: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Dienstag, 3. Juli 2012

Schlechter Mond beim Aufgehen

Schlecht schlafen in der Nacht, eigentlich überhaupt nicht schlafen, sondern dämmern.



Schlechtes Wetter, schlechte Gefühle und schlechte Bewusstseinskontrolle am Tag.



Immerhin ist bei Grippe wenigstens das Wetter nicht schön. Zum Plantschen im See rennende Blagen bräuchte es jetzt nicht auch noch.

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Montag, 2. Juli 2012

7 Jahre

Ich täusche mich immer mit dem Datum. Tatsächlich habe ich Berlin unter einem chlorgasgelben Himmel am 31. Mai 2005 verlassen, und nicht am 30. Juni. Allerdings habe ich um diese Zeit dann noch schnell meine Kräuter evakuiert; willkürlich kann man also sagen, dass meine Zelte am 1. Juli abgebrochen waren. Scheidungen, glückliche noch dazu, kennen keine verflixten 7. Jahre. Und es ist nur ein Zufall, dass ich gerade zu diesem Datum noch den Auftrag für ein grosses Stück über die Zurückgebliebenen zu schreiben habe. Unter menschenwürdigen Bedingungen.



Und noch immer graust es mir beim Gedanken, was wohl gewesen wäre, wenn ich das Angebot angenommen hätte, dort zu bleiben. Don Dahlmann hat damals gesagt, etweder man ist nach 2 Jahren wieder weg, oder man bleibt ewig. Weil man dann nicht mehr resozialisierbar ist, hätte man hinzufügen können, der Weg nach Berlin ist eine Einbahnstrasse, man richtet sich dort mit den Problemen irgendwie ein, man arrangiert sich, und der Rest ist einem egal. BER, S-Bahn-Chaos, Randalierer und die Piraten und ihr Desinteresse an normaler Parlamentsarbeit, so kann man das alles erklären. Man muss dort gewesen sein, um es zu verstehen. Aber anderthalb Jahre waren mehr als genug. Wobei, wenn ich ehrlich bin: Anfangs des Monats musste ich stets nach Hause. Ich habe 1000 Ausflüchte gehabt, dort ein paar Tage dranzuhängen. Alles in allem, ein Jahr vielleicht? Immer noch zu viel, nach drei Monaten weiss man, wie das Provinznest dysfunktioniert.



Zugegeben, die Tricksereien der Banken sind schlimmer als Berlin, und das Elend dort fährt, wenn es nicht gerade überbordet, ganz gut im Windschatten der Finanzkrise. Das Leben in anderen Slums ist schlimmer. Aber ich bin dann doch lieber an einem Ort, wo die Menschen im Konzert wirklich 45 Minuten den Mund halten und konzentriert zuhören, wo die Freiheiten der einen nicht die Unterdrückung der anderen unter Lebensvorstellungen bedeutet. Man kann hier schon feiern, aber dafür muss man nicht gleich ideologische Konstrukte der postindustriellen Gesellschaft hochhalten. Vermutlich könnte das Berliner Pack hier sogar irgendwie seine Freiheit verwirklichen, aber es müsste dann ein wenig von seiner obszönen Dreistigkeit aufgeben. Mehr nicht.



Aber das ist schon zu viel verlangt. Die Blase will die Hegemonie, egal ob der Bierflaschenpenner mit Haschproblem oder die Medien auf Leistungsschutzdope, das Kassieren ohne Arbeiten soll die Regel werden, das dröhnt aus Berlin - und das wollen wir nicht, sagen die Menschen in der Provinz. Und kommen mit Worten wie "Gerechtigkeit" und Ablehnung parasitären Verhaltens. Mir tut es immer ein wenig weh, wenn ich mit Leuten rede, die ein Grundeinkommen wollen, um den Menschen die Angstvor Dumpinglöhnen zu nehmen - das ist ehrenwert, aber ein Blog weiter steht dann, was sie damit tun werden. Selbstverwirklichung um jeden Preis, den die anderen bezahlen müssen. Das war 2005 schon fühlbar, inzwischen gibt es dazu eine Partei und Volksvertreter, die in den Parlamenten wenig tun. Ich mag diese Konzerte und das Engagement der jungen Leute am Sonntag, die Begeisterung der Zuhörer und die übervollen Geldkörbe am Ausgang. Es kann funktionieren, hier, in der Provinz, wo jeder die Verpflichtung fühlt, die aus den Bedingungen der Freiheit erwächst. Der Mensch ist nicht schlecht, aber der Berliner in solchen Umfeldern ist ziemlich oft asi. Weil die Selbstbedienung dort als cool gilt. Die Samwers machen es vor, der Rest lobot nach.



