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Dienstag, 7. Juli 2009
Wochenendpläne
Schweiz? Vorbesichtigung? Oder doch wieder Regen, Gewitter und Arbeit?

Ich merke gerade, dass ich eher aggressiv bin. Ich fresse das ein oder andere in mich hinein, ich bin mitunter von Dummheit und Unhöflichkeit umgeben und würde gerne mal ausbrechen. Einfach mal loswerden, was ich denke. Natürlich würde das in diesem Umfeld niemand goutieren. Schade. Dabei würde es ihnen gut tun. Naja.
Es müssen nicht immer unbelehrbare Investoren sein. Es gibt noch mehr im Leben. Blogge ich halt. Und vergesse angesichts von 1930, der schlechten Zeit und den Schritten, die meinen Clan damals gerettet haben, nie um die landschaftliche Schönheit der Schweiz.

Ich merke gerade, dass ich eher aggressiv bin. Ich fresse das ein oder andere in mich hinein, ich bin mitunter von Dummheit und Unhöflichkeit umgeben und würde gerne mal ausbrechen. Einfach mal loswerden, was ich denke. Natürlich würde das in diesem Umfeld niemand goutieren. Schade. Dabei würde es ihnen gut tun. Naja.
Es müssen nicht immer unbelehrbare Investoren sein. Es gibt noch mehr im Leben. Blogge ich halt. Und vergesse angesichts von 1930, der schlechten Zeit und den Schritten, die meinen Clan damals gerettet haben, nie um die landschaftliche Schönheit der Schweiz.
donalphons, 00:03h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 5. Juli 2009
Arzberg 2025 oder Meike Kowalskis bayerische Tante
Erinnert sich jemand an Erna Kowalski und ihre Tochter Meike aus Berlin? Nein? Nun, 2005 hat Erna die Grossmutter reichlich rüde ins Altersheim abgeschoben. Kein allzu gutes Altersheim. Die Oma ist inzwischen in der Geriatrie und schon lang vergessen, denn Erna und Meike haben andere Sorgen: Erwartungsgemäss wurde nichts aus dem gut dotierten Job bei einer Werbeagentur, eine Weile schlug sich Meike dann mit Projekten durch, und noch vor Ausbruch der Krise liess sie sich schwängern. Über den Vater gibt es Vermutungen vaginal-vager Natur, aber der Typ, mit dem sie nun zusammen ist, wird wohl eine Weile bei ihr bleiben. Wenn er nicht gerade seine zwei anderen Kinder aus anderen Beziehungen besucht. Ausserdem kommt Mutter Erna oft in Neukölln vorbei, und nachdem man Omas Wohnung in Charlottenburg gerade noch rechtzeitig verkauft hat, kommt Meike die nächsten 10 Jahre durch, wenn sie dem 1-Euro-Laden die Strasse runter die Treue hält. Das sind die wahren Stützen der deutschen Gesellschaft, robuste Kämpfer für den Nachwuchs und die Arterhaltung, kein Wunder, dass sie sich nicht mit diesem dünnen, fragilen Porzellan belasten wollten, als sie Wohnung räumten und ich das Arzbert 1382 für lumpige 20 Euro von jenem Trödler erstand, der es von ihnen bekam.
Zur Beerdigung ihrer angeheirateten Urgrosstante in einer kleinen, dummen bayerischen Stadt ist Meike übrigens auch nicht gefahren. Sie hat auch nichts geerbt, und als ihre Tante anrief, dass sie nun auch am Wohnungsräumen sei, und ob sie vielleicht eine Erinnerung haben wollte, lehnte sie nur genervt ab. Kein Platz in der Hinterhofwohnung im 4. Stock, dem Kind gehe es prima, ja, man komme mal vorbei, das mit der Beerdigung tue ihr leid, aber der Kleine sei krank gewesen, nein, wirklich nicht. Und Meike Kowalskis bayerische Tante nahm eine Tüte, räumte das Porzellan hinein und ging auf den Flohmarkt, wo auch ich war und mich in Gelassenheit übte.

Denn mit einem Sunbeam Supreme Mk III hat man entweder Gelassenheit, oder man krepiert. To cut a long story: Es gibt einen Termin, da der Wagen geschweisste Türen, einen sauberen Lack untenrum und der Besitzer ein unerwartet hohes, aber noch erträgliches Loch im Budget hat, noch ein paar hundert Euro entfernt von dem schlimmsten Szenario, das so schlimm nicht ist. Zudem gibt es aber weitere Unsicherheiten. Da ist beispielsweise das Handschuhfach, das wir als Teetassenablage zu nutzen gedenken. Innen ist es nicht grün, sondern rosa ausgekleidet. In Frankfurt hatte ich Leihgeschirr mit rosa Blüten. Daheim habe ich mindestens ein Dutzend Teeservice. Aber keines in Rosa. Bis ich Meike Kowaslkis bayerische Tante traf.

