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Donnerstag, 3. Dezember 2009

Urbanmistig

Manchmal wüsste ich gern, wie ich das früher ausgehalten habe. Und ob ich ein anderer war, als ich in richtigen Städten - und nicht nur einer urbanen Simulation an der Donau - lebte. berlin war & ist ein Anlass für stete schlechte Laune und Abwanderungswünsche, aber davor habe ich in München gelebt, und bin viel in anderen grossen Städten rumgekommen. Ohne mir je wtwas dabei zu denken. Heute fahre ich in grössere Städte, und meine Laune wird schlecht.



Mir gefallen grössere Städte nicht mehr. Jede Romantik zugunsten den Lichtermeeren geht mit inzwischen vollkommen ab, jede beschönigung von Menschenansammlung auf kleinem Raum. Ich merke an mir selbst, wie ich laut, aggressiv und fahrig werde. Es dauert eine Weile, bis ich so weit runter komme, dass ich wieder normal schreiben kann. Irgendwie konnte ich das früher alles wegdrücken oder anderweitig verarbeiten. Aber nach über drei Jahren ohne Dauererleben von urbanen Srukturen habe ich verlernt, wie das geht. Was bleibt, ist schnelles Ein- und Ausfallen, ein wenig Schlängelei in die Zentren und schnelles Verlassen.



Irgendwann muss man ohnehin raus; grosse Städte sind nur sehr begrenzt angenehme Lebensumfelder für alte Menschen; Berlin ganz sicher nicht, Frankfurt hat auch so seine miesen Ecken, aber selbst München ist wegen des Verkehrs nicht unbedingt lebensverbessernd. Vielleicht fange ich einfach nur zu früh damit an, und bin mal wieder Vorreiter. Trotzdem wüsste ich gerne, warum ich über ein Dutzend Jahre in München so vollkommen ungerührt von Lärm, Hektik und sozialem Druck durchgestanden habe. Vielleicht war damit - und dem nachfolgenden Berlin - einfach die Kraft ausgebraucht, die dafür zur Verfügung stand.

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Mittwoch, 2. Dezember 2009

Botticelli in Frankfurt

Ich würde ja gerne mal eine Besprechung einer Ausstellung lesen, in der steht: 3 Knaller und viel Müll aus dem Umfeld. Man verstehe mich nicht falsch, im Staedel sind aktuell wirklich drei aussergewöhnlich schöne Hauptwerke von Botticelli zu sehen, und ansonsten ist der Lebenskonflikt des Künstlers nach dem Sturz der Medici und während der Diktatur Savonarolas gut herausgearbeitet.

Aber die Mittel dafür sind nun mal so, wie es aktuell im Leihgabengeschäft bedeutender Werke wohl generell ist: Eher mittelprächtig. Das tut den -ohnehin meist ahnungslosen - Besuchern und ihrem Vergnügen keinen Abbruch, und es ist auch nicht die "Schuld" des Hauses. Aber es ist nicht "die" Botticelliausstellung, die man gesehen haben muss. Es ist mett, es wäre noch netter, wenn es nicht so voll wäre, und das könnte man vermeiden, wenn man solchen Schauen Gerechtigkeit wiederfahren liesse. So habe ich leicht den Eindruck, dass vielleicht etwas weniger eher mehr gewesen wäre, die ganzen Werkstatt- und Umfeldarbeiten - mit zum Teil höchst mutiger Fragezeichenzuschreibung hätte es vielleicht nicht unbedingt gebraucht.

Aber wie schon gesagt: Drei Bilder - allesamt im weltlichen Teil aus der Medicizeit - reissen es heraus. Die alte Frage, ob eine echte, prunkvolle Diktatur kulturell nicht besser ist als eine verkniffene Scheinrepublik, kann daran natürlich neu aufgemacht werden. Boticelli als Frömmler ist uns nun mal so fern, wie er uns als Hofmaler nackter und leicht bekleideter Frauen nah ist.

