: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Montag, 23. Januar 2012

Volksbelustigung

Ich weiss, dass es diese kranken TV-Shows, deren Nacherzählung heute bei Spiegel Onschleim Teil des Medienkritikprogrammes sind, schon zu meiner Berliner Zeit gegeben hat. Damals wohnte ich zum letzten Mal in einer Region, in der es Plakatwände gibt, und dort waren dann zwei Menschen abgebildet, von denen der eine als "ulkig" gilt und die andere als "attraktiv" bei Leuten, die sich mit Pr0nwebseiten auskennen dürften. Man kann sich dem nicht ganz entziehen, und das ist vermutlich auch Absicht. Aber ich möchte es gern anders herum formulieren: Angesichts dessen, worüber der Abschaum sich belustigt, kommt bei mir die Volksbelustigung zu neuen Ehren.





Früher hat mich das Tanzen erwachsener Männer in rotschwarzen Uniformen auf den Strassen ja ein klein wenig befremdet. Das ist bei uns so Brauch, und weil es die für die Bierpruduktion nötigen Schäffler und heute in ihrer Nachfolge die Brauer sind, ist der Zeitvertreib auch nicht selten. Zumindest nicht alle 7 Jahre, denn so gross ist der Abstand zwischen den Saisonen. 2012 tanzen die Scheffler wieder. Und ich bin gnädiger, serh viel gnädiger als früher.





Nur unbescholtene Gesellen durften mittanzen, und mitsingen: "Owa heid is koid, owa heid is kiod, owa heid is saqueramentisch koid". Es war kein Exzess, sondern einfach ein Vergnügen, eine Aufheiterung in einer schlechten Jahreszeit. Man sieht das in Bayern nur vom Januar bis zur Faschingszeit alle sieben Jahre, und ich kenne nur eine Ausnahme: Da starb bei uns in der Nachbarschaft ein Brauereileiter und Organisator des Schefflertanzes, für dessen Witwe haben sie dann auch ausser der Regel im Sommer die Figuren aufgeführt, den Metzgersprung, die Laube, das Kreuz, und haben den Reifen auf das Fass geschlagen., mitten auf der Strasse.





In vielen Jahren wird es vielleicht einmal jemand wagen, und den Vergleich ziehen zwischen dem, was man früher an Freuden öffentlich aufgeführt hat, was sich hält - in Bayern ist das immer noch sehr populär, man hält an und schaut zu - und dem Irrsinn, der als normale Unterhaltung gilt. Nicht das Schwingen von Kränzen und das Hopsen in Uniform, nicht die Nostalgie, sondern das blaue Flackern in nächtlichen Räumen der Moderne: Das ist ist die krasse Manifestation unserer Zeit. Und ganz ehrlich, so schlimm ich das reaktionäre Menschenbild des Musikstadls finde: Es ist mir immer noch lieber als die Demütigungsrituale, das der gut verdienden Abschaum für den anderen, ärmeern Abschaum macht, und der Schmierabschaum dann bespricht.





Es ist kalt draussen im Januar, da sollte man in Bewegung bleiben, hopsen, dann friert man nicht, oder wenigstens zuschauen. Es ist vielleicht keine Kunst und früher war es auch nicht meines: Aber es sind Leute, die anderen Leuten etwas Gutes in einer schlechten Jahreszeit tun wollen. Und das ganz ohne Werbeunterbrechung.

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Neiddebattiert

Zuerst möchte ich klarstellen: Was man momentan in den USA erlebt - und zwar von beiden politischen Lagern, bei den Nachgebern an der Regierung und den Extremisten der Opposition - zeigt doch recht schön, dass Begriffe wie "der Westen" oder "die westlichen Demokratien" obsolet sind. Es gibt die einen und dann noch die USA.

Wie auch immer. Das einzig Positive, das ich dem Schaulaufen der republikanischen Irren, Wirren und Gemeingefährlichen abgewinnen kann, ist die Erkenntnis, dass es die angeblich typisch deutsche Neiddebatte auch in den scheinbar so puritanischen Gottesstates of America gibt. Gleiche Argumente, gleiche Gehässigkeit, gleiche Doppelmoral bis in höchste Raffkekreise.

Der nächste deutsche Raffzahn, der sagt, dass in den USA alles so viel besser für Anpacker und Unterdennagelreisser ist, und dass man dort reiche Ideenklauer nicht als Abschaum bezeichnet, sondern als gesellschaftliche Vorbider ehrt, sollte in Zukunft vielleicht lieber etwas stiller sein. Ich glaube nicht, dass die Amerianer deshalb eine soziale Ader entwickeln, aber soziale Ungleichheit macht auch dort das Klima nicht besser. Und das ist wenigstens tröstlich, auch wenn es nichts an der Hirnkrankheit der GOP-Wähler ändert.

