: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Freitag, 11. Dezember 2009

Real Life Sommer 1983 - Warmes Wasser

Zwischen den Mahlzeiten beim Lesen wieder eingefallen: Ein Tag unter feinen Kindern.

Eigentlich fühlt es sich an, als wären wir damals noch Kinder gewesen, aber es kann nicht stimmen. Denn J. hatte bereits den weissen Porsche, und war nur ein, zwei Jahre älter als ich und V. und E.. Wir waren also keine Kinder mehr, Jugendliche vermutlich. Vielleicht liegt das gefühl, noch Kind gewesen zu sein, am Surfboard, denn als E.s Vater das kaufte, fuhr ich mit, und an jenem Tag radelte ich über die Wiese zu ihnen. Es war einer der letzten Tage mit diesem Rad für Jüngere, bald danach begannen die Sommerferien, und meine Eltern hatten keine Bedenken, mich damit nach Südfrankreich fahren zu lassen, wo auf der Anreise die Speichen hinten brachen und mit jenem Zoooing-Geräusch meine Liebe zu richtigen Rennrädern und allem, was schnell und gefährlich ist, begann. Mit Schutzblechen ist man ein Kind, mit Tempo 90 den Monte Baldo runter ist man erwachsen.

Das Desaster des Jugendrades zwischen Bourg und Belfort kündigte sich schon bei diesem Radweg an, denn die Kette sprang heraus, ich musste sie wieder einfädeln, schnell nach Hause und die Hände waschen - es wäre vollkommen undenkbar gewesen, zu E.s Vater mit schmutzigen Händen zu kommen - und meine Mutter rief dort an und entschuldigte mein Zuspätkommen. Dann fuhr ich hin, und alle mit Ausnahme von E.s Mutter, die nicht vollkommen von diesem für ihre musischen Töchter eher unpassenden Sport angetan war, gelangten wohlbehalten im Geschäft an.



Von da an hatte E. wie alle anderen im Viertel am See ein Surfboard. Wenn Wind war, gingen wir surfen, und wenn nicht, lagen wir an der einzigen Stelle des Sees mit Sandstrand an jener Stelle, wo früher der Förderturm für Kies und Sand gestanden hatte, in den alten Betonfundamenten, und überlegten uns, was die Zukunft bringen würde. Abitur, Studieren, und dann... Wir wussten es auch nicht. E. und ihre kleine Schwester wurden durchaus umgarnt, von jenen, die nichts über sie wussten, nichts von dem rosa Zimmer, das E. bewohnte und vom hellblauen Zimmer, das ihrer ausnehmend schönen Schwester überlassen blieb. Wir hingegen wussten es ja, wir waren ihnen nah, weil wir es wussten, und hätten wir es nicht gewusst, dann hätte man uns erst gar nicht so nah kommen lassen. Ihr Vater war (und ist übrigens auch heute noch) der Inbegriff des korrekten Bankdirektors, und wenn wir mit E. zur Schule radelten, konnte er und wir genau vorhersagen, wo wir ihn überholen würden: Ziemlich genau am gelben Porsche 911 Targe von Frau P., und nie hinter der Strasse, in der V. wohnte, und der uns ab dort begleitete.

Weil ihr Vater so überkorrekt war - übrigens im deutlichen Gegensatz zu ihrer offenherzigen und sagenhaft freundlichen Mutter - wussten wir auch, dass es sich nicht lohnen würde, hier zarte Bande zu knüpfen. Man konnte mit E. schönes Briefpapier kaufen und über Bücher sprechen, aber man lässt sich ja immer auch mit einer ganzen Familie ein, die wiederum die eigene Familie schon aus Zeiten kennt, da die Grosseltern noch Kinder waren. Wir waren uns alle zu ähnlich, viel zu ähnlich, und neugierig ist man stets auf das Unbekannte. Ausserdem hielt man uns - unzutreffenderweise - für Verwandte, und man weiss ja, was alles so gerdet wird.