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Manchmal sind es die Selbstverständlichkeiten

Wenn ich, wie heute etwa, sage: "Ich fahre nach Frankfurt" - dann wird mir erst klar, was für einen Luxus es bedeutet sagen zu können: "Ich fahre zum See." Nichts gegen meinen Arbeitgeber und die dortige Botticelli-Ausstellung, aber es ist eben Frankfurt. Niemand wird da seufzen und ach ja sagen, und dieses Bild vor Augen haben:



Weil der See einfach für eine starke sehnsucht jener steht, die dort wohnen. Seit gerade mal zwei Jahrhunderten, maximal. Früher hätte das keiner gemacht. Dieser Wandel im Aufenthaltsort von der Mitte der Städte hin zum See ist eigentlich, gemessen an historischen Entwicklungen, eine Ausnahmeerscheinung, die zu ergründen ich in der FAZ mich anheischig mache.

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Dienstag, 1. Dezember 2009

Empfehlung heute - Das grosse Fressehalten

Eigentlich müssten die Medien heute überquellen vor Texten wie: Wir wurden verarscht! Wir sind aufgesessen! Wir sollten kündigen, weil wir jeden PR-Dreck abdrucken, solange die Story geil klingt!

Denn sehr viele haben die absolut tolle Geschichte vom absolut tollen deutschen Ebook Txtr abgeschrieben, das auf der Buchmesse unter Kaufschmierern als der Konkurrent für Amazon Kindle schlechthin galt. Nun gab aber Txtr gerade bekannt, dass sie angeblich aus Kostengründen das versprochene WLAN streichen, was nicht eben gut ankommt, nachdem es einen Tag vor der Bestellmöglichkeit veröffentlicht wird. Und das wusste man nicht schon bei der Buchmesse? Bei den Produktionsvorlaufzeiten, die solche Geräte haben? Kurz, da sind die Schmierfritzen hübsch aufgesessen, als sie einfach die Versprechungen übernonmen haben (Und ja, ich weiss: Ich blogge bei einer Zeitung, bei der sich manche auch nicht mit Ruhm bekleckert haben.)

Aber es gibt ja noch Blogs wie nurmeinstandpunkt, die das tun, wozu Medien offensichtlich nur sehr begrenzt in der Lage sind: Genauer hinschauen, überprüfen, sich eigene Gedanken machen.

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Zeiten & Wunder

Das hier mag jetzt viele Leser überraschen, aber: Nicht nur, dass der Sunbeam gestern Abend angesprungen ist - er wurde auch weggebracht. Gerüchten zufolge nicht auf den Schrottplatz, sondern vielleicht sogar rechtzeitig zur nächsten Mille Miglia zum Schweisser.

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Pirat anstelle der Piraten

Ich möchte Wahlalternativen und keine Vielversprecher, denen alles andere wurscht ist. Das habe ich vor einer Wahl über die Piraten geschrieben, die einem Sozialdemokraten wirklich nicht leicht gefallen ist. Und aus meinem anderen Erfahrungsschatz würde ich hinzufügen: Ich würde nie eine Partei wählen, in deren Spitze jemand ist, der sich philosemitisch-überidentifiziert an meine Leute ranschleimt.

Ich weiss explizit nicht, ob das ein Deutscher gezielt macht, der sich von Stefan in Aaron umbenennt - aber der muss noch nicht mal Broderist sein, um für mich inakzeptabel zu sein. Es gibt da genug hauseigene psychisch schlimme Fälle. Wir brauchen keinerlei überidentifizierte Schleimbatzen mehr, egal aus welcher politischen Richtung - und ich denke auch, dass Leute, die sich entsprechend umlabeln, ungeeignet sind, ernsthaft über was auch immer zu debattieren.

Neben der menschlichen Peinlichkeit so eines Verhaltens, das allenfalls zwischen 1933 und 45 mutig gewesen wäre, bleibt da noch die politische Dimension dieses rechtslastigen Ausrutschers auf dem Oberdeck des Piratenschiffs: Es ist ja leider nicht das erste Mal, dass rechte Kräfte sich bemühen, die schmale ideologische Nerd- und Geekbasis der Piraten unter ihre schmierigen Füsse zu bekommen, was um so leichter ist, je weniger sich die Partei inhaltlich festlegt. Man sollte denken, dass man über gewisse Selbstverständlichkeiten wie Freiheit der Religionsausübung nicht mehr gross debattieren muss, und dass gerade einem selbstgebastelten Aaron ach bewusst sein sollte, dass man dafür eben auch die entsprechenden Einrichtungen braucht - sonst kommt das nächste braune Arschloch auf die Idee und lässt jüdische Ritualbäder verbieten, um die Schweizer Hetzer mal ein wenig weiter zu denken. Aber offensichtlich denkt man da falsch, wenn man es mit den real existierenden Piraten komischer Art zu tun hat.

