: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Montag, 24. September 2007

Adical ist tot.

Auch ohne In-Deep-Analyse: Wenn ausgerechnet Norbert Bolz in einem "die Zukunft des Web" sieht, ist es Zeit, den Grabstein für den seit Wochen nicht mehr werbevermarktenden Blogwerbevermarkter zu bestellen. Statt das Blog von einer Firmenwebsite zu schmeissen, auf dem man so ohne Werbepartner nicht mehr viel zu melden hat.

So. Ich geh jetzt schon mal schöne dralle 2007er-Zitate aus den Häusern Niggemeier, Lobo & Co. zum Thema sammeln. Kulturermöglicher, Subkulturabschaffer, Werbemarktapproacher und was wir von ihnen lernen können, falls wir es nicht schon von den New Economy Pleiten wussten.

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Empfehlung heute - Die Welt

bleibt trotz des Titels dieses famosen Textes bei Suna eher aussen vor.

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Das Konzept Zeit

Hätte ich Kinder, ich würde sie natürlich etwas Kulturgeschichtliches studieren lassen. Historiker haben oft einen anderen Begriff vom Konzept "Zeit", sie stehen dem Werden und Vergehen mitunter mit grosser Gelassenheit gegenüber, und der Griff in die grosse Kiste vergangener Prozesse hilft ihnen, etwas über die Zukunft zu lernen. Nicht immer, aber es gibt da so ein Historikerwarnlamperl, das aufleuchtet, wenn man gewisse Fehlentwicklungen schon mal irgendwo studiert oder erlebt hat. Zweiteres blieb mir nach dem Studium bekanntlich nicht erspart, und wenn ich nun überall lese, dass Leute enttäuscht sind, wenn bei einer auf 2 Tage, nein, 48 Stunden oder noch besser fourtyeight hours terminierten Firmengründung das Menschliche den Bach runter geht - und damit die Firma a priori schon ein Rohrkrepierer ist - dann kann ich nur sagen: Hört mal besser auf die Opas, die vom letzten Krieg erzählen; es ist ja nicht so, dass Kugeln heute weniger töten und Dolche im Rücken schmerzfrei geworden sind. Ich weiss schon, warum ich da nicht hingefahren bin, obwohl ich ein gewisses historisch-ethnographisches Interesse hatte.



Ich weiss, warum ich hier geblieben bin. Es war vielleicht das letzte schöne Wochenende des Jahres, und das sollte man schön verbringen, kalt und unmenschlich ist es noch lange genug. Luxus hat für mich wenig mit Geld oder Dingen zu tun, sondern mit der Freiheit, autonom zu entscheiden und umzusetzen. Das schliesst mitunter auch "niedere" Arbeiten mit ein, über die mancher die Nase rümpfen wird. Es ist nicht so quirrlig-aufgekratzt wie das, was Miss Manierlich beschreibt, aber auch mit Holzsplittern im Finger muss man sich keine Existenzfragen stellen, die den ex negativo kreierten Gegenentwurf zu den irrlichternden Versprechen abgefuckter Heils- Werbungs- und Zahlungsunfähigkeitsbringern darstellen.



Natürlich kann man Zeit so verdichten, so brutal an die Timeline nageln, dass sie die Illusion eines chronologischen Ablaufs erweckt. Man kann Zieke definieren und den Weg dorthin regeln, man kann Kurven vermeiden und die Birnbäume im Weg umhauen, und man muss sich nicht fragen, warum man das tut. Drunten im Elitessenwohnheim placken sich gerade Eltern in der Wohnung der Tochter ab, die gerade irgendwo auf der Welt ein superwichtiges Praktikum macht und sich dazu auf die Homebase verlässt, sie kriegt ein tolles Zeugnis und ihr Leben nicht geregelt, und der Begriffe ihrer durchtrennten Zeit, der vergeudeten Zeit ihrer Eltern, die gepresste Zeit der 48er und schliesslich meiner Zeit beim Warten auf das Verschwinden der Lichts sind niemals in Einklang zu bringen. Zeit hat nicht nur Dauer, sondern auch Qualität, und ist viel zu schade, als dass man sie in den Dark Ages verklappen müsste.