E. hatte, und damit begann das Unglück, auf dem Bankenball im Stadttheater J. kennengelernt, den Sohn einer anderen Dynastie der Stadt, die in den kommenden Jahrzehnten wirtschaftlich expandieren und ansonsten typisch für diese Region bleiben sollte. J. selbst hatte damit wenig zu tun, der Konzern ist eigentlich einem leitenden Mitarbeiter und weniger der Familie selbst zu verdanken, und damals waren sie schon etwas reicher. So reich, dass sie J. einen Porsche 924 in Weiss zum 18. Geburtstag schenkten. Seine plötzliche Anwesenheit empfanden wir als Provokation, denn J. tauchte nicht nur am See mit lautem Motor auf - seine Eltern wohnten aus mir unbekannten Gründen nicht im einzig richtigen Viertel der Stadt, sondern nur bei den Ärzten - er wollte auch unseren Standort verlegen. Weg von der sandigen Bucht hinter einem Erdwall zu einer anderen Bucht, von wo aus man seinen weissen Porsche sah. Uns mit unseren bunten Brettern war das nicht recht, denn es war der beste Platz, und schon immer hatten wir ihn besessen. J. allerdings legte wenig Anwesenheit auf uns, allein die E. wollte er mitnehmen. Wir waren, das liess er uns merken, ohnehin nur störend.



Es war im späten Sommer, und die ersten Blätter trieben schon im Wasser, die grossen Ferien gingen zu Ende, da wurde E. mitsamt Brett und Schwester von ihrem Vater zu uns gebracht, auch meine Eltern und die von V. brachten uns an den See, und weil es windstill blieb, legten wir uns auf die Bretter und paddelten nach draussen: E. und V. auf E.s Brett, ihre kleine Schwester und ich auf meinem Brett. Es war nochrecht früh am Morgen, und wir sassen auf dem Wasser und redeten über die Schule, die bald wieder drohte, über Bekannte, über nichts. Vom Parkplatz hörten wir das bekannte Motorengeräusch, J. ging an den See herunter, sah uns und rief E..

Ich weiss nicht mehr, was E. sagte, aber es waren keine freundlichen Worte, während J. nach vergeblichem Rufen ins Wasser ging und zu uns heraus schwamm. Zu wenig Platz sei auf den Brettern, riefen wir ihm zu, er solle wegbleiben, er störte uns in dem Frieden, den es nur gibt, wenm Kinder reicher Leute sorglos am See sind, aber das nahm er nicht zur Kenntnis. Unerträglich fanden wir ihn, und V., dessen Mutter den 924 nicht einfach in Silber so geschenkt bekommen hatte, machte aus seiner Abneigung gegen J. keinen Hehl. So paddelten wir weiter, wenn J. näher kam, liessen immer ein paar Meter zwischen J. und uns, hofften, er würde umkehren, aber J. war jung, schlank und keinesfalls schwach. Irgendwann hörte V. zu rundern auf, stellte sich auf das Brett, liess J. herankommen, bis der zu schwimmen aufhörte und E. ansprach. Dann sprang V. vom Brett herab auf seine Schultern.

Und drückte ihn unter Wasser. J. war verschwunden, von V. war nur noch der Kopf über dem funkelnden, stillen See. Es dauerte etwas, bis J. auftauchte, schrie, Dinge schrie, die wir nie gesagt oder auch nur gedacht hätten, und sich mit V. eine kurze Schlägerei im Wasser lieferte. Dann schwamm er zurück und verschwand mit seinem Porsche. Er hätte auch tot sein können, aber das verstanden wir erst viel, viel später. Wir bewahrten das Geheimnis, nur V. gab damit in der Schule an, auch gegenüber der Apothekerstochter A., die sagte es ihren Eltern, und das Gerede nahm seinen Lauf.