Ich glaube nicht mal, dass dieser angebliche Aaron in dieser Partei eine Mehrheitsmeinung vertritt, und ich hoffe, dass es dort auch die enstprechenden Reaktionen gibt. Solche Leute über Bord werfen ist die eine Sache, die andere wäre es aber, ihnen mit einem klaren, breit aufgestellten Programm zu erschweren, sich dort weiter auszubreiten. Es kann durchaus sein, dass man damit etwas an Breite verliert, aber diese Positionen sind sicher nichts, was eine Partei mit halbwegs denkenden Menschen dauerhaft aushalten kann, egal wie wichtig Partikularinteressen sind.

Ausserdem wollen die auch gewählt werden - und da ist es den Wählern sicher wichtig, welche Personen da in Ämter kommen wollen. Irgendwelche Mogelpackungen, auf denen Freiheit steht und der Inhalt sofort auf die Bremse tritt, wenn es um die Freiheit anderer Leute geht, werden die Piraten sehr schnell an den Abgrund bringen: Denn nichts und niemand kann garantieren, dass Mandatsträger jene Politikfelder, die die Partei ignoriert, nicht selbst nach Gusto beackern. Aber um das nach draussen zu zeigen, muss man die entsprechenden Ausleger auch konsequent auf Linie bringen. Oder eben feuern. Was als politisches Signal sicher die deutlichere Variante wäre.

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Montag, 30. November 2009

Ein mieser Beruf für miese Charaktere

Ich habe ja nicht allzu viel mit Journalisten zu tun, und wenn doch, dann weiss ich auch meist bald wieder, warum das so ist: Schlecht angezogen, ungebildet, kein Benehmen. Kein Wunder, wenn sie dauernd mit PRoleten rumhängen.

Als ich auf den Medientagen war, habe ich ein paar Dinge gesagt, die nicht wirklich gut ankamen. Zum einem ungefähr, dass ich eine arme Sau wäre, wenn ich von diesem Beruf und seinen schlechter werdenden Bedingungen leben müsste. Die vierte Hilfsmacht hört es nicht gerne, wenn man sie als arme Schlucker bezeichnet. Und dann war da noch die Frage, wo das Podium in seiner Einschätzung in vier Jahren sein möchte: Ich sagte Meran, und weit weg vom Journalismus, dem ich aus der Ferne beim Niedergang zuschauen möchte. Das war nicht nett, aber ehrlich.



Aber wenn ich dann solche Abmahnirrsinmsgeschichten vom Nordkurier lese, nur weil ein Blogger über die unschönen Zustände in diesem Beruf berichtet, denke ich mir: Dem Journalismus muss man die Verkommenheit seiner Existenz noch viel deutlicher vor Augen führen. Das macht nicht irgendein versiffter Plattenkonzern, das macht ein Medium, das sich ansonsten sicher gern auf Presseprivilegien und die Pressefreiheit beruft.

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Fette rote Männer für fette Starnberger Kinder

Nichts ist gleich in einer Klassengesellschaft, alles ist anders. Auch christliche Feste sind davon - trotz theoretisch egalitärer Einstellung der Ideologie - keinesfalls dav0n ausgenommen. Wie auch die Globalisierung ein Stück mitreden möchte. Das alles zusammen findet man in München in bester Lage. Und in den Stützen der Gesellschaft in der FAZ.

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Sonntag, 29. November 2009

Das Rentnerrad

Als ich jung war, bin ich im Sommer meistens von München in die heimatstadt mit Gepäck geradelt. Das dauerte keine drei Stunden und führte zum Angebot meiner Eltern, mir ein Auto zu überlassen - die B13 ist jetzt nicht die ungefährlichste aller Strassen dieses Landes. Ich radelte zum Kochelsee und Walchensee, um den Starnberger See, am Isarufer mit dem Mountainbike nach Wolfratshausen, war viel an der frischen Luft und auch reichlich gesund. Dann kam die Arbeit, dazu noch Berlin, aber ich dachte, es würde sicher noch gehen. Ausserdem hatte ich ja immer ein Fahrrad dabei, auch in Berlin, und obwohl diese Stadt der spätberufenen Fahrunfähigen noch gefährlicher als die B13 ist.