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Montag, 24. September 2007

Über Reduktion und Enthaltsamkeit

Für das Funktionieren der Kunstfigur "Don Alphonso" ist es essentiell, dass sich kleine Pinscher der Blogosphäre sich in sie zu verbeissen suchen. Da ihnen pawlowsche Reflexe alles andere als fremd sind, ist es ein Leichtes, ihr Gekläffe hervorzurufen; und weil sie oft nicht gerade auf Rosen aus Euroscheinen gebettet sind und Gier eine zentrale Triebfeder ihres Tuns und Werbens ist, ist genau das der Ansatzpunkt für eine gewisse Unsicherheit dieses Blogs: Die Unsicherheit nämlich, dass es ja wirklich so sein könnte: Dass da einer in seinen 54-Zimmer-Anwesen sitzt, als Hauptbeschäftigung Silber poliert und mit dem Roadster durch fast endlose Sommer braust in Erwartung von Apanagen, die ihm seine wohlmeinenden Eltern anstelle des schnöden Erwerbslebens angedeihen lassen. Dummerweise werde ich schon kommenden Dienstag knechtisch schuftend in München den Beweis antreten müssen, dass dem beileibe nicht so ist, aber das ist Don Alphonso egal, denn der steckt genau so sohnhaft in den hinterfazialen Güllekübeln seiner erbärmlichen Neider, und damit das auch so bleibt, schreibt er Texte wie den Folgenden, von dem ihn abzuhalten nicht mein Wunsch und Wille ist:)

Manche haben es leicht. Bewohner moderner Behausungen beispielsweise verfügen über Neonröhren und eingelassene, fast wartungsfreie Halogenspots, und werden niemals vom Aufwand erfahren, den das Reinigen von ein paar tausend Kristallen an den Lüstern mit sich bringt. Dann lümmeln sie auf der Couchgarnitur Fackina Han Rei und schauen alte Folgen von Dallas, haben am nächsten Morgen natürlich folgerichtig auch keine Gäste ausser dem grossen, schwarzen Kater und zudem auch nicht das Problem, das mich umtreibt. Es ist nämlich so:

Der hiesige Frühstückstisch ist nicht allzu gross. Nehmen wir mal an, es sind zwei Gäste da, die zudem Kaffe und Tee trinken, diverse Käse- und Marmeladesorten wollen, Omelett, Tarte und Butter ohnehin und 5, 6 verschiedene Sorten Brot. Dann wird das schnell voll. Und damit stellt sich die Frage, an welcher Stelle man beginnt, sinnvoll Raum zu sparen. Natürlich könnte man einzelne Dinge auf der Anrichte zwischenlagern, aber das würde beständiges Aufstehen und Hektik bedeuten, zerfasernde Gespräche und überhaupt, diese zwei Stunden sind aus Prinzip der Ruhe nach dem Schlaf zu widmen, mit dem Auto ist man nach 1 ohnehin genug unterwegs zum Konditor. Wie auch immer. Platz muss her. Und weil es draussen hell ist, sind die klassischen, dreiflammigen Leuchter aus englischem Silber nicht wirklich nötig - doch sie machen so ein schönes Licht. Was tun?

Nun, könnte man sagen, es gibt ja auch noch zweiflammiger Leuchter. Das stimmt, nur sind die deutschen Exemplare weitaus grösser mit ihren Tropfschalen aus Glas, voluminöser und nicht weniger hoch. Weniger Licht also, bei mehr Platzverschwendung. Keine gute Sache. Nachts, wenn der grosse Tisch ausgezogen ist, und man Mühe hätte, sich über die weite Strecke das Salz zu reichen, wenn nicht jeder einen eigenen Salzstreuer hätte, nachts also gern, aber am Morgen sind sie ebenso wenig hilfreich wie ihre britischen Cousins, die zwar sehr niedrig sind, aber immer noch so hoch, dass die Flammen genau auf Höhe der Gesichter sind. Und trotzdem so raumgreifend, dass man aus Versehen mit Schmerzen darüber langen könnte, oder umständlich darum herum greifen muss. Geht also auch nicht.