V. und E. jedoch waren im Winter ein Paar, und ich küsste zu jener Zeit den Hals der Tochter des Chefs von E.s Vater in deren S-Klasse. J. baute später in der Stadt wenig schöne Hochhäuser, und die Ehen von E. und J., natürlich mit anderen Partnern, sind nur begrenzt glücklich, die von V. sicher mehr als die von E.. Ihre Kinder gehen nicht in die gleiche Schule, sie wohnen auch nicht im gleichen Viertel. Niemand von uns wohnt noch in diesem Viertel, und die Schwester von E. ist auch weggezogen.

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Freitag, 11. Dezember 2009

Der Weltuntergang ist da!

London wird sterben! Es wird Pech, Schwefel und Springerjournalisten regnen! Die Themse wird überlaufen, und alle werden sterben! Überleben tun nur jene Banker, die rechtzeitig vor der Todsünde der Bonisteuer nach Genf geflohen sind!



Sagen zumindest viele Journalisten, die glauben, wegen der paar Kröten würden Banken ein paar subalterne Händler unter hohen Kosten in die Schweiz bringen. Das kommt davon, wenn man Banker nur beim Fingerfood kennenlernt, und nicht beim Fingerbrechen. Aber dafür gibt es ja die Stützen der Gesellschaft, für die der Banker auch nur eine Art Lohnsklave ist. Bei der FAZ.

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Fensterlehnung

Es kann mich einen Job kosten, aber hey! Ich sage das jetzt einfach nochmal, nachdem ich es ja schon mal sagte:

Und wir sind noch lange nicht fertig. Man merke sich "Hypo Alpe Adria", die haben die besten Chancen, für Bayern das zu werden, was Ormond Quay für die SachsenLB wurde.

Deshalb jetzt nochmal deutlich: Wenn es bis zum kommenden Montag keine Lösung für die Hypo Alpe Adria gibt, ist nicht nur das bayerisch-österreichische Verhältnis tot. Der Bank Run kommt nicht erst, der ist schon unterwegs. Und dann wird es wirklich spannend sein zu sehen, wie die Kettenreaktion ausfällt. Ich sage: Das wird das Alpen-Lehman. Die Frage ist eigentlich nur, wer am meisten draufzahlt für die Carry Trades im Osten. Edit: Dazu gehören auch rund 400 verschwundene Yachten.

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"I do not bring with me today a definitive solution to the problems of war"

Dann verpiss Dich, geh heim in Dein durchgeknalltes Land und suche gefälligst eine Lösung. Sie muss nicht mal definitiv sein. Es reicht fürs erste, wenn es ein Anfang ist. Oder bring wenigstens ein paar kriminelle Bankster in den Knast. Oder schmeiss die Luftverschmutzerlobby raus. Oder sag mal wenigstens Ja zu einer globalen Regulierung der Spekulation.

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Mittwoch, 9. Dezember 2009

Der Zusammenhang zwischen Opel und Deutscher Bank

Ich weiss, das Thema ist nicht unkomplex, und so manches leichte Thema ginge unendlich viel besser - aber ich denke, man sollte sich wirklich mal überlegen, wie eigentlich die deutschen Hilfen für Opel mit den amerikanischen Hilfen für die Deutsche Bank zusammenhängen, und was aus der Restsumme in Afghanistan werden könnte. In der FAZ. (Aus der Serie "Beiträge, für die ich zahlen würde, um sie dort zu schreiben")

Ansonsten: Volle Deckung! PAPACONSTANTINOU SAYS GREEK BANKING SYSTEM NOT AT RISK! Da kommt was auf uns zu - und das ausgerechnet, wenn die Pässe in die Schweiz verschneit sind.
http://ftalphaville.ft.com/blog/2009/12/09/87886/greece-is-the-word/

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Ich möchte in Frankfurt sein.

In einer wenig ansprechenden Halle in einem unauffälligen Gebiet, nahe der Autobahn.



