: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Mittwoch, 19. November 2008

Das Capital nach meinem Vater

Bei uns zuhause gab es zwei Formen von Capital: Mein in der 12. Klasse in der damaligen DDR, genauer im Brechthaus erworbenes Kapital von Marx, das sich angesichts des damaligen Zwangsunmtausches anbot und vom mitreisenden, die Grenze zu Ostberlin aber nicht überschreitenden CSU-Wirtschaftslehrer sehr verächtlich und öffentlich abgetan wurde. Der gleiche Mann hatte uns auch ermahnt, jeden Kontakt mit den VoPos zu meiden, das seien alle Mörder und deshalb würde er es nicht wagen können, da rüber zu gehen, weshalb wir es natürlich ausprobierten und die VoPos, die wir rund um den Fernsehturm fanden, mit allerbreitestem Bayerisch nach dem Weg zur Mauer fragten, was höflich, korrekt und ohne sofortige Hinrichtung beantwortet wurde.

Und es gab das Capital nach Gruner+Jahr, das meinem Vater zugeschickt wurde. Eigentlich bekam er alles, was die deutsche Wirtschaftspresse lieferte, und es war in den Zeiten vor dem Internet auch unerlässlich, das alles zu lesen. Allein das Capital ging aus unerklärlichen Gründen nicht an das Büro, sondern zu uns nach Hause. Ich las es in der 12. Klasse mit ähnlicher Langeweile wie des Marxens Kapital, das er wirklich besser in einer knackigen Kurzversion a la Kommunistisches Manifest hätte vorlegen sollen. Den ersten Satz aus dem Manifest kennt jeder. Der erste Satz des Kapitals - wie auch immer, ich hatte unter meinem Wirtschaftslehrer zu leiden, und der einzige Trost meines gedemütigten Schülerherzens war es, diesem angeblichen Verfechter eine "Was gut ist für die Wirtschaft ist gut für uns alle"-Doktrin im Unterricht aus dem Capital vorzulesen, welches Lobbyistenschwein welches dreckige Agreement bei den Schergen der Kohlkamarilla gekauft hat. Das stand alles im Capital. Man muss die Zeitschriften der Gegner lesen, sagte Sarah Wagenknecht mal, und auch, wenn ich sie hochgradig unsympathisch fand: Da hatte sie recht.

Ich verdanke dem Capital so einiges. Mein minimales Wissen von Wirtschaft, als es 1999 ernst wurde, und manche fragten, was ich von der New Economy hielt. Man kann über Capital viel schlechtes sagen, aber das waren nicht die Leute, die als die Lustknaben der New Economy in die Geschichte des deutschen Stricherjournalismus eingingen. Mir ist der reaktionäre Schraubenhersteller, der Gewerkschaftler anbrüllt, immer noch lieber als der pseudoliberale Volldepp, der seinen Mitarbeitern zur Bewältigung der 60-Stundenwoche und Psychostress angeischts einer Krise die Einnahme von Tabletten empfiehlt. Wenn Kapitalisten, dann bitte so, wie sie vom Capital vorgestellt wurden. Wenn Unternehmer, dann Persönlichkeiten, die auf eigene Immobilien für ihre Firma wert legen. Einer der bei Capital beliebten Herren war ein Münchner Unternehmer, in dessen Kantine ich einmal essen durfte. Ein Raum für alle. Alle hatten den gleichen Stuhl, das gleiche Geschirr, die gleiche Schlange, in der sie sich anstellen mussten. Mein Interview hatte etwas länger gedauert, der Mann war damals schon ziemlich gebrechlich, und trotzdem stellte er sich hinten an. Vieles von dem, was er sagte, fand ich schlecht. Aber in der Kantine zeigte er Charakter.

Womit wir bei einem seltenen Gut sind, und damit auch dessen Mangel, und aus diesem Grund müssen wir hier über die Financial Times Deutschland reden, die meines Erachtens moralisch fragwürdigste Wirtschaftspostille Deutschlands zusammen mit dem Manager Magazin (Spiegel-Gruppe) und der WiWo (Holtzbrinck, in unserem Puff kriegt jeder, was er braucht). Nicht nur, dass die FTD sich als Kampfblatt des Neoliberalismus positioniert hat, das haufenweise schmierigen Propagandisten Raum und Einfluss bot. Sie ist auch eine Zeitung von schreiender Inkompetenz. Ich hatte das Missvergnügen, diesen publizistischen Schmutz in der Spätzeit der New Economy lesen zu müssen, dieses Cheerleading von Firmen aus Hype- und Lügendreck, dieses lockere Nichtwissen um journalistische Standards, die Kumpanei auf den Podien und Foren, man machte sich wie das Managermagazin und die WiWo eins mit dem Gegenstand der Berichterstattung. Ich könnte mir tagelang Beschimpfungen für diese Blätter ausdenken, es würde mir nicht langweilig werden.

Die FTD ist vom ersten Tag an - Februar 2000, kurz vor dem Crash der New Economy - ein Verlustbringer. Ich weiss nicht, wieviele Millionen verbrannt wurden; es muss inzwischen ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag sein, wenn man alles zusammenrechnet. Ich kann mir diese Vernichtung von Geld und ihre Fortführung nur erklären, wenn ich die neoliberale Propaganda der FTD mit dem neoliberalen Trendsetting der Bertelsmann-Stiftung und den politischen Zielen der Besitzerfamilie Mohn vergleiche. Wirtschaftlich müsste man das Ding sofort dicht machen, für eine pseudojournalistische PR-Schleuder sind die Verluste nachvollziehbar.

Jetzt kommt es aber noch schlimmer. Die FTD wird, wie alle anderen Medien und Blogkoofmichs auch, die Anzeigenkrise heftig spüren. Gruner+Jahr muss sparen. Aber statt den extrem teuren Fehlschlag endlich zu beerdigen und einzugestehen, dass einem zum Vorbild der Financial Times von den Autoren über die geistige Unabhängigkeit bishin zur Tradition alles fehlt, was einen Wert darstellen könnnte - killt man de facto alle Wirtschaftstitel, darunter auch Capital, macht einen Klumpen unter FTD-Leitung in Hamburg und lässt zentral Inhalte für alle Wirtschaftspublikationen produzieren.

Wenigstens war das Capital, das ich kannte, nicht mehr das Capital, das jetzt in den Hamburger Brei eingematscht wird - ein Brei, der jetzt übrigens 1/5 seiner Redakteure verliert, und 60 Mitarbeiter in die Schattenseite des allein selignmachenden Neoliberalismus entlässt, den zu propagieren sie sich nicht zu schade waren. Wir werden also weiter Jungossis Durchhaltebefehle schmieren sehen, wir werden Dummerchen keine Bilanz lesend erleben, es wird so weiter gehen, man wird immer weiter appeasen und die Krise und deren betroffene Schweine mit Lippenstift so schön wie möglich malen, denn irgendwann muss es wieder aufwärts gehen. Und dann wollen sie wieder dabei sein.

Ich empfehle übrigens Financial Times - FT Alphaville. Weil sie vedammt gut sind, schnell - und sich Gedanken um ihr Tun machen.

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Die chinesische Option.