Mit Silber haben die Franzosen es überhaupt nicht, die greifen lieber zu brünierter Bronze, Messing, Vergoldung oder Alabaster, erlaubt ist, was gefällt, aber: Die Grösse! Franzosen haben einfach kein Mass, alles ist zu hoch und und folglich unten zu breit, und das für eine einzige Kerze. Schmal und schlank und hoch dagegen sind die holländischen Verwandten, aber schlicht. Schlicht! Sie atmen das Entsagende, das den Franzosen mit ihren Widderköpfen, Palmetten und Girlanden auf ewig fehlen wird. Und passen damit ebenfalls nicht auf den Frühstückstisch - zumal es ohnehin für die Harmonie zum Besteck Silber sein sollte, und nicht Messíng. Womit wir zur nur scheinbar überflüssigen Anschaffung des Tages kommen:


hinten v.l.n.r.: zwei deutsche 2flammen, zwei englische 3flammen, zwei englische 2flammen, drei französische Empireleuchter, davor zwei holländische Säulenleuchter, hinten rechts ein belle-epoque-leuchter. vorne: die neuerwerbungen

Zwei niedrige, schwere Silberstümpfe für jeweils eine Kerze. mit winziger Grundfläche. Damit ihr Licht nicht mehr ausreichen sollte, muss draussen schon ein Schneesturm niedergehen, und sie können auf dem kleinsten Raum, zwischen Marmelade und Saint Ceols, zwichen Salzstreuer und Pastetenheber gestellt werden. Kurz, sie sind das, was ich in den letzten Wochen vermisst habe - und der Beweis, dass diesem Haushalt auch Reduktion und Bescheidung auf zwei niedrige Flammen nicht fremd ist.

Und für die Prunklüster gibt es ja das Abendessen. Nach der Torte.

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Bestiarium

oder auch ein Kinderlied vom Flohmarkt



Hoppe Hoppe Reiter,
wenn er fällt dann schreit er.



Fällt er in den Graben,
wird er Krokobraten.



Fällt er hin im Wald,
macht der Wolf ihn kalt.

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Spammer belästigen

Könnten sich mal bitte die hier melden, die von den Webguerillas aus München die übliche Spammail bekommen haben? Mich würde interessieren, was die so alles abzugreifen versucht haben.

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Samstag, 22. September 2007

Spätsaison

Stonehenge und all die anderen Kreisgrabenanlagen zur Bestimmung kosmischer Ereignisse sind doch nur nötig gewesen, weil man an diesen Orten keine festen Bezigspunkte hatte; bei mir auf der Dachterasse dagegen sieht es ganz anders aus.



Zwischen dem 21-23. September geht die Sonne exakt auf der Linie meiner nördlichen Dachterassenkante unter, genau am unteren Ende des Kamins des Mesmerhauses der Kirche gegenüber, und es wird Zeit nochmal die letzten Gelegenheiten draussen zu nutzen, bis es - viel zu früh - zu kalt wird. Und zu geniessen, was man zusammen auswoigelte.



- Du hast ein Nudelholz?
Klar, du nicht?
Äh, nein.
Und wie machst du es dann?
Mit leeren Weinflaschen.

Man lernt nie aus.

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Empfehlung heute - Gerettet wird

nicht nur das Mittagessen, sondern auch die Prinzregententorte. Die in gewisser Weise an dunkle Zeiten erinnert, denn wo wie damals in Bayern ein Prinzregent ist, ist auch ein, na, sagen wir mal genetisch geschlagener König. Bayern halt, das Land der Prollschleudern und Massenbesäufnisse. Da kann man die Torte schon mal ehren.