Dort wird gerade Farbe in British Racing Green in einen Kompressor gefüllt, und auf den unteren Teil meines Wagens gesprüht. Das ist etwas dumm, denn diesen Teil habe ich mit viel Hingabe aufpoliert, dass er feine Patina hatte, aber letztlich hatte ich wegen der Türen keine andere Wahl. Dann sieht er eben unten relativ neu aus. Oben bleibt die alte hellgrüne Farbe mit jenen Stellen, wo der Lack durch das Polieren bis auf die Grundierung durch ist. Der Vorbesitzer war ein sorgfältiger Mann, und das soll man auch weiter sehen.



Die Türen sollten jetzt wieder ein paar Jahrzehnte halten, die Farbe nicht minder. In dem Punkt Sorgenfreieheit bis 2030, da kann viel passieren, und vielleicht gibt es dann auch keinen Sprit mehr. Nächstes Jahr, übernächstes Jahr, da brauche ich ihn, durchaus auch beruflich übrigens, aber daraf will ich es nicht reduzieren: So lange habe ich Sunbeams angestarrt und angegeifert, ich wollte einmal in meinem Leben auch so etwas haben. Normalerweise bin ich nicht allzu gierig: jetzt schon. Und ich würde gern zuschauen, wie er zur alten Pracht zurückkehrt.



Aber auch dann ist noch einiges zu machen. Sobald er in Bayern ist, kommt das Lenkrad dran, und das Leder an seinen weniger guten Stellen , namentlich der Fahrersitz. Vor dem Chrom - die hintere Stossstange steht sicher auch auf dem Programm - habe ich etwas Angst. ich habe Angst, dass es etwas unharmonisch zwischen den Originalteilen und den neuen Partien sein wird, ich habe auch einen flauen Bauch beim Gedanken an mehrmaliges Liegenbleiben, wie bei den letzten Ausfahrten vor der Entdeckung des Grundübels, einer offenen Vergaserheizplatte im Krümmer. Aber ich bin schon so weit gekommen, Leiden gehört dazu, und was ich wirklich bedaure ist, dass ich heute nicht in Frankfurt bin, und zuschauen kann, wie Lazy Susan ein Stück mehr rivieratauglich gemacht wird. Einmal an die Riviera damit. Dann bin ich zufrieden.

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Dienstag, 8. Dezember 2009

Griechenland hat den Euro und keine silbernen Teekannen,

und Antiken kann man auch nicht ausführen - es ist nur ein Glück, dass es den Briten gerade wieder voll nass reingeht und deshalb der Euro aufgrund der griechischen Defizitkrankheit nicht gegen das Pfund abraucht. Damit haben wir jetzt die alte Balkan- und Baltikumkrankheit auch im EU-Raum offen rumliegen - in Spanien und Italien ist man ja gut darin, das Problem zu verstecken. Noch. Nur: Was bringt mir das ganze Elend in diesen grauen Tagen, da sich der Winter und der Herbst um die Berge streiten?



Ich tippe auf eine opelianische Lösung: Man wird die Griechen retten, und dann stehen sofort die Italiener vor der Tür und wollen auch was haben. Es wäre wirklich schön, wenn man solche Länder, wie hier schon einmal vor rund einem Jahr schon mal vorgeschlagen, aus der Eurozone rauswerfen könnte, am besten im Gefolge der Iren. Ansonsten muss die Schweizer Nationalbank wieder Überstunden machen, den Franken vor den Kaufwellen zu retten.

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Ethik Du mich auch

Für Freischreiber ist er im Aufnahmeausschuss und baut die AG Ethik mit auf.

