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Donnerstag, 27. Dezember 2007
Empfehlung heute - Familiengeschichten
Ich habe hier drei extrem saftige, schlechte Geschichten aus dem, was man früher bessere Gesellschaft nannte, deren Bewältigung und Begleiterscheinungen mich auf Trab halten, mit allem, was zu Krisen ebenjener Gesellschaft gehört: Enterbung, eine (mutmassliche) Ausreisserin, inadäquate Verhältnisse, schockierte geistliche Beistände, durchdrehende Tanten, Besuchsverbote und freibleibende Sessel beim Fest. Ein Flut schlimmer und schlimmster Geschichten wurde zum Jahresende angeschwemmt, als sei dies hier Sodom a.d. Donau, und das wirklich Schlimmste:
Ich habe geschworen, nicht darüber zu bloggen. Und ich werde mich daran halten.Für ein paar Monate oder gar Woche
Wie gut also, dass sich Modeste und Julie bei ihren Familiengeschichten nicht solchenbleihaltigen Argumenten bekannt schiesswütiger Clans Zwängen unterordnen. Und ich muss jetzt dann Iris treffen, und später eine 88er Flak kaufen. Die Sache mit den Störchen geht mir zu weit.
Ich habe geschworen, nicht darüber zu bloggen. Und ich werde mich daran halten.
Wie gut also, dass sich Modeste und Julie bei ihren Familiengeschichten nicht solchen
donalphons, 16:01h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Mittwoch, 26. Dezember 2007
Nobody expects the Spanish Inquisition!
Amongst our weaponry

are such diverse elements as fear,

surprise,

ruthless efficiency,

an almost fanatical devotion to the Pope,

and nice red uniforms!


are such diverse elements as fear,

surprise,

ruthless efficiency,

an almost fanatical devotion to the Pope,

and nice red uniforms!

donalphons, 23:31h
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Asozialneid
Im bunkerartigen Konsumschlauch vor der Stadt mit den chinesischen Klamotten und den billigen Technikgeräten, den Ballerspielen und dem Tiefkühlfrass war so viel von einem "gewissen Publikum", wie meine Frau Mama das nennt, los, dass manche keinen Parkplatz fanden und gezwungenermassen in die Altstadt ausweichen mussten.
Wenn ich so etwas höre, und daraus schliesse, dass mehr Geld lediglich mehr Konsumdreck bedeutet, tendiere ich dazu, die momentane Sozialdebatte mit einem flauen Gefühl im Magen zu verfolgen. Was bringt es volkswirtschaftlich, wenn man denen oben nimmt, auf dass sie nicht mehr den globalen Finanzverkehr mit all seinen unschönen Folgen anheizen - wenn dann unten so konsumiert wird, dass Zwangsarbeit in Fernasien noch mehr Profit abwirft, und bei uns Müllprobleme und Krankheiten durch falsche Ernährung das einzige messbare Wachstum aufweisen können.
Wenn ich so etwas höre, und daraus schliesse, dass mehr Geld lediglich mehr Konsumdreck bedeutet, tendiere ich dazu, die momentane Sozialdebatte mit einem flauen Gefühl im Magen zu verfolgen. Was bringt es volkswirtschaftlich, wenn man denen oben nimmt, auf dass sie nicht mehr den globalen Finanzverkehr mit all seinen unschönen Folgen anheizen - wenn dann unten so konsumiert wird, dass Zwangsarbeit in Fernasien noch mehr Profit abwirft, und bei uns Müllprobleme und Krankheiten durch falsche Ernährung das einzige messbare Wachstum aufweisen können.
donalphons, 12:00h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 25. Dezember 2007
Übergewicht
Klassisch: Zu viel ausgeben - zu viel einkaufen - zu wenig Platz im Kühlschrank - zu viel in zu kurzer Zeit essen - Ergebnis ist ein teuer erkauftes Übergewicht.
Bavarese: 500 Gramm sardische Tomaten kaufen gehen. Dort erfährt man, dass sie zwar noch welche haben, aber die schon sehr reif sind. Eigentlich ist das eine gute Sache, denn sardische Tomaten sind ganz kurz vor dem Umkippen am besten, der säuerlich-fruchtige Geschmack ist perfekt entwickelt. Und dann sagt der Herr an der Waage, dass er nochmal 500 Gramm drauftut, weil ja Weihnachten ist. Die Folge: Ein Pfund mehr Tomaten, und alle müssen sie schnell weg. Die Lösung besteht aus mit Knoblauch geriebenem Baguette, Butter, Pesto und einer Schicht dicker, feuchter Tomatenscheiben, und das für 20 Minuten bei 130 Grad in den Ofen, damit es schön langsam durchzieht und nicht verbrennt.

