Mann, der mich desöfteren auf meine unpassende Ablehnung von Wein hinweist, heisst Holgi und blogt selbst häufig über die Schätze aus seinem Weinkeller. Weil ich darauf keine passende Antwort ausser meiner unbekehrbaren Vorurteile und der oben nicht veröffentlichten Geschichte weiss, weiche ich dann dahingehend aus, dass ich ihn für seine, nun, nicht gerade edlen Bilder seiner Schätze kritisiere. So toll seine Kritiken sind, so sehr lassen die schlichten Bilder jedes Raffinement vermissen, und damit gehen wir über zu Digitalkameras oder Wohnungseinrichtungen, und ich bin aus dem Schneider.

Abgesehen davon teilt meine Umgebung nicht meine Aversion; im Gegenteil, so ziemlich jeder Gast trinkt zum Essen Wein, und nachdem es das Schlimmste ist, kein perfekter Gastgeber zu sein, gehe ich einen Kompromiss ein und halte dafür Weine - laut Holgi "Mädchenweine" - vorrätig. Dafür gäbe es auch Karaffen, aber manche bevorzugen den Wein aus der Flasche, und das sah bislang immer so elend nackt aus. Bis heute:



Heute fand ich einen schmiedeeisernen Weinhalter von der Sorte, wie man ihn in jeder grauenvollen Moselkaschemme, die seit den 50er Jahren nicht mehr restauriert wurde, findet. Die perfekte Ergänzung zu meinem Wurzelholzkorkenzieher, und damit schreibe ich zwar noch immer nicht Holgis famose Weinkritiken, aber ich könnte jetzt weitaus elegantere Bilder machen. Wenn ich wollte. Und überprüfen, ob die zum Mädchenwein passenden Gästinnen dem Weinhalter mehr abgewinnen können, als den verschmähten Karaffen und Gläsern des 19. Jahrhunderts - weil sie nicht wissen, dass die "Sektflöte" vor 150 Jahren durchaus als Weinglas entworfen wurde, da trank man nämlich, statt irgendwelche Aromen zu erschnüffeln. Würde mich nicht überraschen, wenn Koksen und eine gewisse riechtaugliche Gläserform gleichzeitig entsanden wären.

Wer nun meint, dass so ein opamässiger Weinhalter für 3 Euro nicht die extrem günstige Gelegenheit wäre, über die an dieser Stelle sonntäglich sonst berichtet wird, hat natürlich recht. Aber nur ein paar Schritt weiter fand sich neben einigen hübschen Büchern des XVIII. Jahrhunderts auch noch Omas Traum, wenn sie mal wieder zu lange das Haus am Eaton Place oder der Doktor und das liebe Vieh gesehen hatte: 12 Wedgwoodteller aus der Royal Home Serie.



Was in Deutschland natürlich viel zu schwer zu bekommen war, weshalb Oma damals zum ähnlich aussehenden Villeroy und Boch Burgenland griff - so ähnlich, wie sich der Tower von London und eine Berghütte im Ösioutback eben sein können. Bitte, das ist keine Erfindung, auf genau diese Art kam eben jenes V&B-Geschirr in die Familie, nur um jetzt mit den Originalen ergänzt zu werden. Für 10 Euro, für alle 12 Teller. Mehr verhandeln wäre Wucher gewesen. Auch vor dem Hintergrund, dass inzwischen wieder tout le monde das kupferstichverzierte Porzellan auf die Tische rausräumt - nur in Deutschland ist man wie immer hinten dran, und V&B hat wie immer knapp vor dem Kult die Serie eingestellt.

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Empfehlung heute - Wüsste ich nicht,

dass der Autor dieser in den Herzschrittmacher Berlins treffenden Zeilen soeben nicht in Berlin weilt, würde ich diese wirklich schöne Leseempfehlung nicht mit folgendem Bild garnieren, das der Gegenpol zu dieser Ansiedlung a. d. Spree bei Marzahn ist.



Es könnte den Verfasser, so er dort sein müsste, durchaus ärgern. Dazu noch eine gedeckte Apfeltorte vorstellen und ja, es ist hier so warm, dass man bis eben draussen sitzen konnte.

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Samstag, 29. September 2007

16 Stunden Osten, 16 Minuten Westen

Es wird eng, sehr eng, allein schon wegen der Hochzeitsgesellschaft, die rausgeputzt mit nicht wirklich gewohnter Kleidung den schmalen Weg an der Kirche verstopft, der der Vermeidung der Fussgängerzone mit ihren Marketingständen und Zettelverteilern dient.



