TV-Reform. Aber richtig.

In meiner Zeit an der Uni lernte ich eine Reihe von aussichtsreichen JungjournalistInnen kennen. Nun ja. Die Geschichte hat anders entschieden. Schwangerschaften, PR-Jobs, ab und an eine prakäre, freie Mitarbeit - auf den Medientagen traf ich einen, der nach 7 Jahren in der Mühle immer noch nicht weiter ist. Und das, obwohl er nicht schlecht war. Nur ein Stück Aas, das damals mit ein paar Kumpels versuchte, die Notlagen und die Dummheit anderer Leute auszunutzen, ist heute bei einem Privatradiosender im Onlinebereich oben. Und twittert. Und sitzt ab und an auch Podien, seinem Sender sei Dank. Ansonsten ist die Bilanz keinesfalls so gut, wie man das erwartet hätte, und erinnert fatalerweise an die Ergebnisse meines eigenen Orchideenfaches.

Eine junge Dame arbeitet frei für den hiesigen Staatsfunk. Wir haben uns in diesem Sommer mal getroffen und ein wenig geplaudert, weil sich das Format, an dem sie arbeitet, auch so ein Blog überlegt hat. Es geht um eine ehemals hochrespektable Sendung, die vom Thema Gesundheit mehr und mehr in Richting Wellness und Beautykuren rückt. Wer die bayerischen Verhältnisse und hier besonders die Nähe von Gesundheitsunternehmen in Hotels und Staatspartei kennt, wird nicht überrascht sein zu hören, dass wir uns am Tegernsee trafen, wo sie gerade mit so einer Einrichtung auf Wunsch von Oben einen Beitrag besprochen hatte. Die Menschen werden nicht nur älter, sie werden in einer gewissen Schicht auch geünder älter und brauchen dann sowas. Sagt man ihnen mit netten Bildern in der Sendung. Die junge Dame hätte durchaus andere Interessen, aber an Pharnmaskandalen oder ernsthafter Hinterfragung besteht bei Wohlfühl-TV kein Interesse.

Und das, mit Verlaub, ist alles immer noch das, was man als "Qualität der Öffentlich-Rechtlichen" betrachtet. Nicht die echte Gosse, sondern das, was als Grundversorgung gehobener Art gilt. Selbst wenn solche Sendungen das Leben von Menschen massiv beeinflussen udn beeinträchtigen können, hat im Sender scheinbar niemand ein grösseres Problem mit der aktiven Bewerbung schräger Schönheitsideale, die die PR vorgibt. Das gilt als vollkommen normal, das sind die neuen Zeiten, die zusätzlich zum Einfluss der Staatspartei neue Befeshlsgeber mit ins Spiel bringen. Natürlich ist das in weiten Teilen der Zeitschriften auch nicht anders, aber -

Ich hätte da einen Vorschlag, wie man das Problem gleich richtig löst, wenn der Koch durchregieren und einen Sender auf Linie bringen möchte. Es ist ja nicht so, dass hier höchstlöbliche, respektable Geistesleistungen indokriniert werden, hier wird die wohlfühlschunkelnde Mediengosse von den Politikgosse auf jene neoliberale Linie gebracht, die sie selbst lange genug vorgegeben haben. Wenn man sich mal durch diesen Müllberg, den TV darstellt, mal durchklickt - was ich heute Nacht getan habe - ist da nichts, was zwingend erhaltenwert wäre. Von mir aus könnte man ein paar politische Magazine weiterführen und ein paar gute Filem bringen - ansonsten aber abschalten. Drei Stunden, drei, vier Programme, Information, werbefrei, und den ganzen anderen Dreck abschalten. Wer Privat-TV macht, muss sich halt umschauen, das ging uns als Archäologen auch nicht anders. Also: Nicht über all die kleinen und grossen Kochs jammern, die Intendanten absägen und ihre Kumpels Abzockspiele machen lassen, einfach komplett vernageln und die Leute draussen indokrinieren, am Abend etwas anderes zu machen.

