: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Montag, 21. Juni 2010

Der Sommer der Lieblosigkeit

Zumindest im Süden der Republik könnte man ein Blog über Scheidungen aufmachen; das hätte jede Menge betroffener Leser. Ich weiss nicht, ich ahne nur, dass es etwas mit dem Wetter zu tun hat, denn es scheint, als wären all die zugeeisten Hoffnungen des Winters durch den Regen des Nachwinters weggewaschen worden. Oder ist es nur normal, dass sich heute jeder erst mal ohne Nachdenken in die Ehe stürzt und dann merkt, dass es in Freiheit doch besser war?



Die kleine, dumme Stadt hat immer noch ihre Hochzeiten, und als Anwohner einer klassischen Ehestrecke zwischen Barockkirche und Feiersaal kann ich auch sagen, dass der Aufwand 2010 den vorläufigen Höhepunkt der Entwicklung darstellt: Meterlange Schleppen, Schleppenträger, voranziehende Musiktruppen, ein Verleih britischer Prachtkarossen musste aufstocken, und die Feiern, früher gegen Mitternacht vorbei, ziehen sich nun bis in den frühen Morgen hin: Volles Programm, externes Catering, immer mehr, immer üppiger, Trauung am Morgen und dann ein Marathon, bis alle Hits der 80er und 90er gespielt sind (Summer of 69) und alle Erinnerung an benale Ereignisse ausgegraben wurden. Eventcharakter. Planung. Orchestrierung. Da geht immer noch was. Emely hatte so eine tolle Hochzeit, aber Sabrina machte es noch besser. Nur läuft das Niveau auseinander: Vorne in Weiss und Schwarz der ganze Prunk. Dahinter: Was man halt als Sonntagsanzug so hat, und zu tiefe Griffe in das Sortiment einer Boutique, die "Hollywood" heisst. Zu hohe Schuhe.



Früher war es so, dass sie nach 7 Jahren schockiert feststellten, dass sie sich getäuscht hatten. Was man nun so hört ist, dass die Grenze gegen 5 Jahre geht. Vielleicht, weil es die letzte Gelegenheit ist, noch vor dem Kind abzuspringen. Oder was auch immer. Man kann nicht in die Leute hineinschauen. Vielleicht liegt es auch nur an diesem Nichtsommer in Süddeutschland, der einen auf existenzielle und wenig erfreuliche Fragen zurückwirft. Die hatte man früher sicher auch, aber im Rahmen des allgemeinen Reichtums und der schnellen Ersetzbarkeit jeden Eigentums ist die Scheidung im Kern etwas, das man sich genauso leisten kann, wie die teure Hochzeit.

Die Liebe? Nun, die Liebe, die Emotionalität, das ist ein anderes Thema, und nat nur wenig mit Heirat zu tun, mag mir scheinen. Vielleicht sollte man Hochzeiten für Heiratsunwillige anbieten, all der Pomp und die Grösse ohne Nebenwirkungen und Folgeschäden, die sich im Regen über den Niederungen immer einstellen, und zumehmend eintreten, wenn die Fundamente noch ganz frisch sind. Ich verstehe das alles nacht, aber ich bin ja auch nur ein Libertin.

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Samstag, 19. Juni 2010

Die toten Räder und Ideen

Ich musste in den letzten Tagen aus verschiedenen Gründen oft an die Zeit vor 10 Jahren zurückdenken, als die New Economy zusammenbrach. An den, der ich damals war, an das, was ich erlebt habe, und an die, die es nicht begriffen haben. Richtig, vollumfänglich hat es damals ohnehin keiner verstanden, und auch meine Prognosen waren letztlich immer noch zu optimistisch. Das meiste aus dieser Zeit ist verschwunden, geblieben sind nur die Räder der Call a Bike AG, die auch pleite ging, und die Unfähigkeit der Menschen, aus Fehlern zu lernen.



Damals war es vielleicht das Hauptproblem, dass die Fehlerverursacher nicht nur lernresistent waren, sondern meinten ausschliessen zu können, dass sie überhaupt Fehler gemacht hatte. Fehler hätten nur den eigenen, visionären und unangreifbaren Standpunkt gefährdet. Und was dann für alle Beteiligten folgte, war so unsäglich und so sinnlos, dass wir heute wieder an der gleichen Stelle stehen. Schreibe ich in der FAZ.

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Der Koch, die schwarze Brühe und Rotrotgrün

Ich denke, es gibt genau zwei Gründe, um Roland Koch dankbar zu sein.

1. hat er mit seiner Herrschaft in Hessen dafür Sorge getragen, dass man sich als Bayer mit dem CSU-Regime nicht mehr wie der allerletzte Depp in diesem Land fühlen musste. Die Existenz von Koch bewies: Es gibt andernorts Mehrheiten, die noch mangelintelligenter als Rottach-Egern und Neuburg an der Donau und Passau zusammen sind, selbst wenn man das allenfalls den Kärtnern zugetraut hätte. Bei uns hat das Böse und Schlechte wenigstens noch einen fiesen Humor und Lebensfreude. Erst der Blick nach Wiesbaden macht Bayern erträglich.