Dann ging ich Mitte 2005 zurück nach Bayern, genauer: Ich hatte Verpflichtungen in der bayerischen Provinz. Ich ging gern radeln, und dachte eigentlich nach dem Winter 2006, dass ich nun meine Räder auspacken und wieder viel durch die Donauen oder ins Altmühltal, dem Revier meiner Schulzeit - es war ein harter, langer Winter, und das Frühjahr setzte schlagartig mit voller Wucht ein. Die Bäume waren voller Pollen, ich lag in der Badewanne und wusste nicht, wie ich hier mit meiner zugeschwollenen Lunge rauskommen sollte. Als Kleinkind bin ich deshalb einmal fast gestorben, und an einem schönen Maientag 2006 hatte ich den Eindruck, dass es nun wirklich so weit ist. Dann bin ich in morbider Stimmung nach Italien gefahren, statt, wie eigentlich empfohlen, ins Krankenhaus zu gehen. Und alles war weg. Ich habe keine Allergie in Italien. Das passiert nur im deutschen Flachland, wenn ich nicht in grossen Städten bin.

Das Pfeifen hörte auf, die Nebenhöhlenentzünung verschwand, ich fuhr offen und nahm mir vor, mein Leben noch mehr zu geniessen. Allerdings gab und gibt es da ein kleines Problem mit dem Lüngerl: Das setzt seitdem relativ schnell unter Belastung zu. Nicht schon beim Bergsteigen, aber oft, wenn ich auf dem Rad sitze. Meine Beine sagen: Treten! Mein Hirn denkt: Treten! Meine Lunge schweigt schockiert und fängt nach 10 Minuten das Pfeifen an. Sprich, die Muskeln sind in der Lage erheblich mehr zu leisten, als die Lunge dafür Luft zur Verfügung stellen kann. Gerade, wenn ich tief gebeugt über dem Lenker hänge. Früher war die Lenkerposition so tief wie möglich. Heute ist das anders. Meine extremen Zeitfahrmaschinen kann ich nur noch auf kurze Strecken fahren. Dem Jagdtrieb und dem Wunsch, den Autos davonzufahren, tut die Einsicht übrigens keinen Abbruch. Das schafft dann aber das Pfeifen der Lunge.

Mein Arzt meint, dass wir alle nicht jünger werden, und solange ich noch auf den Hirschberg komme, bräuchte ich mir keine Gedanken zu machen. Am Umstand des Zerfalls lässt sich aber ebenso wenig rütteln wie an seiner Unumkehrbarkeit; ich kann das Problem minimieren, ich kann bis an die Grenzen gehen, aber das ändert nichts daran, dass die Grenzen näher sind als zu meinen Jugendtagen, als ich von 6 bis 11 auf dem Surfboard war und dann um Nachmittag um den Gardasee radelte. Kurz, ich bin alt und krank und komme nicht mehr mit meinen Zeitfahrmaschinen zurecht. Wie gut, dass ich auf der Suche nach einem Ersatzteil ein ganzes Rentnerrad gefunden habe.



(Grossbild)

Es handelt sich dabei, wie man sieht, um ein recht altes Rad, gebaut vor 8 Jahren im Rentnerland Schwaben. Es hat dicke Reifen, und bremst mich durch sein Gewicht. Es hat sich auch gezeigt, dass es für mich lahmen und kranken Mann schon im Haus eine Hilfe ist, denn damit kann ich auch Treppen runterfahren, statt mich am Rad abzuschleppen. Wie alle Oparäder ist es auch gefedert, damit ich auf den kindskopfgrossen Steinen am Aufstieg zum Leonhardstein nicht so durchgeprügelt werde. Aufrecht, sehr aufrecht sitze ich darauf, und dann hat es auch noch zur Sicherheit - die Reaktionen beim Slalom im dichten Wald sind auch nicht mehr das, was sie mal waren - Hope-Downhill-Scheibenbremsen. Überhaupt eignet es sich vor allem zum rentnerkompatiblen Bergabfahren. Man kann den Lenker extra schön weit nach oben stellen. Fehlt eigentlich nur eine Pfeife.