Und wenn wir schon über die Bankenkrise reden: Insolvenzverrschleppung, Bailout, Belohnung von Unverantwortlichkeiten, ich sehe da den Unterschied zwischen den Banken und Berlin nicht. Kitas in Berlin sind kostenfrei, das soll die Menschen dazu bringen, mehr Nachwuchs zu zeugen. Woanders muss man zahlen, für die eigene Kita und den Abermillionen, die Berlin nicht hat, aber dafür braucht, Natürlich gibt es dagegen in Berlin keinen Aufstand, die Reichen lachen und die Hipster können noch etwas weniger arbeiten, und am Ende sollen die anderen dafür zahlen, weil Berlin so arm ist. Ich habe in Berlin an allen Ecken und Enden das Verantwortungsgefühl vermisst. Berlin ist nicht einfach nur eine Katastrophe, es ist so katastrophal, wie die Menschen die ihre Stadt gestalten. Na schön, sage ich, wenn ihr so wollt. Kost ein paar Milliarden, schallt es zurück. Warum eigentlich?



Von dem, was in Berlin vorgedacht wird, kommt bei uns nichts an. Die ganzen Ideen und Entwürfe sind bei uns nicht existent. Diese Leute interssieren sich auch nicht dafür, ob ihre Theorien irgendwie implementierbar sind, sie schicken einem allenfalls den Knipserabschaum der Streetviewfreunde auf den Hals, aber nur, wenn die Strassen nicht gefroren und das Wochenendtickets billig und die Versorgung mit weichen Drogen gesichert sind. Es ist in Ordnung, eine neue Gesellschaft aufzubauen, und wenn dabei Berlin verwüstet wird - warum nicht. Danach kann man ja vergleichen, was besser funktioniert, die Theorien der Provinz oder die Theorien der in die Steppe gezogenen Provinzler. Aber dafür zahlen?

Also, nun, bedaure, aber der Krieg gegen die Schuldenunion beginnt am besten in Berlin.

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Sonntag, 1. Juli 2012

Kleine Lügen zum Selbstschutz

In der FAZ erkläre ich, warum alle nach Immobilien streben, und damit sogar Recht haben. Privat dagegen greife ich eher zu Leinwänden und ausgehärtetem Öl. Das hat den grossen Vorteil, dass man immer etwas Obst zu Hause hat, und dennoch nicht zuviel davon isst.



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Nebenbei habe ich Glück gehabt; Fast wäre es zu gross für meine kleine Küche gewesen. Aber nur fast.

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Lieblingsrad

Es gibt welche, da sage ich mir immer: Das ist eigentlich zu schade, ein anderes tut es doch auch. Und dann wiederum sage ich mir: Das ist doch viel zu schade, dass es immer nur rumsteht. Gleichzeitig will man es auch nicht in das drohende Unwetter scheuchen.



Aber irgendwann sage ich mir: Wieso nicht? Es ist doch nur Luxus, Überfluss. Zusammen hat das dann zwei Auswirkungen: Ich nehme es dann doch, auch angesichts des kommenden Unwetters, das noch weit weg ist, und ich löse mich von gewissen Rädern, die nicht nötig sind. Eigentlich würde ja auch eines reichen. Und wenn ich ein einziges Rad behalten dürfte, wäre es vermutlich das hier.



Mein Titanio. Ein schöneres Rad hat Colnago nicht gebaut. Und es ist schnell. Sehr schnell. Schnell im Gegenwind, aber noch schneller, wenn sich die Stürme von hinten über das Land walzen.









Das Wettrennen - 20 Kilometer heim, das Tor aufsperren, das Rad in Sicherheit bringen, auf die Dachterrasse spurten und sie abräumen, bevor der Regenschauer kommt - habe ich mit sehr knappem Vorsprung gewonnen.