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Samstag, 21. Januar 2012

Das mittelgrosse Umhängen

Nimm doch diesmal einen Dübel und einen soliden Haken, sagte ich mir. Schliesslich ist die Lücke jetzt gefüllt, fertig basta. Das bleibt. Also bohrte ich, und dübelte ich, und hängte auf. Denn so eine lesende Viertelnackte würde vielleicht alle 10 Jahre einmal kommen, und mich dann ruinieren. Deshalb bohrte und dübelte ich einfach das habsburgische Inzestmissgeschick neben den Bücherschrank. Ich finde s ja durchaus rührend, dass jene Epoche auf Uniformitäten verzichtete - die Ehen waren ja ohnehin Zwangsbündnisse, da ist das Aussehen eher zweitrangig.

Naja, und dann kam der Niederländer mit seiner - idealisierten - Sybille aus dem Umfeld von Pietro da Cortona, mit Buch, mit Brust ohne viel drauf und auch noch ohne erblich bedingte Kinn- und Lippenpartie. Was man eben so gerne neben dem Buchschrank sehen möchte. Auch, wo der Dübel ist. Und zwar zu weit oben, weshalb es noch tiefer kommt.



Meine Untreue beschönige ich damit, dass die Habsburgerin für diesen Platz zu breit war, wohingegen sie eine Wand weiter gerade so passt. Diese Ausrede ist billig, aber eine teure Ausrede - wie etwa Anbauen oder noch eine Wohnung okkupieren - kann ich mir gerade leider nicht leisten. Immerhin war ich jetzt schlau genug, es doch mal mit einem dicken Hakennagel zu versuchen, und der hat auch ausgereicht. Nur für den Fall, dass ich nochmal... aber eher nicht. Es passt schon.



Jetzt rede ich mir ein, dass diese gengeschädigte Habsburgerin den neuen Besucherinnen verdeutlicht, dass ich, wie soll ich sagen, nicht so zimperlich bei den kleinen Animositäten des Schönheitsbegriffes bin, und das, was Frauen heute so pomadig macht - Orangenhaut, zu wenig Sport, allererste graue Haarbefprchtungen - eher gelassen sehe. Und sie sich in der Bibliothek beim Betrachten meiner Büchersammlung ein wenig wie die Sybille frei machen.

Dann wäre das alles eine feine Sache und eine ganz treffliche Bildanalyse.

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Freitag, 20. Januar 2012

Eigentlich wollte ich über Suizid schreiben

Aber am Tegernsee kommt man irgendwie nicht dazu, Ständig gaffen sie einen an und dagen: Ui, da arbeitet ja einer! Ja sowas! Und ihre Hunde kommen und schnüffeln, und dann fragen sie, wie zum Teufel man an einem Tag wie heute und an einem Ort wie diesem - arbeiten? - kann.



Und so kommt man ins Scherzen und lachen und nicht weiter als 6000 Zeichen und fragt sich, ob man das wirklich hier und jetzt schreiben sollte. Sicher schon, weil man dafür ein leichtes Herz für leichte Worte haben sollte, aber dann kommt einem eine andere Idee, und die geht dann viel schneller und leichter in den Rechner.

Und ausserdem haben die Stützen der Gesellschaft Geburtstag, 3 Jahre werden sie alt, und da kann man auch mal was anderes, Hübscheres schreiben. Über diesen Ort und was diese Frage - arbeiten? Was? Hier? Get a fucking life! - bedeutet.

Zu meiner Entschuldigung hätte ich natürlich anführen können, dass meine Marmeladenherstellerin nicht Zentis heisst und mir zwar die beste Konfitüre, aber keine Reisen gibt, was ich in Ordnung finde, und ich auch nicht einfach bei einer Hochschule anrufen kann, wenn ich mal ein paar Dutzend Leihdiener brauche. Ich will nicht, dass sowas wie der Schnorri-Wulff im Bundestag über den Holocaust spricht.