Nun wird mancher sagen, dass es für einen alten Sack wie mich so knapp vor der Bahre rausgeschmissenes Geld ist, einen damals knapp 6000 Mark teuren Rollatorersatz zu kaufen. Ich aber hatte das Glück, es - sparsamer, alter und bescheidener Mann, der ich bin - gebraucht zu erwerben. Es hat den ganzen Weg nach Unten mitgemacht: Erst brutale Renneinsätze, dann als Trainingsrad misshandelt, später als Stadtrad nicht gepflegt und im Winter draussen der Witterung ausgesetzt, Stürze, mangelnde Pflege, defekte Lager... wir werden alle nicht jünger. Aber als alter Opa sitzt man gern auf der Terrasse, repariert altes Zeug und freut sich, wenn es dann wieder funktioniert und mit gemässigten 80 Sachen den Berg runter geht - nur den Helm, den habe ich vergessen. Altersdemenz, nehme ich an.



Aber ansonsten ist es ein wirklich feines, äusserst dezentes Oparad in oliv und schwarz, es war in diesem Zustand sehr günstig, und es wird mir noch viel Spass beim Seniorenluftkurradeln machen: Man kann wirklich einen halben Meter hohe Steinblöcke runterfahren, und man merkt bei der Landung mit 15 Zentimeter Federweg so gut wie nichts. Bei besagtem Italienurlaub besuchte ich mit einem Bekannten auch ein Mountainbikertreffen in Riva, und fand all die überteuerten, vollgefederten Pseudomotorräder blöd - allerdings muss ich sagen, dass sie im fortgeschritteten Alter auf den hiesigen Wurzelteppichen mit 20% Gefälle doch den ein oder anderen Vorteil haben, gerade wenn die Knochen morsch werden. Und mit 16 Kilo an den Pedalen lässt man es auch beim Hochfahren endlich etwas gemütlicher und lungenkompatibler angehen.

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Sonntag, 29. November 2009

TV-Reform. Aber richtig.

In meiner Zeit an der Uni lernte ich eine Reihe von aussichtsreichen JungjournalistInnen kennen. Nun ja. Die Geschichte hat anders entschieden. Schwangerschaften, PR-Jobs, ab und an eine prakäre, freie Mitarbeit - auf den Medientagen traf ich einen, der nach 7 Jahren in der Mühle immer noch nicht weiter ist. Und das, obwohl er nicht schlecht war. Nur ein Stück Aas, das damals mit ein paar Kumpels versuchte, die Notlagen und die Dummheit anderer Leute auszunutzen, ist heute bei einem Privatradiosender im Onlinebereich oben. Und twittert. Und sitzt ab und an auch Podien, seinem Sender sei Dank. Ansonsten ist die Bilanz keinesfalls so gut, wie man das erwartet hätte, und erinnert fatalerweise an die Ergebnisse meines eigenen Orchideenfaches.

Eine junge Dame arbeitet frei für den hiesigen Staatsfunk. Wir haben uns in diesem Sommer mal getroffen und ein wenig geplaudert, weil sich das Format, an dem sie arbeitet, auch so ein Blog überlegt hat. Es geht um eine ehemals hochrespektable Sendung, die vom Thema Gesundheit mehr und mehr in Richting Wellness und Beautykuren rückt. Wer die bayerischen Verhältnisse und hier besonders die Nähe von Gesundheitsunternehmen in Hotels und Staatspartei kennt, wird nicht überrascht sein zu hören, dass wir uns am Tegernsee trafen, wo sie gerade mit so einer Einrichtung auf Wunsch von Oben einen Beitrag besprochen hatte. Die Menschen werden nicht nur älter, sie werden in einer gewissen Schicht auch geünder älter und brauchen dann sowas. Sagt man ihnen mit netten Bildern in der Sendung. Die junge Dame hätte durchaus andere Interessen, aber an Pharnmaskandalen oder ernsthafter Hinterfragung besteht bei Wohlfühl-TV kein Interesse.