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Notstandsgebäcke des deutschen Herbstes

Furchtbar: Wie mein Hoflieferant zu verstehen gab, wird es in zwei Wochen keine Zwetschgen für den Datschi mehr geben. Zwei Wochen! Das ist nichts. Ich muss in die Küche, an den Herd, retten, was noch zu backen ist.

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Freitag, 21. September 2007

Real Life 21.09.07 - Zuschlag für die Dachterasse

Und, kommst du?
Nein, denn eigentlich will ich das Bild gar nicht clanmässig erwerben und ausserdem hat mir die unfassbar schöne Frau zugunsten eines anderen abgesagt, Abendprogramm in München habe ich also auch nicht Ich hänge hier noch über den Unterlagen fest.
Aber ich brauche unbedingt jemanden, der mich davon abhält, zu teuer zu kaufen.
Setz dir selbst ein Limit, ausserdem, Boucher Nachfolger Schule ist sowieso nicht toll, und dann noch ein Jesukind, ich bitt dich, ich hab hier seine echten Crayondrucke, und das sind nicht irgendwelche Rotzblagen, sondern voll entwickelte Frauen, und zwar nackt, drall, willig, das ist Boucher, wie er sein soll.
Du hast Boucher Crayons? Wieso weiss ich nichts davon? Wieso hast du sie mir nicht gezeigt?
-
- - ?
Äh.
-
War nur ein Witz.
Ach so.
Ja. Also pass auf, du kannst mich ja anrufen, und dann höre ich kurz mit der Arbeit auf, und rede dir gut zu. OK?
Find ich jetzt nicht wirklich gut.
Sorry, ich muss wirklich die Akten wegkriegen. Ehrlich.



Und das mit den Crayons, das war wirklich nur ein Witz?
Ja. Ehrlich.

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Empfehlung heute - Reich und berühmt

wird der, der sich bemüht
ein wenig mehr als damals Kid.
Sonst bleibt es Kieler Hafenshit.

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Donnerstag, 20. September 2007

Elitessen beim Einkaufen

Wer glaubt, ich würde mich in Klischees baden, wenn ich über die mir aufgezwungenen Nachbarn zum gegenseitigen Nachteil und ihre Einkaufs- und Ernährungsgewohnheiten auslasse - der lese das Eigenzeugnis hier. Und die Kommentare:
Oh nee… ich will doch meine Zeit nicht im Supermarkt verschwenden. Schnell rein, schnell durch (schnell alles finden!!!!!! [...]) und schnell wieder raus.
Aldi. Payback. Hetze. Und sich dann wundern, wenn sie mit 33 die erste Body Restauration brauchen, und mit 58 aus dem Lebensprozess den Exit via Herzkaschperl machen.

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Empfehlung heute - Würde ich

die Sprache so fein führen können wie Andreaffm, würde ich vielleicht nicht mehr zur Axt greifen.

Obwohl.



Ich mein, hier in Bayern hängt die Luft voller Äxte, das eine schliesst das andere nicht aus, oder?

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Unternehmergeschaft

Früher, bei Dotcomtod, gab es oft Entrepreneure, die mich anwinselten, ich solle bitteschön doch selber erst mal gründen, bevor ich andere mit Dreck bewerfe. Ich sah diese kläglichen Gestalten, lachte und sagte: Niemals!

Nun, die Zeiten ändern sich, und heute habe ich eine Gründung in die Wege geleitet. Ich mein, wenn ich mir hier schon nebenbei zu der Schreiberei noch den ganzen Ärger mit alten Mauern, undichten Rohren und ausfallendem WLAN antue, kann ich das genauso gut als Firma machen. Zumal man geradezu dazu gezwungen ist, wenn man Midijobs anbieten will.