Bei Freischreiber läuft ja so einiges an Leuten rum, bis runter zum Sumpf verhinderter Blogwerbeprofiteure. Und dann schreibt einer aus dem Laden solche Spammails an mich und andere, die den Eindruck erwecken, der Gegenstand der Recherche wäre damit einverstanden, wenn er mich anschnüffelt:

ich schreibe Ihnen aus einem journalistischen Anlass. Ich sitze an einem Porträt des Bloggers Strappato und der Stationären Aufnahme. Er weiß von meinem Interese. Um ein Missverständnis gleich vorweg auszuschließen: Mich interessiert nicht wer er ist, sondern wie er ist. Gerne würde ich von Ihnen erfahren: Wie sind Sie sich begegnet? Handelt er, weil er nicht anders kann oder aus freien Stücken? Ist er ein [...]
Ihr Sachverstand wäre für ein ausgereiftes Stück Journalismus dienlich. Es ist nicht ganz eilig. Gerne befrage ich Sie dazu am Telefon. Gerne können Sie aber auch schriftlich antworten.

Mit freundlichen Grüßen

xxxxxxxxxx xxxxxx


Geh woanders schnüffeln. Am besten nicht mehr im Journalismus. Hier draussen sind keine Idioten, die so einem dahergelaufenen Typen alles erzählen, der sogar das Medium verheimlicht, für das er unterwegs ist.

Edit: Langsam tauchen auch weitere Stellen auf, an denen mit der Behauptung nachgefragt wurde, die Betreiber des Blogs wüssten davon, diesmal bei Blogger.de direkt:

Gerne würde ich von Ihnen erfahren:
> Wie sind Sie sich begegnet? Auch Persönlich? Wie würden Sie ihr
> Verhältnis zu hockeystick und strappato beschreiben? Ein Blog wie die
> Stationäre Aufnahme macht einem Bloghoster auch juristische Probleme.
> Warum nehmen Sie die auf sich? Wie schätzen Sie die Motivation der
> beiden ein: Sind das Weltverbesserer oder lässige Kritiker? Und: Warum
> tun die beiden sich das an? Die beiden bloggen anonym, sie ermöglichen
> das. Warum?

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Montag, 7. Dezember 2009

Damals, die 80er

Es gibt Themen, die ich nur ungern anfasse, weil sie wie "80er, 90er und das Beste von Heute" klingen, oder "Die hundert besten Popsongs" und anderer klickschindender Dreck deutscher Medienhäuser. Dieses elende "Weisst Du noch wie es früher war", der einfache Content, wenn man gerade nichts Relevantes zu sagen hat. Andererseits habe ich versucht, bei der FAZ anstelle eines 25000-Zeichen-Beitrags über die Entstehung von Klassenbewusstsein drei kleinere Kapitel zu machen, und da geht es nicht ohne die persönliche, recht ausschweifende Erfahrung im wilden München der Zeit zwischen 1988 und 1994.



Kleine Ironie am Rande: Die Barchetta als das ultimative Cabriospielzeug für verwöhnte Kinder kam erst 1995 in die Familie, als das wilde Leben, zu dem sie hätte beitragen können, schon wieder vorbei war.

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Adel verpickelt

Nachdem ich in Bonn miterlebt habe, wie der jüngst gestorbene, wirtschafts"liberale" Graf Steuerhinterzieher der deutschen Wirtschaft beim Versuch Beihilfe geleistet hat, die ehemaligen Nazi-Zwangsarbeiter ohne Hilfe krepieren zu lassen, möchte ich hier sagen, dass sich meine Fähigkeit zum Finden positiver Aspekte dieses Politikers auf einem Niveau rangiert, das als irrelevant zu bezeichnen sicher keine Anmassung wäre.

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Sonntag, 6. Dezember 2009

Schöne Dinge für hässliche Tage

Letztes Jahr, in diesem harten, langen Winter, lag um diese Zeit schon genug Schnee zum Rodeln ab 750 Meter. Und ansonsten war das Wetter zwischen sagenhaft und keinesfalls zu kalt zum Aufsteigen. Dieses Jahr ist es enorm berlinerisch, fies windig und einsig, aber der Schnee ist noch viel zu niedrig, um mehr als eine Illusion abzugeben.