Das Ergebnis ist das gleiche, nur ist der bayerische Weg erheblich günstiger.
Bavarese: 500 Gramm sardische Tomaten kaufen gehen. Dort erfährt man, dass sie zwar noch welche haben, aber die schon sehr reif sind. Eigentlich ist das eine gute Sache, denn sardische Tomaten sind ganz kurz vor dem Umkippen am besten, der säuerlich-fruchtige Geschmack ist perfekt entwickelt. Und dann sagt der Herr an der Waage, dass er nochmal 500 Gramm drauftut, weil ja Weihnachten ist. Die Folge: Ein Pfund mehr Tomaten, und alle müssen sie schnell weg. Die Lösung besteht aus mit Knoblauch geriebenem Baguette, Butter, Pesto und einer Schicht dicker, feuchter Tomatenscheiben, und das für 20 Minuten bei 130 Grad in den Ofen, damit es schön langsam durchzieht und nicht verbrennt.

Das Ergebnis ist das gleiche, nur ist der bayerische Weg erheblich günstiger.
donalphons, 22:36h
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Andere wollen Lametta.
Oder Glaskugeln. Es geht mich ja nichts an, aber wenn es meine beste Party wäre, würde ich auf Ausrüstung bestehen, die nicht gerade aus Wegwerfartikeln besteht. Wenn Silberglanz und Lichtreflexion, dann richtig.

XX L Food Porno Hardcore Bild hier.
Das kann man sorglos reinigen und wiederverwenden. 365 Tage im Jahr, wenn man will. Und man muss auch keinen Baum als Unterlage umbringen lassen, den man zwei Wochen wegschmeisst.
Komisch, diese Leute.

XX L Food Porno Hardcore Bild hier.
Das kann man sorglos reinigen und wiederverwenden. 365 Tage im Jahr, wenn man will. Und man muss auch keinen Baum als Unterlage umbringen lassen, den man zwei Wochen wegschmeisst.
Komisch, diese Leute.
donalphons, 04:38h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Montag, 24. Dezember 2007
Inversionswetterlage
Es sind Tage des Schreckens für gewisse Clans der Provinzstadt. Von manch süsser Hoffnung wird Abschied genommen, die Stimmung ist do grau wie der Himmel, und obendrein treffen heute mancherorts auch Leute aufeinander, deren Verhältnis sich im letzten Jahr grundlegend geändert hat.

Ja, das Schicksal schlägt schwere Breschen in die Mauern und Zäune rund um das frühere Familienglück, die schwarzen Reiter der Realitäten plündern in den Rosengärten der Moral und des Anstands, und Spiesser fragt Spiesserin, was sie eigentlich verbrochen haben, dass es ausgerechnet sie trifft. Nun, die Antwort ist leicht: Nichts. Aber das Leben ist schöner, wenn man auf global als Unglückszeitpunkte bekannte Festttage wie die kommenden einfach verzichtet. Menschen, die sich nicht treffen, schlagen sich nicht. Menschen, die sich nicht treffen, bieten keinem anwesenden Dritten die Gelegenheit, darüber auch noch zu bloggen, und wir alle kennen die Süsse der Versuchung.

Darf ich bescheidene Reformvorschläge anbringen? Was ich als sehr entspannend kenne, ist ein System aus Festflüchtenden und deren Zufluchtbietern. Die eine Hälfte sollte vor dem normalen, schreckengebierenden Anlass flüchten und den anderen den Anlass bieten, sich ebenso den Verpflichtungen zu entziehen. Man trifft sich dann zu zweit, redet über andere Dinge, hört anständige Musik statt des üblichen Gedüdels, isst gut und hat einen netten Abend. Und alles ist gut.