So. Ich geh Zigarren kaufen, und schaue mir nachher mal die neue S-Klasse an. Und Ihr dürft Kommerzienrat zu mir sagen ;-)

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Donnerstag, 20. September 2007

Kürbistarte für einen Koch und zwei verhinderte Golferinnen

Gestern Abend waren Susi und Iris zu Gast, und weil ich in den letzten drei Wochen sowieso mein Glück am Herd gefunden habe, und beim Abholen der beiden an einem Berg mit Hokaidokürbissen vorbeikam - gab es die erste Kürbistarte des Jahres. Wenn schon Herbst, dann so!



Der Teig esteht aus 250 Gramm Mehl, einer odentlichen Prise Salz und Tymian, 100 ml Öl und 70 ml Wasser, durchkneten und mit Zugabe von Wasser oder Mehl schauen, dass er nicht mehr nässt oder trocken wird. Er muss ein wenig feucht sein, dann ist es richtig. Für 2 Stunden in den Kühlschrank damit!

Anschliessend ein Drittel von einem grossen Hokaidokürbis abschneiden, entkernen, schälen, würfeln und mit Wasser und Creme Fraiche 20 Minuten in einer Pfanne mit fein gehackten weissen Zwiebeln dünsten, bis die Stücke schön weich sind. 200 Gramm Egerlinge oder Champignons in Scheiben schneiden, 50 Gramm Grana Padano reiben, 30 Gramm Gorgonzola zerbrechen, ein paar Blätter Basilikum und Salbei schneiden und alles mit frisch grob gemörserten Pfeffer und Salz vermischen, und die Kürbispaste einmischen. Dann noch 2 Eier dazu (der bauernhof ist gleich hinter dem Golfplatz), kräftig umrühren, gerne auch mit den blossen Händen.

Zwischendrin Teig holen, 10 Minuten warm werden lassen, und im Verhältnis 60/40 teilen. Erst den kleineren Teil für den Deckel auf Backpapier rund ausrollen und beiseite tun, dann den grösseren Teil ausrollen, und zwar so gross, dass man ihn mitsamt Backpapier in die Backform setzen kann, und er an den Rändern ca. 5 cm hoch aufsteht. Füllung rein, Teigdeckel drauf und mit dem Teigrand verdrücken, ab in den auf 200 Grad vorgeheizten Ofen und ca. 40 Minuten backen.

Nach ca. 20 Minuten sevieren. Göttlich. Das nächste Mal mehr machen, denn obwohl die Gäste nach dem 5. Loch keine Lust mehr hatten, sind sie sehr hungrig.

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Die Printkrise an der Ecke

Wer ernsthaft plant, in den Journalismus zu gehen, oder dort zu bleiben; und wer denkt, dass die Printkrise vorübergehen wird - der sollte mal hier vorbeikommen. Schräg gegenüber hat ein neues Studentenwohnheim Raum für 54 zukünftige High Potentials geschaffen; die meisten kommen aus "besseren" Familien, die Erfahrung mit Tageszeitungen haben dürften. Das ist auch die Basis für die Idee diverser Printprodukte, genau diese Zielgruppe jetzt schon anzusprechen. Deshalb liegen jeden Tag im Hauseingang Erzeugnisse die wie FTD, das Handelsblatt, Frankfurter Rundschau und manchmal auch die FAS; viele laden hier praktisch mehrere Freiabos ab.



Und bleiben liegen.Am Abend landen sie dann in der Papiertonne. Das will der Nachwuchs nicht mal geschenkt haben. Es geht offensichtlich an ihren Bedürfnissen und Informationsmethoden komplett vorbei. Nur ein Gaststudent nimmt sich ab und zu ein Blatt, um die Sprache zu lernen. Ansonsten ist es reine Geldverschwendung.

Und wenn schon hoch gebildete BWLer (contradictio in adjectu, ich weiss) nicht das lesen, was eigentlich zu ihrem Fach gehört - wer soll dann in dieser Altersgruppe noch zu Zeitungen greifen?

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Empfehlung heute - Modernes Menschentum

wird sehr fein beschrieben bei ungesagt.net.