Entsprechend kurz sind die Wege durch die Kälte, entsprechend lang sitze ich in Restaurants und Lokalen, rede, verweile, denn draussen kann man es kaum ertragen. Draussen, wo der Postmann die Ergebnisse der grossen Krise des Vereinigten Königreiches anschleppt, denn als Dubai den Bankrott verkündete, wollte gerade wieder kein von den letzten Jahren gestresster Inselbewohner sein Geld für sinnlose Teekannen ausgeben, auch wenn sie schwer und bestens erhalten sind, und vom Hoflieferanten kommen. Krise ist, wenn man auch am Nationalstolz spart. Dabei ist Mappin & Webb stets ein klarer Kauf; ich habe mehr als eine Kanne von ihnen, und alle sind aussergewöhnlich hochwertig, so, wie man das zugunsten einer langen, intensiven Nutzung auch haben möchte. Dass sich diesmal die britische Post beeilte, kann eigentlich in dieser Jahreszeit nur ein Indiz sein, dass Briten gerade auch nichts zu verschenken und verschicken haben.



So aber bekomme ich wenigstens eine gute Tasse Tee aus einer feinen Kanne eines guten Hauses. Und wenn ich schon weder raus noch Rodeln gehen kann, so bleibt mir doch der Traum von der Abfahrt auf weissen Wegen, wenn ich mit dem Schleifpapier die Stahlkufen von Rost befreie. Ähnlich wie bei Teekannen habe ich zwar schon mehr als einen Rodel, aber wer aufmerksam über die Flohmärkte läuft, weiss, welche Unmengen an mehr oder weniger veralteten Rennskiern es gibt, und wie wenig Rennrodel - zeitlos und auch nach Jahrzehnten noch elegant - dort zu finden sind. Kinderschlitten sind leicht zu entdecken, aber echte Rennrodel fand ich bislang nur zwei - ein extrem überteuertes Exemplar eines Irren und heute ein tschechisches Produkt namens Jested, benannt nach einem hohen Berg und dem Ort der ersten österreich-ungarischen Rodelmeisterschaft - in Jested soll es heute noch Reste dieser Anlage geben. Jedenfalls entspricht der gerade entdeckte Rodel all den Erwartungen, den man auch an einen alten Bär, Köck oder Gasser aus Österreich haben würde; er ist flach, geschwungen, aus Eschenholz und hat dicke Eisenkufen.



Einer allein braucht nicht so viele Rodel, allein, es haben sich viele Gäste angekündigt, und dieses Stück ist sogar zweisitzig, falls sich jemand zusammen mit einem Kind in die Eisrinnen stürzen will. Nun sitze ich also da, poliere das Eisen für das kommende Eis, trinke Tee und schaue in den grauen Himmel. Die Freunde sind schon wieder fern, abgeflogen und auf Autobahnen, ich bin allein, es ist kalt draussen, und unten wäre der Nikolaus, die Kinder zu beschenken - aber ich muss arbeiten, kochen und hoffen, dass der Winter bald endlich richtig losgeht. Mit viel Schnee und viel Tee, den ich nach der Kälte und dem Rasen durch weiss bespitzte Wälder in der Wanne trinken werde. Dann aber wird der eisige Wind über dem Matsch andere heimsuchen, und ich werde sie fernmündlich sehr bedauern.

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Sonntag, 6. Dezember 2009

Pommersfeldener Schlosskatzencontent

Generell denke ich, dass es nicht das Schicksal, sondern die grenzenlose Dummheit der Menschen ist, die unser Leben bestimmt: Der eine macht die Kredutkrise, der andere schmiert die FDP, der dritte ist ein Schweizer Rassist und Chefredaktor, der vierte bescheisst als amerikanischer Präsident seine Wähler und macht noch mehr Krieg, und das alles trägt dazu bei, dass die Welt, in der ich mich bewege, so klein, hässlich und widerlich ist. Ginge es nach den Deppen, dann würden sie noch mehr auf mein Leben drücken, als es ein normales Schicksal es sich je herausnehmen würde. Mit in die Reihe der Arschlöcher gehört auch der Raser auf der Autobahn zwischen Würzburg und Nürnberg. Man weiss nie, wo sich dieser Freund der Lichthupe gerade befindet, aber irgendwann habe ich so ein Gefühl, dass es nun an der Zeit ist, dem unerbittlichen Lauf der Arschlöcher ein Schnippchen zu schlagen und sie ins Leere fahren zu lassen, wo sie hoffentlich einen Baum und nicht mich treffen. Ich möchte gern mindestens ein weiteres Jahr für die FAZ, wie jüngst ausgemacht, schreiben, und zwar gesund und in einem Stück. Deshalb schlage ich, karnickelgleich, einen Haken und fahre nach Pommersfelden.