Ja, das Schicksal schlägt schwere Breschen in die Mauern und Zäune rund um das frühere Familienglück, die schwarzen Reiter der Realitäten plündern in den Rosengärten der Moral und des Anstands, und Spiesser fragt Spiesserin, was sie eigentlich verbrochen haben, dass es ausgerechnet sie trifft. Nun, die Antwort ist leicht: Nichts. Aber das Leben ist schöner, wenn man auf global als Unglückszeitpunkte bekannte Festttage wie die kommenden einfach verzichtet. Menschen, die sich nicht treffen, schlagen sich nicht. Menschen, die sich nicht treffen, bieten keinem anwesenden Dritten die Gelegenheit, darüber auch noch zu bloggen, und wir alle kennen die Süsse der Versuchung.

Darf ich bescheidene Reformvorschläge anbringen? Was ich als sehr entspannend kenne, ist ein System aus Festflüchtenden und deren Zufluchtbietern. Die eine Hälfte sollte vor dem normalen, schreckengebierenden Anlass flüchten und den anderen den Anlass bieten, sich ebenso den Verpflichtungen zu entziehen. Man trifft sich dann zu zweit, redet über andere Dinge, hört anständige Musik statt des üblichen Gedüdels, isst gut und hat einen netten Abend. Und alles ist gut.
donalphons, 12:05h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 23. Dezember 2007
Gute Antworten auf dumme Fragen
Ws gibt schon manchmal komische Anfragen. Zum Beispiel, ob ich über irgendwelche neuen Produkte und Dienstleistungen schreiben will, am besten positiv. Die Antwort ist Nein, ich will nicht so bescheuert dastehen wie Flickr-Yahoo-Werber oder Apple-Fans. Das ist die Antwort an guten Tagen. An schlechten Tagen drohe ich mit einer Abmahnung wegen Spam, an noch schlechteren nagle ich das Pack mit vollem Namen an den Tresen der Blogbar.
Fragen kommen auch zu den alten Dingen, über die ich schreibe. Etwa, wozu ich mehrere Service für 12 Personen habe. Gegenfrage: Wozu sollte man sie nicht haben? Eben. Oder: Warum hast du Spielunkundiger eine Laute? Ist doch kar: Weil ich bislang nur eine gefunden habe.
Bis heute morgen. Heute morgen war es irrwitzig kalt, extfrem unangenehm und nicht wirklich weise, sich allzu lange im Freien aufzuhalten. es sei denn, man ist mein Silberhändler und kann am Ende des Vormittags angeben, dass man 2000 Euro verdient hat. Für andere ist es eine Härteprüfung, heute kamen nur die Extremisten, die echten Jäger, die Süchtigen. Und obwohl sie meinen Silberhändler reich gemacht haben, war er nicht glücklich. Denn als er mir das Geld für die Silberschale abnahm, wollte er auch wissen, was ich für die Laute bezahlt hatte. 30 Euro bei einem Schwaben (sic!), sagte ich.

Äh, grunzte mein Silberhändler, und sagte, dass er sie vorher schon gesehen hatte, aber er hatte befürchtet, sie sein wegen der Schnitzereien und Perlmutteinlagen recht teuer, also habe er nicht gefragt. Was für ihn schlecht ist, denn er verkauft derartige Dinge in den USA für ein Christengeld und besorgt damit das Silber, das er hier für ein Heidengeld an Leute wie mich verkauft.
Manchmal ist es wie verhext. Meine erste Laute fand ich zufällig auf der Suche nach einem Spiegel, und wollte sie sofort haben. Das ist schon ein paar Jahre her, und seitdem sah ich genug Geigen, um ein Schock Musiklehrer in den Selbstmord zu treiben, und ausreichend Gitarren, um alle Sinticombos Berlins beim Ausführen der einzigen ehrlichen Arbeit Berlins auszurüsten. Mit den Trompeten und Hörnern der letzten Jahre hätte man das Wild im Wald über Klippen jagen können. Alles ist da, man muss nicht gross suchen, es ist oft nicht in besonderer Qualität, aber in Mengen vorhanden. Die kleine Cousinen der Mandolinen sind häufig, aber Lauten? Seitdem kreuzte kein intaktes, bezahlbares Exemplar mehr meinen Weg. Bis zu jenem Schwaben, der sein Exemplar nicht mehr einpacken wollte, und es für 30 Euro an mich abtrat. Wegen eines kleinen Stückes, das am Schallloch fehlte - und sich später im Korpus wiederfand.