2. hat er mit dem Verhalten nach dem Scheitern von Ypsilanti durch vier Verräter aus den Reihen der SPD - Durchgriff beim ZDF, immer neue Affairen, Unbelehrbarkeit, reaktionäres Gekeife, Liebedienerei für den Bankenstandort Frankfurt - so wenig Einsicht gezeigt, so wenig dazugelernt, dass sich mancher heute fragt, ob es trotz unschöner Farbenkombination mit Ypsilanti nicht doch lustiger geworden wäre.



Das alles reicht nach meinem Dafürhalten nicht aus, um später einmal, sollte ich postmortal einen Posten in der Sünderverwaltung bekommen, den Vorrat an brennbarem Material in seinem Sektor zu klein werden zu lassen. Es ist noch nicht mal einen Eiswürfel pro Woche wert, denn nichts davon tat er mit Absicht, es waren nur Nebenwirkungen. Tatsächlich sehe ich die historische Rolle von Koch in dem von ihm ausgeübten Zwang auf die SPD, sich in Bezug auf neue Mehrheiten etwas einfallen zu lassen. Es bringt nichts, Wahlen wieder zu bestehen, wenn man am Ende doch wieder nur einen Rüttgers, Carstensen oder Koch vor sich sitzen hat. Und die Grünen in einzelnen Ländern ohnehin schon für die CDU offen sind. Sonst erstarkt man sich zu Tode, und hat auch keinerlei Druckoptinen gegenüber FDP und Union.

Ich weiss, dass Sigmar Gabriel allgemein belächelt wird, aber nach der Nominierung von Gauck ist die Minderheitsregierung in NRW der nächste Coup, der sich auszahlen könnte. Es ist endlich mal wieder ein Zeichen, dass die SPD an die Macht will und bereit ist, dazu auch harte Entscheidungen zu treffen - die, auch das sollte man sagen, nur begrenzt mutig sind, solange Union und FDP mit ihrer Nepotenschmonzette in Berlin noch unattraktiver wirken. Alternativen hatte man letztlich so oder so nicht, egal was manche Medien in Sachen demokratische Pflichten erfinden - an die sie sich selbst ohnehin nicht halten.



Für die CDU ist das Verschweinden von Koch und Rüttgers auch mal eine gute Gelegenheit, sich zu überlegen, was sie eigentlich noch sein wollen. Die SPD hat seit der Bundestagswahl eine erstaunliche Regenerationsfähigkeit gezeigt, die FDP ist auf dem Weg zurück in die Bedeutungslosigkeit, und all die Probleme im Umgang mit der Moderne, angefangen bei den Kirche und ihrem Niedergang über Bildung bis hin zu sozialem Ausgleich sind bei der Union bis heute nicht effektiv angegangen worden. Man wurschtelt sich als Kanzlerwahlverein und rechte SPD mit Wiertschaftsflügel halt so durch. Gestaltende Politik geht anders. Wenn die Kraft in NRW einen guten Job macht - was ich aber auch erst glaube, wenn ich es sehe - könnte es vielleicht doch mal passieren, dass in diesem Land die gefühlte Mehrheit regiert, und nicht die Lakaien der Bankvorstände.

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Freitag, 18. Juni 2010

Es ist so ruhig da draussen

1000e frustrierte Leute in schlechter Kleidung ohne Anlass, schlechte Manieren zu zeigen - das gefällt. Danke Serbien!

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Freitag, 18. Juni 2010

Grüne Sosse

Ich denke, eine der härtesten Aufgaben wäre es, einen guten Reisebericht über Frankfurt zu schreiben. Der Anfang - Frankfurt hat auch eine gute Seite, es sind nur 30 Kilometer nach Bayern - ist schnell geschrieben, der Rest wird dann schon etwas schwerer. Es ist nicht wie Berlin, es hat schon ein paar nette Flecken, man kann es aushalten, aber ich habe dort nie das Gefühl, dort ausdrücklich sein zu wollen.



Immerhin, seit gut 5 Jahren bin ich öfters mal dort, und nach all der Zeit habe ich grüne, oder besser grüngesprenkelte Sosse probiert, was mir, da vegetarisch, sehr entgegen kommt. Es ist jetzt nicht gerade eine kulinarische Offenbarung, es ist auch keine Sache, bei der ich sofort nach dem Rezept fragen würde, aber es ist schon in Ordnung. Ich würde es nochmal bestellen. Aber daheim sicher nicht nachkochen. Das ist in Italien und Österreich anders, da schaue ich immer gerne, was die in den Küchen so treiben.



