: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Dienstag, 16. März 2010

Platz 89

Offensichtlich sind Leser doch nicht so dumm, wie sich das das heilige Feuilleton deutscher Nation vorstellt - bei Amazon ist das angeblich von Helene Hegemann zusammengestellte Plagiatsmachwerk auf Platz 89 abgestürzt, und auch bei der Unterstützerspiegelliste nur noch auf Platz 5. Da hat sich der Filz aus Verlag und Szene wohl doch etwas verspekuliert.

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Ein gebrochenes Prinzip

Immer, wenn mir jemand die Beschäftgung einer Haushaltshilfe ans Herz legte - sei es, weil meine Küche wie Afghanistan aussah oder mein Bad temporär als Restaurierungsbasis für was auch immer gedient hatte - verschloss ich meine Ohren. Und stets war ich in der Lage, das alles so zu säubern, dass man sich nachher blendend und ohne Reue darin aufhalten konnte. Solange man nicht die Schränke öffnete, ab und zu. Ich komme mit meinem Leben und meinen drei Wohnungen prima alleine klar. Ich brauche niemanden, der putzt, wäscht, aufräumt oder gar kocht oder tote Viecher bratfertig macht. Trotzdem bin ich jetzt ein wenig flexibel geworden, und ja, ich habe jetzt auch eine Haushaltsfilfe. Aus den Niederlanden noch dazu. Ich, Don Alphonso Porcamadonna, barocker Schlamper und bavaröser Fresser vor dem Herrn und erfolgreicher Staubbisamrattenzüchter, habe eine calvinistische Haushaltshilfe aus nördlich des Mains wo es nur Preussen gibt. Die leicht schiach blickend noch dazu von meinem Vegetarismus nichts hält, und in meiner Wohnung Hühner rupft.



Immerhin ist sie blond und 340 Jahre alt, da ist wenigstens in Sachen Horizontales nichts zu erwarten, selbst wenn sie alle Attribute der fleischlichen Unzucht bei sich hat. Teuer war sie trotzdem. Aber was soll's, andere geben ihr Geld für Zigaretten, Alkohol oder Glücksspiel aus. Da kann ich mir ab und an mal schon eine Magd leisten. Japsend.

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Samstag, 13. März 2010

Der mensch lebt nicht von der Entsagung allein

Bei all dem Rodelpr0n könnte man glauben, der Herr dieses Blogs könnte durch tägliche Aufstiege ausgezehrt und dünn sein, ein Strich in der Landschaft wie viele, die in weniger glücklichen Regionen voll mit 1,49-Euro-Döner leben - aber dem ist nicht so; versteht er sich doch nicht nur auf die Kunst des Kochens.



Sondern auch auf die Kunst des Tischdeckens, der Verniedlichung schweren Essens und dem Verstecken von Unmengen von Fett in scheinbar diätischen Kürbisgerichten. Davon kündet der neue Beitrag in der FAZ.

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Die richtige Viertel Stunde

Es macht bei Neuschnee nur begrenzt Sinn, den Rodel wirklich ganz hoch zu ziehen - die Abfahrt ist dann eher unspassig, und zudem wollte jemand partout einen roten Teufel ausprobieren, jene Rennmaschinen ohne Bodenfreiheit, die einfach nicht für Neuschnee gebaut sind. Also blieben sie, mit einem Schloss angekettet, vor dem letzten Anstieg zurück.



Man geht natürlich mit einer gewissen Erwartungshaltung hoch. Heute war es nicht "schönes Wetter" oder ", tolle Aussicht", denn von ein paar blauen Momenten abgesehen war es ein wenig erbaulicher Tag; windig, mit Schneetreiben und immer ein wenig finster. Aber da sind ja noch die Spinatknödel. Mit Parmesan und Butter. Und etwas Platz ist in der Hütte auch noch. Um 14 Uhr sind viele schon wieder gegangen.



Dann, die Knödel sind gerade zur Füllung der schwarzen Hungerlöcher im Bauch verschwunden, und haben ihre buttrige Spur im Gaumen hinterlassen, kommt ein Ehepaar und bestellt Spinatknödel. Die Bedienung verschwindet kurz und kommt gleich wieder - das letzte Paar wurde gerade bei ihrem Kollegen bestellt. Das waren also, von hinten gezählt, Nummer 6, 5, 4 und 3 der verbliebenen Prachtstücke. Eine Viertel Stunde später am Gipfel, gar nicht auszudenken wäre das gewesen.