Dann unter den Klängen der Turmbläser hinunter zum Markt, vorbei an den Bekannten, die schnell grüssen und weitereilen, also auch zu spät, so ist das halt mal, wenn man zu lange gefeiert hat, vorbei an den Blumenständen zum Eingemachten.



Alles ist leer, die Vorräte sind weg, und deshalb gibt es zu den verschiedenen Marmeladesorten auch noch eine Kostprobe Apfel-Zwetschge dazu, mal schaun, wie das so ist, oder vielleicht doch aufbewahren, es hält sehr lang, ein Jahr vielleicht, sicher aber bis in den Winter.



Pasta - gerade noch geschafft; Olivenbrot - das letzte ergattert, die Baumpilze abgeräumt und den Mangold erstanden, dann endlich Zeit an der Eiertheke zum Autausch über das Versäumte der letzten Tage, drall muss es gewesen sein, Gesellschaft in Auflösung und Partnertausch hinter verschlossenen Türen, das übliche fast schon, wie die Minister, so die Stadträte, feiern muss man, feiern, feiern.



Beim Käse dann den Gesprächen zuhören, 50 Euro für 60% Fett und gleichzeitig Fitnesstipps und die Frage, was man nächste Woche tragen soll, beim wichtigsten aller Herbstkonzerte, man hat nichts mehr, aber diese neuen Brauntöne, die sind so langweilig, und am Ende kommen sie doch wieder alle in Schwarz und sind für einen Abend ganz Holly Golightly.



Schnell noch die Zwetschgen, und dort der Hinweis, dass es am Mittwoch nichts gibt, 3. Oktober, Tag der sog. Einheit, der Solidarität mit denen da drüben, wo man noch nicht war, warum auch, Italien liegt vor der Haustür und das da drüben in Trümmern, ah, da kommen sie grad her, schlimm, oder? Noch ein paar Zwetschgen extra, überall werden schon die Stände abgebaut, es ist vorbei, aus, Schluss, Kasse weg.



Langsam zurück in der Sonne, unfassbar blauer Himmel, Menschen in Biergärten, sie haben Zeit, der Regen ist vorbei, irgendwo in den Osten, aber das hier ist Westen und es wird sicher auch so bleiben, nichts wird das je ändern, das wissen sie, und sind zufrieden.

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Empfehlung heute - Was ich an Blogs so mag,

ist die Möglichkeit, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Wie das bei Kirsten und ihren Butterbroten möglich ist. Ganz gross.

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Samstag, 29. September 2007

Empfehlung heute - Die Probleme der Qualität

im Onlinejournalismus fasst Christian Jakubetz in seinem Blog sehr schön zusammen.



Zusammen passen tun auch Medien und Leipzig, jeweils in der real existierenden Ausgabe. Ich bin gestern Nacht durch die Strassen gezogen, vorbei an den prunkvoll restaurierten Fassaden mit all dem Ramsch und Krempel drin, wurde ein paar Mal von irgendwelchen Hostessen angesprochen, die für irgendwelche leeren Schuppen warben, und gleich neben meinem Hotel war eine "Sauna", an deren Tür man nur kurz klingeln und eintreten sollte; keine Ahnung, was da genau geboten wird, aber die Vorstellungen, die man von sowas hat, dürften schon hinkommen. Unten dagegen war alles sauber, ein Schild verkündete die Videoüberwachung des Platzes, weshalb die pinkelnden Skins wohl auch eine Hauswand einer Nebenstrasse bevorzugten. Sehr echt, das alles, und gleichzeitig vollkommen artifiziell und surreal, wer 2 Euro hat, kriegt den Gammelfleischdöner und wer 50 mal so viel hat, eine halbe Stunde oder mehr mit frischem Fleisch aus dem Osten, alles eine Frage des Geldes, der kleine Mann kann hier kaufen, wie der Medienunternehmer; was prekär Lokales oder eine glänzende Zukunft in der Ferne, und alle glauben sie gerne an die geglätteten Schönheiten, die Dönerköchinpappfigur, das geshopte Bild im VZ und die Frau im Studio, die jede gern beerben würde, das mit den Augenbrauen beherrschen sie alle, als hätten sie sich die Wimpernparkinson geholt.