Die hatte nämlich Ess- und Teeservice von Arzberg dabei. Wenn das Berliner Arzberg-Geschirr, geschaffen von Hermann Gretsch, eine Inkunabel des Vorkriegsdesign ist, ist das, was Tantchen da aufgestapelt hatte, der Inbegriff des Nachkriegsdesigns: Form 2025 aus der Hand von Gretschs Nachfolger Heinrich Löffelhardt, der Sätze prägte wie: "Um Serien produzieren zu können, muss zunächst eine Form da sein, die so gut ist, dass sie es wert ist, vervielfacht zu werden." Ein Satz, den man in feinsten Marmor meisseln und dargestalt den Betreibern von 1-Euro-Läden und für Sozialabbau verantwortlichen Politikern um die Ohren hauen sollte, sowei den Kunden, die wirklich glauben, dass nur das Billige auch gut ist. Damals lohnte sich diese Haltung noch:

Immerhin war da ein leichtes Bedauern bei der Verkäuferin, die mir die Geschichte ohne den peinlichen Berliner Teil erzählte und es auch nicht über das Herz gebracht hätte, wenn sie das Goldrandporzellan in der Spülmaschine ruinierte. Sie sagte, ich sollte es in Ehren halten, auch wenn es billig sei, und tatsächlich, der Preis für alle 34 Teile lag nochmal unter dem, was in Berlin verlangt wurde. Natürlich habe ich nicht mehr verhandelt, natürlich werde ich es in Ehren halten. Ich habe auch schon einen Platz dafür: Im Picnickoffer des Sunbeams. Womit ich mein grünes Enoch Wood am Tegernsee lassen kann, aber das ist eine andere Geschichte.

Die Kanne war übrigens nicht mehr dabei, leider. Auch war ein Teller angestossen. Im Vergleich zum Berliner Exemplar wurde es also tatsächlich auch benützt. Und die Teekanne, die eigentlich für den Autoeinsatz gedacht war, passt auch nicht dazu. Man bräuchte nun so eine runde, schlichte Art-Deco-Kanne, ohne Zierat, mit einem geschwungenen Griff und einem abgesetzten Fuss, damit sie unten nicht so heiss wird.
So eine Kanne, wie ich sie zufällig letzte Woche in England bestellt habe. Nein, billig ist es alles nicht, und dafür, dass ich nach der Überführung gerade mal 50 Kilometer gefahren bin, 25 aus eigener Kraft und 25 auf dem Abschleppwagen gefahren bin, war es ein teures Vergnügen. Ich ziehe jetzt also den Neupreis des Arzberg 2025 von den Gesamtkosten ab. Schon lacht mir wieder die Sonne, und ich sehe es so rosa wie den Rand der Teller. Das Leben ist schön, und in vier Wochen, wenn der Schweisser aus dem Urlaub zurück ist und alles gemacht hat, wird es noch schöner. Für mich. Ich heisse ja auch nicht Meike Kowalski.
Zur Beerdigung ihrer angeheirateten Urgrosstante in einer kleinen, dummen bayerischen Stadt ist Meike übrigens auch nicht gefahren. Sie hat auch nichts geerbt, und als ihre Tante anrief, dass sie nun auch am Wohnungsräumen sei, und ob sie vielleicht eine Erinnerung haben wollte, lehnte sie nur genervt ab. Kein Platz in der Hinterhofwohnung im 4. Stock, dem Kind gehe es prima, ja, man komme mal vorbei, das mit der Beerdigung tue ihr leid, aber der Kleine sei krank gewesen, nein, wirklich nicht. Und Meike Kowalskis bayerische Tante nahm eine Tüte, räumte das Porzellan hinein und ging auf den Flohmarkt, wo auch ich war und mich in Gelassenheit übte.

Denn mit einem Sunbeam Supreme Mk III hat man entweder Gelassenheit, oder man krepiert. To cut a long story: Es gibt einen Termin, da der Wagen geschweisste Türen, einen sauberen Lack untenrum und der Besitzer ein unerwartet hohes, aber noch erträgliches Loch im Budget hat, noch ein paar hundert Euro entfernt von dem schlimmsten Szenario, das so schlimm nicht ist. Zudem gibt es aber weitere Unsicherheiten. Da ist beispielsweise das Handschuhfach, das wir als Teetassenablage zu nutzen gedenken. Innen ist es nicht grün, sondern rosa ausgekleidet. In Frankfurt hatte ich Leihgeschirr mit rosa Blüten. Daheim habe ich mindestens ein Dutzend Teeservice. Aber keines in Rosa. Bis ich Meike Kowaslkis bayerische Tante traf.