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Samstag, 30. Juni 2012

Vom Desaster zur Ruhe

Da ist im ersten Moment der Gedanke, was alles sein kann. Gut 10 Meter Rohr und 1 Meter Erdreich darüber, irgendwo hier kann es gerissen sein. Je nachdem, wo es ist, schwankt es zwischen Schlimm und Katastrophal. Ich weiss nicht, wie die im Jahr 1400 die Fundamente in diesem Hinterhaus gemacht haben. Erster Trost: Es war ja nur dasLager für Kartons. Keine Wertsachen waren hier.



Prompt ertappt man sich schon wieder bei dummen Witzen: Bäcker'sches Volksbad könnte man es ja taufen, mit dem historischen Fliessenboden der alten Bäckerei, auf dem das Wasser auch gut stehen bleibt. So ein Pool ist doch hübsch, im Sommer, in der Stadt.



Aber da sind ja auch noch die Wände, und der mögliche Schimmel, also geht das nicht. Die Pumpen kommen schnell an, die Schwimmer werden mit Gaffatape hochgeklebt, und dann spucken sie das Wasser in den Hof. Viel Wasser. Wahre Fluten. Drei Pumpen sind nicht zu wenig.



Man kann es sich ja ausrechnen: 30 Zentimeter liegt der Laufhorizont unter dem Boden, vielleicht 20 Zentimeter hoch ist das Wasser gewesen, auf 60 Quadratmetern: 12000 Liter.Das kann einen Seemann schon erschüttern.Sugsugsug machen die Pumpen, und wo einst der Hof war, ergiesst sich jetzt ein Bach auf die Strasse. Blöde Witze sind der erste Schritt aus der Verzweiflung.



Wird schon nicht so schlimm sein. 612 Jahre steht das Hinterhaus, das hat schon Schlimmeres erlebt. Den baerischen Erbfolgekrieg. Die Bombardierung durch die Schweden. Österreichische Besatzungsversuche. Jesuiten. Danaben schlug 44 eine Sprengbombe ein, da sind zwar Löcher in der Mauer gewesen, aber auch das hat es ausgehalten. 50 Kilo sollen das gewesen sein, dagegen sind 12000 Liter Wasser kein Problem. Eine Stunde brauchen die Pumpen. Kein Radfahren für mich, natürlich, und Desaster, das weiss ich schon länger, können auch langweilig sein, wenn man neben der Pumpe steht.



Dafür dann ein Sonnenuntergang auf der Dachterrasse. Und der Glückwunsch ins schöne Bayreuth, wo das Markgrafentheater auf die Liste des Weltkulturerbes gekommen ist.

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Kurze Durchsage

Es wird hier die kommenden Tage und Wochen etwas holprig werden, ich habe zwar keinen merkel'schen Verfassungsbruch, aber einen Rohrbruch im Hinterhaus - und so kann man das einfach nicht mehr lassen. Das muss jetzt gemacht werden.

Ist aber gar nicht so schlimm: Mit dem Bankenermächtigungsgesetz für das kapitalistische Terrorregime ist das Haus auch mit Wasserschaden, berechnet man die kalte Währungsreform mit ein, gleich mal 30% teurer geworden: 20% werden sie uns an Vermögen rauben und 10% selbst nochmal in die Tasche stecken.

Dass ich mal um den Gauweiler froh sein werde, hätte ich mir früher auch nicht vorstellen können.

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Freitag, 29. Juni 2012

Das Rad für diesen Abend

An einem Tag wie heute kann man nicht irgendwas fahren. Da gibt es nur eine Lösung, wenn man um 20.30 Uhr noch schnell in den Abend jagt:



Rahmen: Ugo de Rosa Planet (ITA)



Rohre: Columbus Altec (ITA)



Lenker Tecno Tubo Torino Superleggera, Vorbau Cinelli Alter (ITA)



Sattel Sell San Marco Squadra M (ITA)



Reifen und Schläuche Vittoria (ITA)



Felgen Ambrosio (ITA)



Gesamte Gruppe Campagnolo Record Titanio (ITA)



Schuhe Sidi, Trikot Castelli, ITA, man ahnt es, und dann auf dieser Schicht Italianita und der Sonne jenseits der Berge im Herzen durch die Dörfer rasen.



Und das entsetzte Kreischen hören, und die Stille. Daheim dann Ruhe, Menschen schleichen durch die Gassen nach Hause, am Horizont Wetterleuchten. Hätten sie mal besser ein Rennrad gekauft, statt Bier und Fahnen.