Ach, herlich! November, Sonne, eine freie Bergstrasse und satte 7 Grad! Da muss man einfach das Verdeck aufmachen und fahren, in den Sonnenuntergang hinein.



Gut, zugegeben, der Sonnenuntergang hinter dem Karwendel ist da oben momentan mit 14.40 Uhr vergleichsweise früh, und die sieben Grad lagen leider unterhalb des Gefrierpunktes. Das Ufer am Achensee ist schon gefroren, und die Sonne ist auch nur ein heller Fleck in grauen Wolken. Aber dafür gibt es daheim dann heissen Tee und eine warme Heizung, die den Namen auch verdient.



Bitterkalt dürfte es dagegen für die amerikanischen Autobauer und ihre deutschen Töchter werden. Gestern Abend war ich in München aus und danach noch kurz bei jemandem, um etwas vorbeizubringen, und da hörte ich eine gar nicht so unspannende Sache:

Dass man in China prüft, General Motors zu kaufen, wenn es in Amerika mittelprächtige Staatsgarantien gibt. Das Spiel kennt man bereits von der Übernahme von Rovermodellen durch die Shanghai Automotive Industry Corporation (SAIC), die jetzt einen Roewe 75 auf Basis des alten Rover 75 baut. SAIC ist gleichzeitig Joint Venture Partner von General Motors in China und bietet dort bislang veralteteVersionen obsoleter Cadillacs und Chevrolets an, deren Produktionsstrassen inzwischen in Shanghai stehen - wie übrigens auch den alten VW Santana und andere VW-Modelle. Denn SAIC ist auch Partner von Volkswagen und eine der Firmen, die den Wachstumskurs in China auf kleines Gedeih und grosses Verderb vorantreiben.

Der Plan sieht nun so aus: Amerika lässt GM pleite gehen, die Chinesen übernehmen die Firma, nutzen sie, um ihre eigene Zulieferindustrie zu päppeln, lassen aber weiterhin mit staatlichen Hilfen auch in den USA bauen. Gleichzeitig bekommen sie Zugriff auf die Technik und Entwicklungen, die sie bislang nicht haben. Eine Zwischenfinanzierung über den chinesischen Staatsfonds wäre kein Problem, und nebenbei hätte man auch einen hübschen Schwung für die Konsolidierung der chinesischen Autobranche. Angesichts der künstlich niedrig gehaltenen Benzinpreise und der vielen alten Dreckschleudern in China wäre sogar der GM-Flottenverbrauch akzeptabel. VW würde dabei vielleicht etwas in die Röhre schauen, und Porsche als Profiteur derer chinesischer Geschäfte natürlich auch.

Ich weiss nicht, ob da wirklich was dran ist, aber wenn man davon ausgeht, dass GM weder von einem Finanzinvestor noch vom Staat wegen zu hoher Kosten gerettet werden kann, ist SAIC, denen mit einer Insolvenz ein grosser Teil des Geschäfts wegbrechen würde, der logische Käufer. Man kann sich schlecht vorstellen, dass die grösste Marke der freien Welt chinesisch wird, aber auch die Briten haben es überlebt, dass Bentleys auf VWs basieren, Rover und MG den Chinesen gehören und Jaguar in der indischen Kronkolonie beherrscht wird. Das gehört dazu, wenn man als Weltmacht abwirtschaftet.

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Dienstag, 18. November 2008

Empfehlung heute - Beiträge

für die sich deutsche Wirtschaftsmedien zu fein sind. Und zu feige. Sehr gut und knallhart, was da zusammengefasst wird.

Und dann ist da noch der Mischkonzernbesitzer Adolf Merckle, der sich mit VW-Aktien verspekuliert hat. Nun, Herr Merckle ist bekannt dafür, äusserst, sagen wir mal, steueroptimiert zu agieren. Einer, der Gelegenheiten schnell ergreift und dabei nicht wirklich auf das Wohl der Allgemeinheit schaut. Wenn so einer bei einer Spekulation pleite gehen sollte, wäre es dumm vom Staat, dort zu helfen. Also, vor dem Regelsatz von Hartz IV.

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Zwei Tage im Herbst V

Vielleicht liegt es ja auch an der Schweiz. Ich mein, dass die Leute so anders werden, wenn sie länger dort waren. Oder auch an der Schule, in der die Kinder vom B. gelandet sind. Es hat eine Weile gedauert, aber als wir sie nach dem zweiten Jahr wieder trafen, waren sie anders. Nicht klüger, immer noch etwas, sagen wir mal, also, einfach anders. Sie waren damals sehr schnell verschwunden, das dauerte nur ein paar Tage von der Ankündigung zum Abtransport, und was meine Eltern so hörten, muss es ihnen zuerst überhaupt nicht gefallen haben. Damals wurde bei uns gerade erst ein Golfclub gegründet, und die besseren Leute hatten einen Begriff von Luxus, der sich aus drei Läden speiste, einer für Männer, einer für Frauen, einer für beide, mehr gab es nicht. Die Höhepunkte bei uns waren der Standortball im Winter und die Tennismeisterschaften beim Ruderclub. Von Internaten, die jedes Jahr so viel kosteten, wie eine Kassiererin verdient, hatte man damals nur gehört. Vielleicht polt sowas alles neu: In einer Schule zu sein, in der man so viel kostet, wie die Mutter mancher Freunde daheim verdient hat. Das war bei uns nicht so: So anders, so isoliert, in meiner Schule war auch die S., die Tochter der Sekretärin meines Vaters, da war nicht alles festgeschrieben, die S. wollte damals als JU-Mitglied unbedingt auf den Standortball und hat es dann mit einem Schleimer von denen auch geschafft, auf den Ball auf den ich nie gegangen wäre, denn was will ich bei den Pionieren. Nicht Mensch, nicht Tier, Pionier, haben sie bei uns gesagt, und alle hatten Angst, beim Wehrdienst dort zu landen. Aber die Söhne vom B. waren weit weg, isoliert mit anderen Menschen, und diese Isolation der Schweiz fühle ich, als ichüber die Schneefläche vom Stelvio zum Umbrail fahre.



Man sagt ja viel über die hohen Berge und die tiefen Tresore der Schweiz, obwohl es nicht stimmt, wenn man sich die echten Routen anschaut. Der klassische Steuerhinterzieher fährt entweder nach Vorarlberg in Österreich, von wo aus der Transport gemacht wird, oder am Bodensee vorbei Richtung Zürich, oder nach Basel. Basel ist eine ziemlich hässliche Industriestadt, also, finde ich, aber irgendwo müssen die ja ihre Medikamente und was anderes als Steuerhinterziehung machen, die Schweizer. Andererseits bleibt ihnen auch nichts anderes übrig, wir haben damals in der Schule den Roman "Die schwarze Bande" über das Leben der Schornsteinfegerkinder aus der Schweiz gelesen, einer der seltenen Anklänge von sozialer Gerechtigkeit in unserer erfolgsorierten Erziehungsanstalt, da ist es mir wirklich lieber, wenn sie Banken machen, Schweizer Franken und sichere Konten. Und Internate, in denen aus den zurückgebliebenen Kindern reicher Leute zurückgebliebene Schnösel werden.