Die hatte nämlich Ess- und Teeservice von Arzberg dabei. Wenn das Berliner Arzberg-Geschirr, geschaffen von Hermann Gretsch, eine Inkunabel des Vorkriegsdesign ist, ist das, was Tantchen da aufgestapelt hatte, der Inbegriff des Nachkriegsdesigns: Form 2025 aus der Hand von Gretschs Nachfolger Heinrich Löffelhardt, der Sätze prägte wie: "Um Serien produzieren zu können, muss zunächst eine Form da sein, die so gut ist, dass sie es wert ist, vervielfacht zu werden." Ein Satz, den man in feinsten Marmor meisseln und dargestalt den Betreibern von 1-Euro-Läden und für Sozialabbau verantwortlichen Politikern um die Ohren hauen sollte, sowei den Kunden, die wirklich glauben, dass nur das Billige auch gut ist. Damals lohnte sich diese Haltung noch:

Immerhin war da ein leichtes Bedauern bei der Verkäuferin, die mir die Geschichte ohne den peinlichen Berliner Teil erzählte und es auch nicht über das Herz gebracht hätte, wenn sie das Goldrandporzellan in der Spülmaschine ruinierte. Sie sagte, ich sollte es in Ehren halten, auch wenn es billig sei, und tatsächlich, der Preis für alle 34 Teile lag nochmal unter dem, was in Berlin verlangt wurde. Natürlich habe ich nicht mehr verhandelt, natürlich werde ich es in Ehren halten. Ich habe auch schon einen Platz dafür: Im Picnickoffer des Sunbeams. Womit ich mein grünes Enoch Wood am Tegernsee lassen kann, aber das ist eine andere Geschichte.

Die Kanne war übrigens nicht mehr dabei, leider. Auch war ein Teller angestossen. Im Vergleich zum Berliner Exemplar wurde es also tatsächlich auch benützt. Und die Teekanne, die eigentlich für den Autoeinsatz gedacht war, passt auch nicht dazu. Man bräuchte nun so eine runde, schlichte Art-Deco-Kanne, ohne Zierat, mit einem geschwungenen Griff und einem abgesetzten Fuss, damit sie unten nicht so heiss wird.
So eine Kanne, wie ich sie zufällig letzte Woche in England bestellt habe. Nein, billig ist es alles nicht, und dafür, dass ich nach der Überführung gerade mal 50 Kilometer gefahren bin, 25 aus eigener Kraft und 25 auf dem Abschleppwagen gefahren bin, war es ein teures Vergnügen. Ich ziehe jetzt also den Neupreis des Arzberg 2025 von den Gesamtkosten ab. Schon lacht mir wieder die Sonne, und ich sehe es so rosa wie den Rand der Teller. Das Leben ist schön, und in vier Wochen, wenn der Schweisser aus dem Urlaub zurück ist und alles gemacht hat, wird es noch schöner. Für mich. Ich heisse ja auch nicht Meike Kowalski.
donalphons, 23:42h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Samstag, 4. Juli 2009
Ausgehend von der Blockflöte -
nicht zu verwechseln mit der Blogflöte, die mal diesem und mal jenem möglichen Blogwerbekunden eine Spezialvorführung in Mastdarmakrobatik gibt - ausgehend von der Blockflöte also beschreibe ich in der FAZ das Elend grossbürgerlicher Musikalienvermittlungsversuche und deren Scheitern.
donalphons, 18:53h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Samstag, 4. Juli 2009
Real Life 3.7.09 - Preisverfall
Und du willst wirklich nicht mitkommen? insistiert Iris.
Ich kann nicht. Ich habe mich an den See verpflichtet. Und sollte ich nicht am See sein, bin ich am Königssee. Oder am Attersee. Vielleicht auch in Ischgl. je nachdem, wo meine Mutter feiern will.
Pah, deine Mutter - deine Mutter sagt doch immer, dass es an ihrem Geburtstag immer regnet. Ihr werdet in einem geschmacklosen Cafe sitzen, die Wolken werden nidrig vorbeitreiben bei 4 Grad, und überall sonst ist es sonnig. Wir werden allen Spass der Welt haben.
Während sie so spricht, denkst du an letztes Jahr. Da hat es Iris absolut nicht gefallen, sie schwor sich, nie nie wieder. aber dieses Jahr bekommt sie wieder Karten unter der Hand, diesmal wird es schön, das Programm ist besser und sie wird sich danach auch nicht betrinken und drei Tage krank sein, in einer Mischung aus Kater und Ist mir doch egal wie das Wetter ist ich zeige was ich habe. Du bist fair genug, die Verwicklungen nicht anzusprechen, und dann macht ihr euch auf den Weg, eine Kamera zu kaufen, die nicht kompliziert ist, gute Bilder macht und nicht allzu billig aussieht. Zu diesem Zweck geht ihr in ein Kaufhaus - gewisse Ketten sind tabu, wer kauft schon bei Familien, die Chromkapitelle an den Säulen vor ihren rosa Palladioekzemen haben - und werdet überrascht. Willkommen in der Deflation, sagst du.