Und das, mit Verlaub, ist alles immer noch das, was man als "Qualität der Öffentlich-Rechtlichen" betrachtet. Nicht die echte Gosse, sondern das, was als Grundversorgung gehobener Art gilt. Selbst wenn solche Sendungen das Leben von Menschen massiv beeinflussen udn beeinträchtigen können, hat im Sender scheinbar niemand ein grösseres Problem mit der aktiven Bewerbung schräger Schönheitsideale, die die PR vorgibt. Das gilt als vollkommen normal, das sind die neuen Zeiten, die zusätzlich zum Einfluss der Staatspartei neue Befeshlsgeber mit ins Spiel bringen. Natürlich ist das in weiten Teilen der Zeitschriften auch nicht anders, aber -

Ich hätte da einen Vorschlag, wie man das Problem gleich richtig löst, wenn der Koch durchregieren und einen Sender auf Linie bringen möchte. Es ist ja nicht so, dass hier höchstlöbliche, respektable Geistesleistungen indokriniert werden, hier wird die wohlfühlschunkelnde Mediengosse von den Politikgosse auf jene neoliberale Linie gebracht, die sie selbst lange genug vorgegeben haben. Wenn man sich mal durch diesen Müllberg, den TV darstellt, mal durchklickt - was ich heute Nacht getan habe - ist da nichts, was zwingend erhaltenwert wäre. Von mir aus könnte man ein paar politische Magazine weiterführen und ein paar gute Filem bringen - ansonsten aber abschalten. Drei Stunden, drei, vier Programme, Information, werbefrei, und den ganzen anderen Dreck abschalten. Wer Privat-TV macht, muss sich halt umschauen, das ging uns als Archäologen auch nicht anders. Also: Nicht über all die kleinen und grossen Kochs jammern, die Intendanten absägen und ihre Kumpels Abzockspiele machen lassen, einfach komplett vernageln und die Leute draussen indokrinieren, am Abend etwas anderes zu machen.

Wenn man ihnen einreden kann, sich die Zeit von dem Dreck totschlagen zu lassen, der da gestern kam, wenn man Cretins findet, die sich als "TV-Kritiker" sogar Mühe geben, den Dreck noch zu ventilieren - dann sollte es nicht so arg schwer sein, Menschen auch für Alternativen zu begeistern ohne dass man deshalb selbst ein Beihelfer der Gosse werden müsste. Es kann mir keiner erzählen, dass der Mensch zu diesem Elend verdammt ist, das da aus der Kiste kommt.

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Samstag, 28. November 2009

Landpartie nahe München

Es gibt prinzipiell drei Arten, sich für den kommenden Tag zu kleiden: Deutsch-konservativ, britisch-konservativ oder italienisch-konservativ; geneckt auf jeden Fall, nicht schreiend und auch nicht schwarz, denn schwarz erinnert nur an Finsternis, Tod und Vergänglichkeit, wovon man dort, wo ich eingeladen bin, zu viel Drohung und Ahnung hat. Die Zeiten sind, vorsichtig gesagt, suboptimal, die Angst vor den Verlusten zieht sich zurück, aber seelisch könnte es allgmein besser gehen.



Nun ist es auch unter diesen Bedingungen wie immer, oder vielleicht sogar, noch mehr unter diesen Bedingungen so, dass man aufpassen sollte, nach was man seine Hände ausstreckt; nicht alles an Zugriff kommt in schweren Zeiten gut an wie in Frühlingslust und warmen Sonnenschleim, wenn doch der November in den Herzen ist. Man benehme sich, man lasse alle Komplimente sein, die missverständlich sind, man legt gerade keinen Wert auf Verbindlichkeiten, und Nähe wird nur bis zu einem gewissen Grad ertragen, bevor sie in Unleidlichkeit umschlägt. Man könnte so vieles tun, man könnte nach Meran oder auch Verona, man müsste nicht bleiben, und doch bleibt es bei ein paar Stunden im tiefen Tageslicht, bevor alles wieder auseinanderbricht, nicht mal ein Konzert steht an, nur das Grübeln daheim, warum sich alles so eingefinstert hat.