In Zukunft wird man mich also fragen müssen, warum ich zwei Lauten brauche, wenn ich nicht spielen kann. Und die Antwort wird sein:
Weil ich kann.
So einfach. Und so schön. Warum frägt eigentlich keiner all die A-Blogger, die jedes Jahr öffentlich ihr Mobiltelephonspielzeug austauschen und das Alte wegschmeissen, warum sie das mit ein paar hundert Euro teuren Plastikklumpen tun?
Fragen kommen auch zu den alten Dingen, über die ich schreibe. Etwa, wozu ich mehrere Service für 12 Personen habe. Gegenfrage: Wozu sollte man sie nicht haben? Eben. Oder: Warum hast du Spielunkundiger eine Laute? Ist doch kar: Weil ich bislang nur eine gefunden habe.
Bis heute morgen. Heute morgen war es irrwitzig kalt, extfrem unangenehm und nicht wirklich weise, sich allzu lange im Freien aufzuhalten. es sei denn, man ist mein Silberhändler und kann am Ende des Vormittags angeben, dass man 2000 Euro verdient hat. Für andere ist es eine Härteprüfung, heute kamen nur die Extremisten, die echten Jäger, die Süchtigen. Und obwohl sie meinen Silberhändler reich gemacht haben, war er nicht glücklich. Denn als er mir das Geld für die Silberschale abnahm, wollte er auch wissen, was ich für die Laute bezahlt hatte. 30 Euro bei einem Schwaben (sic!), sagte ich.

Äh, grunzte mein Silberhändler, und sagte, dass er sie vorher schon gesehen hatte, aber er hatte befürchtet, sie sein wegen der Schnitzereien und Perlmutteinlagen recht teuer, also habe er nicht gefragt. Was für ihn schlecht ist, denn er verkauft derartige Dinge in den USA für ein Christengeld und besorgt damit das Silber, das er hier für ein Heidengeld an Leute wie mich verkauft.
Manchmal ist es wie verhext. Meine erste Laute fand ich zufällig auf der Suche nach einem Spiegel, und wollte sie sofort haben. Das ist schon ein paar Jahre her, und seitdem sah ich genug Geigen, um ein Schock Musiklehrer in den Selbstmord zu treiben, und ausreichend Gitarren, um alle Sinticombos Berlins beim Ausführen der einzigen ehrlichen Arbeit Berlins auszurüsten. Mit den Trompeten und Hörnern der letzten Jahre hätte man das Wild im Wald über Klippen jagen können. Alles ist da, man muss nicht gross suchen, es ist oft nicht in besonderer Qualität, aber in Mengen vorhanden. Die kleine Cousinen der Mandolinen sind häufig, aber Lauten? Seitdem kreuzte kein intaktes, bezahlbares Exemplar mehr meinen Weg. Bis zu jenem Schwaben, der sein Exemplar nicht mehr einpacken wollte, und es für 30 Euro an mich abtrat. Wegen eines kleinen Stückes, das am Schallloch fehlte - und sich später im Korpus wiederfand.

In Zukunft wird man mich also fragen müssen, warum ich zwei Lauten brauche, wenn ich nicht spielen kann. Und die Antwort wird sein:
Weil ich kann.
So einfach. Und so schön. Warum frägt eigentlich keiner all die A-Blogger, die jedes Jahr öffentlich ihr Mobiltelephonspielzeug austauschen und das Alte wegschmeissen, warum sie das mit ein paar hundert Euro teuren Plastikklumpen tun?
donalphons, 23:07h
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Empfehlung heute - Das Traumpaar
der Wünsche für das kommende Jahr geben 2007 Modeste und Kid37. Und wir feiern keine solchen Feste, wir verlinken sie nur. Das Internet meint es gut mit uns Hebräern.
donalphons, 20:57h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Samstag, 22. Dezember 2007
Drei Gläser
In seinem - noch lange empfehlenswerten - Buch "Deutschland, Deutschland über alles" schreibt Kurt Tucholsky unter einem Bild von drei Gläsern einige sehr treffende Dinge über den Unterschied von arm und reich. Was die drei edlen, geschliffenen Gläser kosten, welche Gruppe sie benützt und welche andere Gruppe mit dem Wert dieser Gläser sehr viel besser leben könnte. Tatsächlich verwendet Tucholsky bei dieser Abschätzung sozialer Ungerechtigkeiten ein Bild wirklich teurer Gläser, mutmasslich aus dem Hause Baccarat. Und in einer Zeit, da das Elend in den Hinterhöfen des Prenzlauer Berges haust, in der Typhus und miserable Bildung ständige Begleiter der Arbeiter und des Subproletariats sind, ist der Unterschied zwischen der Verschwendung, die so ein Glas letztlich bedeutet, und der Besitzlosigkeit weiter Teile der Bevölkerung ein Unrecht, das Tucholsky aus gutem Grunde anprangerte. Auch wenn er selber nicht wirklich einen proletarischen Lebensstil favorisierte. Tucholskys Buch kann man hervorragend für schmales Geld kaufen und verschenken, und Baccaratgläser sind immer noch teuer, und in der Regel nicht im Haushalt ärmerer Leute anzutreffen.

Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich Tucholskys Ansatz früher nicht verstanden. Gläser mit Schälschliff standen bei meiner Grossmutter im Schrank, ein wenig altmodisch und "das Übliche", was man so hat. Später fand ich dann auch welche auf dem Flohmarkt, und einmal entdeckte ich eine ganze Kiste mit den dazugehörenden Sektflöten, Schnappsgläsern und Bechern, das Stück für einen Euro, so wollte es die Verkäuferin, deren Grossvater ins Heim kam. In meiner unteren Küche sind zwei Regale voll mit diesen Gläsern, deren optische Verzerrungen mir zusagen, und oben in der Gästewohnung sind noch mehr davon.
Und wenn ich ehrlich bin, wusste ich auch nicht, was das kostet. Erst, weil hinten auf der World of Interiors Werbung für Baccarat - mit einem sehenswerten Bild aus der Kamera der grossartigen Ellen von Unwerth - war, schaute ich nach, was eigentlich ein paar Gläser zur Ergänzung kosten würden. Und erfuhr, was Tucholsky wusste: Für den Preis dieser drei Gläser bekommt man auch fünf Starterboxen von I*ea, und noch ein paar Scheine Wechselgeld. Was aber wiederum Gläser enthält, die dort mehr kosten als das, was ich für meine Baccaratgläser bezahlt hatte.
Die Folgen sind beträchtlich. Obwohl mir bislang keines dieser Gläser verloren ging, bin ich seitdem sehr vorsichtig, wenn ich damit eine Tafel bereite. Und dazu kommt die erfrischte Erkenntnis, dass es heute nicht mehr nur um den Gegensatz zwischen Hinterhof und Stadtpalais geht, sondern um den Gegensatz zwischen Verständnis und Desinteresse, oder auch Wissen und Unerfahrenheit. Oder
man sehe mir das nach, ich würde es auch zitieren, wenn es nicht dort im dritten Kommentar die Einlassung eines sich ehemals für führend haltenden Blogvermarkters und Kulturermöglichers zu einer drittklassigen Promiklitsche am innerstädtischen Berliner Flusstümpel wäre:
"Für Berliner Verhältnisse ist der Laden übrigens teuer, ziemlich teuer, sehr teuer, überteuer. Teuer, teuer, teuer, aber ich zahle ab und zu sehr gern 36 Euro für ein Steak, gibt es mir doch die Möglichkeit, mich kurz wohlhabend zu fühlen."
zwischen denen, die sich cool vorkommen, 36 Euro für einen Fleischbrocken bei miserabler Behandlung durch die Berliner Personaldarsteller auszugeben, und denen, deren Repräsentationsbedürfnis sich daheim abspielt, wie es eben war in einer Zeit war, als man Qualität nicht mit dem Durchmesser eines Bildschirms, der Kapazität einer Musikabspielfestplatte oder gelogenen Besucherzahlen einer Website zum Verkauf derselben an die Helfer der chinesischen Mörder erklärte. Es wäre heute nicht mehr angemessen, Verschwendung mit Gläsern zu erklären, die durch ihr Zerbrechen die Eitelkeit des Menschen laut in Szene setzen. Verschwendung ist heute alles, unser Müllverhalten und das Rauchen, das Sozialisieren der grossen wirtschaftlichen und kleinen privaten Schweinereien, das neue Sofa nach drei Jahren und die Mitgliedschaft in drei brandneuen Communities, wo man seine Daten hinterlässt, der sinnlose Wortmüll bei Twitter und die Slappereien in den Gästebüchern. Armut ist Verschwendung. Überfluss an Zeit, Geld und Ressourcen ebnet den Luxus auf das Niveau von chinesischem Billigramsch und Lokalen ein, wo man in schlechter Gesellschaft schlecht behandelt wird, und sich deshalb auch noch gross tut. Ein Leben nach den Vorstellungen der Werber.
Die Welt ist nicht mehr so einfach wie zu Tucholskys Zeiten oder auch noch in den 80er Jahren; die Gegensätze sind tot, es lebt das Simultane. Wenn die Gläser geleert sind, muss man wieder raus und unter diesen neuen Bedingungen weitermachen, neue Definitionen und Abgrenzungen gegen das andere finden - aber wenigstens ist es gut, davor ein schönes Glas in der Hand zu halten. Es ist nicht viel, aber vielleicht auch schon alles.

Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich Tucholskys Ansatz früher nicht verstanden. Gläser mit Schälschliff standen bei meiner Grossmutter im Schrank, ein wenig altmodisch und "das Übliche", was man so hat. Später fand ich dann auch welche auf dem Flohmarkt, und einmal entdeckte ich eine ganze Kiste mit den dazugehörenden Sektflöten, Schnappsgläsern und Bechern, das Stück für einen Euro, so wollte es die Verkäuferin, deren Grossvater ins Heim kam. In meiner unteren Küche sind zwei Regale voll mit diesen Gläsern, deren optische Verzerrungen mir zusagen, und oben in der Gästewohnung sind noch mehr davon.
Und wenn ich ehrlich bin, wusste ich auch nicht, was das kostet. Erst, weil hinten auf der World of Interiors Werbung für Baccarat - mit einem sehenswerten Bild aus der Kamera der grossartigen Ellen von Unwerth - war, schaute ich nach, was eigentlich ein paar Gläser zur Ergänzung kosten würden. Und erfuhr, was Tucholsky wusste: Für den Preis dieser drei Gläser bekommt man auch fünf Starterboxen von I*ea, und noch ein paar Scheine Wechselgeld. Was aber wiederum Gläser enthält, die dort mehr kosten als das, was ich für meine Baccaratgläser bezahlt hatte.
Die Folgen sind beträchtlich. Obwohl mir bislang keines dieser Gläser verloren ging, bin ich seitdem sehr vorsichtig, wenn ich damit eine Tafel bereite. Und dazu kommt die erfrischte Erkenntnis, dass es heute nicht mehr nur um den Gegensatz zwischen Hinterhof und Stadtpalais geht, sondern um den Gegensatz zwischen Verständnis und Desinteresse, oder auch Wissen und Unerfahrenheit. Oder
man sehe mir das nach, ich würde es auch zitieren, wenn es nicht dort im dritten Kommentar die Einlassung eines sich ehemals für führend haltenden Blogvermarkters und Kulturermöglichers zu einer drittklassigen Promiklitsche am innerstädtischen Berliner Flusstümpel wäre:
"Für Berliner Verhältnisse ist der Laden übrigens teuer, ziemlich teuer, sehr teuer, überteuer. Teuer, teuer, teuer, aber ich zahle ab und zu sehr gern 36 Euro für ein Steak, gibt es mir doch die Möglichkeit, mich kurz wohlhabend zu fühlen."
zwischen denen, die sich cool vorkommen, 36 Euro für einen Fleischbrocken bei miserabler Behandlung durch die Berliner Personaldarsteller auszugeben, und denen, deren Repräsentationsbedürfnis sich daheim abspielt, wie es eben war in einer Zeit war, als man Qualität nicht mit dem Durchmesser eines Bildschirms, der Kapazität einer Musikabspielfestplatte oder gelogenen Besucherzahlen einer Website zum Verkauf derselben an die Helfer der chinesischen Mörder erklärte. Es wäre heute nicht mehr angemessen, Verschwendung mit Gläsern zu erklären, die durch ihr Zerbrechen die Eitelkeit des Menschen laut in Szene setzen. Verschwendung ist heute alles, unser Müllverhalten und das Rauchen, das Sozialisieren der grossen wirtschaftlichen und kleinen privaten Schweinereien, das neue Sofa nach drei Jahren und die Mitgliedschaft in drei brandneuen Communities, wo man seine Daten hinterlässt, der sinnlose Wortmüll bei Twitter und die Slappereien in den Gästebüchern. Armut ist Verschwendung. Überfluss an Zeit, Geld und Ressourcen ebnet den Luxus auf das Niveau von chinesischem Billigramsch und Lokalen ein, wo man in schlechter Gesellschaft schlecht behandelt wird, und sich deshalb auch noch gross tut. Ein Leben nach den Vorstellungen der Werber.
Die Welt ist nicht mehr so einfach wie zu Tucholskys Zeiten oder auch noch in den 80er Jahren; die Gegensätze sind tot, es lebt das Simultane. Wenn die Gläser geleert sind, muss man wieder raus und unter diesen neuen Bedingungen weitermachen, neue Definitionen und Abgrenzungen gegen das andere finden - aber wenigstens ist es gut, davor ein schönes Glas in der Hand zu halten. Es ist nicht viel, aber vielleicht auch schon alles.
donalphons, 20:43h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 21. Dezember 2007
Die Schweinehälfte der Schwaben
Die Süddeutsche Zeitung gehört ab 29. Februar mehrheitlich der Südwestdeutschen Medien Holding. Bayerns Vorzeigestück in der Hand der Schwaben. Uh-Oh. Witzigerweise betonte man früher, dass die Süddeutsche im Besitz der Holding schlechte Karten haben werde. Immerhin: Damit gibt es jetzt einen noch internetuntauglicheren Besitzer als die Online-Redaktion.
donalphons, 18:51h
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Wendepunkt
Das Schlimmste ist erreicht. Von jetzt an wird es - mit kleinen Rückschlägen am 24. und 31. Dezember - besser.

