: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Freitag, 15. April 2011

Vor und nach Stradivari

Es ist nicht so, dass mir alle italienischen Städte gefallen. Rovereto ist klein und nichtssagend, Rom ist zu gross, zu laut und für das Gebotene viel zu teuer, eine Stadt ohne Lebensqualität, Genua hat der Hafen ruiniert und Mailand deprimiert mich schon bei der Anfahrt - kein Wunder, dass dort alle an den Lago Maggiore ziehen, wenn sie es sich leisten können.

Was uns zur Frage bringrt: Was fällt einem zu Cremona ein?

Die Geigenbauer.

Stradivari und Guarneri sind nun aber schon eine Weile nicht mehr am Leben, und ob deren Instrumente nun wirklich so toll wie ihr Ruf sind - wer weiss. Cremona jedenfalls hat am Domplatz eine wirklich schöne Bar. Das ist selten, normalerweise sind Bars an Hauptplätzen in Italien übelste Kaschemmen.



Die hier hat Stil. Was man von dem auf der anderen Seite liegenden Dom nicht sagen kann. Der nämlich leidet darunter, dass eine lombardische Fassade der Romanik im Laufer der Zeit aufgebohrt wurde. Gehen wir das mal durch:



Unten haben wir einen wenig gelungenen Säulengang der Renaissance, der keinen rechten Anschluss zu dem Mischmasch findet, den das Portal darstellt. Auf den romanischen Torlöwen stehen schlanke Säulen, die von einem gotischen Vordach mit Spitzbogen erdrückt werden - zu gross, zu spitz, viel zu hoch, und dann noch mit diesem Figurenklimbim in der Arkade, deren Höhe sich nicht an der Gestaltung des Gesamtkomplexes orientiert, sondern zwangsweise abgehackt wird, weil darüber die Rosette kommt. Unter dem Vordach kümmern dann die kleinen, romanischen Säulen und Torgewände des romanischen Baus, dessen kleiner Rundbogen unter der Überbauung völlig verloren ist. Dann ist es erst mal so, wie es sein soll, schwere lomabrdische Romanik mit Blendarkaden - und einem ehemals spitzen Giebel, auf dem sich nochmal die Renaissance haufenförmig setzen musste. Nach hinten hinaus wird es besser, aber drinnen...



Es ist halt Romanik. Die Säulen sind dick und kurz, die Gewölbe etwas schwer, in den Seitenschiffen blieb man recht niedrig, und im Hauptschiff, das man damals nicht wölbte, konnte man bedenkemlos in die Höhe gehen. Dann kam die Renaissance und pinselte schwarzgoldene Säulen an die Pfeiler und Scheinkuppeln in die Gewölbe. Das sieht so aus, als habe jemand mangels anderer Möglichkeiten Säulen und Kuppeln gepinselt, die wie gepinselte Kuppeln und Säulen aussehen - keine Illusion, nur schlechtes Kunsthandwerk, damit alles nach Renaissance aussieht. Weil unten jeder Zentimeter für Altar- und Grabmalschmodder begraucht wurde - über der gotischen Ausmalung im Übrigen, die den Dom nicht im mindestens zu einem schwarzen Loch werden liess, soviel dann auch zum "finsteren Mittelalter - hat man die Hauptwerke an den Wände des schmalen Mittelschiffes angebracht. Die eine Hälfte kann man schlecht erkennen, weil zu dunkel und zu weit oben, die andere Hälfte ist im Altarraum, den man nicht betreten kann. Die romanische Krypta soll toll sein, wegen der bin ich gekommen, aber die ist zu. Offen sind barocke Kapellen voller Goldkrempel. Selten hat mich ein Dom so enttäuscht. Er ist prunkvoll, aber schlecht gemacht.



Man kann sich an den romanischen Resten erfreuen, und die Torlöwen sind fraglos von besonderer Qualität. Vielleicht bin ich ein wenig ungerecht, aber wenn man von Parma kommt, und dort den Dom und das Baptisterium kennt, ist die gleiche Kombination in Cremona nicht im Mindesten vergleichbar. Ich habe mir wirklich Mühe gegeben, ich kann da sehr hartknäckig sein, aber nach anderthalb Stunden - wäre ich besser nach Parma gefahren.