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Das Vegessen

Es gibt so Tage, da kann man fast glauben, es wäre irgendein vergessener See in der Nähe der Berge. Das Wetter war nicht gut genug, das Umland anzulocken, die normalen Menschen arbeiten, es ist zu wenig Wind zum Segeln und auf den Bergen ist es noch zu kühl, selbst wenn die Wolken etwas Abstand halten. Und dann gibt es eben diese halben Stunden, in denen die Sonne durchbricht, das Wasser grün schimmert, die Zeit scheint still zu stehen, und man ist reichlich alleine, mit viel Platz zu den nächsten Menschen. Man wohnt hier nicht für die Wochenenden, wenn alle da sind. Man wohnt hier für die Stunden, da man das alles vergessen kann, und von allen vergessen wird.











Leider muss ich dann am Abend wieder heim. In Nächten wie diesen braucht das Haus einen Wächter gegen jene, die nicht hierher kommen, weil es hier keine Fanmeilen gibt.

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Donnerstag, 28. Juni 2012

Es war gut, etwas zu warten

Auch wenn ich am Anfang geglaubt habe, in die Wolken, in den Regen, in das Grau zu fahren. Es löst sich immer irgendwie, und der Berg hat mir nach all den Monaten ein Fest bereitet. Ein kühles Fest, da oben ist es immer noch kalt, und in den Blaubergen liegt in den Rinnen der Schnee, aber doch: Ein Fest. Bergsteigen, während die meisten vor den TV-Geräten sind, ist noch etwas einsamer und schöner als radeln. Und dann diese klare, silbrige Luft. Man schnauft beim Aufstieg, aber das Atmen fällt so leicht.



































Und danach der Schlaf der Gerechten und gut Gefüllten.

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Mittwoch, 27. Juni 2012

Bei den Wilden heisst es "Continental Breakfast",

aber es ist dann keines. Ich denke immer noch mit Schaudern zurück an jenes putzige, saubere Hotel in Holland, in dem sie Schokostreussel auf dem Frühstückstisch stehen hatten - zum Käse dazu. Vom ausgehärteten Tapetenkleister, den sie in England als Brot verkaufen, will ich erst gar nicht reden. Lieber von meinem selbstgemachten Frühlingsquark mit Öl, getrockneten Tomaten, grünen Lauchspitzen (so nennt man Lauchbladdl jetzt) und 30 Gramm geriebenem Pecorino, sowie etwas Pfeffer und Salz. Typisches Armeleuteessen. wenn man es selbst macht.



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Ein traditioneller Einwand gegen massiven Silbereinsatz, wie so ein schweres Tablett, ist in deutschen Haushalten, das wirke doch viel zu auffällig. Das ist nicht richtig. Das ist nur so, wenn man es singulär in einem ansonsten zu dezenten Ambiente (Eiche Rustikal, Ikea, Biofichte) herumstehen lässt. Wie man hier sieht: Sogar ein 45 Zentimeter langes Tablett mit Rocaillen und hochstehendem Rand geht gnadenlos unter, wenn man nur auf die Ausgewogenheit und richtige Dosierung sonstiger Details achtet. Man nehme also einfach das Beste aus allen Welten und viel davon, dann passt es.



Und wenn danach der Berg ruft, ist alles im Lot, auch das Gewicht und die Muskeln.

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Kapitel 1

worin eine blonde Nixe mit gepunktetem Bikini den grünen Fluten entsteigt, ein paar Worte mit dem Helden spricht und sich dann 20 Meter entfernt sonnt, während der Held ein Telefonat führen muss, das sehr viel weniger erfreuliuch als die Nixe ist.



Es gibt manchmal so Zufälle. In Genosse Don Camillo sucht der Pfarrer eine Möglichkeit, eine Patenschaft von Brescello mit einer russischen Kolchose zu verhindern, und als er Gott um ein Zeichen bittet, kommen gerade russische Flüchtlinge in die Kirche, die dann mit Horrorgeschichten das Dorf gegen die Kommunisten aufzuwiegeln. Don Camillo dankt seinem Herrn, aber der lehnt ab - später, als die angeblichen Flüchtlinge als Trickbetrüger entlarvt werden, versteht Don Camillo auch, warum. War er mal wieder zu vorschnell. Und so einen Moment hatte ich auch, als ich im Winter begann, endlich an meinem Roman weiterzuschrieben. 4 Seiten, und plötzlich war eine Mail eines Verlages da, zu der man nicht Nein sagen kann. Eigentlich. Dachte ich. Dann halt erzählendes Sachbuch, warum nicht, und wie lustig ist es, gefragt zu werden, wo andere betteln müssen - nun, wie sich gezeigt hat, war ich auch nicht klüger als Don Camillo. Don Camillo versucht es dann mit einem erfolglosen Hungerstreik, den er erst selbst mit den Vorräten für drei Wochen in zwei Stunden beendet, und nach15 Minuten kommt das kommunistische Kommittee zur Rettung der Hungernden, das ihn nochmal zwangsstopft wie eine Gans - ich jedoch sagte einfach ab, kroch zurück zu meiner Seite 4 und merkte, dass eine grosse Last von mir genommen ward.