Die will ich, sagt Iris. Schick, günstig.
Gerade du, wagst du zu bemerken, könntest Dir auch eine Kamera leisten, die nicht die Billigste, sondern die Beste ist.
Gerade ich, mault Iris, habe in den letzten Wochen wieder ein paar tausend Euro verloren, wenn es reicht, wegen deiner Börsenschwarzmalerei in der FAZ und den Kursstürzen. Und noch ein paar tausend für den Motor. Und ausserdem kam gerade die Abrechnung meiner Kreditkarte mit Jesolo. Aber du hast recht, ich sollte sie nicht kaufen. Du wirst sie mir statt dessen schenken. Oder soll ich nicht doch die andere nehmen?
Du bist garstig, meine Liebe.
Und wegen Dir werde ich allein unter lauter schrecklichen Leuten sein, mit dem falschen Mann etwas anfangen, mich am nächsten Morgen betrinken und krank sein.
Du kannst mir dann Bilder von deinem jammervollen Zustand an den See schicken.
Sie hat die Kamera dann doch genommen. Und selbst bezahlt.
Ich kann nicht. Ich habe mich an den See verpflichtet. Und sollte ich nicht am See sein, bin ich am Königssee. Oder am Attersee. Vielleicht auch in Ischgl. je nachdem, wo meine Mutter feiern will.
Pah, deine Mutter - deine Mutter sagt doch immer, dass es an ihrem Geburtstag immer regnet. Ihr werdet in einem geschmacklosen Cafe sitzen, die Wolken werden nidrig vorbeitreiben bei 4 Grad, und überall sonst ist es sonnig. Wir werden allen Spass der Welt haben.
Während sie so spricht, denkst du an letztes Jahr. Da hat es Iris absolut nicht gefallen, sie schwor sich, nie nie wieder. aber dieses Jahr bekommt sie wieder Karten unter der Hand, diesmal wird es schön, das Programm ist besser und sie wird sich danach auch nicht betrinken und drei Tage krank sein, in einer Mischung aus Kater und Ist mir doch egal wie das Wetter ist ich zeige was ich habe. Du bist fair genug, die Verwicklungen nicht anzusprechen, und dann macht ihr euch auf den Weg, eine Kamera zu kaufen, die nicht kompliziert ist, gute Bilder macht und nicht allzu billig aussieht. Zu diesem Zweck geht ihr in ein Kaufhaus - gewisse Ketten sind tabu, wer kauft schon bei Familien, die Chromkapitelle an den Säulen vor ihren rosa Palladioekzemen haben - und werdet überrascht. Willkommen in der Deflation, sagst du.

Die will ich, sagt Iris. Schick, günstig.
Gerade du, wagst du zu bemerken, könntest Dir auch eine Kamera leisten, die nicht die Billigste, sondern die Beste ist.
Gerade ich, mault Iris, habe in den letzten Wochen wieder ein paar tausend Euro verloren, wenn es reicht, wegen deiner Börsenschwarzmalerei in der FAZ und den Kursstürzen. Und noch ein paar tausend für den Motor. Und ausserdem kam gerade die Abrechnung meiner Kreditkarte mit Jesolo. Aber du hast recht, ich sollte sie nicht kaufen. Du wirst sie mir statt dessen schenken. Oder soll ich nicht doch die andere nehmen?
Du bist garstig, meine Liebe.
Und wegen Dir werde ich allein unter lauter schrecklichen Leuten sein, mit dem falschen Mann etwas anfangen, mich am nächsten Morgen betrinken und krank sein.
Du kannst mir dann Bilder von deinem jammervollen Zustand an den See schicken.
Sie hat die Kamera dann doch genommen. Und selbst bezahlt.
donalphons, 01:52h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 3. Juli 2009
Aus Urgrossvaters Fotokiste
Heute der Beitrag: Entweder man ist besser, oder man hat Freunde.

(Das Photo war lange verschwunden, und ist gestern bei der Suche nach etwas ganz anderem zufällig wieder aufgetaucht)