Es deutet sich aber zart ein Wetterwechsel an, so klar ist die Luft, und die anderen Berge scheinen so nah. Vielleicht gilt es bald wieder, den südlichen Sonnenzipfel zu ergattern, vielleicht ist unten bald wieder Nebel und oben das Blau, vielleicht lacht hier das Glück über all dem Elend an anderen Orten, manchmal muss man eben nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, oder darauf warten, dass für den Ort die richtige Zeit kommt.



Dann geht es zurück ins Tal, jeden Tag geht es ein wenig besser, jeden Tag fühle ich etwas mehr Kontrolle, und die Kurven gehen fast ohne Bremsen, jeden Tag verschwindet etwas die Hektik, und die Abfahrt wird zu einem wilden, aber sauberen Tanz durch Kurven und Gefälle und über eisige Rippen, bis der rote Teufel auf den letzten Metern noch ein paar andere frisst, die nicht mit dem vollen Schwung und hohem Gewicht plus zwei Spinatknödel über die letzten Flachstücke schiessen.

Manche haben eben, und andere bekommen nicht. So geht es zu auf dieser Welt.

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Freitag, 12. März 2010

Tage der roten Teufel

Inzwischen ist es schon gar nicht mehr so schlimm, die 11 Kilo den Berg hinaufzuschleppen. Man gewöhnt sich daran, selbst wenn der Umstieg auf ein normales Gefährt wie ein neues Paar Flügel ist - solange man zieht. Bergab ist es eine andere Geschichte. Da zieht man gerne einen roten Teufel.



Manchmal ist es in den Bergen blau, wenn alles andere unter Wolken liegt; heute dauerte es etwas, bis das Blau aus der Tiefebene in die Berge kam und sich über dem Dunst der Niederungen vollendete. Da unten wissen sie vielleicht gar nicht, wie blau der Himmel tatsächlich ist, und wie die Sonne ungehindert hindurch scheint.



Es gibt Tage, da zieht sich der rote Teufel einfach, aber durch die Wärme über dem Dunst wird es schwerer; dazu kommt auch noch der knirschende Neuschnee auf dem Berg, der gestern und in der Nacht gefallen ist.



Dann aber flammen die unberührten Schneefelder in strahlendem Weiss auf, eine Ahnung von Unschuld und bald aufgefressen von der hoch stehenden Sonne, ohne je in braunen Matsch der Städte zu verfallen. Ich kann verstehen, dass man den Winter hasst, wenn man nicht hier lebt. Hier aber



Vermutlich habe ich einfach zu wenig getrunken, denn oben geht es nach dem Apfelsaft gleich erheblich besser. Spinatknödel gibt es nicht mehr, weil es heute zu voll war, Käsekuchen ist aus, aber was noch da ist, ist auch nicht schlecht angesichts der Welt, die da unten liegt.



Menschen sitzen auf Bänken und blicken in die Sonne; es ist nicht eben laut hier, weil man wenig sagen kann angesichts der Grösse der Berge. Es ist ja nicht so, dass sich etwas tun würde, nichts schreit einen an, nichts macht Hektik, ändert die Bilder oder schreit nach Aufmerksamkeit. Es ist einfach alles da, es bleibt, und der Mensch verharrt in Bewunderung.



Vielleicht kann ich so meine amüsierte Verachtung für das Geschmeiss der Aufmerksamkeitsheischerei im Netz am besten erklären. Das alles ist dermassen lächerlich und peinlich, ein Hirngeficke der Sozialkrüppel, die immer etwas machen, bewerten, senden, kreischen, neu erfinden müssen, weil nichts, was sie und ihr Umfeld je gemacht hätte, auch nur einen Moment länger als die Aufmerksamkeitsspanne ihres räudigen Umfelds bestehen kann. Hier ist einfach nur alles da, im Sommer grün und im Winter blendend weiss, und mehr muss nicht sein.



Natürlich stürze ich mich danach auf dem roten Teufel über Rippen und den Staub des Pulverschnees ins Tal, bis die Hände von der Kälte des Fahrtwindes schmerzen und das Geschoss sich kreischend in die letzten Meter Eis vor der Strasse krallt, weit vor allen anderen, die zurückblieben.



Natürlich mag ich es schnell, aber am liebsten mag ich die Sekunden danach, wenn ich mich zurückfallen lasse, in das unendliche Blau des Himmels starre und mein Herz schlagen höre. Meine Seele habe ich an den Berg verloren, und der rote Teufel und seine Geschwister sind so freundlich, ansonsten auf mein Leben zu verzichten.