Die Stadt selbst hat neben einigen Verbrechen des Faschismus - obige Versicherungspassage etwa hat ein Wandrelief, das zeigt, was für einen alten Block mit schäbigem Mittelalter man da weggeducet hat - zudem einen Hang zum 19. Jahrhundert. Also nicht nur Fassaden des 19. Jahrhunderts, die einem schon weite Teile von Florenz versauen können, sondern richtiges 19. Jahrhundert. Ganze Strassenzüge wurden hier neu gebaut. Und das nun ist eine Zeit, die Italien nie besonders gut kann. Das ist stets epigonenhaft, da will man krampfhaft Paris und London in Rom sein, und in Cremona fällt das leider besonders deutlich auf. Ich denke, das macht die Nähe zu Mailand.



Es gibt dort schöne Delikatessengeschäfte, aber keine Bordelle des fetten Magens wie in Verona oder Parma. Man kann dort einen Nachmittag verbringen, ein paar heruntergekommene Palazzi finden, die erzählen, was hätte sein können, aber insgesamt - bin ich froh, den leichten Regentag in Cremona gewesen zu sein. Es wäre schade gewesen, wenn ich diesen Tag an einem Ort verbracht hätte, der zu Sonnenschein und blauem Himmel passt.

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Nach Westen!

Es ist mindestens 20 Jahre her, dass ich in Cremona war. Und meine Erinnerungen sind, vom Glockenturm und Dom einmal abgesehen, weitgehend verblasst. Insofern kann ich Neues entdecken, während die Leserschaft noch ein anderes, vergessenes Juwel entdecken kann: Das wissenschaftliche Theater in Mantua. In dem es natürlich nicht wissenschaftlich zugeht.



Sollte übrigens jemand den Eindruck bekommen, ich würde mit meinen Beiträgen derzeit ein wenig in eine gewisse Richtung, etwa atomgläubiger Wissenschafts-PRler sticheln - der ist so falsch wie die gemalten Stuckaturen im Teatro Bibiena. Ich plaudere nur über die Aufklärung, das ist alles.

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Donnerstag, 14. April 2011

Die üblichen Formalitäten

1. Urlaub verlängert

2. Eingeschweissten Grana Padano gekauft (Parmigiano kommt noch in Parma)

3. Tortelli con Zucca gegessen

4. Schuhe gekauft









Erst jetzt kann der Urlaub so richtig anfangen.

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Die Hölle des Südens

Am Sonntag wäre nördlich von London noch ein weiteres historisches Rennen gewesen: "The Hell of the North", eine 70 Kilometer lange Rundfahrt über die übelsten Landstrassen der Region, um die Hölle des Nordens, das Rennen Paris-Roubais zu feiern. Dort geht es über schlimmste Kopfsteinpflaster und zumeist miserables Wetter zu erlittenen Siegen und endlosen Qualen. Es war ein "vielleicht" in meiner Reise, das zu einem "das war nichts" wurde. Ich will gar nicht wissen, wie das mit Heuschnupfen.... wie auch immer: Willkommen zu "The Hell of the South"!



Einem mörderischen Rennen durch Mantua, vorbei am See und an brutalen Kastellen, an Geschäften und Verlockungen wie Pavesi,wo es die berüchtigten kleinen Schweinereien gibt, dreckiger als jeden Schlammloch in Nordfrankreich. 20 brutale Kilometer durch die Schrecken Oberitaliens.



Wie es sich nach drei Kilometern zeigte, hatte ich vergessen, die linke Kurbel ordentlich festzuschrauben. Hier lachten nur ein paar Putti - wie das im gebuchten Hotel in London gewesen wäre, einen passenden Steckschlüssel zu beschaffen, will ich lieber gar nicht wissen. Iich sage nur: Metrisch vs. Zoll. In diesem Moment wird mir klar, dass der Ausfall auch seine guten Seiten hat. Als Ersatztext für die FAZ habe ich übrigens doch über das Radeln geschrieben. Aber wie immer: Von Italien nach Deutschland. Dieser Norden und ich; Das wird in diesem Leben nichts mehr., Es wird Zeit, dass der Norden stirbt.



Zurück auf der Hölle des Südens: Da sind fiese Ritzen zwischen den Steinen, furchtbar mit Rennradreifen. Schwer wird es besonders an jenen Strassen, die mit Arkaden und Lauben gesäumt sind, in denen sich heimtückische Geschäfte verbergen. Wie etwa der neue Käseladen der Stadt. Da hilft nur das Absteigen und Schieben, ganz grässlich. Und erst vor Pavesi!



Beinahe hätte es mich dort geschmissen. Flandern ist ein Dreck gegen die Hölle des Südens mit ihren spitzen Steinen. Das muss man einfach auch mal sagen. Auch muss man sagen: Meine weichen Rennfahrerschuhe (Auto) taugen gar nicht zu den Rennfahrerpedalen (Rennrad). Die Stege drücken beim Rütteln schwer durch.