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Freitag, 20. Januar 2012

Plage Lalique

An der Grenze zwischen den Elementen gerinnt das Wasser des Sees in den bitterkalten Nächten zu einem schmalen Band aus Eis, so, wie es sich in Wellen ergiesst, und mitunter friert sogar der Schaum mit ein. Im Laufe des Tages löst die warme Luft vom See das Kunstwerk wieder auf, und in der Nacht erschafft die Natur das opake Glas am Ufer neu
















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Donnerstag, 19. Januar 2012

Es ist zwar etwas teurer

aber dafür ist man unter sich
und ich weiss jeder zweite hier
ist so ehrlich und korrekt wie ich.

Vielleicht sogar mehr als jeder zweite. Denn der Kostennachteil des Tegernsees schlägt schnell in einen Vorteil um, wenn einen der Nächste nicht zusammenschlägt oder einem das Auto beschädigt, sondern Gestürzten aufhilft oder bei Pannen stehenbleibt. Ich persönlich mag das. Sehr sogar.



Es hat mich deshalb fast ein wenig gewundert, dass meine Ende November an dieser Stelle verloren gegangene Casio Exilim nicht mehr aufgetaucht ist. Ich dachte mir, so etwas geben die Hiesigen doch sicher am Fundamt ab, und jemand musste sie gefunden haben, nachdem die Strecke zum nächsten Bildversuch kurz und stark frequentiert war. Abgesucht habe ich alles. Aber am Fundamt war nichts. Nun sollte man denken: Naja, eine mittelteure Kompaktkamera ohne Besitzer irgendwo in den Bergen, das ist fast wie ein paar Geldscheine, das nimmt man quasi als Geschenk, und in Frankfurt hätte ich mir einfach den Anruf beim Fundamt gespart.

Hier jedoch war es so, dass ich einfach zu früh angerufen habe: Der Finder ist tatsächlich zum Rathaus, und hat sie in der Touristeninformation abgegeben. Und von dort musste die Kamera noch per kleinem Verwaltungsakt ins Fundbüro überstellt werden. Das dauerte. Und ich war immer nur zu Zeiten beim Rathaus, als es geschlossen war. Ich war mir einfach sicher, dass sie wieder auftauchen würde. Noch ein Anruf, dann die Bestätigung: Ja, sie ist da, und wenn ich gleich komme, warten sie noch schnell auf mich. Der Tegernsee ist, muss man wissen, nicht der ideale Ort für Spätaufsteher.



Ein herzliches Danke an den unbekannten Finder, für die Kamera und die Erhaltung des Rufes des Tegernsees als Platz zum Leben.

Ich weiss gar nicht, was mich mehr geschmerzt hat: Der Verlust der Kamera oder die darin befindliche, fast volle SD-Karte mit 8 GB Bilder von September in Italien bis zu diesem Traumnovember in den Bergen. Die meisten Bilder sind natürlich auf der Festplatte, aber die Karte ist so etwas wie das Negativ, und das verliert man nicht gern. ameras kann man neu kaufen, Erinnerungen nicht.

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Südlage

Morgen



Mittag



Abend


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Mittwoch, 18. Januar 2012

Mittag am See

Es passiert hier ja nicht viel, ausser, dass ich mir ein paar Gedanken mache. Man muss sich deshalb keine Gedanken um mich machen, alles fein, alles bestens, alles läuft, nur habe ich jetzt seit drei Jahren etwas, das gut läuft, und da frage ich mich natürlich, was man sonst noch so bringen kann. Um es besser zu machen.











Irgendwelche Ideen und Anregungen? Irgendwie ist tolles Wetter ebenso wenig denkzuträglich wie gutes Essen.

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Hochformat

Heute Nachmittag am See. Da wird man schnell frühlingsmüde.



Natürlich wieder nichts geschafft. Vielleicht später.

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Der Teufel hat Schnaps und Rinderwahn gemacht

Mit dem Fleisch und generell mit den Tierprodukten - da tue ich mir seit ein paar Tagen noch schwerer als sonst. Erläuterungen folgen bald. Der früher verteufelte Gin und andere Getränke sind dagegen a) vergan und b) vermutlich auch sorgenreduzierend, was sie zu einem erstklassigen Material für einen Gastbeitrag bei den Stützen der Gesellschaft macht., selbst wenn ich persönlich natürlich nicht trinke.

Ausserdem sind, da weiss man seit Goethe, Sorgen erstlasige Themen zum Schreiben von Texten, die gern gelesen werden. Nur Zyniker würden sagen, die Welt stünde besser da, wenn die Literaten nicht über Suizid schrieben, sondern ihn auch ausprobierten. Nein, die Rollenverteilung passt schon, wie sie ist.