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Griechenland ist die neue HRE

Die Ähnlichkeit der Abläufe ist irgendwie frappierend: Man setzt sich zusammen, einigt sich, alle sind sicher, dass es bestens ist, und eine Woche später liegt alles wieder in Trümmern, man muss sich erneut treffen, schiebt sich gegenseitig die Schuld zu, findet einen neuen Kompromiss, diesmal erheblich schlechter für alle Beteiligten auf lange Sicht, dann gibt es den Versuch von Nachverhandlungen, neuerliche Anschuldigungen, eine "Euch tut das am Ende mehr weh als uns"-Haltung -

und dabei kann man bei einem Land noch nicht mal einen Squeeze-Out machen, um die ehemaligen Profiteure rauszukicken. Und das ist nur Griechenland, und noch nicht Spanien - die kommen erst, wenn die nächste Tourismussaison daneben ging. Insofern, ein wenig Druck auf Griechenland finde ich durchaus verständlich. Vielleicht hätte man weniger Druck machen müsen, wenn man bei uns konsequent versagende Bankster strafrechtlich verfolgt hätte - dann wüssten die Griechen, dass in der deutschen Regierung keine Feiglinge und Kriechernaturen sässen.

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Donnerstag, 11. März 2010

Der alte Mann und seine Krückstöcke

Seitdem ich am See wohne, bin ich, und das wird mir von allen ausser von den Web2.0-Pinschern aus ihrer vesifften Drecksgosse bestätigt, ein eusgeglichener Mensch; negative Gefühle sacken zusammen wie zu pudriger Schnee.



Ich freue mich zunehmend an kleinen Dingen und sehe darin das Grosse: für die einen mag es ein Waldweg sein, aber für mich ist es der Lebensweg fern aller Belästigungen



Ich glaube auch nicht, dass es je ein gemälde, ein Bild, eine Kunst geben kann, die so ist wie ein kalter, sonniger Wintermorgen am Berg.



Es mag wie der immer gleiche Blick erscheinen, aber es ist nie gleich, immer scheint es anders zu sein; das sind die Kleinigkeiten, auf die man achtet, wenn man nicht in den tatsächlich meistens gleichen Städten eingesperrt ist.



Ausserdem ist meine Kantine da oben auf dem Berg auch gar nicht so schlecht, und die Luft ist sehr, sehr viel besser.



Insofern macht es mir auch nichts aus, wenn ich ein alter Mann bin, alte Kleidung trage und mit zwei verbundenen Krückstöcken den Berg hinauf keuchen muss.



Auch in dieser betagten Form noch geht es natürlich bergab weitaus schneller; selbst wenn ich zufrieden die Beine hebe und es einfach nur laufen lasse.



Wobei, gestern habe ich mal auf die Uhr geschaut und muss sagen: Auf so einem richtigen Rennkrückstockpaar macht man auch aus Jüngeren spielend Apfelmus, wenn man nicht in die Scheewehen rauscht.



Am Abend bin ich dann zum ersten mal knapp unter 4:30 Minuten geblieben. 55 Minuten hoch, 4,5 runter. Und alle Momente sind traumhaft schön.

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Zue friedlich?

Zu viel Rodelherrlichkeit, zu viel Licht auf gleissenden Bergspitzen, zu viel wirbelnder Schnee unter Stahlkufen?

Nun, dem kann abgeholfen werden, denn unter der harten Rodelschale liebt der brettharte Blogbarkern, und der wiederum beschäftigt sich mit der Frage, wie man das Pack, das nach dem Versagen der Netzideen gerade wieder die Realität zu entdecken und als Geschäftsmodell zu entwickeln versucht, dorthin zurückkickt, wo er hergekrochen ist. Die sollen mal schön in ihren kässlichen Virtualitäten bleiben und nicht behaupten, die Realität wird besser, wenn man Pinscher wie sie diese Virtualität drübernageln lässt.

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Mittwoch, 10. März 2010

Müttersorgen

Sie sagen, es sei einfach zu viel im Keller, aber ich glaube, Mutter ist einfach froh, dass die Kinder nicht mehr das Material holen und mit blauen Flecken und Brüchen heimkommen. Deshalb bleiben die zivilen Modelle stehen, vielleicht für die Kinder der Kinder später einmal, und die Profigeräte sind zu verkaufen. Bevor sie sich zu viel Stress antun, fragen sie mich, ob ich nicht noch mehr haben will. Für einen eher symbolischen Preis. Und ich denke mir, es ist vielleicht gar nicht so schlecht, die Gruppe der roten Renner jenseits der Grenze wieder zusammen zu bringen, mitsamt den austauschbaren Kufen und den unterschiedlichen Härtegraden.