Ansonsten sieht es so aus, als könnte man in Frankfurt einigermassen auf ein Auto im Sommer verzichten, selbst wenn man nur 23 mm breite Reifen zur Verfügung hat. Der Verkehr ist ohnehin eher stockend und träge, Parkplätze sind ein unschönes Thema, und die Wege sind jetzt nicht so arg weit wie in München. Auf dem Weg vom Palmengarten zur FAZ jedenfalls ist das Auto der klare Verlierer. Was mir dennoch fehlt, ist die absolute Fusstauglichkeit, die ich von meiner Heimat her kenne.



Ansonsten ist Frankfurt ziemlich teuer, und das sage ich, der ich selbst zeitweise in einer teuren Ferienregion lebe. Was ich nicht schätze, ist hier vor allem der Umstand, dass Qualität und Preise nicht wirklich im Einklang stehen. Ich war auch in der andernorts vielgelobten Kleinmarkthalle - der Scamorza war ein trockener und geschmacksneutraler Reinfall, die Pasta in etwa so, wie sich ein Hesse vielleicht Pasta vorstellt, wenn er im Fernsehen betrachtet, was es auf italienischen Tellern gibt. Bei uns, wenn ich das so sagen darf, ist das eine Explosion des Geschmacks; die Frankfurter Waren dagegen sind solide, aber unspektakulär.

Ausserdem hatte das Antiquariat geschlossen, und im Staedel baut man gerade um, aber von einer neuen Buchhandlung habe ich nichts gesehen. Das klingt jetzt alles ablehnender, als es gemeint ist, ich fühle mich dort nicht unwohl, und all die südlichen Leidenschaften, die ich mitbringe, tragen mich über die weniger schönen Aspekte hinweg. Aber mit einem Ort zurecht kommen ist eben immer noch etwas anderes, als totale Begeisterung. Oder gar Liebe.

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Mittwoch, 16. Juni 2010

Kindisches an einem hohen Ort

Ich mag die Tiefgarage der FAZ enorm gern. Die hat so einen glatten Belag, dass die Reifen bei der kleinsten Lenkung schon erbärmlich quietschen, laut und gellend. Das ist grossartig! Wie in einem Film Noir.



Und dann auch noch der kurze, böse Hall! Die niedrigen Decken lassen den Motor ganz besonders giftig bollern. Brumm Brumnm Ieeck Ieeeck Sprotzotzotz Krriiiiiieekrkrkr. Ich könnte hier tagelang rein und raus fahren, nur für das Geräusch.

Aber ich bin auch immer wieder froh, wenn ich in meine Heimat zurück fahren kann, nach Bayern, weil es is hoid a so: Man kann aus Bayern wegfahren, aber nicht von dem Bayern, der man selbst ist.

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Mittwoch, 16. Juni 2010

Achtet auf Spanien

Ich mag Evans-Pritchard auch nicht, aber ich finde, man sollte ihn zumindest gelesen haben, um einen anderen Blick auf die Lage der EU - und hier besonders das Verhältnis rund um Spanien - zu bekommen. Generell denke ich immer noch, dass das eigentliche Problem die USA sind und bleiben, und die sogar um das Ölleck froh sein können, weil es andere Probleme, wie etwa den immer noch sehr mauen Immobilienmarkt und die notleidenden Kredite völlig verdrängt.

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Wir sind ja gar nicht so.

Wir machern uns auch so unsere Gedanken, ob die Welt gut ist, wie sie ist.

Ob es gerecht zugeht.

Ob man nicht allen alles ermöglichen sollte.

Und würde man uns dabei nicht auf die unangenehmste Art und Weise stören, würden wir vielleicht sogar zu anderen Schlussfolgerungen kommen. In der FAZ.

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Montag, 14. Juni 2010

Bilder für die harte Arbeit

Ich werde Ausdauer brauchen.



Ich werde Zeit brauchen.



Ich werde Geduld brauchen.



Manchmal frage ich mich ja, warum ich nicht einen angenehmen Beruf ergriffen habe, der das Hirn wenig fordert und mit Menschen gesegnet ist, die wenig reden und viel tun. Ich weiss, man lächelt auf Seiten sogenannter Intellektueller oft über niedrige Tätigkeiten, aber wenn ich sehe, wie dann auf meiner Seite gesaut und geschlampt wird - kein Installateur würde derartig schlecht arbeiten, wollte er seinen Beruf behalten.

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Montag, 14. Juni 2010

Wenigstens regnet es

nur leider kein heisses Bratfett, sondern nur Wasser auf die Deppen dieser Welt.







Irgendwo weiss ich, dass das Pack auch Menschen sind, und ab und an auch was anderes macht, als vom Dudeldreck einfach weiter zum Ballabschaum zu kriechen. Aber wenn ich einem Auswurf von einem Tröter oder Huper sein Gerät durch den Dickdarm hämmerte, hiesse das noch lange nicht, dass ich mich anderweitig auf meine Dantelektüre berufen könnte.

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