(Das Photo war lange verschwunden, und ist gestern bei der Suche nach etwas ganz anderem zufällig wieder aufgetaucht)
donalphons, 01:30h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Donnerstag, 2. Juli 2009
Untergang und Fälschung
Zwei Dinge sind heute passiert, die tief blicken lassen. Das eine ist ein Hoax, den Spiegel Online sehr erfolgreich in die Welt gesetzt hat. Die Erfindung, reiche Deutsche würden ihr in Österreich gebunkertes Geld in Silbermünzen mit dem Nennwert von 1,5 Euro umsetzen und damit nach aktuellem Silberkurs bis zu 110.000 Euro legal ausser Landes bringen.
Das ist kompletter Unsinn. Zuerst mal fällt beim Kauf der Münzen in Österreich Mehrwertsteuer an. Das heisst: Würde man die Münzen in Deutschland wieder zu Geld machen, würde man 20% allein durch die Steuer verlieren. Je nach Art des Verkaufs würde man nochmal zwischen 5 und 20 Prozent verlieren. Danach wäre die Summe zwar hübsch klein, aber man müsste sie, so sie auf dem Konto landet, immer noch den Steuerbehörden erklären. Es sei denn, es findet sich jemand, der Silbermünzen für Geldscheinbündel kauft. Frankfurter Bahnhofsviertel vielleicht?
Vollkommen verrückt ist meines Erachtens der Glaube, dass man sich mit solchen Mengen an Silber an der Grenze erwischen lassen könnte, und damit durchkommen. In solchen Fällen stünde sofort ein Anfangsverdacht im Raum, denn irgendwie muss das Geld zum Erwerb des Silbers nach Österreich gekommen sein. 10.000 darf man mitnehmen; wer 110.000 in Silber herausschafft, muss in Österreich mehr gehabt haben. Man darf vielleicht weiterfahren, aber in solchen Fällen kommt todsicher die Fahndung vorbei und stellt Fragen. Das passiert schon, wenn man zu viert im Wagen sitzt und mehr als 20.000 Euro dabei hat - auch das ist legal, aber durchaus verdächtig.
Kurz: Man erleidet Verluste in Höhe der deutschen Steuern oder darüber, man hat Stress beim Verkauf, lenkt dabei zusätzlichen Verdacht auf sich und hat Unmengen Silber im Auto. Ein Kilo Silber kostet in Münzen rund vierhundert Euro. 100 Kilo kosten 40.000 Euro. 110.000 Euro bringen 275 Kilo Zusatzgewicht in den Wagen. In ein paar Kisten Silbermünzen, die absolut nicht auffallen. Na? Klingelt's? Aus einem Forum aufgeklaubter Hoax, richtig. Spiegel Wirtschaftsredaktion. Vielleicht sollte die mal recherchieren, statt borderzuleinen: Es ist kein Geheimnis, dass Banken in Österreich schon mal den ein oder anderen Geldtransport über die Grenze organisiert haben. Die "vermögenden Bayern", die den Trick angeblich anwenden sollen, haben absolut kein Problem, ab und an mal über die Grenze zu fahren und legale Beträge zu holen. Für lumpige 110.000 Euro reichen ein paar Konzertbesuche bei den Innsbrucker Festwochen. Vom Tegernsee aus fahren jeden Tag ein paar hundert Leute an den Achensee zum Tanken. Und sobald es um grössere Summen geht, versucht man eben, das Geschäft im Ausland abzuwickeln.

Leider wird die allseits bekannten Schludrigkeit von Spiegel Online den Saftladen nicht in das Nichts kippen, in das Amerikas Vorzeigeregion Kalifornien gerade kippt: Dort beginnt man gerade, Schuldscheine zu drucken, weil man kein Geld mehr hat. Damit bezahlt man dann die Steuerrückzahlungen, und die Banken sollen es in Geld umtauschen. Staatsbankrott light. Aber bloss keine Steuererhöhungen bitte.
Wäre ich Spekulant, würde ich vielleicht gegen den Dollar wetten. Wer soll eigentlich in solchen Zeiten noch amerikanische Anleihen kaufen, mit deren Einnahmen dem die maroden Banken und die kaputte Wirtschaft gestopft werden sollen? Spiegel Online vielleicht. Die glauben auch wirklich jeden Scheiss.
Das ist kompletter Unsinn. Zuerst mal fällt beim Kauf der Münzen in Österreich Mehrwertsteuer an. Das heisst: Würde man die Münzen in Deutschland wieder zu Geld machen, würde man 20% allein durch die Steuer verlieren. Je nach Art des Verkaufs würde man nochmal zwischen 5 und 20 Prozent verlieren. Danach wäre die Summe zwar hübsch klein, aber man müsste sie, so sie auf dem Konto landet, immer noch den Steuerbehörden erklären. Es sei denn, es findet sich jemand, der Silbermünzen für Geldscheinbündel kauft. Frankfurter Bahnhofsviertel vielleicht?
Vollkommen verrückt ist meines Erachtens der Glaube, dass man sich mit solchen Mengen an Silber an der Grenze erwischen lassen könnte, und damit durchkommen. In solchen Fällen stünde sofort ein Anfangsverdacht im Raum, denn irgendwie muss das Geld zum Erwerb des Silbers nach Österreich gekommen sein. 10.000 darf man mitnehmen; wer 110.000 in Silber herausschafft, muss in Österreich mehr gehabt haben. Man darf vielleicht weiterfahren, aber in solchen Fällen kommt todsicher die Fahndung vorbei und stellt Fragen. Das passiert schon, wenn man zu viert im Wagen sitzt und mehr als 20.000 Euro dabei hat - auch das ist legal, aber durchaus verdächtig.
Kurz: Man erleidet Verluste in Höhe der deutschen Steuern oder darüber, man hat Stress beim Verkauf, lenkt dabei zusätzlichen Verdacht auf sich und hat Unmengen Silber im Auto. Ein Kilo Silber kostet in Münzen rund vierhundert Euro. 100 Kilo kosten 40.000 Euro. 110.000 Euro bringen 275 Kilo Zusatzgewicht in den Wagen. In ein paar Kisten Silbermünzen, die absolut nicht auffallen. Na? Klingelt's? Aus einem Forum aufgeklaubter Hoax, richtig. Spiegel Wirtschaftsredaktion. Vielleicht sollte die mal recherchieren, statt borderzuleinen: Es ist kein Geheimnis, dass Banken in Österreich schon mal den ein oder anderen Geldtransport über die Grenze organisiert haben. Die "vermögenden Bayern", die den Trick angeblich anwenden sollen, haben absolut kein Problem, ab und an mal über die Grenze zu fahren und legale Beträge zu holen. Für lumpige 110.000 Euro reichen ein paar Konzertbesuche bei den Innsbrucker Festwochen. Vom Tegernsee aus fahren jeden Tag ein paar hundert Leute an den Achensee zum Tanken. Und sobald es um grössere Summen geht, versucht man eben, das Geschäft im Ausland abzuwickeln.