Dafür gab es andere Probleme, beginnend bei der Einführung der Personen. Zum Beispiel treten zwei Figuren nie in Persona auf, sondern nur am Telefon, erst gegeneinander, und dann nähern sie sich an. Es ist logisch begründbar, warum sie miteinander telefonieren, aber warum sie mit den anderen nicht direkt sprechen, ist etwas seltsam. Gleichzeitig ist diese Art der Einführung eine, die drei, vier Seiten braucht, um sich zu entwickeln. Viel besser wäre es doch, wenn... also wenn... wie zum Teufel erkläre ich... dachte ich heute morgen und ging zum See, zum Bäcker und zum Nachdenken. Das geht am besten am Strandbad Kaltenbrunn, ganz vorne auf sem Steg, in der Sonne.



Und als ich dann da so sass und auf das grüne Wasser schaute, platschte es von schräg hinten. Ein Schwimmer. Es platschte sich weiter vor zu meiner Rechten, und dann ruderte ein Mädchen in meine Augenwinkel. Auf dem Rücken. Der Kopf und die Zehen sahen aus den Fluten. Und die an den Zehenenden funkelte es rosa. Was sehr hübsch ist, wenn das Wasser dazu noch so mintgrün schimmert, dass es wie ein Photoshopdesaster aussieht. Der Kopf war übrigens auch sehr hübsch. Sie paddelte noch etwas in den See hinein, genau so weit, dass ich, in genau diese Richtung blickend, vielleicht den Anschein des audringlichen Anglotzens hätte vermeiden können, wäre mir nicht die Kinnlade heruntergefallen. Sie schwamm einen Bogen um mich herum und steuerte die Treppe an, die vom See auf den Steg führte, und auf der ich sass und, Platz machend, obendrein bettenweiche Plüschaugen warf. In solchen Momenten, wo es um Leben und Tod geht, kann sogar ich multitasken. Dann stand sie auf, und trug einen rosafarbenen Bikini. Oder besser, aus zehn Meter Entfernung hätte er rosa sein können. Es war aber pink mit vielen kleinen, weissen Punkten. Wenn man nah dran ist, sieht man das. Ich war sehr nah dran. Ein paar Tropfen fielen auf mich herab.



Danke, sagte sie. Willst Du mich heiraten und den Rest Deines Daseins gepunktete Bikinis für mich tragen, fragte ich nicht, sondern ich beschränkte mich auf ein Bitte. Sie kicherte fröstelnd, und sich sagte, es sei wohl etwas frisch heute. Ja, sagte sie, aber nach der Hitze im Büro ist es wunderbar, am Mitteg etwas schwimmen zu gehen. Und dann ging sie weiter, ans Ende des Steges, wo ihre Sachen lagen. Nicht sehr schnell. Nicht so schnell, dass man nicht noch ein wenig hätte reden können. Aber ich musste los, sofort, augenblicklich, wieder hoch auf meinen Berg, an den Rechner, und schreiben, schreiben, schreiben. Mein Held dagegen bleibt sitzen, er hat gerade das gleiche erlebt, und jetzt ärgert er sich ein wenig, weil er das unangenehme Telefonat noch etwas hätte hinausschieben können, aber es hilft ja nichts und ausserdem ist er schon anderweitig verabredet, auch wenn ihm bei dem Mädchen lauter weisse Punkte vor Augen waren und er den bösen Verdacht hat, dass es bei jener, mit der er in Urlaub fahren wird, keinesfalls so weit kommen dürfte. So fängt das also an.

Ja, der See. Die Literaten wissen schon, warum sie hier leben. Danke, Mädchen im Bikini mit den Schleifen, die seitlich herabhängen.