In Pommersfelden mache ich stets eine halbe Stunde Urlaub: Begleitet von Musik von Telemann gleite ich über die sanften, fränkischen Hügel, stelle den Wagen vor dem Eingang von Schloss Pommersfelden ab, gehe über den Schlosshof und bewundere die Ansicht - es wird mir auch nie langweilig - sehe mit Freuden, dass sie nun den Barocksaal restauriert haben, und darin ihr Restaurant führen, und gehe dann über die Allee hinter zum Konditpr, wo ich Käse- und Apfelkuchen kaufe. Diesmal schickt mir das Schicksal jedoch die wohlgenährte Pommersfeldener Schlosskatze in den Weg. Als ich den Schlosshof verlassen will, kommt sie mir entgegen, schaut mich an, streicht mir um die Beine und maunzt. Also streichlich ich sie. Nach einer Weile bewegt sie sich etwas weg, ich gehe ein paar Schritte, sie bemerkt, dass sie noch etwas mehr Zuneigung möchte, läuft mir maunzend hinterher, lässt sich streicheln, und so geht das eine halbe Stunde, bis sie wirklich genug hat. Sie ist sehr hübsch, mit einem Harlekingesicht und einem dicken, weichen Fell.



Vielleicht weiss die Pommersfeldener Schlosskatze einfach mehr vom Schicksal und berechnet in ihrem Kopf, wie weit der Raser ist, der mich von der Strasse schubsen will, stellt komplizierte Stochastik an und berücksichtigt die Fraktalität der Ereignisse, realisiert Veränderungen und beschliesst, dass ich sie noch streicheln sollte, um etwas Sicherheitspuffer zwischen mich und den nicht stattfindenden Ereignissen zu legen. Ich kann das nicht, und die Wahrscheinlichkeit, dass die Katze es beherrscht, ist sicher nicht kleiner. Also tue ich, was sie will. Dann kaufe ich Kuchen, gehe zu meinem Auto, während die Schlosskatze vielleicht schon wieder zufrieden auf der Bank beim Kachelofen sitzt, dessen Feuer einen würzigen Rauch in den Himmel über dem Schloss schickt. Kurz vor Nürnberg kleben ein BMW und ein Schnelllaster an der Leitplanke. Ich komme gesund und froh am Tegernsee an, der Kuchen ist wie immer exzellent, und die Schlosskatze überlegt schon, wen sie morgen vor den Arschlöchern der Prädestination rettet.

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Freitag, 4. Dezember 2009

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Na also.



Die Wunde schmerzt nicht mehr so.



Irgendwo da vorne: Frühling und Riviera. Nicht mehr lang.

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Gentrifizierung

Man liest über die Gentrifizierung von Städten eigentlich immer nur aus Sicht der Opfer, oder aber aus Sicht des diesen Vorgang finanzierenden Kapitals. Was es überhaupt nicht gibt, sind Beiträge über die gentrifizierung aus Sicht der Begünstigten. Das liegt meines Erachtens daran, dass man sich offen gesagt keine Gedanken darüber macht. Es passiert einfach.



Jedenfalls habe ich mir jetzt doch mal die Mühe gemacht, über den Vorgang nachzudenken und zu erklären, wie das so von Seiten der Begünstigten passiert. In der FAZ.

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