Wenn man ihnen einreden kann, sich die Zeit von dem Dreck totschlagen zu lassen, der da gestern kam, wenn man Cretins findet, die sich als "TV-Kritiker" sogar Mühe geben, den Dreck noch zu ventilieren - dann sollte es nicht so arg schwer sein, Menschen auch für Alternativen zu begeistern ohne dass man deshalb selbst ein Beihelfer der Gosse werden müsste. Es kann mir keiner erzählen, dass der Mensch zu diesem Elend verdammt ist, das da aus der Kiste kommt.

Sonntag, 29. November 2009, 00:56, von donalphons | |comment

 
Im Grunde lebt das Fernsehen allgemein und das öffentlich-rechtliche im besonderen von der Zeit, als es nur 3 Programme gab und Einschaltquoten von 90% erreichbar waren. So leitmedienmässig. An dieser gesellschaftlichen Relevanz hat sich der aufgeblähte Bürokratie-Apparat der ÖR und die Gehälter mit üppigen Zusatzleistungen orientiert. Und natürlich die Aufmerksamkeit der Politik.

Irgendwie eine Parallelwelt.

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Komplettes Werbeverbot wäre ja schon mal ein Anfang, dann bliebe den ÖR aber nur noch ca. 6-7 Mrd. Euro pro Jahr und damit können sie unmöglich ihrem Grundversorgungsauftrag nachkommen.

Eine Alternative wäre ja, das Geld gleich der BBC zu geben, da fallen unterm Strich die besseren Sendungen heraus und im Verlgeich zur ARD sind die fast schon Hungerleider.

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Was gehört denn zur Grundversorgung? Die Umstellung auf HDTV? Damit die Zuschauer die Sorgenfalten der Moderatoren noch besser sehen?

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Ich finde, einen Haufen Geld in HDTV zu versenken ist noch das beste, was die ÖR damit anstellen können. Es ist ja nicht so, dass das Geld sonst für das Gute, Wahre und Schöne aufgewendet worden wäre.

Gibt's eigtl. Kunst und Krempel noch?

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Soweit ich weiss, ja.

Das Lustige ist ja, dass die deutschen Sender nach BBC-Vorbild aufgezogen wurden und das Vorbild nicht m al erreichen wollen (heute Abend auf Youtube: Top Gear).

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Und die BBC-Bürokratie hat sie ja auch übernommen.

Der Unterschied: Die ARD würde eher die Selbstauflösung bekannt geben als Clarkson und Cpt. Slow mit Gin Tonic und Toyota Hilux zum Nordpol zu jagen. Oder auch nur mit einem Aston Martin, Lamborghini und Ferrari durch Rumänien.

Kunst & Krempel scheint in bester Manier des Staatsfernsehens zu überleben. Das beruhigt irgendwie. Es ist ja nicht alles schlecht...

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@ "Die Menschen für Alternativen begeistern":
Ja, das wird den ganzen Heroinsüchtigen sicher sofort einleuchten, dass man mit Methadon (oder bei einem Spaziergang an frischer Luft) auch viel Spaß haben kann.

Mit dem Vakuum, das die meisten Zuschauer empfinden würden, wenn man ihnen die Glotzendroge wegnähme, müssten sie erst mal umgehen lernen.

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Vollkommen verrückt, wie der Run auf die HDTV-Glotzen derzeit. Sind ja schicke flache Riesenbildschirme, aber ich wüsste nicht wann ich da was drauf sehen sollte und insbesondere was.

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Ja, geht uns genauso.
Grad gestern meinte meine Frau seit längerem mal wieder, lass uns doch wieder mal was angucken. Aber wir haben beim besten Willen nichts gefunden, was uns gereizt hätte. Wie so oft. Und um ab und zu mal eine DVD zu gucken, tuts die alte Sony-Röhrenglotze mit 70er-Diagonale allemal.

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Ganz richtig. Ist es nicht nicht so, dass wir gar nicht mal weniger gutes Fernsehen haben - nur hat sich eben die Quantität um ein Zwanzigfaches an Schrott vermehrt, so dass man dieselbe Qualität nun suchen muss wie die Stecknadel im Heuhaufen? Natürlich ist weniger mehr.