Krähen stehen am Wegesrand des späten Leichenzugs ganz ohne Sarg, nur mit Erinnerungen und Bedauern, es muss nie so weit kommen, man hätte es auch anders machen können, vor Jahren schon, die nun vergangen sind. Plötzlich wacht man auf und merkt, dass man täglich eine Tablette nehmen muss, meinte einst einer, und auch, wenn es nicht die Chemie ist - irgendwas braucht ein jeder, wenn er das, was er erträumte, nicht bekam, oder zaudernd doch nicht wollte. Es steht so geschrieben in der Literatur, die man gemeinschaftlich gelesen hat, und alle Erkenntnis des Textes hilft nichts gegen die Blindheit im eigenen Leben, bis man sehend, keinen Ausweg sehend, durch die Schlossparks des Lebens anderer Menschen geführt wird. Um sich dann doch wieder früh mit leichtem Händedruck und mit einer Ahnung von Parfüm zu verabschieden.

Ich packe dann den Schlosspark meines Lebens wieder in die Geisteskoffer, und fahre sie an den Tegernsee, wo ich mich nicht aufhören kann zu wundern, wie man mit all den Möglichkeiten am Ende so bar aller Alternativen sein kann.

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Alles ruhig im Süden

Ich muss immer noch lächeln über jene Propheten, die in der Krise den Niedergang des Südens erwartet haben - mitunter auch freudig und hämisch. Es ist nicht so gekommen, erkläre ich in der FAZ.

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Freitag, 27. November 2009

Tarnfarben

Plötzlich ist man allein auf weiter Flur, alle haben Reissaus genommen. Heute Abend, 21 Uhr, was niemand mehr da. Am Tag davor hatten sie die Teekanne aus der Zeit von George III noch kräftig hochgesteigert, da war noch Kaufwille vorhanden. Heute waren all die Engländer verschwunden



In meinen Augen ist der Preis englischer Silberkannen bei Ebay ein guter Indikator für den Wert, der im jeweiligen Konsumklima dem Wert eines Gegenstandes über dem Materialwert beigemessen wird. Seit dem Ausbruch der Krise liegen normale Silberkannen auf einem Niveau von 110 bis 140% des Materialpreises. Erst in der Zeit vor Königin Victoria ziehen die Preise bis zu 200, 250% des Materialwertes an. So gesehen hätte ich heute die Kanne mit ihren mehr als 18 Unzen gar nicht bekommen dürfen, und schon gar nicht für 185 Euro - der Materialwert allein liegt schon bei 205 Euro.



Aber die Käufer waren einfach verschwunden. Krise ist, wenn die Leute nicht mal mehr Dinge kaufen wollen, die weniger als das Edelmetall kosten, aus dem sie gemacht wurden. Das war bis gestern übrigens komplett anders, da ging ich mehrmals gegen Briten unter. Danke, Dubai, kann ich da nur sagen.



In Ermangelung von Bergen war ich heute am Baggersee spazieren, sah den Enten zu und wunderte mich über die seltsamen Gebräuche der Angler. Telefonierte mit Leuten, die allesamt mehr als nur viel zu tun haben. Ähnlich wie in den übleren Zeiten der New Economy häufdn sich gerade die Ausfälle wegen Überarbeitung und Freizeitmangel. Ausser mir sind auch nur Rentner am See.



Die anderen wollen vermutlich keine Schwächen zeigen, auch wenn sie in den kommenden Wochen nichts vom Tag mitbekommen: In der Finsternis ins Büro, in der Finsternis nach Hause. Und das, obwohl das Wetter immer noch einen Tag weiter hält, obwohl mn jetzt nochmal durch all die Farben des Herbstes wandern könnte, dem Schnee nochmal ein paar Tage abtrotzen. Aber es ist Jahresabschluss, da steigt der Stress. Nur nicht bei mir, habe ich den Eindruck.



Ich sitze da und höre mir all die einstürmenden Firmenprobleme an, den Druck und die Streitigkeiten, und stehe eigentlich nur vor dem Problem, dass ich noch ein paar Hosen brauche, es ist wirklich so banal, um zufrieden in den Herbst zu gehen. Hosenkauf ist eine lächerliche Aufgabenliste angesichts der Wichtigkeiten, die mich nicht betreffen. Ändern - ändern kann ich ihnehin nichts. Alles geht den Weg, der gegangen werden muss, die eine in den Überdruck, ich über Wiesen und kahle Felder nach Hause.


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