Da vorne ist schon die Schweiz, zuerst kommt die italienische Bergfestung, die heute langsam zerfällt. Links ginge es hinunter nach Bormio und dann weiter ins Tessin, wo früher die Kaminfeger herkamen und heute die Russen hinziehen. Hier oben ist eigentlich nichts ausser der Strasse und die Zollstation, vermutlich kann man hier oben auch wenig tun, ausser Geröllklettern und in die Schweiz fahren. In der italienischen Station ist niemand. Wirklich niemand, das Grenzerhaus ist leer, vollkommen ausgestorben. Keiner hält mich an und will in meine Aktentasche schauen, keiner fragt mich, was ich mit dem Geld tue und warum ich dem Euroraum nicht mehr traue. Als ob man das an einem Tag wie heute erklären müsste, da in Österreich viele Leute ihre Aktien loswerden wollen, und vor einer geschlossenen Börse stehen. Ich mein, Mitteleuropa, 21. Jahrhundert. Börsenschliessung. Da bin ich lieber hier oben. Ausserdem ist es schön hier. Und keine Menschen. Ist schon mal jemand aufgefallen, dass die Krise sofort verschwindet, wenn die Menschen verschwinden? Dann noch ein Zöllnerhaus, in dem kein Italiener ist, und noch eines die Strasse runter, in dem kein Schweizer ist, und dann bin ich angekommen.



Ich finde ja, die Schweiz sollte so eine Art Schweizertum h.c. anbieten. Also, vielleicht nicht Schweizertum, das klingt blöd, aber auf Kantonalebene. Dann würde ich jetzt Graubündner i. K. werden. Graubündner in Konto. Das sollte nicht so schwer sein, schliesslich ist Graubünden auch nur eine Zusammenrottung aufständischer Bergbauern gegen die Habsburger gewesen, die jeden aufnahmen, der Österreich und die Habsburger ablehnte. Ich halte Österreich für einen Schurkenstaat, vielleicht nehmen sie mich. Ich würde kein Zürcher sein wollen und auch kein Tessiner, aber bei Graubünden weiss ohnehin keiner so genau, was das ist. Sie haben jedenfalls ein hübsches Wappen, auf dem die drei Bünde zu sehen sind: Gotteshausbund, Grauer Bund und Zehngerichtebund haben 1450 den ersten und damit ältesten Freistaat Europas gegründet. Ich muss mal erzählen, warum ich Davos und St. Moritz nicht so mag, da habe ich nicht so gute Erfahrungen gemacht, aber Müstair, wo ich jetzt hinfahre, ist super.



Dafür muss man den Umbrail runter, und im Mittelteil ist die Strasse immer noch nicht aspahltiert, wie früher. Auch so kann man sich abschliessen: Indem man Strassen baut, die schwer passierbar sind. So muss es in den 30er Jahren gewesen sein, wenn ein Achsbruch das Ende bedeuten konnte. Oder bei der Mille Miglia der frühen Jahre. Weiter unten dann Wald, enge Kurven, ein Schweizer Pickup lässt mich freundlicherweise vorbei, dann Almwiesen und hinten im Tal Müstair, das Ziel der Reise.

Teil 4.

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Ravioli con Zucca

Ich gelte im Allgemeinen als recht beharrlich und von Überzeugungen getrieben, und mitunter komme ich mir damit im Gegensatz zu Werber, PRler und Marketingabschaum, der seine Arschlöchrigkeit als Dauerironie vertickt, selbst in die Quere. Vorletzten Samstag zum Beispiel stand ich bei Frasnelli unter den Lauben in Meran, und hatte schon einen Raviolimacher in der Hand: Eine Zange, in die man den Teig und die Füllung legt, zuklappt - und dann stanzt die Zange die Ravioli in die richtige Form und macht auch gleich noch den gezackten Rand. Ein schönes Stück, und auch nicht teuer. Aber ich habe Grundsätze, so etwa diesen hier: Es gibt Dinge, die wirst du nie perfekt können, also kaufe sie bei denen, die wahre Meister sind.

Dabei geht es um komplexe Torten, aber auch um so scheinbar banale Dinge wie Nudeln. Natürlich kann jeder Depp mit Anleitung und Nudelmaschine irgendwelchen Schleim in den Topf kippen, aber echte, frische Nudeln wie in Valeggio sul Mincio gibt es kein zweites Mal auf dieser Erde. Und dann ist etwas näher Manuelas Frischnudelservice, wo ein Quentchen zum Paradies fehlt - aber wirklich nur ganz wenig, und nicht ganz so gut wie Valeggio zu sein, ist immer noch besser als so ziemlich alles, was es sonst an Pasta gibt. Es gibt noch ordentliche Frischpasta auf den Schwabinger Viktualienmarkt, und all das lohnt sich. Manche glauben vielleicht, dass man auch für weniger als 2 Euro pro 100 Gramm, im Supermarkt in Plastikverpackung etwa, den gleichen Genuss bekommt - sie haben keine Ahnung. Von mir auch dürfte es auch doppelt, dreimal so viel kosten. Echte Pasta ist Kunst, grossartige Kunst von echten Könnern, und muss fair entlohnt werden.

Als ich also da bei Frasnelli in Meran war, hatte ich schon das Buch Hitze von Bill Buford geschenkt bekommen. Ich fuhr über Pässe zurück, las in den kommenden Tagen darin manches Ekelhafte aus den Küchen der Welt und erreichte endlich die Stelle, an der Buford über Tortellini con Zucca schreibt. Da ist diese süsse Kürbisfüllung, gemischt mit Zwiebeln und Parmesan und Zucker, und aussen geschmolzene Butter. Ein Irrsinn. Der Geschmack, den ich auf der Zunge haben möchte, wenn ich sterbe, um dann in einem Reindl voller Apfelstrudel beerdigt zu werden. Davon Lesen bedeutet, es zu wollen. Kein Problem, dachte ich, morgen ist Markt, und ich gehe zu Manuela. Ich tat und erfuhr: Die Kürbisravioli sind ausverkauft.



(Grossbild hier)

Seit zwei Tagen will ich Kürbisravioli. Unbedingt, sofort. Heute war ich in drei Feinkostgeschäften rund um den See, die nichts dergleichen hatten. Was ich hatte, war Mehl, Ei, Salz, Muskatkürbis, Parmesan und Zwiebel. Und obendrein natürlich nicht die geringste Ahnung, wie man solche Ravioli macht. Das Internet zu befragen wäre dagegen allein schon wegen meiner Herkunft aus einem stadtberühmten Bäckergeschlecht unter meiner Würde, also knetete ich den Teig, bis er sich richtig anfühlte, legte ihn für zwei Stunden in den Kühlschrank, hobelte den Kürbis fein und drückte ihn fest aus, rieb dazu eine Handvoll Parmesan und gab etwas feinst gehckte Zwiebeln dazu, und obendrein noch einen Esslöffel Zucker. Dann woigelte ich kleine Teigbröckerl in Mehl flach und rund, füllte sie mit der Kürbismischung, klappte sie unter Herauspressen der Luft zusammen, und kippte sie für drei Minuten in sprudelndes Wasser.