Es ist ein ziemlicher Luxus, gleich drei Supersportrodel zu besitzen, aber wer ko, der ko, ausserdem kostet das Benzin in Österreich gerade mal weniger als nichts, und so eine Fahrt über den eiserstarrten Achenpass ist ja auch ganz nett. Es ist ein Luxus, weil alle Rodelläden komplett ausgeplündert sind, es gibt keine Rodel mehr im Alpenraum nach diesem Winter, und Bär und Danner werden sich fragen, warum sie eigentlich die Produktion eingestellt haben, wenn überall die Kunden abgewiesen werden. Vielleicht bekommt mein Händler in zwei Wochen noch ein paar Törggler, aber was brauche ich die - ich habe drei Gasser Supersport. Und der hier ist das immer noch aktuelle Modell mit Seitenführung, Belagschienen und einer Liegeposition, dass ich bei der Bildbearbeitung unwillkürlich Motörhead mitsummen muss: Sitting there in your hired tuxedo. You want to see my bacon torpedo.



Gestern hatte ich nicht das richtige Wachs und Stahlkufen, heute passt der Belag, und ich habe die Rennschienen drauf. Das geht schon besser, da passt plötzlich auch die Aerodynamik, ein paar Zentimeter über dem Schnee und ganz zurückgelehnt. Die Beschleunigung ist wieder da, das Gerät prescht, einmal in Fahrt gekommen, wie eine Kanonenkugel zu Tal, gnadenlos, unaufhaltsam und in den Kurven auf dem Schnee kreischend. Es müssen solche Abfahrten sein, weshalb Mutter in Tirol froh ist, dass die Kinder andere Interessen entwickelt haben und nicht zu sehr jammerten, als sie den Keller räumte. So sind alle zufrieden.



Nur ich bin unten glücklich und schaffe es gerade noch, vor dem Auto auf der Strasse zu bremsen. Die Frau am Steuer lässt das Fenster herunter und fragt, ob das Rodeln noch geht. Ich stehe auf, hebe den Supersport hoch und sage, dass es prima läuft, alles gut mit Schnee voll, nur oben ist viel Tiefschnee, der bremst, aber langsam wird es unten wieder richtig schnell. Hinten schauen zwei Kinder raus und starren auf das rote Monster. So müssen Rodel aussehen, breit, gewinkelt, niedrig, rot, wenn man 7 Jahre alt ist und Unsinn im Kopf hat. Die eine Geschichte ging zu Ende, eine neue wird beginnen, die einen rasen nicht mehr und irgendwann wird eine andere Mutter sich wünschen, sie hätte ihren Kindern nie so ein Gerät geschenkt. Die Kinder aber werden schon wissen, was sie tun. Und warum.

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Heikel

Manchmal bin ich ja etwas erstaunt - kaum zügle ich mich und versuche mal, eine Problematik im historischen Kontext zu sehen, auch wenn es um Offizialdelikte geht, schon verabschiedet sich der erste Leser mit Türenknallen. Wie auch immer: In der FAZ steht mein Versuch, mal ein wenig historisches Material zum Thema Missbrauchsvorwürfe zusammen zu tragen. Immerhin ist das Thema nicht neu, und hatte auch schon früher üble Konsequenzen, wenn es nicht vertuscht werden konnte.

Durch den Link hinaus, zur linken Reihe, und jeder nur eine Tür zum Knallen.

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Montag, 8. März 2010

Kurzfristig gesucht: Wetterwechsel

Autostellplatz in FFM, am besten nahe Griesheim und überdacht, für vier Wochen, ab sofort, bis 80 Euro.

Leichter Morgennebel unter dem Blau des Himmels



Ein Herz für den Schnee und die Kälte und das Licht



Der Wind bläst den Puderzucker von den Bäumen



Heute, am Montag, ist die Hütte geschlossen



Aber der Blick ist weit und lichtdurchwirkt



Nur im Norden hängen Grauschleier in den Niederungen



Der rote Teufel ist im Tiefschnee wie ein Ferrari auf dem Saumpfad



Weiter unten fliegt er durch die Pulverschwaden und das Licht



Vom Schnee befreit, wird das Baguette mit Scamorza überzogen



Am Nachmittag setzen sich die Wolken im Tal fest



Was machen wir, wenn Rodeln nicht mehr geht, fragte morgens mawu



Drei Zentimeter Neuschnee in einer Stunde waren des Berges Antwort



Das bremst den Rodel, aber kaum den Spass bei der Abfahrt



Vielleicht wird es morgen wieder schön und sonnig.