Irgendwann ist dann auch wieder Frühling, die Pässe sind offen, und der Weg nach Italien ist frei. Solange gilt es, die besten Plätze zu sichern. Die auf der Heizung beispielsweise.

Und weil gerade allerorten vom Kuscheln und folgendem Kinderkriegen die Rede ist, und sich unter Bloggern der Weihnachtswunsch nach einer FLAK empfiehlt, um die Klapperstorchhorden fern zu halten, hier ein Tipp: Präservative helfen. Auch während der Feiertage.

Irgendwann ist dann auch wieder Frühling, die Pässe sind offen, und der Weg nach Italien ist frei. Solange gilt es, die besten Plätze zu sichern. Die auf der Heizung beispielsweise.

Und weil gerade allerorten vom Kuscheln und folgendem Kinderkriegen die Rede ist, und sich unter Bloggern der Weihnachtswunsch nach einer FLAK empfiehlt, um die Klapperstorchhorden fern zu halten, hier ein Tipp: Präservative helfen. Auch während der Feiertage.
donalphons, 15:55h
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una gran festa fa preparar
Die feinen Baccaratgläser sind gespült, und liegen, als wären sie rohe Eier, in einem Korb, silberne Tazzen und Teller sind noch achtlos ineinander gestapalt, eine kleine Auswahl Imariporzellan wartet auf Delikatessen, das Besteck verheisst mit Pastetenheber und Sahnelöffel Genuss und Wohlstand, und bis aufgetragen wird, kann man die Muscheln betrachten, die Violine streichen und ein Buch lesen. Es geht auf ein Fest zu, der Sektkelch deutet auf das kommende Jahr und seine ersten Minuten hin, und es ist damit das Deckblatt für den Kalender, Foodporn ganz ohne Food, nur die Utensilien - was sie präsentieren werden, gibt es dann im kommenden Jahr. Und es wird ein gutes Jahr, denn hinten verheisst ein kaukasischer Hochzeitsteppich mit seinen Paradiesgärten eine schöne Zukunft.

Grossbild Food Porno hier, XXX L Bild Food Porn hier.
Oder? Die marmorweisse Griechin passt nicht wirklich zum schwarzen Satyr, da sind zwei nicht standesgemäss, die Saiten der Violine sind nicht gespannt und fehlen mitunter, hinten liegt ein Wirbel daneben, es ist nichts mit Harmonien, das Besteck ist aus dem Silberkorb gefallen, die Kerzen sind abgebrannt, und jemand missachtet den Wert der teuersten Gläser Frankreichs, dass er sie so achtlos übereinander legt. Und ganz vorne ist ein Buch von 1785, die Erstausgabe des Gesamtwerkes von Voltaire, und aufgeschlagen ist Candide. Ausgerechnet. Was wir also sehen mit allen Widersprüchen, ist die beste aller möglichen Welten, die auf den ersten Blick alles verspricht und nach allen Enttäuschungen nicht anders sein konnte. Womit man aber leben kann, solange man seinen Paradiesgarten bestellen darf.