(Grossbild hier)

Der Rest war, nachdem die dreizehn Ravioli mysteriöserweise ohne jedes Hilfsmittel alle gleich gross und voll geraten waren, ganz leicht: Etwas Butter in einen Topf, etwas fein gehackten grünen Lauch und geschnittene Rauke dazu, anbraten, dann drei Teelöffel Kochwasser hinein, kräftig umrühren, die Pasta taucht aus dem sprudelnden Inferno auf, heraus auf den Teller, alle haben sie gehalten, nichts ist geplatzt, die Buttersosse darüber laufen lassen, und schnell servieren. Es war, zugegeben, eine ziemliche Sauerei in der Küche, es hat lang gedauert, es war zu wenig Zucker drin und vielleicht müsste man auch einen süsseren Kürbis nehmen, oder vielleicht dazu noch - ich weiss, es klingt pervers, aber: Amarenokirschen. Es muss süss sein, noch süsser, das muss probiert werden, aber bis dahin hoffe ich, dass der Lieferstopp bei Manuela ein Ende hat.



(Kein Grossbild. Ich will nicht, dass jemand seinen Monitor ableckt)

Ich habe natürlich nicht die geringste Ahnung, ob man das wirklich so macht, wie ich es gemacht habe. Ich kann dummerweise gar nicht anders kochen, Messbecher und Waagen habe ich nie gebraucht, und wie die Alten in meinem Clan kann auch ich Rezepte auch nicht in Gramm und Milliliter weitergeben. Viel Kürbis, üppig Parmesan, etwas Zwiebel, ein Ei aus guter Haltung, und immer die besten Zutaten vom Markt, dann kann es eigentlich nur gut werden. Und wenn es dann etwas, oder ehrlich gesagt, sehr viel mehr als erwartet war: Mei. Bei uns is no nia wos schlecht gwordn, sagte meine Grossmutter immer, und sie hatte natürlich wie immer Recht.

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Montag, 17. November 2008

Conde Nasty oder Eat the rich interior

In gewissen Kreisen, denen ab und zu beizuwohnen mir vergönnt, ist, hatte man letztes Jahr eine ganz bestimmte Vorstellung von der kommenden Krise: Ein paar Neureiche werde es erwischen, über deren Schicksal man sich trefflich amüsieren könnte, den Amerikanern, Russen, Briten und Spaniern werde es schlecht gehen, Reisen würden billiger werden, und ein paar Umschichtungen im Portfolio könnten ganz nett sein. Dann würde man im Winter 08/09 in der neuen Immobilie sein, irgendwo an einer Grenze mit Bergen, auf dem Seidenteppich liegen und hinausschauen auf die angeschneiten Gipfel vor dem Fenster, die nur jene belästigen, die es nicht so gut getroffen haben und somit nicht zu den Happy Few gehören, die schlechtes Wetter als wagnereskes Gipfeldrama erleben dürfen.



Man würde leicht seufzen - hätte man nicht doch besser in Meran gekauft? in Riviera Gardone vielleicht? - sich dann aber versichern, dass es nirgendwo in der Summe so schön, angenehm und gewohnt wie hier ist; man würde überlegen, ob man nicht Karten für das erste Akademiekonzert in der Staatsoper orderte, dann aber bedenkt mab, dass dass Bruckners Symphonie in c-Moll vielleicht etwas schwere Kost ist, und die Heimfahrt über verschneite Strassen führen kann, man sich also zum Bleiben entschliesst und am Abend Frau S. mit einer Kürbistarte besucht, um ein wenig zu ratschen. Der Teig muss zwei Stunden ruhen, genug, um in der neuen World of Interiors zu blättern, die bekanntlich im Dezember immer extrem dick zu sein beliebt, wegen all der Anzeigen für das grosse Fest. Man greift also auf den antiken Rosenholztisch -



und sieht sich den brutalen Sturm der Wirtschaftskrise ausgesetzt. Das Exemplar oben ist die Dezemberausgabe, mit dem Weihnachtssondergeschäft - 242 Seiten, davon 132 Seiten Serviceteil, der mit Werbung gut gefüllt ist. Darunter noch der Oktober, 402 Seiten und 282 Seiten dickst mit Werbung gefüllter Serviceteil. Ohne Weihnachtsgeschäft. Aber noch mit vor der Lehman-Pleite gebuchten Anzeigenseiten. Verloren sind Patek und die Doppelseiter mit kronbeleuchteten Prunkküchen, sechs Seiten Lauren Home, die Doppelseite für das bei Bankerbädern so beliebte Bisazzamosaik, verschwunden auch der 911er und die schüchterne Frau im durchsichtigen Nachthemd, die erstaunlich trocken die Dusche des Nobelherstellers Matki verlässt und schamhaft - ach, das Küsschen gestern mit Robert von der der Kauphtingbank - lächelt. Was es noch gibt, ist eine Doppelseite von Audi - denen geht es noch gut - und eine
Seite mit Uhren von Seiko. Vermutllich müssen die meisten Leser erst mal nachschauen um zu begreifen, dass Seiko so etwas ordinär-exotisches wie Uhren mit Quarzwerken baut, die ein Bruchteil der durchschnittlichen Vorhangquastenersatzschnur kosten.

Kalt ist es draussen, und plötzlich sind die Wolken doch sehr nah, und man fragt sich, ob man nicht mehr hätte tun sollen. Nach Österreich sind es nur 30 Kilometer, aber auch die haben Probleme. Vielleicht wird es sogar schwerer, in Rottach feine Stoffe zu kaufen. Oder Wagner nimmt eine Schokostreussel aus dem Programm. Ja, die Krise. Sie kratzt tiefe Spuren in das Bewusstsein derer, die alles haben und noch mehr brauchen. An das Drama bei Conde Nast, die dieses Juwel nun vermutlich mit Verlusten produzieren, und all die armen Kronleuchterkristallschleifer drüben im Inntal bei Swarowski gar nicht zu denken. Es wird hart.

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Sonntag, 16. November 2008

Der Schädelspalter und die rettenden Kuchengabeln

Against this background of deteriorating economic conditions worldwide, we agreed that a broader policy response is needed, based on closer macroeconomic cooperation, to restore growth, avoid negative spillovers and support emerging market economies and developing countries. As immediate steps to achieve these objectives, as well as to address longer-term challenges, we will:

* Continue our vigorous efforts and take whatever further actions are necessary to stabilize the financial system.


"take whatever further actions are necessary". Oha. Man nennt so etwas einen Freibrief. Im Prinzip ist die Erklärung der G20 knallhart nur im Ausverkauf der Staaten, aber windelweich und unverbindlich bei Finanzkontrolle, Staatsdefizit, Preisstabilität und Währungen. Die letzten drei Punkte, so was wie das A und O des funktionierenden Gemeinwohls, kommen darin nicht vor. Dagegen "whatever further actions are necessary". Das, von diesen mehrheitlichen Vollversagern, die und in der nun schon anderthalb Jahre andauernden Krise dorthin gebracht haben, wo wir stehen, ist eine Drohung.