Es ist kalt in Leipzig. Windig, kalt, alles andere als schön, lebensfeindlich, wenn man es nüchtern betrachtet. Könnte anders sein, durchaus, aber es gibt in der ganzen Sache nur einen Weg, es ist meiner, in meiner Maschine gibt es nur einen Sitzplatz, die anderen müssen bleiben, schade um ein paar und man kann es eben nicht ändern, am nächsten Morgen kippe ich ab, ich schaue gar nicht weiter zurück und ziehe weg von dem allen, dem Wissen, all den Erinnerungen und der Vergangenheit, die einfach nicht verrecken will, weil ich sie nicht richtig totgemacht habe, das nächste mal dann, anderer Ort, andere Gelegenheit, die Kugeln sind immer noch im Lauf und die Zielkoordinaten sind eingegeben, also zurück zur Basis, wo -

habe ich das eigentlich schon erzählt? - wo es keine Medien mehr gibt. Ich bin eigentlich eine leichte Fehlbesetzung für Medienkongresse. Ich habe seit 20 Jahren keine Glotze mehr. Ich ertrage auch kein Radio mehr, und ich lese keine deutsche Zeitung. Ich habe hier eine High End Anlage, CDs mit Musik aus der Zeit vor 1760, das unsichtbare WLAN, ein paar Blogs, die ich gerne lese, mehr nicht, das ist alles. Leipzig, Medien, das alles ist hier unfassbar weit weg, und ich habe nicht vor, es hier nochmal einkehren zu lassen. Manchmal hätte ich einfach gern so eine Art Spam Karma für Medien und alle Relevanten, Verlinkten und Awarenessierten, die da rein wollen. Und Leipzig, natürlich.

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Donnerstag, 27. September 2007

Grenzgebiete ohne Markt

Eine Veranstaltung im Monat reicht, zwei sind das Maximum, alles andere geht auf Kosten der Qualität, ausserdem hat man dieses komische "Das hab ich doch schon mal gesagt hoffentlich ist keiner da der auch schon in KarlsruheBerlinMünchenusw" Gefühl, das man als Blogger ohnehin viel zu gut kennt, wenn man keine radikale Grenze zwischen Netz und Leben zieht. Die 330 Kilometer im Regen hätte es auch nicht gebraucht, wenn man mal davon absieht, dass die Leipziger Ruinengürtel erst im Regen richtig morbide wirken. Zwischendrin ist dann die Typische Media City, und dort wiederum die Bundesjugendmedientage.

Wo man den Nachteil hat, dass die Leute dort das Blog hier tatsächlich gelesen haben, und einen nicht nur einladen, weil das schon zig andere auch getan haben und irgendwo der virtuelle Krawallgarantiestempel dranklebt. Sehr nette Leute, die einem allen Freiraum lassen, und auch Freaks, die einem Chancen geben, die zu nutzen mir über die nächsten Wochen und Monate noch viel Freude bereiten wird.



Komisch zwei Dinge. Das erste war die Konfrontation mit einer SMS-Chatwand in der Posiumsdiskussion. Für New-Economy-Opas wie mich ist das eine typische 2000er-Spielerei zum Überbrücken von Längen bei Events, aber damals hatte das während der Diskussionen nichts verloren. Manchmal amüsant, meist aber nicht wirklich zielführend; entweder man ignoriert es und muss um die Aufmerksamkeit gegen irgendeinen Quatschkopf kämpfen, oder man versucht es als Standup-Commedian und integriert das, was da meist wenig sinnvoll kommt. Muss nicht sein, und die Spacken, die glauben, dass man auf jede blöde SMS verbal anwortet: Steht auf und fragt, alles andere ist Kinderkram und für Journalisten unwürdig. Keine Antwort ist die Antwort, die sowas verdient.

Das andere: Wie kommt man darauf, dass jemand, der nichts zu verkaufen hat und sein Blog leicht bösartig dem sinnlosen Rebellieren ohne Markt widmet, selbst damit Markenbildung betreiben will? Hier gibt es keine Werbung, hier bezahlt keiner was, ich habe nichts anzubieten und es gibt auch keinen Markt, wo man etwas jenseits meiner Bücher erwerben kann, und selbst die sind nun fast schon nostalgische Reminiszenzen an eine Zeit, als kaputte Pleitiers noch brav ihre Pillen frassen, und nicht an Blogs dachten. Als dieses Blog zum ersten Mal vierstellige Besucherzahlen hatte, habe ich mir ernsthaft überlegt, es dicht zu machen, weil es mir zu viel wurde, seitdem ich damit durch bin, sind mir die Zahlen wurscht, ich habe keine Ahnung, wieviel Leute die Blogbar lesen, und viele Links sind etwas, das einem die massig vorhandenen Halbaffen geben, wenn man sexistische Witze reisst. Markenbildung muss man machen, man muss sich wie MC Winkel vorne hinstellen und wegen der paar lumpigen Kröten und Schleichwerbung für ein Gesöff den dicken Max geben, das ist ne Marke.