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Mittwoch, 19. September 2007

Mozarella aufsexen

Falls der weisse Brocken mal wieder geschmacklich langweilt: Vor dem Überbacken Scamorza über eine Käsereibe führen und somit den Mozarella bestreuen. 20 Gramm reichen locker aus, denn der Rauchgeschmack intensiviert sich im Ofen.



Schmeckt weitaus würziger und irgendwie nach einem Hauch Parmaschinken, ohne dass der Gast erkennen kann, was es ist, denn der Scamorza löst sich im Mozarella auf.

aus der beliebten Serie: Vor dem Wochenmarkt heimkommen und notgedrungen Reste aufkochen mit Don Alphonso

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Spamländerspiel - Schweiz Deutschland 4:1

Irgendwas hatten die heute. Nochmal so ein Tag, und ich setze die Abmahnmaschine in Bewegung.

Es begann mit dem Schweizer Christoph Lüscher, der eine Art zusammengeklaubtes Nachrichtenportal namens Facts.ch betreibt und mir in einer Mail mitteilte, mein Blog sei als Quelle für sein Projekt "aufgenommen". Habe ich darum gebeten? Und wieso nimmt sich so jemand meine Mail?

Nächster Spam: Eva Hildebrandt und Vroni Mallmann von Lucy Turpin Communications (heisst wirklich so), die für die Schweizer vom Startup CoComment aktiv sind und mich für eine Party shanghaien wollten, voller Web2.0Scheisse und Graphik in der Mail. Hallo? Habe ich darum gebeten, dass sie meine Mail aus dem Impressum kratzen?

Anschlusstreffer Deutschland: Der als Spammer bekannte MC Winkel klatscht hier seine Aktivlinks zu seinem kommerziellen PR-Projekt Whudat rein. Geht´s noch?

Roman Hanhart, der durch die Blog-PR-Anbieter von Trigami als erster über 1000 Franken mit PR kam und seinerzeit das "Hilfswerk" einer obskure Sekte in einem bezahlten Beitrag gelobt hat, spammt die Blogbar nach mehrmaliger Löschung in der Vergangenheit mal wieder mit einem Trackback. Jaja, so sind sie die Vorzeigeblogger von Trigami.

Und dann kommt auch noch das "Swiss Metablog" in Person von Matthias Gutfeldt Wollensack und versucht, mit einem Beitrag gleich 4 Trackbacks auf der Blogbar loszuwerden - auch dieser Herr sollte wissen, dass derartiges Selbstdarstellerzeug nicht erwünscht ist.

Hat jemand Erfahrung mit Abmahnungen in der Schweiz?

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Eigentlich

Bei Pommersfelden bin ich dann runter von der Autobahn. Die 180 Kilometer davor hatte ich eine halbe Stunde zwischen mir und die Regenfront gelegt, die meine Frankreichpläne beendete, und den angedachten Tag im Taunus mit Schauern über Frankfurt frühzeitig verhinderte. Kurz hinter Würzburg war das Schlimmste vorbei, und ich öffnete das Verdeck. In Pommersfelden schlenderte ich noch einmal durch den Schlosshof, vorbei an der Bastion, auf der die Gäste, von Kastanien geschützt, nichts von der nahen Dunkelheit ahnten, die sonnenüberflutete Allee hinunter bis zum Cafe, sammelte am Wegesrand ein paar Kastanien auf und nahm einige Stück Kuchen mit. Der Herbst und ich, wir trafen uns wieder genau im Schlosshof, jeder an einer Pforte.