Beschliesse also, nachher passende Rennradschuhe von Church's, Green und Allen Edmonds anzuschauen. Denn er zur Hölle geht, soll gute Schuhe tragen. Oder andere Räder benutzen. Würden jetzt andere sagen, aber was verstehen die schon von der Hölle.



Nach zwei Stunden elender Quälerei, mal auf dem Sattel, mal schiebend, unter elendsten Wetterbedingungen - brennende Sonne, 24 Grad, zwischendrin immer mal wieder Tifosi im Weg - wird es Zeit, sich auch geistig nochmal schweren Hürden auszusetzen. Zu diesem Zweck erwerbe ich eine Zeitung und mache mich beim Versuch, sie ordentlich gefaltet zu lesen, mehr als nur lächerlich.



Ausgedörrt, ausgehungert von den Strapazen nehme ich dazu eine Kleinigkeit zu mir. Deutsche Schulklassen kommen vorbei. Deutsche Touristen setzen sich neben mich. Eine Italienerin trägt eine dunkelgrüne, glänzende LV-Tasche. Ich muss nachher unbedingt Schuhe kaufen. Ich habe immer noch schrecklichen Heuschnupfen, als ich einmal in zwei Stunden niesen muss. Es geht mir dreckig. Ich bin absolut am Ende, und in 24 Stunden habe ich noch kein einziges Paar Schuhe gekauft.



Jetzt wäre so ein Garten schön. Jetzt wäre es schön, wenn ein paar Kommentatoren darin wären, eine Picnicdecke auslegten und mein Tun loben würden. Jetzt wäre es gut gewesen, in der FAZ eine Begleitung anzufordern, die mich in diesen schweren Stunden umsorgt und - oh Gott, ich habe gehustet - pflegt, und sagt, dass es jetzt reicht, ich bin hier zum Schuhe kaufen, und nicht, um an Asthma zu sterben. Gleich daheim werde ich eine Forderungsliste aufsetzen - da löst sich schon wieder die Kurbel. Tod, da ist Deine Schraube, Hölle des Südens, da ist Dein Sieg - beinahe. Mit letzter Kraft gelange ich daheim an.



Und hätte mir mein grausames Schicksal nicht auch noch diese Sophia-Loren-Kopie in den Weg gestellt, wäre ich sogar richtig flott unterwegs gewesen! So aber ist es die Hölle des Südens gewesen.

Und die Schuhe von Green waren in meiner Grösse auch nicht mehr da, ich musste Edmonds nehmen. Habe dann noch welche von Alexander gekauft. Mit roter Sohle. Die passen besser zum Rad.

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Dienstag, 12. April 2011

Fast pünktlich

Mantua passt einfach. Das ist wie mit dem Auto: Klein, angenehm, keine bösen Überraschungen, man weiss, was einen erwartet, und die Anfahrt über den See, wenn die Festung emporwächst, ist immer wieder beeindruckend.



Ein wenig wie daheim ankommen. Was natürlich die Frage aufwirft, warum ich dann überhaupt wegfahre. Die Antwort: Heuschnupfen. Und einiges, was ich noch nicht kenne. Aber dafür ist es wichtig, eine Basis zu haben, bei der alles am richtigen Ort ist.

Erstaunlicherweise, meinte auch die Vermieterin, komme ich immer fast genau pünktlich, wenn ich allein bin. Niemals mit den enormen Verspätungen, wenn jemand dabei ist. Gut für meinen Ruf, aber unvermeidlich, nachdem die Copilotin in Ägypten weilt, und alle anderen Alternativen schwer arbeiten müssen.

Ach so, und: Statt einem Hut wurden es bislang drei.

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Jetzt aber los!

Gepackt.

Aufgeräumt. So lala.

Verabschiedet. Ist ja nur für eine Woche, mindestens.