Leider wird die allseits bekannten Schludrigkeit von Spiegel Online den Saftladen nicht in das Nichts kippen, in das Amerikas Vorzeigeregion Kalifornien gerade kippt: Dort beginnt man gerade, Schuldscheine zu drucken, weil man kein Geld mehr hat. Damit bezahlt man dann die Steuerrückzahlungen, und die Banken sollen es in Geld umtauschen. Staatsbankrott light. Aber bloss keine Steuererhöhungen bitte.
Wäre ich Spekulant, würde ich vielleicht gegen den Dollar wetten. Wer soll eigentlich in solchen Zeiten noch amerikanische Anleihen kaufen, mit deren Einnahmen dem die maroden Banken und die kaputte Wirtschaft gestopft werden sollen? Spiegel Online vielleicht. Die glauben auch wirklich jeden Scheiss.
donalphons, 01:56h
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Kunstsinnige Männer
ich finde, dass Herr Burda in der FAZ eine Debatte zum Thema Urheberrechte im Internet abgestossen hat -

die man keinesfalls anderen Medien überlassen sollte, auch wenn es, zugegeben, einige inhaltliche Verwindung meinerseits bedurfte, das in die Stützen der Gesellschaft zu pressen. Aber ich will ja keinen Schönheitspreis.

die man keinesfalls anderen Medien überlassen sollte, auch wenn es, zugegeben, einige inhaltliche Verwindung meinerseits bedurfte, das in die Stützen der Gesellschaft zu pressen. Aber ich will ja keinen Schönheitspreis.
donalphons, 20:56h
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Mittwoch, 1. Juli 2009
Erst mal wegfahren
Mit dem Regen kamen auch die Norddeutschen. Ich, der ich abgeschieden auf dem Berg wohne, habe mich erst über den Verkehr gewundert, aber sie haben jetzt schon Urlaub. Überall im Tal sind die Wohnungen belegt. Ich werde gefragt, ob ich noch etwas weiss. Dieses Jahr sind es besonders viele. Und das, obwohl global die Preise gefallen sind, obwohl man mir 5 Tage Luxushotel in North Carolina am Strand für 250 Euro offeriert. Aber in schlechten Zeiten ist man eben lieber im Urlaub daheim. See, Berge, Cafes, alles voller Deutscher.
Das ist dann auch die Zeit, da vieles leer bleibt. Wer hier wohnt, verabschiedet sich jetzt vom See. Ostsee. Ostasien. Von einer Urlaubsregion in die andere. Von dort wegfahren, wo andere ihren Urlaub machen, wenn sie noch ein Zimmer kriegen.

Apropos Urlaub: es gibt Neues von der Berliner Republik und ihren Stilikonen, die sie verdient hat. Herr Jagdfeld vom Adlon und heiligendamm macht sich gerade wenig Freunde, weder bei seinen Investoren in Berlin noch bei der Politik an der Ostsee. Witzig finde ich es ja, Mietminderung geltend zu machen, weil man Lärm hat, der durch den eigenen Ausbau der fundusgruppeneigenen Fondsimmobilie entsteht. Das muss Herrn Jagdfeld erst mal einer nachmachen.
Man darf gespannt sein, wie lange das noch gut geht. Ich hätte ja nicht gedacht, dass es noch bis Sommer läuft. Derweilen pflege ich menen Steingarten. Klein, aber ohne Schulden und Fondsbeteiligung.
Das ist dann auch die Zeit, da vieles leer bleibt. Wer hier wohnt, verabschiedet sich jetzt vom See. Ostsee. Ostasien. Von einer Urlaubsregion in die andere. Von dort wegfahren, wo andere ihren Urlaub machen, wenn sie noch ein Zimmer kriegen.