Nun macht diese kleine Veranstaltung hier bekanntlich Regionen zu ihren bevorzugten Hauptspielplätzen, in denen man über die Bewohner mit dem Alan Parsons Project sagen könnte, sie seien "rich and whose troubles are few". Doch auch hier werden gerade manche Ausflüchte verrammelt und Alternativen dicht gemacht, so in einem Antikmarkt oberhalb der Ortschaft Tegernsee, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, in unsicheren Zeiten sichere Anlagen zu bieten: Kunst, Möbel, Gemälde, Silber. Schon mit saftigem Eintrittspreis bewehrt, trifft sich dort die hier ansässige Altwarenhändlergilde und zeigt mit sehr hohen Preisen, dass sie um die Suche nach alternativen Anlageformen wissen: Wenig Angebot, schlechte Qualität, aber Forderungen, als wäre das hier der Nachverkauf bei Sothebys. Man kann sich nur mit Grauen vom dortigen Edelmetall abwenden und leise lächeln.



Leise lächeln, weil gestern noch ein kleiner Markt bei Freimann auf dem Weg lag, der nach nichts aussieht und dennoch immer wieder hübsche Dinge bereit hält. 150 Euro für eine Kombination aus Kuchenmesser und Tortenheber wollte eine Dame am Tegernsee haben, weniger gut erhalten und kleiner als das Ensemble, das stark angelaufen und unbenutzt in einer Münchner Kiste auf flinken Zugriff und verständnisvolle Reinigung wartete. Das Messer zumal ähnelt in seiner orientalisierenden Form den Hackmessern, mit denen schädelgespaltene Heilige aus heidnischen Gebieten dargestellt werden, die als vernunftgebabte Wesen unvorsichtigerweise statt Torten zu Brot gewordenes Menschenfleisch verteilten, was unter unzivilisierten Wilden und anderen Heiden in ihrer Verblendung naturgemäss nicht überall gut ankommt.



Aber auch in den tiefen Tälern Bayerns pflegt man das Schädelspalten von Heiligen nicht mehr als Attraktion bei grösseren Empfängen; es reicht die Torte, und die teilt das Messer ganz vorzüglich, ohne im Entferntesten den Eindruck zu machen, für fünf Euro aus einer Kiste nördlich von Schwabing gekramt worden zu sein. Ich habe, wie vielleicht bekannt ist, einen Haufen Tortenheber, aber das hier sind wahre Monster, die auch schnell eine ausgewachsene Hochzeitstorte erlegen und verteilen können.



Am Nachbarstand gab es englische Messer mit Beingriff. Ich schreibe bewusst nicht "Elfenbein", weil ich diess Erbe der kolonialen Vergangenheut der Briten nicht schön fände, - und weil Briten in der Sache wie viele andere oft genug über das Ohr gehauen wurde, denn hinter "Bein" verbirgt sich nur zu oft ordinärer Knochen. Es gibt Geschirr, zu dem beinfarbene Griffe perfekt passen; manches davon ist am See, und für zwei Euro kann man dergleichen eigentlich nicht liegen lassen - und ein Platzerl findet sich auch dafür noch. Anders sieht es hiermit aus:



Ihr kennt das sicher. Ihr fahrt, von Onkel Alberto aus Italien kommend, mit Freunden und Koffern voller kleiner Scheine in die Schweiz, um euch dort mit einem Opel-Lobbyisten zu treffen, und auf oben auf dem Nufenenpass überkommt euch der Hunger. Das ist kein Problem, hat euch doch Tante Annunciata diesen wunderbaren Kuchen mitgegeben. Ihr habt sogar Teller dabei, und Gabeln. Aber die Gabeln haben sich in der wilden Kurvenhatz im Kofferraum vertreut, und zu allem Überfluss hat eine davon mit ihren spitzen Zinken die Tüte aufgerissen, die ihr Vetter Antonio und seine Kunden in der Investmentabteilung mitbringen solltet - und jetzt ist alles voller weissem Pulver, und zu allem Überfluss kommt nach dem genervten Suchen auch noch die schweizer Zivilstreife um die Ecke, die ihr weiter unten mit 160 Sachen überholt habt - und das alles nur, weil ihr keine Ordnung bei euren Reisegabeln hattet. Vier Euro für sechs versilberte Gabeln in einem praktischen Etui hätten alles retten können. Nichts rutscht mehr, nichts geht mehr verloren, ihr müsst nicht daheim Gabeln aus dem Bestand mitnehmen, die beim Reisen zwischen den Verstecken Wohnungen verloren gehen, und unter das Polster für die Gabeln würden auch ein paar zehntausend Spielgeld passen.

Hört also auf Don Alphonso, der kennt sich mit sowas aus, und beschafft euch auch solche Kästchen mit Reisegabeln. Aber nicht am Tegernsee.

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Das !

Ich bin kein Freund des !, es ist zumeist ein Zeichen schlechter Schreiberlinge und drittklassiger Spamautoren, die jede ihrer dummen Überschriften mit einem ! noch vollends verblöden. Das ! ist das Lieblingszeichen derer, die nicht überzeugen können, die Powerpoint in einem Zeichen, es müsste ein Programm geben, das das ! nur alle 10.000 Zeichen einmal auf der Tastatur ansprechen lässt.

Trotzdem fuhr ich gerade nach Tegernsee, hielt dann aber an, machte ein Bild, und sehe mich nun veranlasst, es mit einem

!



(Grossbild hier)

zum allgemeinen Wohlbefinden zur Verfügung zu stellen. Meine besten Wünsche gehen dabei an die regnerischen Regionen im Norden des Landes, verbunden mit einem nochmaligen "Extra Bavariam nulla salus" an einen gewissen Herrn, dem es gefallen hat, mir eine ihn aus dem Exil im Norden heimholende Absicht zu unterstellen.

Er hatte nicht ganz unrecht Rufezeichen.

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Sonntag, 16. November 2008

Nicht gedacht

Ich hätte nicht gedacht, dass ich doch so schnell wieder am See bin. Heim, im Nebel aufwachen, im Nebel auf den Wochenmarkt, Anruf bekommen, wie es am See wohl sei, Webcam angeschaut, eingepackt, losgefahren.



Ich hätte nicht gedacht, dass unter all den Regierungsdeppen, die jetzt unbedingt eine Klitsche wie General Motors und ihre ebenfalls unrettbare Tochter Opel mit Geld zuscheissen wollen, ein einziger Vernünftiger ist, und der noch dazu Michael Glos heisst und von der CSU kommt. Vermutlich hat Glos ein wenig Ahnung vom Geschäft mit Automobilen und weiss, dass man Produkte mit siebenjährigen Entwicklungszyklen nicht einfach mal die zwei verkrüppelten Zyklen durchfüttern kann, die Opel noch vor sich hat. Schon gar nicht, wenn die Mama GM pleite macht und ihre Forderungen an die Adam Opel AG eintreibt, während sie selbst durch amerikanische Gesetze vor Gegenforderungen geschützt wird. Pleite gehen lassen, Investoren suchen, irgendwo anbinden. An besten an die Reste von Ford, die sicher nächste Woche die gleiche Winselplatte auflegen.