Noch schnell für nachher einen Blogeintrag bei der FAZ geschrieben, schliesslich dauert es, bis ich wieder online bin, man will die Leute ja bespassen - selbst wenn das Thema ein unschönes ist: Es geht um die Neigung, Reichen das Geld abzuzapfen, weil man denkt, dass sie so viel davon haben. Und was bei mir die Rechnung für den Wagen ist, ist bei uns allen Stuttgart21 und die Atombüttel

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Montag, 11. April 2011

Blogborderliner im Laufe der Jahre

2002 ..... ist Journalist und Blogger (gemeint ist: arbeitslos)

2004 ..... ist PR-Profi und Blogger (gemein ist: Ex-New-Economy-Hungerleider)

2006 .... ist Profiblogger (gemeint ist: Hat ab und zu Werbung auf dem Blog)

2008 .... ist social Media Berater und Blogger (gemeint ist: Kann sich Visitenkarten leisten)

2010 ... ist Philosoph und Blogger (gemeint ist: Kann nicht schreiben)

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Sonntag, 10. April 2011

Genug gewartet

2007 lagen zwischen dem Heuschnupfen und der letztlich gerade noch abgewendeten, schweren Schädigung der Lunge ungefähr zwei Wochen übelster Röchelei, bis ich irgendwann die Treppe nicht mehr ohne Anhalten hinaufsteigen konnte. Ich fühlte mich nicht wie 40, sondern eher wie 80, nach einem Tod in den mittleren 70ern. Am Tag vor meiner Abreise kaufte ich noch Akkus für die Kamera - nur mit Qualen schaffte ich es nach Hause. Hinter dem Brenner wurde dann alles gut, und es war ein schöner, beschwerdefreier und obendrein langer Urlaub in Oberitalien.



Damals schwor ich mir, es nicht mehr so weit kommen zu lassen. In zwei Wochen jährt sich dieser Schwur, und genauso feiern die Probleme fröhliche Wiederauferstehung. Gestern bei Würzburg ging es los, heute besah sich ein Arzt das Debakel und meinte, dass alles, die Entzündung, die Nasennebenhöhle und der Heuschnupfen zusammengehören, und als ich dann auf dem Heimweg Probleme hatte, genug Sauerstoff in die Lungen zu bekommen - beschloss ich: Diesmal fahre ich zwei Wochen früher los. Und gerade noch rechtzeitig. Diesen Montag.



Einen Strohut werde ich kaufen. Schuhe werde ich kaufen. Ich nehme extra wenig mit, um extra viel zu brauchen. Und um Platz zu haben für Vorräte. Einen möglichen Termin für eine Geschichte habe ich schon, deshalb nehme ich auch das Zullo mit. In Vicenza war ich schon lange nicht mehr. Am Palmsonntag bin ich vielleicht in San Benedetto Po und mache Bilder. Ein wenig Pause vom Unheil, das schnell genug wieder aktuell sein wird (warum steht sowas eigentlich in der Wissensabteilung bei des Tagesspiegels und nicht bei einer Zeitung, die einem Strahlen-Greenwasher Steilvorlagen liefert? Wird geändert.).



Der Arzt meinte übrigens, ich sollte richtig Urlaub machen. Also am besten auch den Rechner daheim lassen. Gar nichts schreiben. Aber wer weiss, ob es nicht regnet? Ausserdem bin ich allein unterwegs, da ist man doch um ein wenig Rücksprache mit anderen dankbar, Abends, im gewohnten Hotelzimmer. Ausserdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass Niedergeschriebenes viel präsenter ist, viel eher im Gedächtnis bleibt, vielleicht anderes auslöscht, aber warum auch nicht, wenn es gute Geschichten sind. Freuen wir uns also auf Italien. Vielleicht derbröselt es dazu den dreckigen Lügner an der dortigen Regierungsspitze, dann ist es perfekt. Die Barchetta hat frischen TÜV und einen neuen Kühler, und nur wenig ist hier, was mich aufhalten könnte.

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Samstag, 9. April 2011

Der Typ mit dem Schwert

Würzburg ist ein feiner Ort für eine Rat, wenn man aus Frankfurt kommt. Der scheusslichsten Teil der Strecke ist bereits glücklich abgefahren, von hier aus wird es nicht mehr schlimmer, und ab Nürnberg ist es ohnehin ein Heimspiel, gewissermassen Vorort. Gefühlt ist Würzburg in der Mitte, und wenn es sich in Frankfurt staut, kommt das auch mit der Zeit so hin. Es gibt in Würzburg immer was zu sehen. So etwas die Kanzel in St. Peter, ein vollkommen überdimensioniertes Stück Rokokoschnitzerei in Gold.



Draussen traf ich dann diesen Kerl.

Hi, sagte er.
Guten Tag, antwortete ich. Tolles Wetter heute.
Naja, aber die Tauben...
Sie sollten mal reingehen, drinnen ist es stilll und ruhig.
Darf ich nicht, das Schwert, Sie verstehen: wenn ich mich bewege, läuft das Blut raus.

Tatsächlich hatte der Priester ein grosses Schwert seitlich tief im Hals stecken.