Apropos Urlaub: es gibt Neues von der Berliner Republik und ihren Stilikonen, die sie verdient hat. Herr Jagdfeld vom Adlon und heiligendamm macht sich gerade wenig Freunde, weder bei seinen Investoren in Berlin noch bei der Politik an der Ostsee. Witzig finde ich es ja, Mietminderung geltend zu machen, weil man Lärm hat, der durch den eigenen Ausbau der fundusgruppeneigenen Fondsimmobilie entsteht. Das muss Herrn Jagdfeld erst mal einer nachmachen.
Man darf gespannt sein, wie lange das noch gut geht. Ich hätte ja nicht gedacht, dass es noch bis Sommer läuft. Derweilen pflege ich menen Steingarten. Klein, aber ohne Schulden und Fondsbeteiligung.
donalphons, 01:52h
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Montag, 29. Juni 2009
Wie gut, dass ich Literat bin
Als Literat kann man ja so manches erfinden, was im Journalismus als unpassend gilt, selbst wenn es viel wahrer ist. Und die wirklich schlimmen Sachen über von der Zensursula sage ja auch nicht ich, sondern Anton Bruno Xaver von Blumenthal, den in der FAZ vorzustellen ich das Vergnügen habe.
donalphons, 21:10h
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Materialwert
Alle fragen sich ja, wann die Krise vorbei ist. Ich denke, ich kann zumindest sagen: Noch ist sie nicht vorbei. Ich habe dafür eine ziemlich gute Berechnungsmethode. Sie basiert auf englischen Teekannen aus Silber, die ich bei Ebay kaufe. Wie beispielsweise letztes Wochenende, als ich in Frankfurt festsass, keinen Flohmarkt hatte und leicht frustriert war. Da war eine Teekanne, die mir gefallen hat, viktorianisch, 1887, 52o Gramm schwer. In der beliebten Form mit den Rippen, einmal sauber gelötet, Ebenholzgriff, neckische Ballenfüsse. Eine Form, die Antiquitätensammler anspricht, weil sie typisch für eine Zeit ist, deren Formen später nicht mehr kopiert wurden. Und obendrein von einem bekannten Silberschmied jener Epoche.

Ich habe sie gekauft. Was mich selbst sehr erstaunt hat, denn in den letzten Wochen ist das Pfund gegenüber dem Euro stark angestiegen, weshalb sich der Kauf in England nicht mehr besonders lohnt. Es gab eine Zeit, da kostete der Euro 96 Pence, jetzt sind es nur noch 84. Einkäufe aus England haben sich seitdem also erheblich verteuert. Sollte man meinen. Mein Gebot war in Euro nicht hoch und in Pfund sehr, sehr niedrig. Es blieb das beste Gebot.
Der Kurs des Pfundes ist irrelevant. Ich mache das jetzt seit ein paar Monaten, genauer, seitdem ich bei der FAZ blogge und mir denke, dass dieses Geld vor allem dem Spass und dem Luxus geweiht ist - neben meinen drei Wohnungen voller Antiquitäten, die ich ohnehin schon habe. Vollkommen unabhängig vom Kurs des Pfundes entwickeln sich die Preise nach einem anderen Parameter: Es ist der Preis des Silbers. Alle von mir gekauften Kannen liegen in einem sehr schmalen Rahmen über dem Silberpreis; man muss mit rund 20% Aufschlag rechnen, und in den schlimmsten Zeiten, als die Kauflaune wirklich auf dem Boden lag, konnte man fast zum Materialpreis kaufen.
Und das ist auch weitgehend unabhängig vom eigentlichen Wert der Antiquität. Eine üppigst gravierte Biedermeierkanne von 1827 mit Silbergriff war tatsächlich etwas teurer, aber nicht im Mindesten so, dass sich der Preis signifikant vom Material wegentwickelt hätte. In normalen Zeiten wie etwa 2004/5, als ich sehr viel Besteck kaufte, war das Verhältnis von ideellem Wert zu Materialwert noch mindestens 1:1, das heisst, man bezahlte in etwa das Doppelte des Materialwertes bei einfachsten Stücken, und bei ausgefallenen Stücken vor 1900 das drei- bis sechsfache. Gestern Abend blieb eine Kanne mit Milchkännchen von 1860 liegen - 900 Gramm schwer, mit 191 Pfund blieb sie unter dem Limit.
Was ich auch erlebe: Es gibt kaum britische Käufer. Die steigen normalerweise beim Materialwert aus. Darüber sind die Deutschen (manche Kanne sehe ich in Pfaffenhofen zu verdreifachten Preisen wieder, für die dummen reichen Bayern reicht das), die Franzosen (das Leben ist schön, noch einen Froschschenkeltee?), die Spanier (Schwarzgeld ole!) und besonders die Italiener, wo solche Kannen sehr schick sind.
Wie erklärt man dieses Verhalten? In meinen Augen ist es so, dass die Menschen im Moment einfach nicht bereit sind, Dinge ideell zu bewerten. Was gilt, ist der Materialwert und obendrauf der Nutzwert. Rechnet man das Silber bei der obigen Kanne heraus, bleiben keine 20 Euro für das erworbene System Kanne. Das ist weniger, als eine moderne Blechkanne kostet. Alter, Geschichte, Patina, Design: Wertlos. Es wird einfach nicht bezahlt.
Das muss sich erst wieder ändern. Die Krise ist vorbei, wenn solche Kannen in Deutschland für minimal 3-400 Euro zu haben sind, weil die Briten wieder mitspielen und der Silberpreis gegenüber dem historischen Wert an Bedeutung verliert. Wenn sich Menschen wieder etwas Schönes leisten, Luxus, Lebenfreude, und bereit sind, dafür Geld auszugeben. Mit den Silberkannen kommen auch die grossen Tische wieder, die üppigen Lebensmittel, der Genuss und der Wunsch, mehr zu haben und es auch zu zeigen.
Gestern Abend, nachdem recht viel im Angebot war, und sich bei den Käufern des Kontinents eine gewisse Ermüdung eingestellt hatte, habe ich eine Kanne von 1930 in einer klassischen, zeitlosen Form knapp unter dem Materialpreis erstanden. Es wird noch sehr, sehr lange dauern.