Ich hätte auch nie gedacht, dass ich irgendwann zu einer kleinen Gruppe von Leuten gehöre, die freie Märkte noch befürworten, während sich von Rot bis Kackbraun alle einen Vulgärmarxismus zur Rettung der Reichen vor dem Markt und der Arbeitnehmer vor notwendigen Veränderungen zulegen. Insolvenz gehört zum Firmenleben dazu, und es ist noch nicht mal das Ende, wenn es klug durchgeführt wird. Klug heisst: Die Firma muss lernen, besser zu werden. Was Opel lernen wird ist, dass es leichter ist, vom Staat für Worte Geld zu bekommen, als vom Kunden durch gute Produkte. Und in Washington werden sich die G20 durchgehend einigen, die Probleme in Geld zu ersaufen, für alle, die wollen. Kostet am Ende ja nur einen Währungsschnitt.



Ich hätte nie gedacht, dass ich mir überlege, doch irgendwann mal Gold zu kaufen. Nie. Glücklicherweise ist mein Vermögen grösstenteils in einem Ort mit schöner Aussicht investiert, ich kann also gar nicht meinen Prinzipien untreu werden. Allerdings gibt es in Müstair die sogenannten Goldvreneli. Vielleicht, wenn ich mal wieder dort bin.

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Samstag, 15. November 2008

Eiskalt

Es ist warm, der Kuchen steht auf dem Tisch, und jetzt sollte ich eigentlich zuschauen, wie es draussen langsam dunkel wird, bevor ich heimfahre. Draussen, wo es kalt ist.



Statt dessen eine gewisse Verärgerung über all die Leute, die meinen, eine durch niedrige Zinsen, hohe Verschuldung und Kauf von Dreck entstandene Krise liesse sich dadurch beheben, dass der Staat für noch niedrigere Zinsen, noch weniger Haushaltsdiszplin, mehr Defizite und noch viel mehr Dreck und sogar staatlich subventionierten Opels sorgt. Beispiele hier. Ich bin der festen Überzeugung, von Wirtschaft keine Ahnung zu haben, ich habe nachweislich keine Stunde meines Lebens in so einem Seminar gesessen, ich habe Kulturgeschichte gemacht und kann auch keine Bilanz schreiben. Ich glaube, dass Krugmann und andere Freunde der staatlichen Stimulanz mehr verstehen als ich. Aber was ich nicht, unter gar keinen Umständen glaube ist, dass man das massive Reflationieren sorglos betreiben kann, weil in der Rezession ohnehin nichts anderes möglich ist, und dass die Inflationsgefahr schon irgendwie zu bremsen sei. Die Mittel für die Stimulierung können nur durch Schulden kommen, und um nicht an der Schuldenlast zu krepieren, werden die betroffenen Länder gar nichts anderes tun können, als eine wie auch immer geartete Inflation zu generieren, die sich gewaschen hat. Vielleicht auch eine Währungsschnitt.

Und v0n allen staatlichen Massnahmen ist diese Form der Enteignung die Letzte, die Vertrauen schafft.

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Real Life 14.11.08 - Der Schlüssel zur gehobenen Gesellschaft

Gleich hinter der Kurve hoch zur Sassa Bar, wo im Sommer die Frau des Fussballers mit dem Schönheitschirurgen trinkt und auf den See blickt, beginnt der Winter. Das Wasser des Sees ist noch warm genug, um das Ufer frei von Schnee und Matsch zu halten. Aber mit jeder Serpentine ergreift das Eis Besitz von den Gärten, Hecken und abgesicherten Privatstrassen, die Rabatten verschwinden im hellen Grau der Wolken, und wer nicht weiss, wo er hin will, verliert schnell die Orientierung zwischen Mauern, Nebeldunst und einer Strasse, die ins Nirgendwo zu führen scheint. Jetzt stehen viele Häuser leer und kalt, erst zu Weihnachten ist hier wieder Saison, und so steigt heute kaum Rauch von den Kaminen auf, die Dächer haben einen Hut aus Schnee, und keine Menschenseele - oder Seelchen - ist zu sehen. Wie ausgestorben. 6000 Euro aufwärts kostet der Quadratmeter in diesem frühwinterlichen Nichts.

Du ignorierst das Schild, das dir das Befahren dieser Privatstrasse verbietet. Du ignorierst es, weil es illegal ist; im Sommer wurde das Schild behördlich entfernt, weil das hier eine öffentliche Strasse ist, aber ein Bewohner hat es wieder angebracht. Hier ist sowieso kaum einer, der nicht hier wohnt, es gibt nur Hecken, Mauern und keinen Ort, von wo aus man den See sehen könnte. Natürlich verspricht diese Seitenstrasse ein grandioses Panorama, aber die Anwohner tun alles, um es zu verbauen. Du stellst den Wagen ab, klingelst an einer Pforte, und eilst im Schneetreiben den steilen Weg hinauf.

Frau S. empfängt dich im Salon mit der Panoramascheibe, von der aus man einen prächtigen Blick über Rottach und Bad Wiessee hätte, wäre da draussen nicht gerade eine dichte, tiefe Wolke, ein helles, weisses Rauschen ohne Anfang und Ende. Sie dankt dir für den Schlüssel und entschuldigt sich wortreich, dass sie so schlecht organisiert hat; normalerweise hätte sie für die Gäste des kommenden Abends Hotelzimmer gebucht, aber die sagten im letzten Moment zu, und da unten treffen sich Kardiologen, ein paar Spitzenmusiker, wohl auch die Pharmabranche, kleinere Hotels hätten jetzt gerade zu, und in Bad Wiessee kenne sie die Hotels nicht so gut. Die Gäste würden ohnehin nur die erste Nacht bleiben und müssten dann zurück, und du hättest doch diese geschiedene Bekannte, vielleicht hättest du Lust, am Samstag zu kommen und dem zweiten Abend beizuwohnen, deine Bekannte würde sich blendend amüsieren, es wären auch einige Männer da, die sehr klug und krisensicher wären.

Iris würde sich vermutlich grossartig amüsieren, keine Frage, sie würde fast auf den Tischen tanzen und schrecklich mit dem Familienvermögen angeben, wenn sie auf der Hinfahrt nicht den desolaten Sportwagen endgültig in den Baum setzte, um damit ein weiteres trauriges Kapitel der modeneser Automobilkunst zu einem guten Ende zu bringen. Für Iris sind solche Feste mit mittelgrossem Rahmen ein Fest, das ist ihre Bühne, dafür wurde sie buchstäblich gezeugt, erzogen und abgerichtet. Iris kann das alles, von der Kunst bis zum Einschenken einer Sektpyramide, und weil das Elend bekanntlich Gesellschaft liebt, würden in der Woche darauf einige Herren anrufen und um Treffen nachfragen, deren Nachbereitung und seelische Reinigung - der ist ein Depp und der andere ein Cretin und der Dritte soll besser in ein Bordell gehen - dir überlassen bliebe. Inclusive der Verwerfungen im Haushalt S., die das zur Folge hätte. Iris soziale Intelligenz hat manchmal Aussetzer, und die wiederum kämen bei Frau S. und schlussendlich bei dir an. Manche lieben Iris dafür. Andere dagegen. Nun. Ausserdem ist Iris gerade in Urlaub. Lügst du.