Grossbild Food Porno hier, XXX L Bild Food Porn hier.
Oder? Die marmorweisse Griechin passt nicht wirklich zum schwarzen Satyr, da sind zwei nicht standesgemäss, die Saiten der Violine sind nicht gespannt und fehlen mitunter, hinten liegt ein Wirbel daneben, es ist nichts mit Harmonien, das Besteck ist aus dem Silberkorb gefallen, die Kerzen sind abgebrannt, und jemand missachtet den Wert der teuersten Gläser Frankreichs, dass er sie so achtlos übereinander legt. Und ganz vorne ist ein Buch von 1785, die Erstausgabe des Gesamtwerkes von Voltaire, und aufgeschlagen ist Candide. Ausgerechnet. Was wir also sehen mit allen Widersprüchen, ist die beste aller möglichen Welten, die auf den ersten Blick alles verspricht und nach allen Enttäuschungen nicht anders sein konnte. Womit man aber leben kann, solange man seinen Paradiesgarten bestellen darf.
donalphons, 04:39h
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Donnerstag, 20. Dezember 2007
Die gute Nachricht zuerst
Das Thema Blogger vs. Journalisten wird ein baldiges Ende haben!
Und jetzt die schlechte Nachricht:
Sobald die Journaille krepiert ist.
Alles weitere findet sich leicht resigniert an der Blogbar.
Und jetzt die schlechte Nachricht:
Sobald die Journaille krepiert ist.
Alles weitere findet sich leicht resigniert an der Blogbar.
donalphons, 21:24h
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Im Bund der Dritte
Ich habe hier geschrieben, dass bei den Boxen von Audiodata etwas der Bass fehlt. Das Urteil halte ich aufrecht; den guten Ruf verdanken sie ihrer famosen Abbildung im oberen Bereich. Und bitte, ich bin keiner, der Remmidemmi hören würde - mir fehlt allein schon Beckenklang und Bassstreichen. However - dabei war auch noch ein Soutien-Bassmodul für die Kleinigkeit von original über 3000 Euro *hust*, über 20 Kilo schwer, und das steht jetzt dabei.

Um es kurz zu machen: Mit dem aktuellen Verstärker muss ich den Bass um 10db absenken, damit es ein harmonisches Klangbild ergibt. So richtig bin ich da noch nicht angekommen, im Bereich von ca. 100-130 Hz klafft eine Lücke, oder sagen wir besser Delle, die aber auch der Verwendung eines nicht ganz passenden, weil zu leistungsschwachen Verstärkers zugeschrieben werden kann. Dadurch setzt das Bassmodul manchmal etwas unvermittelt ein, es fehlt ein harmonischer Übergang. Morgen probiere ich das mal mit einem anderen Leistungsgerät in der Signalkette.
Aber: Es ist schon erstaunlich, was so ein eigenes Bassmodul aus einer Bratsche herausholt. Gerade, wenn es um das Nachschwingen der Saiten geht. Klingt übertrieben, aber man kauft so etwas nicht, wenn man kein Interesse an solchen Erfahrungen hat.

Um es kurz zu machen: Mit dem aktuellen Verstärker muss ich den Bass um 10db absenken, damit es ein harmonisches Klangbild ergibt. So richtig bin ich da noch nicht angekommen, im Bereich von ca. 100-130 Hz klafft eine Lücke, oder sagen wir besser Delle, die aber auch der Verwendung eines nicht ganz passenden, weil zu leistungsschwachen Verstärkers zugeschrieben werden kann. Dadurch setzt das Bassmodul manchmal etwas unvermittelt ein, es fehlt ein harmonischer Übergang. Morgen probiere ich das mal mit einem anderen Leistungsgerät in der Signalkette.
Aber: Es ist schon erstaunlich, was so ein eigenes Bassmodul aus einer Bratsche herausholt. Gerade, wenn es um das Nachschwingen der Saiten geht. Klingt übertrieben, aber man kauft so etwas nicht, wenn man kein Interesse an solchen Erfahrungen hat.
donalphons, 11:20h
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