Kann sein, dass bei manchen Reizen in meinen Blogs bei manchen das immer gleiche Ding im Kopf abläuft. Kann sein, dass sie das dann selbst als Marke wahrnehmen. Das Markenproblem ist dann aber eines in deren Köpfen, früher hätte man vielleicht nicht gleich die Marktwirtschaftsdenke rausgelassen, nicht zwangshaft versucht, alles gleich nach ökonomischen Massstäben einzusortieren und definieren, und ein Wort wie "Charakter", "meinungsfreudig" oder "individuell" verwendet. Schon komisch, wenn die Leute dann immer gleich mit dem Verwertungsgedanken daherkommen, der mich nun wirklich nicht juckt, und den ich hier definitiv nicht haben will. Ich schätze Blogs als Freiräume für Menschen, ich leiste mir das, die Adicaltrigamiblogpay-Fraktion sieht das anders, dürfen sie auch, es ist ihre Marke und alles, was ich tue ist, es zu ihrem Markenproblem zu machen. Und über die Leute zu lachen, die geglaubt haben, dass sie einen tollen Job haben und nun aus dem Berliner Bonker zurück in ihr geknicktes Studium getreten werden.

IHR DEPPEN!

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Empfehlung heute - Mit Thomas Knüwer

zum Picnic nach Amsterdam

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Donnerstag, 27. September 2007

Macht nur weiter so.

Die Lebenszeit der Geschäfte in einer Location, gleich bei mir in München um die Ecke, ist auf ungefähr sechs Monate gesunken. Galerie Bar Cafe Restaurant Möbelladen und das vermutlich auch nicht mehr lang, so leer wie das dort ist. Allesamt haben sie es mit einem Klein-Mitte versucht, Schwabing ist ja nicht mehr am Puls der Zeit, da muss man nachhelfen, irgendwann wird schon ein Renner dabei sein, hoffen sie. Nebenan ist schon mal ein Zwischennutzer eingezogen und bietet unterhalb der Antiquariate ein hässliches Ramschareal an. Er zählt die Tage jetzt schon mal rückwärts bis zum Ende, als könne man das Kulturgut Buch verticken wie Sommerkleider aus chinesischer Billigproduktion.

Irgendetwas muss hier sein, was die enormen Mietkosten der Stadt wieder reinspielt, und tatsächlich kann man sich als Buchliebhaber amortisieren; die andere Bibliothek findet sich ab 5 Euro in den Kisten, einer der schönsten Cezanne-Kataloge der letzten Jahre kostet 6 Euro, zwe solche Funde pro Woche und schon ist es hier relativ günstig. Man kann es sich schön rechnen. Leider ist manches nicht meht schön, die neuen, auf Platzökonomie ausgerichteten Teueritaliener sind ziemlich leer, und weil sie so verlassen aussehen, geht auch keiner rein, und so werden sie bald dem nächsten Klamottenladen Platz machen.

So ist das hier; die teuerste Stadt, das teuerste Viertel und das alles so billig wie möglich ausschlachten, so entsteht Gewinn, Profit und eine Hässlichkeit, die sich schnell erneuern muss, weil sie ihren alten Anblick nicht mehr ertragen kann. Das Gmiasgscheft ist jetzt auch weg, mal schaun, was sie da reinklatschen, es wäre mal wieder Zeit für eine ultramoderne Galerie, die dann lernen muss, wie wenig Museumsbesucher die Strasse runter für Kunst ausgeben wollen.

Das Cafe, in das ich gehe, war früher teuer und als BWLler-Kneipe verschrien, aber seit ein paar Jahren sind sie erstaunlich preisstabil, und die Kundschaft wechselt nicht mehr so stark. Es ist mit seinen Besuchern gealtert und so abgenutzt, dass man glauben könnte, es habe wirklich schon 30 oder mehr Jahre auf dem Buckel. Für die Exilierten ist es ein Stück Heimat geworden; bald werden sie im Eingangsbereich wieder den Christbaum mit den roten Kugeln aufstellen und froh sein, dass die Nachfolger der ersten Besuchergeneration inzwischen auf der anderen Seite die Tea Bar in einen überfüllten Schlauch voll Rose, Perlen und Chanel verwandelt, wo man schnell den Tee kippt, bevor es zurück zu Bachelor-Studiengang geht.