Über verschneite Strassen und Wiesen geht es zurück, die Betten frisch zu überziehen, die Wohnung blitzblank zu hinterlassen und auch ansonsten keinen Anlass zu Gerede zu geben. Natürlich, musst du konzidieren, wäre es auch ein prachtvoller Spass, die hohen Ansprüche von Iris auf die niedrigen Ansprüche der Ehesuchenden loszulassen, zumal Iris ganz sicher das Kleid tragen würde, das sie beim Geschäft der S. in München gekauft hat - rot wie eine Christbaumkugel und geschlitzt wie die Kinderlein von Bethlehem - aber ausserdem müsstest du auch ihren Eltern erklären, warum und ach und überhaupt. Dein Leben ist natürlich durch diesen Verzicht in den kommenden Tagen langweilig.

Die Sorte Langeweile, die das stressfreie Überleben als gesellschaftlich respekierte Person so mit sich bringt.

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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Donnerstag, 13. November 2008

Die Kunst der Deflation

Es gibt so eine bestimmte Art der Kunst, die ich als "Bankerkunst" bezeichnen würde. Benkerkunst, das ist der Dreck, den sich zuerst überbezahlter Abschaum der Werbebranche ins Büro gestellt hat, von dem dann die niveualosen Parasiten der diversen Finanzkriminellen dachten, dass es auch was für ihr eigenes Image wäre. Das ist nicht wirklich neu in der Kunstgeschichte; schon in der frühen Neuzeit machten Propagandisten wie Pietro Aretino Stimmung für Maler, die sich dann an Ausbeuter, Mörder und Staatsterroristen verkauften. Man ist nicht wirklich gut beraten, sich an diese Art der Kunst zu halten; auf einen Tizian kommen viele Modemaler, und mit etwas Pech endet man beim modernen Pendant zum Lügner, Aufschneider und Selbstpromoter Benvenuto Cellini; die Namen Damien Hirst, Francis Bacon, Neo Rauch und, für die Damen der White Collar Kriminalität, Sarah Lucas könnten einem da einfallen, um diese lange Linie fortzuziehen. Es gibt eine Kunst, die ohne extreme Geldmittel nicht gedeiht, und was dem Renaissancekünstler Karl der V. und Ungewaschene war, ist heute der russische Oligarch, des Hedge Fonds Managers Gattin oder der Investmentbanker - gewesen.



Vorbei die Zeiten, da man nur ein Körbchen voller kunsthandwerlicher Vergänglichkeit in den grossen Auktionshallen hochheben mussten, und schon strömten die Herren des Geldes vorbei. Das zumindest beobachtete die Times bei der jüngsten Versteigerung von Bacon in New York. Solcherlei passiert gerade vielen Häusern, die zudem so dumm waren, Einlieferern wie zu besten Zeiten hohe Garantiepreise bieten zu müssen; Häuser, die quasi eine Option auf das Bild erworben haben, die nun bei ausbleibenden Käufern für frühere Rekordwerke fällig werden. Es ist müssig zu streiten, ob sich die Wall Street das Hochtreiben der Preise bei den Auktionen abgeschaut hat, oder umgekehrt - zusammen hatten sie tolle Jahre, und nun sind sie in einem deflationären Zirkel gefangen.

Der Kunstmarkt hat eine Art Subprimeproblem. Über Jahre wurden Leipziger Schüler im Dutzend gemacht und gefeiert; wer da nicht die Galerien mit seinem Zeug schnellstens flutete und es den Bankfreunden in Sachen Bentley gleich tat, war dumm. Es gibt sagenhaft viel Leipziger Schule und New British Artists, gigantische Mengen wurden schon gekauft und viel wird noch gemacht werden, der Boom wollte bedient werden und trifft nun auf eine Käuferschaft, die sich mangels Liquidität und mitunter auch geregelter Beschäftigung den Ulf Puder abschminken muss, wie der Sixpacksäufer im kalifornischen Central Valley sein Wohneigentum mit Pool und SUV. Nicht nur, dass die Käufer streiken; sie verkaufen auch wieder: Demnächst gibt es 20 geschätzte Kunstmillionen von Lehman Brothers und weitere 8 Millionen vom Ex-Chef Fuld. Grosse Angebote, kleine Nachfrage. Man hört sowas in der Art übrigens auch von den besseren Münchner Häusern; jetzt kommen die Weihnachtsauktionen, und sollte ich da in der Lage sein, irgendetwas zu erwerben, nun, dann sieht es wirklich schlecht aus.

Aber immer noch besser als in England. Bei den Briten geht es gerade wirklich übel zu. Die Leser hier wissen vielleicht, dass ich einem alten Automobil nicht abgeneigt wäre. Da gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder der Kauf über Angebote wie bei Carandclassic, oder Versteigerung bei Ebay. Manche stellen ihren Rolls, den Sunbeam oder die Spitfire bei beiden Plattformen ein, setzen bei Ebay einen Mindestpreis und behalten sich das Recht vor, den Wagen bei anderem Verkauf zurück zu ziehen. Das Ergebnis ist erstaunlich. Autos, die in den einschlägigen deutsche Magazinen für 10.000 Euro gehandelt werden, gehen bei Ebay in England auf mickrige 3000 Pfund hoch, oder auch nicht.

Von ein paar ganz wenigen, herausragenden Typen wie dem Austin Healey 3000, dem Bentley Continental, Ferraris oder frühen MGs der T-Reihe augesehen, sind die Preise äusserst niedrig. Aber schon bei älteren Porsche 911 wendet sich das Blatt. Weil es einfach keine Käufer gibt. Und das Angebot aufgrund der Kreditkrise zu gross ist; die Begründung, den Unterstellplatz verloren zu haben, bedeutet auf Deutsch: Da muss sich jemand schleunigst verkleinern. Im letzten Winter habe ich in Deutschland keinen fahrbereiten MGB unter 4000 Euro gesehen. Der überflüssige Luxus einen Spassautos für den Sommer ist auf der Insel de facto für weniger als die Hälfte zu haben, dann aber mit einer langen Liste von Ersatzteilen und Reparaturen. Oder wie wäre es mit einem Bentley für 2700 Pfund? Das hat letzte Woche ein Besitzer für einen 74er bei Ebay bekommen, der mit knapp 9000 bei Carandclassic vergeblich offeriert wurde.

Schlimm? Sicher. Es kommt nur auf die Perspektive an, und was man daraus macht. Es war, man kann sich das nicht vorstellen, schon mal schlimmer. Noch schlimmer, wie die Familiengeschichte aus Gewinnersicht zu berichten weiss. 1945 besass ein naher Verwandter meiner väterlichen Familie einen Bauernhof nahe der Stadt, und war klug genug gewesen, für die Zeit nach dem Krieg das Vieh zu verstecken, und verfügte obendrein einen ansonsten eher wertlosen Auwald. Fleisch, Milch, Eier und Brennholz klingt heute banal, aber damals wurden in der Provinzstadt Tauben gejagt und der Stadtpark Nachts gerodet. Dem Bauern brachten die Städter in diesem Annus Horribilis für Brennmaterial und Essen, was ihnen so geblieben war - zum Beispiel verstecktes Silber. Oder für die Kriegsproduktion unbrauchbare Perserteppiche. Viele Perserteppiche. Die waren jetzt verzichtbar, im Sommer 1945, relativ zum Essen. Als dann der strenge 45/46er Winter kam, und es an Isoliermaterial für die neu gebauten Schweineställe fehlte, griff der Bauer zu Hammer, Nagel und Perserteppich und - nun.