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Mit irgend etwas muss man das wachsende Prekariat nun mal bei Laune halten. ;-)

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tv klappt bei mir seit vielen jahren max 5 min. dann kommt dieses styropor-im-bauch-gefühl auf.
wie eine allergie.

ich hätt also mal nix gegen abschaffen od. auf 3 std / tag begrenzen (natürlich ohne werbung )

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TV und Auto
Dabei kommt heute gerade mal was sinnvolles im Fernsehen:

http://www.tvheute.at/cont/tv/detail.aspx?broadcastid=216023355042&date=29.11.2009%2006:00:00

Aber das ist wirklich selten. Also: USB-Stick andocken und gucken ...

Grüße aus Leipzig

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erinnert sich noch jemand an die zeiten, als rauchen nicht als verwerfliche sucht sondern als genuss für erwachsene galt?

so ähnlich müsste es mit dem fernsehen gehen.

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Schon im Haushalt meiner Eltern gab es kein Fernsehen und ich habe es mir auch später nie angeschafft. Es gibt einfach keinen Grund dafür, und so viele dagegen.
Also: Nicht über die schlechte Qualität meckern, sondern einfach die Kiste rausschmeissen.

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neoliberal
was ist denn an R. Koch neoliberal?
Der ist weder neoliberal, noch altliberal noch überhaupt liberal.
Aber anscheinend finden Sie es schick, alles was nicht links ist, neoliberal zu nennen, was ja wohl ein Schimpfwort sein soll.
So wie Berlusconi alles kommunistisch nennt, was links von ihm ist!
Ist beides eher schwach!
Sie Herr Alphons könnten es aber doch besser!

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...und dann noch das Maienlächeln aus der Novemberschachtel

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leider ist dieses Schimpfwort noch nicht etabliert
@Don Ferrando

,,was ist denwas ist denn an R. Koch neoliberal?"

Die Politik, die er tatsächlich macht, und die oft im Gegensatz zu dem steht, was er sagt. ,,Neoliberal" ist als Schimpfwort für Ar...kriecher und Leute, die nach unten treten, aber nach oben buckeln, leider noch nicht so etabliert wie es diesem Land gut täte.

Viele Mitleser erinnern sich sicher noch an die Ypsilanti-Intrige. Damals machte ich die Vorhersage, man müsse nur die Biographien von Tesch und Everts in der Zukunft beachten, dann würde klar, dass dies eine geplante Intrige war. Nun, es ist soweit:

http://www.fr-online.de/_em_cms/_globals/print.php?em_ssc=MSwwLDEsMCwxLDAsMSww&em_cnt=2101557&em_loc=3289&em_ref=/frankfurt_und_hessen/meinung/&em_ivw=fr_lokmeinun

Und was an der Steuerfahnder-Affäre neoliberal ist muss gewiss nicht besonders herausgearbeitet werden.

http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/dossiers/die_steuerfahnder_affaere/?em_cnt=2107725

Und meine Frage an die Mitleser, die sich mit und in den Medien besser auskennen: ist die Rundschau wirklich die einzige Zeitung, die dieses Thema oben hält? Habe ich da etwas verpaßt?

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Der Koch tut zwar noch neoliberal, ist aber schon kriminell antidemokratisch. Eigentlich müßte sich jeder anständige Konservative, der was auf sich hält, bis auf die Knochen schämen, einem derartigen Staatsverächter seine Stimme zu geben.

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….die Natur wird sich bei der Visagenverformung vom Koch schon was gedacht haben :-)
Solch einem Einklang zwischen Erscheinungsbild & Handlung lässt einen ja fast an Lombroso glauben…obwohl mir der echt fern liegt.

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Herr miner,
diese Ihre Theorie zwischen Erscheinungsbild& Handlung ist nicht neu!
Die hat schon Julius Streicher im Stürmer verwandt !

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herr ferrando,
ja, dann war ja der streicher sein bestes feldobjekt: er sah aus wie ein perverser & war auch ein perverser. aber dieses programm haben die jungs mit der grossen fernbedienung zum glück in nürnberg abgeschaltet.

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