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Montag, 25. Juni 2012

Gelegenheit macht Hiebe

Es gab gestern, obgleich ein schöner Tag an Tegernsee, einige Anlässe zum Missbehagen: Einer begründet sich im Umstand, dass eine Partei, die nach Umfragen sicher im Bundestag wäre, führende Parteimitglieder und viel Gefolgschaft hat, die glauben, HartzIV wäre eine Art staatliche Grundsicherung für einen Politischen Geschäftsführer, der sich auf dieser Basis seinen Parteiaufgaben widmen kann. Das ist es definitiv nicht, sondern ein - durchaus kritisierbarer - Versuch, Menschen in der Zeit zwischen regulärer Beschäftigung zu finanzieren. Was Ponader bei seiner Wahl dagegen zugesagt hat, sich dem Amt quasi Vollzeit den Piraten zu widmen und dann halt ansonsten nicht nach zumutbarer Arbeit zu suchen, ist allein schon eher fragwürdig. Es dann aber auch so durchzuziehen, Hartz IV als Beitrag des Staates zur Finanzierung eines Parteipostens zu betrachten und sich dann noch hinzustellen und zu behaupten, er wisse nicht mehr, ob er dieses ihn finanzierende System gegenüber dem Spiegel als "entartet" bezeichnet hat, und das Zitat sei auch nicht freigegeben gewesen - das ist schon schwer nachvollziehbar. Natürlich würden den Ponaders dieser Welt das BGE besser gefallen, und ich verstehe schon länger, warum. Man lebt halt gern nach Neigung. Und die ist in Talkshows sitzen, und weniger Kranke pflegen oder den Müll wegbringen. Schlechtere Werbung für ein BGE als den Ponader kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Und dann stellen sich seine Parteifreunde auch noch hin und sagen, es sei doch besser, er mache den Parteiposten, statt "betrunken vor der Glotze zu liegen". Diskriminierung ist schon was Feines, wenn es nicht den eigenen Vorstand trifft.



A propos Müll wegbringen: Andere wollten irgendwie diese arabische Silbertablett nicht mehr haben, da habe ich es auf dem Markt genommen. Und wie es der Zufall haben will: Es passt genau auf das kleine Beistelltischchen, das andere andere auch nicht mehr haben wollten. So ist das eben: Man hat man eine Weisband, und dann kommt ein Ponader, mal kommt so ein Klumpen Edelmetall in einer Kiste daher, und dann wieder monatelang gar nichts.



Ich weiss noch nicht, wie lang ich in den Bergen bleibe, denn ich reise mit kleinem Gepäck. Es könnte aber noch etwas dauern, denn ein paar Dinge haben sich gerade geändert, es ist etwas zu tun, und so kann es sich noch hinziehen. Nicht allzu lang allerdings, denn ich habe kräftig eingekauft, und das meiste ist daheim im Kühlschrank. Aber so ist es nun mal bei der Recherche, da muss man sich opfern und schauen, wie das ist mit dem Prassen ohne Einkaufsliste, das Raffen, das Gieren, das Ignorieren jeder Krisenangst, Hauptsache wir sind heute satt, und wenn wir morgen wie die Ponaders leben müssen, bringt es auch nichts, wenn wir heute hungern -

so auch dann der Tenor meines neuen Beitrags in der FAZ mit viel Foodpr0n.

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Als Literat darf man alles

Zum Beispiel auch die Kühe loben. Speziell, das Miesbacher Fleckvieh. Gerade jetzt, wenn ich zum Fenster hinausschaue, sehe ich es, und wenn ich auf den Höhen über dem Tal unterwgs bin, bimmeln am Berg die Glocken.







Bei einem Sommerliebesroman geht es ja nicht um allzu viel; in gut 20o Seiten muss man eine Frau nur so weit bringen, mit einem Mann in einem Bett zu liegen; die kunstreiche Heranführung ist die eigentliche Aufgabe. Man kann Schloss Gripsholm in drei Sätzen erzählen, bei mir werden es noch weniger, aber die Handlungsstränge nehmen ganz erstaunliche Wege. Einer geht über jene Kühe, die ich so gern mag. Ich liebe den Gedanken, dass mein feiner Käse hier die alleinige Rendite aus den Abermillionen Vermögen Baugrund ist, auf dem die Kühe hier fressen und ausruhen.