Macht nur weiter so. Wenn ihr hier fertig seit, drüben in der Isarvorstadt kann man auch noch was kaputt machen. Wenn ihr schon nicht nach Berlin gehen wollt.

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Empfehlung heute - Unsoziale Marktwirtschaft

beim "Optimieren" ihrer Position kann man im INSM-Watchblog betrachten. Man tut eben, was man kann.

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Mittwoch, 26. September 2007

Sehr zu empfehlen: Messingreinigung mit Tomatensuppe

Es ist eines der skurrilsten Hausmittel, die ich kenne, und das einzige, das ich selbst zufällig herausgefunden habe: Man kann mit normaler Tomatensuppe - Zutaten Tomaten, ein wenig Zucker, mehr Salz, dazu Pfeffer, Butter, ein wenig Milch und Kräuter - ein prima Mittel zur Messingreinigung herstellen. Das Zeug wirkt auf oxidiertem Buntmetall besser als die handelsüblichen Putzmittel, wie ich gerade wieder an einem Mörser des 19. Jahrhunderts ausprobieren konnte. Man kann die Suppe natürlich auch erst mal essen und die Reste dann mit dem Schwamm auf dem zu reinigenden Gegenstand auftragen; Gedanken darüber, warum man Zeug essen kann, das auch hartknäckigen Schmutz und Grünspan beseitigt, sollte man aber verdrängen.



Wie meine Oma sagte: A Pfund Dreg bracht da Mensch im Joah, und wie immer hatte sie natürlich recht. Allerdings kannte sie den geistigen Dreck noch nicht, den ich an der Blogbar mit Worten statt Tomatensuppe, aber zumindest gut gesättigt, bekämpfe.

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Empfehlung heute - Angesammelte Leidenschaften

besonderer Art - immer gleich drei auf einmal! - gibt es bei Julie Paradise zu sehen.

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Von der Dauer des Streichens

Ein Tor in Berlin streichen ist eine mittelmässig lange Sache: Man nimmt Farbe und Pinsel, schleift ein paar hundert Schmierereien ab, kassiert ein paar anerkennende Blicke von Jungvandalen, die sich über die neue Fläche für ihr Gekrakel freuen, beginnt zu streichen und weist den beköterten Proll darauf hin, dass er die frische Hundescheisse, die gerade in die Einfahrt gelegt wurde, bitte entfernen soll. Man bekommt ein paar Tritte von dessen Freunden, kein Umstehender kümmert sich um einen, wie es ihnen schon egal war, dass man das Tor streicht, und ist nach 20 Minuten fertig und kann zwei Wochen in der Reha ausspannen.

In der Provinz ist das ganz anders. In der Provinz wird man mit dem Abschleifen vom Führer der koreanischen Reisegruppe gebeten, mal einen Moment aufzuhören und aus der Tür zu verschwinden, weil seine Schäfchen gerne ein ungestörtes Bild des Stadtpalastes machen wollen - dass ihr Bus davor steht, stört sie nicht. Bis man mit dem Schleifen fertig ist, hat man mit der Hälfte der Mieter die letzten Neuigkeiten ausgetauscht und Verabredungen für die heute zu machende Kürbistarte getroffen, und zudem ein Emailproblem gelöst. Beim anschliessenden Streichen kommen mehrere Nachbarn vorbei und geben der Überzeugung Ausdruck, dass es ein schönes Portal ist, und die alte Frau T. erinnert einen an den zugrunde liegenden Erwerb des Tores und an den Opa, der ein fescher Mann war und dem man glücklicherweise nachzukommen scheint, weshalb sie wissen möchte, ob es denn nun endlich mal mit der Hochzeit geklappt hat. In der Frage schenken sich die katholisch erzreaktionäre T. und Herr M. nichts, der aus einem arabischen Land kommt undes einfach nicht für angemessen hält, dass der Streichende immer noch nicht verheiratet ist, spätestens nächstes Jahr sollte es aber wirklich klappen. Kaum ist er weg, gilt es, noch eine sehr feine High-End-Box eines französischen Herstellers zu begutachten, und danach wird noch eine ältere Dame vorstellig, die den letzten Spross des Clans preist und wissen möchte, ob er immer noch mit den Schiessprügel Viecher abknallt, wofür der Clan ja eine gewisse Berühmtheit hatte. Im Herbst, so erzählt sie, habe die Grossmutter des Streichenden immer über den Dregghammel ihres Gatten geschimpft, dessen Beute die hinteren Sitze des Autos vollgeblutet hatte, trotzdem, es gab auch sehr gute Zeiten und es war so lustig mit denen, so war das damals, wie sieht es eigentlich mit den eigenen Heitratsplänen aus, und langsam wird es dunkel über der Stadt, so dunkel, wie das Tor eigentlich hätte werden sollen, das aber erst halb gestrichen ist.