Ich zog mich warm an, legte den Schal um und nahm die schwere Halcyon-Brille aus dem Handschuhfach. Die Gäste auf der Bastion, zwei Paare, die vermutlich keine Sorgen ausser ein paar hunderttausend Verlust ihrer Fonds und das Halten ihres Gewichts auch jenseits der 60 kannten, sahen missmutig zu mir hinunter; sie ahnten wohl, dass meine Kleidung das baldige Ende der Zeit unter den Bäumen verhiess. Ich wendete, fuhr Richtung Süden genau unter dem silbrigen Wolkenstreifen, der das dunkle Grau des Regens vom Blau des letzten Roadstertages in Bayern trennte. Ich blieb auf der Landstrasse, kurvte um Nürnberg herum Richtung Jura, gewann wieder meinen Vorsprung vor der Wolkenwand, und erreichte genau zum richtigen Zeitpunkt über die kleine Serpentinenstrasse am Fuss der Felsen die Anhöhe über dem Tal.



Eigentlich wollte ich etwas schreiben über das Glück, jung zu sein und offen fahren zu können, das Land zu durchfahren ohne Eile und Hast, mit 2, 3000 Umdrehungen und selten schneller als 80 oder 90 Kilometer in der Stunde, was ohnehin schon zu schnell ist für die Regionen, in denen ich mich bewege. Es war kein grandioser Sommer, aber eine grandiose Zeit in Italien, es nahmen sehr viele nette Menschen neben mir Platz, manche kamen auch mit in die Gästewohnung und andere auf grosse Fahrt, ich war hier und immer weg, wenn ich wollte. Es war so gut, wie es eben ging.

Unten im Tal rasen sie den Kindinger Berg hinauf, es summt ungeduldig und aggresiv, wie Autobahnen es nun mal sind, Betonschneisen der Eile und Zeitlosigkeit, da unten ahnt man auch nichts vom Blick, der keine 10 Minuten weiter zu finden ist und der mehr geben kann als die sinnlos vergeudeten Stunden hinter dem Lenkrad, dem Fuss auf dem Pedal und der Finger immer auf der Hupe, könnte ja sein, dass sich einer mit 120 in den Weg stellt, der muss weg, und zwar sofort. Ich gehe hinunter zur Streuobstwiese, die schon lange nicht mehr bewirtschaftet wird, und hole ein paar rote, kleine Äpfel für die nächste Tarte Tatin, die in den Nächten des Herbsts draussen schnell auskühlt und so das Warten verkürzt, bis man endlich die Form stürzen und servieren kann. Denen, die dann hier sind, im Herzen des Landes.

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Vollzitat

Endlich sagt es mal einer. Maingold. An der Blogbar. Gruschler gehen bitte zu StudiVZ, da ist es angenehmer.

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Montag, 17. September 2007

Nett, schon, irgendwie.

Keine Ahnung, warum ich beim Fahren an den Rhein immer das Gefühl habe, auf den Spuren der KdF-Touren zu sein. Der Rheintourismus ist zutiefst biedermeierlich bis historistisch, die Nazis konnten mehr mit Kühlungsborn und Besuchen beim faschistischen Freund Italien anfangen. Trotzdem, der Rhein hat sowas beklemmendes urdeutsches, irgendwie verhaftet zwischen Saarlandeinverleibung und Wirtschaftswunder, das sich hier in vielen Details gehalten hat.

Oben, auf den Hügeln, lässt dieser Eindruck etwas nach, auch wenn es hier voll ist mit neuer Bürgerlichkeit; schlimmer als in Münchens Theatinerstrasse: Hupende blondsträhnige Frettchen in Mittelklasseopels, rosa Kleinfamilien mit Retrokinderwägen, volle Schlossgärten mit Blick zum Fluss und dieses seltsame Gefühl, dass etwas aus der Adenauerzeit überlebt hat und nun wieder hochkommt; behaglich, modern, apolitisch und zutiefst angepasst.



Aber schön ist es, es riecht nach Wein, die Sonne brennt in die Südhügel, und ich stehle dem Fürst von X. ein paar Trauben, für die Süsse des Verbotenen, während H. von zwei mehr oder weniger bebalgten Paaren ein Erinnerungsphoto macht, das sicher schon 1856 ähnlich gemalt und 1956 in Schwarzweiss erstellt wurde.

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