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Dienstag, 17. Januar 2012

Von A nach B

Die Krise ist vorbei, wenn die World of Interior wieder so üppig wie 2007 ist, mit 250 oder mehr Seiten. Diesmal - die neue Ausgabe ist gerade gekommen - sind es nur 150. Und eine Geschichte beschäftigt sich mit einem dort bislang stets werbenden Kaminfachmann. Ein Sammler, ein Händler und ein Reproduzent alter Stücke, die vor der Krise enorm gut an den Mann zu bringen waren. So ein kamin musste damals einfach sein. Von 2008 bis jetzt sah es eigentlich so aus, als könnte den Händler und seine Werbung kein Wässerchen trüben, aber die ganze Geschichte ist jetzt - quasi als letzter Freundschaftsdienst - darin nachzulesen: Die 1400 Quadratmeter Ladenfläche stehen nicht mehr zur Verfügung, der neue Laden ist sehr viel kleiner, und seine gesamte Hauseinrichtung geht jetzt zu Christie's. Vieles verschwindet, nur die alte Hässlichkeit des Münchner Bahnhofviertels, wo ich das Magazin erwerbe, hat Bestand.



Die Probleme der WoI, sich mit Anzeigen zu füllen, und Geschichten zu finden, die nicht so traurig sind - das Titelbild ist ein Haus eines Müllsammlers - deuten darauf hin, dass trotz all der Beschwichtigungen irgend etwas bei den Vermögenden nicht mehr richtig funktioniert. Vielleicht liegt es daran, dass sie sich in guten Zeiten ausreichend eingedeckt haben. Vielleicht ist da aber auch die Angst vor dem grossen Knall, so, wie er sich jetzt mit der Ratingabwerung von Ländern und Eurotettungsfonds andeutet. Wobei, gewarnt wurde vor dem weitgehend fremdfinanzierten und gehebelten Vehikel schon länger: Die Idee ist so dumm wie jeder dieser auf unrealistische Erwartungen hin konstruierten Fonds, und ich sehe auch nicht, wieso sich die Staaten andere Schiefer als Starnberger Zahnärzte einziehen sollten, wie sie nun mal bei ähnlichen Konstrukten für normale Vermögende häufig waren. Das AAA-Rating dieser Einrichtung war schon ein enormes Entgegenkommen. Jetzt ist es weg. Das wurde schon lange befürchtet, das wurde schon beim Zusammenschludern der Konstruktion vorgetragen: Die Politik wollte anders, sie wollte sich den Märkten und ihrem fehlenden Vertrauen unterwerfen, jetzt kommt dafür die Rechnung.



Nein, das waren keine Geheomnisse, nein, das war nicht am Anfang noch undenkbar, und weil man damit rechnen konnte, ist das Geschrei von Westerwelle und Co. pure Heuchelei: Man wollte das Vertrauen, man hat es nicht bekommen, und die Idee, es jetzt mit einer eigenen Ratingagentur zu erzwingen, klingt für mich mehr nach Altersruhgesitz für gescheiterte Neoliberalalas. Will der eine Markt nicht, sucht man sich halt einen anderen, in der Hoffnung, dass der einem mehr vertraut, und der Steuerzahler soll diese Abnickgremium bezahlen. Inzwischen pfuscht man nicht an den Symptomen herum, sondern an denen, die auf die Schäden durch das Herumpfuschen an den Symptomen hinweisen. Und das tun ausgerechnet jene, die das alles beschlossen, abgenickt und bildlich gesprochen, ihre neoliberalgelben Hinterteile dem Markt zum Hineintreten hingehalten haben. Über die Vorstellungen einer marktfaschistoiden Ratingagentur der FDP-Ideale muss man sich keine Gedanken machen: Dort wird dann Lohnzurückhaltung und Steuersenkung als Grundlage der guten Noten gelten. Für die FDP ist das der feuchte Traum: Weg von der wählbaren Lobbyistenkamarilla hin zur institutionellen Selbstbereicherungsagentur.



Es gibt für die Abwertung des Fonds allerbeste Gründe: Europa bricht wirklich auseinander. Deutschland produziert und exportiert am Anschlag, in den PIIGS-Staaten gehen die Lichter aus, Jugendarbeitslosigkeit, Enteignung, Griffe in die Rentenkassen, Verstärkung der Ungleichgewichte zwischen Arm und Reich, Technokratenregime, die das Elend als Druckmittel benutzen. AA+ bedeutet übersetzt auch nur: Deutschland wird am Ende schon zahlen können, hoffentlich. Der Unterschied zu AAA ist nicht der Zweifel, ob Deutschland zahlen wollte, sondern dann letztlich könnte, wenn es hart auf hart käme. Und die Begehrlichkeiten au dem Euroraum, schon jetzt Ländern wie Italien bezuspringen, sind offensichtlich. Bei so einem politischen Konstrukt auf Basis von Entdemokratisierung und gegenseitiger Beraubung und Umverteilung ist die Einschätzung, es könnte da ein paar Probleme mit einem gemeinam verantworteten Finanzkonstrukt mit fiesem Leverage geben, nicht ganz falsch. Nun ja.