Ich habe sie gekauft. Was mich selbst sehr erstaunt hat, denn in den letzten Wochen ist das Pfund gegenüber dem Euro stark angestiegen, weshalb sich der Kauf in England nicht mehr besonders lohnt. Es gab eine Zeit, da kostete der Euro 96 Pence, jetzt sind es nur noch 84. Einkäufe aus England haben sich seitdem also erheblich verteuert. Sollte man meinen. Mein Gebot war in Euro nicht hoch und in Pfund sehr, sehr niedrig. Es blieb das beste Gebot.
Der Kurs des Pfundes ist irrelevant. Ich mache das jetzt seit ein paar Monaten, genauer, seitdem ich bei der FAZ blogge und mir denke, dass dieses Geld vor allem dem Spass und dem Luxus geweiht ist - neben meinen drei Wohnungen voller Antiquitäten, die ich ohnehin schon habe. Vollkommen unabhängig vom Kurs des Pfundes entwickeln sich die Preise nach einem anderen Parameter: Es ist der Preis des Silbers. Alle von mir gekauften Kannen liegen in einem sehr schmalen Rahmen über dem Silberpreis; man muss mit rund 20% Aufschlag rechnen, und in den schlimmsten Zeiten, als die Kauflaune wirklich auf dem Boden lag, konnte man fast zum Materialpreis kaufen.
Und das ist auch weitgehend unabhängig vom eigentlichen Wert der Antiquität. Eine üppigst gravierte Biedermeierkanne von 1827 mit Silbergriff war tatsächlich etwas teurer, aber nicht im Mindesten so, dass sich der Preis signifikant vom Material wegentwickelt hätte. In normalen Zeiten wie etwa 2004/5, als ich sehr viel Besteck kaufte, war das Verhältnis von ideellem Wert zu Materialwert noch mindestens 1:1, das heisst, man bezahlte in etwa das Doppelte des Materialwertes bei einfachsten Stücken, und bei ausgefallenen Stücken vor 1900 das drei- bis sechsfache. Gestern Abend blieb eine Kanne mit Milchkännchen von 1860 liegen - 900 Gramm schwer, mit 191 Pfund blieb sie unter dem Limit.
Was ich auch erlebe: Es gibt kaum britische Käufer. Die steigen normalerweise beim Materialwert aus. Darüber sind die Deutschen (manche Kanne sehe ich in Pfaffenhofen zu verdreifachten Preisen wieder, für die dummen reichen Bayern reicht das), die Franzosen (das Leben ist schön, noch einen Froschschenkeltee?), die Spanier (Schwarzgeld ole!) und besonders die Italiener, wo solche Kannen sehr schick sind.
Wie erklärt man dieses Verhalten? In meinen Augen ist es so, dass die Menschen im Moment einfach nicht bereit sind, Dinge ideell zu bewerten. Was gilt, ist der Materialwert und obendrauf der Nutzwert. Rechnet man das Silber bei der obigen Kanne heraus, bleiben keine 20 Euro für das erworbene System Kanne. Das ist weniger, als eine moderne Blechkanne kostet. Alter, Geschichte, Patina, Design: Wertlos. Es wird einfach nicht bezahlt.
Das muss sich erst wieder ändern. Die Krise ist vorbei, wenn solche Kannen in Deutschland für minimal 3-400 Euro zu haben sind, weil die Briten wieder mitspielen und der Silberpreis gegenüber dem historischen Wert an Bedeutung verliert. Wenn sich Menschen wieder etwas Schönes leisten, Luxus, Lebenfreude, und bereit sind, dafür Geld auszugeben. Mit den Silberkannen kommen auch die grossen Tische wieder, die üppigen Lebensmittel, der Genuss und der Wunsch, mehr zu haben und es auch zu zeigen.
Gestern Abend, nachdem recht viel im Angebot war, und sich bei den Käufern des Kontinents eine gewisse Ermüdung eingestellt hatte, habe ich eine Kanne von 1930 in einer klassischen, zeitlosen Form knapp unter dem Materialpreis erstanden. Es wird noch sehr, sehr lange dauern.
donalphons, 16:29h
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