DAS ist Deflation. So schlimm wird es hoffentlich nicht kommen, und bei Bildern und Bentleys ist es wirklich so, wie man es über das Geld fälschlicherweise sagt: Sie verschwinden nicht. Es hat sie nur ein anderer.

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10 Zentimeter Neuschnee.

Draussen. Jetzt. Alles weiss.



Wolken weiss, Berge weiss, Auto weiss. Zum Glück habe ich Winterreifen drauf.



Und eine volle Speisekammer.

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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Donnerstag, 13. November 2008

Wetterumschwünge

So schnell kann es gehen. Gestern noch offen und im Hemd, heute Graupel und knapp über Null Grad.



Es ist das Wetter; zum Glück nur das Wetter. Kälter, viel kälter ist es dagegen in Essen; ich habe keine hohe Meinung vom Journalismus im Allgemeinen, aber sowas wie das, was die WAZ und hier besonders ein gewisser Herr Reitz mit Rückendeckung der Eigentümer abzieht, sowas haben die Kollegen nicht verdient. Durch Einsparungen und dem Fortführen gescheiterter Konzepte bekommt man Schleimer, Arschkriecher und Gefälligkeitsstricher, aber keine Zeitung, die man gerne lesen würde. Man wird sich bundesweit an solche Halsabschneiderspektakel gewöhnen müssen; man lese besonders die Kommentare, dann weiss man, wo die Pressfreiheit 2008 steht.



Und in den UdSSA wird aus 700 Milliarden für toxische Immobilenkreditrisiken eine Hälfte Zuschüsse für Banken und eine andere Hälfte Zuschüsse für Auto- und Kreditkartenindustrie. Die Legislative, die etwas anderes beschlossen hat und diese Form der Notstandsdekrete schluckt, ist keinen Schuss Pulver mehr wert. Glücklich, wer in so einer Welt im trockenen sitzt, ohne Schulden im eigenen Objekt und das eigene freie Journal im Internet besitzt.

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Mörder der Märkte oder Ich mag Rezession

Der Erfolg des Kapitalismus ist seine simple Existenzgrundlage, genauer: Der Markt. Entweder eine Firma hat einen Markt, um Geld zu verdienen. Dann ist es gut. Oder sie hat keinen Markt. Dann muss sie dem Markt etwas Besseres bieten, sich einen anderen Markt suchen, oder die Märkte verlassen. Auch das ist gut, denn es garantiert Fortschritt, Anstrengungen und das Gedeihen der besten Lösungen. Ob das überall funktioniert und umfassend gerecht ist, darf diskutiert und per Eingriff notfalls reguliert werden, aber insgesamt ist Marktwirtschaft eine so gute Sache, dass man sich global darauf verständigen konnte. Bis vor kurzem.

Aber aktuell haben es die Marktteilnehmer übertrieben und Märkte erfunden, auf denen erfundene Assets zu erfundenen Preisen gehandelt wurden, mit denen Wirtschaften ohne realen Gegenbwert expandierten und Übertreibungen in Gang gesetzt wurden, deren logische Kösung eine Rezession sein muss. Rezession ist kein Übel und kein Verbrechen, sondern die Antwort des Marktes auf den Versuch seiner Aushebelung. Rezession muss sein, Rezession ist gut - denn wer die Rezession durch ein weiteres Aufblasen des Systems aufhalten will, wird früher oder später in der Depression, im Staatsbankrott oder Wirtschaftszusammenbruch enden. Wenn ein Haus auf der einen Seite durch eine Gasexplosion eingestürzt ist, macht es wenig Sinn, in der anderen Hälfte gleich nochmal die nächste Flasche ins Feuer zu stellen.



Nun haben wir in den USA einen neuen Präsidenten und Demokraten, die wie schon das alte Arschloch von Präsidenten keinen Sinn darin sehen, zu sparen und die Wirtschaft zu reorganisieren. Statt dessen werden Steuern praktisch gestrichen, Staatsgelder weiter an Banken verteilt, und ein neuer Bailout für den Versicherungskonzern AIG ist auch kein Problem - der Staat zahlt. Demnächst bekommen die amerikanischen Autohersteller massenhaft Geld von den Demokraten. Vor Weihnachten wird sich auch Boeing melden. Der Markt ist schlichtweg unlukrativ im Vergleich zu dem, was man gerade mit ein wenig Winseln vom Staat bekommt. Mit diesem Geld kann man genau so weiter machen. Schlechte Autos, zu viele Flugzeuge, teure Parties für AIG. Das ist gut für die Rentner, die ihre Vorsorge in Aktien haben, für die Arbeiter, die nicht gefeuert werden, für die Manager, die weiter Maseratis kaufen, für den Import und überhaupt alle; zumindest erst mal besser als eine schwere Rezession. Prima für das ganze Land - ausser dem amerikanischen Defizit und den Markt.

Das Problem ist, dass dieses Land, das die Demokraten und ihr Präsident auf dem Stand von 2006 mit einem auf andere abgewälzten Dauerkrieg im Mittleren Osten einfrieren wollen, schon 2006 ein Anachronismus war. Dieses Amerika der niedrigen Zinsen, eines vollkommen unproduktiven Finanz- und Juristenmolochs, einer katastrophalen Umweltbilanz und eines künstlich erzeugten Hypes verdankte seine Existenz einem Staatsdefizit, das erst jetzt allgemein erkennbar wird, weil es in den Büchern des Staates landet. Die 2006er Marktwirtschaft war schon damals nichts mehr, was dem realen Markt entsprach. Sie wird auch nicht besser, wenn man mit Staatshilfe Kreditlinien für Leute verlängert, die sich noch immer die Häuser nicht leisten können, in denen sie wohnen. Oder mit immer neuen Bailouts Firmen am Leben hält, die als Insolvenzfall vermutlich billiger wären.

Die Hoffnung, die dem marktfeindlichen Irrsinn zugrunde liegt, ist ein schneller Neustart "der Wirtschaft", der mehr als nur unwahrscheinlich ist. Allein schon, weil die Wirtschaft, um die es geht, schon vor Jahren eigentlich nicht mehr marktwirtschaftlich funktional war, und nur durch das Fetter, Breiter und Dümmer des American Way of Bushismus von Konsumenten und ihren Schulden am Leben gehalten wurde. Die Alternative - die Schwächen zu suchen, einzugestehen und auch unter Schmerzen zu beheben - ist angesichts der Fehlentwicklung seit dem Ende des Kalten Kriegs alles andere als spassig, oder gar erfolgsversprechend.

Trotzdem wäre es eine feine Sache, wenn sich die Idioten der Demokraten jetzt nicht auf die Spur der republikanischen Psychopathen setzen würden, sondern überlegen, was ihnen lieber ist: Eine Rückkehr zu echten, dann aber kleineren Märkten durch das Tal einer bitterbösen Rezession, oder ein weiteres Befeuern der marktfeindlichen Mechanismen der Verschwendung und des Protektionismus, an deren Ende jenseits von Tauschhandel und Schwarzmarkt jede andere Marktfunktion schon eine optimistische Annahme wäre.

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