Ein heisses Bad, eine Kanne Tee und eine Orgie in Trüffel



Es sind eisige, fette, anstrengende und phantastische Tage

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Sonntag, 7. März 2010

Fern grauer Städte Mauern

Ihr müsst jetzt sehr stark sein.

Ich war letzte Woche in Frankfurt noch vor dem sog. Kälteeinbruch, und ich weiss, wie sich das am Morgen der Polarluft in der Stadt anfühlte. Es war eisig kalt, ich fröstelte, ich schniefte, es war sonnig, ich hatte einen sehr schönen Abend hinter mir, und trotzdem war es, als hätte man mir Blei an die Füsse gehängt und Kleber in die Gelenke gespritzt. Man hält das eine Weile aus, aber auf Dauer, nach hundert Schritt, will man zurück in die Wohnung. Tu nicht so, schnauzt man sich an, es sind nur ein paar Meter und 2 Grad unter Null. Und dennoch, man wünscht sich den Frühling.



Hier am Tegernsee sind es üppige minus 6 Grad und 30 Zentimeter Neuschnee. Es ist wirklich kalt. Es ist wieder tiefster Winter. Juchee! Es ist wieder Winter! Winter, das ist kalt, sehr kalt, aber angenehm kalt, man muss sich nur bewegen, und in die Landschaft schauen.



Keine finsteren Gassen und keine arroganten Türme, durch die der Wind heult, die Kälte kitzelt in der Nase, aber sie ist rein, pur, ohne Abgase und Lärm, und alles erstrahlt in jenem frischen Weiss, das sich hier 30 Zentimeter dick auf den Zauberwald gelegt hat.



Später dann auch in Blau in den Schatten und Rosa im Abendlicht. Zu spät bin ich angekommen, zu spät losmarschiert, es reicht nicht mehr für den Gipfel, denn der neue Rodel ist viel zu schwer, um leichtfüssig hinauf zu eilen. Aber warum schnell sein, wenn die Schönheit den Wanderer in jedem Augenblick umfängt.



Dann geht es wieder hinab ins abendliche Tal, hinein in das Licht, das über dem satten, kalten und pulvrigen Weiss liegt, das auffliegt und alles bedeckt und, und, im Gesicht erst geschmolzen und dann durch den eisigen Fahrtwind frierend, in der Haut piekst, bis einen der nächste Sonnenstrahl ergreift.



In den Städten mögen sie maulen und keifen und in ihrer Twitter-Timeline ihre Follower beröcheln, aber hier oben, allein am Berg im Licht auf dem Weiss, da kann man sich kaum Schöneres vorstellen als den Bergwinter, diese eisige Göttin aus dem Zauberwald und ihren Millionen kleinen Eiskristallfeen, die durch die Luft flirren. In der Stadt ist der Winter wie Sterben, auch wenn man vegetiert. Hier am Berg kann einen das Wetter umbringen, aber man lebt. Und wie.



Aber das versteht keiner, der immer nur über Bildschirm und Handy gebeugt anderen erzählt, dass er etwas tut, das nur mit etwas gutem Willen wie Leben aussieht.

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Samstag, 6. März 2010

Wir nannten es theShit

Diese dumme Messe in einer dummen Stadt in einer Gegend, in der Gott bei der Schöpfung die Ideen ausgingen, dieser Jahrmarkt der hässlichen Maschinenmenschen ohne jeden Grund für Eitelkeiten, da ungepflegt, schlecht riechend und billige Schuhe tragend. Wie bekifft muss man eigentlich sein, um in sowas die Zukunft des Netzes, der Wirtschaft, der Arbeit zu sehen, warum haut man die Bitkom-Kriecher um Einfluss und Lobbyarbeit nicht einfach aufs Maul...

Ich hatte übrigens sehr feine Tage nicht in Hannover, ich war Bücher kaufen und am Abend zu feinen Gesprächen aus und auf der Heimreise der Tortenjunge, das Äquivalent zum Schokoladenmädchen, als ich in Pommersfelden hielt -



und heute hatte ich Kuchen, ein Sofa und etwas Zeit, um zumindest ein paar dieser Leute in der FAZ zu erklären, wo sie sind, wo sie bleiben und wo sie nie ankommen werden, wenn sie nicht endlich anfangen, sich als das Mietpersonal zu benehmen, das sie sind.

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