Oh, das ist natürlich dumm. Wie ist denn das passiert? Kollegen?
Nein, Heiden.
Unfein. Sie müssen entschuldigen, ich sah die Stossrichtung und dachte, da könnte ein Mitarbeiter der naheliegende Täter sein, so heimtückisch, wie es aussieht.
Da haben Sie natürlich recht. Das blöde ist doch: Im Kollegium hätte ich natürlich immer schön aufgepasst, aber wer kann schon damit rechnen, dass Heiden so etwas tun?
Betrachten Sie es als Privileg. Ja, es ist nicht leicht, aber bei Heiden kommt dann jemand und putzt sie rücksichtslos weg. Im Beruf muss man so etwas hinnehmen und dennoch so tun, als wäre es ok.
Was bleibt einem auch sonst, ärgerte sich die Statue in Erinnerung jener Tage, bevor sie zu den zivilisierten Heiden zog.
Gut, mir fällt da schon was ein, das man tun kann, meinte ich.
Da tun Sie gut daran, beschied mich die Statue, und so trennten sich unsere Wege, sie blieb in Würzburg, und ich fuhr heim, eine schöne Idee für einen neuen Beitrag im Kopf.

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Ersatz mit langsamen Gedanken

In London hätte ich vermutlich den Beitrag über scheussliche Neugotik anhand von Westminster Palace (Auswendiglernerei-Albtraum meiner 5. Klasse, Don't forget to take a picture, Cameras are clicking on the left) in zwei Stunden runtergeschmiert.

Jetzt habe ich erheblich länger gebraucht, aber das dafür herangezogene Objekt ist auch nicht scheusslicher und erfüllt den Zweck - denn das Haus kann nichts dafür, es sind die Erbauer. In der FAZ.

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Freitag, 8. April 2011

Untröstlich

Die Geschichte hat eine lange Vorlaufzeit.

Ich habe ja das Glück, meine Themen mitunter Wochen und Monate vorbereiten zu können, und nachdem mir das Radeln doch sehr am Herzen liegt, dachte ich mir, dass es eine schöne Sache wäre, in London wirklich angemessen einzulaufen. Tweed ohnehin, Fliege auch, aber auch ein angemessenes Rad. Menschen in Städten sind oft recht eitel, ausserdem will man ja auch etwas bestaunen, und so habe ich schon vor Monaten begonnen, das passende Gefährt zusammen zu bauen. Ein Zullo Superleggera. Zullo hat in den entsprechenden Kreisen einen famosen Ruf und ist nicht im Mindesten jene Massenware, die man bei den sonstigen Edelitalienern wie Pinarello und Colnago bekommt. Kurz, ich habe für diesen einen Beitrag und 20 Kil,ometer durch London ein Rad aufgebaut, das vielleicht in einem Satz erwähnt worden wäre. Warum? Weil ich kann.



Genauso nachlässig, wie ich im Grossen sein kann, bin ich in Details fanatsich und bereit, vollkommen unverhältnismässige Dinge zu tun. Und nun steht das Zullo unten im Hof und wartet darauf, wieder verpackt zu werden, ohne auch nur in die Nähe des Londoner Asphalts gekommen zu sein. Das ist das einzige, was an der Sache wirklich demütigend ist. Das ist es, was nagt. Ein Ersatzthema, nicht schlechter, ist schon gefunden, die Zugkarte ist umgetauscht, übermorgen binj ich dann eben daheim und warte auf die nächste Zusendung aus einem Auktionshaus, alles hat seine zwei Seiten. Das Zullo ist eine echte Niederlage. Mein Körper schleppt sich wegen der diversen Probleme wie eine Wanze durch die Stadt. Mein Geist kriecht am Zullo.



Allerdings, Tiziano Zullo lötet heute immer noch Rahmen, und vielleicht sollte ich vorbeifahren. Die Ersatzgeschichte beschäftigt sich mit der Frage, wie man vor 25 Jahren Räder aus Italien holte; vielleicht wäre das ein Follw Up, ein zweiter Teil. Zullo und Pelizzoli - der eine ist am Gardasee, der andere in Bergamo. Zullo habe ich schon, aber so ein Pelizzoli in Mintgrün.... das wäre dann auch wieder ein wirklich vollkommen überzogen vorbereiteter Beitrag.

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Donnerstag, 7. April 2011

Vorsichtige Nahrungsaufnahme

Nur sehr weiche Torten, am besten ohne Nuss oder Früchte mit Kernen, sind zu empfehlen, wenn sich alles noch reichlich labil anfühlt.



Man kann gar nicht genug aufpassen, in solch schlimmen Momenten des Daseins.

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