Aber es gibt auch welche, die das rasend macht. Man sollte glauben, dass alle hier froh und glücklich sind, angesichts des Booms, der gerade seine irrealen Blüten treibt, aber es ist anders. Kaum jemand verkauft jetzt. Den Maklern und Immobilienentwicklern entgeht gerade das Geschäft ihres Lebens. Wer vor zwei Jahren gekauft und vermietet hätte, würde sich dumm und dämlich verdienen, wenn er jetzt verkaufte. Hat aber keiner gemacht, es konnte ja keiner ahnen. Und so werden die Kühe zum Ärgernis. Wenn man an ihrer Stelle nur Wohnungen für Russen, Griechen und Araber bauen könnte. Ich war eine Woche nicht hier, schon sind wieder drei Brioefe von Maklern da. Sie nehmen alles.







So ein Sommerliebesroman muss natürlich im Urlaub spielen, südlich der Berge, und da muss man hinkommen. Die beteiligten Personen nehmen unabhängig voneinander, aus Zufall, oder besser, weil ich es so will, die gleiche Strecke, alle müssen am Tegernsee vorbei, und alle erleben das indivisuell. Der Tegernsee ist ihr Auftritt, da lernt man sie kennen, oder glaubt es wenigstens. Und damit die Frau mit dem Mann ins Bett kommt - so natürlich ist das in Zeiten wie den unseren nicht mehr - müssen die anderen als Brandbeschleuniger wirken. Nicht unbedingt durch gute Taten, sondern auch durch schlechtes Benehmen: Liebe ist zwar schön und gut, aber am besten ist sie, wenn wir anderen eins auswischen können. Und so ein Anlass für die eigentliche Handlung fährt ebenfalls durch das Tal, seine neue Flamme neben sich, und ärgert sich genau über jene Kühe auf dem Baugrund.







Das wiederum findet seine neue Flamme nur begrenzt schön und romantisch; sie ist zwar einerseits berechnend, weshalb sie sich auch so einen Herrn ausgesucht hat, aber auf andererseits belügt sie sich auch gern und ist sich sicher, dass sie dereinst wie eine Prinzessin heiraten, Kinder haben und leben wird. Sie will zwar im Nahziel reich werden, aber im Fernziel schätzt sie durchaus Wohnlagen mit See auf der einen und Koppel auf der anderen Seite, und dahinter dürfen auch noch Kühe stehen, nur Fremde, Touristen und Nichtshaber fände sie schrecklich. Da gibt es dann also einen kleinen, scheinbar unbedeutenden Knacks zwischen seiner Wut und ihren Träumen, der aber erst mal keine Rolle spielt. Schliesslich ist sie froh, gleich wieder jemanden gefunden zu haben, denn der letzte Freund war grauenvoll. Deshalb hat sie sich ja getrennt, und ihr Ex wiederum







ist schon längst angekommen und muss sich mit anderen Problemen herumschlagen, weilo es ganz und gar nicht so läuft, wie er es sich gedacht hat. Sagen wir es freundlich, er hat den einen Lernproizess gerade abgeschlossen, und der Neue ist auch nicht einfach. Und wenn er wüsste, wer da gerade anrückt, dann würde er vermutlich ganz anders handeln und schnell weiterreisen, denn von allen Menschen auf dieser Erde sind die Kommenden die Letzten, die er jetzt sehen möchte. Aber er weiss es nicht, Und mittelfristig wird es für ihn auch gut sein, wenn es so bleibt. Ausserdem lernt man dann auch seine Schattenseiten besser kennen, und ich kann ein wenig Sozialkritik an meiner eigenen Schicht und ihren Torheiten üben: Denn obwohl in meinem Umfeld sicher sehr viel mehr für als anderswo für die Sache aufgewendet wird, muss ich zugeben, dass die Ergebnisse kaum besser als bei weniger Begüterten sind. Darüber werden sie auch mal lamentieren: Was das alles kostet. Und wie wenig Sex dabei herauskommt. Dem Fleckvieh ist das natürlich egal.



Man sagt, wenn es einem vom Radl schmeisst, muss man sofort wieder raus aus der Botanik und rein in den Sattel, dann macht man sich keine Sorgen. So mache ich das jetzt auch.Ob es jemand drucken will: Egal. Darum geht es nicht. Es geht mir um meinen Spass.

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