Erfreulicherweise belassen es die beiden Elitessen von gegenüber am Zigarettenautomat bei dem kurzen, bösen Blick auf den Knienden. Es liegt eher wenig daran, dass ihm ihre Exzesse mit den 28 leeren Flaschen Bier auf dem Tisch dank bei StudiVZ hochgeladener Bilder hinreichend bekannt sind, sondern eher in ihrer Ablehnung gegenüber jeder Form von niederer Tätigkeit, deren Verachtung sie sicher in einen Sachbearbeiterposten oder sogar den der Rumsteherin bei der OMD in Düsseldorf treiben wird, wo sich dergleichen trifft und bastardischen Nachwuchs zusammenfickt, als wäre es die rurale Genpoolerweiterung hinter dem Klo des Lentinger Jurafestes.

Kurz danach steht ein älteres Paar mit jüngerer Tochter vor einem und will höflich, aber bestimmt wissen, wo denn bitte das Studentenwohnheim ist und wo man sich da anmelden kann. Der Mann mit dem Pinsel richtet sich auf und erteilt ihnen eine kurze Einführung in die Eigenheiten des hiesigen, überlaufenen Immobilienmarktes und verweist auf den Umstand, dass sie um diese Uhrzeit ohnehin zu spät dran sind, um noch was zu reissen, und die Vermietungsanzeigen werden erst übermorgen im lokalen Schmarrnblatt zu finden sein, da sollen sie mal besser schauen, die älteren Herrschaften haben es hier zwar mit Immobilien, aber nicht mit dem Internet. In eine WG jedenfalls, das wird schnell klar, wollen die Eltern ihre Tochter nicht stecken, uninah soll es sein und auf Maklerprovisionen sind sie ebenso nicht erpicht, und so steht dann die Frage im Raum, ob der Mann mit dem Pinsel vielleicht etwas wüsste.

Der Mann mit dem Pinsel könnte jetzt natürlich ein Angebot machen: Verbringung des Nachwuchses in die Gästewohnung für die ersten zwei Wochen und solange Restaurierung des bislang unfertigen Lofts im Hinterhaus, aber einerseits, man sieht es ja, kommt man zu nichts hier in der Stadt, und andererseits -

ist der Mann mit dem Pinsel müde. Müde vom depperten Gschau seiner Tochter, müde von der Genervtheit der Mama, die es gewohnt ist, dass ihr Wille durch den Befehl des Gatten umgesetzt wird, müde von diesem Anspruch, dass es hier zu laufen hat wie oben in NRW, müde vom bagatellmässigen Umgang und überhaupt, zu müde, um jetzt zu erklären, dass er hier nicht der kleine Hilfsarbeiter ist, der für einen Fuffi Trinkgeld alte Frauen beschwatzt, doch was von ihren Imperien rauszurücken. So bedauert er, dass hier nichts möglich sein dürfte; der eigene Stadtpalast sei voll und die Frau B. hat zwar zwei Häuser weiter die Strasse runter, aber sie will nicht mehr vermieten, seitdem es mal Ärger gab, wie gesagt: Mittwoch das schwarzbraune Käseblatt, bitteschön, viel Glück, und dann im letzten Licht des Tages die letzten Pinselstriche, aufräumen, auf das Bett setzen, umfallen und die ganze Nacht von blonden Elitessen träumen, die verlangen, dass man jetzt sofort das neu gefliesste Bad in einem neuen, sanften Braunton umfliesst, und man beim Beschaffen der Kacheln ein Rennen mit den Disziplinen Skatebord, Rennrad, Laufen und Reiten bestreiten muss, letzteres auf dem Pferd Püppi, das der früheren Mitbewohnerin der Liebsten gehörte und damals tragend wurde, und deshalb nicht geschlachtet werden musste. Diese Mitbewohnerin übrigens, die ihrem Gaul die Wahl zwischen Bolzenschuss und Mutterschaft liess, studierte auch BWL.

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