Müttersorgen

Sie sagen, es sei einfach zu viel im Keller, aber ich glaube, Mutter ist einfach froh, dass die Kinder nicht mehr das Material holen und mit blauen Flecken und Brüchen heimkommen. Deshalb bleiben die zivilen Modelle stehen, vielleicht für die Kinder der Kinder später einmal, und die Profigeräte sind zu verkaufen. Bevor sie sich zu viel Stress antun, fragen sie mich, ob ich nicht noch mehr haben will. Für einen eher symbolischen Preis. Und ich denke mir, es ist vielleicht gar nicht so schlecht, die Gruppe der roten Renner jenseits der Grenze wieder zusammen zu bringen, mitsamt den austauschbaren Kufen und den unterschiedlichen Härtegraden.



Es ist ein ziemlicher Luxus, gleich drei Supersportrodel zu besitzen, aber wer ko, der ko, ausserdem kostet das Benzin in Österreich gerade mal weniger als nichts, und so eine Fahrt über den eiserstarrten Achenpass ist ja auch ganz nett. Es ist ein Luxus, weil alle Rodelläden komplett ausgeplündert sind, es gibt keine Rodel mehr im Alpenraum nach diesem Winter, und Bär und Danner werden sich fragen, warum sie eigentlich die Produktion eingestellt haben, wenn überall die Kunden abgewiesen werden. Vielleicht bekommt mein Händler in zwei Wochen noch ein paar Törggler, aber was brauche ich die - ich habe drei Gasser Supersport. Und der hier ist das immer noch aktuelle Modell mit Seitenführung, Belagschienen und einer Liegeposition, dass ich bei der Bildbearbeitung unwillkürlich Motörhead mitsummen muss: Sitting there in your hired tuxedo. You want to see my bacon torpedo.



Gestern hatte ich nicht das richtige Wachs und Stahlkufen, heute passt der Belag, und ich habe die Rennschienen drauf. Das geht schon besser, da passt plötzlich auch die Aerodynamik, ein paar Zentimeter über dem Schnee und ganz zurückgelehnt. Die Beschleunigung ist wieder da, das Gerät prescht, einmal in Fahrt gekommen, wie eine Kanonenkugel zu Tal, gnadenlos, unaufhaltsam und in den Kurven auf dem Schnee kreischend. Es müssen solche Abfahrten sein, weshalb Mutter in Tirol froh ist, dass die Kinder andere Interessen entwickelt haben und nicht zu sehr jammerten, als sie den Keller räumte. So sind alle zufrieden.



Nur ich bin unten glücklich und schaffe es gerade noch, vor dem Auto auf der Strasse zu bremsen. Die Frau am Steuer lässt das Fenster herunter und fragt, ob das Rodeln noch geht. Ich stehe auf, hebe den Supersport hoch und sage, dass es prima läuft, alles gut mit Schnee voll, nur oben ist viel Tiefschnee, der bremst, aber langsam wird es unten wieder richtig schnell. Hinten schauen zwei Kinder raus und starren auf das rote Monster. So müssen Rodel aussehen, breit, gewinkelt, niedrig, rot, wenn man 7 Jahre alt ist und Unsinn im Kopf hat. Die eine Geschichte ging zu Ende, eine neue wird beginnen, die einen rasen nicht mehr und irgendwann wird eine andere Mutter sich wünschen, sie hätte ihren Kindern nie so ein Gerät geschenkt. Die Kinder aber werden schon wissen, was sie tun. Und warum.

Dienstag, 9. März 2010, 23:54, von donalphons | |comment

 
Was sagt denn Ihre Mutter zum waghalsigen Rodeln des schlechteren Sohnes aus gutem Hause?

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Die hat eher Angst, ich könnte vor dem Rechner verfetten. Das Bergwandern liegt unsereins im Blut.

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Motörhead - Eat the Rich ... einfach nur köstlich :-)

http://www.youtube.com/watch?v=h45WnW0ASFY

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Genau das. Come on, honey, eat your supper. Come on, baby, bite that sucker.

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Mal was anderes...
Kennen Sie eigentlich den Typen, der bei der FTD in der Kolumne "Das Kapital" immer so schön vom Leder zieht? Manches davon könnte m.E. sogar aus Ihrer Feder stammen...

Schon allein deswegen sehe ich es dem Blatt nach, wenn es zuweilen "die Level-III-Assets der Banken ignoriert".
Well done.

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Nein, ich habe mit der FTD nichts zu tun, aber die Anfrage für den beitrag kam von einem Bekannten, da konnte ich nicht nein sagen.

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