Ich verlasse München, fahre an den See, und wäre es nicht so entsetzlich kalt bei uns, ich wäre länger draussen geblieben und hätte mir den Nachthimmel angeschaut. Man sagt, dass man mit blossem Auge vielleicht 6000 Sterne am Himmel sehen kann, aber die Kamera hat inzwischen eine bessere Auflösung, und mit etwas Filtern und Schrauben sieht sogar das Grossbild dieser eisigen Winternacht ganz eindrucksvoll aus. Hin und wieder sollte man daran denken, dass das Grosse, Ganze ein Spiralnebel ist, an dessen Peripherie... an den Finanzplätzen sieht man dieen Himmel nie, und deshalb nehmen sie sich dort so wichtig. Der Galaxis fällt der kleine Drecksplanet gar nicht auf, sonst hätte sie schon längt einen Räumkometen vorbeigeschickt.

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Montag, 16. Januar 2012

Tortensporten

Zum Zieleinlauf der Alten Tanten in meiner Heimatstadt gibt es jetzt eine spezielle Torte mit dem typischen schwarz-weiss karierten Muster.



Nachdem wir schon eine vertikal rot-gelb-gestreifte Tortenflagge haben - die cremig-rutschige Havannatorte - ist diese Ergänzung durch Kokos mehr als nur angebracht. Darauf dann auch ein Glaserl Sekt. Sage keiner, dass man mit 80+ nicht auch noch Sport siegreich vollbringen kann. Angesichts der bescheidenen Reste, die um 15 Uhr noch zu bekommen waren, sah der Zielraum heute vermutlich einige echte WeltmeisterInnen in dieser Disziplin.

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Grenzen der Zukunft

So beliebt waren Blocks, so modern und fortschrittlich erschienen Appartments, dass selbst in der dummen, kleinen Stadt an der Donau bekannte Leute dort einzogen. Architekten. Politiker. Ärzte. Das galt als die Zukunft, was heute gemeinhin als das schlechte Viertel gilt. An einer anderen Schule war eine Arzttochter, bei der ein Freund eines Nachts fensterln gehen wollte. Das ist im Oberland bei den niedrigen Kaschemmen der Mägde vermutlich kein Problem, aber die Holde wohnte im brutalistischen Vorzeigeobjekt von 1968 im 7. Stock hinter einem Überhang, da ist alkoholisiertes Fensterln auch mit Baugerüst keine gute Idee. Nun ja, ich konnte ihn davon abhalten, und so wurde er kein weiterer Selbstmord im falschen Bauen, das bei der FAZ beschrieben wird.



Das Haus, in dem ich wohne, verhinderte bei uns die Teilnahme an diesem teuren Herdentrieb, denn es ist gross, und die Wohnung war vorhanden, und warum sollte man woanders zahlen, was es hier im Überfluss gab. Nicht neu natürlich, nicht mit riesigen Glasflächen und ohne Tiefgarage und Lift, aber damals gab es, man mag es kaum glauben, keinerlei Parkverbot in der Altstadt, und auch keinen Vandalismus. Aber viele zogen weg, die erste Welle in die Blocks und die zweite dann ins Westviertel, in nur selten dichte Bungalows, und in der Stadt blieben nur Bäcker, Handwerker, Metzger und einige schrullige Typen. Als ich hierher zurück gezogen bin, vor nunmehr auch schon über 20 Jahren, galt das noch als sehr seltsam. Aber alles ändert sich, heute ist es scbick, und gleichzeitig käme auch keiner mehr auf die Idee, geschmacklose Bonzen mit normalen Gewerbetreibenden gleichzusetzen, wie ich in der FAZ blogge.



Die blieben in den alten Häusern und starben aus, und deshalb brauchen wir dringend neue Vorverurteilungen und Vorurteile, wir, die wir wieder dort sitzen, wo wir schon immer sassen. Wir brauchen Grenzen des Wachstums und Stacheldraht für jene, die darüber hinaus wollen. Neue Feinde für alte Fronten. So schaut es aus.

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